Der Mythos von der Wachstumslokomotive

To match Reuters Life! SWISS-TRAIN/FURKA

Schön ist das Bild ja: Stark und stets unter Dampf wie hier die Furkabahn sollen einzelne Länder andere Nationen als Wachstumslokomotive mitziehen. Aber stimmt das Bild überhaupt? Foto: Reuters

Deutschland soll es für die Eurozone sein, China für die Welt. Das ist kompletter Unsinn und zeugt von einem fundamentalen Missverständnis.

China wächst noch immer um 7,5 Prozent, das ist zumindest das Ziel der dort führenden kommunistischen Partei. Damit wächst das Land deutlich stärker als der Durchschnitt der Weltwirtschaft. China drückt deshalb angesichts seiner relativ grossen Wirtschaftskraft den  Welt-Wachstumsdurchschnitt nach oben. Dasselbe gilt für Deutschland in Bezug auf Europa. Dessen Wachstum war zumindest in den letzten Jahren deutlich höher – aktuell stagniert es allerdings – und hat so das Durchschnittswachstum der Eurozone ebenfalls nach oben getrieben.

Doch sind die Länder deshalb Wachstumslokomotiven, wie sie oft und gern genannt werden: Eine Lokomotive ist nicht einfach ein besonders schwerer Wagen, der deshalb das Durchschnittsgewicht der Wagen eines Zuges nach oben treibt. Das höhere Gewicht der Lokomotive erhöht das tatsächliche Gewicht der Wagen hinter ihr genau so wenig wie das höhere Wachstum Chinas oder Deutschlands das Wachstum irgendeines Landes erhöht.

Eine Lokomotive ist der Grund, weshalb die Wagen hinter ihr vorwärtskommen. Sind China und Deutschland der Grund dafür, dass andere Länder wirtschaftlich stärker wachsen? Leider nein.

Werden wir etwas ökonomischer. Natürlich gibt es Übertragungsmechanismus bei der Art wie ein Land wächst, das sich auf das Wachstum anderer Länder auswirkt. Und genau hier liegt der springende Punkt bei unseren Beispielen: Diese Übertragungsmechanismen bedeuten sowohl im Fall von China wie von Deutschland nicht, dass andere Länder mehr, sondern weniger wachsen. Wie das?

Beide Länder verzeichnen massive Exportüberschüsse. Wie der jüngste World Economic Outlook in seinem vierten Kapitel  zeigt, hat Deutschland China sogar darin überholt absolut den weltweiten grössten Nettoexportüberschuss zu verzeichnen. Hier die gesamte Rangliste der Nettoexporteure und -importeure 2006 und 2013:

Ungleichgewicht

Nettoexportüberschüsse waren hier schon einige Mal Thema; nochmals die wichtigsten Punkte: Ein Nettoexportüberschuss steht nicht für hohe Exporte, sondern für die Differenz zwischen den Exporten und den Importen. Salopp gesagt bedeutet er, dass ein Land seine Produkte ans Ausland vergibt, ohne im Gegenzug Güter oder Dienste von gleichem Wert zurückzuerhalten – doch in diesem Tausch würde volkswirtschaftlich gesehen der Sinn des Aussenhandels bestehen.

Die Anhäufung von Guthaben im Ausland – die die Form von hohen Währungsreserven (wie im Fall von China) oder Kapitalexporten (wie im Fall von Deutschland) annehmen können – ist nicht der Zweck einer Volkswirtschaft. Sie soll ihren Bewohnern nützen und ist kein Unternehmen. In dieser Verwechslung besteht wahrscheinlich der Grund, weshalb diese Logik so schwer zu verstehen scheint. Unternehmen – anders als Länder – verfolgen beim Handel durchaus den Zweck der Gewinnmaximierung.

Mit einem auch früher schon ausführlicher dargestellten einfachen Zusammenhang lässt sich der Nettoexport im Zusammenhang mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung folgendermassen darstellen:

NX = S – I 

Die Nettoexporte (NX) können sich nur aus einem Sparüberschuss über die Investitionen ergeben. Anders gesagt erfordern sie einen geringen Inlandkonsum und/oder geringe inländische Investitionen oder generell wie oben ausgedrückt einen Verzicht auf inländische Nachfrage – denn sonst gibt es keinen Überschuss zu exportieren.

Wenn bei für ein Land die Nettoexporte Wachstumstreiber sind, bedeutet das also, dass die Bewohner des Landes über den Konsum und/oder die Investitionen Verzicht üben. Der IWF hat uns ins seinen analytischen Kapiteln zum World Economic Outlook Daten für Deutschland und China geliefert: Als einziges der grossen Nettoexportländer fährt unser nördlicher Nachbar seit 2006 gleichzeitig die Investitionen zurück, während auch noch die Ersparnisse zulegen. Das Resultat sind die wachsenden Nettoexportüberschüsse.

Für China sieht die Lage etwas anders aus. Hier haben die Investitionen tatsächlich seit 2006 sehr stark zugenommen, während gleichzeitig die Ersparnisse leicht zurückgehen. Das Ergebnis ist ein reduzierter Nettoexportüberschuss. Doch die hohen Investitionen verkünden hier dennoch keine frohe Botschaft. Die Nettexporte waren angesichts ebenfalls sehr hohen Investitionen nur möglich, indem die chinesische Wirtschaft auf einem extrem starken Konsumverzicht basiert.

Der Konsumanteil in China liegt nur etwa bei 35 Prozent und ist damit selbst für ein Schwellenland aussergewöhnlich tief. In der Schweiz liegt er bei etwa 70 Prozent. Das hat auch zur Folge, dass die Investitionen nur auf den Export hoffen müssen oder nicht aufgrund ihrer erwartbaren Profitabilität vergeben wurden. Tatsächlich sind sie zu einem grossen Teil unproduktiv. Die Folge ist, dass die Banken Chinas faktisch auf ungedeckten Krediten sitzen. Anders gesagt: In China sind die Nettoexporte auch Ausdruck für ein gefährliches inländisches Ungleichgewicht. Ein tieferes und auf inländischem Konsum basierendes Wachstum ist daher auch das erklärte Ziel der chinesischen Führung.

Zurück zur Lokomotive. Während die Nettoexporte in China und Deutschland das Wachstum befeuern, ohne im entsprechenden Ausmass der eigenen Bevölkerung zugute zu kommen, verdrängen sie durch diese Verzichtspolitik Nachfrage bei den Abnehmern Ihrer Nettoexporte . Sie bremsen dort also das Wachstum, statt es – wie eine Lokomotive – anzutreiben.

Nun gut, Nettoexporte (und damit auch Kapitalexporte) könnten das Wachstum selbst in Nettoimportländern fördern, wenn dort das Wachstum nicht durch fehlende Nachfrage, sondern durch fehlendes Kapital beschränkt wird. Der in China lehrende US-Ökonom Michael Pettis erklärt den Zusammenhang:

«When the world suffers from too low a level of savings to fund needed productive investment, policies that force up savings are positive for long-term growth. For similar reasons, economies with excess savings create growth abroad by exporting the excess to where it is needed. In that case the supply-side insistence on focusing policy on ways to generate additional savings does result both in more growth and in trickle-down wealth expansion.»

Als Beispiel dafür könnte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg dienen. Die US-Nettoexporte und Nettokapitalexporte haben dort dem Land, das ökonomisch gesprochen auf der Angebotsseite eingeschränkt war, zu Wachstum verholfen. Ganz anders sieht es aber aus, wenn wie jetzt weltweit ein Überschuss an Ersparnissen vorherrscht und ein entsprechender Nachfragemangel. Pettis:

«However when savings are high enough and mobile enough so that balance can only be achieved in the form of high unemployment, the world does not need more savings to fund more productive investment, as the supply-siders argue, but rather more demand, as the Keynesians insist. More sustainable demand (in the form of needed infrastructure or of higher consumption by wealthier workers) will lead to more productive investment by redeploying underutilized resources, including unemployed workers.»

In dieser Welt, so Pettis, ist die wahre Wachstumslokomotive nicht das Nettoexportland, sondern im Gegenteil das Nettoimportland:

«If there is such a thing as a global engine of growth, in the latter case, it is the country that is able (or is forced) to import the most amount of capital and export the most amount of demand (i.e. run the largest trade deficit). In that case countries with large trade surpluses that have to export excess savings do not cause growth abroad»

In dem Nettoexportländer die Erträgnisse ihrer Exporte gleich wieder als Kapitalexporte aus dem Land geben oder entsprechend Währungsreserven anhäufen verhindern sie auch den Mechanismus, der sonst für einen Ausgleich sorgen würde: Nämlich die Anpassung der Devisenkurse, denn die Währung der Nettoexporteuer würde sonst zulegen, die Exporte dadurch verteuern und die Importe für die Bewohner des Nettoexportlandes vergünstigen. Deutschland profitiert natürlich von seiner Mitgliedschaft in der Eurozone . So muss seine Exportwirtschaft ohnehin keine Aufwertung fürchten.

Kurz: China und Deutschland sind keine Wachstumslokomotiven. Ihre Nettoexportüberschüsse zeugen von einer zu geringen Nachfrage im eigenen Land und sie verdrängen Nachfrage in den Importländern. Statt das Wachstum der Weltwirtschaft zu befördern, bremsen sie es.

44 Kommentare zu «Der Mythos von der Wachstumslokomotive»

  • Steher sagt:

    Ein hervorragender Artikel, der sich mit allen vermittelten Kenntnissen aus meinem VWL Studium deckt
    und – wie an den Kommentaren ersichtlich – auf Anerkennung und Verständnis trifft. Leider wird so ein
    Artikel nur von jenen gelesen, die sich dafür interessieren und wird wohl nie in den deutschen „Leitmedien“
    auftauchen. Auch ist die Masse der Bevölkerung so unheilsschwanger mit den Parolen der neoliberalen
    Machthaber infiziert, dass auf eine breite Erkenntnis wohl noch lange zu warten ist – Versuche meinerseits Leute in Ihrem Denken umzukehren treffen zwar häufig auf Erkenntnis, scheitern aber letztlich am Unvermögen über den Rand der „schwäbischen Hausfrau“ weiterzudenken.

  • ast sagt:

    Diem Meier, das ist ein hervorragender Artikel, besten Dank. Die Ökonomie war und ist ein Spielball der Politik, so dass sich sehr Vieles bei genauerer Betrachtung in Luft auflöst oder gar als Aussage-Gegenteil erweist.

    So kommt es dann vermutlich auch mit der neuen BIP Berechnungsmethode der EU, wo man neuerdings Gelder aus Prostitution und Drogen in die Kalkulation miteinbezieht (heute in der FAZ gelesen).

    • Walter Bernstein sagt:

      ast, 11:14
      Die neue Berechnungsmethode ist nicht abwegig. Schliesslich handelt es sich um wirtschaftliche Tätigkeit, und die Länder werden besser vergleichbar.

      Angenehmer Nebeneffekt: Die Staatsverschuldung sinkt (natürlich nur gemessen am BIP).

      • seebueb sagt:

        Die Änderung hat Null Einfluss auf die Verschuldung, allenfalls auf Verschuldungsgrad, Schuldenquote

        Zudem:
        Die Schattenwirtschaft kann als Schätzwert jederzeit ins BIP einbezogen werden, das jeweilige Land entscheidet autonom

        Somit:
        Mit der Legalisierung von Prottitution „wandert“ sie gegebenenfalls von der Schattenwirtschaft in die „normale“, Veränderun des ausgewiesenen Saldos siehe oben.

        • Walter Bernstein sagt:

          seebueb, 22:58
          Das stimmt natürlich – die absolute Staatsverschuldung verändert sich nicht. Nur die relative.

          Die bessere Vergleichbarkeit ist positiv. Schliesslich bilden die Statistiken die Grundlagen für politische Entscheide von erheblichem Ausmass. Ein verbindlicher, gemeinsamer Standard ist zu begrüssen.

  • Martin sagt:

    Zur Frage in der Bildunterschrift: Nein, das Bild stimmt ganz und gar nicht. Es handelt sich um einen Zug der DFB auf TALFAHRT, kurz vor Oberwald/VS. Die Lokomotive bremst also. Übrigens hat jeder Wagen seine eigene Bremse und verläßt sich nicht nur auf die der Lokomotive, weil die allein das gar nicht schaffen würde. Die Lokomotive wurde auch schon sehr weit weg von Europa ob ihrer Qualitäten geschätzt, sie fuhr mal in Vietnam. Übertragen auf Deutschland und Europa könnte man auch sagen, anstatt auf Deutschland zu schimpfen, könnten auch die Anderen endlich mal wenigstens beginnen, ihre Hausaufgaben zu machen und sich die hier ewig zitierten „Ökonomen“ anglo-amerikanischer Herkunft mal fragen, warum Deutschland seine hohen Exportüberschüsse außerhalb der EU erzielt. Es verläßt sich nämlich ungern auf Anhängsel ohne Bremse. Wie kämen wir dazu, unsere Exporte zu bremsen, damit die Anderen so weitermachen wie bisher. Deutschland produziert einfach zu viel, um einen noch größeren Anteil davon im Inland verkaufen zu können. Und wenn, wäre es Konsum auf Pump – der Hauptgrund für die Euro-Misere. Daß die Amis und Brits das nicht wahrhaben wollen, wird durch eigene Währungen und die Notenpressen begünstigt, ändert aber nichts an den Tatsachen.

  • Alexander sagt:

    Vom dt. Kapitalexport aus Altersvorsorge zur fractional Finanzierung des Exportüberschusses – kein Wort. Vom Kaufkraftverlust durch kalte Progression, steigende Sozialversicherungskosten und Vermögenspreisinflation – kein Wort. Das alles frisst Kaufkraft, die staatlich gern konsumiert wird – nur halt ohne Effekt für das Ausland.
    Ein überalterndes Europa konsumiert sich arm (Häuser & Autos) und die ungerechte Verteilung von Zahlungsversprechen (Kreditgeld) scheint das Problem der Zeit zu sein. Jugendarbeitslosigkeit ist ja auch nur ein Nachfrageproblem und billiges Kreditgeld wird es schon richten. Wann kommt die Einsicht darüber, dass das alles gescheitert ist?

  • Daniel Heierli sagt:

    Beeindruckend finde ich immer wieder, wie unreflektiert das Wirtschaftswachstum als einziges relevantes Ziel vorausgesetzt wird. Diskussionen darüber, warum angeblich auch in den reichsten Ländern immer noch so dringend Wirtschaftswachstum nötig ist, führen Mainstream-Ökonomen grundsätzlich nie.
    Ob das in einer geheimen religiösen Schrift der Ökonomie gewissermassen als erstes Gebot festgehalten ist?

    • Walter Bernstein sagt:

      Daniel Heierli, 17:32
      Man kann die Wachstumsorientierung aus gutem Grund kritisch sehen.
      Trotzdem gibt es nur mit Wachstum mehr zu verteilen.
      Nur mit genügend Wachstum können starke Sozialstaaten finanziert werden, Umweltschutz und technischer Fortschritt.
      Über viele Jahrhunderte gab es in Europa pro Kopf kein Wirtschaftswachstum. Die Leute blieben also immer gleich arm, und die Kinder hatten keine Chance, ein besseres Leben zu führen als ihre Eltern.

  • Peter Burkhard sagt:

    Wow!!! – das wirklich herausstechende Merkmal dieser Tabelle ist die Schweiz. Abgesehen von den Erdöl exportierenden Ländern mit Abstand der grösste Exportüberschuss pro Kopf!!!
    Und alles nur eine Folge vom Euro – genau wie bei Deutschland. Beide Länder können dank dem schwachen Euro viel billiger produzieren als ohne Euro. Auf der Kehrseite der Medaille ist „ihre Währung“ unterbewertet, d.h. sie sind nicht so reich, wie sie eigentlich sein sollten. Wäre der Euro nicht, würde diese Tabelle komplett anders aussehen (zumindest was CH und D betrifft).

    • Walter Bernstein sagt:

      Peter Burkhard, 15:53
      Nicht unbedingt. Eine (zu) schwache Währung untergräbt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.
      Erreicht die Währung wieder einen angemessenen Wert, müssen sich die Exporteure gewaltig zur Decke strecken – und ein Kostensenkungsprogramm jagt das nächste.

  • Richard Rieder sagt:

    Schauen wir uns doch die Grafik noch einmal an…der Exportüberschuss von D beträgt 7.5% des GDP, bei den Niederlanden 10.4%, in Taiwan beträgt der Wert 11.8%, in der CH 16.0% bis hinauf zu Kuwait mit knapp 40% – alles keine armen Länder. Diese werden auch eher selten für Ihre Wirtschaftspolitik angegriffen. Verstehe ich hier etwas nicht oder gibt es hier doch einen Wettbewerb der Volkswirtschaften?

    • Josef Marti sagt:

      Im Hinblick auf die Öl-Ministaaten ohne nennenswerte Bevölkerung ist der Wettbewerb doch sehr stark zu relativieren. Wenn man ohne einen Finger zu rühren nur die Bodenrente und die Zinsen auf den Auslandsaktiva abkassieren kann während man die Füsse hochlagert, und das Volkseinkommen sonst aus nichts anderem besteht ist man in der Logik der Bürgerlichen am wettbewerbsfähigsten, deshalb figurieren diese Staaten dann in den Hitlisten. Damit wäre auch bewiesen, dass nur wettbewerbsfähig ist wer nicht so blöd ist arbeiten zu müssen.

    • Walter Bernstein sagt:

      Richard Rieder, 15:27
      Ihre Zahlen sind mir auch schon aufgefallen.
      Pro Kopf gesehen ist Deutschland keinesfalls ein starkes Exportland. Die Schweiz ist viel wettbewerbsfähiger.

      Wenn Deutschland seine Exporte reduzieren würde, wäre die Schweizer Industrie sofort zur Stelle, um möglichst alle deutschen Marktanteile sofort zu übernehmen.
      Aber die Schweizer Exportpolitik ist natürlich sakrosankt. Böse ist immer nur das nördliche Nachbarland.

      • Linus Huber sagt:

        Nicht zu unterlassen ist der Umstand, dass die gleichen Ökonomen die Massnahmen, welche die SNB zugunsten der Exportwirtschaft getroffen hat, als unbestritten positiv betrachten, andererseits hier bereit sind, andere Staaten, welche wohl wenigstens im Bereiche der Geldpolitik weniger stark Einfluss nehmen (nehmen können), versuchen an den Pranger zu stellen. Immerhin bestätigen sie damit den Ruf als Hure der Machtelite.

  • Michael Berger sagt:

    Müsste man nicht anfügen, dass die Kapitalexporte der Nettoexporteure (z.B. China und D) bei den Nettoimporteuren die Nachfrage und damit den Import mitfinanzieren. Wenn China nicht massiv Geld in die USA verschieben würden, könnten die USA ihren Nettoimport gar nicht finanzieren. In Europa sehen wir bspw., dass D nicht nur Produkte nach Griechenland exportiert, sondern ihnen auch gleich das Geld leiht, um die Produkte zu kaufen.

    Pettis schreibt :“If there is such a thing as a global engine of growth, in the latter case, it is the country that is able (or is forced) to import the most amount of capital and export the most amount of demand (i.e. run the largest trade deficit). “

    Ein Land muss also zu einem Nettoimport überhaupt fähig sein. Nachfrage ohne Kapital nützt nichts. Und hier springen dann die Nettoexporteure ein, welche mit den Produkten auch gleich Kapital liefern (leihweise).
    Ob dies zu einem „gesunden“ Wachstum führt sei dahingestellt, doch haben die Nettoexporteure eben doch einen entscheidenden Anteil am Anstieg der gehandelten Güter und Kapital.

    • Rolf Zach sagt:

      Man darf einfach nicht vergessen, wie sich die Exporte einer Nation zusammensetzen. Abgesehen von Erdöl, dass aber
      als Energieträger durch die neusten technologischen Entwicklungen laufend an Bedeutung verliert, gibt es auch eine
      Differential-Rente bei den Fertigwaren. Da erscheint das berühmte Wort von den „Hidden Champions“. Firmen von mittlerer
      Grösse, die aber auf ihrem Gebiet Weltmarkt-Führer sind. Von diesen gibt es in der Deutschland und der Schweiz eine ganze Menge und sogar in Italien. Wer kennt Omya? Die ehemalige Plüss-Staufer ist auf ihrem Gebiet weltweit Marktführer. Die deutschen Automobil-Zulieferer kaufen viele amerikanischen Automobil-Zulieferer auf und sind Weltmarkt-Führer. Hat China solche Firmen? Nein! Ich bin überzeugt, der chinesische Überschuss wird sich in den nächsten Jahren gewaltig verringern, nur die Kapitalflucht erhält diesen Überschuss am Leben. Für die Schweiz bleibt Europa wesentlich. Zugegeben der Handel Schweiz/China hat zugenommen, aber wo ist der Handel Schweiz/Japan, der hat Bedeutung massiv abgenommen, wenn man bedenkt das Japan technologisch China haushoch überlegen ist.

  • Andy Meier sagt:

    Na ja, es wird hier gross über China und D hergezogen, aber die kleine Schweiz ist im 2013 Ranking an 4. Stelle zu finden. Pro Kopf einsamer Spitzenreiter, notabene. Also ich bin kein Experte, aber ist es nicht so, dass die Firmen die Gewinne die sie im Export erzielen dann wieder investieren und zwar sehr oft im Ausland? Das führt dann dort zu Arbeitsplätzen, Löhnen die bezahlt werden, Wissen das weitergegeben wird, Steuern die bezahlt werden etc. mit anderen Worten, man hilft mit die Wirtschaft in Schwung zu halten und sorgt doch für Wachstum. Vielleicht kann nicht von einer Lokomotive gesprochen werden, aber doch von einem Treiber. Ist es Zufall, dass Länder wie Spanien, F oder I viel weniger im Ausland investieren? Wahrscheinlich fehlt einfach das Geld dazu das CH und D im Export generieren.

    • seebueb sagt:

      Pst, das mit dem Rekord pro Kopf dürfen Sie nicht so laut sagen!

      Der Wertschöpfungssaldo manifestiert sich als Exportüberschusses, er bleibt im Inland (natürlich kann er exportiert, im Ausland investiert werden, aber das ist eine andere Geschichte). Da die Wertschöpfung (Arbeitsleistung) im Inland geschieht, sind auch die Arbeitsplätze mit allem Pipapo im inland. Ein gewisser Export von Wissen ist unvermeidbar, schliesslich muss das Exportgut am Bestimmungsort gewartet, gehegt und gepflegt werden, und dazu ist Wissen zwingend notwendig.

      • Rolf Zach sagt:

        Wir dürfen nicht vergessen, das Überschüsse von demokratischen Industrie-Ländern durch viele autonome Entscheidungs-Träger bestimmt werden. Wir müssen diesen Überschuss der Schweiz demjenigen von Saudi-Arabien gegenüberstellen,wo durch Erdölexporte der Staat praktisch alle Devisen einnimmt und damit auch über den Überschuss nach Gutdünken bestimmen kann. Der Schutzstaat von Saudi-Arabien ist nun einmal die USA und deswegen wird die ganze Sache in$ abgewickelt und in $ investiert. Beim Schweizer Überschuss haben die Banken enorm an Bedeutung verloren, dafür haben sich Nestlé, Pharma, Rohstoffhandel, Uhren (1975 fast am Boden) und Versicherungen ihren Anteil verstärkt. Vergessen wir auch nicht das enorme private Ausland-Vermögen reicher Schweizer. Wenn wir aber weiterhin eine
        derart hysterische Anti-EU-Politik nach Art von Blocher betreiben, werden wir schon dafür sorgen, dass der Überschuss
        abnimmt.

  • Roger Friedli sagt:

    Die Argumentation ist zwar richtig, dabei wird aber vergessen warum Deutschland Nettoexporteur ist. Weil die Produktion in Frankreich ( 34 Stunden Woche, 7 Wochen Ferien, Rente mit 56-60) oder Griechenland (nähere Erklärung unnötig) viel zu teuer ist, und deshalb unrentabel. Tatsache ist auch, dass Deutschland innerhalb der Eurozone keinen Exportüberschuss hält, sondern diesen ausserhalb der Eurozone erwirtschaftet, das heisst auch, dass Deutschland insgesammt positiv für die Eurozone ist, und wenn dann klauen sie Wachstum ausserhalb der EU.
    Aber für Frankreich, Italien und Co ist es halt einfacher wenn die EZB noch weiter eingreift, anstatt mal die verkrustete Wirtschaft zu reformieren.

    • Walter Bernstein sagt:

      Roger Friedli, 13:39
      Besser könnte man es nicht zusammenfassen!

    • Anh Toan sagt:

      Ja, betreffend Italien möchte ich noch ein kleines Beispiel anfügen:

      Ein Skiproduzent im Aostatal hat mit allen Mitarbeitern vereinbart, dass auf Grund der Saisonalität des Geschäftes Ferien im „heiligen Ferienmonat August (ferragosto)“ unmöglich sind (Auslieferung der Produktion im Herbst). Die Gewerkschaft hat dies verboten, die Lieferungen konnten nicht rechtzeitig erfolgen, die Kunden waren wütend und haben nicht bezahlt, der Produzent ging pleite.

      Bravo!

      • Anh Toan sagt:

        Jetzt haben die ehemaligen Mitarbeiter das ganze Jahr „frei“, jedoch kein Geld, um im August in den Urlaub zu fahren.

      • Walter Bernstein sagt:

        Anh Toan, 12:07
        Eine ähnliche Geschichte hat mir ein italienischer Unternehmer aus Neapel erzählt (habe verwandtschaftliche Beziehungen dort hin).

        Er hat 12 Angestellte. Er macht kaum Gewinn, aber wegen strengem Arbeitsschutz kann er niemanden entlassen. Die Leistung der Mitarbeiter wird immer schlechter. Falls er es doch schafft, einem Arbeiter zu kündigen, darf er monatelang keinen neuen einstellen – der alte Mitarbeiter könnte ihn sonst verklagen.
        Aus demselben Grund kann er keine jungen, viel besser ausgebildeten und motivierteren Arbeiter einstellen.
        Die Bürokratie ist extrem, und die Beamten blockieren wo sie können. Die Lokalpolitiker kümmern sich nur um ihre Privilegien.

        Halb Südeuropa suhlt sich im Sozialismus, und Nordeuropa soll die Rechnung zahlen. Das ist der sehnlichste Wunsch vieler Möchtegern-Kommunisten.

        • Rolf Zach sagt:

          Die Statistiken sprechen eine andere Sprache. Wo sind zum Beispiel Spanien und Griechenland, wo noch sehr prominent waren in der Defizit-Liste 2006, 2013 aufgeführt? Sie erscheinen nicht mehr! Ein Freund von mir verbrachte kürzlich seine Ferien in Kreta. Er hat sich sehr positiv gesprochen über das Preis/Leistungsverhältnis, die Infrastruktur (Toiletten!),vor allem die Familien-Betriebe in der Gastwirtschaft. Wo ist da Sozialismus? Warum ist trotz eigener Währung UK mit der Möglichkeit der Abwertung von Rang 3 auf Rang 2 vorgestossen. Italien erscheint weder auf der Liste 2006 noch 2013. Italien ist sowieso ein Land, das für jeden Volkswirtschaftler beides ist, Misswirtschaft kombiniert mit Spitzen-Leistung. Es hat zum Beispiel Konzerne, die es bei Lieferung von Pipelines mit jedem deutschen und japanischen Lieferanten in Bezug auf Qualität und Preis gleichziehen. Das einzige Euro-Land, das 2013 erscheint ist Frankreich! Es erscheinen dafür zusätzlich zu Deutschland die Niederlande als Überschussländer. Die Niederlande
          war 1945 übrigens völlig verarmt und verlor noch zusätzlich als Kolonie Indonesien.

  • Schenk Walter sagt:

    NX = S – I . Plausibel, trivial, einfach und falsch. Ich kenne keinen Politiker und leider kaum Wirtschaftsfachleute die für wirtschaftliche Prosperität nicht Wachstum predigen. Dass Wachstum ein Nullsummenspiel auf einem nicht wachsenden Planeten mit Gewinnern und Verlierern sein muss, könnte man in einer fast noch einfacheren Formel nachweisen.
    Ein Wirtschaftssystem, das ohne Wachstum prosperiert. Natur genau anschauen, sie „wirtschaftet“ schon länger als wir Menschen!

    • Walter Bernstein sagt:

      Schenk Walter, 11:22
      Vorsicht: Die Natur ist auch auf planlose Blasen und Wachstum getrimmt. Sobald eine Lebensform ideale Bedingungen und genug Nahrung vorfindet, vermehrt sie sich explosionsartig. Bei nächster Gelegenheit geht sie dann wieder unter.
      Die Natur ist alles andere als nachhaltig. Sie erzeugt ebenso Blasen wie die Finanzmärkte des Menschen:
      Dinosaurier entwickeln sich zu imposanten Herrschern, und verschwinden plötzlich.
      Ganze Kontinente entstehen, und verschwinden wieder im Meer.
      Tiere werden geboren, leben ein blühendes Leben – und werden plötzlich gefressen.

  • Linus Huber sagt:

    „Kurz: Die USA ist eine Wachstumslokomotive. Ihre Nettoimportüberschüsse zeugen von einer zu hohen auf Kredit basierenden Nachfrage im eigenen Land und sie verdrängen Nachfrage in den Exportländern. Statt das Wachstum der Weltwirtschaft zwar langsamer jedoch nachhaltiger zu gestalten, führt dies zu zunehmenden Ungleichgewichten und Boom/Bust Zyklen.“

    Diese Aussage ist gleich stimmig wie jene des Verfassers obigen Artikels.

    Die Förderung von Nachfrage in Tandem mit der Ausweitung des Kreditvolumens sind in den Köpfen der indoktrinierten Ökonomen derart stark verankert, dass sämtliche geldpolitischen Manipulationen damit gerechtfertigt werden, unabhängig davon, inwiefern durch die erzeugten Umverteilungsmechanismen und der Institutionalisierung von „Moral Hazard“ nicht einzig das Währungssystem in sich immer volatiler wird, sondern die gesellschaftliche Kohäsion und die demokratischen Werte gefährdet werden. Aggregat dies, Aggregat jenes sind einzig oberflächlicher Ausdruck eines Umstandes und bedürfen bedeutend vertiefter Analyse in Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung.

    • Walter Bernstein sagt:

      Linus Huber, 10:48
      Letztlich haben die USA heute das, was sie immer haben wollten:
      Totaler Wettbewerb, freier Warenverkehr und entfesselte Märkte. Dumm nur, dass sich das ganze jetzt gegen sie selbst richtet.
      Es war die erklärte Absicht der US-Politik, ihre Wirtschaft auf eine neue Wissensstufe zu heben und zur reinen Dienstleistungsgesellschaft auszubauen. Die anspruchslose Herstellung von echten Produkten sollten gefälligst andere übernehmen. Leider haben da einige US-Ökonomen zu kurz gedacht,
      Denn die anderen stellen jetzt nicht nur alle Produkte her und schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand, sondern sie haben auch noch die Frechheit, ihre Waren gegen harte US-Dollar nach Amerika zu exportieren. Wie gemein!

      • Linus Huber sagt:

        „Leider haben da einige US-Ökonomen zu kurz gedacht“

        Vielleicht dient diese Berufsgruppe in erster Linie der Elite, indem sie deren Entscheide mit einem entsprechenden Feigenblatt ausstattet, oder, ordinär ausgedrückt, sich als ganz einfach verdingt.

        „Absicht der US-Politik“

        Diese ist stark durch die Lobbyisten der Finanzeliten und Grossunternehmen beeinflusst, welche sich in erster Linie um ihr eigenes persönliches Wohl (nicht desjenigen der Bevölkerung) kümmert, welches zu einem grossen Teil die weitere Akkumulation von Macht beinhalten dürfte.

        Die Komplexität der gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Zusammenhänge sind derart hoch, dass bewiesenermassen der Eingriff in den freien Austausch von Gütern und Dienstleistungen meist die kurzfristigen Vorteile von den langfristigen, oft zur Zeit nicht erkannten, Nachteilen überschattet werden.

        Das Prinzip eines langfristig orientierten und auf Nachhaltigkeit bedachten Ökonomen, welches grundsätzlich die schwierige Phase zeitlich vorzieht um später die Früchte der Bemühungen ernten zu können, ist wertvoll, wird jedoch durch die Entscheidungsträger der letzten Jahrzehnte diametral umgangen, indem immer die gute Zeit heute und morgen angestrebt wird, während versucht wird, die potentiell harte Zeit in die undefinierbare Zukunft zu verschieben. Es handelt sich teilweise um die Schwäche der Demokratie, vor allem wenn es sich inhaltlich einzig um Scheindemokratien handelt. Allerdings wird uns eines Tages die Zukunft einholen. Geschichtlich betrachtet handelt es sich um eine ausserordentlich interessante Periode, welche vor uns liegt, denn die möglichen Ereignisse und Ergebnisse sind derart vielschichtig und schwierig zu prognostizieren.

        • Walter Bernstein sagt:

          Linus Huber, 5:44
          Genau.

          Wir sind jedenfalls weit von Fukuyamas „Ende der Geschichte“ entfernt.

          Wirtschaftlich dagegen wird der Wohlstand wachsen. In 50-60 Jahren geht es den Menschen in Indien wahrscheinlich so gut wie uns heute. Mit etwas Glück sogar ohne überschuldeten Staatshaushalt.

  • Johnny Smith sagt:

    „Ihre Nettoexportüberschüsse zeugen von einer zu geringen Nachfrage im eigenen Land und sie verdrängen Nachfrage in den Importländern.“

    Zu geringe Nachfrage der Nettoexportländer verdrängt die Nachfrage der Nettoimportänder? In den Nettoimportländern ist die Nachfrage nicht zu tief, sondern zu gross. Aber egal, ob der Unlogik.

    • Johnny Smith sagt:

      Immer wieder das eine Auge blind… saldenmechanisch umformuliert:

      „Ihre Nettoimportüberschüsse zeugen von einer zu hohen Nachfrage im eigenen Land und diese verdrängt die Nachfrage in den Exportländern.“

  • Josef Marti sagt:

    Man kann die Schlussfolgerungen auch auf das alte Wachstums- und Stabilitätsgesetz aus 1967 zurückführen. Die dort aufgeführten Prinzipien wurden durch den Neoliberalismus schon längst über Bord geworfen.
    Ein wesentlicher Pfeiler dieser Prinzipien ist das aussenwirtschaftliche Gleichgewicht, welches dauernd unausgeglichene Leistungsbilanzen verhindern soll. Sowohl ständige negative wie auch ständig positive Aussenbeiträge können zu schädlichen Aussenwirtschaftsbeziehungen führen; bei ständigen Überschüssen besteht die Gefahr dass zu hohe Forderungsbestände an defizitäre Staaten aufgebaut werden, sodass die Rentenerwartungen von künftigen Generationen sich in Luft auflösen können. Letztlich sollte das nachhaltige Wachstum nicht einseitig auf Konsum oder Exporten beruhen. Sodann besteht die Gefahr, dass heimische Probleme auf Kosten anderer Aussenhandelspartner gelöst werden (beggar-thy-neighbour Politik).
    Wird die gesamtwirtschaftliche Betrachtung über den Haufen geworfen und nur noch die einzelwirtschaftlichen Interessen gefördert werden diese Ungleichgewichte zementiert.

  • H. Hanson sagt:

    @Markus Diem Meier – Ich bin kein Ökonome, hatte aber bis vor Kurzem viel mit großen Firmen in Europa zu tun. Deutschland muss nicht so viel importieren, weil es die Güter selbst herstellt. Aber auch Herr Bernstein hat Recht. Viele Komponente, die für die Herstellung dieser Güter benötigt werden, kommen aus anderen EU-Staaten, oder die Herstellung wird völlig in ein anderes Land ausgelagert.Ein gutes Beispiel wäre der Volkswagen-Konzern. Und meine Frage an Sie: Woher wissen Sie, dass die schlechten Wirtschaftsdaten vieler anderer EU-Länder ohne den Wirtschaftsmotor Deutschland nicht noch schlechter wären?

    Wenn ich die verschiedenen Artikel in den EU-Medien lese, dann komme ich zu der festen Überzeugung, dass die Ökonomen es auch nicht besser wissen, denn sie widersprechen sich ständig und sind nie einer Meinung – manchmal liegen sie richtig, manchmal falsch. Ihre Meinung, Herr Diem Meier ist nur eine von vielen.

    • Walter Bernstein sagt:

      H. Hanson, 9:23
      Heutzutage hat sich die Ökonomie zur Quasi-Religion entwickelt.
      Es werden nur noch Dogmen verteigt – gerne auch wider besseres Wissen.
      Wie bei einer echten Religion werden auch ständig Ketzer gesucht. Praktischerweise sind das immer die anderen Länder – selbst wenn das eigene Land weit mehr als genug auf dem Kerbholz hat.

      Genauso, wie die wenigsten Priester jemals Gott gesehen haben, wissen auch die wenigsten Ökonomen, wovon sie reden. Sie plappern nur das nach, was sie auf irgendeiner Uni unter Laborbedingungen gelernt haben.

  • Jörg sagt:

    Ich halte die Argumentation ebenfalls für sehr überzeugend. Es handelt sich dabei um die eigentlich seit langem bekannten Gesetze der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik.
    Aber erklären sie das mal deutschen Unternehmern.
    Ach ja, und Frau Merkel…

    • H. Hanson sagt:

      @Jörg – Kennen Sie sich wirklich in Deutschlands Wirtschaft aus? Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Und übrigens hat eine große deutsche Publikation vor nicht allzu langer Zeit einen Artikel über die marode Infrastruktur in Deutschland (auch im Zusammenhang mit der Privatfinanzierung der Bundesstraßen) veröffentlicht, in dem beklagt wurde, dass deutsche Firmen ihre überschüssigen Milliarden im Ausland anstatt in Deutschland investieren. Den deutschen Unternehmen muss man das also nicht mehr erklären; eher etwas mehr Patriotismus. Und auch nicht Frau Merkel.

  • Hugo sagt:

    Die USA importieren ein ganze Menge Konsumgüter und finanzieren diese Importe durch Kredite.

    Das ist nicht nachhaltig.

    Wenn unsere westliche Welt massiv Geld druckt und dadurch die Zinsen nach unten manipuliert, haben wir noch lange keinen Ueberschuss an Ersparnissen, sondern nur eine Illusion davon.

    • Linus Huber sagt:

      Ich mag Ihren Kommentar am besten von allen.

      Konsum, oder anders ausgedrückt, der Wunsch zu konsumieren, ist normal und muss doch überhaupt nicht gefördert werden, denn jeder versucht sich ein möglichst angenehmes Leben einzurichten. Die Frage, welche bedeutend wichtiger ist, besteht darin, ob Konsum durch Schuldenaufbau finanziert wird, wobei es grundsätzlich unwichtig ist, ob der einzelne oder die Regierung sich verschuldet, denn beides beinhaltet ein Versprechen auf zukünftige Leistung, welche zu erbringen ist. Jedoch versuchen die Ökonomen quasi immer das Problem in mangelndem Konsum zu erkennen und rechtfertigen damit jegliche geldpolitischen Umverteilungsmechanismen, welcher die Bevölkerung zwangsmässig unterworfen wird und vernachlässigen dabei die dadurch geschaffenen massiven Ungleichgewichte. Es wird wohl bald soweit kommen, dass Regierungen die Ersparnisse immer stärker konfiszieren (Geldentwertung, Zero-Zinsen, Steuern etc.) und somit indirekt drohen: Konsumiere und wenn Du Dich weigerst, nehmen wir Dir die Ersparnisse auf einem anderen Wege weg (allenfalls als Resultat von platzenden Blasen).

  • Hefti sagt:

    Der Experte wundert sich, der Laie IST ausgelaugt, ausgebeutet und angegriffen, von dieser Weltwirtschaft. Leider auch wehrlos. Immerhin sind wir noch Menschen, Tiere und Pflanzen haben gar keine Rechte in diesen Spiel. So wird Mathematik die Zukunft des Menschen bestimmen. IST fertig Ausgebeutet: Bedeutet das Ergebnis, gleich Ende Freude von Allen, welche auf der Erde wohnen und leben wollen.

  • Walter Bernstein sagt:

    Die Argumentation ist überzeugend.
    Das Wachstum treiben Länder wie die USA mit ihrer hohen Nachfrage und chronischen Defiziten an. Andererseits ist das auch nichts Neues. Schon in der Antike gab es umfassende Handelsbeziehungen und hohe -defizite.

    Gleichzeitig produzieren Länder wie Deutschland längst nicht mehr alles selbst – sie lagern grosse Teile der Produktion an andere Länder aus, z. B. in Ost- oder Südeuropa. Nur noch die Hälfte eines deutschen Autos kommt aus Dtld. selbst.
    Der spanische Ministerpräsident Rajoy hat ganz klar gesagt, dass auch Spanien (durch Zulieferungen usw.) sehr stark von Deutschlands Exporten profitiert, und er nichts daran ändern möchte.

    Andererseits kommen die exportierenden Länder zu Wohlstand und kurbeln umgekehrt die Nachfrage an, z. B. nach amerikanischen Filmen, IT-Produkten, Onlinehändlern, und machen Umsätze mit US-Kreditkarten usw.

    • Walter Bernstein sagt:

      … anscheinend ist dieser Zustand aber von den USA gewünscht, sonst würden sie sich nicht so vehement für TTIP einsetzen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.