Deutschlands wahnwitzige Rekordfahrt

Porzellanfiguren in der weltweit tätigen Reichenbach GmbH in Reichenbach. (Keystone/Jens Meyer)

Deutschland ist Weltmeister in der Überproduktion: Porzellanfiguren der Reichenbach GmbH. (Keystone/Jens Meyer)

Deutschland ist auf Rekordkurs. Das Land wird 2016 gemäss Schätzungen des Münchner Ifo-Instituts voraussichtlich einen Leistungsbilanz-Überschuss von 310 Milliarden Dollar erreichen.

Vereinfacht gesagt, wird Deutschland dieses Jahr mit dem Export von Waren und Dienstleistungen also 310 Milliarden Dollar mehr eingenommen haben, als es für den Import von Waren und Dienstleistungen ausgegeben hat. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr und entspricht einem neuen Weltrekord: China wird mit einem Leistungsbilanzüberschuss von voraussichtlich 260 Milliarden Dollar auf den zweiten Weltrang abrutschen, vor Japan mit rund 170 Milliarden Dollar.

Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss wird demnach rund 8,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes erreichen, nach 8,5 Prozent im Vorjahr.

Das ist toll, nicht wahr?

Leider nein. Es ist gefährlich und bedenklich. Denn dieser riesige Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass Deutschlands Binnennachfrage viel zu schwach ist und das Land seine Überschussproduktion sowie seine inländische Überschussersparnis dem Rest der Welt aufbürdet.

Hier zunächst zwei Grafiken, die die extreme Entwicklung der Leistungsbilanz Deutschlands im Zeitraum von 1990 bis Ende 2015 verdeutlichen (Quelle: Weltbank):

Die Grafik zeigt den Saldo der Leistungsbilanz von Deutschland in Prozenten des BIP.

Eindrücklich zu sehen: Während der gesamten Neunzigerjahre, also in den Jahren nach der Wiedervereinigung, lag der Saldo der Leistungsbilanz stets leicht im Minus.

Ab dem Jahr 2000, mit der Einführung des Euro, ändert sich das Bild. Seit 2002 ist der Leistungsbilanzsaldo positiv, und er ist seither stetig weiter gestiegen. Im laufenden Jahr wird er wie erwähnt auf 8,9 Prozent des BIP steigen.

Hier noch eine zweite Grafik, die den Leistungsbilanzüberschuss in US-Dollar (zu laufenden Preisen) ausgedrückt zeigt:

Es ist das Pendant zur ersten Grafik: Negativ in den Neunzigerjahren, und seit der Jahrtausendwende stark steigend. Im laufenden Jahr soll der Wert also 310 Milliarden Dollar betragen.

In Deutschland wird diese Entwicklung typischerweise mit der hervorragenden Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft erklärt: Deutschland ist Exportweltmeister!

Doch das ist bestenfalls die Hälfte der Erklärung. Die andere Hälfte lautet: Deutschland spart zu viel. Viel zu viel.

In der Zahlungsbilanzrechnung einer Volkswirtschaft hat die Leistungsbilanz nämlich ein Gegenstück: die Kapitalbilanz. Vereinfacht gesagt: Einem Überschuss in der Leistungsbilanz muss zwingend ein Defizit in der Kapitalbilanz gegenüberstehen.

Das bedeutet am konkreten Beispiel: Deutschland wird im laufenden Jahr in seiner Kapitalbilanz ein Defizit von 310 Milliarden Dollar ausweisen. Oder anders gesagt: 310 Milliarden Dollar fliessen aus Deutschland ins Ausland ab.

Was geht da genau vor?

Betrachtet man nur eine Volkswirtschaft und nimmt man an, diese sei vollständig geschlossen, es gäbe also kein Ausland, dann existierten es in dieser Volkswirtschaft drei Akteure:

  1. Die privaten Haushalte
  2. Die Unternehmen
  3. Die staatlichen Institutionen

Jeder dieser Akteure hat ein Einkommen und laufende Ausgaben (Konsum). Wenn die Einkommen höher sind als die Ausgaben, fällt eine Ersparnis an. Und diese Ersparnis wiederum steht den anderen Akteuren der Volkswirtschaft für Investitionen zur Verfügung.

In einer geschlossenen Wirtschaft muss die Summe der Ersparnisse (S) per Definition der Summe der Investitionen (I) entsprechen (S=I). Die Höhe des inländischen Zinsniveaus stellt sicher, dass sich S und I decken.

Anders ist es jedoch, wenn die Volkswirtschaft offen ist, also wenn Güter, Dienstleistungen und Kapital über die Grenze ins Ausland fliessen können.

Nun ist die Gleichung S=I im Inland nicht mehr gegeben; sind die inländischen Ersparnisse grösser als die Investitionen, fliesst Kapital ins Ausland ab. Und sind die inländischen Investitionen grösser als die Ersparnisse, wird Kapital aus dem Ausland importiert.

Und genau Ersteres ist in Deutschland der Fall. Die inländischen Ersparnisse sind um 310 Milliarden Dollar höher als die inländischen Investitionen, und dieser Saldo fliesst als Kapitalexport ins Ausland.

Der Internationale Währungsfonds hat in seinem jüngsten Länderbericht zu Deutschland abermals auf dieses Missverhältnis zwischen Ersparnissen und Investitionen hingewiesen. Hier der Sachverhalt in graphischer Form (Quelle: IMF):

 

Die blaue Kurve zeigt die Sparquote des deutschen Privatsektors (Haushalte und Unternehmen) in Prozenten des BIP, die rote Kurve zeigt deren Investitionen. Die Lücke wird immer grösser.

Weil auch der dritte Akteur in Deutschland, der Staat, spart und nicht investiert, fliessen die überschüssigen Ersparnisse ins Ausland.

Damit baut Deutschland laufend höhere Forderungen gegenüber dem Rest der Welt auf. Und das sind leider nicht nur einträgliche Forderungen, denn die Überschuss-Ersparnisse flossen in den vergangenen Jahren über das deutsche Bankensystem zu einem grossen Teil in allerlei zweifelhafte Anlagen: Amerikanische Subprime-Kredite, spanische Immobilienhypotheken, Forderungen gegenüber dem Bankensystem Griechenlands, Portugals und Italiens, Forderungen bei Gläubigern in Grossbritannien, Brasilien, der Türkei, Südafrika, und so weiter.

Daher ist ganz wichtig: Ein hoher Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands bedeutet nicht einfach, dass deutsche Produkte auf dem Weltmarkt so wahnsinnig gefragt sind. Er bedeutet vor allem auch, dass Deutschland viel zu viel spart und zu wenig investiert.

Innerhalb der Europäischen Union gilt eigentlich die allgemein akzeptierte Regel, dass hohe Leistungsbilanz-Ungleichgewichte die Stabilität des Wirtschaft- und Finanzsystems gefährden. Der maximal tolerierte Leistungsbilanz-Überschuss wurde innerhalb der EU vor wenigen Jahren auf 6 Prozent des BIP limitiert.

Deutschland liegt mit 8,9 Prozent des BIP massiv über diesem Wert.

Die EU-Kommission, genau wie der IMF, weist regelmässig (zum Beispiel hier) auf den zu hohen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands hin. In Berlin stösst die Kritik freilich auf taube Ohren.

Doch mal von der Kritik aus Brüssel und Washington sowie von den Gefahren für die internationale Systemstabilität ganz abgesehen: Es ist gar nicht im Interesse der deutschen Bevölkerung, dass derart viel Kapital – 310 Milliarden Dollar in einem Jahr – aus dem Land fliesst.

Der horrende Kapitalabfluss bedeutet nämlich nichts anderes, als dass die deutsche Bevölkerung die Früchte ihrer eigenen, harten Arbeit nicht voll geniessen kann.

Die Lösung wäre simpel: mehr Investitionen und mehr Konsum im Inland.

Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, eine einsame Stimme unter den Ökonomen in Deutschland, weist wiederholt darauf hin, dass die inländischen Unternehmen zu wenig investieren (mehr dazu hier).

Besonders aber der Staat, die Bundesländer, die Städte und die Gemeinden hätten einen enormen Bedarf an Infrastruktur-Investitionen im Inland. Schulen, Bahnlinien, Brücken, Strassen, Flughäfen: Deutschlands Infrastruktur ist längst nicht in glanzvollem Zustand.

Nur etwas steht dem im Weg: Der krampfhafte Wille der Bundesregierung, im Haushaltsbudget eine «schwarze Null» respektive sogar einen Überschuss zu erzielen.

Das ist absurd. Wenn jemand in der aktuellen Lage nicht auf Teufel komm raus sparen muss, dann ist es der deutsche Staat. Die inländischen Privathaushalte sparen schon mehr als genug.

87 Kommentare zu «Deutschlands wahnwitzige Rekordfahrt»

  • Ulla sagt:

    Wahnsinn, um was es sich für Summen in der Wirtschaft geht. Der Autoexport war dabei schon immer ein großer Pluspunkt deutschen Wirtschaft, da deutsche Fahrzeuge weltweit sehr gefragt sind.

  • Beat S. Eberle sagt:

    Macht es wirklich Sinn für ein Land innerhalb eines gemeinsamen Währungsraum eine Leistungsbilanz aufzustellen und von Importen und Exporten zu sprechen? Durch die gemeinsame Währung ist ja gerade der primäre Ausgleichsmechanismus ausgeschaltet.
    Die Schlussfolgerung von Herrn Dittli, mehr Konsum und Investitionen in Deutschland, bedeutet für die Länder mit einem Leistungsbilanzdefizit weniger Konsum und weniger Investitionen. Das ist einfach die andere Seite derselben Münze.

  • Nader sagt:

    Vielleicht möchte Herr Mark Dittli etwas zum Leistungsbilanzüberschuss der Schweiz sagen, das bei 11% des BIP liegt, gegenüber dem Deutschlands, das nur 8% des BIP beträgt?

    Der Kern des Pudels liegt in der Frage: warum kaufen wir ein deutsches Auto und kein französisches oder italienisches Auto? Auch Italiener und Franzosen tun das, warum eigentlich? Die Antwort heisst: Vertrauen. Die deutschen Produkte sind qualitativ besser und deshalb werden sie vom Rest der Welt gekauft. Möchten wir uns vielleicht auch über die technologische Innovationskraft der Italiener oder der Franzosen unterhalten? Ja genau: welche? Es gibt keine. Diese Länder sind 100 Jahre zurückgeblieben und niemand will ihre veraltete Produkte haben. Das ist die Wahrheit.

    • Maiko Laugun sagt:

      Der Airbus-Konzern (z.B.) ist ein Länder übergreifendes Gemeinschaftsprojekt, kein rein deutsches.

  • Alfred Baumann sagt:

    Das Modell Deutschland – Export der Arbeitslosigkeit durch Kreditvergabe – ist durchaus in Ordnung, solange die „Nichtleistungs-Leistung“ der Kreditnehmenden Länder anerkannt wird und die „eingesessene“ Bevölkerung sich nicht benachteiligt fühlt, an der Produktivität partizipiert.

    Bezüglich der Scherenentwicklung Sparen-Investieren sei Blick in die aktuelle CH-(Pensions-)Diskussion erlaubt:

    Das Zwangssparen behindert Individuelle Investitionen.

    Es stellen sich zwei Grundfragen:
    Sind die kollektiven Investitionen tatsächlich effektiver; sind Entscheidungen und Einschätzungen unpersönlicher Gremien ohne eigene Verantwortung und Vermögensexposition dem privaten Engagement überlegen ?

    Und zweitens, werden die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten nicht zu stark behindert und so initiative und leistungswillige junge Leute und Kapital in andere „unternehmerfreundlichere“ Länder vertrieben ?

    Der Apparat der Venture-Förderung in Ehren, er muss aber bezahlt werden, es ist Fremdverwaltung, Fremdverantwortung und der Zugang ist an unüberschaubar viele Bedingungen geknüpft.

  • Illoinen sagt:

    Warum fällt es Deutschland so schwer, wieder Löhne zu zahlen die wie früher entsprechend eins zu eins den Produktivitätssteigerungen entsprachen, plus Inflationsausgleich? In diesem Punkt hätte Deutschland spätestens seit der Euroeinführung, einen riesigen Nachholbedarf.

  • Stefan W. sagt:

    Da Deutschland sich ja gern als Vorbild der Welt sieht, sei mal die Frage erlaubt, was passieren würde, wenn alle anderen perfekt nacheifern würden. Wären dann alle Länder Exportweltmeister?

    Und eine zweite Frage: In Zeiten der Globalisierung und Marktliberalisierung haben wir doch eigentlich wieder ein geschlossenes System, nicht wahr? Aus der Gesamt-Welt kann ja nur relativ wenig Kapital ab- und zufliessen. Wenn das so ist, dann wäre Deutschland für die Welt im Grunde nichts anderes, als zum Beispiel Baden-Württemberg für Deutschland ist: Eine strukturstarke Region, aus der Ausgleichszahlungen in strukturschwache Regionen fliessen müssen, um das Gesamtsystem am Leben zu halten (Denn der Exportweltmeister kann ja nicht überleben ohne jemanden, der sich Importe leisten kann).

    • Linus Huber sagt:

      @ Stefan

      Die wirklich strukturschwachen Regionen liegen allerdings nicht in Südeuropa, sondern z.B. in Afrika oder in anderen Worten müssen Sie in letzter Konsequenz ihrer Überlegungen vielleicht 30% ihres Einkommens umverteilen lassen. Diese Entwicklung wird von Globalisten in Tat und Wahrheit vorangetrieben, sodass bereits eine zumindest marginale Zunahme der Umverteilung via z.B. der Flüchtlingskrise erzeugt wurde, was u.a. zunehmend die gesellschaftliche Kohäsion und den kulturellen und sozialen Friedens gefährdet. Altruismus darf nicht auf staatlicher Ebene angesiedelt sein, ansonsten die sich selbst privilegierenden IYIs (Intellectual yet Idiot) an Systemmanagern ihr Ungemach zunehmend mit Zwangsmassnahmen in kompletter Ignoranz der 2./3. Runden Effekte versehen.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Linus: Völkerwanderung geht meist dorthin, wo es bereits Reichtum gibt oder man sich erhofft, sich solchen erarbeiten zu können. Es erscheint mir nur schon aus diesem Grunde logisch zu sein, dass ein System des Lebens auf Kosten anderer langfristig nicht gut kommt.

        • Linus Huber sagt:

          @ Maiko

          Soll sich in Ihren Aussagen ein Widerspruch zu meinen Ausführungen enthalten, müssen Sie diese prägnanter formulieren, denn der Ausdruck „Leben auf Kosten anderer“ trifft in vielen Bereichen zu.

          Z.B. Der Wohlfahrtsstaat beinhaltet die Möglichkeit sich ein Leben auf Kosten anderer einzurichten, was mitunter ein Faktor, welcher das Ausmass der Zuwanderung beeinflusst, darstellt. Ihre Ausführungen vernachlässigen meist die Bedeutung und den Unterschied, zwischen einem System, welches frei von Zwang und demjenigen, welches voll von Zwang operiert, zu erkennen.

          • Anh Toàn sagt:

            Es gibt kein System, das frei von Zwang operiert, ein JEKAMIONI (Jeder kann mitmachen oder nicht) ist kein System.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Linus: Wir leben alle (noch) in unserem SonnenSYSTEM auf dem Planeten Erde. Dessen Ressourcen sind begrenzt. Das ist unser aller ZWANG.

          • Maiko Laugun sagt:

            Der Wohlfahrtsstaat wird (u.a.) durch Diebstahl von Ressourcen finanziert. Der Preis dafür sind Migrationsströme.

          • Linus Huber sagt:

            Und?

          • Maiko Laugun sagt:

            Es überleben die Anpassungsfähigsten, nicht die Stärksten. Ihre viel zitierten „Weltregierungsfanatiker“ gehören zu den Stärksten. Sie brauchen sie nicht zu fürchten.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Und?“

            Sie sehen die Dinge zu einseitig 🙂

          • Linus Huber sagt:

            „Sie brauchen sie nicht zu fürchten.“

            Die persönliche Ebene wirkt herablassend; es geht nicht um Furcht, sondern darum, ob man sich gedankenlos unterordnet.

            „Dessen Ressourcen sind begrenzt. Das ist unser aller ZWANG.“

            Offensichtlich erkennen Sie den Unterschied zwischen Zwang der Natur und Zwang von Mitmenschen nicht.

            „Der Wohlfahrtsstaat wird (u.a.) durch Diebstahl von Ressourcen finanziert.“

            Dies erkläre ich in meinen obigen Ausführungen und Sie bewerten mit Ihrem Gedankengut diese Gangart der „Stärksten“ als Positivum.

            „Der Preis dafür sind Migrationsströme.“

            Die Flüchtlingswelle beruht in erster Linie auf der durch die „Stärksten“ organisierte Destabilisierung des Mittleren Ostens, was Sie gutzuheissen scheinen.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Linus: „..ob man sich gedankenlos.. “

            Ohne Gedanken würde ich wohl kaum kommentieren, egal ob diese richtig oder falsch sind.

            „Offensichtlich erkennen Sie den Unterschied zwischen Zwang der Natur und Zwang von Mitmenschen nicht.“

            Der Mensch ist Teil der Natur.

            „Dies erkläre ich in meinen obigen Ausführungen und Sie bewerten mit Ihrem Gedankengut diese Gangart der „Stärksten“ als Positivum.“

            Nein, ich behaupte, dass die „Stärksten“ nicht überleben.

            „Die Flüchtlingswelle beruht in erster Linie auf der durch die „Stärksten“ organisierte Destabilisierung des Mittleren Ostens, was Sie gutzuheissen scheinen.“

            Nein, ich bin überzeugt, dass die Anpassungsfähigsten überleben werden, also genau nicht die „Stärksten“.

          • Maiko Laugun sagt:

            Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass die Araber auch im 21. Jahrhundert noch fähig sind, sich wieder auf ein Kamel zu setzen und durch die karge Wüste zu reiten.

            Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass ‚meine‘ Chinesen (auch aus kulturellen Gründen‘ fähig sind, auch unter widrigsten Umständen zu überleben.

            Oder muss ich noch anfügen, dass ich dies den „Starken“, inkl. Heidiländer, nicht mehr zutraue?

          • Maiko Laugun sagt:

            Bevor ich Ihnen das – von Ihnen offensichtlich jeweils wirklich so dringend gebrauchte – Schlusswort überlasse:

            Selbst meine Wenigkeit ist nicht zu dumm, um zu erkennen, dass es den „Stärksten“ aus Macht- u. Profitgier egal ist, ob die aktuelle Welt vor die Hunde geht oder nicht.

          • Linus Huber sagt:

            Interessante und an Inkonsistenz leidende Ansichten wenn man die Agenda der IYIs gutheisst.

  • Sacha Maier sagt:

    Deutschlands Exporterfolg basiert zu einem grossen Teil auf Hartz-IV-Minijobs und den Billiglohn-Leiharbeitern. Im Prinzip hat Gerhard Schröder (SPD für Staatsbediensteten-Partei Deutschlands) mit seiner Agenda 2010 China kopiert und so die Deindustrialiserung mindestens im Bereich Endmontage aufhalten können. Mit den WTO-Globalismusbeschlüssen 1995 wurde bekanntlich auch die Soziale Marktwirtschaft zu Grabe getragen und der Neofeudalismus eingeführt, der nach altrömischem Vorbild die (Billig-)Produktion vom (Teuer-)Konsum geographisch und kulturell trennte. Mit der ALV-Revision 2010 hat auch unser Land mit dem Dritten Arbeitsmarkt einen Billiglohnsektor geschaffen. Bloss kam das zu spät und die Zahl Ausgesteuerter zu klein. Unsere Deindustrialisierung ist deshalb unumkehrbar geworden.

  • Guido Biland sagt:

    So funktioniert Kapitalismus mit freiem Kapitalverkehr:
    1. Die deutschen Investoren produzieren gefragte Produkte (Autos, Industrieroboter etc.).
    2. Die EZB sorgt für eine billige Währung und billige Kredite.
    3. Die Arbeitnehmer und der Staat werden an die kurze Leine gelegt, damit möglichst hohe Profite anfallen.
    4. Die Vermögenden werden von Steuerlasten befreit.
    5. Mit dem akkumulierten Kapital expandieren die deutschen Investoren ins Ausland. Die deutschen Konzerne wachsen munter in alle Himmelsrichtungen.
    6. Der Wohlstand der Reichen wächst, und der frustrierte Mittelstand fängt an, AfD zu wählen.
    7. Die Verlierer, die der Kapitalismus produziert, gehen gegenseitig aufeinander los.
    8. Ab und zu gibt es wieder eine Finanzkrise, aber darum kümmert sich dann ja der nette Staat.

    • Hans Beobachter sagt:

      Genau so

    • Linus Huber sagt:

      @ Guido

      Alles soweit richtig nur handelt es sich nicht um Kapitalismus, sondern um „Crony Capitalism“, welcher auf der planwirtschaftlichen Funktion der ankerlosen Geldpolitik der Zentralbanken beruht, ansonsten die sich aufblähenden Ungleichgewichte, welche zunehmend und korrekterweise als Ponzi-Scheme erkannt werden, immer wieder durch die schöpferische Zerstörung (Schumpeter) bereinigt worden wären.

  • Maiko Laugun sagt:

    Die (Export-)Wirtschaft schreit nach Investitionen für Bildung (= Fachkräfte), was die Handelsüberschüsse anheizt.

    Gleiches gilt für die Forschung: Soll *D* in solche für die Autohersteller investieren?

    Umgekehrt sollen Bildungsinvestitionen nicht zu unbrauchbaren und ungefragten Arbeitskräften auf dem Markt führen.

  • Peter Meier sagt:

    Aus der Logik des Textes folgt doch auch: Schäuble sorgt für den Aufstieg der AfD und Konsorten.

  • Ingo Nimbus sagt:

    Zunächst hat CH pro Kopf einen höheren Leistungsbilanüberschuß erwirtschaftet als D.
    Wenn man die Ursachen für die Exporterfolge der zentraleuropäischen Industriewirtschaften sucht muß man sich näher mit der Struktur der Wirtschaftssektoren befassen. Dabei fällt auf dass D einen Anteil des Produzierenden Gewerbes am BIP von 22,3% aufweist während UK (8,5%) oder USA (11,9%) mit fallender Tendenz nicht konkurrenzfähig sind und das Defizit über Dienstleistungen nicht kompensieren können.
    Der Schlüssel liegt als in einer politisch falsch gesteuerten Wirtschaftsstruktur.

    • Rolf Zach sagt:

      Man kann dies nicht genug betonen. Kann zum Beispiel Großbritannien aus seinem chronischen Defizit der Leistungsbilanz herauskommen. Nein, nicht die Bohne und warum fällt dann das Pfund nicht weiter ins Bodenlose. England ist das Paradies für all diese Autokraten aus Osteuropa, Asien und Afrika, die sich panisch vor ihrer eigenen Bevölkerung fürchten und den Geschäftsleuten aus den gleichen Gegenden, die nie wissen, ob sie vollständig von räuberischen Beamten ausgeraubt werden.

    • Oskar Zentralschweiz sagt:

      Ingo ist auf dem richtigen Weg. Denn deutsche Bürger haben einfach nicht das Geld, mehr zu investieren. Und gerade kleine Unternehmen haben bei dem dort herrschenden Steuersystem oft nicht das Geld, deutlich mehr Lohn zu zahlen. Zum Vergleich: Die Anstellung einer ungelernten Person, die im 50% Pensum zum Mindestlohn von EUR 8.50 arbeitet, kostet das Unternehmen EUR 900.–. Das waren bis 2011, dem Jahr, in dem noch ein reales Wechselkursverhältnis zum Franken herrschte, CHF 1’440.–. Der Mitarbeiter erhält aber netto nur EUR 577.– und zwar im Monat. Eine Angestellte im öffentlichen Dienst geht für ein 100% Pensum mit EUR 1’500.– netto nachhause. Daran seht Ihr, dass es beileibe nicht nur die Hartz 4 Empfänger sind, die einefach nicht mehr Geld haben, um es auszugeben.

      • Thomas ZU sagt:

        Ich konnte im Mittleren Dienst über 1 300 Euro verdienen und dabei jeden Monat noch als Einzelperson auf die Seite legen. Von wegen….

  • Christian Müller sagt:

    Die massiven Aussenhandelsungleichgewichte werden unverständlicherweise von der Deutschen (und Schweizerischen) Regierung auch noch bejubelt. Und schlichtweg pervers wird es, wenn die anderen Nationen, die dafür Schulden machen müssen, zugleich für dieses Schuldenmachen kritisiert und verurteilt werden.

    • ast sagt:

      Das wird nicht nur von den Regierungen bejubelt ( und schön gerechnet), auch die angeblich kritisierenden Institutionen wie der IWF loben an anderer Stelle jene Länder mit dem grössten Leistungsbilanzdefizit. Zum Beispiel auch das WEF mit ihrem „Global Competitiveness Ranking “ lobt Deutschland und besonders die Schweiz. Der Anteil der staatlichen Investitionen an den Gesamtinvestitionen ist sowohl in DE als auch in der CH auf bedenklich tiefem Niveau. Übrigens ist der Rückgang besonders bei den Sozialversicherungen zu erkennen ( in DE nur noch 1/3 öffentl. Investitionen im Vergleich zu 1970). Von „sozialer Marktwirtschaft“ kann keine Rede mehr sein.

  • Jean-Claude Schmitz sagt:

    Bei dem grossen Leistungs-Bilanz-Plus fällt es auf, dass die Staatseinnahmen wenig davon betroffen sind, die Staats-Ausgaben auch nicht, das Budget hält sich mit der schwarzen Null ja im Gleichgewicht.
    Es sind private Gelder, welche da angehäuft werden, und ins Ausland verschachert werden, da kommt der Staat in D nicht ran, will es auch nicht so recht.
    Es ist wohl nicht die arbeitende Bevölkerung, welche etwas von dem Geld sehen und es dann sparen würde, es sind eher die Eigentümer und Aktionäre der erfolgreichen Unternehmen.
    Brauchen tun sie das Geld nicht, gebrauchen auch nicht, also ins Ausland damit. Inwieweit private Pensionsfirmen und Lebensversicherungen daran beteiligt sind, wäre noch interessant.

    • Rolf Zach sagt:

      Nun, die Subprime-Krise 2008 hat gezeigt, wohin der deutsche Leistungsbilanz-Überschuss hinwandert, nämlich ins gigantische US Loch der Finanzspekulationen. Zuerst haben die deutschen Landesbanken und Sparkassen über Irland in den USA ihr Geld verloren. Nun kommt die Deutsche Bank dran mit Bussengelder in Milliardenhöhe, weil sie unbedingt dort wie die Einheimischen wüten musste.
      Vergessen wir auch nicht wie die deutsche Autozulieferer-Industrie wie z.B. ZF Friederichshafen ihren US Konkurrenten TRW für Milliarden aufkaufte. Die deutschen Autozulieferer werden global. Ferner denken wir an die Monsanto Übernahme durch Bayer.
      Es scheint, dass die deutsche Politik dies gar ungern sieht.

    • Anna sagt:

      Panama Papers – eben erst erschienenen, schon wieder vergessen?

  • Ursula Suter sagt:

    Spannend

  • Richard sagt:

    Der für Deutschland massiv unterbewertete Euro führte zu einer bubble economy wie in den 60ern im Bretton Woods-System einschließlich künstlich angelockter Immigration und somit sozialen Folgen. Gleichzeitig wird staatlicherseits nur verpulvert statt investiert, ob Wohlfahrt oder uneinbringliche Euro-Stützungskredite.

    • Rolf Zach sagt:

      Massiv unterbewerteter EURO? Schweizer Leser-Spalten sind voll von Kommentaren, die dem EURO ein schmähliches und rasches Ende prophezeien. Jetzt ist diese weiche und nutzlose Währung sogar unterbewertet. Man staunt! Ist es jetzt eine Reservewährung oder nur eine Fata Morgana?

  • Mark sagt:

    Ich finde es fair, dass Deutschland sich zumindest Exportweltmeister nennen darf. Schliesslich sind die Forderungen gegenüber dem Ausland uneinbringlich. D.h. die Deutschen liefern gratis. Auch wenn die Politik, dass bestreiten würde. Natürlich. Titel gegen Cash. (vgl. Target2)

  • Anh Toàn sagt:

    Es ist nicht absurd, wenn sich eine Regierung an die Verfassung hält:

    Artikel 115 Grundgesetz

    „…Die maximal zulässige strukturelle Nettokredit­aufnahme ist auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes begrenzt…)

    Das ist nicht einfach wegen der bescheuerten schwäbischen Hausfrau, die hat einen Haushaltvorstand und der sagt ihr, du musst sparen.

    • Anh Toàn sagt:

      Kurz: Die schwarze Null steht im Grundgesetz. Die hat sich Schäuble nicht einfach ausgedacht.

    • Anh Toàn sagt:

      Und nochmal: Volkswirtschaftliche Formeln zeigen keine Kausalität; Man könnte genauso gut schreiben:

      Weil das Ausland Kapital absaugt aus D, müssen sich die Deutschen bei Wasser und Brot den Arsch aufreissen.

    • Anh Toàn sagt:

      Hier wird wiederholt auf die pro Kopf noch höheren Überschüsse der Schweiz hingewiesen: Der bürgerliche Mehrheit im Nationalrat sagt, wir müssen sparen, wir haben kein Geld mehr für AHV Renten. Das Volk hat diese Politiker gewählt, die Bürgerlichen treten doch immer an damit, dass gespart werden müsse, die Linken verschleudern doch das Geld und machen Defizite:

      Nun sparen wir, bei unseren Einkommen, auf dass wir Überschüsse erzielen, welche über die Nati in EUR und USD und was weiss ich im Ausland angelegt werden:

      Das Volk (der Germanen) scheint mir eine masochistische Veranlagung zu haben.

      Liessen wir die Löcher in der einfach wachsen, würde vielleicht der CHF dann mal schwächer, Ach Gott bewahr‘ sagen die AufRechten.

      • Rolf Zach sagt:

        Haben Sie es noch nicht begriffen, Anh Toan, wir Schweizer wollen eine Schatzkästli-Währung. Eine Währung, die stolz ist deflationär zu wirken und wo der immer schwer misstrauische reiche Ausländer etwas hat, wo absolut sicher und im Preis besser steigt als Gold. Wo bekommt man so etwas? Auch wenn unser Bankgeheimnis nicht mehr so ist wie der hochgeehrte Alt-Bundesrat Merz geschildert hat, genügt unser Wahn für Deflation weiterhin, dass die Ausländer kommen. Ersticken wir an der Deflation, haben wir ja die Negativzinsen, damit die Ausländer nicht zu sehr geplagt werden, beteiligt sich die Grossi mit ihrem Spar-heft für Enkel Maxli daran, mindestens 2 % Negativzins müssen es sein. So kann er wenigstens später weniger für seine Schleckstengel ausgeben, ist gut für die Gesundheit von Maxli.

        • Maiko Laugun sagt:

          @Zach: „..wir Schweizer wollen eine Schatzkästli-Währung.“

          Das Heidiland hat TROTZ starkem CHF einen Aussenhandelsüberschuss. Oder etwa nicht?

      • Rolf Zach sagt:

        Sie tun den Deutschen unrecht, gerade hat der Bundestag beschlossen die Renten in Deutschland zu erhöhen unter besonderer Berücksichtigung der tiefsten Renten. Also sind die Deutschen nicht derartige Masochisten wie Sie und der Artikel sie beschreiben. Wir sind viel besser in dieser Sache. Der große Kanton sollte uns zum Vorbild nehmen. Für Steuerflüchtlinge tun wir alles, dies nennen wir die Alten stehlen den Jungen die AHV. Ich muss unbedingt im Interesse der Schatzkästli-Währung dafür sorgen, dass ich nie so alt werde wie meine selige Mama, nämlich 98.

  • thomas schmid sagt:

    Wieder so ein typisch helvetischer Neid-Artikel. Wenig Substanz und entsprechend falsche Rückschlüsse. Nichts anderes als eine billige Boulevard-Schlagzeile.

    • Frank Zuffnik sagt:

      Selbst wenn sie Buchhaltung halt offensichtlich nicht verstehen, die Schweiz mit ihren 50 Milliarde/Jahr Aussenhandelsueberschuss hat einen noch hoeheren pro Kopf Kapitalabfuss als Deutschland. Wer sollte denn da auf wen neidisch neidisch sein?

    • Josef Marti sagt:

      Unsere Überschüsse sind pro Kopf trotz überteuertem CHF noch stärker; wenn Argumente fehlen lässt man halt hirnlosen Stuss heraus.

    • Josef Marti sagt:

      NIIP per capita Rangliste:
      1. Singapore
      2. Norway
      3. Hong Kong
      4. Switzerland
      5. Taiwan

      9. Japan
      11. Germany

      • Rolf Zach sagt:

        Sie wagen es eine solche Rangliste zu veröffentlichen, wo die Schweiz nicht Nummer 1 ist.
        Wir müssen die Nummer 1 werden und zwar ohne dass wir wie Singapur und Norwegen einen Wealth Fund gründen, wie diese bedauernswerten Irren, die von Wirtschaft nichts verstehen. Unsere beamteten und an der Universität tätigen Volkswirtschaftler wissen, ein Wealth Fund ist bolschewistischer Unsinn. Wo wäre die berühmte Schweizer Freiheit, ein solche abscheulich-kollektivistische Organisation würde der Novartis ihr Roche Paket abkaufen. Auch wenn es ein Geschäft wäre, wir sind die Hüter der reinen Lehre. Wir müssen durch die SNB US Glamour Aktien kaufen oder noch besser das Budget-Defizit der USA decken, damit sie Weltmacht bleibt und uns
        empfindlich zwicken kann.

        • Josef Marti sagt:

          Herrlich formuliert; der Masochismus unserer Büezer ist weltmeisterverdächtig, da sollte man doch denen am Katzentisch wenigstens ein Whiskas gönnen.

  • M. Escher sagt:

    Wurde da nicht vergessen die Entwicklung der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge zu berücksichtigen? Nimmt die zu ( und das hat sie ja ganz massiv) muss dieser Betrag nicht ins Ausland fliessen. Ganz geschlossen ist der Kreislauf eben nicht….

  • Nick sagt:

    Ich staune immer wieder über Aussagen wie „Die Lösung wäre simpel: mehr Investitionen und mehr Konsum im Inland.“ Es ist sicher richtig, dass in DE manches verbessert werden kann und soll (defekte Strassen, veraltete Schulen, etc.). Aber mit dem „Argument“, es sei (zuviel) Geld da, pauschal zu rufen „Investiert endlich!“ ist alles, nur nicht klug. Es gibt in DE zahlreiche Beispiele von völlig sinnlosen Investitionen (überdimensionale Gewerbegebiete in der Ex-DDR, Brücken die niemand benutzt, etc.). Die Entscheidung über Investitionen muss auf Basis von Sachargumenten getroffen werden, und nicht, um Geld auszugeben und irgendwelche Bilanzen ins Gleichgewicht zu bringen. Das gilt für Private, für Firmen und den Staat gleichermassen.

    • Linus Huber sagt:

      Ich tendiere dazu, Ihre Aussage als eine der besseren hier zu betrachten. Mit der gleichen Berechtigung kann man jene wie Deutschland „unter ihren Verhältnissen“ leben diejenigen Staaten, welche „über ihren Verhältnissen“ leben, kritisieren. Die erzeugten Ungleichgewichte unter Vernachlässigung der weltweit allgemein angewandten inflationären Geldpolitik, welche Konsum und eine positive Inflationsrate und damit Kreditmengenwachstum weit über dem Wirtschaftswachstum als Ziel verfolgt, zu betrachten, ist mehr als fragwürdig. Eine Ponzi-Scheme beruht auf der linearen Fortsetzung des beschrittenen Wegs bis das Kartenhaus zusammenbricht und daran ändert sich nichts, selbst wenn die Überschussstaaten sich ebenfalls verantwortungslos zu verhalten beginnen.

  • Wolfgang sagt:

    Solch einen Stuss habe ich schon lange nicht mehr gelesen: Die Deutschen sollen in Saus und Brauss leben, damit es dem Rest der Welt gut geht. Sparen kommt nicht in Frage

    • Peter Müller sagt:

      In Saus und Braus zu leben wäre natürlich die ultimative Strafe für einen Deutschen das vergnügen vom Sparen würde dadurch verloren gehen und ob es den Anderen besser geht erst recht nicht.
      Es geht im Artikel mehr darum dass so ein grosser Leistungsbilanzüberschuss ist ein Konsumverzicht zu lasten von Anderen, das wohl verdiente Einkommen wird nicht genossen.

  • Roger Gruber sagt:

    Es gibt noch einen anderen Aspekt: Deutschland produziert und exportiert Hard Assets und bekommt dafür im Gegenzug buntes Papier. Mit anderen Worten: Deutschland ist die Fabrik des Planeten und bekommt dafür: gar nichts.

  • niki cazzetig sagt:

    tja das deutsche euro-reich, es lässt vorallem wieder schön erkennen dass der deutsche nur bis zur nasenspitze denkt. deutschland ein land wo seit schröders abgang die mehrheit der löhne in einem statusquo verweilen. eine verzehrung wie sie im buch steht. produzieren und dann kasse machen, liebe merkel und co. dann habt ihr ja genug kohle um ALLE flüchtlinge zu euch zu holen, nach eurem tollen party-aufruf.

  • Hans Grob sagt:

    Dass der EUR für die Suedlaender zu stark ist, ist so eine Floskel, die kaum jemand erklären kann. Zu Nordeuropa kann er es nicht sein, da der Wechselkurs bei der Schaffung angemessen gesetzt wurde. Zum Dollar auch nicht, denn sonst wäre er für Deutschland auch zu stark. Hauptunterschied zu früher die nun abwesende Entwertung, an welche unterdessen die Volkswirtschaften sich angepasst hätten sollen.

  • Urs Huber sagt:

    Es ist genau so, wie Gödl es schildert. Eine unterbewertete Währung führt zu Leistungsbilanzüberschüssen und wenn die Voraussetzungen für einen gemeinsamen Währungsraum nicht vorhanden sind (Fiskalunion, völlige Flexibilität bei den Arbeitskräften, Bereitschaft zu Finanzausgleich, etc), dann führt es eben zu den genannten Verzerrungen. Im Übrigen weist die Schweiz seit Jahren einen Leistungsbilanzüberschuss zwischen 10 und 15% aus, also fast das Doppelte unserer Nachbarn. Deutschland zu zwingen diesen Leistungsüberschuss durch ineffiziente Erhöhung der Staatsausgaben zu reduzieren, kann doch nicht ernst gemeint sein.

    • Jonas Banholzer sagt:

      Weshalb sprechen Sie von ineffizienter Erhöhung der Staatsausgaben? Anständige Löhne zu bezahlen und damit das unsägliche Lohndumping zu stoppen hat nichts mit Staatsausgaben zu tun. Die marode Infrastruktur zu erneuern hat nichts mit Ineffizienz zu tun. Wenn Deutschland selber die EU-Regeln nicht einhält und gleichzeitig genau dies den südeuropäischen Staaten vorwirft, verliert es seine Glaubwürdigkeit. Was Deutschland und auch die Schweiz mit dem ausser Rand und Band geratenen Standort- und Steuerwettbewerb betreibt hat nichts mit Wettbewerb zu tun, sondern mit Wettbewerbsverzerrung. Es zwingt andere Volkswirtschaften, die Bedingungen der eigenen Bevölkerung zu verschlechtern, um mithalten zu können. Das Resultat ist dann die Deflation, die wir heute erleben.

      • Josef Marti sagt:

        Man hat sich zu einem race to the bottom verpflichtet. Dies funktioniert so, dass maximaler Profit mit möglichst hohem Druck auf die Löhne erzielt werden soll; da tiefe Löhne zwangsläufig im Inland zu schwachem Konsum und tiefer Nachfrage führen müssen logischerweise auch die Inlandinvestitionen stagnieren. Die Profite resp. das chinesische und deutsche savings glut müssen also im Ausland angelegt werden, dort muss eine Recyclingstelle wie die Wall Street als Ponzi Casino zur Verfügung stehen, Schwellenmärkte sind keine wirkliche Option da viel zu unsicher. Gegenwärtig wird in der Finanzbranche fieberhaft an neuen Ponzi Schemas getüftelt um diesem Problem Herr zu werden.

    • Josef Marti sagt:

      Dieses System funktioniert nur solange die USA nach wie vor bereit ist permanente Leistungsbilanzdefizite und Haushaltsdefizite zu fahren und ihren Aussenschuldenstand weiter zu erhöhen. D, China und die anderen Überschussökonomien bekommen ein gewaltiges Problem sollte der Dollarstandard wirklich ins Wanken kommen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Wie wärs stattdessen halt mit einer effizienten Erhöhung der Staatsausgaben? Man muss ja nicht, wie das die deutsche Regierung zuletzt getan hat, Geld verschleudern mit Herdprämien und Mütterrenten. Man könnte stattdessen mehr in die oft marode öffentliche Infrastruktur sowie den Forschungsstandort investieren, was sich langfristig durchaus auszahlen würde. Oder wenn man schon nicht investieren will, dann könnte man wenigstens die relativ hohe Steuerbelastung des Mittelstands reduzieren. Dass die Bundesregierung aber agiert wie eine schwäbische Hausfrau und krampfhaft Budget-Überschüsse anhäufen will, ist effektiv nicht sehr sinnvoll..

      • Josef Marti sagt:

        Haushaltsüberschüsse ist das Dümmste was es gibt, damit wird Geld aus dem Kreislauf entzogen und vernichtet sodass das BIP schrumpft. Was passiert wenn alle Akteure also Private Haushalte, Firmen, Banken, Staat gleichzeitig sparen? – Alle verdienen am Schluss weniger, die Lücke muss dann das Ausland sprich meistens die USA mit übermässigem Konsum füllen. Das ist seit Jahrzehnten das gängige heruntergebetete Erfolgsmodell.

      • Anh Toàn sagt:

        @Christoph Bögli „mehr in die oft marode öffentliche Infrastruktur sowie den Forschungsstandort investieren, was sich langfristig durchaus auszahlen würde“

        Sie schreiben hier etwas, was die Inkonsequenz auch im Beitrag aufzeigt:

        Wenn D mehr investiert, wir D effizienter und wird noch höhere Überschüsse erzielen. Ich gestehe, den Unterschied zwischen Investition und Ausgaben aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht zu verstehen, in der Bilanz eines Unternehmens sind Investitionen Kosten, deren Nutzen über längere Dauer anhält, aber selbst da ist die Abgrenzung willkürlich: Sio ein Radiergummi hält nämlich auch länger als ein Jahr.

        Laienhaft: D muss mehr ausgeben nicht investieren, mit letzterem werden nur noch höhere Überschüsse in der Zukunft anfallen.

        • Anh Toàn sagt:

          Statt ständig, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt, macht Euch mal locker, legt Euch ins Gras und lasst die Sonne rein.

        • Josef Marti sagt:

          Die Effizienzerhöhung liegt nur in der realen Abwertung infolge relativer Lohnstückkostensenkung gegenüber den anderen (race to the bottom) und nicht in den Investitionen. Die Erhöhung der Konsumquote führt zwingend zu Reduktion des Handelsüberschusses. Zusatzausgaben und Defizite muss zu diesem Zwecke der Staat machen, Staatsinvestitionen führen über Abschreibungen auch zu Defiziten, das kann er gratis oder verdient damit sogar. Zudem müssten Löhne in der Privatwirtschaft erhöht werden, damit die Nachfrage und Konsum steigt was wiederum Importe erhöht, die Bruttoexporte sinken infolge realer Aufwertung; somit wird die Ersparnis sprich Investition des Privatsektors ins Inland umgeleitet.

          • Anh Toàn sagt:

            Der deutsche Staat muss mehr ausgeben: Sie schreiben doch: Die Erhöhung der „Konsumquote“ führt zu zwingender Reduktion des Handelsüberschusses: Das Problem ist nur, dass wenn jemand Erhöhung der Konsumquote verlangt, sofort Entsetzen sich in weiten Kreisen verbreitet, wir konsumieren auf Pump, also nennt man es Investitionen: Konsum lässt sich Volkswirtschaftlich nicht von Investition trennen.

            Die Abschreibungen sind eigentlich egal, die ganze Aufteilung in Konsum und Investition ist rein buchhalterische Willkür, um die Kosten und Gewinne zu glätten, Volkswirtschaftlich ist relevant, dass die Kohle ausgegeben wird. Ob für höhere Renten oder Löcher unter den Bergen.

          • Josef Marti sagt:

            Doch, Investitionen sind zu trennen da sie den Kapitalstock erhöhen oder zumindest erneuern.

          • Anh Toàn sagt:

            Ist eine Autobahn zu renovieren eine Investition oder Kosten? Ist ein Schulhaus zu renovieren Investition oder Kosten? Ist die Lehrer besser zu bezahlen Investition (in Bildung) oder Kosten?

          • Anh Toàn sagt:

            Volkswirtschaftlich ist Investition doch nur eine Differenz zwischen zwei Zahlen, positiv kann niemand sagen, was diese beinhaltet, was dazu gehört und was nicht.

          • Josef Marti sagt:

            Mehr verdienen geht gesamtwirtschaftlich nicht ohne das andere mehr ausgeben. Somit muss zwingend unter dem Strich jemand Nettoschuldner sein.

          • Anh Toàn sagt:

            Damit sind Sie aber nicht auf meinen Punt eingegangen: Es ist egal, ob sich jemand für Investition oder Konsum verschuldet, damit jemand etwas ersparen kann.

          • Josef Marti sagt:

            Sie haben recht. Ob Staatsausgaben als Einmalaufwand oder verteilt über die Nutzungsdauer via Abschreibungsaufwand verbucht wird ist letztlich wurst, beides führt früher oder später zu Defiziten. Deshalb ist auch eine schwarze Null für die Füchse besonders bei Überschussländern wie D. CH und D öff. Haushalte könnten mit Gratisverschuldung Bank spielen und eine Banklizenz beantragen. Besonders lächerlich ist die Vorstellung, ein öff. Haushalt müsse Eigenkapital vorweisen, als ob da etwas zu Buch- oder Liquidationswerten zu verteilen wäre.

        • Josef Marti sagt:

          Nochmals, das wurde in anderen Beiträgen schon x-fach gesagt: D und China können ihre Überschüsse neben Lohndumping auf Dauer niemals ohne planwirtschaftliche Wechselkurspolitik sprich Währungsabwertungskrieg der Zentralbanken erzielen. Ohne den Euro wäre eine DM schon lange durch die Decke gegangen und die Überschüsse wären schon lange verschwunden. Andernfalls müsste die D Bundesbank ähnlich wie die SNB ihre Bilanz unendlich mit FW Devisen aufblähen um weiterhin Exportsubvention zu betreiben.

          • Anh Toàn sagt:

            „Exportsubvention“

            Wenn die Deutschen ihre Autos nicht exportieren könnten, könnten sie auch keine mehr für den Heimmarkt bauen: Entweder die Industrie ist weltmarktfähig oder tot.

          • Josef Marti sagt:

            Als Merkantilismus Währungskriegstreiber sind Sie ja ein richtiger Von Clausewitz.

          • Anh Toàn sagt:

            Nach der Wiedervereinigung hiess es auch, die harte DM hätte die Ostdeutsche Industrie ruiniert: Was hätte ein Schweizer oder ein Ami oder ein Brasilianer für einen Trabant bezahlt? Rein gar nichts.

          • Josef Marti sagt:

            Darum hat das D ca. 20% erhöhte BIP Schuldenquote gekostet ohne dass der Lebensstandard in Ost D wirklich erhöht wurde, sondern sich entvölkert hat.

          • Josef Marti sagt:

            „Weltmarktfähig“: Weltmarktfähigkeit setzt also zwingend voraus, dass Abnehmer vorhanden sein müssen welche permanent handelsdefizitäre weltmarktunfähige tote Schuldner sind; somit ohne planwirtschaftlichen Währungsabwertungskrieg und damit kriegerischen Merkantilismus keine Weltmarktfähigkeit.

  • Franz Gödl sagt:

    Es liegt doch auf der Hand, weshalb es so ist, wie es ist: für die Südeuropäer ist der Euro viel zu stark; er würgt die Wirtschaft ab und stürzt die Länder in die Verschuldung während der Euro für Deutschland viel zu schwach ist und für eine künstliche Hochkonjunktur sorgt. Einher geht eine Verschiebung des Wohlstands in Richtung Norden, was wiederum die soziale Unzufriedenheit schürt. Das merkt man bereits am Unmut Griechenlands gegenüber Deutschland. Und nicht zuletzt zieht dies auch Flüchtlinge und Asylanten an. Mit anderen Worten hat die Einführung des Euros zu einer extremen Schräglage in Europa geführt, deren Auswirkungen wir nun zu spüren kriegen. Sozialer Unfrieden ist vorprogrammiert: Nord gegen Süd – Bürgerkrieg?

    • Josef Marti sagt:

      Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude; D kann die gigantischen Flüchtlingsfolgekosten unmöglich schultern ohne die eigene Verfassung zu brechen, nämlich die Schuldenbremse die sie sich reingeschrieben haben. Die angetönten zusätzlichen Staatsausgaben und Inlandinvestitionen kann man sich auch auf die harte Tour verschreiben, wer nicht hören will muss fühlen.

    • Ueli Waldispühl sagt:

      Das kennen wir auch in der Schweiz: Wirtschaftlich stärkere und schwächere Regionen. Wir halten das einigermassen im Gleichgewicht mit Subventionen, Ausgleichszahlungen etc. Die tun zwar denen weh, die zahlen müssen, aber sie zahlen, weil sie einsehen, dass sich das ganze nur so stabilisieren lässt.

      Punkt 1: Leider ist Europa noch nicht so weit entwickelt. Brüssel hat keine gleichwertigen Instrumente für den Ausgleich und die Stabilisierung.

      Punkt 2: Die wachsenden Überschüsse der CH (gleichbedeutend mit wachsenden Schulden anderer Länder) lassen sich nicht mehr fortsetzen, wenn die Schuldnerländer kein Geld mehr haben, um unsere Produkte und Dienstleistungen abzukaufen. Deren mangelndes Wachstum wird über kurz oder lang eine Bedrohung für das Wachstum der CH-Wirtschaft. So gesehen, war der Euro-Schock möglicherweise nur ein Vorgeschmack auf weitere Unbill.

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