David Cameron, der letzte Pascha Grossbritanniens


Grossbritannien: Wie «Game of Thrones» ohne Sex. Video: David McWilliams/Youtube

Mögen Sie das Wort Brexit noch hören?

Viel Tinte ist in den vergangenen Tagen rund um das Referendum zum Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union geflossen. Wir wollen dem Thema für einmal nicht noch einige Hundert weitere Zeilen widmen, sondern die Tragödie Grossbritanniens in Form eines amüsanten Videos erzählen.

Das Video stammt vom irischen «Punk-Ökonomen» David McWilliams, den wir im Zusammenhang mit der Eurokrise in diesem Beitrag schon einmal präsentiert haben. Darin widmet sich McWilliams den internen Spannungen im Vereinigten Königreich.

Das Bemerkenswerte daran: Er hat das Video nicht letzte Woche produziert, sondern im Frühjahr 2015, nach der letzten Parlamentswahl in Grossbritannien, aus der die Konservative Partei unter David Cameron als Siegerin hervorging. McWilliams sagte damals, das sei ein Pyrrhussieg für Cameron; die Balkanisierung der Insel habe begonnen, der Premier könnte als letzter «Pascha» des Vereinigten Königreichs in die Geschichte eingehen.

Wird das Königreich auseinanderbrechen? Wird Schottland in der EU bleiben wollen, während England und Wales den Austritt wählen? Und was wird aus Nordirland?

Wir werden sehen, wie es herauskommt. Auf jeden Fall: Food for thought.

Und hier doch noch einige ernsthaftere Überlegungen zum Thema Brexit:

  • In diesem Blogbeitrag (auf Englisch) macht sich der Ökonom George Magnus – er arbeitete während Jahren für die UBS – sehr lesenswerte Gedanken über die ökonomischen Folgen eines Brexit sowie über die Frage, wann – und von wem – der mittlerweile berühmte Artikel 50 des Lissabonner Vertrags ausgelöst werden könnte.
  • In diesem Kommentar wirft der US-Ökonom Kenneth Rogoff die Frage auf, wie intelligent es ist, einen Entscheid von derart historischer Tragweite in einer Volksbefragung mit einem simplen Stimmenmehr – und nicht etwa mit einem qualifizierten Mehr von zum Beispiel 60 Prozent – entscheiden zu lassen.

Und zum Schluss noch einige Überlegungen zum Thema Immigration. Es ist kein Geheimnis, dass ein beträchtlicher Teil der «Leave»-Kampagne von fremdenfeindlichen Elementen durchsetzt war und der Entscheid zum Ausstieg aus der EU auch ein Entscheid gegen die Aufnahme weiterer Migrationsströme war. In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich, zu sehen, wie die Ängste in der britischen Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Thema Immigration in den letzten Jahren stetig gestiegen sind.

Drei Ökonomen, Scott Baker, Nick Bloom und Steven Davis, erheben für mehrere Länder einen sogenannten Migration Fear Index und publizieren ihn auf ihrem Blog Economic Policy Uncertainty. Die genaue Konstruktion des Index ist hier erklärt.

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des Migration Fear Index im Vereinigten Königreich seit 1995:

Die rote Kurve zeigt den Migration Fear Index; er ist seit 2009, im Nachgang der globalen Finanzkrise, stetig gestiegen. (Die blaue Kurve ist für die vorliegende Betrachtung vernachlässigbar; sie zeigt die Economic Policy Uncertainty im Land rund um das Thema Immigration.)

Diese Entwicklung – und die basisdemokratischen Entscheide, die sie offenbar hervorbringt – sollte Sorge bereiten. Denn der Trend beschränkt sich nicht nur auf Grossbritannien.

Hier der Verlauf des Migration Fear Index in Frankreich:

Auch hier sind eine deutliche Steigerung und ein sprunghafter Anstieg ab Ende 2014 festzustellen.

Hier der Index für Deutschland:

Und hier in den USA:

Auch in den USA ist die Angst der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Thema Immigration seit rund drei Jahren im Steigen begriffen. Es liegt schon fast wieder auf dem Niveau, das nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 gemessen wurde.

Politiker wie eine Marine Le Pen in Frankreich, Nigel Farage in Grossbritannien oder Donald Trump in den USA sprechen diese Stimmungslagen in der Bevölkerung gezielt an.

53 Kommentare zu «David Cameron, der letzte Pascha Grossbritanniens»

  • Rolf Zach sagt:

    Die Frage ist doch die, wie kann die EU-Binnenwanderung so gestaltet werden, daß sie nicht zu einem gewalttätigen Konflikt von Bevölkerungsgruppen untereinander entstehen können. Es ist ganz klar, eine EU-Binnenwanderung gilt nur, wenn der Betreffende bereits ein Arbeitsstelle im aufnehmenden Land hat. Deutschland meldet sein Bedürfnis für die Anstellung von Facharbeiter an eine spanische Job-Börse und so könnte die Arbeitslosigkeit in Spanien reduziert werden, auch zum Beispiel mit der Vermittlung von Lehrstellen. Man wird aber rasch feststellen, daß viele Arbeitslose im EU-Raum für andere EU-Länder nicht vermittelbar sind.

    • Rolf Zach sagt:

      Wir müssen auch unterscheiden, welche Segmente für eine Binnenwanderung eine Bereicherung für das aufnehmende Land sind und welche nicht. Wo ist die Binnenwanderung ein Vorgehen der Arbeitnehmer um Lohndumping zu betreiben? In der Schweiz benutzen die Arbeitnehmer Akademiker von unseren Nachbarn, um die Löhne der hiesigen zu drücken. Dafür gibt es keine flankierenden Maßnahmen wie bei den Facharbeitern. Ein Phänomen, welches zur Zeit der Schwarzenbach-Initiative völlig unbekannt war. Damals spürten die Konkurrenz der Italiener in erster unsere älteren Ungelernten, deren Anzahl damals unterschätzt wurde. England ist im Zustand der Schwarzenbach-Initiative der Schweiz von 1970.

      • Rolf Zach sagt:

        Aber die Schweizer Industrie florierte damals im Gegensatz zu englischen heute. Unsere Industrie-Arbeitsplätze haben wir in den 70er Jahren auf dem Altar der Aufwertung des Schweizerfranken geopfert und mindestens 260000 Arbeitsplätze abgebaut (Thomas Stahel), ich würde sogar sagen auch 300’000 sind richtig. Ohne die Rückwanderung der Italiener hätten wir eine Arbeitslosigkeit von 10 % und mehr gehabt. Dieses Privileg der Rückwanderung als Konjunkturpuffer in der EU ist heute noch da, aber nicht mehr so im Vordergrund wie früher. England hat mit 8 % eine relativ geringe ausländische Wohnbevölkerung und die Arbeitsplätze der Ausländer sind zu ca. 60% mit dem Finanzplatz London verbunden.

        • Rolf Zach sagt:

          Alles hat von der Kleinstadt Boston in England geredet. Es ist nun einmal so, daß die Polen die preiswertesten Landarbeiter in Europa sind. Was soll ein englischer Farmer mit einem jungen Hilfsarbeiter aus Newcastle anfangen, der städtisch aufgewachsen ist. Er zieht die Polen vor, die das Landleben von Geburt an kennen. Ohne flankierende Mastnahmen ist natürlich die Konsequenz daraus klar. Dagegen haben die Fremden auf dem Finanzplatz London direkt zur Arbeitsbeschaffung in England beigetragen und dies in allen Segmenten der Beschäftigung. London ist heute der größte Finanzplatz der Welt und dies war nur möglich durch die EU-Mitgliedschaft von Großbritannien.

  • Marcel Senn sagt:

    @ Planungskritiker Huber: Die Welt ist zwar nonlinear, aber längst nicht so dynamisch, dass sie völlig unbeplanbar wäre. Und man ist sich auch bewusst, dass irgendwo draussen in einer Garage schon ein nächster Gigant in den Startlöchern stehen könnte, auch das kriegerische Konflikte ausbrechen, Seuchen, Terror usw.
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    Und sowohl als Staat als auch Unternehmen muss man einen Plan haben und dazu braucht es konkrete mehrdimensionale Planung, die möglichst viele Aspekte umfasst.
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    Mit moralinsauren Doktrinen und Kritiken können Sie keinen Staat machen – Hayek konnte eben gar nicht planen, darum wurde auch die Deregularisierung der Finanzmärkte zu einem gefährlichen Aergernis

  • Kristina sagt:

    Fuer alle denen diese wirklich wichtigen Daten abhanden gekommen sind.
    Das sind der 26. Juni 1945 und der 10. Dezember 1948.

  • Linus Huber sagt:

    Die schrittweise Ausdünnung der Mittelklasse ist eine Tatsache und nicht einfach ein Phantom, welches man erfindet. Die Wut des Durchschnittsbürgers ist nicht grundlos, sondern wird durch empirische Daten belegt. Die Frage ist einzig, wer dafür verantwortlich sein soll oder eben als Alternative dieser Umstand einfach als Naturereignis dargestellt wird.

    • Anh Toàn sagt:

      @Linus Huber “ Die Frage ist einzig, wer dafür verantwortlich sein soll oder eben als Alternative dieser Umstand einfach als Naturereignis dargestellt wird.“ – Problembewirtschaftung mittels Schuldzuweisung nenn ich das.

      Die Frage ist einzig, wie man dem entgegen wirkt.

    • Monique Schweizer sagt:

      Empirisch ist doch eher, dass sich jetzt auch die Mittelklasse 4K Curvy Flat Screens leisten kann, während die Unterschicht auch schon normale Flat Screens leisten kann.
      Vor 10-13 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, da konnte sich nur die Elite und die obere Mittelklasse einen Plasma oder LED-TV leisten.
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      Auch sonst wurde z.B. Nahrungsmittel und Benzin eher günstiger – nur Mieten und KK wurden teurer.
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      Aber Sie sprechen bei unser zunehmenden Ueberflussgesellschaft von der Ausdünnung der Mittelklasse dabei handelt es sich viel mehr um eine subjektive Realitätsverschiebung! Wir sind einfach zunehmend wohlstandsdegeneriert & nimmersatt geworden. Das ist eher das Problem.

      • Anh Toàn sagt:

        Das Problem der Mittelklasse der entwickelten Welt ist, dass ihr Abstand zu den Reichen sich vergrössert, während sich der Abstand zur Unterschicht verkleinert. Sie wollen nicht nur nach oben schielen, ohne auf welche unten blicken zu können.

        Die Mittelklasse in den Schwellenländern ist gewachsen, eine Differenzierung, welche die pauschalisierte „Tatsachen“darstellung des Linus Huber nicht berücksichtigt. (@Johnny Smith: Ich stelle nie meine Behauptungen als Tatsachen dar, ich beginne meine Sätze nicht mit ich meine, ich denke oder glaube. Dass der Huber Behauptung (Schrittweise Ausdünnung der Mittelklasse) als Tatsache bezeichnet, stört Sie nicht)

        • Marcel Senn sagt:

          Anh: Mittelklasse ist eh ein schwammiger Begriff, da er nicht auf absoluten sondern relativen Kriterien basiert (zudem oft noch sehr subjektiv interpretiert) — aber das passt ja gut zum Huber, da seine vielbeschworenen Doktrine in der Endlosschlaufe doch auch meist ziemlich schwammig und etwas realitätsfremd sind!

          • Linus Huber sagt:

            „da er nicht auf absoluten sondern relativen Kriterien basiert“

            Ja, Beziehungen wie gesellschaftliche Verhältnisse sind immer eine Frage der Relationen. Interessant ist eher, wie die Zusammenhänge z.B. zwischen fallender Produktivitätssteigerung, schwachem Wachstum, fallender Quote an erfolgreichen Firmengründungen, inflationärer Geldpolitik, zunehmender Zentralplanung, Blasenbildungen, zunehmender Einkommens- und Vermögensschere (empirisch belegt) und dem sich daraus entwickelnden Problem der zunehmenden Gefahr gesellschaftlicher Verwerfungen nicht auch nur ansatzweise erkannt zu werden scheinen.

          • Marcel Senn sagt:

            Huber: Bei Ihnen auf den Philppinen gibt es sicher noch ein ausreichendes Produktivitätssteigerungspotential und jetzt wo Ihr einen halben Diktator als Regierungschef habt, wird der sicher höhere Produktivität verordnen 🙂
            Aber Sie kennen ja das Gesetz der abnehmenden Skalenerträge — irgendwann ist einfach fertig mit Ihren grossartigen Produktivitätssprüngen – Biotechnologie und Nanotech geben da im Vergleich zur Dampfmaschine im 19Jh für die breite Masse einfach zuwenig her. Gut automatisieren könnte man noch etwas, nur was passiert dann mit all den Arbeitslosen? Marktgerecht irgendwo in der „Selbstverantwortung“ entsorgen gemäss Hubers Doktrinen?

          • Marcel Senn sagt:

            Huber: Fast jedes grosse Unternehmen betreibt eine „Zentralplanung“ – die Realtität ist zwar komplex, aber auch nicht gänzlich unplanbar, da wir uns ja nicht in einer völlig ausgeprägten Entropie auf diesem Planeten befinden.
            Sie scheinen wir Ihr Friedrich August von Hayek noch diese antiquierte Vorstellung von starren 5-Jahresplänen à la UdSSR der 20ger Jahre zu haben, dabei kann man heutzutage mit all den Infos und Softwarhilfsmitteln mit geringem Aufwand zeitnah realitätsnahe rollende Planungen mit permanente Anpassungen an Veränderungen machen!

          • Linus Huber sagt:

            Die Liste der aufgezählten Aspekte, welche Wechselwirkungen unterliegen, ist natürlich keineswegs vollständig, sondern dient einzig der Demonstration der enormen Komplexität. Es ist fast schon köstlich, wie ein Aspekt herangezogen wird und in Unterlassung all der komplexen Wechselwirkungen anhand einer oberflächlichen Erklärung, respektive weniger Faktoren eine logisch klingende Begründung abgegeben wird, womit die Zentralplaner (Zentralbanken, IMF, Weltbank, Regierungen) ihre immer kurzfristiger orientierten Interventionen rechtfertigen.

          • Marcel Senn sagt:

            Linus: Sie belieben wieder einmal nicht zu berücksichtigen, dass wir in ausserordentlichen Zeiten mit historischen Schuldenständen befinden in denen halt etwas mehr kreative Oekonomie betrieben werden MUSS, damit der Karren (noch) nicht zusammenbricht.
            .
            Sie gehen in Ihren Doktrinen immer von einem veranwortungsvollen permanent produktivitätssteigerndem Menschenbild aus, von „ehrenvollen“ Politikern, die sofort zurücktreten bei nur dem geringsten Mitverschulden an einer Krise, den freien deregulierten Finanzmärkten, die angeblich die „perfekte“ Preisfindung mit virtuellen Volumina finden sollen und gleichzeitig die realen Märkte oft negativ beeinflussen infolge Rückkopplungseffekten

          • Marcel Senn sagt:

            Linus: Das heutige Dilemma mit Ueberschuldung, Interventionismus der ZB, Wachstumsschwäche, öffnende Einkommens- und Vermögensschere ist
            a) 35% aufgrund Ihrer marktorientierten Doktrine von möglichst deregulierten Finanzmärkten
            b) 25% Schlamperei bei der € Gründung insbesondere Nichtberücksichtigung des Zinsgefälles z.B. zu Spanien und Irland und natürlich die skandalöse Aufnahme GR in den € Raum
            c) 4% EU Administration/Bürokratie – aber mit 155 Mrd € pa ist das EU Budget gar nicht so riesig!!
            d) 25% Steuerhinterziehung seis durch Schwarzarbeit oder irgendwo Offshore und fehlende Erbschaftssteuern
            e) 11% Geldpolitisch suboptimale Aktionen z.b Zinssenkungen, exzessive Anleihenaufkäufe

          • Linus Huber sagt:

            Hier z.B. ein interessanter Aspekt. Seit 1973 bis 2014 wuchs die Produktivität in den USA um 72.2% während die Löhne einzig um 9.2% stiegen. während 1948 bis 1973 eine schwache Abweichung zwischen diesen Werten zu verzeichnen ist.

            http://www.epi.org/publication/understanding-the-historic-divergence-between-productivity-and-a-typical-workers-pay-why-it-matters-and-why-its-real/

            Die Zahl an erfolgreichen Firmengründungen ist in den USA ebenfalls seit den 70iger Jahren am sinken.

            https://www.washingtonpost.com/news/on-small-business/wp/2015/02/12/the-decline-of-american-entrepreneurship-in-five-charts/

            Die Finanzindustrie hingegen blühte auf. John Law bewirkt Wunder.

          • Linus Huber sagt:

            Wow, 35%, 25%, 4%, 25%, 11% – Sie sind ja ganz im Sinne des Gedankengutes von Zentralplanern bestens informiert um entsprechende Interventionen zu rechtfertigen.

          • Linus Huber sagt:

            „ausserordentlichen Zeiten mit historischen Schuldenständen“

            Ja, allerdings scheidet sich bei der Ursache dieses Umstandes unser Verständnis und wenn die Ursache nicht korrekt analysiert wird, sollte man nicht wild um sich schlagend Aktivismus entwickeln.

          • Anh Toàn sagt:

            LH: „Die Zahl an erfolgreichen Firmengründungen ist seit den 70iger Jahren am sinken,“

            behaupten Sie und posten einen Link, der sagt:

            New research shows that the country’s rate of new business creation, which peaked about decade ago, plunged more than 30 percent during the economic collapse and has been slow to bounce back following the recession.

            „peaked about a decade ago“: Waren die 70iger vor einer Dekade?

            Sie haben das oft behauptet, bisher ohne irgendeine Quelle zu nennen, jetzt nennen Sie eine Quelle, die sagt aber nicht, was Sie behaupten, würde da stehen.

            Was ist eigentlich mit Facebook, Dropbox, Uber, Tesla, Amazon?

          • Anh Toàn sagt:

            Linus Huber „Ja, allerdings scheidet sich bei der Ursache dieses Umstandes unser Verständnis und wenn die Ursache nicht korrekt analysiert wird, sollte man nicht wild um sich schlagend Aktivismus entwickeln.“

            Also wenn man auf dem Meer ein Loch im Boot hat, sollte man zuerst mal die Ursache korrekt analysieren, Schuldige suchen und benennen und nicht in wildem Aktionismus versuchen, das Loch zu stopfen.

            Mann!

          • Anh Toàn sagt:

            Und wenn auf See ein Sturm aufzieht, sollte man nicht in wildem Aktionismus die Segel reffen und alles festzurren, sondern in Ruhe analysieren, ob der Wetterbericht falsch war, und falls ja, wer dafür verantwortlich ist, oder ob ein richtiger Wetterbericht vom Skipper falsch interpretiert wurde.

            Auf einem Boot mit Ihnen als Käpt’n würd ich nicht segeln wollen.

          • Linus Huber sagt:

            “peaked about a decade ago”: Waren die 70iger vor einer Dekade?

            Dies betrifft einzig den letzten Business Zyklus und bezieht sich nicht auf den langfristigen Trend.

            Wenn ein Loch im Boot ist, wäre es vielleicht vorteilhaft, dieses so gut wie möglich zu reparieren (dicht machen) als sich einzig darauf zu konzentrieren immer wilder und mit zunehmender Intensität das eindringende Wasser ueber Board zu werfen.

          • Anh Toàn sagt:

            Von wann bis wann ging „der letzte Business Zyklus“?

        • Marcel Senn sagt:

          Linus: Was ist denn das wieder für eine komische Logik, dass die Löhne auch um 72% steigen müssten!
          Den Grossteil der Produktivitätssteigerung bekommen Sie ja eh: Wieviele Stunden mussten sie 1973 für einen TV arbeiten?? 1974 kostete ein kleiner Portabler Farb TV US 264 – inflationsbereinigt sind das 2016 1291 USD — dafür bekommen Sie heute 5-6 32″ LED TVI Bekommen also einen Produktivtätsgewinn von 500-600% – man müsste das nur noch in benötigte Arbeitsstuden für den Kauf einen solchen TV umrechnen.

          http://www.thepeoplehistory.com/70selectrical.html

          • Linus Huber sagt:

            Es geht nicht um technologischen Fortschritt, sondern um den Gewinn aus Produktivitätssteigerungen, welcher abgeschöpft wurde.

          • Marcel Senn sagt:

            Huber: Der Gewinn wurde ja immer kleiner respektive die Renditen auf der realwirtschaftlichen Ende 70er und dann 80er Jahre, darum kamen ein paar Schlaumeier (Thatcher, Friemdman, Hayek etc) die reale Produktionswelt mit einer virtuellen Finanzwelt aufzupimpen. Nur hat sich diese virtuelle Finanzwelt nach ein paar renditereichen Jahren dann als eher als Bio verschlingendes Monster entpuppt…
            .
            Sie kritisieren zwar andauern die Medizin, aber die Krankeit wurde unter anderem auch durch ihre Doktrine wesentlich mitverursacht mit der Entfesslung der Finanzmärkte und dem naiven Glauben mit Selbstverantwortung könne das dereguliert funktioniern…

          • Anh Toàn sagt:

            @Linus Huber:

            Also wenn das Kapital den Gewinn aus Produktivitätssteigerung abschöpft, sollte man doch die Gewerkschaften stärken, Mindestlöhne einführen usw.

          • Marcel Senn sagt:

            Huber: Der Grossteil der Produktivitätssteigerungen beruht auf technischem Fortschritt, oder was haben Sie denn sonst gedacht, dass die Menschen irgendwie mit Zaubertrank aufgepimpt werden oder was???
            .
            Die Abschöpfung der Unternehmensgewinne hat sicher etwas zugenommen, aber ein Teil der Produktivitätssteigerungen ist sicher auch dem gemeinen arbeitenden Volk zugekommen — aber ökonometrisch eben nicht unbedingt messbar weil ein besserer Fernseher oder Auto, gesündere Lebensmittel eben nicht in ökönomische Statistiken einfliessen.
            .
            Die Lebensqualität gegenüber 1970 ist doch im grossen ganzen besser geworden auch für die meisten Lohnempfänger – oder bestreiten Sie das Linus

          • Linus Huber sagt:

            Der Punkt liegt darin, inwiefern die Geldpolitik nach PhD-Standard gewisse Entwicklungen nicht nur zuliess, sondern gerade zu förderte, respektive entsprechende Anreize erzeugte, welche verdeckt ein zunehmend kurzfristig orientiertes prinzipienfreies Verhalten begünstigte. Entgegen den Vertretern der Idee des „Free Banking“, war Hayek nie pro „free banking“, sondern befürwortete den Grundsatz einer Zentralbank und wohl auch deren Funktion der kostenlosen Liquiditätsrückversicherung etc.

          • Marcel Senn sagt:

            Na ja Linus – glaube nicht, dass das mit der „Denationalisation of Money“ à la Hayek gut rausgekommen wäre — dieser Elfenbeinturmökonome vergisst in seinen Modellen doch permanent die menschliche Gier und die kriminelle Energie (wie unsere Bankster doch permantent in der Praxis an den Tag legen) zu berücksichtigen.
            Ihr so oft wiederholtes prinzipien- und Doktrinorientiertes Weltbild scheitert in der Realität eben viel zu oft an der menschlichen Natur – da müsste ja der Staat streng und hart regulieren – was Ihnen ja auch ein Graus wäre oder Linus?
            .
            Sogar Friedman kritisierte Hayeks Geldphantastereien – wohl zu recht!!

            https://en.wikipedia.org/wiki/The_Denationalization_of_Money

          • Linus Huber sagt:

            Warum versteifen Sie sich auf Hayek. Ich teile diesbezüglich nicht seine Meinung, denn er befürwortet hier die uneingeschränkte Macht der Regierung; auch in Bezug auf Demokratie, zeigt er oft die Vorstellung, dass der Zweck die Mittel heiligt, was nicht meiner Überzeugung entspricht. Dies tangiert den Wert seiner anderen Arbeiten wenig.

            Sie vergessen bei allem immer die negativen Konsequenzen der Geldentwertung, welche bei seriösen Ökonomen wohl unbestritten sein dürften. Es gibt Beispiele, in welchen „free banking“ (was einer schwachen Regulierung gleichkommt) recht erfolgreich war; allerdings beschränkt dies die Macht der Regierungen, weshalb sie selten erwogen wurden.

          • Marcel Senn sagt:

            Linus: Welche erfolgreichen Freie Banking Experimente meinen Sie denn konkret?

          • Linus Huber sagt:

            Marcel:

            Ich empfehle Ihnen diesen Artikel zu lesen.

            http://www.plata.com.mx/mplata/articulos/articlesFilt.asp?fiidarticulo=161

          • Marcel Senn sagt:

            Werter Linus: Es gibt ja wohl nichts Bescheuertes als einen Goldstandard zu fixen Preisen – weil das nämlich Gold entwertet!
            Beweis: 1934 wurde der Preis einer Unze Gold auf 35$ festgelegt – dieser Preis hielt sich (von ein paar kleineren Schwankungen mal abgesehen bis 1970 – 36$ – also vor 1971! Nur hätte man 1970 inflationsbereinigt 101 $ für dieselbe Unze Gold bezahlen müssen — der Preis war aber immer noch bei 36 $!
            .
            Einzig das Gold hat sich effektiv vs. USD entwertet – gut dank des Goldverbotes (Executive Order 6102) in USA (ACHTUNG LINUS STAATLICHE REGULIERUNG SCHWERSTEN GRADES!!!!) von 1933 bis 1974 konnte das Buebetrickli mit dem Gold überhaupt irgendwie funktionieren!

          • Linus Huber sagt:

            Sie verwechseln hier einiges. Nicht Gold sondern die Währung wird entwertet und sie entwertet sich nicht so einfach, sondern Regierungen entwerten sie, weil sie sich nicht an den Standard halten wollen, was nicht aussagt, dass die Bevölkerung dieses Verhalten der Regierungen gutheisst, sondern eher, dass die Regierungen sich in Machtanmassung üben.

          • Marcel Senn sagt:

            Huber: Nicht Regierungen entwerten Währungen in erster Linie, sondern unserer Zinseszinssystem! Wenn wie aktuell über 10% des Welt-BIP an Zinsen pro Jahr bezahlt werden müssen, dann bedingt das auch immer grössere Geldmengen (was die ZB ja aktuell bescheren) und sobald die Wirtschaft beginnt warm oder heiss zu laufen, die Umlaufgeschwindigkeit steigt, dann kommt es irgendwann auch zu Inflation und Geldentwertung.
            .
            Ein Goldstandard mit floatenden Preisen würde nur zu leistungsfreiem Einkommen privater Goldbesitzer (ca 80% der Weltgoldbestände innerhalb einer limitierten Oberschicht) führen – das übliche „wer-hat-dem-wird-gegeben-Spiel“…bringt uns also auch nicht weiter!

          • Linus Huber sagt:

            Unsinn, die fehlerhafte Doktrin (Glaube, dass wenn Inflationsrate tief gehalten wird, aber trotzdem immer positiv, sich die negativen Konsequenzen von Geldentwertung nicht einstellen würden) zielt auf dauernde Inflation und langsamer Entwertung der Währungen, welche sich in der Geldpolitik, welche dadurch zunehmenden zu aktivistischer und intervenierender wurde (nicht einzig seit 2008), niederschlug.

            Sie scheinen unfähig zu sein, die diversen negativen Konsequenzen von Geldentwertung zu erkennen. Die Profiteure der Vetternwirtschaft des heutigen Systems sind offensichtlich unwichtig, sondern einzig ein Goldsparer, darf auf keinen Fall profitieren – lachhaft.

  • Achim sagt:

    Hallo Herr Dittli, bei der US-Grafik steht drunter, wie der Index konstruiert wird; aber so richtig begreife ich es nicht. Dass das Wort „Schengen“ da vorkommt, macht etwas stutzig. Wenn eine amerikanische Zeitung darüber berichtet, dass europäische Staaten wegen der Fußball-EM über mögliche Gesetzgebung zu Grenzkontrollen beraten, ist es wahrscheinlich, dass die Worte „uncertain“, „Schengen“, „legislation“ gemeinsam vorkommen. Bei Frankreich wäre relevant zu wissen, wie es zur Nivea-Verschiebung ca. 2006 gekommen ist. Die Anmerkung unter der Deutschland-Grafik, dass es um Artikel aus FAZ und Handelsblatt geht, heißt, dass auch eine Verschiebung der Berichterstattung ursächlich…

  • Maiko Laugun sagt:

    „Politiker …. sprechen diese Stimmungslagen in der Bevölkerung gezielt an.“

    Das ist falsch. Die Aengste werden gezielt geschürt, unabhängig davon ob solche real sind und/oder bereits existieren oder nicht. Political brain washing für den Stimmenfang.

    • Anh Toàn sagt:

      Die Ängste vor einer ungewissen Zukunft sind „real“, soweit Ängste etwas reales sind. Früher wurden diese Ängste in Kirchen mit Lügen beruhigt, besänftigt („der Herr ist mein Hirte, Inshallah“), heute werden diese von Demagogen auf einen Schuldigen gelenkt. (Die Ausländer, die EU, die Regierungen, die Politiker, die Linken). So wird aus Angst Hass, Hass ist stärker als Angst, aber Angst schützt, (Vorsicht ist die Mutter..), während Hass zur Selbstaufgabe führt: Ich hau den Tod, selbst wenn es mich meine Zukunft kostet. Selbstmordattentäter oder ein sich ins Knie schiessendes Volk (Brexit, MEI) sind eigentlich das gleiche.

      Es geht um Hass, nicht Angst.

      • Christoph sagt:

        Ich finde es etwas einfach die Ursachen auf „die Angst“ zu schieben. Nehmen wir die Hexenverbrennung. Infolge der Klimaveränderung gab es in Europa nicht genug Lebensmittel mehr, Ernten fielen aus. Vor den alten Frauen hatte keiner Angst, aber man hätte sie nur auf Kosten anderer ernähren können. Die veränderten Wetter konnte man nicht erklären. Beides zusammen ergab das Märchen der wettermachenden Frauen, die vom Teufel unterstützt wurden und diese Gefahr musste beseitigt werden. In diesem Falle durch das reinigende Feuer.
        Die Angst vor der Migration gründet auch auf realen Problemen und Gefahren. Irgendwas muss man eben tun. Und sei es Hexen zu verbrennen.

      • Willi sagt:

        Ich fühle mich von Ihrer letzte Aussage nicht betroffen und sehe mich selber als unverdächtig, etwas gegen Ausländer zu haben. Ich bezweifle allerdings, ob ~ 50% der Bevölkerung aus purem Hass der MEI zugestimmt haben. Paul Rechsteiner heute: „Die Altersdiskriminierung ist auf dem Arbeitsmarkt eine harte Realität“. Hat das nun mit ‚Hass‘ oder ‚Existenzangst‘ der ü45 zu tun? Und schauen Sie nach Schweden, in das bisher liberalste Land in Europa: Plötzlich wird die Grenze kontrolliert und das Asylrecht verschärft. Die Schwedendemokraten erreichen nur ~ 13% der Wählerstimmen. Die Schweden sind nicht bekannt, hasserfüllte Menschen zu sein. Da muss noch etwas anderes mit im Spiel sein.

        • Rolf Zach sagt:

          Wir müssen unterscheiden zwischen Binnenwanderung in der EU und der Zuwanderung vom Islam-Bogen (Benennung nach Frank A. Meyer). Es ist eine Tatsache, daß die Brexit Befürworter von der Binnenwanderung aus der EU direkt bedroht fühlten, da diese als Arbeitskräfte relativ leicht einen Job fanden, ihr Ausbildungsniveau war gleich oder noch höher als dasjenige der Engländer und sie waren mit einem zielgerichteten europäischen Ehrgeiz ausgerichtet und erwarteten nicht das Paradies. Überall dort, wo keine flankierenden Maßnahmen sind, gibt es Widerstand gegen die Binnenwanderung, auch in der Schweiz wo keine besteht wegen Alter und akademische Diplome aus der EU (vor allem aus Deutschland).

          • Rolf Zach sagt:

            In Deutschland gibt es ein böses Sprichwort, wer nichts wird, der wird Betriebswirt. Ich kann dazu ein Beispiel aus der Realität bringen. Mein Kollege mußte im fortgesetzten Alter den Job wechseln, wegen Geschäftsaufgabe seines Arbeitgebers. Er wurde angestellt von einem Deutschen in einem hiesigen Betrieb, der mit dem Abschluß seiner Buchhaltung 3 Jahre im Rückstand war. Mein Kollege hat innerhalb eines Jahres dafür gesorgt, daß die Buchhaltung wieder aktuell wurde. Sein Lohn: Sein Chef, ein arroganter deutscher Betriebswirt hat ihn jetzt dafür entlassen. Der Betrieb macht eine Fusion durch und der Chef fürchtet, daß seine Vorgesetzten bemerken könnten, daß nicht er das Finanzwesen führt.

          • Rolf Zach sagt:

            Wenigstens ist mit dem Brexit jetzt etwas mehr sichergestellt, daß die Schweizer Kader etwas weniger diese arroganten Engländer erleiden müssen mit ihren deutschen Knechten im Management. Ein gemeinsamer Binnenmarkt braucht eine Binnenwanderung, aber wieviel englischen und deutschen Müll haben zum Beispiel unsere Banken übernommen und ihre Erziehung der Schweizer Kader ging in Richtung von Kriechertum. Wir sehen ja die Moral von deutschen Managern bei VW und Deutschen Bank. Ich finde da hat, England und Deutschland einen gewaltigen Überschuß gegenüber der Schweiz erzielt.

          • Anh Toàn sagt:

            Ihr Freund hat das mit der Problembewirtschaftung nicht verstanden. Er hätte, statt das Problem zu lösen, die Buchhaltungsrückstände aufarbeiten, diese noch weiter anwachsen lassen sollen, und dann die Vorgesetzten seines Chefs über dessen Versäumnisse in Kenntnis setzen können. Dann hätte er den Posten des Chefs erhalten. Damit ihm nicht das gleiche passiert, hätte er die Buchhaltung outgesourced anschliessend.

          • Rolf Zach sagt:

            Dies von Ihnen empfohlene Vorgehen ist nicht die Arbeit, die uns Schweizer wohlhabend gemacht hat.

          • Anh Toàn sagt:

            @Rolf Zach

            Jetzt überraschen Sie mich! „Wir Schweizer“ sind also wohlhabend geworden, weil wir am besten arbeiten? Seit wann war das so? Oder gilt das nur für die Schweizer im Unterland, oder nur die reformierten, die Hochalpenschweizer leben ja mehrheitlich von Sozialhilfe (Bauernsubventionen, Finanzausgleich, Wasserzinsen usw usw)

            Wenn man Karriere machen will, strebt man immer den Job des Chefs an: ist der gut, arbeitet man loyal für ihn, denn er wird befördert werden und man kann seinen Job bekommen. Ist der aber schlecht, wird er feuern, wer gut ist, da er Konkurrenz fürchtet (siehe Ihr Freund, der Buchhalter).

      • Monique Schweizer sagt:

        Anh: Es geht um Hass, Angst (insbesondere Wohlstandsverlustängste), Bildungsferne, schamlose Abstimmungslügen und sonstige einseitige Information und leere Paradiesversprechungen (z.B. das Paradies-Schweizbild in „Brexit der Film“), aufbegehren gegen die „Elite“ resp. das „Establishment“ und schlichtweg Unerfahrenheit (z.B. in Ostdeutschland mit 1-2% Ausländern), ausgeklügelte PR Kampagnen inkl. viel Geld zur Verbreitung, ein wohldosierter Schuss Verschwörungstheorien (z.B. Lügenpresse usw), ein gut ausgearbeitetes Feindbild (EU eignet sich sehr gut) und Rupert Murdochs „Sun“.
        .
        Dann alles gut gerührt und nicht geschüttelt und fertig ist der Brexit (oder MEI) Cocktail!

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