Das schwächste Glied der Weltwirtschaft

Die Schwellenländer jonglieren zu nah am Abgrund: Ein Fussballspieler vor dem Hintergrund eines brasilianischen Industrieareals. Foto: Antonio Lacerda (EPA/Keystone)

Werden wir bald eine Wiederholung der Asienkrise von 1997–98 erleben? Seit der kleinen Abwertung der chinesischen Währung und dem Einbruch des Shanghai-Index scheint wieder alles möglich zu sein. Bereits wird das Ende der Schwellenländer ausgerufen.

Zur Erinnerung: Die Asienkrise war eine äusserst heftige Finanzkrise, die in Thailand ausgelöst wurde, fast alle ost- und südostasiatischen Länder erfasste und sich über Brasilien und Russland bis an die Wallstreet ausbreitete. Der drohende Kollaps des Hedgefonds LTCM konnte dank einer konzertierten Aktion des New Yorker Fed gerade noch einmal abgewendet werden. Die Gefahr eines temporären Abschmelzens des globalen Finanzsystems war schon damals vorhanden.

Die Ursache der Krise war ein allzu schneller Aufbau von kurzfristigen Dollarkrediten, die in langfristige Projekte investiert wurden. In Thailand war der Auslöser der Krise, weil hier das Ungleichgewicht zwischen Soll und Haben besonders ausgeprägt war. Als der thailändische Immobilienmarkt einbrach, traten bald Liquiditätsengpässe auf. Die ausländischen Anleger reagierten panisch, die Krise breitete sich bald auf die ganze Region aus.

Wie sieht nun heute die Verschuldung in den Schwellenländern aus?

Auf den ersten Blick besteht kein Grund zur Beunruhigung. Die Statistik zeigt klar, dass sowohl die Staaten wie die Banken weniger Dollarkredite in ihren Büchern haben als vor zwanzig Jahren. Aber sobald man die Unternehmen einbezieht, sieht es finster aus.

Eine neue Weltbankstudie zeigt dies deutlich auf, wie die folgenden drei Grafiken zeigen.

  1. Die Firmen haben ihre Obligationenverschuldung seit dem Beginn der Tiefzinspolitik enorm erhöht.
  2. Dieses Wachstum beruht hauptsächlich auf dem Anstieg von ausländischen Geldern, die hauptsächlich in Dollar denominiert sind.
  3. Der Anteil der ausstehenden Obligationen hat sich in allen Regionen dramatisch erhöht.

 

Figure 3 zeigt die regionale Verteilung.

  • Mit Abstand am stärksten verschuldet ist die Region Lateinamerika/Karibik (LCR). Es könnte also durchaus sein, dass wir in absehbarer Zeit dort wieder eine ähnliche Krise wie in den 1980er-Jahren sehen werden.
  • Dahinter folgen Europa/Zentralasien (ECA), wobei dies vor allem die osteuropäischen Länder betrifft, Ostasien/Pazifik (EAP) und Mittlerer Osten/Nordafrika (MNA).
  • Aber selbst in Südasien (SAR) und Afrika südlich der Sahara (AFR) hat die Dollarverschuldung stark zugenommen.
  • Nur in China ist das Niveau immer noch relativ bescheiden, dafür ist die Wachstumsrate sehr hoch.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat die Zusammenhänge der internationalen Verschuldung weiter vertieft (BIS Working Paper 508). Besonders interessant ist, dass die einheimischen Banken ebenfalls von der steigenden Dollarverschuldung der Unternehmen betroffen sind. Denn die Unternehmen haben oft grosse Dollarliquidität im einheimischen Bankensystem deponiert, was für Kredite genutzt worden ist.

Die BIZ zeigt auch klar auf, wie gefährlich ein Zinsanstieg sein wird. Noch ist es nicht so weit. Aber es ist heute schon klar, dass sich die Schwellenländer seit 2009 in eine unmögliche Lage gebracht haben. Sie sind das schwächste Glied der Weltwirtschaft geworden.

66 Kommentare zu «Das schwächste Glied der Weltwirtschaft»

  • Rolf Zach sagt:

    Die Gefahr der internationalen Verschuldung, die im Artikel gut dargestellt ist, besteht nach wie vor. Wo ist sie am gefährlichsten und was für Phänomene können diese am meisten beeinflussen. Versuchen wir sie nach der ihrer Bedeutung einzuordnen. Der Rückgang der Rohstoffpreise und am heftigsten bei den Energieträgern ist sicher wesentlich. Die meisten Schwellenländer sind nach wie vor hauptsächlich Rohstoffexporteure, dies gilt für Rußland, aber auch für ganz Lateinamerika (auch Brasilien trotz Auto-Exporten) und Südafrika. Wie erwischt es China, Indien, Bangladesh und die Türkei. Ihre billigen Konsumgüter, ob Textilien oder Elektronik, treffen auf eine Verarmung der Konsumenten der Rohstoffländer. China muß sich selbst einem Abwertungs-Wettlauf für Textilien und Bekleidung mit der Türkei, Indien und Bangladesh stellen, sonst gehen die mageren Export-Gewinnmargen überhaupt ganz verloren. Wer kann sich noch erwehren gegenüber den Preisen der Bekleidungs-Exporte von Bangladesh im Billig-Sektor? Im Moment scheint Indien am besten gewappnet, wegen ihren Dienstleistungen in der Software-Branche. Hier machen sich aber überall protektionistische Maßnahmen bemerkbar, den auch unsere jungen Leute brauchen solche Jobs nach ihrer Ausbildung.
    Auch in der Schweiz wird es mehr als früher übel vermerkt, wenn Informatik-Aufgaben nach Indien wandern.

  • Rolf Zach sagt:

    Marcel Senn. Kein Wunder, daß Uruguay wahrscheinlich keine Milliardäre hat oder nur solche die dort Häuser und Landgüter besitzen, aber nicht domiziliert sind. Wir dürfen dafür stolz sein, daß Schweizer auf der Forbes Liste im Verhältnis zu unserer Bevölkerungszahl recht häufig vorkommen.

    • Marcel Senn sagt:

      Zach 120 Ultra Reiche die zusammen 17 Mrd $ haben hat es hier auch
      http://www.subrayado.com.uy/Site/noticia/29921/en-uruguay-hay-120-ultra-ricos-que-suman-us-17000-millones

      Und im Gegensatz zu gewissen schweizer Milliardären. verdienten die noch ihr Geld zumeist auf anständige Art und Weise mit Realwirtschaftlichen Produkten und nicht mit Spekulationen und tw. anderen krummen Geschäften (einige zumindest – es gibt auch viel anständige Milliardäre in der CH).
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      Wieso die CH auf ihre Milliardäre stolz sein sollte — das bleibt Ihr Geheimnis! Zumindest auf Dr. Blocher und seinen Clan bin ich alles andere als stolz – im Gegenteil für mich sind die eine nationale Schande ehrlich gesagt!
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      Wir hatten dafür mit Pepe Mujica den vermutlich einzigen völlig korruptionsfreien Präsidenten der Welt mit echten Visionen, die er einfach durchgezogen hat (z.B. Windenergie von 0 auf bald mal No1 in der Welt (Anteil am Stromverbrauch pro Kopf), Marijuanalegalisierung, Abgabe von 85% seines eh schon bescheidenen Salärs an soziale Projekte — ging als der Aermste Präsident der Welt durch die Medien (allerdings freiwillig arm, denn arm ist nicht der wenig hat, sondern der der immer mehr braucht).
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      Und Uruguay ist mit 20 internationalen Titeln der Nationalmannschaft die historisch erfolgreichste Fussballnation der Welt — CH – Null Titel (bei den Grossen)

      • Rolf Zach sagt:

        Sehr geehrter Herr Senn, Diese Bemerkung war natürlich hinsichtlich der Schweiz satirisch gemeint, aber es ist wirklich die Mehrheit meiner Landsleute, die so denken. Es ist erfreulich, wenn sich die Verhältnisse in Uruguay zum besseren gewendet haben. Denn wie ich aus der Lektüre weiß, ist es ein sehr schönes Land und es freut mich, wenn Sie dort ein gutes Leben haben.
        Was das unternehmerische Können der reichen Leute in Argentinien und Uruguay betrifft, so muss ich leider sagen, es ist hundsmiserabel. Keine kapitalistische Unternehmer im Sinne von Max Weber. Sie kennen ja sicher das Buch „Die offenen Ader von Lateinamerika“, eine gute Zusammenfassung dieser Leistung. Was Blocher betrifft, so bin sehr gut informiert, wie er mit Hilfe von H. von SBG die 20 Mio. CHF Namensaktien der Familie O. gekauft hat. Wäre der alte Herr O. noch Leben gewesen und wäre Blocher für die Schweizer Wirtschaft als Politiker nicht nützlich gewesen (Südafrika), hätte er die EMS nie bekommen. Die BASF wollte die EMS kaufen, aber Herr H. hat dies als Aufsichtsrat der BASF verhindert.
        Wir wissen alle, dass Uruguay zweimal Weltmeister geworden ist und Brasilien in Koma versank, weil es im Final 1950 gegen
        Uruguay im Final verloren hat. Sollen unsere Fussballer so ruppig sein wie die Gauchos aus Ihrer zweiten Heimat? Übrigens ich bin kein Freund der Einwanderung in die Schweiz der Leute aus dem Balkan und dem Nahen Osten. Aber was unzählige namenlose Landsleute von mir für die Integration dieser Jugendlichen über Sportvereine und Lehrstellen geleistet haben, kann man nur den Hut ziehen.

  • Linus Huber sagt:

    Der nachfolgende Link zeigt auf, welche „extremistische“ Gruppierung von den Strafverfolgungsbehörden als grösste potentielle Gefahr empfunden wird:

    Sovereign Citizens! oder in anderen Worten Sie und ich, sofern Sie Unabhängigkeit, Eigenverantwortung und Freiheit als positive Werte einstufen. Der Dank für den Klartext geht an das U.S. Department of Homeland Security.

    https://www.start.umd.edu/pubs/START_UnderstandingLawEnforcementIntelligenceProcesses_July2014.pdf

    • Maiko Laugun sagt:

      Das Resultat einer erfolgreichen Propaganda. Je dümmer ein Volk, desto einfacher die Gehirnwäsche.

    • Anh Toàn sagt:

      Ich finde die „PEGIDA besorgte das wird man wohl noch sagen dürfen, Volksgerichte fordernde und ich find es gemein dass andere sagen ich sei ein Rassist“ Bürger auch die grösste Gefahr für einen demokratischen Rechtsstaat.

      • Anh Toàn sagt:

        – Die Leute die klatschen, wenn die Asylantenheime brennen.
        – Die Leute welche in einem Kopftuch tragenden Mädchen eine Bedrohung unserer Werte sehen
        – Die Leute welchen in jedem Muslim einen radikalen Islamisten sehen
        – Die Leute welche in jedem katholischen Priester einen Kinderschänder erkennen
        – Die Leute, welche glauben, wir können unsere auf der Aufklärung und der christlichen Nächstenliebe (sage ich als Ungläubiger) basierenden Werte verteidigen, indem wir diese mit Füssen treten
        – Die Leute die glauben, demokratische Mehrheitsbeschlüsse stehen über den Menschenrechte
        – Die Leute, welche sich in Gruppen zusammenrotten und eine einzelne Frau mit Kind auf übelste beschimpfen und dann sagen, sie seien friedlich.
        – Die Leute, welche sagen, die Massenmedien lügen, Wahrheit komme aus den „unabhängigen Quellen“

        • Anh Toàn sagt:

          Patriotismus ist die Tugend der Boshaften

          (Soll von Oscar Wilde kommen, aber das soll vieles)

          • Maiko Laugun sagt:

            Patriotismus ist das Resultat von Angst, egal ob real oder indoktriniert.

          • Linus Huber sagt:

            @ Maiko

            Tatsache ist, dass sowohl Patriotismus wie auch Nationalismus als sozio-politische Verhaltensweisen auf die Nation bezogen sind. Insofern beruhen sowohl Patriotismus als auch Nationalismus auf einer Art von positiver Eigengruppenbewertung. Der signifikante Unterschied zwischen beiden besteht jedoch darin, dass nationalistische Werteloyalitäten ethnisch innergesellschaftliche Homogenität, blinden Gehorsam und die idealisierte Überbewertung der eigenen Nation zur Folge haben, während bei patriotischen Werteloyalitäten innergesellschaftliche Heterogenität und kritische Distanz gegenüber Staat und Regime von Bedeutung sind.

            Unterschiedliche Werteloyalitäten sind vor allem auch mit verschiedenen Einstellungen gegenüber dem Fremden und verschiedenen Lebensformen verknüpft: Der Patriot liebt sein „Vaterland“ und achtet dasjenige der anderen. Der Nationalist setzt sein „Vaterland“ über alle anderen und missachtet diese.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Linus: Beide suchen Halt und klammern sich an etwas. Ein Nicht-Patriot schaut Tennis des Sportes willens, unabhängig der Nationalität seines Favoriten. Ein Patriot jubelt einem abzockenden, unpatriotischen CEO einer steueroptimierten Firma namens Roger Federer zu.

            Zu Ihrem 2. Kommentar weiter unten (als Antwort an @Rolf Zach): Der Aufwand wird auch durch lokale Heirat nicht kleiner und beinhaltet als solches selbst schon einen unvorstellbaren administrativen Aufwand, wobei dies mehr an der Schweiz mit seinen im Vergleich zu anderen Ländern zusätzlich höheren Anforderungen liegt, als im Gastland selbst. Ich rede aus persönlicher Erfahrung! 🙂

          • Linus Huber sagt:

            „Ein Patriot jubelt einem abzockenden, unpatriotischen CEO einer steueroptimierten Firma namens Roger Federer zu.“

            Dies dürfte eher ein obrigkeitsgläubige Nationalist als Patriot sein, welcher dem Staat und der damit verbundenen gesetzlichen Regulierung zugunsten der Finanzelite kritisch gegenüber steht.

            Ich rede ebenfalls aus Erfahrung … 🙂 und ja, der administrative Aufwand zum Heiraten ist teilweise horrend.

        • Rolf Zach sagt:

          Max Weber hat da eine andere Ansicht, Für ihn waren die Patrioten die Guten und die Nationalisten die Schlechten. Gibt es überhaupt eine Bringschuld für Flüchtlinge von einer Zivilisation in eine andere? Was muß ich tun, damit ich als Emigrant oder sogar Asylsuchender in Vietnam akzeptiert werde. Selbstverständlich ist die Beherrschung der Sprache ein Muß. Was kommt noch dazu?

          • Josef Marti sagt:

            Hat Vietnam ein Asylrecht? Die Golfstaaten jedenfalls nicht, die sperren die Syrer aus und schicken sie zu den Ungläubigen.

          • Maiko Laugun sagt:

            Als Emigrant brauchen Sie Vermögenswerte. Ohne solche gelten Sie mittlerweile auf dem ganzen Planeten als unzivilisiert und bekommen keine Aufenthaltsbewilligung. Der internationale Standard besagt: Geld = zivilisiert = Recht auf Aufenthalt. Asylbewerber – da meist kein Geld – sind somit automatisch unzivilisiert. Deshalb werden sie nicht überall aufgenommen. Als klassisches Beispiel galt lange Japan. Die nahmen nie Unzivilisierte auf. Ob das heute noch so ist, weiss ich nicht.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Josef Marti: Saudi Arabien z.B. hat nach den Irak-Kriegen viele Iraker aufgenommen. An der Nordgrenze oben, nahe zur irakischen Grenze (Umgebung der Stadt Ar’ar ) sind ganze Siedlungen von Irakern erstanden, genehmigt durch den Saudischen König.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Uruguay (wie auch Argentinien) haben ein verfassungsmässiges Recht auf Einwanderung!
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            Allerdings muss man neben einem tadellosen Leumund ein Einkommen von mind. 500 USD Monat nachweisen — entweder über einen Arbeitsvertrag oder Renteneinkommen oder Mietenkommen.
            .
            Bei mir hat es sagenhafte 4.5 Jahre gedauert, bis ich endlich die definitive Residenz (so etwa wie der C Ausweis in der CH hatte) – nächstes Jahr kann ich dann noch die Staatsbürgerschaft erlangen – nach 5 Jahren ab Beginn des Aufenthaltsbewilligungsgesuch möglich — was ich glaub auch machen werde, da der CH Pass durch unsere Rechtsbürgerlichen eh immer mehr entwertet wird im Ausland und ein Uru-Pass dafür wieder viel mehr Türen öffnet im Mercosur (Arg, Bras, Uru, Paraguay, Venezuela) plus noch assozierte Länder wie Peru, Kolumbien, Bolivien, Chile, Ecudador plus noch weitere in Verhandlung.
            .
            Die Pässe sind einheitlich blau wie die EU Pässe (wenn auch Mercosur noch nicht so ganz ausgeprägt ist wie die EU)

          • Maiko Laugun sagt:

            @Marcel: Wir sollten noch die Steuerpflicht erwähnen, inkl. Vermögenswerte in der CH. Es wird schliesslich verlangt, dass wir unseren Status als zivilisierte Emigranten stets zu beweisen haben. Nehme an, dass ist bei Dir genau gleich, da alles aus Deinem Kommentar auch auf China zutrifft.

          • Marcel Senn sagt:

            Maiko: Muss eh mal zum Uru Steuerberater – bei der Vermögenssteuer ist der Freibtrag mit rund 107’000 $ hoch und das Haus (selber bewohnt) wird eh nur zu 50% des eh viel tieferen Katastralwertes angerechnet. EK Steuern zahlt man nur über akt. rund 800$Mt….und Vermögen in der CH wird glaub nicht angerechnet (haben allerdings seit 2012 ein Doppelsteuerabkommen – da die CH und Uruguay 2008 (mit 2 weiteren Ländern) auf der schwarzen Steuerliste war — also die ganz „Bösen“ unter den „Bösen“ — aber jetzt nicht mehr

          • Linus Huber sagt:

            @ Rolf

            Emigrieren ist immer eine Frage des Geldes sowie des administrativen Aufwandes und wird teilweise erleichtert bei Verheiratung mit einer lokalen Person, was aber wohl auch wieder Geld benötigt. In einigen Staaten sind die Kosten hoch, in anderen vernachlässigbar. Die Beherrschung der Sprache ist meist dabei nicht wichtig, jedoch für den Emigranten selber von Bedeutung. Die ausgeprägte Form eines Rechtes auf Asyl ist ein spezifisch europäisches Phänomen.

          • Anh Toàn sagt:

            @Rolf Zach

            Für mich lassen sich Nationalismus und Patriotismus nicht trennen.

            In Vietnam kann faktisch leben, wer sein Leben bezahlen kann, wer sein Leben inklusive Gesundheits- und Alterskosten nicht bezahlen kann, und nicht von seiner Familie geholfen wird, stirbt. Die machen da keinen Unterschied zwischen Vietnamesen und Ausländern.

            Integration wird nicht erwartet von Ausländern, dass die sind anders und ein wenig verrückt sind, wird akzeptiert. (Es sei denn, man hätte dunkle Haut, dann wird es schwierig in Asien)

          • Anh Toàn sagt:

            Ohne minimale Unterstützung seines Heimatlandes (Passerneuerung, Bestätigung anderer Dokumente wie Führerschein, Familienstand, etc. ist oft unmöglich für Flüchtlinge) ist das Leben in Vietnam einiges schwieriger, ich sage teurer.

          • Anh Toàn sagt:

            Patriotismus ist Nationalismus als Tugend ausgedrückt. Patria und Nation ist das Gleiche, bzw Patria halt eine einzige Heimatnation, ist es aber im Begriff Nationalismus auch. Und -ismus ist auch gleich..

          • Maiko Laugun sagt:

            @AT: Dieser ..“..ismus“ oder wie auch immer, egal, ist gerade bei einigen Schweizern im Ausland vorhanden. Allerdings ist das bei denen ein verkanntes Heimweh. Man sollte sich selber mehr als ein Weltbürger innerhalb einer globalen Finanz-Aristokratie sehen, in welcher man (gerade im Ausland) durch unsägliche Regulationen und endloser Bürokratie/Administration schikaniert wird, was nicht anderes als eine risikolose Verschiebung der Sorgfaltspflicht und der Verantwortlichkeit durch die Elite an die Untertanen entspricht, bei gleichzeitiger Kostenauflage. Nur ein Idiot kann Nationalist oder Patriot sein, was auch immer die korrekte Bezeichnung dafür ist.

        • Maiko Laugun sagt:

          @Linus: Wir sind ja bereits vom Thema abgekommen. Deshalb spielt es nun auch keine Rolle mehr:

          Sie haben mich hier bei NMTM auch schon mal geduzt. Ist es OK wenn ich dies umgekehrt nun auch tue? Unter Ausland-Schweizern ist das so oder so meist üblich. Das mit der persönlichen Erfahrung habe ich schon angenommen (Stichwort Asien in einem früheren Blog), weiss nur noch nicht in welchem Land … (?)

  • Ronnie König sagt:

    Ja, auf Pump wird die heimische Wirtschaft, resp. der Betrieb aufgepumpt, damit, wenn die Zinsen relativ tief sind, bald Gewinne sprudeln. Nur ist das ein Risiko, da ja nicht ein Land allein oder eine Firma allein so denkt und plant. Es geht ja meist wie in einer Herde zu und her. In den Büchern der Banken siehts nach Gewinn aus, aber es sind Zahlen auf Papier ohne Garantie, dass daraus auch klingende Münze wird. Zumindest in der fragilen Weltwirtschaft ist das Risiko seit Jahren sehr hoch. Und irgendwer muss ja Geld haben und bezahlen, sonst wird nix aus dem Gewinn, eine Rückzahlung schwer oder unmöglich. Wer zu lange Schulden vor sich herschiebt, der arbeitet nur noch für den Zins. Ein Land kann das länger praktizieren wie eine Firma. Das Geld ist zudem auch ungleich verteilt, also die Rechnung mehr Menschen gleich mehr Kunden geht so nicht auf. Nicht für alle. Wir sollten daher akzeptieren, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Prägung eher in einer Sackgasse sich befindet. Da rausgehen wird nicht einfach und Heere von Armen produzieren. Es sind ja auch Menschen verschuldet. Sehr ungesund für diverse Märkte. Es braucht nur noch auf dem internationalen Markt für Lebensmittel etwas Turbulenz, dann wackelts urgewaltig. Auch soziale Unruhen, die bekanntlich kosten, werden die Lage weiter verschärfen. Und uns betreffen. Fazit: Nicht nur das Geld/Schulden werden zum Problem, sondern auch die Menschenmassen. Wobei da Südamerika ein kleiner Vorteil hat. Europa weniger,ob unsere Wirtschaft robust genug dafür ist? ich hoffe sehr!

  • Marcel Senn sagt:

    Tja hatten halt nicht alle Länder das „Glück“ wie Argentinien 2001 bankrott zu gehen und seither als Paria der Weltfinanz behandelt zu werden, dafür aber eines der wenigen Länder zu sein, welches seine externen Schulden seit 2007 nochmals massiv abbauen konnte. Auch wenn einiges nicht so ganz im Lot ist in Argentinien (hohe Inflation, abnehmende Devisenreserven, höchste Agrarrückbehalte der Welt (Retensiones)), aber von der externen Schulden wurde die dank der 2001er Pleite und ihrem auch sonst sehr widerspengstigen Gebahren gegenüber den internationalen Kapitalmärkten (mit den 2 Schuldenschnitten und dem Kampf gegen die Hedge Fund Geier „Los Buitres“) im Vergleich zu anderen Ländern ziemlich verschont
    .
    Das ist der Fluch des Spätkapitalismus, es werden den Schwellenländern die Kredite im Uebermass oftmals direkt aufgedrängt, damit man sie in Abhängigkeit geraten, man dann einfacher an die Rohstoffe kommt, die Politik beeinflussen kann etc etc.
    Aber wie immer – irgendwann ist die Party vorbei und dann wirds oft hässlich…
    .
    Ganz interessant dazu (wenn auch schon etwas älter) Confessions of an economic hit man

    http://www.democracynow.org/2004/11/9/confessions_of_an_economic_hit_man

    • Maiko Laugun sagt:

      Ni Hao, Marcel,

      Die BRIC-Staaten haben es grundsätzlich kapiert, dass langfristig nur eine Loslösung vom kreuz- u. raubritterischen US-/Petrodollar sie aus der Knechtschaft befreien kann. Ob sie dereinst Erfolg haben werden, ist eine andere Frage.

      • Anh Toàn sagt:

        Ich find Sie zwei ja lustig: Selbst wenn Euch da wo ihr lebt alles um die Ohren fliegt, singt ihr noch immer das Loblied auf die Politik dieser Länder. Wie die Secondos, die SVP wählen, weil sie unbedingt von den richtigen Schweizern als richtige Schweizer akzeptiert werden möchten. Von den Bric Staaten ist einzig Indien nicht am A.

        • Marcel Senn sagt:

          Anh: Immerhin ist die Privatverschuldung in Argentinien mit 17% BIP praktisch nichts im Vergleich zur Schweiz, wo sie mittlerweile um die 180% beträgt und in absoluten Zahlen die höchste der Welt pro Kopf ist. Noch glauben Herr und Frau Schweizer an den Wert ihrer überteuerten Wohnungen und Häuser, noch gibt ihnen der Markt recht, aber das kann sich auch bald mal ändern – nur schon AKW Gau der Guiness-Buch der Rekorde AKW’s (Beznau soll ja ins Guiness Buch) kann diesen Traum über Nacht ändern.
          .
          Meine beiden Wohsitzstaaten Uruguay und Argentinien sind übrigens beide keine BRIC Staaten – und sind beide schon staatsbankrotterprobt im 21. Jahrhundert!
          Bei China habe ich auch grosse Zweifel – die haben das süsse Gift der einfachen Kredite nur so aufgesogen — seit 2007 um 400% gesteigert auf fast schon 30 Bio $ — denen wird ihr ZK-Kapitalismus wohl schon bald mal um die Ohren fliegen — leerstehende Wohnungen sind nun mal keine echte Investition, ebensowenig Börsenblasen — Sie in Vietnam sind ja dann in der Nähe und werden das sicher auch spüren!
          .
          Unseren Ex-Präsidenten Pepe Mujica fande ich einen weisen alten Mann – frei von Gier – im Gegenteil, er gab 85% seines relativ bescheidenen Gehaltes von USD 12’000/Monat für soziale Projekte ab und macht Uruguay innerhalb von 4 Jahren zu einer der grössten Windenergienationen (pro Kop) der Welt — von dem könnten die Sünnelis in der CH noch einiges lernen!
          Gut über die „Königin“ von Argentinien kann man streiten – die hat sich einfach vorgenommen, die zweite Evita Argentiniens zu werden und übertreibt es manchmal doch sehr — aber immerhin gibt es hier noch konsumtreibende Inflation (gut etwas im Uebermass mit 30%) – ganz Europa lechtzt ja nach Inflation, aber sie will sich nicht mehr einstellen…
          Aber dank der Inflation herrscht eine Art Fliessgeldsystem (wenn auch sicher nicht die perfekte Version) und Europa wünscht sich verzweifelt Inflation herbei, damit es nichtirgendwann endgültig im Schuldensumpf versinken wird. Gut Assetinflation hat es ja – aber Assetinflation endete wirtschaftshistorisch schon meist hässlich!

          • Rolf Zach sagt:

            Nun gut Argentinien war seit dem 19. Jahrhundert der ständig wiederkehrende Staat der Hoffnung innerhalb der Weltwirtschaft. Seit der Baring-Krise 1890 hat dieses Land die Gläubiger verschaukelt und die Gläubiger haben daraus gelernt, wie man trotzdem Profit macht. Inflation auf hohem Niveau und Korruption ist und bleibt dort endemisch. Immerhin gehörte Argentinien 1913 mit den USA zusammen zu den reichsten Ländern der Welt.
            Argentinien hat es bis heute nicht verstanden seine Exporte so zu strukturieren, dass die Wertschöpfungs-Kette verlängert wird. Warum gehört Argentinien nicht zu den grössten Schuh-Produzenten der Welt? Was ist der Gewinn bei Auto-Exporten?

          • Anh Toàn sagt:

            Die EZB hat Mühe, ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen, soviel ist richtig, liegt aber gar nicht weit davon weg. Hingegen halte ich „gut etwas im Übermass“ und „nicht so ganz im Lot“ bei 30 Prozent Inflation dann doch für Schönfärberei. Darauf bezog sich mein „Vorwurf“

            Vietnam hat wohl das gleiche Problem wie China: Staatliche Bauträger bauen Wohneigentum mit Krediten staatlicher Banken, die niemand kaufen kann, da sie viel zu teuer in den Büchern stehen. Also lässt man sie da stehen, und gibt einen neuen Kredit, um nebendran neues Wohneigentum zu bauen: So bleiben die Kredite an die Bauträger werthaltig und weder die Bauträger noch die Banken brechen zusammen. Fährt man am frühen Abend durch Saigon, sind bei den Neubauten der grösste Teil der Wohnungen unbeleuchtet. An den Gewerbebauten hängen überall grosse Schilder mit „zu vermieten“ oder „zu verkaufen“. Die könnten aber eventuell die Bewertungen retten, indem sie den Markt für Ausländer öffnen. Ausserdem haben sie erhebliches Zinssenkungspotential: Bei Schweizer Zinsen werden dann diese Wohnungen auch erschwinglich, nur würde die resultierende Währungsaufwertung wohl die Exportindustrie ruinieren.

            Ich gehe davon aus, dass die SNB die Zinsen noch sehr, sehr lange nicht erhöhen kann, womit die Preise für Wohneigentum in der Schweiz noch lange bezahlbar bleiben: Man muss ja die Käufer abhalten, mit höheren Eigenmittelvorschriften bei den Käufern, Begrenzung der Bezugsmöglichkeiten des PK Kapitals, und die Hypozinsen mit höheren Eigenkapitalvorschriften für die kreditgebenden Banken „künstlich“ erhöhen, im Vergleich zu den Negativzinsen müsste zumindest eine Liborhypo fast gratis sein (max 0.25%). (Für Autos liest man reihenweise Angebote mit Zinssatz 0 Prozent). Sinken die Immobilienpreise, wachsen die Deckungslücken der Pensionskassen. Das einzige, womit die laufende Erträge generieren können, sind ihre Mietimmobilien und allenfalls Dividendestarke Aktien. „The Show must go on“ und wird, weil es alle wollen. Ich habe Wohneigentum gekauft, if you can’t beat ‚em, join ‚em!

          • Anh Toàn sagt:

            Da ist mir ein Denkfehler passiert beim schnellen Schreiben: Vietnam kann die Zinsen senken, riskiert dann nicht einen Einbruch des Exportes, sondern eine argentinische Hyperinflation.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Argentinien ist wirklich eine Achterbahn – hat glaub auch schon 7 Staatsbankrotte hingelegt in den letzten 200 Jahren. Gut 1913 als zweitreichstes Land ist etwas mit Vorsicht zu geniessen – das war eine ganz kleine Oberschicht, die aus Buenos Aires das Paris Südamerikas machen wollten und ihre Kinder nach Paris zum Studium schickten, für die Landarbeiter war es damals alles andere als lustig.
            Korruption herrschte immer (ob das wohl mit den vielen Einwanderern aus Italien zusammenhängt?), Inflation kam und ging – beim 1:1 Märli in den 90ern war sie ziemlich tief – zumindest in den Anfangsjahren – die Abwertung ab Ende 2001 resp. 2002 war dafür umso härter – 2/3 der Vermögen weg.
            So schlecht (im Vergleich) geht es aktuell nicht, nur basiert das v.a. auf Gentechsoya – und nach 5 Jahren sind die Böden ausgelaugt, Monsanto & Sygnenta geben ihm noch den Rest…
            Nur wie will man ohne internationales Kapital und Vertrauen als Weltfinanzparia die Industrie ausbauen? Das ist tatsächlich ein Problem über 57% der Exporte (und Devisenbringer) sind Agrarprodukte.
            .
            Etwas geschickter hat es der 1922 16-jährige Aristoteles Onassis, der angeblich mit gerade mal 60 US$ in Buenos Aires eingewandert ist, gemacht – nach seinen Anfängen im Handel mit türkischen Tabaken hat der hat gecheckt, dass man die Kuhhäute anstatt wie damals üblich zu vergraben oder verbrenne, nach Europa exportieren kann und so den Grundstein für sein Imperium gelegt, dann in der Weltwirtschaftskrise günstig Schiffe gekauft, dann kam Oel dazu und der Rest ist Geschichte…

          • Marcel Senn sagt:

            Ahn: Uebertreiben Sie jetzt mal nicht — wir haben trotz den 25-35% Inflation pa. noch lange keine Hyperinflation hier…
            Bei rund 2% Preissteigerungen im Monat kostet mein Brot beim Beck um die Ecke am abend immer noch gleichviel wie am morgen (1989 war das mal anders, da waren zehntausende Angestellte den ganzen Tag damit beschäftigt neue Preisettiketten aufzukleben) – soweit wie damals in der Weimarer Republik sind wir noch lange nicht 🙂

            Without that a set scientific language exists, we speak of creeping inflation at an rate of inflation until 10%, of trotting Inflation until 100% per year and of galloping inflation or hyper inflation at higher inflation rates.
            (Cagan, P.: The monetary dynamics of hyperinflation in Studies in the quantity theory of money. Published by Friedman, Milton. Chicago 1956. p. 25-1321 especially p. 25 speaks of hyper inflation only at an increase of the rates of price of 50% per month and more.

          • Anh Toàn sagt:

            Vietnam hat wohl vor dem Immobilienmarkt ein ganz anderes Problem im aktuellen weltwirtschaftlichen Umfeld: Russland, Weissrussland, Ukraine, Kasachstan etc. wurden als Kernmärkte für den Massentourismus entwickelt. Die Währungen dieser Länder brechen mit dem Ölpreis ein, die Mittelklasse kann sich den Auslandsurlaub an den vietnamesischen Stränden nicht mehr leisten. Die „Russen“, welche in der Schweiz Urlaub machen, gehören zu einer ganz anderen wirtschaftlichen Schicht, als diejenigen, welche in Vietnam Urlaub machen.

          • Marcel Senn sagt:

            Ahn: Sie meinen wohl bei Euch machen die „Billigrussen“ Ferien — mit Vodkagelagen bis zum erbrechen — wie am Ballermann und den angelsächischen Saufkolonien auf den Balearen….ja die könnten tatsächlich mittlerweile ein Budgetproblem bekommen haben mit dem Schrumpfrubel, auch wenn es bei Euch glaub immer noch saubillig sein soll (da müsste ich das nächste mal glaub nach Bolivien oder Paraguay in die Ferien (allerdings hats dort kein Meer) – da gibts auch noch für fast kein Geld viel Sause)

          • Linus Huber sagt:

            @ Marcel

            „Europa wünscht sich verzweifelt Inflation herbei, damit es nichtirgendwann endgültig im Schuldensumpf versinken wird.“

            Interessant, dass bei diesem Wunsch die Zinsrate vernachlässigt wird. Was Europa (auch das Fed) vor allem anstrebt, ist finanzielle Repression (reale Zinsen unter der Inflationsrate des Konsumentenpreisindexes). Europa mit einer Inflationsrate wie Argentinien würde kollabieren, denn die damit verknüpften Zinssätze (in Argentinien liegt z.B. der Zinssatz auf kurzfristige Anleihen bei über 20%) produzierte eine Welle von Konkursen. Stellen Sie sich vor, eine Hypothek von chf 500k erzeugte Zinskosten von chf 100k per Jahr oder eine Firma, welche die Hebelwirkung des Eigenkapitals mithilfe hoher Verschuldung hochfuhr und nun durch die Zinslast zerstört wird. Ein Inflationsschub von vielleicht 5%, was z.Z. niemand erwartet, aber was trotzdem durchaus je nach Verhalten der Zentralbanken im Bereiche des Möglichen liegt, würde wohl schon mehr als genügen um ein Desaster zu produzieren. Das Problem ist ja, dass Zinsen grundsätzlich nicht unter Null gehen könnten, solange kein sich entwertendes Bargeld zur Verfügung steht, weshalb die Idee des Bargeldverbots immer stärkeres Gehör in den Kreisen der Entscheidungsträger erfährt. Wie auch immer, die nächste Überraschung dürfte im unerwarteten Anstieg der Zinssätze liegen, welche im Bereiche „high yield bonds“ bereits seit einem Jahr durch ihr Ansteigen eine leicht sinkende Risikobereitschaft andeuten.

        • Marcel Senn sagt:

          Linus: Das ist mir schon klar, dass Europa bei 30% Inflation resp. den entsprechend hohen Zinsen implodieren würde — aber mal ehrlich – sind wir mit rund 300% WeltBIP Verschuldung (alle Akteure) nicht eh schon am Ende der Fahnenstange angelangt, Linus?
          Das Fast-nullzinsen in den westlichen Ländern und Japan, die Aufblähung der Zentralbankenasset auf über 25% des Welt-BIP sind alles Symptome, dass man das spätkapitalistische System in der heutigen Form als gescheitert bezeichnen muss. Den Anfang vom Ende hat die Hexe Thatcher am 27.10.1986 mit dem Big Bang eingeläutet, als sie ein finanzielles Paralleluniversum erschuf mit den bekannten Folgen – Booms and Busts seither.
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          In vielen Ländern wird jegliches Wachstum mittlerweile von diesem Paralleluniversum zu über 100% weggefressen durch Zinseszinsen, Schattenbankaktivitäten, Banksterboni etc. —- der einfache Angestellte wird immer weniger bekommen (v.a. drastisch im Wirtschaftswunder Deutschland mit 24% Niedrigstlöhnern mit Sklavenverträgen aller Art)
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          Das Krebsgeschwür Zinseszins (plus noch derivative Instrumente) hat das Zepter übernommen — Nullzinsen sind nur noch eine verzweifelte Chemotherapie, das Absorbieren der Zentralbanken Versuche die Metastasen operativ zu entfernen!
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          Die traditionelle Volkswirtschaftslehre (wie sie unsere oft unreflektierten HSGler immer noch auswendig lernen) hat längs wie mehr ausgedient — ein paar Gesetze werden immer noch gelten — aber solange die Effekte von Zinseszinsen und Verschuldung in vielen Schulbüchern noch ausgeklammert wird, ist das Experiment Spätkapitalismus als gescheitert zu betrachten — der Endkampf mag noch ein paar Jahre gehen, aber der Krebs wird am Ende siegen und das heutige System unter die Erde bringen — Don’t fight the laws of mathematics!!

      • Anh Toàn sagt:

        Die einzigen, welche es (vielleicht) schaffen, sich von der USD Dominanz zu lösen, sind die Europäer. Vive L’Euro!

      • Christoph Bögli sagt:

        Jaja, die ganze Misswirtschaft, Korruption und politische Unfähigkeit in Ländern wie Brasilien, Russland und auch China ist natürlich die Schuld der USA. Schön wenn man sich ein solch simples Weltbild aufbaut. Die Realität ist aber leider nicht ganz so einfach, gerade Brasilien und Russland sowie z.B. Saudi-Arabien haben es verpasst, die durch hohe Ölpreise geschaffene komfortable Situation in nachhaltiges Wirtschaftswachstum und gesellschaftliche Entwicklung umzumünzen. Dass diesen Ländern nun die selbst verschuldeten Probleme um die Ohren fliegen, ist nur konsequent. Zumal sich ja auch niemand anbietet, um die Dominanz des USD zu brechen. Der Euro wäre noch der beste Kandidat (gewesen), die Chinesen binden sich aus Eigennutz an den USD und den Rest kann man leider gleich vergessen..

        • Josef Marti sagt:

          Gesellschaftliche Entwicklung ist noch nie zustande gekommen, indem sich Länder durch das Ausland in Besitz nehmen liessen; das müsste inzwischen eigentlich jedem aufgefallen sein. Und schon gar nicht funktioniert dies, wenn die entwickelten Länder ihren Heimmarkt mit Protektionismus schützen und den anderen den nicht existierenden freien Markt predigen.

        • Maiko Laugun sagt:

          Habe in Saudi Arabien gelebt und gearbeitet. Ich weiss, wie es dort unten aussieht. Es wurde längst in Bildung, neue Finanz-Zentren und in Solar-Energie investiert, sogar (neu) in Tourismus. Letztes wäre früher undenkbar gewesen. Was sollen die sonst tun? Nachhaltige und gesellschaftlich entwickelnde Sand-Burgen bauen?

          • Marcel Senn sagt:

            Maiko: Ni Hao oder hola Dir auch
            .
            Nur wenn man so leistungsfreies Geld hat wie die Saudis und andere Golfstaaten, dann ist es auch einfach ein bisschen zu experimentieren mit begrünten Städten in der Wüste, Solarenergie liegt ja dort geradezu auf der Hand bei der Sonneneinstrahlung.
            Aber die sonstigen Perversitäten wie in Qatar und Dubai sind ja auch nicht wirklich nachhaltiges – das ist einfach grössenwahnsinnige Dekadenz mit den künstlichen Inseln, Fussball-WMs, grössten Shopping Zentern der Welt etc…ein paar Jahrzehnte wird dieses Märchen aus 1001 Nacht noch anhalten und dann müssen wieder Kamele getrieben werden….ich glaube nicht, dass die was nachhaltiges zustande bringen, dafür sind sie zu wenig innovativ und zu dekadent!

          • Maiko Laugun sagt:

            Hola Marcel, vielleicht ist ja die Selbsterkenntnis der Grund, dass zumindest in Saudi schon lange die Kamele (Aufstockung der Bestände) aus Australien importiert werden. Fast hätte ich geschrieben … repatriiert 🙂

        • Rolf Zach sagt:

          Die chinesischen Exporte sind anderes strukturiert als die Exporte von Japan und Südkorea. China ist die verlängerte Werkbank von Silicon Valley und in den einfachen Verbrauchsgüter der scharfen Konkurrenz von z.B. Indien, Bangladesh und der Türkei ausgesetzt. Deswegen der Beschluss der chinesischen Behörden auf den Status der Reservewährung zu verzichten und den Yuan abzuwerten.

    • Josef Marti sagt:

      Betreffend Abhängigkeit und Rohstoffe hat das B. Senf so formuliert:
      Nichts rechtfertigt die Tatsache, dass mit aus dem Nichts geschöpftem Geld Forderungen gegenüber Schuldnern – verbunden mit Zins, Tilgung und Sicherung – begründet und erbarmungslos eingetrieben werden. Entgegen allem vordergründigen Anschein, dass auf diese Weise eine Wert‐Schöpfung durch das Bankensystem stattgefunden habe, handelt es sich vielmehr um die Schaffung von Rechtstiteln (also rechtlich einklagbaren Ansprüchen) zur Wert‐Abschöpfung, das heißt von Werten, die in anderen Teilen der Volkswirtschaft oder Weltwirtschaft – zum Beispiel in Form von realen Gütern und Dienstleistungen – geschaffen wurden. Über die Geldschöpfung ist das Bankensystem in eine Rolle hinein gewachsen, die weit über die bloße Durchleitung von Spargeldern zu Kreditzwecken hinaus geht. Und kaum jemand hat es bemerkt, nicht einmal die meisten Ökonomen der letzten 250 Jahre.

      • Marcel Senn sagt:

        Genau Herr Marti – Seit 250 Jahren versucht der Kapitalismus uns weiszumachen, er könne sich über gewisse Gesetze der Mathematik hinwegzusetzen und diese ausser Kraft zu setzen. Für mich ein grösserer Frevel als jegliche Gotteslästerung!
        .
        Generationen von Oekononem wird dieses Paradigma auch heute noch an den Universitäten eingebläut und über 90% glauben das einfach unreflektiert, selbst heute noch, wo sich der Spätkapitalismus mit über 300% Weltbipverschuldung (alle Akteure) und historischen Nullzinsen langsam aber unweigerlich dem Tag des jüngsten Gerichts nähert, weil man die Göttlichkeit und Reinheit (v.a. Expositionelles Wachstum) der Mathematik eben nicht übertölpeln kann, wie gewisse Geister meinen.
        Da hat auch der relativ junge Exkurs der Hexe Maggie Thatcher seit 1986 mit ihrem totalen Kapitalismus inkl. Verhebelung, Spielmöglichkeiten gegen oben, unten, querdurch, 7-fach verschachtelte Derivaten und sonstigen Perversitäten nichts ändern! Die vermeintliche Magierin versuchte ein finanzielles Paralleluniversum zu erschaffen, ja es gelang ihr sogar vorderläufig, nur häuft sich die Krisenkadenz und Schwere der Krisen seither – seit dem schwarzen Montag 1987 wurde fast jede Krise immer teurer. (Great Bond Massacre 1994 1.5 Bio $, Dotcom 2001 5 Bio $, Krise 2008/9 6-8 Bio $, Krise 2015ff x Bio $)
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        Nein es müssen sogar noch Schulden (von Schuld – die Erbsünde) von 1712 aus der Südseeblase von England beglichen – Schulden verjähren in diesem kranken System nie — den Menschen Kredite aufschwatze und diese in Schuldknechtschaft zu halten ist das Prinzip und die vermeintliche Daseinsberechtigung des Systems.
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        Da aber die ersten Staaten schon Negativzinsen einführen mussten, die Zentralbankenbilanzen immer neue Höchststände erreichen, immer mehr Staaten in den nächsten Jahren gerettet werden müssen, und Wachstum nicht mehr der Bevölkerung sondern oft schon zu über 100% der Finanzindustrie zukommt, wird es dem Normalbürger immer schlechter gehen (z.B. in D mit schon über 24% Nidrigstverdiener, Zeitarbeitern, ausgebeutetet Praktikanten etc oder USA mit über 40 Mio Student-Loan Zinsknechten mit 4-6% Zins bei über 1.35 Bio $ Schulden und oft nur noch Aussichten als Low Jobber)!
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        Der Tag des jüngsten Gerichts an dem die Mathematik über unser System richten wird, rückt immer näher – und das wird hässlich werden.

        • Josef Marti sagt:

          Herr Senn, Stichwort Mathematik; Mathematiker haben sich bisher noch nicht gross zu Wort gemeldet, einer davon ist Jürgen Kremer. In seinen Modellrechnungen des Vergleichs verschiedener Haushaltsgruppen in einer Modellökonomie ohne Staat kommt er zu folgenden Schlussfolgerungen:

          1. Die aggregierten Sparguthaben einer Ökonomie entsprechen genau den aggregierten Schulden. Die Verzinsung von Sparkapital und der dadurch bedingte Anstieg der Sparguthaben erzwingt eine symmetrisch zunehmende Verschuldung und entsprechende Zinszahlungen der Unternehmen .

          2. Wächst das Bruttoinlandsprodukt weniger stark als die Zinsanteile, so verringern sich die Einkommen in der Ökonomie. In diesem Fall fließt ein größerer Teil des Bruttosozialprodukts über Zinszahlungen an die Geldkapitaleigner, während sich der Lohnanteil entsprechend verringert. Damit erzwingen Bestrebungen, den Zinsanteil im Bruttoinlandsprodukt zu begrenzen, ein ständiges Wirtschaftswachstum .

          3. Die Haushalte mit geringem Lohneinkommen können sich den Konsum bei wachsendem Zinsanteil im Bruttoinlandsprodukt zunehmend weniger leisten und verschulden sich schließlich. Dies kann als Verarmung oder als Beschäftigungslosigkeit charakterisiert werden. Die Verarmung eines zunehmend größeren Prozentsatzes der Haushaltsgruppen destabilisiert schließlich die Ökonomie .

          4. Gruppen mit vergleichsweise geringem Vermögen verfügen über geringfügige oder keine Zinseinnahmen, zahlen aber über ihren Konsum soviel Zinsen, dass sie Netto-Zinszahler sind. Bei Gruppen vergleichsweise vermögender Haushalte überwiegen dagegen die Zinseinnahmen über die Zinszahlungen. Diese Gruppe besteht aus Netto-Zinsempfängern. Damit fließt in der Ökonomie ein stetiger Zinsstrom von den Netto-Zinszahlern zu den Netto-Zinsempfängern. In Anlehnung an Adam Smith wird dieser Zinstransfer hier als eine andere unsichtbare Hand des Marktes bezeichnet. Es ist ein auf den ersten Blick nicht sichtbarer Umverteilungsmechanismus, dessen negative Auswirkungen bei hohen Wachstumsraten der Wirtschaft kaum erkennbar sind. Zerstörerisch wird dieser Mechanismus aber dann, wenn das Wachstum nachlässt.

          5. Die zeitliche Entwicklung von Einkommen, Vermögen und Konsum bleibt für jede Haushaltsgruppe stabil, wenn der Zinssatz der Ökonomie auf Null gesetzt wird. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn das Wirtschaftswachstum nachlässt oder stagniert.

          • Marcel Senn sagt:

            Herr Marti
            Ich als eher praxisorientierter Oekonome habe mir mal ein Weltbilanzmodell zusammengebastelt mit den 4 Aktivholdern: Privatvermögen (finanzielle und nichtfinanzielle basierend auf CS Wealth Report), NGO Vermögen, Staatsvermögen, Zentralbankvermögen — die Firmenvermögen habe ich zwar auch aufgeführt, aber dann wieder umgelegt auf Private und Staaten (NGO sind vernachlässigbar) da juristische Personen ja immer einen Eigner haben.
            Auf der Passivseite alle verschiedenen Schuldenformen (Staat, Privathaushalte, non-Fin Corps und Fin Corps, Zentralbankpassiven) – dann das „Eigenkapital der Menschheit“ Buchwerte aller Aktiengesellschaften und das „freie EK der Menschheit).
            Einigermassen plausibilisieren kann man diese Vermögen und Schulden ua. über die verschiedenen Assetkategorien: Bonds, Geld im engeren Sinne, Aktien, Privatschulden (Hypo, Kredite). Gut bei Staatsvermögen bleibe leider nur Schätzungen über Wert von Ländereien, Rohstoffen (wieviel und lange einsetzbar z.B. Oelvorkommen), Gebäude, Infrastruktur etc.
            .
            Zu Punkt 1: Aus theoretischer Sicht mag das stimmen, aber in der Praxis nicht — wenn z.B. Deutschland einen 10J Bond von 100 ausstehend hat, dieser aber auf dem Markt 153 Wert ist, dann ist das Sparguthaben des Bondholders z.B. Privatperson um 53 höher als die Schulden von D. Es gibt da meines Erachtens einige Nichtkongruenzen in dieser Theorie.
            .
            2. Dies stimmt – vor allem in letzer Zeit. Gemäss Herr Prof. Dr. Berger hat z.B. D vor einigen Jahren diese Schwelle überschritten, da kann Mutti Merkel noch solange Wachstum herbeireden, die Lohneinkommen sinken, was die zunehmenden Niedrigstverdiener (rund 24% – Tendenz weiter steigen) auch in der Praxis zunehmend bestätigen – das Wachstum fliesst zu über 100% in die Taschen der Kapitaleigner resp. Finanzindustrie
            .
            3. Völlig einverstanden
            .
            4. Lesen Sie Adam Smith nochmals — die unsichtbare Hand hat er genau 3mal erwähnt in seinen Werken (und nur einmal in Wealth of Nations) in anderen Zusammenhängen – fast keine andere ökonom. Methapher wird so oft falsch zitiert wie diese!
            https://de.wikipedia.org/wiki/Unsichtbare_Hand
            Aber sonst einverstanden mit Ihnen.
            .
            5 Ja ohne Zinsen hätten wir einige Probleme weniger auf dieser Welt und auch vermutlich eine gerechtere Welt

          • Rolf Zach sagt:

            Erinnert mich stark an das Gesetz von Keynes, Sparen gleich Investieren. sonst gibt es Probleme. Hat auch den Pigou Effekt über sinkende Löhne befeuern die Konjunktur ad absurdum geführt in seinem epochemachenden Werk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“. Die Investitionen lösen den Multiplikator-Effekt aus und die Nachfrage ist zentral und nicht das Angebot. Das Problem heute ist, daß richtigerweise die Zinsen tief sind, aber nichts unternommen wird um die Einkommensverteilung für den privaten und staatlichen Konsum zu verbessern. In einem reichen Industriestaat sind auch die staatlichen Investitionen fast wichtiger als in einem Entwicklungsland. Der Nachteil bei Keynes sind kleine Wirtschaftsräume, dort funktionieren seine Theorien nicht so gut, dafür um so besser in Wirtschaftsräumen wie die Euro-Zone, USA, China und Indien.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Solange Kapital noch und nöcher verhätschelt wird (in der CH z.B. mit der unseligen UST II) und Arbeit immer mehr versteuert wird, wird die Einkommensverteilung auch weiterhin zunehmend ungleicher werden, das ist die logische Konsequenz.
            Die Lobby der Bankster, des Grosskapitals ist bei den Politikern so stark, dass sich deren Interessen auch weiterhin durchsetzen werden, zumal viele Politiker eh nur korrumpierte Zeitgenossen sind, die primär an ihre Politkarriere und Portemonnaie denken und das Volk ist nur Mittel zum Zweck – von Volkswohlergehen ganz zu schweigen.
            .
            Irgendwann werden wir einfach wieder mal 1789 haben — noch kann man das Volk stillhalten mit ein paar Gratisgadgets wie Facebook, Internet, dümmlichen Fernsehshows etc… aber wie lange noch?

          • Josef Marti sagt:

            Mit der USTR III wird noch ein weiteres Tüpfelchen draufgesetzt: Die Kantone müssen dann vom Bund für die Ausfälle subventioniert werden, dass geht auf Dauer nur mit weiteren Konsum und Verbrauchssteuern, Gebühren und Abgaben, Kürzung von Pendlerabzug etc. etc. alles zulasten der Konsumenten und Lohnabhängigen.

        • Linus Huber sagt:

          „Die zeitliche Entwicklung von Einkommen, Vermögen und Konsum bleibt für jede Haushaltsgruppe stabil, wenn der Zinssatz der Ökonomie auf Null gesetzt wird.“

          Der Islam verbietet grundsätzlich das Erheben von Zinsen (Wo ein Willie ist ein Weg, sodass auch diesbezüglich von der ach so innovativen Finanzindustrie Wege der Umgehung gefunden wurden). Das heisst jedoch nicht, dass Kapital gratis zur Verfügung gestellt wird, sondern dass es das Anrecht auf einen Teil des Gewinns eines Projektes oder einer Firma beansprucht (ähnlich der Dividende). Was hingegen dadurch geschwächt wird, ist der Anreiz, Konsum via Schulden zu finanzieren, da sich daraus keine Gewinne erzielen lassen, wobei dieser Aspekt oft durch entsprechende staatliche Programme kompensiert wird.

          • Josef Marti sagt:

            Ja. Stellen Sie sich vor wenn der Konsum auf Pump aber auch Immobilien auf Pump unterbunden würden, das gäbe eine massive Wachstumsbremse. Das Baugewerbe und die Autoindustrie hätten nur noch halb soviel Umsätze.
            Kremer sagt: Wenn das Bruttosozialprodukt über die Zeit mehr oder weniger konstant bleibt, die gezahlten Zinsen aber aufgrund des Zinseszinseffektes ansteigen, dann müssen die Gesamtlöhne in der Ökonomie sinken. Wenn man dies vermeiden möchte – und sinkende Löhne bedeuten ja, dass sich bestimmte Haushalte ihren Konsum nicht mehr leisten können – dann muss man zwingend ein Wachstum in der Ökonomie haben. Das heißt, das weltweit dominierende ökonomische System bedeutet Wachstumszwang für jede Ökonomie, und zwar exponentielles Wachstum. Andernfalls läuft man in eine lange Phase von r > g.
            Wie man gerade sieht, wenn China nur noch 4-6% wächst wird bereits Alarm geschlagen.

          • Rolf Zach sagt:

            Der Islam ist nun wirklich in der Wirtschaftstheorie nur gut für eine Gesellschaft von Nomaden die Handel treiben. Natürlich ist im AT der Schäfer Abel der Gute und Bauer Kain der Böse. Aber Kain war der Fortschritt, daß es so viele Menschen geben konnte und nicht der gute Abel. So denkt auch der Islam heute oder wenigstens seine schärfsten reaktionären Denker. Die anderen, für die die Erklärung der Zivilisation komplexer und vielfältiger ist, leben im Westen oder schweigen aus Furcht in den islamischen Gebieten. Man kann es auch so kurz zusammenfassen. Nach den arabischen Eroberungen hat der Islam Aristoteles entdeckt, hat ihn im Spätmittelalter aus seiner Geisteswelt wieder heraus bugsiert um ihn erneut im 19. Jahrhundert zu holen. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird er erneut verbannt und dies stark in den letzten beiden Jahrzehnten.

        • Josef Marti sagt:

          Schön zusammengefasst hier: Köstliche Tirade gegen Schröder/Fischer
          https://www.youtube.com/watch?v=uR2pIjtRDbI

        • Marcel Senn sagt:

          Herr Marti: Genau unter anderem aus diesem Grund schreiben wir uns ja auch in diesem Blog die Finger wund, dass mal etwas Aufklärung in die Schweiz resp. die Welt kommt — auch wenn vermutlich immer dieselben NMTM anklicken.
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          Ich hoffe immer noch auf einen Schmetterlingseffekt, dass irgendwann weite Teile der Bevölkerung auf eine höhere Oekonomische Bewusstseinsstufe kommen und erkennen was falsch läuft!
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          Immerhin hat die Finanzkrise 2008/09 und die Schuldenkrise in Europa mal die Alarmglocken bei einigen läuten lassen, aber gewisse veraltete ökonomische Paradigmen halten sich hartnäckig — da muss wohl zuerst ein grosser Crash mit Depression etc. kommen, bevor sich wirklich was ändert!
          Gut auf Youtube gibt es ja mittlerweile x Vorträge von Prof Senf, Berger, William White, Hörmann etc etc die andere Wirtschafts- und Geldsysteme vorschlagen…theoretisch wäre viel möglich, aber in der Praxis wird das ein knallharter Machtkampf um die Pfründe geben…
          .
          Unsere Politiker (mit wenigen Ausnahmen) im BR/SR/NR sind noch lange nicht soweit – die träumen noch vor sich hin, es würde ewig so weitergehen können und fällen dann solche Entscheide wie die UST’s

          • Linus Huber sagt:

            Das gegenwärtige System verhindert natürlich auch die Schumpeter’sche schöpferische Zerstörung, indem die Umverteilung des Risikos auf die Allgemeinheit in vielen Bereichen institutionalisiert wurde. Zu einem schönen Teil würde diese gelegentliche Zerstörung den Zinseszinseffekt aufheben; allerdings sind dabei die angestrebten Inflationsziele (des cpi) nicht realisierbar, welche als politischer Auftrag und als Hauptbegründung der gegenwärtigen Geldpolitik fungieren. Ich teile nicht die oft vertretene Meinung, dass ohne verhältnismässig zunehmende Verschuldung (im Verhältnis zum gdp) kein Wachstum stattfindet, sondern dass das nominale Wachstum zwar schwächer ausfallen würde, jedoch von höherer Qualität und nachhaltigerer Natur sein dürfte. Ja, wenn weniger oder kein Kredit in den Konsum geflossen wäre, hätte man weniger Wohnraum und weniger Autos über die vergangenen Jahrzehnte produziert, aber wäre dies derart schrecklich wenn z.B. keine un- oder schwach benutzten Flughäfen, Autobahnabschnitte, Brücken ins Nirgendwo, und Geisterstädte bestehen würden, oder wenn die Jungen sich nicht problemlos mithilfe von Sozialleistungen, da die Grundlage eines derart ausgebauten Wohlfahrtsstaates in einem nachhaltigen System fehlen würde, schon mit 18 von Zuhause absetzen könnten etc. etc.? Vielleicht liegt es in der menschlichen Natur, dass wir uns aufgrund, historisch betrachtet, kurzfristig orientierten Vorteilen von grundlegenden Prinzipien noch so gerne distanzieren und damit jedes System korrumpieren, woraus sich die politischen Zyklen bilden, in welchen die auftretenden Verwerfungen entsprechend höher ausfallen, je länger man sich an fehlerhafte Theorien klammerte und je höher die Abweichung von grundlegenden Prinzipien sich entwickelte.

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