Die positiven Folgen des Krimkriegs

Die Niederlage Russlands im Krimkrieg von 1853-56 half der Industrialisierung des Landes auf die Sprünge.
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Wirtschaftsmotor Krimkrieg: Erstürmung des Forts Malakoff 1855. (Foto: Wikicommons/Valentin Ramirez)

Ähnlich wie die Eidgenossenschaft im 16. Jahrhundert (Marignano) hat Russland im 19. Jahrhundert eine militärische Niederlage erlitten, welche positive ökonomische Folgen hatte. Die Rede ist vom Krimkrieg (1853-56), den Russland gegen die vereinte Macht des Osmanischen Reiches, Grossbritanniens und Frankreichs verlor.

Der militärische Konflikt drehte sich um die Frage, ob sich Russland am Schwarzen Meer auf Kosten des Osmanischen Reiches weiter ausdehnen durfte. Die entscheidende Schlacht war die Belagerung Sewastopols durch die westlichen Mächte. Im September 1855 mussten die russischen Truppen die Stadt räumen.

Der Krieg hatte zunächst nur eine negative Wirkung. Russland musste grosse Verluste verkraften. In einem zweiten Schritt aber löste er etwas Positives aus. Die Kriegsniederlage hatte dem russischen Militär nämlich klar vor Augen geführt, dass es eine stärkere wirtschaftliche Basis brauchte, um in einem künftigen Krieg mit dem Westen mithalten zu können. Das bedeutete, dass man vom Staat aus Anstrengungen unternehmen musste, um die Wirtschaft voranzubringen.

Russland musste als Erstes die Landwirtschaft modernisieren – ähnlich wie China nach 1978. So schaffte man 1861 die Leibeigenschaft ab, um die Mobilität der Arbeitskräfte zu fördern und den Boden handelbar zu machen. Der russisch-amerikanische Wirtschaftshistoriker Alexander Gerschenkron bezeichnete die Leibeigenschaft als wichtigste Wachstumsbarriere der russischen Wirtschaft.

Der Impuls, der vom russischen Militär ausging, wirkte. Die Wirtschaft begann allmählich schneller zu wachsen. In den 1880er Jahren drängte das Militär darauf, den Eisenbahnbau staatlich zu fördern. Der Abstand zum Westen verschwand zwar nicht, aber die Industrialisierung hatte nun Wurzeln geschlagen.

Die folgende Tabelle dokumentiert diesen Aufwärtstrend (Quelle). Im Jahr 1860 betrug der russische Pro-Kopf-Industrialisierungsgrad acht Prozent des britischen Niveaus von 1900, im Jahr 1900 15 Prozent, im Jahr 1913 20 Prozent. Neuste Forschungen zeigen überdies, dass der Lebensstandard nicht nur in den industriellen Ballungszentren, sondern auch auf dem Land stieg (hier).

Was das Zarenreich im 19. Jahrhundert begonnen hatte, setzten die Bolschewisten nach 1917 fort. Der Staat blieb weiterhin der wichtigste Agent der wirtschaftlichen Entwicklung. Und nach einer radikalen Liberalisierungswelle in den 1990er Jahren scheint das moderne Russland wieder an diese alte Tradition anzuknüpfen – mit unabsehbaren Folgen, wie die jüngsten Ereignisse auf der Krim zeigen.

23 Kommentare zu «Die positiven Folgen des Krimkriegs»

  • Georgy Porgy sagt:

    Die Bolschewiken haben die Industrialisierung nicht fortgeführt. Es war eine Zeit der Plünderung. Das hat der Ökonom Guriev in seiner Arbeit erforscht. Erst Stalin hat sich mit dem Aufbau des Staates beschäftigt.

  • urs lehmann sagt:

    Mit Ausnahme von DE, DK und S haben die Länder ihren Rang über die 53 Jahre kaum verändert. Angesichts der Dynamik insbesondere von DE und S fände ich es viel interessanter und informativer zu erfahren, was die Ursachen für diese Überflieger waren.

    Interessant fände ich zudem zu sehen, wie der 1.WK sich auswirkte und was während in der Zwischenkriegszeit passierte.

    • Rolf Zach sagt:

      Ich versuche es mit einer Erklärung. Deutschland hatte nach der Einigung 1871, das beste Bildungswesen in Europa entwickelt und übertraf damit noch die Schweiz. Der geringste prozentuale Anteil an Analphabeten auf der Welt hatte um 1914 das Deutsche Reich, besser noch als die Schweiz. Die meisten Nobelpreisträger kamen damals als Deutschland und das blieb so bis zur Judenverfolgung unter Hitler. Übrigens ging während der Nazi-Zeit die Anzahl der Studenten zurück. Deutschland war damals in Technologie neben der USA die führende Nation. Schweden war 1870 ein viel ärmeres Land als die Schweiz. Aber bahnbrechende technische Entwicklungen (Ericsson, SKF, Nobel und Schiffsbau) und der Handel mit Deutschland und Russland führten zu dieser Entwicklung verbunden mit Erhöhung des Bildungsniveau. Ohne 1. Weltkrieg
      wären wir von Deutschland überholt worden. Die Zwischenkriegs-Zeit war ausser den Jahren 1924 bis 1931 und wiederum
      nach der Abwertung 1936 eine bleierne Zeit mit wenig Wachstum. Sie verlief in vielem parallel zur Wirtschaftsentwicklung
      Frankreichs. Als Lektüre ist Kindleberger zu empfehlen. Mein Grossvater als Bäckermeister und Bauer im Berner Oberland
      hatte seine besten Jahre zwischen 1924 und 1931. Vorher hatte er grosse Schwierigkeiten seine überteuerten Landkäufe,
      finanziert mit Kriegsgewinn und Schulden, durch die Depression von 1920 durch zubringen. Ab 1933 hat der zusammenbrechende Viehexport nach Osteuropa seiner bäuerlichen Kundschaft enorm geschadet und es konnte nur noch
      Brot verkauft werden, indem man den Käufern Kredit gab oder Holz und anderes abnahm. Mein Grossvater versuchte dann,
      dieses Holz an seine Mehl-Lieferanten als Barter zu verkaufen. Er hatte Erfolg, aber es war hart.

      • Manfred Grieshaber sagt:

        @Rolf Zach: Schon 1834 schuf man mit dem Deutschen Zollverein einen einheitlichen Wirtschaftsraum. Der britische Premier Palmerston erkannte sogleich die Bedeutung und warnte im Unterhaus davor das Großbritannien dadurch seine wirtschaftliche Vormachtstellung in Europa verlieren wird. Da es aber nur auf Regierungs- und Unternehmerseite diesen Rahmen im Deutschen Bund gab und keinerlei rechtliche Absicherung der Arbeitnehmer entwickelten sich die Deutschen Staaten zu Billiglohn-Gebieten. In Frankreich führten solche Zustände wiederholt zu Revolutionen, in Großbritannien hatten sich die Arbeitnehmer schon organisiert. Nur der Deutsche Michel, diese Schlafmütze, ließ sich ausbeuten. Man braucht sich nur Photos oder Zeichnungen aus der Zeit zwischen 1860 – 1880 aus Berlin anzusehen. Die Arbeiterquartiere waren regelrechte Slums und glichen eher südamerikanischen Favelas. Und für die wachsende Montanindustrie gab es ein riesiges Reservoir an bettelarmen Landarbeitern aus den östlichen Gebieten des Königreichs Preussen. Die schickte man in die Zechen und an die Hochöfen. Das sieht man noch heute bei einem Blick in die Telefonverzeichnisse des Ruhrgebietes, ca. 1/4 aller Namen sind polnisch.

      • urs lehmann sagt:

        Danke für Ihre Antwort, Ihr Ansatz deckt sich weitgehend mit meinen Überlegungen.

        Hinzu kommen wahrscheinlich noch: durchlässige Gesellschaft und einigermassen tiefe Korruption (beide begünstigen Meritokratie) sowie eher tiefe Unterschiede im wirtschaftlichen Wohlergehen.

        Die Staatsform halte ich, aus Perspektive des wirtschaftlichen Erfolges, für eine weitgehende Nebensache, entscheidend dürften vielmehr die Faktoren sein die oft mit einer Demokratie einhergehen, siehe oben.

        Das Problem am Ganzen und Grund für meinen Post dabei ist, dass wir hier am einigermassen unfundiert überlegen sind, wohingegen ich mir von einem NMTM-Artikel entsprechende Zahlen erfoffen würde.

  • Manfred Grieshaber sagt:

    Die Modernisierung hat Russland gar nichts gebracht. Denn im Krim-Krieg hatte man das Kriegsziel verfehlt: den Bosporus und die Dardanellen unter russische Kontrolle bringen. Ohne ungehinderte Teilnahme am maritimen Welthandel nutzte der ganze Fortschritt nichts. Seit 1807 betrieb das British Empire eine Politik die das Unterhaus „The Great Game“ nannte, die systematische Eindämmung Russlands und vor allem die, wenn nötig, militärische Verhinderung eines russischen Zugangs zum Mittelmeer oder zum Indischen Ozean. Das Empire sprach immer vom freien Welthandel (Opium-Kriege gegen China). Tatsächlich ging es nur um die handelspolitische Monopolstellung Großbritanniens. Dieses „Great Game“ hat sich eigentlich bis heute fortgesetzt nur das heute die NATO den Part des Empire übernommen hat.

  • Beat S. Eberle sagt:

    Krimkrieg – da hab ich mal was gelesen in P. Kennedy: Aufstieg und Fall der grossen Mächte.
    Sehr gut geschrieben und auch für ein Leihen wie mich verständlich und nachvollziehbar.
    Und was finde ich beim durchblättern: Die Zahlen von Bairoch.

    Hier noch eine Ergänzungen zur Tabelle:
    USA: 21; 38; 69; 126
    China und Indien sind permanent unter 5 und die Zahlen sind rückläufig!
    Mit der Tabelle habe ich so meine Mühe: 1860 und 80 Deutschland klar hinter Frankreich?
    Holland permanent hinter Österreich-Ungarn?

    Zum Krimkrieg:
    Russland hatte nach den Napoleonischen Kriegen und um 1848 eine starke Position in Europa.
    Die Niederlage im Krimkrieg und auch die Niederlagen gegen Japan 1905 und im ersten Weltkrieg 1917 warfen Russland auf eine zweitrangige Position zurück. Erst mit dem Ende des verlustreichen ‚Grossen Vaterländischen Krieges‘ 1945 erreichte Russland wieder eine vergleichbare beherrschende Position.
    Meiner Meinung nach liegt hier ein Trauma im Russischen Selbstverständnis, welches im Westen nie richtig verstanden wurde.

  • Gion Saram sagt:

    Es wäre schön wenn auch der jetztige Krimkonflikt positive Folgen hätte und die neue ukranischische Regierung sich ehrlich bemühen würde, das Volk reicher zu machen und nicht sich selber sowie es die letzten 25 Jahre von ihren Vorgängern gemacht wurde. Die Flucht in die russische Bärenumklammerung war auch eine klare Abfuhr an die bisherige Misswirtschaft der Kiewer Regierung. Wenn sich die neue Regierung nicht mehr bemüht um ihre Bürger, läuft ihr auch noch der ganze Osten der Ukraine davon. Eine Regierung hat dem Wohle des Volkes zu dienen und nicht umgekehrt!

    • Josef Anton sagt:

      „Eine Regierung hat dem Wohle des Volkes zu dienen und nicht umgekehrt“

      Da kann ich Ihnen nur beipflichten.

      Das Problem liegt darin, dass Organisationen, wie auch Regierungen dies sind, von Menschen besiedelt werden, deren erste Priorität ihr persönliches Wohl ist. Dies ist nicht verwerflich, sondern man muss sich dessen einfach bewusst sein und dementsprechend die Macht von Regierungen begrenzen (da frei von Konkurrenz) und ihre Aktivitäten immer mit einem gewissen Misstrauen beobachten um als mündiger Bürger entsprechend bei Wahlen und Initiativen reagieren zu können. Die Regierung muss transparent sein und nicht die Bürger. Mit der direkten Demokratie sind wir diesbezüglich in der Schweiz privilegiert.

      • Gion Saram sagt:

        „Die Regierung muss transparent sein und nicht die Bürger“ Meine Rede, aber mit der Abschaffung des Bankgeheimnis und der Ausweitung der Datenspeicherung auf Vorrat und dergleichen Ueberwachungsmassnahmen wird der Bürger immer transparenter gemacht während gleichzeitig jeder Rülpser in den Amtsstuben zum Amtsgeheimnis erklärt wird und jeder Beamte der diese Omerta bricht wird vor Gericht gezerrt. Während vor 30 Jahren die Linken, sich noch heftig gegen Spitzelmethoden des Staates wehrten sind sich heute alle Parteien einig das wer nichts zu verstecken hat, ja auch nichts zu befürchten hat. Ich sehe heute weit und breit keine politische Kraft mehr die sich der Freiheit der Bürger verpflichtet. Sicherheit um den Preis der Freiheit ist das Mantra des Zeitgeistes.

        • Josef Anton sagt:

          Sie haben eine gesunde Einstellung.

          Sie bringen die Sache gut auf den Punkt. Nachdem der Bürger nun schrittweise transparenter gemacht wurde, wird um die offensichtlich nicht nachhaltigen Programme zu finanzieren weltweit langsam die Steuerschraube angezogen werden und damit die Mittelschicht weiter zerstört. Und dies während diese Sesselfurzer, welche uns die gegenwärtige Misere einbrockten, im Schutze der Immunität für sich lebenslange sehr großzügige Renten und Bezüge sicherstellten und bis dahin sich als „Gutmenschen“ im Rampenlicht der Öffentlich ablichten lassen.

  • Rolf Zach sagt:

    Vielen Dank an den Verfasser für diese wirklich erhellende Statistik von Bairoch. Erstens sind zwei Länder klar die Wachstums-Lokomotiven Europas in dieser Zeit: Deutschland und Schweden. Auch Belgien und die Schweiz haben sich sehr gut gehalten.
    Zur Schweiz möchte ich sagen, dass sie vor 1860 sich besser entwickelte als Deutschland (neben England die beste Textil-Konjunktur). 1914 waren die Schweiz und Deutschland gleichauf, aber z.B. hatte die AEG mehr als 50 % der Aktien der BBC
    in ihren Händen, ebenfalls waren die Deutschen an der Alusuisse stark beteiligt. Ohne die beiden Weltkriege wäre die Schweizer
    Industrie (nicht die Uhren) deutscher Ausland-Besitz geworden. Wenn man die Zahlen vergleicht, sieht man klar, dass von beiden
    rückständigen Grossmächte in Ost- und Zentraleuropa, die Österreich-Ungarn eine bessere Leistung vorweisen konnte als das
    Zarenreich. Was aber bemerkenswert ist, dass sich langsam Russland mit Witte ab 1892 und stärker noch mit Stolypin zu industrialisieren begann. Hobsbawm verneint diese Entwicklung, Orlando Figes will sie nicht so recht wahrhaben. Ich kann nur
    sagen, Familen aus dem Berner Oberland sind vor 1914 nach Russland als der Land der Hoffnung ausgewandert und noch mehr war das bei vielen Romands der Fall. Carl Spitteler war z.B. in seinen jungen Jahren Hauslehrer in St. Petersburg. Kurz gesagt,
    die Industrialisierung war am Anrollen und es brauchte dazu nicht die Oktoberrevolution von Lenin. Russlands Unglück war sein
    Eintritt in den Ersten Weltkrieg, die wirklich katastrophale Dummheit des letzten Zaren und er hätte aus Krieg aussteigen können unter dem Verlust von Polen, aber was wollte Russland dort. Es ist noch darauf hinzuweisen, dass russische Unternehmer oft
    Deutsche, Juden, Armenier und Altgläubige waren.

  • H.Trickler sagt:

    Ob Autor Straumann bedacht hat, dass man den Titel missverstehen könnte, nämlich bezogen auf den aktuellen Krieg??

  • K.A. Barett sagt:

    Die Geschichte ist eine nie reissende Kette von Interdependenzen zwischen den gesellschaftlich/politisch/wirtschaftlich/militärisch relevanten Teil-Prozessen. Man kann buchstäblich nichts aus dem Zusammenhang reissen. Retrospektiv sind kluge und weniger kluge Analysen der historischen Abläufe und gegenseitigen Abhängigkeiten möglich. Diejenige von Tobias Straumann gehört meines Erachtens in die erstgenannte Kategorie.

  • Josef Anton sagt:

    Man könnte auch die These aufstellen, um ein Land zu entwickeln, wirft man am besten eine Atombombe ab (Hiroshima). Danach entwickelte sich Japan in einem enormen Tempo…..

    • K.A. Barett sagt:

      Diese These entbehrt nicht einer gewissen Realitätsnähe.

      • ast sagt:

        Die Hiroshima Bombe war eine „Mininuke“, gemessen an den später neu entwickelten Atombomben. Selbst die Reaktoren von Fukushima setzten mehr Radioaktivität in die Umwelt frei. Die Menge des freigesetzten radioaktiven Cäsiums war 168 Mal höher als bei der „Little Boy“ Atom-Bombe. Von den 350’000 Einwohnern von Hiroshima starben ca. 140’000 Menschen.

        Die hohe Zahl an direkten Todesopfern erklärt sich durch die Sprengkraft der Bombe, während der Schaden infolge „Fukushima“ langfristiger Natur ist und noch gar nicht abzuschätzen.

        Eine „moderne“ Wasserstoffbombe könnte Japan auf Jahrtausende unbewohnbar machen, was allerdings auch infolge eines Nachbebens mit gefährlicher Windlage in Fukushima noch geschehen könnte. Ein „Experiment“ mit Massenvernichtungs-Waffen würde also in der Moderne kaum noch irgendwo eine positive Auswirkung in einer absehbaren Zukunft auslösen.

  • Josef Anton sagt:

    Nur weil eine Entwicklung scheinbar als Folge einer anderen Entwicklung stattfindet, ist dies noch lange nicht der Beweis, dass die erste Entwicklung der Grund fuer die zweite darstellen muss.

  • rascha kocher sagt:

    Mehr Wohlstand ergibt mehr Familiennachwuchs; somit Kanonenfutter > Dank dem eine Überbevölkerung und entsprechendes Elend gemildert werden kann. Solch‘ Finanzdiktaturen haben ES in sich…

  • Manfred Gullner sagt:

    Das ist ja mal eine waghalsige These. Zwischen 1900 und 1913 ist der Industrialisierungsgrad aller aufgeführten Länder angestiegen. Bei einigen mehr und bei anderen weniger. Daraus abzuleiten, daß der 50 Jahre vorher stattgefundene Krimkrieg für den Anstieg des russischen Industrialisierungsgrads verantwortlich sein soll, ist doch sehr weit hergeholt.

    • Dani Meier sagt:

      Herr Gullner, ich finde die Argumentation von Herrn Straumann gar nicht waghalsig, denn oftmals ist es so, dass aus einer verlorenen Schlacht oder auch einem verlorenen Krieg, wenn der unterlegene Staat dann noch existiert, die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden. Die russische Armee hatte wohl Versorgungs- und Nachschubprobleme und deshalb musste zwingend etwas in Richtung Industriealisierung und Bau von Nachschubwegen (Eisenbahn) geschehen.
      Auch Deutschland hat nach dem WW1 (militärisch!) seine Lehren gezogen und seine Reichswehr mit den bestmöglichen Leuten gefüllt und diese dann bestens ausgebildet (Jeder Angehöriger konnte auch Funktionen zwei Stufen über seinem Grad ausfüllen, 12J Dienstpflicht, Panzerübungen in der UdSSR uA.). Nach dem Krieg haben die US-Streitkräfte gute und interessante Abhandlungen geschrieben, wieso die Wehrmacht trotz (zumeist) numerischer und materieller Unterlegenheit jeweils weniger Verluste erlitt wie die Angloamerikaner.
      Frankreich hingegen hat nach dem WW1 nur die Maginotlinie gebaut, mit den bekannten katastrophalen Folgen im Mai/Juni 1940. Taktisch hat man fast nichts geändert.

      • Rolf Zach sagt:

        Ich kann Ihnen nur beipflichten, Herr Meier. Die russische Militärmacht war im russisch-türkischen Krieg von 1877-1878
        wesentlich erfolgreicher und konnte praktisch alle Gebietsverluste aus dem Krimkrieg wieder zurückholen. Die Russen waren zum ersten Mal und danach nie wieder buchstäblich vor den Toren Istanbuls. Ohne die Drohung einer Militär-Intervention
        von England zugunsten der Türken unter der Führung von Disraeli konnte dies im letzten Augenblick abgewendet werden.

        • urs lehmann sagt:

          Gem. Wiki griffen England und Frankreich im Krimkrieg den Osmanen unter die Arme, nachdem die Russen die türkische Flotte in Sinope versenkt hatten, um eine Niederlage der Osmanen zu verhindern. Im Osmanischen Krieg standen die Osmanen RU alleine gegenüber und verloren, genau das Szenaio das im Krimkrieg durch die Hilfe von F und E vermieden worden war.

          Einen Schluss auf die veränderte Stärke Russlands lässt dies auf die Schnelle kaum zu.

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