Druck auf die Hochzinsinseln

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Der neuseeländische Dollar steht unter Aufwertungsdruck. Foto: Dean Treml (AFP)

Die meisten Industrieländer sind seit Jahren mit lächerlich tiefen Zinsen – nahe oder gar unter 0 Prozent – konfrontiert. Ein besonders extremer Fall ist die Schweiz, wie mein Kollege Martin Lüscher in diesem Beitrag zeigt.

Aber was geschieht eigentlich in jenen Ländern, die sich diesem Zustand entziehen?

Sie befinden sich in einer ungemütlichen Lage. Denn höhere Zinsen ziehen Carry Trader an, die die Zinsdifferenzen zwischen den Währungen ausnutzen: Sie verschulden sich in einer tief verzinsten Währung (möglichst einer, die sich nicht auf-, sondern abwerten dürfte) und legen das Geld in der hoch verzinsten Valuta an. In der Regel passiert das über Leerverkäufe oder Terminkäufe.

Der weltweite Nullzinswahn hat zur Folge, dass die meisten Währungen sich als Funding Currency anbieten. Dagegen herrscht bei den lohnenden Hochzinswährungen Knappheit. Viele renditehungrige Carry Trader stürzen sich daher auf eine Handvoll Länder.

Unter den grössten zehn Währungen – den sogenannten G-10 – sind von diesem ungestümen Kapitalzufluss vor allem der Neuseeland-Dollar und der australische Dollar betroffen. Die dortigen Zentralbanken halten die Leitzinsen derzeit auf 2,25 respektive 1,75 Prozent: Schlaraffenländer für ausgehungerte Renditejäger aus der Schweiz, aus Euroland oder Japan. Sie trieben den Wert der beiden ozeanischen Währungen kräftig nach oben.

In Zeiten, in denen die Absatzmärkte der heimischen Rohstoffexporte sowieso schon schwächeln, ist das eine äusserst ungünstigste Entwicklung für diese Länder.

Neuseelands Zentralbank versuchte gegenzusteuern und senkte die Zinsen. Mittlerweile ist sie damit aber am unteren Rand angekommen. Diese Woche setzte sie eine zuvor in Aussicht gestellte letzte Zinssenkung auf 2 Prozent erst einmal aus. Der Cocktail aus einer Lockerung der Geldpolitik, international immer noch vergleichsweise hohen Zinsen und einer Aufwertung der Währung bescherte dem kleinen Land beachtliche Kollateralschäden.

Die private Verschuldung schnellte in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent in die Höhe. Neuseeländische Haushalte halten inzwischen Verbindlichkeiten, die 160 Prozent des verfügbaren Jahreseinkommens entsprechen. Das ist mehr als vor Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008. Anhaltend tiefe Zinsen stimulierten das Schuldenmachen zu einer Zeit, in der die verfügbaren Einkommen nur noch moderat wuchsen. Und das meiste geborgte Geld fliesst in Immobilien. Deren Preise sind längst überhitzt:

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Quelle: Westpac

Die Notenbanker warnen, dass der Neuseeland-Dollar weiterhin höher bewertet sei, als angesichts der niedrigen Exportpreise angebracht sei. Sie setzen darauf, den Kurs zu schwächen. Gleichzeitig räumen sie ein: «However, if investors increase their appetite for New Zealand dollar assets despite a declining interest rate differential, the exchange rate could remain higher than assumed in the projection.»

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Quelle: Pacific Exchange Rate Service

Australien erlebte eine ähnliche Entwicklung.

In diesen Tagen wappnet sich auch Island gegen den Nullzinswahnsinn im Ausland. Die lokale Zentralbank – Sedlabanki – hält den Leitzins auf sage und schreibe 5,75 Prozent. Kein Wunder, ist die Insel ein Paradies für Carry Trader.

Einziger Haken: Seit 2008 ist es verboten, Kapital ins Ausland abzuziehen. Die Insel war 2008 über die einheimische Bankenkrise gestrauchelt und entging nur knapp dem finanziellen Kollaps, weil sie die Banken verstaatlichte und Kapitalverkehrskontrollen einführte. Inzwischen boomt die Wirtschaft wieder. Der Tourismus bringt reichlich Devisen (nur die Kapitalausfuhr ist verboten, nicht die Einfuhr!). Die isländische Krone wertet sich auf, auch weil die Märkte erwarten, dass die Zentralbank die Zinsen noch weiter anheben wird, um die Konjunktur vor einer Überhitzung zu bewahren.

Island befindet sich international in einer Sonderrolle: mit hohen Inflationserwartungen und einer positiven Produktionslücke, dem Beleg für einen brummenden und gut ausgelasteten Wirtschaftsmotor. Das zeigt die folgende Grafik.

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Quelle: Sedlabanki

Carry Trader lauern daher auf die erste Gelegenheit, um von dem lukrativen Zinsvorteil zu profitieren. Die Behörden möchten spätestens nächstes Jahr Islands Kapitalverkehr freigeben. Das Risiko ist enorm, dass die Insel dann mit kurzfristigem Hot Money aus dem Ausland überflutet wird, das erfahrungsgemäss grossen Schwankungen unterliegt.

Letzte Woche verabschiedete das Parlament deshalb ein Gesetz, mit dem der Zufluss von Carry-Trader-Geldern gebremst oder, falls das nicht gelingt, zumindest stabilisiert werden soll. Anlegern aus dem Ausland wird eine Mindestreservepflicht für neue Bankguthaben auferlegt sowie beim Kauf von Anleihen und Geldmarktpapieren (Bills). 40 Prozent des Werts müssen mindestens für ein Jahr in Island bei einer Bank hinterlegt werden. Der Investor erhält für diese Mindestreserve de facto keinen Zins! Denn die Bank muss die Mittel auf ein nicht verzinstes Capital Flow Account bei der Notenbank einzahlen.

Die Bestimmungen gelten seit vergangenem Wochenende. Ob sie ausreichen, um eine künftige Spekulationswelle in isländische Kronen zu vermeiden, wird sich zeigen. Vorsichtshalber sieht der Foreign Exchange Act vor, dass die Mindestreservepflicht bis auf 75 Prozent und die Halteperiode auf fünf Jahre hochgefahren werden können.

Die Länderbeispiele zeigen, wie hoch die Sensibilität gegenüber internationalen Zinsdifferenzen inzwischen ist und dabei immer grössere Kapitalvolumen bewegt. Dass die wenigen Hochzinsländer vergleichsweise kleine Währungsräume darstellen, erschwert die Situation noch zusätzlich. Sie sind gezwungen gegenzusteuern, und sie müssen diese Reaktion mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen vor Ort in Einklang bringen. Ein sehr schwieriges Unterfangen.

29 Kommentare zu «Druck auf die Hochzinsinseln»

  • Rolf Zach sagt:

    Was muss ein erfolgreicher Carry-Trader beachten:
    1. Der Leverage-Effekt muß so organisiert werden, wenn die Abzockerei schief geht, nicht das eigene Vermögen verloren geht. Die Gründung eines Hedge-Fonds ist da die ideale Lösung, wenn man Erfolg hat, werden die Gläubiger mit Kommissionen und Gewinnbeteiligung so behandelt, daß sie ebensogut eine Rendite von Sparheften haben. Brüssel ist ein Feind, weil sie das Tun dieser Herren eindämmen will, deshalb für Brexit. Bei den Banken Geld aufzunehmen und sein eigenes nicht zu riskieren, ist eine gewagte Sache und kann ins Kittchen führen. Die Bank muß schon sehr dumm sein, um dies zu erlauben. Ein Beispiel war die UBS mit ihren eigenen Leuten.

    • Rolf Zach sagt:

      2. Die angepeilte Währung muß eine Regierung und noch besser eine Zentralbank haben, wo die Nicht-Intervention in die Finanzmärkte als Ordo-Liberalismus à la Hayek en vogue ist und dies mit einer fetten Korruption belohnt wird. Länder, die mit Regulierungsvorschriften nur bellen, aber nicht beißen, sind besonders gefragt. Da kann man ganz Lateinamerika heranziehen und EU-Osteuropa. Bitte liebe Spekulanten lässt es sein mit Ländern, die den Euro haben oder wo die Länder wie Skandinavien strikt der EZB folgen, dort holt man sich nur blutige Nasen. Auch schadet nichts, wenn die Regierung solche Carry-Trades unterstützt, um die Bauwirtschaft anzukurbeln und den Eigenheim-Anteil zu vergrößern.

      • Rolf Zach sagt:

        3. Mit welchen Währungen macht man solche Carry-Trades. Der Dollar ist sicher gut, aber er funktioniert nur Ländern mit einer nicht funktionieren Bürokratie wie in Lateinamerika, die alle sowie so immer noch stärker inflationieren und deshalb abwerten als die USA. Gefahr: Plötzliche populistische Maßnahmen und eine einheimische Elite, die den Rahm abschöpfen will. Der EURO ist so eine Sache, zuviel Einfluß der Industrie und zu wenig der Finanzwirtschaft. Die absolut beste Währung ist der Schweizerfranken. Weltweit die absolute Deflations-Maschine und eine Zentralbank zu 100 % in den Händen der Banken mit riesigem Private Banking. Zloty, Lew und Leu sind hervorragend.

        • Rolf Zach sagt:

          Wenn es schief geht, müssen sie zahlen bis sie Blut schwitzen, der IMF sorgt dafür und die EZB schaut gnädig zu, weil sie nur so ihre Lektion lernen. In Brasilien, das gleich zu veranstalten, ist mir zu gewagt, das Land ist zu groß und der Mittelstand rebelliert, Argentinien, Chile und Mexiko sind da gewinnträchtiger. Das beste ist natürlich das Pfund, CH aufnehmen als Hedge-Fund und CHF-Hypotheken in GB zu vergeben zu höheren Zinsen. Bei Brexit fällt das Pfund sowie so in sich zusammen und ob Mr. Boris Johnson als neuer Premier wagt den nationalen Notstand auszurufen und die City als völlig unzuverlässig darzustellen, wage ich zu bezweifeln. Carry Trade zwischen Pfund /CHF eine Wohltat

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Hypotheken in Fremdwährungen sind doch ein Unsinn, weil viel zu unflexibel um da schnell wieder rauszukommen – die Ungarn, aber auch Polen und Oesis haben sich doch ziemlich die Finger verbrannt mit den vermeintlich günstigen Franken Hypotheken. Aber auch schweizer Zinslipicker haben in den 90er Jahren gemeint mit Yen Hypos können sie sich günstig finanzieren bis dann der Yen stieg und damit auch ihre Verschuldung in CHF gerechnet.

          • Rolf Zach sagt:

            Ihr Kommentar ist durchaus berechtigt, ich erinnere mich gut welchen Aufschrei es in Ungarn deswegen gegeben hat, aber schlußendlich mußten die Schuldner blechen, auch wenn nicht im vollen Umfang, die Kapitalschuld blieb bestehen. Die österreichischen Banken haben längstens an diesen Hypotheken nicht soviel verloren, wie die Schweizer Banken mit ihrem Investment in 3A Sub-Prime Papiere. Die Frage ist doch die, wieviel Druck kann der Gläubiger mit seinem Carry Trade auf den Schuldner ausüben und dies ist eine politische Frage, der Schuldner wird sich nie einfach zu 100 % davon machen können und sowie so nicht in Europa. Hatten die Schweizer Gnade bei den Japanern?

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Es haben ja nicht primär die Banken verloren, sondern die kleinen Häuslibesitzer, denen angeblich zinsgünstige Hypokredite in FX von den Banken aufgeschnorrt wurden (logisch hatte die Bank dann ihre Kommissionen dran, aber wenig bis null Risiko). Gut bei den Yen Hypos – das waren einige wenige (gierige) die gemeint haben sie seien schlauer als der Markt und haben nur die Zinsrate angeschaut aber vor lauter Blindheit vergessen, dass der Yen dann eben auch steigen könnte und so unter dem Strich mehr bezahlt haben als wenn sie CHF Hypos aufgenommen hätten.

  • Sacha Maier sagt:

    Das globale neofeudalistische Finanzcasino wird nur dann weiterlaufen, wenn die Zinsen global negativ werden. Und zwar richtig negativ – bei -5% oder mehr. Bei solchen Zinsen wird die Staatsverschuldung nirgends mehr ein Thema. Die braucht es auch dringend, um die stetig wachsenden sozialen Kosten der modernen korpokratischen Konsumwirtschaften zu bezahlen. Bleibt also den hyperreichen Systemgeldadeligen bald nichts anderes übrig, als anzufangen, ganze Staaten aufzukaufen und die Sozialkosten drastisch abzubauen – z.B. mit der Wiedereinführung der Leibeigenschaft, Abschaffung von Renten, Krankenkassen, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, IV, etc. Armen- und Siechenhäuser taten es früher ja auch.

    • Josef Marti sagt:

      Dumm nur dass die neoliberalen Europäischen Blindgänger sowas Idiotisches wie die EMRK sich als Bleifuss ans Bein geheftet haben. Da melde ich mich jetzt schon freiwillig nach Pöschwis, da gibt’s hervorragende Versorgung mit full service lebenslang. Wenn man sich zu sehr langweilt kann man sich dort auf Staatskosten sogar weiterbilden und mit 70 noch einen Uniabschluss in Philosophie machen. Die Amis waren da gescheiter und haben dieses Problem mit dem Pöbel nicht, der wird notfalls in irgendeinem Krieg verheizt oder mit Gewicht am Hals im Fluss versenkt.

  • Marcel Senn sagt:

    Echte Hardcorezinslipicker zocken aktuell mit dem argentinischen Peso – da gibts auf Lettras 38% in Peso und derselbe ist seit der ist gegenüber dem US $ aktuell sogar noch steigend. Argentinien ist bald mal so teuer wie Monaco (zumindest in gewissen Bereichen) wie eine Zeitung neulich berichtete.
    Man macht einfach das alte rein raus Spiel – in den Peso rein, die fetten Zinsen abgarnieren und dann wir in U$ zurückwechseln & den fetten Yield mitnehmen, weil aktuell bei den Zinsen ist der US$ nicht mehr so interessant für Argentinier und das macht den Peso so stark. Dass das Land aktuell ca 35% Inflation hat (die Regierung verspricht dass die bald runterkommt) interessiert den Investor….

    • Marcel Senn sagt:

      …nicht wirklich, er will ja nicht in Argentinien konsumieren.
      Auch auch wenn der Peso gegen den US$ mit der Zeit etwas abwerten wird, wird immer noch genug Fleisch am Knochen bleiben für eine fette Rendite.
      .
      Die „Wunder“ des Neoliberalismus – wir erinnern uns – in den 90er Jahren gab es ja die 1:1 Anbindung des US$ zum Peso — das waren (für die Oligarchie zumindest) ein paar Jahre Party, dann für die unteren Schichten ein paar Jahre Siechtum und dann zum Finale der Staatsbankrott.
      .
      Mit einem aktuellen Preisniveau wie Monaco ist das mässig produktive Argentinien auf gutem Weg irgendwann in den nächsten Bankrott – die Hedge-Fund Geier freuen sich schon auf neue Beute!!

      • Rolf Zach sagt:

        Wenn Argentinien eine verantwortungsvolle Administration hätte, wäre dies überhaupt nicht möglich. Auch Neuseeland hat eine Exportstruktur, die noch einseitiger auf Rohstoffe ausgerichtet ist als diejenige von Argentinien. Von einigen dummen neoliberalen Anwandlungen ist Neuseeland schnell zu den bürokratischen Tugenden zurückgekehrt, die diesem Land mit einer geringen Wertschöpfung und einem kleinen Binnenmarkt angemessen ist. Neuseeland hat wie Australien ein Leistungsbilanzdefizit von 3 % des Volkseinkommens, Argentinien hat 1 % Defizit und trotzdem ist es international mit einer geringeren Staatsschuld gemessen am Volkseinkommen als Land nur für Hedge-Fund Geier interessant.

        • Rolf Zach sagt:

          Sicher ist es nicht der Verantwortung des bösen Weltwährungsfonds, der noch böseren USA und den gierigen Westeuropäern und sicher ist die Flucht in den Leninismus mit Vorliebe jedes Gemüsebeet administrativ auf höherer Ebene zu verwalten, nicht die richtige Lösung. Warum kann man nicht einfach Australien kopieren, da wäre schon viel gewonnen. Aber das argentinische System mit seiner Macht-Elite ist nicht einmal fähig etwas gutes zu kopieren.
          Naipul hat es gut beschrieben. Solchen Ländern ist nicht zu helfen, da kann man noch soviel über die Hedge-Fund Geiger aus New York schimpfen. Abgesehen davon ist die argentinische Elite so etwas arrogantes+abgehobenes, was man kaum beschreiben kann.

          • Rolf Zach sagt:

            Die stolzen Argentinier sind ja in der westlichen Hemisphäre, diejenige Nation, die am meisten europäisches Blut hat, sowie so mehr als die USA und wahrscheinlich noch mehr als Kanada.

      • Marcel Senn sagt:

        Zach: Argentinien war schon immer eine Experimentalökonomie – ab 1976 mit Friedmans Chicago Boyz und den ersten neoliberalen Gehversuchen (parallel zu Chile) inmitten einer Militärjunta & wurde schon 1978 mal das teuerste Land der Welt, dann wieder spottbillig in den 80ern mit Hyperinflation 1989, dann die 1:1 Anbindung an den US$ – wieder wurde Arg. sauteuer, doch dieses Märli dauerte auch nur die erste Amtsperiode von Menem an, in der zweiten gings dann schon bergab und nach Menem dann 2001 der Staatsbankrott. Wer Arg. 1998 arg. US$-Anleihen zu 12-14% Zinsen gekauft hat, der musste eigentlich mit sowas rechnen – kein Land kann in einer Fremdwährung auf die Dauer soviel Zinsen zahlen.

        • Marcel Senn sagt:

          Dann 12 Jahre linksperonistische Experimentalökonomie und jetzt wieder Neoliberalismus mit noch ungeahntem Ausgang – aber es rumort schon wieder gewaltig — zudem noch der stärkste Winter seit Jahrzehnten und dazu viele Stromausfälle obwohl die Strompreise (und auch Gas- und Wasserpreise) vor 2-3 Monaten um 300-500% gestiegen sind — Sie können sich etwa vorstellen, dass da viel Argentinier ziemlich verzweifelt und wütend sind.
          .
          In der westlichen Welt heisst es dann, Arg. sei jetzt wieder auf dem „rechten“ Weg – auch wenn es verdammt hart werde, da „müsse“ man jetzt durch. Na immerhin sind die Miami- und Europareisli für die Elite bald wieder so günstig wie in den 90er Jahren beim 1:1

  • Josef Marti sagt:

    Das System ist eigentlich immer dasselbe wie es schon unter Bretton Woods und dem EWS war, Soros hat mit den genau gleichen Methoden das GB Pfund gebodigt, auch wenn das keine Zinsarbitrage war sondern eine direkte Attacke gegen eine Landeswährung. Gegen diese Arbitrage Geschäfte ist ja gar nichts einzuwenden, man müsste sie einfach zünftig besteuern. Dass das aber nie geschieht zeigt ja wohl deutlich dass Politiker in Regierungen und Parlamenten nichts anderes als lächerliche Marionetten sind.

    • ast sagt:

      Habe kürzlich gelesen auf einer Finanzzeitung „Die jüngste Euphorie war am Freitag der vergangenen Woche ausgebrochen, als bekannt wurde, dass in den USA im Mai nur 38’000 Jobs entstanden sind“
      Soros Spekulationen, die Praxis der Notenbanken bis hin zu den Aktvitäten an den Finanzmärkten ist gemeinsam, dass deren Tätigkeiten gegen Jobs und für globale Ungleichverteilung der Vermögen und Rohstoff Ressourcen arbeiten. Das wiederum bedeutet dass es Spekulanten die Notenbanken und die Politik schaffen werden vermehrt die Bevölkerung gegen sich aufzubringen und schliesslich den (leider nicht mehr) freien Markt zu gefährden Es kommt so zu globalerDeflation, Stagnation und politischen…

      • Rolf Zach sagt:

        Deflation werden wir sicherlich weltweit nicht haben, außer in der Schweiz, weil wir die ultimativen Masochisten des Wirtschaftslebens sind und nicht die viel mehr angefeindeten Deutschen. Ob China und andere Nationen gewillt sind bei Niedrigst-Löhnen ihre kurzlebigen Konsumgüter praktisch auf dem Weltmarkt zu verschenken, werden wir sehen. Bangladesch kann sicher ein T-Shirt zu 10 Rappen anbieten, wo China einen Franken haben muß, um einigermaßen daran zu verdienen. Diese Länder und ihre Eliten können natürlich weiterhin nur auf den Export-Markt setzen und anstatt mehr Investitionsgüter für eine bessere Ausstattung ihrer Fabriken einzuführen, vermehrt Patek Philippe Uhren importieren.

        • Linus Huber sagt:

          @ Rolf

          Ich bezweifle ebenfalls, dass Deflation (gemessen am cpi) das nächst auftretende Problem sein dürfte, denn es wurde seit 2009 historisch betrachtet derart viel an Geld ins System gepumpt. Interessant wird die Sache, wenn in den kommenden Jahren trotz galoppierender Inflation (cpi!) und trotz negativer Realzinsen, das Wirtschaftswachstum negativ ausfallen sollte; da wird wohl die Umverteilungsorgie der Interventionisten erst richtig losgehen.

          • Marcel Senn sagt:

            Linus: Mit was bitte soll denn die Inflation ins galoppieren kommen? Mit sinkender Geldumlaufgeschwindigkeit, mit den ein €-Jobbern, den Sparhaushalten der Staaten?
            Vor allem die Assetpreise haben diese Geldmengen absorbiert oder sie sind in den Zentralbankbilanzen als Aktiv- Passivverlängerungen hängengeblieben.
            Solange es nicht einen breiten Nachfrageschub gibt (Helikoptergeld ???), wird auch die Inflation nicht ins galoppieren kommen und infolge immer mehr Tieflöhner und einem schon in weiten Bereichen gesättigten Markt mit einem Ueberangebot werden die CPI-Preise eher sinken denn steigen.

          • Linus Huber sagt:

            Wer kann mit Sicherheit voraussagen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit weiterhin sinkt? Ich nicht. Der Wille hohe Bargeldbestände zu halten, mag sich z.B. nicht zuletzt aufgrund der immer höheren Dosen an erwarteten geldpolitischen Massnahmen, reduzieren. Eine Spekulationsblase in Bereichen, welche den cpi beeinflussen, mag sich entwickeln. Die Produktionskapazitäten in gewissen den cpi stark beeinflussenden Bereichen mögen aufgrund fallender Preise zu stark reduziert worden sein, und trotz allgemein schwacher Nachfrage zu Engpässen führen. Ich kann nichts voraussagen, aber der verkrampfte Fokus auf und Wunsch nach Inflation (cpi) mag sich in instabiler Weise erfüllen.

          • Marcel Senn sagt:

            Tja werter Linus – ursprünglich ist ja die ganze Misere ja zumindest teilweise auf Ihren Doktrinen gewachsen durch die Liberalisierung der Finanzmärkte, die immer mehr quasigeldähliche Wertpapiere in Form von Derivaten, CDO’s, CDS etc. geschaffen haben. Dazu braucht es nun mal möglichst wenig regulierte Märkte.
            .
            Und weiter in Ihrem Geiste werter Linus wurde dann 1995 von Clinton mit dem Housing Act der Hausmarkt dereguliert und 1999 der Glass-Steagall Act aufgehoben und die Banken hatten wieder Party wie in den Roaring Twenties.
            .
            Am falschen Ort dereguliert kann eben schnell mal ins Elend führen für viele, während wenige sich grosszügig bereichern.

          • Marcel Senn sagt:

            Wäre Hayek etwas realitätsnaher gewesen, hätte er eigentlich aus seinen Erfahrungen während den 20er Jahren erkennen müssen, dass die Finanzindustrie eben ein ganz besonderer Bereich ist, bei dem die Preisfindung des öfteren mal sehr irrational und auch schädigend sein kann, wenn gar keine Preise mehr gefunden werden — vor allem wenn ganze Volkswirtschaften von obskuren Finanzprodukten verseucht sind.
            .
            Und auf den Resetknopf drückt kein Politiker freiwillig – darum wird ja auch nur noch gebastelt neben anderen Fehlentscheiden der letzten Jahrzehnte (z.B. die gemeinsame €-Zone). Die ganzen Bankenrettungen resp. Stabilisierungen machen immer noch einen Grossteil der Geldschwemme aus.

          • Linus Huber sagt:

            Und weiter in Ihrem Geiste werter Linus – 🙂

            Mein Geist hätte den massiven Wachstum der Finanzbranche (im Vergleich zur restlichen Wirtschaft) in den 80iger und 90iger Jahren aufgrund indirekter Subventionierung gar nicht ermöglicht, wodurch sie auch nicht den Einfluss gewonnen hätten, die Regeln weiter zu ihren Gunsten zu ändern.

          • Josef Marti sagt:

            Für eine Ankurbelung der Geldumlaufgeschwindigkeit müsste ja angesichts der Geldschwemme ein gigantischer Output Zuwachs generiert werden, ich sehe da eher eine klassische Stagflation wenn wieder mal Rohstoffe und Energiepreise ansteigen sollten.
            Hayek hätte eben an seiner ursprünglichen Utopie der Entnationalisierung des Geldes und Abschaffung der Zentralbanken festhalten müssen, dann wäre er von den Politikern allerdings nur belächelt und gar nicht für voll genommen worden und hätte sich keine Lobhudelungen der Mächtigen einheimsen können.

          • Marcel Senn sagt:

            Linus: Was für indirekte Subventionierungen?? Das müssen Sie mir noch genauer erklären.
            Es langte doch die Regulierungen im Finanzbereich weitgehend abzuschaffen und das globale Wettbüro zu eröffnen – Spielaffine und -süchtige findet man weltweit und mit den fetten Renditen zumindest in den Anfangsjahren war das ja alles ein Selbstläufer. Und die innovativen Finanzinstitute haben ja immer wieder neue Spiele und Instrumente erfunden – nonlinear, dynamisch und unkontrollierbar von einer Zentralregierung — FA von Hayeks Traum und mittlerweile unser Albtraum….

          • Linus Huber sagt:

            Die zunehmenden zentralplanerischen Interventionen der Zentralbanken diente dem Wohle der Banken, sei dies im Bereiche der Zinspolitik, der Liquiditätsrückversicherung, der staatlichen Einlagenversicherung, der zunehmenden Sicherheit eine positive Inflationsrate mit damit verbundener Geldentwertung, inkl. „Greenspan Put“, anzustreben. Wenn z.B. gelegentlich eine negative Inflationsrate und somit der Werterhalt der Währungen zugelassen worden wäre, hätte sich die bildende Blase des Kreditvolumens mit der entsprechenden Wirkung der schöpferischen Zerstörung gelegentlich entladen und dem unmäßigen Wachstum des Bankensektors aufgrund z.B. erhöhter Risikoprämien Einhalt geboten.

          • Linus Huber sagt:

            In anderen Worten: Im Bereiche der Geldpolitik hat sich ungehindert durch den „lästigen“ Goldstandard Keynes‘ Geist entfaltet, während in anderen Bereichen, was Sie dauernd anführen, teilweise die Ideen von Hayek (Privatisierung) Einzug hielten, wobei das Volumen an Regulierung, ebenfalls zum Wohle der Grossunternehmen, weiterhin stark zunahm (Kollektivismus) und wettbewerbsbehindernd wirkte. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass Keynes aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und in Anwendung seiner politischen Überzeugungskraft, das Ruder im Bereiche der Geldpolitik viel früher herumgerissen hätte, denn auch er war sich sehr wohl der Gefahr des zu hohen Interventionsmus bewusst.

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