Die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft

Federal Reserve

Erhöht sie im nächsten Jahr die Zinsen? Die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hat die Erwartungen jedenfalls nicht gedämpft. Foto: Keystone

Der amerikanische Investor Warren Buffett liebt Bonmots. Eines davon: «Erst bei Ebbe zeigt sich, wer ohne Badehosen schwimmt.»

An den Weltfinanzmärkten findet derzeit eine der wichtigsten Gezeitenänderungen seit Jahren, möglicherweise sogar seit Jahrzehnten statt. Der Grund: Der Dollar steigt.

Seit Mitte 2014 hat der Dollar-Index, der den handelsgewichteten Wert der amerikanischen Währung zeigt, um rund 12 Prozent zugenommen. Einer der Gründe für den Dollaranstieg ist die an den Finanzmärkten mittlerweile fest verankerte Erwartung, dass die US-Notenbank im kommenden Jahr beginnen wird, die Zinsen zu erhöhen.

Am Mittwoch hat Fed-Chefin Janet Yellen keine Andeutungen gemacht, dass diese Erwartung verfehlt sein könnte. Daher gilt: Die Aussicht auf höhere Zinsen zieht Kapital in die USA.

Wieso aber ist ein steigender Dollar ein Problem für das Weltfinanzsystem?

Die Antwort ist so simpel wie beängstigend: Zahlreiche Unternehmen aus Schwellenländern (Emerging Markets) von Brasilien bis China haben sich im Verlauf der vergangenen fünf Jahre einem beispiellosen Kreditexzess hingegeben (in diesem Blogbeitrag mehr zu dieser monströsen Entwicklung). Sie haben sich verschuldet. Und das in Dollar, einer Währung, die nicht ihre eigene ist.

Es ist immer eine potenzielle Gefahr, wenn man sich in einer fremden Währung verschuldet. Steigt nämlich der Wert dieser Währung in Relation zur Heimvaluta, so steigt die Schuldenlast für den Schuldner (hier mehr zu dieser «Mutter aller Sünden»).

Und genau das geschieht in den Emerging Markets momentan. Die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen sich in ihrem aktuellen Quartalsbericht überaus besorgt über diese Entwicklung.

Zunächst einige Zahlen (Quelle: BIZ):

  • Das Gesamtvolumen an Dollarkrediten, die in Emerging Markets gewährt wurden, hat sich seit 2009 auf 4000 Milliarden verdoppelt. Kredite an Finanzinstitute sind in dieser Summe nicht enthalten.
  • Chinesische Unternehmen haben aktuell Dollarschulden von 1100 Milliarden ausstehen. Vor fünf Jahren waren es nahezu null.
  • Russische Unternehmen sind mit 751 Milliarden Dollar verschuldet.
  • Brasiliens Dollarschulden belaufen sich auf 461 Milliarden oder 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes.
  • Mexikos Dollarschulden belaufen sich auf 381 Milliarden oder 30 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Auch Staaten wie Kolumbien und Indonesien sind betroffen.

Nun sind die Währungen all dieser Staaten gegenüber dem Dollar ins Rutschen geraten, wie der Kommentator Grant Williams in seinem stets sehr lesenswerten «Things That Make You Go Hmmm…»-Report zeigt.

Hier der Kursverlauf des russischen Rubels und des brasilianischen Reals:

Hier der mexikanische Peso:

Und hier, am wichtigsten, der chinesische Renminbi zum Dollar:

All diese Währungen werten sich gegenüber dem Dollar ab. Jahrelang hat sich der Renminbi aufgewertet, doch nun hat ihn die People’s Bank of China bewusst etwas abschwächen lassen.

Für die in Dollar verschuldeten Unternehmen von Brasilien bis China ist das eine brutale Entwicklung. Sie erwirtschaften ihren Cashflow in ihrer Heimwährung, doch ihre Verbindlichkeiten müssen sie in Dollar bezahlen. Möglicherweise werden sich daher schon bald die Schlagzeilen häufen, wonach Grosskonzerne aus Emerging Markets Mühe bekunden, ihre Schulden zu bezahlen.

Paradoxerweise wird das den Dollar noch weiter stärken, denn mit den ersten Anzeichen einer Finanzkrise in den Schwellenländern wird sich die Kapitalflucht in den sicheren Hafen der USA noch beschleunigen. Ein Teufelskreis von steigendem Dollar, steigenden Zahlungsausfällen und Kapitalflucht wäre die Folge.

Russell Napier, der unabhängige Marktstratege (hier seine Website) und langjährige Chefaugur von CLSA Asia-Pacific Markets, führt in diesem Interview mit den Kollegen Hanspeter Frey und Peter Rohner im Detail aus, weshalb der Dollarboom gegenwärtig eine der grössten Gefahren für das Weltfinanzsystem darstellt.

Wenn die Bewegung einmal im Gang ist, lässt sie sich kaum mehr stoppen.

Schon bald dürfte sich also zeigen, wer ohne Badehosen schwimmt.

Hier noch einige Links in eigener Sache:

53 Kommentare zu «Die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft»

  • Josef Marti sagt:

    Der $ hat noch nicht ausgedient.
    Im Gegensatz zum Euro ist er nicht von innen bedroht. Der Währungsraum der USA kommt den Kriterien für einen optimalen Währungsraum (R. Mundell) so nahe wie kein anderer in der Welt. Er verfügt über eine nahezu gleich grosse Mobilität von Kapital und Arbeit im Gegensatz zum sozialstaatverwöhnten Europa.
    Es gibt anders als in der Eurozone kein bail-out konkursbedrohter Bundesstaaten. Droht einem von diesen Zahlungsunfähigkeit, so muss er alleine damit fertig werden, ohne Zuschüsse des Bundes oder anderer Bundesstaaten. Der Konflikt zwischen Geld- und Fiskalpolitik ist für die USA ausgeschlossen. Fed und Regierung können am selben Strang ziehen betr. Geld und Staatsfinanzen; die USA sind also ein nationaler und zentralistisch regierter Bundesstaat im Gegensatz zu EU.
    Die chronisch passive Leistungsbilanz bleibt Grundlage und Stütze des American Way of Life solange es wie bisher gelingt das Auslandsdefizit durch Kapitalimport auszugleichen.

    • Marcel Senn sagt:

      Marti: Von allen US-$ Noten im Gesamtwert von 1.2 Bio $ sollen sich rund 50 Mrd oder 4.2% in Matrazen, Safes, Erdlöchern, Schliessfächern etc. bei uns in Argentinien befinden. Das ist doch eine erstaunlich hohe Menge, aber angesichts von 2001 und dem damaligen Einfrieren der $ Guthaben bei den Banken, bringt kein Argentinier mehr sein Geld auf die Bank. Und da der arg. Peso mittlerweile ziemlich schwundsüchtig (30-40% Inflation pa) geworden ist, auch nicht verwunderlich – zum sparen – da hilft auch die neue Minimalzinsrate von 22.89% für Kleinsparer nicht wirklich allzuviel (die Regierung meldet ja immer viel zu tiefe Inflationsraten – darum entsprechen die Zinssätze auch nicht der realen Inflation).
      .
      Aber ich gebe Ihnen recht, der Dollar wird uns allen Unkenrufen zum Trotz vermutlich noch sehr lange erhalten bleiben – mit der mächtigsten Armee der Welt sind die besser gebackt, als man dies z.B. mit Gold jemals tun könnte. Zudem machen die gesamten US Nettovermögen (Private, Staat, NGO inkl. Mobilien / Immobilien) mit rund 124 Bio $ (inkl. 12 Bio ausländische Investitionen) zw 25-30% der gesamten Weltnettovermögen aus – aktuell sicher auch etwas hochgepimpt dank Aktien und Bondnotierungen.

    • Walter Bernstein sagt:

      Josef Marti, 18:22
      Der US-Währungsraum hat noch einen anderen, entscheidenden Vorteil gegenüber der EUR-Zone:
      In den USA gibt es auch erhebliche Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Bundesstaaten. Aber die armen Bundesstaaten wissen genau, dass niemand ihre Anpassungskosten bezahlen wird. Entweder erhöhen sie selbst ihre Wettbewerbsfähigkeit, oder sie gehen pleite.
      Alabama käme niemals auf die Idee, penetrant die Federal Reserve zu erpressen, oder Geld von Minnesota zu erbetteln.
      Das nennt man Eigenverantwortung.
      Und da sind die USA der EUR-Zone weit voraus.

      • Linus Huber sagt:

        „Alabama käme niemals auf die Idee, penetrant die Federal Reserve zu erpressen“

        Nein, diese Funktion hat die Legislative kontrollierende Anzahl der Grossbanken wie GS, Citi, JPM übernommen.

      • J. Kuehni sagt:

        @Bernstein:

        Die fiskalische „Selbständigkeit“ der US-Bundesstaaten wird doch erheblich relativiert, wenn man berücksichtigt, dass nicht nur die Renten, sondern auch viele Sozialprogramme bundesweit garantiert werden. Austeritätsdeutsche (und steuerwettbewerbsgläubige Schweizer) würden sowas als „Transferunion“ bejammern. Und wenn dann noch ruchbar wird, dass Leute, die in den USA ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können, zwar ihr Haus verlieren, danach aber einfach schuldenfrei davonlaufen und anderswo ein neues Leben anfangen dürfen, kriegt wohl so mancher deutschsprachige Schuld(en)moralhüter einen milden „Stroke“. Gott bewahre uns davor, dass auch Gläubige(r) die Verantwortung für ihre Taten tragen müssen…

        Was den immer wieder bemühten, mundellschen Währungsraum betrifft: Der existiert eben nur als theoretisches Konstrukt, genauso wie der perfekte Markt oder das sozialistische Arbeiter- und Bauernparadies. Nach Mundell’s Kriterien hätte man weder den USD und schon gar nicht den CHF jemals einführen dürfen, zumal viele „Voraussetzungen“ erst im Nachhinein, nur graduell oder gar nie erfüllt worden sind. Wie bei anderen ökonomielastigen Theorien geht auch da die geopolitische Dimension völlig vergessen.

  • Nachgefragt sagt:

    @Dittli: Manche der exportorientierten Schwellenland-Unternehmen haben Einnahmen in USD, damit können sie ihre USD-Schulden gut bedienen. Hilfreich wäre eine sorgfältigere Analyse des Ausmasses des Problems, d.h. wie viele USD-Schulden werden von eher binnenlandorientierten Unternehmen gehalten?

    • Walter Bernstein sagt:

      Nachgefragt, 16.45
      Der russische Staat profitiert sogar vom steigenden Dollar:
      Denn sein Öl verkauft er für harte USD, aber seine Ausgaben hat er in abgewerteten Rubel.

      • Walter Bernstein sagt:

        Apropos Russland:
        Diesmal wird es für die Schweizer Banken eng:
        Sie haben Russland 4,7 Milliarden EUR ausgeliehen.
        Die deutschen Banken haben Forderungen von 15,8 Milliarden EUR, die französischen von 37,1 Milliarden EUR.
        Relativ gesehen sind die Schweizer Banken also wieder mal sehr viel stärker engagiert als die deutschen.
        Und diesmal gibt es keine EZB, die der Schweiz die Kohlen aus dem Feuer holt.
        Aber es gibt einen Trost: Den österreichischen Banken schuldet Russland 14,6 Mrd. EUR.

  • ast sagt:

    „Wenn die Bewegung einmal im Gang ist, lässt sie sich kaum mehr stoppen“

    Die Inflation fällt nun vermutlich über die Schwächsten her, nachdem die Deflation im Westen ihr den Weg geebnet hat.
    Entgegen den mächtigsten Staaten wie USA und Europa sind diese Länder dann aber kaum in der Lage den Ballast auf Andere abzuwälzen.

    Es wäre besser man würde diese Entwicklung so gut wie möglich vermeiden, denn eine Welt mit noch mehr unregierbaren Staaten könnte für die ganze Menschheit gefährlich werden.

    • Walter Bernstein sagt:

      ast, 14.47
      Inflation trifft immer die Schwächsten, denn die Reichen besitzen Sachwerte.
      Bei hoher Inflation ist der Effekt besonders gut zu beobachten: Das Geld wird permanent weniger wert, aber die Löhne werden nur einmal im Jahr angepasst. Verzögert und nachträglich.

      Inflation führt auch nicht zu staatlicher Entschuldung, denn bei steigender Inflation wollen die Gläubiger immer höhere Zinsen vom Staat. Es sei denn, die Gläubiger halten langfristige Staatspapiere – dann können sie kaum reagieren.
      In der aktuellen Niedrigzinsphase sind die meisten Gläubiger aber kurzfristig investiert.

      Ausserdem ist der Grossteil der Staatsverschuldung implizit, und damit vom Geldwert entkoppelt.
      Z. B. künftige Rentenzahlungen. Also auch hier keine bequeme Entschuldung durch Inflation.

      • Josef Marti sagt:

        GB nach dem 2. WK ist ein Musterbeispiel der Entschuldung durch Inflation. Höhere Zinsen der Neuverschuldung ändern nichts an den alten Schulden. Auch Neuverschuldung ist unproblematisch wenn die Einkommen inflationsbedingt ausreichend steigen. Wer sagt Ihnen, dass die künftigen Renten der Teuerung voll angepasst werden, das ist alles andere als sicher? Gerade die Rentenverpflichtungen sind am besten geeignet um den Staat mit hoher Inflation zu entschulden zulasten der dann verhungernden Rentner.
        Inflation ist auf sehr lange Sicht das beste Mittel der Staatsentschuldung wenn man zu den Leitwährungen gehört. Die USA wird künftig mit diesem Mittel sich langfristig entschulden sofern die Konjunktur und das Zinsniveau stark anziehen sollte.

        • Linus Huber sagt:

          @ Josef

          Ich bezweifle, dass die heutigen Parameter, wie z.B. die Private Verschuldung, die Erwartungshaltung der Bevölkerung, der gesellschaftliche Zusammenhalt, das internationale Umfeld etc. etc. es zulassen, das Beispiel der Entschuldung von GB in die heutige Zeit zu übertragen. Die dauerhafte Inflation hat uns in die heutige Situation geführt und führt zu einer immer weiteren Öffnung der Schere zwischen den 0,1% und dem Rest der Gesellschaft. Das sparhafte Verhalten nach dem Krieg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eher ins Gegenteil entwickelt.

  • Marcel Senn sagt:

    Der Link zum Chart „die Mutter aller Sünden“ – nämlich niemals Kredite in Fremdwährungen aufzunehmen ist doch sehr eindrücklich. Der US-$-Index hat sich seit Mitte 2011 zwischen 74 und 83.4 bewegt – seit Mitte 2014 ist der steil nach oben ausgebrochen und ist aktuell bei 89.50.
    Angesichts der globalen Verschulundung von non-fin-Krediten von 9 Bio $ (davon 4 Bio $ an Emerging Market) ist die Schmerzgrenze vermutlich heute schon erreicht, wenn der $ nochmals 10-20% zulegen sollte, dann wird es für so manches Land eng angesichts der horrenden Schulden, ein zusätzlicher Zinsanstieg wäre dann vermutlich der Todesstoss.
    Die aktuell fallenden Rohstoffpreise neutralisieren den $ Effekt zur Zeit teilweise – sowohl für Exportländer als auch für Importländer!
    Aber Herr Dittli hat mit seinem Kommentar durchaus recht, wenn der US-$ Index noch weiter steigt, dann wird es ganz eng für grosse Teile der Welt und die Amis werden trotz der horrenden Schulden vorest vordergründig wieder mal fein raus sein. Die einzige Möglichkeit wird vermutlich eine BRICS – Gegenwährung sein (auch wenn viele der BRICS Länder aktuell selber am schwächeln sind). Und wenn die asiatischen Länder (v.a. China) keine US Treasuries mehr kaufen, dann werden auch die Amis zunehmend ein Finanzierungsproblem ihrer eigenen Schulden bekommen. Die FED ist auch schon eher am Limit mit Aufkäufen der US Schuldpapiere…
    Dann stellt sich die Gretchenfrage — wer finanziert den Amis deren übermässigen Lebensstil noch in Zukunft!

    • Maiko Laugun sagt:

      „..Gretchenfrage..“ Den USA ist es egal, WER das finanziert. Sie werden alles daran setzen, dass jemand weiterhin dafür bezahlt. Das lässt wenig Gutes erahnen.

    • Rolf Zach sagt:

      @ Marcel Senn
      Wir müssen der Tatsache in Auge blicken, dass der US Dollar nach wie vor die massgebende Währung des Welthandels ist. Der Euro spielt ihm gegenüber trotz Zunahme seiner Bedeutung eine lokal europäische Bedeutung, aber in keiner Weise weltweit. Es wird auch von Ländern in US Dollar abgerechnet, deren Aussenhandel und deren Finanz-Transaktionen wenig Bezug zu den Vereinigten Staaten haben. Warum? Alle diese BRIC Staaten beweisen mit ihren Problemen im internen gesellschaftlichen Aufbau, in ihrer Exporttätigkeit, die sie nur mit Rohstoffen oder mit ständigen Abwertungen(ausser China) aufrechterhalten können, dass sie nicht fähig sind das notwendige Vertrauen zu erlangen um eine ihrer Währungen als Reserve-Währung fest zu verankern. Geschätzte 440 Milliarden $ war das Leistungsbilanz der USA 2012,hat sich aber seitdem merklich zurück gebildet. Es besteht meiner Ansicht nach eine Korrelation zwischen der Höhe des Leistungsbilanz-Saldo der USA und dem Wachstum der Weltwirtschaft. Wenn sich die gegenwärtige Entwicklung der Abnahme des Leistungsbilanz-Defizit der USA fortsetzt und etwa bei 150 Milliarden $ verbleibt, werden wir noch lange im Dollar-Standard leben. Die Gretchen-Frage ist dann, wo sind die Renditen höher, in den Schwellen-Länder oder in den USA. Wenn die BRIC nicht transparent sind und ihrer oft willkürlichen Rechtsstaatlichkeit und ihrem autoritärem Gehabe mit Korruption weiterhin nachgeben, werden sie dieses Rennen zum unser aller Schaden verlieren.

    • Walter Bernstein sagt:

      Marcel Senn, 14:26
      Das ist völlig richtig. Diese „Sünde“ hat leider Tradition:
      Um die Jahrtausendwende verschuldeten sich „kluge“ Leute in JPY und kauften dafür hochverzinsliche Anleihen (Ukraine, Argentinien usw.).
      Halb Osteuropa hat sich in CHF verschuldet, und auch in Deutschland wurde diese Finanzierungsform aggressiv vermarktet („Es kann doch gar nichts passieren: Die Zinsen sind niedrig, und das Währungsrisiko ist völlig vernachlässigbar.“).
      Leider sind die meisten damit auf die Nase gefallen – mit Ausnahme der deutschen Grenzgänger, die ihre Einnahmen in CHF erzielen.

      Was lernen wir daraus?:
      Der Mensch glaubt immer, schlauer als alle anderen zu sein. Und er glaubt unbeirrbar an“todsichere Tipps“.
      Er glaubt, alle Märkte und Abläufe genau zu verstehen, und in die Zukunft blicken zu können.
      Er glaubt an sein Glück, obwohl die Chancen gering sind (nur darauf beruht der Erfolg der Lottogesellschaften).
      Wenn es Verluste gibt, klagen und jammern diese Klein-Spekulanten (und nichts anderes ist die Aufnahme eines FW-Kredits: Reine Spekulation!); Schuld ist dann immer der Staat, die Bank, und noch viele andere. Aber niemals sie selbst (PS: Und wer bitte hat den Fremdwährungs-Kreditvertrag unterschrieben?).
      Wenn er mit JPY- CHF- und USD-Krediten Verluste hatte, versucht es der Mensch eben diesmal mit CNY. Oder mit NOK.
      Und noch eine Lehre am Rande: Bankberater sind nicht dazu da, den Menschen die Risiken aufzuzeigen, sondern den Gewinn der Bank zu optimieren.

  • Beate sagt:

    Kaufkraft sollte durch steigende Löhne nicht durch steigende Kredite geschaffen werden.

    Letztlich ist die Ungleichheit in den USA der Grund allen Übels.

    • Linus Huber sagt:

      Kaufkraft erhöht sich aufgrund von Produktivitätssteigerungen und den damit verbundenen reduzierten Kosten von Produktion und damit fallenden Preisen für Produkte und Dienstleistungen. Ein natürlicher Prozess, welcher einzig durch die inflationäre Geldpolitik mit dem Ziel einer positiven Inflation der Konsumentenpreise gestört wird und dadurch entsprechende Verzerrungen verbunden mit den begleitenden Boom/Bust-Zyklen erzeugt.

      • J. Kuehni sagt:

        @Huber: Re Kaufkraftsteigerung durch Produktivitätssteigerung:

        Die noch vor der Krise08 statistisch ruchbar gewordene Entkoppelung von Lohn- und Produktivitätswachstum reduzieren ihren „natürlichen Prozess“ doch eher zum (sozial)demokratischen Nachkriegsphänomen.

        Sie vergessen ganz einfach, dass die Früchte der Produktivitätssteigerung auch noch breit verteilt werden müssen, damit sich die Kaufkraft tatsächlich erhöht. Alle Indikatoren zeigen die gegenteilige Entwicklung, seit der Krise noch verstärkt: 0.1% der Bevölkerung schneidet sich ein immer grösseres Stück von Kuchen ab, während der Kuchen nur unwesentlich wächst, oder gar schrumpft. Da geht ihre Kaufkraft mitsamt dem Steuersubstrat zur Aufrechterhaltung der Zivilisation flöten, auch der spendierfreudigste Multimilliardär erbringt nun mal nicht dieselbe „Demand“-Leistung wie Tausende oder Millionen normale Haushalte, die mangels adäquatem Lohnwachstum ihren Lebensstandard – guess what – mit Konsumkrediten zu halten versuchen. Wer diese Kredite wiederum vergibt; dürfen Sie 3x raten.

    • ast sagt:

      @Beate
      Grundsätzlich wird sich aus den Löhnen alleine in Zukunft leider kaum die Wirtschaft genügend stützendes Potential erhalten lassen. Das mit den Krediten ist aber auch nicht ganz der richtige Weg, da gebe ich Ihnen recht.

      Es wird aber in Zukunft nicht genügend Arbeit für alle geben, dagegen stehen Automatisierung und Rationalisierung von Arbeitsprozessen. Da muss nun schnell eine Lösung gefunden werden, denn bereits der nächste Schub wird vermutlich eine Robotertechnologie bringen die Millionen von Arbeitsplätzen ersetzt.

      Ich schätze, dass die nächsten grossen Umwälzungen durch Automaten die Landwirtschaft betreffen dürfte, sowie auf dem Bau. Es gibt jetzt schon Rasenmäh-Roboter, aber in 30 Jahren dürften die Maschinen in der Lage sein alle Arbeiten auf dem Ackerland ohne Bauer zu verrichten. Die Baustellen dürften dann einerseits durch Module automatisiert worden sein, andererseits durch Installationsmaschinen. Bereits in 50 Jahren dürften die meisten Kleinprodukte mit einer Art 3D-Drucker gebaut werden können, Fabriken werden überflüssig. Da muss man sich schon was einfallen lassen um den Menschen ihr Einkommen erhalten 😉

      • Josef Marti sagt:

        Das dürfte dem Bauer ziemlich wurst sein wenn er keine billigen Polen und Portugiesen mehr braucht. Die subventionierte geschützte Scholle mit Direktzahlungen, Familienzulagen, Schutzzöllen, Produktkontingenten etc. bleibt vorläufig das absolut sicherste, zumal auch kein Inländer die Scholle konkurrenzieren kann.
        Die Übrigen werden sich wohl oder übel Beschäftigung in der Unterhaltungsindustrie als Komparsen in reality Soaps finden müssen, Dschungelcamp usw.

  • seebueb sagt:

    Eine Kursentwicklung, wie sie der Artikel prognostiziert, hatten wir wir vor 15-20 Jahren schon einmal:
    Der USD stieg von 1995-2000/01 um gegen DEM und CHF um etwa 70%. Allerdings eilte damals das US-Leistungsbilanzdefizit von Rekord zu Rekord, was die Begründung mMn klar widerlegt.

    Meine Vermutung (ich finde leider keine Zahlen) ist, dass damals die Kapitalbilanz der eigentliche Grund für den Dollar-Anstieg war, weil riesige Beträge dem Internet-Boom bzw. der Kursexplosion der Unternehmen folgten und ihn zusätzlich befeuerten. Mit dem Platzen der Blase kehrte sich dieser Strom (was davon übrig blieb) um und sorgte für eine fallenden Dollar bzw. verstärkte den Sturz.

    • Marcel Senn sagt:

      Seebueb: Wenn man über seine Verhältnisse lebt wie die Amis seit Jahrzehnten und dazu noch die Weltleitwährung hat, so kann man doch das Leistungsbilanzdefizit durch einen starken US-$ doch ziemlich mindern. Für den Ami ist ein $ ein $ – aber wenn er sich dafür mehr Waren und Dienstleistungen kaufen, dann macht eine $-Aufwertung für die Amis durchaus Sinn.
      Zumal der US Export mit rund 14% des GDP im Vergleich zu anderen Ländern eine eher untergeordnete Bedeutung hat.

      • Josef Marti sagt:

        Vielleicht sollte Hollywood und das Silicon Valley mehr unter Druck gesetzt werden, für deutlich mehr Exporte zu sorgen, damit wir und die ganze Welt noch mehr von diesem Mikrowellenfastfood über uns ergehen lassen dürfen.

  • Maiko Laugun sagt:

    Wie kann der Rest der Welt so dumm sein und sich den US$ (plus Petro Dollar) als Leitwährung diktieren zu lassen – oder noch schlimmer, sich freiwillig zu unterwerfen. Kommt mir vor wie ein religiöser Akt. Man vertraut einer Religion, dessen Messias und lässt sich freiwillig knechten. Hoffnung sehe ich einzig in der neu gegründeten Development Bank der BRIC Staaten. Diese scheinen den Zeitgeist erkannt zu haben und bilden ihre eigene Religion. Bleibt zu hoffen, dass dies tatsächlich dereinst zu einer Loslösung der amerikanischen Knechtschaft führen wird. Zum Interview mit Russell Napier: „…Das kann nur von den jungen Konsumenten in China oder in Indien kommen. Ihnen muss der Zugang zu Kredit erleichtert werden….“ …. Zumindest in China ist das gewährt. Obwohl in HK tätig gewesen, scheint dieser Experte wenig über die chinesische Kultur zu wissen. Kredite werden oftmals von Familien aufgenommen (auch über Banken) und an den Nachwuchs weitergegeben, um diesen einen guten Start ins Leben zu geben und umfassen meist Hypothekar-Kredite für Eigentumswohnungen inkl. Mobiliar, den Kauf eines neues Autos, die Eröffnung eines eigenen Geschäftes, etc… Kredite sind in China kein Problem. Der Unterschied besteht nur darin, dass die ..“jungen Konsumenten“.. ihre Schulden in Form von Fürsorge für ihre Eltern im Alter zurückbezahlen müssen. Das Kreditkapital als solches wird von den Eltern finanziert.

  • Roli sagt:

    Wir befinden uns am Anfang eines Währungskrieges, die SNB hat sich an den Euro gebunden um nicht alleine gegen die andern zu kämpfen, sie hat damit ihren Handlungsspielraum aufgegeben.
    Auf Währungskriege folgen Preiskriege.
    Auf Preiskriege wird meistens mit Protektionismus reagiert.
    Wie es weiter geht ist offen, aber die Aussichten sind im Moment nicht rosig, die Börse ist zwar (noch?) optimistisch.

    • ast sagt:

      „die Börse ist zwar (noch?) optimistisch“

      Der Grund dafür ist vielleicht weniger der Optimismus als die Notlage um Sicherheit für sein Kapital zu finden. Das Geld wird an riskantere Orte gelockt, weil es an sichereren Orten nicht mehr lohnt, bzw. man nur mit Sparen immer mehr Geld draufzahlen muss. Nach der Erhöhung der Gebühren folgt nun der Negativzins. Aktien in den USA anzulegen wo auch noch mit steigendem US$ zu rechnen ist, wird vermutlich auch die anderen Aktienmärkte noch eine Weile mitziehen.

      Wie immer ist ungewiss wie die Sache endet, aber von mir erhalten die Aktienmärkte jetzt keinen neuen Treibstoff, auch nicht in US-Amerikanische Konzerne.

      • Maiko Laugun sagt:

        Bei uns in China werden auf normalen Salär-/Sparkonti noch immer 0.35% Zinsen bezahlt, bei einer Inflation von ca. 1.6%. Die Börsen von Hong Kong und Shanghai wurden verkoppelt (es gibt auch einen Ableger in Guangzhou/Kanton) und zudem werden die ausländischen Investments zwar langsam aber stetig gelockert. Ich könnte mir vorstellen, dass in der Zukunft vermehrt Kapital nach China fliessen wird. Ob dies auf .. „..weil es an sichereren Orten nicht mehr lohnt..“ .. zutrifft, lasse ich mal offen.

        • Rolf Zach sagt:

          Braucht China überhaupt ausländisches Kapital? Wenn sich chinesische Unternehmen in Dollar verschulden, verschulden sie sich schlussendlich bei der chinesischen Zentralbank mit ihren übersteigerten Devisen-Reserven im Ausland und dem chinesischen Sicherheits-Geld der chinesischen Elite (vor allem die höchsten Partei-Kader und
          auch Geschäftsleute gegen politischen Verfolgung und willkürlicher Verhaftung aus kommerziellen Gründen). In China ist der Staat und die mit ihm verbundene Elite enorm mächtig. Aber sie konnten nie (auch die Mandarine früher) und können auch heute nicht ihre Interessen auf rechtsstaatlicher Basis lösen. Konfuzius war realistischerweise eigentlich die Transzendenz gleichgültig, es setzte auf den guten Herrscher mit einer tadellosen Moral von ihm und seiner Beamtenschaft. So stark auf die Moral zu setzen in ein Ding der Unmöglichkeit, es braucht „Check- and Balances“. Obwohl die Chinesen den Staat respektieren und auch fürchten, fehlt ihnen schlussendlich das Grundvertrauen und das wirkt sich auch im Ausland aus. Niemand wird sich in Yuan verschulden, vor allem wenn das chinesische Leistungsbilanzdefizit zurückgeht, was für ein so grosses Land ein natürlicher Vorgang ist.

          • Maiko Laugun sagt:

            Ich rechne damit, dass der RMB schon bald zur Leitwährung innerhalb Asiens wird und nur schon deshalb langfristig zur Konkurrenz des $. Nicht umsonst wurde der Sitz der BRICS-Investment Bank in Shanghai angesiedelt. Der RMB ist bereits in Südkorea und Taiwan frei handelbar, im Falle von Taiwan umgekehrt sogar innerhalb von China als Währung (Taiwan Dollar), dies zumindest in der südlichen Freihandelszone. Die Oeffnung geht kontrolliert, aber schnell voran. Ob China das Kapital tatsächlich braucht, weiss ich nicht. Jedenfalls wird ausländisches Investment (aus dem Westen) vor allem im Bereiche der erneuerbaren Energien gesucht, auch in Form von Firmengründungen. Dass der Westen kein Vertrauen in die chinesische Führung hat, ist klar, allerdings mehr aus Konkurrenzgründen und Unverständnis. Vertrauen schafft sich die Führung aktuell jedoch durch ihre weltweiten Handelsabkommen und ihre Rolle in der APEC. Kapital muss nicht nur aus dem Westen hierher fliessen. Dies kann auch aus anderen Regionen geschehen. Das sollte man nicht unterschätzen. Es würde den Rahmen bei weitem sprengen, .. „..die rechtsstaatliche Basis..“ .. zu erklären. Die alte chinesische Kultur wirkt bis heute nach, innerhalb der Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft. Das Problem der Korruption wird seit 2 Jahren gandenlos angegangen und es ist nicht bloss ein Mundwerk geblieben. Oekonomische Grundsätze mögen auch in China ihre Gültigkeit haben, westliches Denken hingegen nicht. Etwas of topic, aber auch sehr interessant: http://www.wipo.int/edocs/pubdocs/en/wipo_pub_941_2014.pdf

          • Maiko Laugun sagt:

            Hier noch als Ergänzung am Rande. Ein aktueller Artikel über ausländische Banken und deren Marktzugang: http://www.chinadailyasia.com/business/2014-12/20/content_15205499.html

  • Joli sagt:

    Genau das ist der Grund gewesen, weshalb d.USA ihre Banken im Kampf gegen den € unterstützte, die Rating-Agenturen ständig alle Länder abwerteten, obwohl die USA längstens auf Niveau Schrott war: Die eigene Zahlungsunfähigkeit wird so verdeckt durch die ausländische Nachfrage nach $. Die Konkurrenzwährung € konnte gestoppt werden, und das Image $=USA war gerettet. Das wird dazu führen, dass alle, die $ halten die Schulden und Kosten der USA bezahlen werden, einer Wirtschaft mit viel zu tiefer Wertschöpfung.
    Die EU mit einer hochstehenden technolog.Industrie (diese fehlt in den USA!), gut ausgebildeten Menschen (fehlt in d.USA total) hat eine Währung, die viel zu tief bewertet ist. Es wird eine Frage der Zeit sein, bis denkende Investoren das merken. Bloss kann der $ alle in ein Chaos stürzen, wenn ein grosses Land seine $-Schulden nicht mehr bedient, weil dann die USA zahlungsunfähig werden könnten. (Siehe Zahlen oben in Artikel)

    • Dave Hill sagt:

      @ Joli: Die USA ziehen weltweit noch immer die begabtesten Menschen an, wie z.B. in Silicon Valley, wo auch so manche Schweizer zu Ruhm und Geld kamen. Wenn Sie also sagen, dass „in den USA eine hochstehende technologische Industrie samt den gut ausgebildeten Leuten fehlt“, so ist das Quatsch. Wie im Text oben beschrieben, wird bis auf weiteres viel Kapital in die USA zurückfliessen, wodurch die Vormachtstellung der USA noch weiter zementiert wird: Nicht die USA werden zahlungsunfähig, sondern die anderen Länder werden noch abhängiger von ihnen und der Leitwährung USD.

      • Maiko Laugun sagt:

        Silicon Valley alleine kann nicht 400 Millionen Amerikaner ernähren.

      • Joli sagt:

        Die USA haben kein Ausbildungssystgem für handwerkliche Berufe. Inschenöre sind ja gut und recht, bloss braucht es jemand, der das was die sich ausdenken, auch noch in Material umsetzt. Und da seit den 1970er Jahren kaum noch europäische Handwerker in d.USA gehen und die dort lebenden inzwischen pensioniert sind, FEHLEN ausgebildete Leute. Punkt.
        Und was das zurückfliessende Geld betrifft: Die Regel, wonach man einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen kann, gilt auch für die USA: Länder, die kein Geld haben, zahlen auch nicht zurück. Und China darf wohl eher auf Einnahmen ex USA rechnen, nicht umgekehrt.

        • Josef Marti sagt:

          Das ist mit ein Grund des chronischen Leistungsbilanzdefizits. Die Inschenöre entwerfen va. kurzlebige Produkte und Konsumgüter, die auf der ganzen Welt verstreut zusammengebastelt werden nur nicht im eigenen Land (da wird nur der Hauptteil der Wertschöpfung steuerfrei einkassiert); exportfähige Kapitalgüter werden praktisch keine produziert.

        • Walter Bernstein sagt:

          Joli, 16:32
          In den USA gibt es zwar keinen Fachausweis für handwerkliche Berufe.
          Aber dafür ist die Konkurrenz grösser, und auch Schlechtverdiener können sich einen Handwerker leisten.

          Und wer Wert auf Spitzenleistungen legt, bekommt natürlich auch gute Handwerker. Er muss für diese Qualität dann eben mehr bezahlen.

          So gesehen, ist das US-System sozialer und effizienter als das mitteleuropäische.

          • Josef Marti sagt:

            Ich höre wohl nicht recht, sozial UND effizient, die USA als Sozialstaat; das ist ja ein Widerspruch per se. Sie wissen doch, alles was nicht dem freien Markt überlassen und stattdessen sozialisiert wird ist ineffizient. Deshalb ist nämlich das nordeuropäische Bildungswesen ineffizient weil nicht privatisiert, das wollten Sie wohl sagen.
            Abgesehen davon, wenn man sich die herumhängenden Leitungen in amerikanischen Städten und Vorstädten und den Zustand der Wohnhäuser und sanitären Einrichtungen anschaut, dann braucht es dazu wirklich keine ausgebildeten Handwerker; in Manhattan hingegen können Sie Ihre bau- und handwerklichen Spitzenleistungen bestimmt zur Schau tragen.

          • Walter Bernstein sagt:

            Josef Marti, 11.48
            Sie machen einen typischen Schweizer Fehler:
            Sie schimpfen auf das Ausland und glauben, dass nur Ihre Meinung die allein seligmachende ist.
            Viele Amerikaner möchten aber gar keine Schweizer Berufslehre, bei der der Staat alles reglementiert. Sie wollen Freiheit und stellen den Markt über alles.
            In den USA haben viele Menschen ein eigenes Haus, während in der Schweiz die meisten in überteuerten kleinen Wohnungen hausen.
            Die USA haben sehr wohl einen bedeutenden Sozialstaat. Er wird in Europa völlig unterschätzt, weil er anders organisiert ist als der europäische.
            Auch die Abgabenquote ist in den USA ähnlich hoch wie in der Schweiz.
            Wenn Sie an die USA denken, denken Sie an brennende Mülltonnen und heruntergekommene Stadtviertel, aber das ist reine Überheblichkeit. Wenn die Amerikaner an die Schweiz denken, denken sie eben an meterhoch eingeschneite Städte und eiskalte, korrupte Finanzhaie. Ist das so viel schmeichelhafter?

            Mit welchem Recht wollen Sie den USA vorschreiben, wie sie sich zu organisieren haben, und was sie gut finden sollen?

  • Pius Tschirky sagt:

    schon seit Jahren ist die Finanzpolitik der Notenbanken nur noch auf die Finanzmärkte bezogen und wie es mal jemand schrieb, sind wir schon längstens am „Point of no return“ angelangt. In Japan zum Beispeil wird schon seit sicher 2 Jahrzehnten eine Politik des billigen Geldes verfolgt und dies wird wohl auch in Euorpa und in den USA wohl noch sehr lange andauern. Wenn nicht, so wird es wohl an den Börsen einen utopischen „Crash“ geben. Die Notenbanken werden aber das -wie es auch momentan der Fall ist -verhindern, indem sie weiterhin billiges Geld zu Handen der Finanzmarkaktuere versprechen.

    • Dave Hill sagt:

      @ Pius: So ein Perpetuum Mobile gibt es aber nicht. Man kann die Märkte nicht einfach auf ewig mit Geld fluten, damit die Aktienbewertungen ständig steigen. Die Ungleichgewichte, wie oben im Text beschrieben, werden eines Tages implodieren und eine entsprechende Kettenreaktion auslösen, sodass die Korrektur sehr schmerzhaft sein wird.

      • Linus Huber sagt:

        @ Dave

        Ich teile Ihre Meinung. Das Vertrauen in die Wirksamkeit der Massnahmen der Zentralbanken kann sehr schnell evaporieren und hohe Instabilität erzeugen; zwar können sie Liquidität bereitstellen, jedoch nicht wirklich festlegen, wofür diese Liquidität eingesetzt wird. Zentralbanken machen ihren Job gut, wenn sich niemand mit ihnen befasst und nicht wenn sie Schlagzeilen auftauchen.

        • Rolf Zach sagt:

          @ Linus
          Natürlich haben Sie bezüglich Ihren Kommentaren wegen den Fehlkonstruktionen des Finanzsystems in vielem Recht. Obwohl ich hier auch die interne Verteilung der Einkommen einer Volkswirtschaft, der berühmte Satz von Keynes *Sparen=Investieren“, das Verhältnis von Kapital-Einkommen zu Löhnen in vielem bedeutender Ist als das internationale Finanzsystem, vor allem bei grossen Ländern oder Blöcke wie die Euro-Zone. Immerhin haben die Leiter der wichtigsten Zentralbanken der Industrie-Staaten ihren Charles Kindleberger gelesen und haben um einiges besser reagiert als 1931.

          • Linus Huber sagt:

            Sparen=Investieren

            Die Frage ist erstens das Volumen von Kredit (Sparen/Investieren) im Verhältnis zur Wirtschaftskraft (gdp/bsp) und zweitens, was unter Investieren verstanden wird. Wenn in Konsum anstelle von in Produktivität steigernde Projekte investiert wird, erzeugt dies grundsätzlich keinen Vorteile für die Gesellschaft insgesamt, sondern erhöht heutigen Konsum zulasten zukünftigen Konsums und erlaubt den Banken einen unnötig hohen Anteil des wirtschaftlichen Erfolges anzueignen. Zum Sparen ist nicht zwingend ein Schuldner von Nöten (z.B. Sparen in der Form von Wohneigentum).

            In Bezug auf die Frage, ob das Verhalten der Zentralbanken als positiv zu bezeichnen ist, müssen wir wohl unsere Einschätzung auf einen späteren Zeitpunkt (nach dem nächsten Bust) verschieben, wenn alle Resultate der gegenwärtigen Geldpolitik erkennbar geworden sind.

          • Anh Toan sagt:

            Zum Sparen ist nicht zwingend ein Schuldner von Nöten (z.B. Sparen in der Form von Wohneigentum).

            Ja, wenn man das Wohneigentum auf ewig in der gleichen Familie vererbt wird.

          • Linus Huber sagt:

            @ Rolf

            Um Ihre Begeisterung für Kindleberger ein wenig zu relativieren, dient der Begriff „stability breeds instability“ (Stabilität erzeugt Instabilität) gut als Gedankenanstoss. Eine Panik entsteht nicht aus dem Vakuum (sozusagen von Gottes Hand), sondern ist das Resultat vergangener Entscheide, welche wohl unter Verwendung der Manipulation des Wertes des Geldes zu oft versuchten, kleine leicht verdaubare Krisen zu verhindern. Stellen Sie sich vor, dass das Längenmaß beliebig manipuliert würde und welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft zeitigen würde. Verzerrung der Preismechanismen wie die Erzeugung falscher Anreize werden dadurch sozusagen ins System einprogrammiert, selbst wenn dies heute aufgrund jahrzehntelanger Konditionierung als normal betrachtet wird. Das Kapital-Einkommen wird durch die notwenigen Abschreibungen auf nicht rückzahlbare Kredite gelegentlich automatisch negativ und das Verhältnis zu den Löhnen wieder bereinigt, wenn dies zugelassen würde.

            Die Möglichkeit des Sparens in der Form von Wohneigentum oder z.B. in der Form Produktivität steigernder Investitionen in den eigenen Betrieb hat grundsätzlich nichts mit dem Erbrecht zu tun, sondert erklärt einzig, dass die von Keynes ursprüngliche Formel nicht bedeuten muss, dass jedem Sparer ein Schuldner gegenüberstehen muss.

          • Linus Huber sagt:

            @ Rolf

            “I cannot imagine any condition which would cause a ship to founder. I cannot conceive of any vital disaster happening to this vessel. Modern shipbuilding has gone beyond that.”

            – Edward Smith, Captain, RMS Titanic

            “One reason that risk premiums may be low is precisely because the environment is less risky… The Fed has long focused on ensuring that banks hold adequate capital and that they carefully monitor and manage risks. As a consequence, banks are well-positioned to weather the financial turmoil.”

            – Janet Yellen, July-September 2007

            Haben die Zentralbanker nach der bewiesenermassen angewandten fehlerhaften Doktrin der vergangenen Jahrzehnte wirklich die Erfahrung mit unkonventionellen Massnahmen, welches das ihnen entgegengebrachte Vertrauen rechtfertigt oder verhalten sie sich evtl. nicht eher wie Zauberlehrlinge?

          • Linus Huber sagt:

            Wenn selbst Paul Volker, ehemaliger Fed Chief, inzwischen öffentlich indirekt das zunehmend korrupte Verhalten der eigenen Zentralbank und das Lobbying der Banken kritisiert, muss die Vetternwirtschaft schon weit gediehen sein.

            http://nicosiamoneynews.com/2014/12/19/volcker-lambasts-wall-street-lobbying/
            http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/bcreg/bcreg20141218a1.pdf

        • Walter Bernstein sagt:

          Linus Huber, 19.02
          Sie haben grundsätzlich recht.
          Aber das kommt auch auf die Rolle an, die die Zentralbanker spielen:
          In den USA behandelt man sie z. B. als Rockstars, und sie geniessen den Hype um ihre Person:
          Greenspan nannte man „Maestro“, „Der Magier“, „Das Orakel“ usw., und er war ein Party-Hecht.
          (Den Spitznamen „Mr. Bubble“ genoss Greenspan weniger, auch wenn dieser dann ebenso wohlverdient war.)

          Alan Greenspan dominierte die Finanzmärkte und – zeitweise – sogar die Wirtschaftspolitik der US-Regierung.

          Und wer erinnert sich nicht an „Helicopter Ben“, der ebenfalls grossen Einfluss auf Märkte und Politik hatte?

    • Walter Bernstein sagt:

      Pius Tschirky, 8.55:
      Ja, genau.
      (Zu) billiges Geld hilft nicht weiter: Geld muss einen angemessenen Preis haben, ebenso wie Umweltverschmutzung und der Gütertransport.

      Billiges Geld führt zu Ungleichgewichten und übermässiger Verschuldung.
      Ein Beispiel?:
      Die italienische Wirtschaft ist seit 14 Jahren nicht mehr gewachsen. Dafür ist die italienische Staatsverschuldung explodiert – von 109 auf 133 % des BIP. Weil Verschuldung viel zu billig und damit attraktiv war – und immer noch ist.

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