Das Mysterium der sinkenden Zinsen

epa03149809 Chinese rural eldery people gather to watch a local opera in a rural area of Jimo, eastern China's Shandong province, 18 March 2012. Reports state that the Chinese population of people aged 60 or above reached at 185 million by the end of 2011, or 13.7 per cent of the nation's total population while China's aging population and the deteriorating natural environment will constrain economic growth, according to Ma Jiantang, head of the National Bureau of Statistics said on 17 March 2012. EPA/WU HONG

Die Menschen werden älter, aber sie arbeiten nicht länger: Das gilt auch für China. Dadurch erhöht sich gesamtwirtschaftlich die Sparneigung. (Bild: Wu Hong/Keystone)

Terra incognita. Das ist der Zustand, in dem sich das globale Zinsgefüge gegenwärtig präsentiert: unbekanntes Territorium. Die Zinsen liegen auf historisch beispiellos niedrigem Niveau – wie wir in diesem Blogbeitrag schon dargestellt haben, wird ein Negativrekord nach dem anderen gebrochen.

Aber wieso ist das so? Wieso liegen die Zinsen auf null, teilweise sogar im negativen Bereich?

Die wohl gängigste Antwort liegt in der beispiellos expansiven Geldpolitik, die führende Zentralbanken im Nachgang der Finanzkrise von 2008 eingeschlagen haben.

Doch das ist nur ein kleiner Teil der Erklärung. Tatsächlich befindet sich das Zinsniveau weltweit seit mehr als zwei Jahrzehnten in einer strukturellen Abwärtsbewegung, wie der neuste «Geneva Report on the World Economy» des Centre for Economic Policy Research (CEPR) eindrücklich zeigt.

Bevor wir die möglichen Gründe dieser Bewegung erörtern, kommen wir zunächst zur Feststellung. Egal, ob man die USA, die Eurozone (respektive Deutschland), Grossbritannien oder Japan betrachtet; die Nominalzinsen sinken weltweit, wie die folgende Grafik zeigt (die Quelle für alle in diesem Beitrag präsentierten Grafiken ist der «Geneva Report»):

Die Kurven zeigen die Zehnjahresrenditen auf Staatsanleihen der vier präsentierten Volkswirtschaften.

Im Einklang dazu steht auch der langfristige Trend sinkender Kurzfristzinsen, wie die folgende Grafik verdeutlicht:

Die Kurven zeigen die von den jeweiligen Notenbanken der USA (blau), Grossbritanniens (orange), der Eurozone (grau) und Japans (gelb) festgesetzten Leitzinsen (wobei die Bank of Japan seit 1997 eine Nullzinspolitik betreibt).

Damit wird klar, dass die sinkenden Zinsen, sowohl die kurzfristigen wie auch die langfristigen, kein Phänomen der Jahre nach der Finanzkrise von 2008 sind. Es handelt sich um eine strukturelle Bewegung.

So weit die Feststellung. Nun die Frage: Weshalb ist das so?

Eine erste Möglichkeit: Die abgebildeten Zinsgrafiken stellen jeweils die Nominalzinsen dar. Die Nominalzinsen wiederum bestehen aus den Realzinsen plus der Inflationsrate, oder präziser: plus der erwarteten Inflationsrate.

Eine mögliche Erklärung für das gesunkene Nominalzinsniveau könnten demnach gesunkene Inflationserwartungen sein.

Dem ist aber nicht so, wie die folgende Grafik zeigt:

Dazu einige Erklärungen: Die orangen Kurven zeigen die Nominalzinsen am Beispiel der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen der USA (links) und Grossbritanniens (rechts). Wiederum schön ist der sinkende Trend über die vergangenen zwei Jahrzehnte zu sehen.

Die blauen Kurven zeigen das Renditeniveau von inflationsgeschützten Anleihen (Treasury inflation-protected securities, TIPS, in den USA respektive indexed gilts, IG, in Grossbritannien).

Die Differenz zwischen den orangen und den blauen Kurven, also der Renditeunterschied zwischen inflationsgeschützten und -ungeschützten Anleihen, kann als Massstab für die Inflationserwartungen im Markt genommen werden.

Und hier zeigt sich: Die Kurven verlaufen weitgehend parallel, das heisst, die Inflationserwartungen im Markt haben sich seit 1997 kaum verändert. Sie bewegen sich stabil um knapp unter zwei Prozentpunkten. Es sind demnach nicht nur die Nominalzinsen, sondern auch die Realzinsen, die sich in einer strukturellen Abwärtsbewegung befinden.

Sinkende Inflationserwartungen können also keine Erklärung für das gesunkene Zinsniveau sein. Was dann?

Basierend auf der Feststellung, dass auf globaler Basis das reale Zinsniveau zum einen aus dem Zusammenspiel von Angebot (Ersparnisse) und Nachfrage (Investitionen) sowie zum anderen von Portfolio-Allokationen von Investoren bestimmt wird, sehen die Autoren drei mögliche Erklärungen für die gesunkenen Zinsen:

  1. Die Sparneigung ist gestiegen
  2. Die Investitionsneigung ist gesunken
  3. Finanzinvestoren sind risikoscheuer geworden und haben ihre Portfolios in sicherere Anlagen umgeschichtet.

Der Reihe nach:

Was sind mögliche Erklärungen, dass die Sparneigung gestiegen ist? Die erste, wichtigste Erklärung ist die Demografie, gekoppelt mit der Ausgestaltung der Vorsorgesysteme in den meisten entwickelten Ländern.

Kurz gefasst: Die Menschen werden älter, aber sie arbeiten nicht länger. Schön veranschaulicht das diese Tabelle:

Die linke Hälfte der Tabelle zeigt, dass sich das gesetzliche Rentenalter für Männer zwischen 1971 und (projiziert) 2050 kaum erhöht, während gemäss der rechten Tabelle die verbleibende Lebenserwartung nach Erreichen des Rentenalters stark gestiegen ist.

Im Durchschnitt der OECD-Staaten steigt das gesetzliche Rentenalter minimal von 63,8 auf 64,6 Jahre, doch die verbleibende Lebenserwartung nach Erreichen des Pensionsalters steigt von 13,5 auf 20,3 Jahre.

Das bedeutet, dass in einer überalternden Gesellschaft die arbeitstätigen Menschen viel mehr sparen müssen, um für ihr Rentenalter vorzusorgen. Gesamtwirtschaftlich erhöht sich dadurch die Sparneigung.

Eine zweite Erklärung ist die gestiegene Ungleichheit in der Einkommensverteilung. Auch hier ganz simpel: Überdurchschnittlich einkommensstarke Menschen haben eine höhere Sparneigung, weil sie nur einen beschränkten Teil ihres Einkommens überhaupt verkonsumieren können.

In der Tat: Die Ungleichheit der Einkommensverteilung ist in den meisten Industrieländern gestiegen, wie die folgende Grafik der Gini-Koeffizienten Deutschlands, Japans, Grossbritanniens und der USA zeigt (je höher der Gini-Koeffizient, desto ungleicher die Einkommensverteilung):

Eine weitere Erklärung für eine gesamtwirtschaftlich gestiegene Sparneigung liegt in den hohen Ersparnissen der Bevölkerung Chinas, die während Jahren über den hohen Leistungsbilanzüberschuss des Landes in den Rest der Welt exportiert wurden. Auf diesen Punkt gehen wir an dieser Stelle nicht näher ein.

Was sind mögliche Gründe für eine gesunkene Investitionsneigung? Durch diese Argumente gehen wir in einem etwas schnelleren Tempo:

  • Auch hier liegt eine Erklärung in der Demografie: In vielen entwickelten – auch weniger entwickelten wie Russland oder bald China – Ländern stagniert oder schrumpft die arbeitstätige Bevölkerung. Eine geringere Anzahl arbeitstätiger Menschen bedeutet weniger Investitionen in den Kapitalstock, den diese Menschen für ihre Arbeit brauchen.
  • Geringere Innovationsrate: Dies ist die These des US-Ökonomen Robert Gordon, die davon ausgeht, dass echte Innovationen, die grosse Produktivitätsfortschritte ermöglichen, immer rarer werden. Auch das bedeutet im Effekt weniger Investitionen.
  • Eine Veränderung in der Art des Wirtschaftswachstums: Der Dienstleistungssektor im Allgemeinen und Unternehmen wie Google oder Facebook im Besonderen sind viel weniger kapitalintensiv als der Industriesektor. Das dämpft die Nachfrage nach Investitionskapital.
  • Zurückhaltung nach der Finanzkrise: In den Jahren nach 2008, in einem von Ungewissheit geprägten Umfeld, haben unzählige Unternehmen weltweit ihre Bilanzen gefestigt und riskantere Investitionsprojekte auf Eis gelegt.

So weit die Erklärungen für eine gestiegene Spar- und eine gesunkene Investitionsneigung. Die dritte Erklärung für das gesunkene Zinsniveau liegt schliesslich im Verhalten der Finanzinvestoren: Wenn sie in ihren Portfolios die Allokation für riskante Anlagen zurückfahren und für sichere Anlagen erhöhen, hat das den gleichen Effekt auf das Zinsniveau wie gestiegene Ersparnisse: Die Zinsen sinken.

Gibt es Anhaltspunkte für ein entsprechendes Verhalten der Investoren? Ja.

Den wohl besten Beweis dafür liefert die gestiegene Risikoprämie, die Investoren für riskantere Anlagen wie Aktien verlangen. Die folgende Grafik veranschaulicht dies:

Die grüne Kurve zeigt die jeweils risikolose, inflationsgeschützte Rendite von Staatsanleihen in den USA (links) und Grossbritannien (rechts). Sie sinkt, wie schon eingangs festgestellt, seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Die blaue Kurve zeigt die Gewinnrendite von Aktien in den USA und Grossbritannien. Eindrücklich: Sie bleibt über den beobachteten Zeitraum weitgehend konstant zwischen 4 und 6 Prozent (adjustiert um den Einsatz von Fremdkapital in den Unternehmen).

Die beiden Kurven divergieren im beobachteten Zeitraum klar. Das bedeutet, die Risikoprämie, die Investoren für Aktien verlangen, ist laufend gestiegen. Oder anders gesagt: Ihre Präferenz für riskante Anlagen ist gesunken, während ihre Präferenz für sichere Anlagen gestiegen ist.

Auch hier die wichtige Feststellung: Das ist kein Phänomen der Jahre nach der Finanzkrise von 2008, sondern es hat schon nach der Asienkrise von 1998 respektive dem Platzen der Technologieblase von 200o eingesetzt.

So weit die Darstellung der möglichen Gründe für das seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunkene Zinsniveau.

Was bedeutet das alles nun für die Zukunft?

Die Autoren des «Geneva Report» kommen zum Schluss, dass das historisch einzigartig niedrige Zinsniveau noch mehrere Jahre anhalten wird. Allmählich entschärfen sich jedoch einige der Faktoren, die die Sparneigung erhöht und die Investitionsneigung gesenkt haben, von selbst: Wenn die Babyboomer-Generation in den Industrieländern in das Pensionsalter übertritt, beginnt sie zu entsparen.

Nach dem grossen Aufbau der Vorsorge-Ersparnisse in den letzten zwei Jahrzehnten dürften die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte daher von einem grossen Abbau der Ersparnisse begleitet sein.

In China ist die hohe Sparneigung der Volkswirtschaft derweil ebenfalls bereits stark gesunken; das Reich der Mitte exportiert seine Ersparnisse nicht mehr via einen grossen Leistungsbilanzüberschuss ins Ausland.

Diese und andere Faktoren dürften in der mittleren Frist korrigierend wirken und die Zinsen wieder auf ein «normales» Niveau anheben.

Und bis es so weit ist, dürfen sich Kreditnehmer über günstige Konditionen freuen und Sparer über tiefe Zinsen auf ihrem Bankkonto ärgern.

Hier wie immer noch einige Links in eigener Sache:

132 Kommentare zu «Das Mysterium der sinkenden Zinsen»

  • Linus Huber sagt:

    Was ist zu tun, wenn die lineare EVOLUTION eines Systems (propagiert als gesellschaftliche Weiterentwicklung) immer offensichtlicher ins Desaster führt?

  • Ich bin es langsam leid, mich ständig zu wiederholen, aber auch dieser Blogbeitrag zeigt, dass supply-side schlicht und einfach nicht funktioniert: Fehlende Investitionen sind die Folge fehlender Nachfrage. Firmen investieren nicht einfach, weil sie Geld übrig haben (das verteilen sie lieber unter dem Kader oder an Aktionäre). Firmen investieren nur, wenn sie durch die Umstände dazu gezwungen werden: etwa wenn sie mit der Nachfrage nicht nachkommen oder wenn iher Produkte keinen Anklang mehr finden und daher „neues“ erfunden werden muss. Nachfrage, eben. Die höhere Sparneigung zielt in dieselbe Richtung: verminderte Nachfrage infolge Umverteilens von Einkommen „nach oben“.

    • Linus Huber sagt:

      „Firmen investieren nur, wenn sie durch die Umstände dazu gezwungen werden: etwa wenn sie mit der Nachfrage nicht nachkommen oder wenn ihre Produkte keinen Anklang mehr finden und daher “neues” erfunden werden muss. Nachfrage, eben.“

      Das Erfinden von „neuem“ ist ein natürlicher Vorgang, welcher weder erzwungen noch behindert werden sollte. Die heutigen Grossfirmen investieren lieber in die Beeinflussung der Regeln (Lobbying) um eine möglichst monopolistische Stellung zu erzielen und damit die Konkurrenz von „unten“ (wo Erfindungen normalerweise stattfinden) zu eliminieren. Dies kann man gut daran erkennen, dass erfolgreiche Neugründungen seit Jahrzehnten nach unten tendieren.

      • Maiko Laugun sagt:

        „..und damit die Konkurrenz von “unten” (wo Erfindungen normalerweise stattfinden) zu eliminieren.“

        …. oder, zumindest im IT-Bereich, Start-Ups billig kaufen und ins eigene Monopol integrieren.

      • Dasselbe gilt auch für die ewige Behauptung, Unternehmen/Reiche schaffen Arbeitsplätze und brauchen daher Steuer-Erleichterungen.

        Unternehmen schaffen nur Arbeitsplätze, wenn sie dazu gezwungen werden: weil sie mit der Produktion nicht nachkommen. Nachfrage schafft Arbeitsplätze. Supply-side ist falsch.

        Der meines Wissens einzige Fall, wo Firmen Leute anstellen, die sie nicht benötigen, ist im High-Tech/IT-Bereich, wo etwa Microsoft jemanden eine Position anbietet, damit er/sie nicht bei Google landet.

        • Linus Huber sagt:

          „Unternehmen/Reiche schaffen Arbeitsplätze“

          Die meisten Arbeitsplätze werden von neu gegründeten erfolgreichen Unternehmen geschaffen. Die gegenwärtige Regulierungsdichte aufgrund der Beeinflussung der Gesetzgebung durch Grossunternehmen wirkt in dieser Hinsicht diametral entgegengesetzt.

  • J. Kuehni sagt:

    „Wenn jetzt Nardone, Stöcker et al kommen und sagen, die Schulden des einen sind die Ersparnisse des anderen, so wird der Effekt bestenfalls neutral, aber sicher kein Grund für Nullzinsen.“

    Angesichts der oben beschriebenen Verteilungsverhältnisse: Warum nicht?

    Bubbles, unerklärliche Börsenhypes, Negativzinsen… Wieviele Indizien benötigen Sie denn noch?

    • J. Kuehni sagt:

      gehört zum Kommentar von Johnny Smith um 10.03

    • Johnny Smith sagt:

      „Bubbles, unerklärliche Börsenhypes, Negativzinsen… Wieviele Indizien benötigen Sie denn noch?“

      Ich bin mir nicht sicher, glaube aber, dass wir für einmal gleicher Meinung sind.

      Ich sage, die Nullzinsen sind nicht primär wegen dem Aufbau von Schulden und Guthaben, sondern massgeblich den exogenen Faktoren sprich dem Gelddrucken der Zentralbanken zu ‚verdanken‘. Die Bubbles, unerklärliche Börsenhypes etc sind ebenfalls zu einem rechten Teil den Zentralbank-Aktivisten zu ‚verdanken‘.

      • Linus Huber sagt:

        Und die Zentralbanker werden kontern, dass sie einzig ihren von der Regierung festgelegten Auftrag erfüllen (z.B. Inflationsziel); dass dieser Auftrag sehr stark von der Gilde der gleichförmig indoktrinierten Ökonomen, welche auch die Zentralbanken bevölkern, beeinflusst wurde, wird natürlich verschwiegen.

  • Marc Isliker sagt:

    Die Zentralbanker setzen den Zinssatz fest. Politiker und die reichsten Menschen beeinflussen die Zentralbanker. Denn der Staat ist immer mit der Zentralbank verbandelt, die ja seine Anleihen kauft. Nennen wir dieses Konstrukt von Staat und Zentralbank also die Gelddrucker. Man kann behaupten, die Gelddrucker erheben eine Steuer auf allen Cash (herumliegendes Geld). Oder die Gelddrucker leiten Cash wieder an Orte, wo er hoffentlich produktiver eingesetzt wird. Es wird also der jetzige Notstand geheilt. Wie mit einem Medikament, das man aber nach der Heilung bezahlen müsste. Wenn man immer nur Medikamente verabreicht bleibt das System krank. Deshalb Aktien-Rückkäufe und M&A statt Innovation.

    • Linus Huber sagt:

      The best way to destroy the capitalist system is to debauch the currency. By a continuing process of inflation, governments can confiscate, secretly and unobserved, an important part of the wealth of their citizens.
      John Maynard Keynes

      The best way to destroy the capitalist system is to debauch the currency.
      Vladimir Lenin

      • Anh Toàn sagt:

        Aber Sie sagen doch, die Notenbanker würden dies konstant machen, Inflationsziele haben, die Währung entwerten, eigentlich schon immer, und dennoch gibt es noch Kapitalismus.

        Inflation enteignet die Reichen, die wenig Reichen ein wenig, die sehr Reichen leider nur linear ein wenig, im Unterscheid zu progressiven Steuern.

        Sie wollen, dass die Reichen risikolose Zinserträge kassieren. Dies sei gut für die Moral der Gesellschaft, gebet dem der hat, der schaut ja am besten dazu, darum hat er ja, nicht war? Gibt man dem, der nichts hat, versickert ja alles nur, der hat ja bewiesen, dass er Verlierer ist und hat darum nichts. Besser man gibt ihm nichts.

        • Anh Toàn sagt:

          Der Staat soll sich dann bei den Reichen verschulden, um die Polizei zu bezahlen, welche durch die Villenviertel patrouilliert, um die Vermögen der Reichen zu schützen. Dafür soll der Staat den Reichen Zinsen zahlen, denn die Reichen machen, wie es Blankfein in guter protestantischer Tradition formulierte, „Gottes Werk“. Statt Blankfein könnten Sie auch Gotthelf lesen, in Geld und Geist geht es darum, dass der Reichtum zu den Guten kommt, die Armut zu den Bösen.

          • Linus Huber sagt:

            „Der Staat soll sich dann bei den Reichen verschulden“

            Der Staat soll sich eben nicht verschulden.

          • Linus Huber sagt:

            Interessanterweise fand in Phasen, während welchen Staaten ihre Schulden abbauten oder nicht weiter ausbauten, ein bemerkenswertes hohen Wirtschaftswachstum statt. Dies soll nicht als Beweis dienen, sondern als „Food for thought“.

        • Linus Huber sagt:

          „dennoch gibt es noch Kapitalismus“

          Das System entfernt/entfernte sich über die vergangenen Jahrzehnte aufgrund der Regulierung zugunsten der Grossfirmen und Banken immer stärker vom Kapitalismus Richtung geplanter Vetternwirtschaft.

          „Inflation enteignet die Reichen“

          Nein, nicht die Reichen sondern den Mittelstand.

          „die Reichen risikolose Zinserträge kassieren“

          Kredit ist nie risikolos; leider versuchen die Zentralbanken die Kreditrisiken in Anwendung verschiedener Mechanismen zu eliminieren und somit vom Risikoträger auf die Allgemeinheit umzuverteilen, was wohl eher an Planwirtschaft als Kapitalismus erinnern dürfte.

          • Anh Toàn sagt:

            „Kredit ist nie risikolos“

            Wenn man negiert, das Geld Kredit ist.

            Akzeptiert man, das Geld Kredit ist, kann man nicht verlangen, dass sich der Staat nicht verschuldet.

          • Anh Toàn sagt:

            „Nicht die Reichen, sondern der Mittelstand“

            Die obere Hälfte sagt, nicht wir, das obere Drittel ist schuld.
            Das obere Drittel sagt, nicht wir, die obersten zehn Prozent sind schuld
            Die obersten 10 Prozent sagen, nicht wir, das oberste Prozent ist schuld
            Das oberste Prozent sagt der Mitte, die Armen seien schuld.

            Der Mittelstand muss den Staat tragen, die Armen können nicht, von den Reichen hats zuwenig, und die laufen dahin, wo man sie mit offenen Armen empfängt als Flüchtlinge, wie in der Schweiz, um sie vor dem bösen Zugriff ihres Heimatstaates auf deren Vermögen zu schützen.

          • Linus Huber sagt:

            „Wenn man negiert, das Geld Kredit ist.“

            Nein, wenn der Wert des Geldes bewusst und absichtlich nach Wunsch der entsprechenden Entscheidungsträger ohne jegliche Restriktion reduziert oder dessen Menge uneingeschränkt erweitert werden kann, verliert es immer stärker die Funktion als Wertmassstab zu dienen und verkommt zum Werkzeug der Umverteilung. Preise werden dadurch verfälscht und verzerrt und führen aufgrund des korrumpierten Anreizsystems zu fehlerhaften Entscheiden (z.B. Fehlinvestitionen) der Akteure.

            „Das oberste Prozent sagt der Mitte, die Armen seien schuld.“

            Wenn schon, sind die Schuldigen jene, welche für das fehlerhafte Anreizsystem verantwortlich sind, z.B…

  • Linus Huber sagt:

    Mag es sein, dass der Preis für Kredit/Geld ausgedrückt im Zinssatz dem Prinzip von Nachfrage und Angebot entspricht und das hohe Angebot durch die ankerlose Geldpolitik, welche das Wachstum der Kreditmenge weit über dem Wirtschaftswachstum zum Wohle der Finanzindustrie befeuerte, erzeugt wurde?

  • Linus Huber sagt:

    „Die Kurven verlaufen weitgehend parallel, das heisst, die Inflationserwartungen im Markt haben sich seit 1997 kaum verändert.“

    Bei näherer Betrachtung kann man wohl erkennen, dass jedes mal, wenn das Wirtschaftswachstum ins Stocken kam, die Inflationserwartungen grundsätzlich sanken. Der Grund dürfte darin liegen, dass in einer Umgebung von schwachem oder negativem Wirtschaftswachstum grundsätzlich die Preise eher sinken würden. Um dies zu verhindern, haben die Zentralbanken in Ihrer Verteidigung des fragwürdigen Inflationsziels von ca. 2%, mit immer höheren Dosen an monetären Zwangsmassnahmen reagiert. Die Konsequenzen daraus dürften wir in den kommenden Jahren schrittweise spüren.

    • G. Nardone sagt:

      @Linus Huber: Siehe Japan, über 20 Jahre hat ihre Zentralbank alles versucht Inflation zu erzeugen und sind dabei gescheitert! USA und EU in den letzten 4 Jahren genau dasselbe bisher. Aber wenn Sie socher sind was die Zukunft bringt, warum wetten Sie nicht Geld darauf?

      • Linus Huber sagt:

        Ich bezog mich auf die aus den Charts erkennbaren Inflationserwartungen und nicht inwiefern die Zentralbanken in der Verfolgung ihres fragwürdigen Inflationsziels erfolgreich waren/sind.

  • R.Hügli sagt:

    Die Erklärung ist simpel. Unser Wirtschaftssystem ist ein Schneeballsystem. Nur durch Kreditvergabe entsteht neues Geld. Wollen alle immer reicher werder, muss irgend jemand mehr Schulden machen. Tut das niemand mehr, reduzieren die Notenbanken die Leitzinsen. Dadurch gibts dann wieder mehr Schuldner, ein Wirschaftswachstum und höhere Immobilienpreise.
    Alle die die tiefen Zinsen für das Problem halten, haben nicht kapiert, dass es gar nicht anders geht.
    Eine Zinserhöhung würde die Wirtschaft abwürgen. Ein Grossteil der Hpotheken könnten nicht gehalten werden, ergo sinkende Hauspreise. Eine richtige Spirale ins Elend.
    Wir brauchen neue Ideen, wie wir aus diesem Schneeballsystem…

    • Marcel Senn sagt:

      Hügli: Sie sehen nur eine Seite der Medaille — China hat sein Gesamtkreditvolumen seit 2007 von rund 7 Bio auf aktuell rund 28-30 Bio hochgesteigert (davon rund 16 Bio Corp. Debt) – aber auf der anderen Seite wird der totale chinesische Immobilien- und Infrastrukturbestand mittlerweile auf rund 48 Bio $ geschätzt. Wären alle Gebäude voll vermietet oder verkauft, wäre das ja kein Problem, aber es gibt in China wie auch in Spanien zuviele Geisterstädte oder unprofitable Investitionen – aber die Chinese bauen unvermindert weiter – bis 2030 soll China 13 Ballungsgebiete in der Grössenordnung für 70-100 Mio Menschen haben. Ob das in der Praxis auch alles finanzierbar ist, ist eine andere Frage

      • R.Hügli sagt:

        @Senn: Ich sehe gar keine Medallie, diese gibts bekanntlich fürs Gewinnen. Wir haben aber verloren, big time. Die Frage ist bloss, wie wir damit umgehen. Extend and pretend bis zur Katastrofe oder mit aller Kraft an ner Exitstrategie arbeiten.

        • Marcel Senn sagt:

          Hügli: So gesehen würde ich mal auf „Extend and Pretend bis zur Katastrophe“ tippen. Wirkliche Exitstrategien dürften erst danach ins Auge gefasst werden. Noch sind die Lobbyisten der Geldindustrie über Nahrungsmittelindustrie bis hin zu Pharma zu mächtig & einflussreich, dass da vorher was ändern würde.
          .
          Im historischen Vergleich leben wir heutzutage vermutlich immer noch in der besten aller Welten – allerdings müssen wir langsam aufpassen, dass wir unsere Lebensgrundlagen und die Umwelt nicht immer mehr zerstören – kranke Wirtschaftssysteme kann man leichter ändern als eine grossflächig verseuchte Umwelt & in Klimafragen ev. noch fataler, da die Folgen sehr langfristig sein könnten.

  • Anh Toàn sagt:

    Ich habe noch ein paar Bemerkungen:

    Zwar stimmt es für Renten, welche auf angespartem Kapital beruhen, dass im Alter Ersparnisse abgebaut werden, jedoch nicht für andere Ersparnisse. Die Angst, einmal kein Geld mehr zu haben, ist unabhängig vom Vermögen aber steigt mit zunehmendem Alter. Je älter die Leute werden, umso mehr wollen sie sparen oder wollen zumindest vermeiden, dass ihre Ersparnisse abnehmen. Der Todestag ist bei Velen der Tag, an welchem sie am meisten Vermögen hatten. Das angesparte Kapital in Pensionskassen nimmt ab, wenn die zukünftigen kapitalisierten Rentenansprüche kleiner werden, wenn also die Lebenserwartung oder die totalen Lohnsummen sinken. Ist dies zu erwarten?

    • Anh Toàn sagt:

      Tritt die Babyboomer Generation ins Rentenalter, geht die subjektiv davon aus, noch mindestens 30 Jahre leben zu können. Die werden auch dann nicht ihre Ersparnisse abbauen wollen. Und selbst 90 jährige gehen davon aus, mindestens hundert zu werden.

      Mit zunehmendem Alter steigt aber eindeutig die Risikoaversion. Alte Leute wollen ihr Vermögen erhalten, nicht eines mittels eingehen von Risiken erspekulieren. Dies sehen wir heute. Die Alten haben die Ersparnisse und wollen keine riskanten Investitionen.

      Ich erwarte, dass das historisch niedrige Zinsniveau (und die Risikoaversion der Sparer/Investoren eher noch einige Jahrzehnte als einige Jahre anhält.

      • Josef Marti sagt:

        Ältere Leute schieben grosse Teile ihrer Ersparnisse noch zu Lebzeiten mit Erbvorbezügen und Schenkungen nach unten. Dass muss man auch rechtzeitig machen, ansonsten riskiert man, dass alles dem Pflegeheim abgeliefert werden muss und der Nachwuchs leer ausgeht. Kein Wunder hat Berset ein grosses Problem mit den explodierenden EL.

        • Anh Toàn sagt:

          Eben, indem die Alten das Vermögen übertragen (oft nur das „nackte“ Eigentum gegen Einräumung eins Wohnrechtes) vermeiden sie, das Vermögen aufzubrauchen: Die Jungen können es auch nicht verbrauchen, ist ja belastet mit dem Wohnrecht der Alten.

          • N. Kamber sagt:

            Da sich diese Jungen sich so die Mieten sparen, können sie sehr wohl mehr verbrauchen.
            Das Problem ist, dass es weltweit zu wenig grosszügig beschenkte Junge gibt. Aus diesem Grund fällt deren Mehrkonsum weltweit entsprechend auch nicht ins Gewicht.

          • Anh Toàn sagt:

            @N. Kamber: Die Alten ziehen nicht aus aus ihrem Wohneigentum, sie bleiben da wohnen, mit lebenslangem unentgeltlichen Wohnrecht, die „Beschenkten“ haben nichts, dass sich konsumieren liesse.

          • N. Kamber sagt:

            Nur wenn Sie das ganze Gebäude beanspruchen. Dort wo sie nur ein Teil des Gebäudes beanspruchen oder gar mehrere Gebäude verschenkt werden, können die Beschenkten anschliessend sehr wohl mehr konsumieren.
            Das Problem ist, dass es weltweit zu wenig so grosszügig Beschenkte gibt und diese Beschenkten sogar noch Steuergeschenke erhalten. So muss der Rest zudem noch mehr Steuern/Gebühren bezahlen, anstatt dass er mehr konsumiert.

        • Anh Toàn sagt:

          Und noch eine Präzisierung:

          Die Alten übertragen das Vermögen nicht auf Junge, sondern auf nicht ganz so Alte.

          • Anh Toàn sagt:

            Die Idee des Erbrechts war, dass sich Junge mit dem vermögen der Alten eine eigene Existenz aufbauen können. Heute erben Alte, die nichts mehr aufbauen sondern nur das Bestehende erhalten wollen, von noch Älteren.

      • Marcel Senn sagt:

        Anh: Ich glaube, dass die Lebenserwartung nur noch kurzfristig etwas zunehmen wird, mittel bis langfristig aber wieder abnehmen — die Klimaerwärmung, aber auch Umweltgifte, die Auswirkungen immer ungesünderer Ernährung (zuviel Zucker, Salz, noch unentdeckte Auswirkungen von Gentechfood etc) und andere Faktoren wie Pandemien werden die Alterserwartungen in den entwickelten Ländern verringern.
        .
        Und wenn dann wieder mal ein Jahrtausendhitzejahr wie das legendäre Jahr 1540 auftreten würde (was ich mir infolge der veränderten Treibhausbedingungen durchaus vorstellen kann), dann wäre die AHV schon mindestens zur Hälfte wieder saniert.

        • Anh Toàn sagt:

          @Marcel

          Ob die Lebenserwartung steigt oder fällt, wir haben genug für alle auf dieser Welt. Unser einziges Problem ist, dass wir nicht in der Lage sind, uns über die Verteilung zu einigen. Geld / Forderungen / Währungen / Länder / Religionen / Zahlen mit vielen Nullen sind doch keine realen Werte oder Güter, nur Mittel diese zu verteilen. Letztlich haben wir nicht mehr als unsere Erde, aber wir können mit immer weniger Arbeit genug für alle herstellen. Wenn alle genug haben, werden es auch nicht mehr mehr, selbst wenn sie älter werden.

          Ich habe noch immer Hoffnung, wir lernen, zu (ver)teilen ohne uns die Köpfe einzuschlagen, Miteinander auf der ganzen Welt.

          (Jetzt töne ich wie…

  • Marcel Senn sagt:

    Von mir aus gesehen sind die tiefen Zinsen eine Konsequenz aus den historisch hohen Verschuldungsständen (aktuell alle Akteure über 300% des Welt-BIP), schwachem Wachstum, fehlender Inflation und historisch tiefen Geldumlaufgeschwindigkeiten. Dazu kommen noch regionale Effekte aus „Währungskriegen“ wie z.B. bei der SNB.
    .
    Dröselt man die einzelnen Schuldnerkategorien auf und setzt Verschuldung, jährliche Einkommen/Einnahmen, Zinsaufwand, Schuldenamortisation ins Verhältnis, so sollte der Schulden- und Zinsdienst die 15% der Einnahmen pa nicht übersteigen, sonst treten schädliche Effekte wie Zahlungsausfälle, negatives Konsumwachstum etc. ein

    • Marcel Senn sagt:

      Gemäss meinen Berechnungen/Schätzungen dürfte der globale Zinsdienst aktuell um die 9-11 Bio $ betragen bei einem Welt-BIP von 78 Bio $ – also rund zw 11.5 bis 14% – in den einzelnen Schuldnerklassen aufgedröselt im Verhältnis zu den Einnahmen dürfte die Schwankungsbreite in einzelnen Kategorien noch höher liegen – darum waren die Zinssenkungen unumgänglich um Massenbankrotte zu verhindern
      .
      Dazu wieder mein Standardbeispiel Argentinien, welches 2002 nach dem Bankrott und Abwertung des Peso vs. USD hätte 49.5% der Staatseinnahmen von damals hätte als Zinsen aufbringen müssen — was natürlich völlig realitätsfremd ist und darum waren die beiden Schuldenschnitte 2005/10 die logische…

    • J. Kuehni sagt:

      Von mir aus gesehen sind die historisch hohen Verschuldungsstände eine Konsequenz aus der wachsenden Ungleichheit bei der Verteilung der „Früchte“ unserer Produktivitätsgewinne. Wer keinen ausreichenden Lohn bekommt (und auch nicht erwarten kann, einen solchen in Zukunft zu bekommen), muss seinen „Konsum“ durch Kredite finanzieren und mit „Konsum“ meine ich nicht bloss den Verbrauch irgendwelcher Alltagsgüter, sondern auch z.B. den Zugang zu Bildungsinstitutionen, genereller Infrastruktur und allen „Werkzeugen“, die man zu einer erfolgreichen Wertschöpfung (für sich selbst und die Gesellschaft) so braucht.

      • Anh Toàn sagt:

        Nun ist es aber so, dass wer seinen Konsum nicht mit dem Lohn finanzieren kann, auch keine Kredite bekommt. Er bekommt staatliche Zuschüsse, welche der Staat mittels Krediten finanziert. Das Kapital will den Staat als Schuldner, nicht Konsumenten mit ungenügend Löhnen.

        • J. Kuehni sagt:

          @Anh Toan: In Europa bekommt, wer nicht genügend Lohn generiert, staatliche Zuschüsse. In Amerika 200 Kreditkarten. Beides läuft auf dasselbe heraus.

          • Anh Toàn sagt:

            In Amerika gab es eine Subprimehypo, die Kreditkarten sind für Krimskrams…..

          • J. Kuehni sagt:

            Ist ja klar. 200 Kreditkarten evozieren einfach ein *wunderbar* dickes Portemonnaie.

            „Für Kreditausfälle bei Schuldnern ohne eigene Sicherheiten haftet der Staat“ ist trotzdem immer die gleiche Mechanik.

        • J. Kuehni sagt:

          Das Kapital will dem Staat keine Steuern und den Arbeitern keine Löhne zahlen, stattdessen wird „ausgeliehen“. So bleibt immer klar, wer Capo ist. Da es aber keinen „free lunch“ gibt (nicht mal für Kapitalisten), ist der Preis für dieses Arrangement eine notorisch unstabile, politische Lage. Bisweilen verliert das Kapital seinen „Caput“. Wortwörtlich.

      • J. Kuehni sagt:

        Würden sämtliche Besitzstände der Welt einem einzelnen Fantastilliardär gehören, wäre die einzig mögliche Beziehungsform aller anderen Erdbewohner zu diesem Ultrakrösus notgedrungen diejenige von Schuldnern. Ein übertriebenes Beispiel, aber dennoch nicht sooo weit von der sich abzeichnenden Realität entfernt: Die Giga-Monopolisierer aus dem Silicon Valley spielen jedenfalls in einer bisher nicht bekannten Liga, hinsichtlich der Konzentration nicht bloss von Vermögen, sondern auch von Produktionsmitteln für künftige Wertschöpfung.

        • Josef Marti sagt:

          Oder Almosen Trickle down Empfänger über die schon existierenden Afrikastiftungen usw. von Gates und Konsorten. Denen ist sogar die Aussicht vererben zu müssen auf den Magen geschlagen.

          • Marcel Senn sagt:

            Marti: Ich finde diese Strömung wie z.B. Givingpledge.org, wo sich Milliardäre verplichten mind. die Hälfte ihrer Vermögen mal der Gesellschaft (seis lokal oder in Afrika) zufliessen zu lassen eigentlich noch ein Lichtblick und würde das nicht mit dem klassischen Trickle Down Effekt verwechseln.
            .
            Auch z.B. die Carlos Slim (No 2 mit 73 Bio$ Vermögen) Foundation hat in Mexico wirklich beeindruckendes geleistet (auf dem Papier zumindest – wie dann die Projekte in der Realität aussehen kann ich nicht beurteilen)

            http://www.fundacioncarlosslim.org/en/achivements/
            .
            Klar wollen sich diese Milliardäre auch gesellschaftliche Anerkennung „erkaufen“ aber tw ist das Engagement auch wirklich…

          • Marcel Senn sagt:

            …ehrlich gemeint —-
            For a bötter wörld — wie Sepp Blatter sagen würde…(der ja eigentlich für den Fussball inkl. Entwicklungsprojekten, Anti-Rassimusprogramme, Jugend- und Frauenfussball etc etc) auch grossartiges geleistet hat, aber leider die falschen Mittel, oft die falschen Partner und den falschen Lebensstil dazu verwendet hat und jetzt die Konsequenzen dafür tragen muss)

          • J. Kuehni sagt:

            @Senn. Müssten Milliardäre angemessen Steuern bezahlen, wären es wahrscheinlich bloss Millionäre (fänd‘ ich wie Cicero auf jeden Fall politisch und ökonomisch gesünder).

            Der Nutzen, den diese Philanthropen mit ihren Stiftungen bringen können, ist aber dennoch wahrscheinlich kleiner, als der Schaden, den sie mit ihren Steuervermeidungsstrategien anrichten. Ganz pervers wird es dann, wenn die öffentliche Hand kein Geld mehr für anständige Schulen hat (immer mehr auch in der Schweiz) und Mark Zuckerberg dann seine „eigenen“ nach seinen *eigenen* Vorstellungen stiftet. Talking about democracy.

            „Charity“ ist im Vergleich zu einem funktionierenden Sozialstaat der blanke Hohn.

          • N. Kamber sagt:

            Wenn Entwicklungshilfe von Milliardären finanziert wird, ist dass letztlich eine Abschaffung von demokratischen Prozessen. Anstatt dass ein gewähltes Parlament entscheidet, wie die Entwicklungshilfe aussehen soll, macht das ein steuerbeschenkter Superreicher alleine.

          • Marcel Senn sagt:

            Kamber: Nur leider ist Entwicklungshilfe aus öffentlichen Geldern meist viel ineffizienter, wie man immer wieder mal der Tagespresse entnehmen kann. Ein Milliardär hat nun mal einen grösseren Bezug zu seinem eigenen Geld als ein Staatsangestellter der fremde Gelder in Entwicklungshilfe steckt. Es gibt sicher Ausnahmen, die gute Projekte auf die Beine stellen, aber es versandet eben auch sehr viel.
            .
            Kuehni: Primär sollten mal all diese Steuerschlupflöcher für Firmen gestopft werden (z.B. a double Irish with a Dutch sandwich etc), dann müsste sicher auch die ganzen Trustgesetze in der Karibik verschärft werden.
            .
            Den Ansatz von Philantropie & auch Freiwilligenarbeit finde ich nicht…

          • N. Kamber sagt:

            Stimmt, demokratische Prozess sind häufig ineffizient.
            Trotzdem würde ich unsere Landesregierung und Parlament nicht durch einen Königsmilliardär ersetzen wollen.

        • Anh Toàn sagt:

          „Exxon und der Rest der Welt“ hiess es mal, ist Apple heute relativ grösser, als es Exxon mal war?

        • Linus Huber sagt:

          @ Kuehni

          Interessanterweise verloren die 1% verhältnismässig bedeutend mehr in 2008/09 als der Durchschnitt und dürften seither bedeutend mehr zugelegt haben oder in anderen Worten dienten die Aktionen der Zentralbanken der Umverteilung nach „oben“, sodass wir heute in den USA wieder eine ähnliche Vermögensverteilung wie 1928 erreicht haben dürften. Aber alle scheinen noch immer die inflationäre Geldpolitik zu lieben, ohne die daraus resultierende Umverteilung erkennen zu können.

      • Marcel Senn sagt:

        Kuehni: Sie sehen das richtig. Vor allem im angelsächsischen Bereich wird das pervertiert. Z.B. die Student Loans in den USA sind mittlerweile bei rund 1.35 Bio $ angelangt – d. h. rund 40 Mio Amis (Studenten und Ex-Studenten) stottern im Schnitt rund 34’000 $ mit 4-6% Zinsen ab und wenns dann mit der akademischen Karriere nicht so ganz klappt, dann werden die auch nie „gute“ Konsumenten, müssen weitere Kredite aufnehmen (über Kreditkarte etc), haben Mühe eine Familie zu gründen etc etc.
        40 Mio bei einer Workforce von 148 Mio sind doch ein beachtlicher Anteil – Tendenz weiter steigend. Gemäss US-Debtclock sollen die SL bis 2020 auf über 1.6 Bio zunehmen und sich Zahlungsausfälle…

        • J. Kuehni sagt:

          Dass Negativzinsen die Investoren nicht abschrecken, verwundert bloss unheilbare Supply-Sider. Der angehäufte und zunehmend konzentrierte Geldberg sucht verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten, die nicht bloss das Blaue vom Himmel versprechen, sondern auch liefern können. Solche gibts aber erst wieder, wenn die Vermögen sich „dezentrieren“ würden, aber unsere lieben Kapitalisten (individuell und institutionell) stopfen das Geld lieber mit Verlust in Staatsanleihen, denn da ist die Wahrscheinlichkeit immer noch am grössten, dass am anderen Ende des Tunnels etwas übrig bleibt.

  • Fritz sagt:

    Man stelle sich nur mal kurz vor, „die Notenbanken“ würden den Leitzins erhöhen, ganz sanft, aber stetig, so 0.25% pro Quartal. Bals, sehr bald, wären die Volkswirtschaften nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu bedienen. Ein Kollaps des heutigen Geldsystems wäre nicht zu vermeiden.
    Das fürchten die doch wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb ist m. E. ein – signifikanter – Zinsanstieg schlicht nicht möglich, weil nicht verkraftbar. Es müsste zuerst eine Entschuldung im grossen Stil durchgeführt werden. Und davon ist bei den heutigen Politikern wirklich nicht auszugehen. Weder wollen noch können sie es.

    • Peter Colberg sagt:

      Ludwig von Mises hat folgendes dazu gesagt: „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll.“

      Daher ist es kein Wunder dass die Fed punkto Leitzinserhöhung markant zögert. Eine „Entschuldung im grossen Stil“ würde wahrscheinlich eine Wirtschaftskrise hoch Zehn bedeuten, also wird sich nichts ändern: die Kreditblase wird wohl weiterwachsen…

  • Kaegi Paul sagt:

    Wer würde noch Kartoffeln in der Migros oder Coop kaufen, wenn dein Nachbar der Bauer Draghi dich gratis damit eindeckt?

  • zweistein sagt:

    Wer wie Mark Dittli nicht den Mut und die Aufrichtigkeit hat sich einzugestehen, dass all Märkte seit Jahrzehnten vollkommen von der Finanzmafia übernommen worden sind und deshalb rein gar nichts mit realen Geschehnissen zu tun haben, ist naturgemäss gezwungen die ’sinkenden Zinse‘ für ein Mysterium zu halten.

  • H.Trickler sagt:

    Der weltweit von den Notenbanken festgelegte Basiszins wird mit gutem Grund auch Leitzins genannt.

    Wenn dieser von früheren 4-8% nun längerfristig auf praktisch Null festgesetzt wird, sinkt das übrige Zinsniveau ganz zwangsläufig und ohne weitere Gründe.

    Diese Erklärungen ist den Ökonomen zu simpel, aber m.E. Erachtens trotzdem richtig.

    • Josef Marti sagt:

      Dass auf lange Sicht die Notenbank den Zins bestimmt und sonst niemand ist empirisch belegt.

    • R.Hügli sagt:

      Die Frage ist aber damit nicht beantwortet. Warum legen denn die Zentralbanken die Leitzinsen so vor, wie sie das tun?

      • Linus Huber sagt:

        Weil Sie damit das erklärte Ziel der Inflation des Konsumentenindexes von ca. 2% erreichen wollen. Inwiefern dieses Inflationsziel tatsächlich ökonomisch Sinn macht, ist umstritten, insbesondere die dadurch erzeugten und oft nicht voraussehbaren negativen Konsequenzen sind offensichtlich zu komplex um sie zu modellieren.

      • H.Trickler sagt:

        Es gibt verschiedenste Gründe:

        a) Die verzweifelte Hoffnung, damit die Konjunktur in Gang zu setzen.
        b) Die eigene Währung abzuschwächen.
        c) Der eigenen Regierung aus der Patsche zu helfen.

        • Linus Huber sagt:

          „Der eigenen Regierung aus der Patsche zu helfen.“

          Oder den Status Quo der Machtverhältnisse sicherzustellen.

  • Pascal Meister sagt:

    Eine sehr wesentliche Erklärung fehlt, nämlich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Durch die Fortschritte im Zahlungsverkehr und bargeldlose Zahlungen (Maestro, Kreditkarten) steht Geld und Liquidität dem Empfänger praktisch sofort zur Verfügung. Es wird also immer weniger Geld dafür benötigt, Liquidität sicherzustellen. Und per saldo ist das Geld schlicht „immer“ verfügbar, in der Summe aller Marktteilnehmer braucht also schlicht niemand Kredit. Das ist natürlich nicht 100% umsetzbar in der Realität, aber es geht in die Richtung.

  • Maiko Laugun sagt:

    Tabelle 2.1: Wer es sich leisten kann (wenige), lässt sich früher pensionieren. Wer es nicht kann (viele), hat bis zum gesetzlichen Rentenalter keine Arbeit und das entspricht einer frühzeitigen Zwangspensionierung und würde bei korrekter Anwendung bzw. Vergleich mit anderen Werten wie Arbeitslosen- oder Ausgesteuerterten-Zahlen zu einer weit höheren *Life expectancy* in der Tabelle führen.

    • Marcel Senn sagt:

      Hola Maiko — man kann sein Altersguthaben auch einfach aufpimpen und auswandern — im fernen Osten oder in Südamerika gibt es einfach mehr fürs Geld.
      Für das Geld was ich früher in der Schweiz alleine für die Wohnungsmiete aufwerfen musste, lebe ich in Südamerika bestens mit Haus, Zweitwohnung, Auto und öfters mal auswärts essen etc.
      .
      Kein Wunder auch kommen sicher etwa die Hälfte der NMTM Beiträge von Auslandsschweizern, die Zeit und Musse haben Beiträge zu schreiben, während in der CH immer mehr Menschen von Wohlstandsverlustängsten geplagt und immer härteren Arbeitsbedingungen auf einen Burn-Out zusteuern.
      Gruss über den Pazifik…es gibt auch ein Leben fernab der Schweiz…

      • Josef Marti sagt:

        Das ist ein springender Punkt. Wunderschön zu beobachten wie in der CH die Renditesklaven mit 2 bis 3 Stunden Pendelzeit täglich auf engstem Raum sich abmühen dürfen und dafür mit Kürzung des Pendlerabzugs „belohnt“ werden nur um letztlich regelmässige Unternehmenssteuersenkungen zu finanzieren.

        • Marcel Senn sagt:

          Marti: Was ich allerdings festgestellt haben, dass in etwa 2/3 der CH-Auswanderer ihre perfektionistischen „Swiss Finish“ Vorstellungen (die u.a. auch im sehr guten Interview mit Prof. Binswanger angesprochen werden) in die Auswanderungsländer mitnehmen und da ein solch „hohes“ Wohlstandsniveau auch in Schwellenländern (mit tw. bis zu 50% Importsteuern) seinen Preis hat, scheitern auch nicht wenige Auswanderer, da sie sich schlichtweg finanziell übernehmen und nicht fähig sind sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Ich habe mittlerweile doch einige Fälle von gescheiterten Auswandern beobachten können – zuerst den Grosskotz spielen und dann pleite reumütig in die CH zurückkehren!

          • Ernst Ruetimann sagt:

            Wer meint mit seinem Geld in den exotischen Laender eine goldene Nase zu verdienen setzt auf’s falsche Pferd . Diese Laender sind nur fuer Rentner geeignet .-

          • Marcel Senn sagt:

            Ruetimann: Man kann sich in solchen Ländern schon eine Existenz aufbauen, allerdings sollte man das nur in einem Metier tun von dem man wirklich eine Ahnung und Erfahrung hat, dazu die lokalen Gegebenheiten, Sprache und Gesetze gut kennen und etwas Kapital hat man ja meistens dabei.
            Aber auch hier gilt, es ist einfach nicht jeder zum Geschäftsmann geboren und gewisse stellen sich ja wirklich sehr dämlich an und scheitern dann.
            .
            Vielen genügt es ja, wenn sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können — eine goldene Nase verdienen ist dann eine andere Liga!

          • Anh Toàn sagt:

            @Marcel Senn

            Sehe dies wie Sie: Man muss das Metier kennen, und den Markt in dem verkaufen will: Ich kam zum Schluss, ich will, um Geld zu verdienen, im Schwellenland nichts verkaufen, sondern kaufen, was günstig ist, und das günstige ist Arbeit. Diese Arbeit muss ich in ein Produkt stecken das ich verstehe, und in einem Markt verkaufen, den ich kenne und der diese Arbeit teuer bezahlt. Und auch um Arbeit zu kaufen, muss man etwas verstehen vom Land, aber nicht so viel, wenn man gut bezahlen kann.

            Ich habe keine finanziellen Mittel investiert, nur den durch meine Arbeit entstandenen Cash Flow reinvestiert (mein Vorjahresumsatz ist mein maximales Budget), verdienen tue ich nur bei…

      • Maiko Laugun sagt:

        Ni hao Marcel,

        Absolute Zustimmung. Dann wird die Zahl der Kommentatoren hier wohl stetig zunehmen, denn selbst bei Staatsstellen ist ein *hochqualifiziertes Abi-Hauch-Deutsch* wichtiger als Staats-, Landes-, Kultur- u. Berufskenntnisse, wie mir zu Ohren kam. Die Schweiz ist froh um jeden Einheimischen der das Land verlässt. Ist gut für die statistischen Zahlen und den Profit der Elite. Da lobe ich mir meine CHF 1.5K p/M für 3 Köpfe bei restlos finanziertem W-Eigentum in China. Müsste gar nicht mehr arbeiten. Tue es aber trotzdem noch, in 3 verschiedenen Jobs als mein eigener Boss und leicht verdientem Geld. Gruss über die Ozeane, mit einem Schmunzeln 🙂

  • Marco Schneiter sagt:

    Ich habe ihm Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit einmal untersucht, wie Pensionskassen ihre Gelder anlegen. Obwohl diese auf Grund der sehr langen Anlagehorizonte viel höhere Risiken gehen sollten, halten sich diese lieber an niedrigverzinste Obligationen. Die Kassenmanager wollen ja nicht Ende Jahr einen fluktuationsbedinten Verlust aufweisen müssen (obwohl das für die Kasse völlig verkraftbar wäre). Da so über die Pensionskassen riesige Summen in tiefrisikoanlagen fliessen müssen, halte ich die dritte These der Autoren für sehr plausibel.

  • Roli sagt:

    Geld hat seinen Preis, der Zins. Richtig, wenn immer mehr Sparkapitalien zur Verfügung stehen, sinkt der Preis. Wenn aber der Staat, resp. die Zentralbanken immer mehr Geld gratis zur Verfügung stellen, dann sinkt der Preis, und am Schluss bekommt man Zins, wenn man Geld borgt. Völlig logisch aber falsche Politik.
    Nur wird das Experiment weiter geführt, weil die Experten keinen anderen Ausweg mehr sehen, resp. weil sie sich nicht getrauen. Ein Krieg kann da der Retter in der Not werden, der ist dann an der Misere schuld.

  • Anh Toàn sagt:

    „Und hier zeigt sich: Die Kurven verlaufen weitgehend parallel, das heisst, die Inflationserwartungen im Markt haben sich seit 1997 kaum verändert. Sie bewegen sich stabil um knapp unter zwei Prozentpunkten. Es sind demnach nicht nur die Nominalzinsen, sondern auch die Realzinsen, die sich in einer strukturellen Abwärtsbewegung befinden“
    Sinkende Inflationserwartungen können also keine Erklärung für das gesunkene Zinsniveau sein“

    Also wenn die Kurven parallel verlaufen, und die Nominalzinsen gesunken sind, dann bleiben die Realzinsen gleich und die Inflationserwartungen sind gesunken.

    Und dann wäre dies doch eine Erklärung.

    • Anh Toàn sagt:

      Ich bin nach wie vor der Meinung, man muss die Steuern auf die Zinserträge einrechnen: 2 Prozent Realzins sind bei 7 Prozent Nominalzins nach Steuern Miese, bei 3 Prozent Nominalzins ist es Kaufkraftgewinn nach Steuern.

    • Anh Toàn sagt:

      Mein erster Post ist falsch, die untere Kurve zeigt nicht die Inflation sondern die Rendite inflationsgeschützter Anleihen.

      Aber noch an etwas bin ich hängen geblieben: „So weit die Erklärungen für eine gestiegene Spar- und eine gesunkene Investitionsneigung.“

      Geht dies gleichzeitig? Mehr Sparen aber weniger Investieren (im In- oder im Ausland, ganz generell global)?

    • Mark Dittli sagt:

      Nein, die Inflationserwartungen entsprechen ja der Differenz zwischen den beiden Kurven. Die Differenz ist aber nicht gesunken (der Verlauf der Kurven ist parallel). Die Realzinsen sind ebenfalls gesunken.

      • Anh Toàn sagt:

        Habe ja gesagt, mein erster Post sei falsch….

        Trotzdem, bin ich ein Ungläubiger betreffend konstante Inflationserwartungen, zumindest meine persönlichen Inflationserwartungen sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen.

        Die Zinskurven wurden immer flacher in den letzten Jahren, bei rekordtiefen aktueller Inflation. Heute schrieb das Handelsblatt:

        „Für zehnjährige US-Staatsanleihen bekommen Anleger nur noch 0,20 Prozentpunkte mehr Rendite als für Zweijährige.“

        Also erwarten doch die Investoren keinen Zinsanstieg, und damit doch auch keinen Inflationsanstieg.

        Aber auch der Goldpreis (und anderer Rohstoffe) lässt eher seit Jahren sinkende Inflationserwartungen erwarten.

        • Anh Toàn sagt:

          Sind die Anleger risikoaverser geworden, werden sie doch auch vor dem Inflationsrisiko mehr zittern, auch wenn sie nicht höhere Inflation erwarten dennoch vermehrt inflationsgeschützte Bonds kaufen.

        • Anh Toàn sagt:

          Nochmals Tschuldigung, da tauchte ein falsches Datum irgendwo auf, beim Handelsblatt: Der Beitrag war von 2005.

          Aber auch heute sind die Zinskurve sehr flach, was doch zumindest gegen die Erwartung steigender Inflation spricht. Und dies auf einem nominell sehr tiefen Niveau: Meines Erachtens passt dies unmöglich zu konstanten Inflationserwartungen.

        • Anh Toàn sagt:

          Handelsblatt war ein falsches Datum aufgetaucht irgendwo auf der Webseite, der Beitrag war von 2005 – mein Fehler

          Trotzdem, auch heute sind die Zinskurven sehr flach, was zeigt, dass wenig steigende Zinsen und damit wenig Inflationssteigerung vom aktuell sehr Niveau erwartet wird.

          Alles redet von deflationären Tendenzen rund um die Welt, aber die Inflationserwartungen sollen konstant geblieben sein? – Macht für mich keinen Sinn, also versuche ich einen zu finden.

      • Anh Toàn sagt:

        „Inflationserwartungen“ „Inflationsgeschütze Bonds“

        – Ich erwarte mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Inflation von 1%, aber mit 5 Prozent Wahrscheinlichkeit eine von 100 Prozent? (Quasi, falls Linus Huber doch Recht hat und das ganze gedruckte Geld bla bla…)
        – Ich erwarte eine Inflation von 3 Prozent.

        Welche dieser zwei Inflationserwartung ist höher?

        Inflationsgeschütze Bonds würde ich kaufen, wen ich mehr Inflation als der Markt erwartete, die erwartete Inflation ist über erwartete Zinsentwicklung in „normalen“ Bonds doch enthalten? Erwarte ich weniger Inflation als der Markt (was ich wohl tue), kaufe ich festverzinsliche oder shorte gar die inflationsgeschützten…

        • Anh Toàn sagt:

          Bin ich aber alt und super vorsichtig, kaufe ich inflationsgeschütze Bonds, auch wenn ich mit grosser Sicherheit wenig Inflation erwarte, für den Ausnahmefall einer massiven Inflation will ich die Inflationsversicherung. Aus einer solchen Optik ist nicht „verdienen“ wichtig, sondern unter allen Umständen das Vermögen zu erhalten. Und als super Vorsichtiger verliert man lieber sicher einen kleinen Teil eines Vermögens (Negativzinsen), um das Risiko eines Totalverlustes zu minimieren.

          • Rolf Zach sagt:

            Wieviel brauchen Sie zum Leben? Sie richten Ihr Haus in Vietnam so ein, daß sie praktisch keine Kosten damit haben.
            Diese sollte mit Sonnenenergie und dezentraler Wasseraufbereitung keine Schwierigkeiten bieten. Dann haben Sie noch einen großen Garten mit viel Gemüse. Zusätzlich neben dem Garten haben Sie noch ein Stück Land, dass sie ihrem Nachbarn vermieten, damit er darauf Reis ernten kann und Schweine züchten. Sie lassen sich bezahlen mit Schweinefleisch und Reis. Das große Problem ist die Gesundheit. Krankenkasse, Flug in die Schweiz? AHV? Südamerika scheint mir in dieser Hinsicht besser zu sein als Ostasien. Ich weiß, wir in der Schweiz zurückgebliebenen sind etwas vertrottelt.

          • Anh Toàn sagt:

            Nöh, wer in der Schweiz bleibt, braucht nicht vertrottelt zu sein

            Ich wollte mal in einer grossen Stadt leben, nachdem ich in den Bergen und auf dem Meer gelebt habe. Südostasien mochte ich schon lange. In New York (Manhatten) lebt man wie in Höhlen, man sieht immer an eine Wand, den Himmel kann nur sehen, wer weit oben wohnt, Südamerika ist zwar immer Party, aber zu viel Machogewalt. Ich bin so dumm zu glauben, ich könne fast überall etwas aufbauen, nur in Eritrea habe ich gesagt, wo kein Wasser ist, macht es keinen Sinn, einen Baum zu pflanzen.
            Ich bin nicht nach Saigon, weil es besser ist dort, sondern auch gut und anders. Ich habe mehr Neugier als Angst. Leben ist Veränderung.

          • Anh Toàn sagt:

            Leben ist Risiko, sicher ist nur der Tod.

        • Rolf Zach sagt:

          Ich vergaß noch zu erwähnen, daß ein Platz im Pflegeheim meiner Wohngemeinde CHF 8’000 bis CH 10’000 kostet. Wenn man den vollen Betrag nicht errichten kann, wird es vom Vermögen abgezogen. Viele Senioren bei uns können dies nicht mehr bezahlen und benötigen Subventionen der Gemeinde. Die belaufen sich auf 39 % des Budget für die Bildung von 25 Mio. CHF.
          Wir Einwohner sind dabei überzeugt in einer reichen Gemeinde zu wohnen.

          • Anh Toàn sagt:

            Eine Frau, die mich pflegt, 7/7 24/24 kostet in Vietnam 200 USD pro Monat, ärztliche Standard Behandlung bei zweifellos mehr Qualitätsrisiko, und Medikamente kosten etwa soviel wie der Selbstbehalt in der Schweiz. Für 300USD gibt’s gut Kost und Logis und Strom und Wasser und Tel und Benzin, dafür reicht eine quellenbesteuerte AHV Minimalrente. Was weiss ich, eine Schweizer Sozialversicherung in 20 oder 40 Jahren in der Schweiz oder in Vietnam kauft? Was weiss ich, was ein Vermögen in 20 oder 40 Jahren kauft? Was weiss ich, ob Kinder für mich aufkommen? Wer früher stirbt, ist länger tot, Hauptsache man liess sich vorher nicht von seinen Ängsten am Leben hindern.

  • Josef Marti sagt:

    Wenn wie behauptet auch der Realzins seit Langem strukturell am Sinken ist dann müssen aber auch Grundstückspreise und Bodenrente ständig ansteigen, ebenso die Aktienkurse. Dies würde dafür sprechen, dass wir uns bereits mitten in der von Piketty beschriebenen Phase der tiefen Wachstumsraten, begleitet von einer steigenden Boden- und Kapitalverwertungsrate und sinkender Lohnquote bzw. steigender Gewinnquote befinden (r>g).

  • Josef Marti sagt:

    Innovationen bestehen seit den letzten 20 Jahren tatsächlich mehrheitlich aus kurzlebigem Konsumgüterschrott, und das trotz oder sogar wegen Informatik und Digitalisierung. Diese verhalf zwar zu Rationalisierungen und Produktivitätssteigerung im industriellen Bereich, führte aber nicht zu Innovation in den Endprodukten selbst. Wenn man bedenkt, dass Flugzeuge heutzutage immer noch mit der gleich primitiven Düsenantriebstechnik wie vor 50 Jahren funktionieren wird einem das klar. Dafür sind diese Dinger vollgestopft mit Elektronikschrott. In Drittweltändern haben Menschen zwar das neuste Smartphone und modernste Apple notebook, aber leben ohne richtige Wasser- und Abwasserversorgung.

    • N. Kamber sagt:

      Der Staat muss z.B. bei den Infrastrukturausgaben sparen (z.B. Lotterbrücken in den USA) um Steuergeschenke für die Reichen inkl. deren Unternehmen finanzieren zu können.
      Die Reichen konsumieren trotz Steuergeschenken nicht mehr.
      Deren Unternehmen investieren und heuern nicht, weil nicht mehr konsumiert wird.
      Die Mittelklasse konsumiert nicht, weil ihre Löhne gedrückt werden und weil sie ebenfalls Steuergeschenke der Oberklasse finanzieren müssen und weil die Mieten für die Oberklasse (trotz tiefem Zinsniveau) nicht sinken.
      Schade denn an notwendigen Investitionsmöglichkeiten fehlt’s zweifelsohne nicht: Ausbau des ÖV, Ausbau der Effizienz, Ausbau der erneuerbaren Energien.

      • Rolf Zach sagt:

        @Kamber Es gibt auf Einkommensseite des US Volkseinkommen von 17’914 Mrd.$ (Schätzung 2015) eine Zahl von 2,284 Mrd.$ Konsum privat von Fix-Kapital (12,75 %) und Konsum Staat 520 Mrd. (3 %). Wenn diese beiden Zahlen sich bei einer hochstehenden Volkswirtschaft auf dem Niveau von gegen 20 % bewegen bei einem Gini-Koeffizient von 40 bis 45 hat eine Zentralbank trotz dem Vorteil einer Reservewährung enorm Mühe die Volkswirtschaft befriedigend am Laufen zu halten. Da nützen auch die tiefe Zinsen nichts und hohe verschlimmern nur die Situation. Politiker, die die ganz Reichen als Wirtschaftsmotor betrachten, schaden schlußendlich deren Einkommen. Die Katze beißt sich selbst in den Schwanz.

    • Josef Marti sagt:

      Zum Thema Innovation, sinnlose Wettbewerbe, unsinnige Bedürfnisse etc. siehe Prof Binswanger ab ca. min. 10
      https://www.youtube.com/watch?v=dlKlxqcr-ng

      • N. Kamber sagt:

        Wenn man den Klima- und Krisen-Wissenschaftler glauben schenken dürfte, dann wäre die drastische Reduktion der Abhängigkeit von importierten, fossilen Brennstoffen ein sinnvolles Bedürfnis.
        Diese schnelle Reduktion ist nur möglich mit enormen Investitionen und Arbeitskräften (Roboter oder asiatische Näherinnen können z.B. keine Europäischen Gebäude isolieren oder Hochgeschwindigkeitszugstrassen bauen oder Photovoltaikanlagen installieren).

      • Marcel Senn sagt:

        Marti: Prof Binswanger sieht das völlig richtig — nur haben seine Gedanken leider Null Chancen in den Chefetagen der grossen Konzerne, denn deren Interesse ist Umsätze, Wachstum und Gewinne zu bolzen um jeden Preis und dafür in einer Gesellschaft, die ihre Grundbedürfnisse schon weitgehend gesätigt haben, immer neue (oft unsinnige) Bedürfnisse zu wecken und diese dann mit den entsprechenden Produkten und Dienstleistungen zu „befriedigen“, aber geichzeitig eine gewisse Unzufriedenheit latent zu halten, da ja schon bald das Nachfolgeprodukt rauskommt.
        Gewisse Menschen bezeichnen das als „Wohlstand“, ich würde dem eher Konsumdiotentum sagen!

        • N. Kamber sagt:

          Es wäre prinzipiell auch kein Problem, wenn sich die Chefetagen nur ums Gewinnebolzen kümmern würden, solange die Rahmenbedingungen des Marktes in dem sie sich bewegen demokratisch gesetzt werden und sich die Chefetagen auch daran halten und die demokratischen Prozesse zudem nicht beeinflussen.

          • Marcel Senn sagt:

            Kamber nur im immer härter werdenden Wettbewerb gibt es eben auch immer mehr Betrüger, die sich dann nicht mehr an die „lästigen“ Rahmenbedingungen halten…siehe VW und x andere Beispiele

    • Rolf Zach sagt:

      Nun gut, bei den Innovationen ist die verbreitete Einführung so eine Sache, daß geht manchmal Jahrzehnte. Das Prinzip der modernen Gasturbinen wurde von Ackeret an der ETH entwickelt und von Meyer bei BBC marktreif gebracht. Darauf haben Whittle und Ohain unabhängig voneinander das Strahltriebwerk entwickelt. Das Smartphone basiert auf Theorien von Einstein vor 1914. Dies war sogar bei der Dampfmaschine von Watt der Fall. Man sollte nicht vergessen, daß das Smartphone die Afrikaner ein wenig
      unabhängiger von der ständigen staatlichen Korruption macht und ihre Geschäfte erleichtert. Dient natürlich auch als bestes Hilfsmittel für ihre Emigration nach Europa.

  • Alex Blindenbacher sagt:

    Auch die gestiegene Risikoprämie dürfte zumindest teilweise über die Demographie zu erklären sein. Wollen doch gerade die vielen Aelteren ihre Ersparnisse nicht innerhalb einer 1-2 Jahre dauernden Krise am Aktienmarkt auf die Hälfte dahinschmelzen sehen. Jüngeren ist das eher egal, da sie noch 20 – 30 Jahre auf ihre Pension hinsparen und deshalb langfristig am Aktienmarkt sehr viel mehr Rendite erwirtschaften.

  • Mark sagt:

    Die Sache ist komplexer als ich dachte, ich bin davon ausgegangen, dass der Zins exponentiell wächst und die Realwirtschaft nicht, das wiederum führt dazu, dass die Realwirtschaft nicht mehr genug verdient um den Zins zu bedienen (siehe Griechenland).
    Jetzt kann man die Realwirtschaft temporär vor dem Konkurs „*retten“ indem man die Zinsen auf 0% schaltet……..

    • Rolf Zach sagt:

      Griechenland wurde gerettet, weil ihnen die EZB mit Bürgschaft der anderen Länder Euro zur Verfügung stellte. Ob Grieche oder Nicht-Grieche, nicht mit 20 % Zins pro Jahr hätten diese Kredite in Drachmen zur Verfügung gestellt, wenn Griechenland den Euro aufgegeben hätte und wieder zur Drachme übergegangen wäre. Ein Land kann durchaus eine defizitäre Leistungsbilanz mit einer rachitischen Währung haben mit hohen Zinsen, die sogar die einheimische Inflationsrate übertreffen und dabei gesunde Banken aufweisen. Ein Land mit einer Reservewährung, heute auch ein Staatenbund wie die Euro-Zone, wird nie von der Entwicklung ihrer Leistungsbilanz beeinflußt. Ein solches Land hat nur Banken-Krisen.

      • Maiko Laugun sagt:

        „..ein Staatenbund wie die Euro-Zone..“

        Die EU ist ein Staaten-VERBUND. Dieser Begriff musste extra für dieses Konstrukt konstruiert werden, wahrscheinlich bewusst so, um eine gewisse Souveränität der Länder zu behalten, ausser dem EUR.

  • Paul Meier sagt:

    Das tönt doch alles wunderbar, ist aber eigentlich irrelevant. Das ganze hat weder mit Sparen, noch Investitionen und Risikoscheu zu tun! Das ist pure Politik. Die Zentralbanken führen via Zinsen Währungskrieg. Die Fed kann die Zinsen nicht erhöhen, da sonst der Dollar erstarkt. Die Amis sind seit dem Fall von Bretton Woods 1971 darum bemüht, den Dollar zu schwächen. Die EU führt in den letzten Jahren den selben Kampf. Draghi hat also dasselbe Problem wie die Fed. So werden halt die Märkte weiterhin mit Geld geflutet, dass sie eh nicht brauchen. Dass dabei die Sparer, und die Rentensysteme vor die Hunde gehen ist den Zentralbanken offensichtlich schnurz.

    • Kristina sagt:

      Irgendwie hatte ich mal das Wort Basel und I II III gehört. Das Vierte scheint mir abhanden gekommen zu sein. Für die Regelung solcher und ähnlicher Probleme gibt es die Finanz mit Aufsicht und Behörde. Ich dachte mir könnten nicht juristische Personen den Gap weg lächeln. Die natürlichen Personen zahlen ja schon genug Steuern und vieles mehr. Immer schön sondieren.

  • Dieter Neth sagt:

    Für den Normalbürger, welcher ja die Zinsen durch seine Arbeit erste erwirtschaftet, ist es besser wenn diese Armensteuer so niedrig wie möglich bleibt. Deswegen sollte man auch die Pensionskasse freiwillig machen und die AHV ausbauen. Dann kann der Souverän festlegen, wieviel % vom GNP der Schweiz (oder vom Bundeshaushalt) wir für die Pensionierten ausgeben wollen. Die heutige Kässelipolitik ist ineffizient und teuer und verschenkt einen Grossteil der Rendite für CEO Saläre. Dann würde auch der Druck auf die Immobilienpreise wegfallen. Heute finanziert der Tieflohn-Angestellte über exorbitante Mieten ein ineffizientes Pensionssystem. Geld arbeitet nämlich nicht!

    • Pinkus Green sagt:

      Bravo, genau so ist es! Alles für die Banken und Reichen, und das via Politik dank starker Lobby. Sogar der Eigenmietwert wurde von oben eingeführt und von der Arbeiterschicht sogar begrüsst, aber das war eine Mogelpackung, denn dadurch animiert man die Hausbesitzer höhere und nicht rückzahlbare Hypotheken aufzunehmen (Steuertechnisch). Und Die Banken verdienen und verdienen und ….

  • Rolf Rothacher sagt:

    Japan führte vor 20 Jahren als 2.-grösste Wirtschaftsnation eine 0-Zins-Politik ein. Der Euro senkte vor über 10 Jahren das Zinsniveau für ein halbes Dutzend grosser Länder. Zusammengenommen wurden mindeestns 40 Billionen an Werten „zinsgünstiger“, was auf alle anderen Wirtschaftsräume selbstverständlich abfärbte. Doch erst die beispiellose Geldschwemme der Zentralbanken seit 2008 führt nun zu weltweiten „Nullzinsen“, welche die gesamte Wirtschaft immer mehr lähmen.
    Schon vergessen? Erst nachdem das kirchliche Zinsverbot in Europa sich ab dem 12. Jahrhundert auflöste, begann der wirtschaftliche Aufstieg von Europa. Zinsen sind der Antrieb des Wirtschaftsmotors. Die Notenbänker sind…

    • Anh Toàn sagt:

      Zinsen müssen Entschädigung für Risiko sein, die gibt’s noch immer, gibt es (Real-)Zinsen ohne Risiko, passiert, was @Mark“ beschreibt.

      Geld arbeitet nicht, wenn es darauf wartet, ausgegeben zu werden. darum gibt’s keine Zinsen auf Geld.

    • Marcel Senn sagt:

      Rothacher: Das Zinsverbot wurde aber nur für Juden 1179 aufgehoben und 1215 bestätigt! Für Katholiken galt das bis nach 1500! Innerhalb der kath. Kirche wurde das Zinsverbot sogar erst 1830 aufgehoben.
      .
      Und dass der wirtschaftliche Aufstieg im 12. Jh wegen den Zinsen begann — sorry das stimmt nun mal gar nicht – es war eher das Fliessgeld, welches zur Blüte führte!

      http://www.wallstreet-online.de/diskussion/500-beitraege/1144509-1-500/goldenes-mittelalter-2-0-ein-weg-aus-der-krise

      Nicht primär die Geldschwemme führte zu Nullzinsen, sondern die massive Ueberschuldung vieler relevanter Marktteilnehmer und Staaten liess die ZB die Zinsen gegen fast Null senken lassen.

      • Johnny Smith sagt:

        „Nicht primär die Geldschwemme führte zu Nullzinsen, sondern die massive Ueberschuldung vieler relevanter Marktteilnehmer und Staaten liess die ZB die Zinsen gegen fast Null senken lassen.“

        Massive Ueberschuldung von vielen bedeutet, dass viele viele Schulden aufnehmen mussten und müssen. Die Nachfrage nach Schulden ist also hoch und treibt damit die Zinsen nicht nach unten, sondern wenn überhaupt nach oben.

        • Johnny Smith sagt:

          Wenn jetzt Nardone, Stöcker et al kommen und sagen, die Schulden des einen sind die Ersparnisse des anderen, so wird der Effekt bestenfalls neutral, aber sicher kein Grund für Nullzinsen. Da scheint mir die Erklärung von Rothacher deutlich plausibler, dass die System-exogenen Massnahmen der Zentralbanken, also erst die beispiellose Geldschwemme der Zentralbanken zu weltweiten “Nullzinsen” führte.

          • Johnny Smith sagt:

            oder anders ausgedrückt: die Zentralbanken können nicht per Dekret die Zinsen von kurz bis lang festsetzen. Die Zentralbanken beeinflussen die Zinsen über die Steuerung der Geldmenge.

        • J. Kuehni sagt:

          „Die Nachfrage nach Schulden ist also hoch und treibt damit die Zinsen nicht nach unten, sondern wenn überhaupt nach oben.“

          Es sei denn, das Angebot von Krediten wäre eben noch viel höher als die Nachfrage nach Schulden.

          Piketty beschreibt den Umstand, dass sich Durchschnittsleute keine reale Vorstellung von der wirklichen Grösse von heutigen Supervermögen machen können, mir reicht eigentlich die Information, dass z.B. ein einzelner Familienclan das gleich grosse Vermögen wie das gesamte untere Drittel der US-Bevölkerung (rund hundert Mio.) besitzt.

          • G. Nardone sagt:

            @J. Kuehni
            – „Es sei denn, das Angebot von Krediten wäre eben noch viel höher als die Nachfrage nach Schulden“
            Genau, sofern der Zins ja ein Preis aus Angebot und Nachfrage wäre.
            Zentralbanken setzen Zins auf Null weil sie neue Schuldner suchen die investieren, weil die wirtsch. Kapazitäten nicht ausgeschöpft sind oder solange es keine Vollbeschäftigung gibt, besteht keine Gefahr von überhöhter Inflation dabei.
            Ausserdem haben die Zentralbanken das Monopol auf Geld das sie selbst ausgeben, und als Monopol können sie den Preis/Zinsen völlig beliebig bestimmen und die Geldmenge beliebig erhöhen oder mindern, die einzigen Restriktionen hierbei sind Papier, Farbe & Computer-Speicherplatz.

          • Linus Huber sagt:

            „als Monopol können sie den Preis/Zinsen völlig beliebig bestimmen“

            Damit liegen Sie grundsätzlich richtig. Die Frage ist eher, ob es ökonomischen Sinn macht, respektive der Gesellschaft wirklich dient. Während die Wachstumsraten seit der Aufgabe des Goldstandards sich über die letzten Jahrzehnte ständig reduzierten, zeichnete sich z.B. die Periode des klassischen Goldstands durch eine der höchsten Wachstumsraten der Wirtschaft aus. Die Komplexität der Gesellschaft ist zu hoch, als dass ein paar gleich indoktrinierte Ökonomen anhand bewiesenermassen fehlerhaften Modellen und Theorien eine Geldpolitik zu betreiben wissen, welche der Gesellschaft insgesamt und nicht einzig den Banken…

          • Rolf Zach sagt:

            @Linus Huber. Ihre Aussage wegen Abnahme der Wachstumsraten wegen Aufgabe des Goldstandard kann ich nicht nachvollziehen. Es sei denn, man betrachte den Kondratjew Zyklus, der bereits im 19. Jahrhundert vorkam, als eine Schimäre. Friedman war für einen Monetarismus mit Zentralbank, soweit ich verstehe, bevorzugen Sie einen Monetarismus ohne Zentralbank, wo über die Geldschöpfung demokratisch abgestimmt wird.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber:
            – „zeichnete sich die Periode des klassischen Goldstands durch eine der höchsten Wachstumsraten der Wirtschaft aus“
            Wo ist der Beweis?
            Aber ich zeige Ihnen was:
            http://static6.businessinsider.com/image/4c99d2da7f8b9a7973ed0a00/hate-recessions-and-deflation-then-be-glad-were-not-on-the-gold-standard.jpg
            Die grauen senkrechten Flächen/Balken sind Rezessionen, grün ist Inflation und rot Deflation. Der Gold-Standard ist alles andere als stabil, sondern volatil und prozyklisch.

          • Linus Huber sagt:

            Sicher doch, man kann über Jahrzehnte sich vor dem TV mit Chips, Bier und Zigaretten bestens fühlen und 50 kg Gewicht zulegen und als man anlässlich eines Herzinfarkts in 2008 fast krepierte, legt man sich sofort nachdem man vom Spital entlassen wurde wieder vor den TV und konsumiert seine geliebten Chips mit Bier und Zigaretten. Der Herzinfarkt hat schliesslich keinen Zusammenhang mit seinem Verhalten und ist auch nicht voraussehbar.

            Na ja Rolf, es geht darum, dass man die Machtkonzentration beschränkt, respektive die eigene Verantwortlichkeit fördert. Das Geldmonopol in den Händen von Regierungen wird leider zur Machterweiterung in der Form erzwungener Umverteilung missbraucht.

          • Linus Huber sagt:

            Um noch kurz auf den verlinkten Chart einzugehen, ist folgendes zu sagen. Rezession ist nicht eine Frage von Inflation und Deflation, es gibt auch Wirtschaftswachstum in Phasen sinkender Preise. Die hohen Wachstumsraten und technologischen Fortschritte der 2. Hälfte des 19. Jh. sind unumstritten. Ja, die Situation war definitiv weniger stabil, aber eben dementsprechend von höherer Dynamik begleitet. Das Wohlergehen der Menschen ist ebenfalls nicht einzig eine Frage quantitativer Statistiken, sondern jede technische Errungenschaft erlaubte eine bessere Lebensqualität und dies ganz ohne die langfristige Verzerrung durch geldpolitische Massnahmen und einer Ponzi-Scheme.

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