«I know it when I see it»

Pornographie? Nein, entschied der Oberste Gerichtshof der USA 1964 in einem Urteil zum französischen Spielfilm «Les amants».

Pornographie? Nein, entschied der Oberste Gerichtshof der USA 1964 in einem Urteil zum französischen Spielfilm «Les amants».

Ist es eine Immobilienblase oder nicht? Wenige Fragen beschäftigen die Schweizer Banken und Behörden so stark wie diese. Meistens lautet die Antwort: Es ist keine Blase. Es finde zwar durchaus eine Übertreibung statt, aber die Verzerrung halte sich in Grenzen.

In der Ökonomie scheut man sich ganz generell, von einer Blase zu sprechen. Es gibt keine zuverlässigen Schwellenwerte, die eine klare Kategorisierung erlauben würden. Kürzlich an einer Tagung, an der es um die Geschichte der norwegischen Immobilienkrisen ging, kam es deswegen zu einem Wortgefecht. Der eine behauptete, es habe immer wieder Blasen gegeben, während die andere den Begriff für untauglich hielt.

Die Argumente der Ökonomie mögen theoretisch stichhaltig sein, aber die norwegische Diskussion erinnerte mich an den Gerichtsfall Jacobelli vs. Ohio von 1964, als es um darum ging zu definieren, wie weit Filme bei der Darstellung von Erotik gehen dürfen. Der Richter schrieb, er sei nicht in der Lage, genau zu definieren, was pornographisch sei und was nicht. Aber eines sei klar: «I know it when it see it.»

Man sollte sich deshalb nicht zu lange bei den theoretischen Diskussionen aufhalten, sondern einfach zwei, drei simple Grafiken anschauen und ernst nehmen. Die folgende Grafik zeigt zum Beispiel, dass sowohl das Volumen der Hypokredite im Verhältnis zum BIP wie auch die Immobilienpreise in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind (Quelle: SNB). Das kann nicht ewig so weiter gehen.

Die nächste Grafik zeigt, dass das Verhältnis der Eigenheimpreise zum Einkommen pro Haushalt stark zugenommen hat (Quelle: UBS). Wir sind bald auf demselben Niveau wie Ende der 1980er Jahre. Wir wissen heute, wie lang es gedauert hat, bis diese Übertreibung korrigiert war. In den 1990er Jahren hatten wir deswegen sechs Jahre lang kein Wachstum.

Kurz und gut, man sieht auf einen Blick, dass der Immobilienmarkt in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen ist. Ob wir dem Ganzen den Namen Blase geben oder nicht, ist gleichgültig. Es gilt: «I know it when I see it.»

Der gleiche Gedanke kam mir, als ich kürzlich einen Rückblick auf die letzten 40 Jahre Schweizer Finanzmarktgeschichte präsentieren musste. Um mir eine erste Vorstellung machen zu können, was sich quantitativ verändert hat, schaute ich die Entwicklung der Bilanzsummen der Grossbanken an. Ich bin regelrecht erschrocken, nicht nur über das tatsächliche Wachstum, sondern auch über meine damalige Ahnungslosigkeit. Ich war mir in den Jahren 2003 bis 2007 überhaupt nicht bewusst, wie atemberaubend das Bilanzwachstum der beiden Grossbanken ausfiel. Hätte man diese einfache Kennziffer ernst genommen, wäre man vermutlich schnell zum Schluss gekommen, dass sich hier ein gefährliches Ungleichgewicht aufbaute.

Alarmrufe hätten wahrscheinlich nichts an der Sache geändert. Aber das Ansehen der Ökonomie hätte wohl während der Finanzkrise etwas weniger Schaden genommen.

Verblüffend ist übrigens auch, wie schnell die Grossbanken ihre Bilanzen wieder zurückgefahren haben. Bei aller berechtigten Kritik an den neuen Regulierungen muss man anerkennen, dass sich in den letzten vier Jahren viel erreicht worden ist. Das Systemrisiko ist im Moment sicher viel geringer als 2007.

Der grosse Test steht aber noch aus. Erst im nächsten Boom sehen wir, ob die Grossbanken wirklich robuster geworden sind und die Lehren aus der Krise gezogen haben. Auch hier gilt: «I know it when I see it.»

 

69 Kommentare zu ««I know it when I see it»»

  • Christian sagt:

    Immobilienblase oder nicht? Das ist die grosse Frage die die Schweizer zurzeit so beschäftigt. Ich glaube eher nicht, dass es zu einer Blase kommt, bzw. schon eine da ist durch die Vielzahl an Neubauten und Neubauwohnungen. Denn in der Schweiz steckt sehr viel Kapital hinter den Investitionen und nicht wie in vielen anderen Ländern der letzten Jahre wo Menschen auf Pump gebaut haben. In der Schweiz wollen die Menschen eher ihr bereits erwirtschaftetes Vermögen in eine sichere Anlage stecken.

  • Peter Seiler sagt:

    Wie dieser Blog sehr gut aufzeigt, beträgt die Hypo- Verschuldung zu BIP eine Rekordhoch. Durch tiefen Zinsen haben sich viele Wohneigentum gekauft. Durch die rege Bautätigkeit brauchte es Arbeitskräfte welche auch wieder Wohnraum brauchten. Ein selbstverstärkender Trend. Durch die Zuwanderung braucht es wiederum mehr Zuwanderung für andere Branchen um die zusätzliche Nachfrage nach anderen Gütern abzudecken. Wir kennen das Zauberwort unseres Wachstums in den letzten Jahren: Der Privatkonsum. Im Blog http://www.immobiliencrash.ch kann man das detailliert nachlesen. Es ist sicher einer der besten Blogs zum Thema Immobilienblase in der Schweiz.

  • Ahn Toan sagt:

    @Seppetoni

    Ihre Freundin, Marine Le Pen, will den Franc, um ihn ab zu werten. Um mindestens 20%. Das sagt Sie im Interview von heute.

    Wenn Muttis regieren, wird die Gesellschaft infantilisiert, sogar zunehmend, und erst noch das Gewaltmonopol ausgebaut. Mutti sagt, was gut und was schlecht für uns ist, weil Mutti muss auf uns aufpassen. Kaum eine Macht ist so absolut, wie diejenige der Mutter. Wir müssen das Frauenstimmrecht abschaffen, der ganze Feminismus ist ohnehin links und europäisch, aber, lieber seppetoni, eine Frage habe ich noch:

    „Wird uns Marine Le Pen wirklich dabei helfen, die Abwertung und das Frauenstimmrecht zurück zum Teufel zu jagen?“

    • Josef Anton sagt:

      Es ist bedauernswert, wenn die intellektuelle Kapazität einzig dazu ausreicht, in Schwarz-Weiss zu denken.

      Wenn man sich gegen die wuchernde Bürokratie ausspricht, welche durch ihr arrogantes und abgehobenes Verhalten genau die Situation produziert, dass sich die Bürger aufgrund zunehmenden Vertrauensverlustes in diese Entscheidungsträger und im Verlangen nach Veränderung sich von fragwürdigen Parteien angezogen fühlen, wird man von Simpletons anscheinend automatisch zum Freund dieser Parteien erkürt. Nur weil eine Entwicklung eine andere noch schlimmere produzieren mag, muss man die ursprüngliche Entwicklung einer zunehmenden Machtkonzentration und der damit verbundenen Infantilisierung der Gesellschaft deshalb nicht als positiv betrachten, sondern sie umso stärker kritisieren, da sie genau eine gefährlichere Entwicklung produziert. Wohin diese Drang der Bürokraten nach mehr Macht führen kann, zeigt z.B. der nachfolgende youtube gut, in welchem der bewundernswerte Ladar Levison gut erklärt, wie sich diese Entwicklung im Bereiche der Überwachung der USA abspielt (leider nur in Englisch), wobei es sich nicht um neue Erkenntnisse handelt, sondern um die persönlichen Erfahrungen, welche er anhand der Bürokratie erfuhr.

      http://www.youtube.com/watch?v=_5WzDjYL1nk

      • Anh Toan sagt:

        Wie definieren/messen Sie

        – Infantilisierung
        – Bürokratie
        – Arroganz (Von unten wirkt Niveau wie Arroganz)
        – Entscheidungsträger
        – Macht

        Ihre Behauptungen bestehen aus undefinierten Begriffen, Sie machen keine Aussage, könnten asuch etwas sagan wie:

        Das immer schlimmere bla bla der bla bla führt zu bla bla.

        Dann haben Sie gesagt!

        Ich gestehe, verliebt zu sein in Güzin Kar (Man wird doch noch sagen dürfen, Herrgot nochmal!)

        • Anh Toan sagt:

          Zeigen Sie mir Charts mit der zunehmenden Infantlisierung, Machtkonzentration, Bürokratisierung, Zentralisierung, Arroganz der Entscheidungsträger, in welchen ich erkennen kann, ob die Bürokratie mehr wucherte bei expansiver Geldpolitik, die Entscheidungsträger weniger abgehoben waren bei restriktiver Geldpolitik. Charts aus denen ersichtlich wird, dass die Staatsverwaltung immer bürokratischer wurde, was weiss ich. Ich verstehe aber immerhin, ihre Behauptungen sind so wenig substanziiert, dass sie weder verifizierbar noch falsifizierbar sind, es sind reine Werturteile gemessen in STK (seppetoni Kreuzern)

        • Josef Anton sagt:

          Wenn Ihnen die Begriffe fremd sind und Sie diese nicht verstehen, rate ich Ihnen sich die Definitionen z.B. in Wikipedia zu beschaffen. Das „Niveau“, welches Sie ansprechen, hat uns in die heutige schwierige Situation manövriert, da lachen sogar meine Zehen, denn ich war lange genug Teil dieses „Niveaus“.

          Qualitative Veränderungen sind keine Buchhaltung und wohl ein wenig schwierig für einen Erbsenzähler zu verstehen. In der Schweiz sind wir aufgrund der direkten Demokratie selbstverständlich privilegiert in dieser Beziehung, da die Volksrechte dem Bestreben der Bürokraten immer wieder einen Schuss vor den Bug versetzt, ansonsten wir wohl schon lange in der EU gelandet wären.

          Selbstverständlich dürfen Sie sagen was Sie denken und ich würde Ihnen dieses Recht in keinem Falle absprechen wollen, selbst wenn ich gegenteiliger Ansicht sein sollte.

          • Ahn Toan sagt:

            Wikipedia: Infantilisierung hat zwei Formen

            Die eine besteht in der hektischen Aufwertung der Kindheit seitens der Politiker.

            Die andere in der Absenkung des allgemeinen intellektuellen Niveaus

            Welche von den zwei meinen Sie?

            Zu Bürokratie sagt Wikipedia

            Bürokratie („Herrschaft der Verwaltung“) ist die Wahrnehmung von Verwaltungstätigkeiten im Rahmen festgelegter Kompetenzen innerhalb einer festen Hierarchie.

            Ist Bürokratie nun „Herrschaft der Verwaltung“ oder Verwaltungstätigkeit im Rahmen (logischerweise von einem übergeordneten Organ) festgelegter Kompetenzen innerhalb einer festen Hierarchie?

            Ich verstehe nicht nur die Begriffe in ihrer Unbestimmtheit, sondern auch in ihrer Kontonation.

        • Anh Toan sagt:

          Fakt ist, weder dass die Bürokratie wuchert noch dass die Gesellschaft Infantilisiert wird ist keine Tatsache.

          Um eine (Tatsachen-)Behauptung zu haben, müssen wir „Bürokratie“ bzw. „Infantllisierung“ messbar definieren. Erst dann haben wir eine Behauptung, die wir beweisen oder widerlegen können, indem wir die so definierte Infantlisierung bzw. Bürokratie über einen Zeitraum messen und die Messungen vergleichen.

          Also was ist ihre Aussage, wenn sie weder Tatsachen, noch Behauptungen erhält? Ein Werturteil.

          Infantilisierung ist schlecht, warum eigentlich?
          Entscheidungsträger sind abgehoben, also weltfremd, wie kamen die da hin? Ach so, nur eigene Interessen vertreten, und bis sie da oben waren, hats niemand gemerkt? Haben die was anderes verdient, wenn sie so bescheuert sind?
          Bürokratie ist der böse Teil der Staatsverwaltung

          usw.usw.

          • Josef Anton sagt:

            Zum letzten.

            Infantilisierung einer Gesellschaft heisst nichts anderes, als diese vom Staat abhängig zu machen.

            Bürokratie ist weder gut oder schlecht, sondern wohl ein notwendiges Übel, wobei es nicht um dessen Existenz sondern dessen Ausmass ankommt. Es ist menschlich nicht verwerflich, dass die Menschen, welche in diesen Organisationen arbeiten, sich in erster Linie darum kümmern, sich um ihre persönliche Zukunft zu kümmern, indem sie sich für das Wachstum und den Einfluss ihres Arbeitgebers einsetzen; jedoch handelt es sich gesamtwirtschaftlich betrachtet um eine negative Entwicklung, indem sich ein immer höherer Anteil der Bevölkerung mit Verwaltungsaufgaben abgibt, welche vom produktiven Teil der Bevölkerung finanziert werden muss. Wie erklärt, bietet die direkte Demokratie einen Hebel, welche solche Entwicklungen gelegentlich verhindert.

            Man muss alles immer in seiner Wechselwirkung betrachten und nicht versuchen ein Wort aus dem Zusammenhang zu reissen und eine banale Aussage wie z.B. „Bürokratie ist der böse Teil …“ zu äußern. Es geht nicht um gut und böse, sondern darum, die Zusammenhänge zu erkennen. Und nein, man muss dies nicht messen und noch mehr Bürokratie erzeugen, sondern einzig deduktive Logik verwenden.

          • Josef Anton sagt:

            Ein weiterer interessanter Begriff ist „Ineptocracy“, dessen Definition wohl ein wenig herausfordern wirken dürfte, aber dadurch eben den Charakter offeriert, einen zum Nachdenken anzuregen.

  • Josef Anton sagt:

    I know it when I see it. Dies mag wohl auch auf ein diktatorisches Gebilde zutreffen. Ein guter Artikel in diesem Zusammenhang finden Sie hier.

    http://www.sackstark.info/?p=31133

  • Josef Anton sagt:

    Ein gutes Beispiel, wie Bürokratien ihre Macht und ihren Einfluss immer auszubauen versuchen und dies mit einer bedenklich fragwürdigen Arroganz:

    http://www.informationclearinghouse.info/article37599.htm#sthash.9XjZtSI2.dpuf

    Wenn es nicht so offensichtlich wäre, würde man es in den Bereich der sogenannten Verschwörungstheoretiker abschieben.

    • urs lehmann sagt:

      Die beiden Flaggen (USA – ausgebreitet => kraftvoll, Ukraine – praktisch zusammengefaltet => lahme Ente) zeigen geradezu exemplarisch die Einschätzung aus Sicht der USA auf. Und durch die Logos von ExxonMobil links und Chevron rechts wird auch gleich klargemacht, worum es wirklich geht.

  • Josef Anton sagt:

    Interessant war Yellens Aussage, dass sie zur Zeit keine Blasen erkennen kann. Die Bilanzen der Zentralbanken sind wohl nicht Teil ihrer Wahrnehmung.

  • Ahn Toan sagt:

    06.12.1992 Nein EWR
    09.02.2014 Nein Bilaterale

    es bleiben 2 Optionen

    Beitritt
    Alleingang

    Hat Blocher uns in die EU geführt? Wollte er dies als globalier Kapitalist?

    • Josef Anton sagt:

      Schwarz-Weiss Malerei.

      Bevor wir uns den Kopf zerbrechen, warten wir besser einmal ab, wie die EU-Parlaments Wahlen im Mai ablaufen. Wenn sich die Anzahl der EU-Kritiker in Brüssels markant steigern sollte, wird sich auch die allgemeine Einstellung verändern. Es gibt genügend Länder, in welchen sich das Problem der ME in ähnlicher, obwohl nicht gleicher Intensität meldete. Die Idee, dass die Bilateralen Verträge solch eine wunderbare Situation darstellten, wurde zu stark hochstilisiert. Wir werden so oder so mit der EU, wie mit jedem anderen Land auf dieser Welt, Handel treiben. Wenn es in einzelnen Bereichen ein wenig schwieriger sein mag, ist dies nicht von hoher Bedeutung.

      Was viel wichtiger ist, dass der zunehmenden Infantilisierung der Gesellschaft durch eine wuchernde Bürokratie die Grenzen aufgezeigt wird. Die Reaktionen auf dieses Abstimmungsresultat zeigen deutlich, dass die Volksrechte schrittweise untergraben wurden, indem die Ausübung der Selbstbestimmung als ein Problem dargestellt wird. Das Gefühl der Sicherheit, welches einem durch den Anschluss an eine grössere Machtstruktur vermittelt wird, beinhaltet immer auch die Aufgabe von Freiheit und Unabhängigkeit. Auch wenn die Freiheit manchmal seinen Preis einfordert, muss man sich dessen bewusst sein, dass man mit der Aufgabe seiner Unabhängigkeit langfristig beides, Freiheit wie Wohlstand, verlieren wird. Dass jemand sich mit einem Beitritt zu diesem Fehlkonstrukt EU gedanklich befasst, ist aus meiner Sicht geradezu grotesk.

      • Ahn Toan sagt:

        „Dass jemand sich mit einem Beitritt zu diesem Fehlkonstrukt EU gedanklich befasst, ist aus meiner Sicht geradezu grotesk.“

        Ja, sich mit der EU in der Schweiz gedanklich befassen, erscheint vielen grotesk, man befasst sich in der Schweiz mit der EU vorzugsweise rein emotional.

        „Bevor wir uns den Kopf zerbrechen, warten wir erst einmal ab, ….“, ob die EU sich selber auflöst: „Warten auf Godot“ oder in tragikomischer Hilflosigkeit die Gewissheit des eigenen Verfalls überspielen.

        • ast sagt:

          „…oder in tragikomischer Hilflosigkeit die Gewissheit des eigenen Verfalls überspielen“.

          Zumindest was die italienischen Grenzgänger im Tessin betrifft, dürfte es für diese Menschen nicht nur wegen der Annahme der Volksinitiative in der Schweiz gefährlicher werden. Die Italiener haben nämlich soeben beschlossen auf Banküberweisungen aus dem Ausland (wozu natürlich und vor allem auch die Schweiz zählt) rückwirkend auf 1 Februar 20% in die italienische Staatskasse abzuzweigen. Das Geld kann mit dem genauen Nachweis -dass es kein Schwarzgeld wäre, vom Steueramt zurückgefordert werden -aber erst in der nächsten Steuererklärung.

          Diese neue Bestimmung wird wohl um einiges stärkere Auswirkungen auf die Anzahl der Grenzgänger im Tessin haben als die Masseneinwanderungsinitiative. Das zeigt andererseits auch dass die Freizügigkeit auch aus anderen Richtungen – auch aus der EU selbst- gefährdet erscheint.

          • urs lehmann sagt:

            Ich glaube nicht dass es auf die Grenzgänger einen Einfluss haben wird:
            Der Grenzgänger eröffnet ein Konto in der CH für die Lohnüberweisung, bezieht am Bankomaten Euro, und nimmt pro Tag bspw. 200 Euro über die Grenze bis alles drüben ist.

            Und fallls das unterbunden wird, wird früher oder später der Arbeitgeber einen Teil übernehmen. Dem Vernehmen nach verdient eine Verkäuferin in der Lombardei 1100-1200 Euro, auch wenn er alles übernimmt ist sie immer noch viel billiger als eine CH.

          • ast sagt:

            Herr Lehmann, in Italien ist es derzeit verboten Rechnungen die 1000 Euro übersteigen mit Bargeld zu bezahlen. Ein Bankkonto in Italien ist somit unumgänglich. Das Steueramt sieht seit dem hohen Haushaltsdefizit sehr genau hin wie die Bürger an ihr Einkommen gelangen.

            Die Italiener tun nun neuerdings alles um auch das Geld der 60 000 Grenzgänger auf ihre Seite zu bringen. Bisher konnten die meisten Grenzgänger infolge des Abkommen mit der Schweiz Steuern sparen, sie mussten nur in der Schweiz eine Quellensteuer entrichten (Wohnort bis 20 km Grenznähe zur Schweiz). Da es im Tessin bisher keinen Mindestlohn gibt, haben Italiener im Niedriglohnbereich gegenüber Schweizern Vorteile.

            Den Profit durch Lohndumping in der Schweiz wollen die Italiener aber nicht aufgeben, gleichzeitig nun aber ein Teil des Geldes durch die Staatskasse fliessen lassen. Auch wenn das Geld nach 1 Jahr wieder zurückgegeben wird, bleibt dennoch permanent 20% zugunsten des Italienischen Staates, denn es kommen ja ständig neue Gelder rein. Faktisch bedeutet das eine 20% -Steuer, so lange das Gesetz nicht mehr aufgehoben wird. Dass Italiener nun jeden Tag 200 Euro aus dem Bankomaten lassen um es dann wieder auf die Bank in Italien einzubezahlen, glaube ich weniger, jedenfalls sind mir derzeit keine Berichte aus dem Tessin bekannt die auf Warteschlangen vor Bankomaten hinweisen.

          • urs lehmann sagt:

            Wo habe ich gesagt dass das Bargeld durch die Italiener gehortet werden soll?

            Selbstverständlich gibt es noch keine Schlangen vor den Bancomaten, die Steuer wurde ja erst nach Auszahlung der Januarlöhne eingeführt. Darum wird der Bargeldbedarf frühestens mit dem nächsten Lohn steigen, vorausgesetzt die Arbeitnehmer haben dann bereits ein Konto in der CH.

            Das Tessin will das Abkommen aus den 70er-Jahren schon lange gekündigt sehen, aber Bern sagt dass Rom nicht reagiere. TI hält (hielt?) sogar seit 2011 illegal 30Mio (die Hälfte der Quellensteuer) zurück um Druck auszuüben. Dies widerspricht Ihrer Argumentation diametral.

            Wer nicht mehr Grenzgänger ist, kriegt das Geld letzendlich zurück falls der Lohn versteuert wird. Das macht die 20% im Endeffekt zum Zwangsdarlehen, analog der Verrechnungssteuer.

            Den Hauptprofit durch die tiefen Löhne erzielen nicht die Arbeitnehmer, seien dies nun Italiener oder sonstwer, sondern die Tessiner Arbeitgeber.

          • ast sagt:

            „Den Hauptprofit durch die tiefen Löhne erzielen nicht die Arbeitnehmer, seien dies nun Italiener oder sonstwer, sondern die Tessiner Arbeitgeber.“

            Da gebe ich Ihnen recht. Was die Quellensteuer anbetrifft, eine Person mit einem monatlichen Einkommen von 3500.-, also im Niedrigstlohnbereich, bezahlt sFr. 0 im Tessin, bzw. muss der Arbeitgeber z..B. Hayek 😉 nichts an die Schweizer Staatskasse überweisen.

      • Ahn Toan sagt:

        Wenn sich die Teutonen und die Romanen in Europa nicht mehr die Köpfe einschlagen, sondern sich von Polen bis Spanien in einer Union verbinden, ist die Schweiz nicht nur kein Sonderfall mehr, sie ist obsolet. Alle Meinungen, alle Kulturen der Schweiz gibt es in Europa, näher sind wir uns auch nicht, zwischen moderner und traditioneller Schweiz. Statt darüber zu trauern, dass es die Schweiz nicht mehr braucht, sollten wir uns bemühen, Europa zu gestalten und das direkt demokratische Element dort zu verankern. In Europa wird bewundert, dass die Schweizer abstimmen dürfen, nicht wie sie abgestimmt haben, bewundern tun dies Farage, Le Pen & Co.. Das Produkt direkte Demokratie liesse sich in einfacher verkaufen als wir wollen entscheiden, bei was wir wie weit mitmachen. Letzteres ist in keinem Verein, ob demokratisch oder bürokratisch, verkäuflich.

        Hätten 50,3 Prozent NEIN gestimmt, wäre die Situation vielleicht noch schlimmer.

        RIP Helvetia.

        • Rolf Zach sagt:

          Lieber Anh Toan. Als ein unbedarfter Fan der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bin ich ein emotionaler Schweizer Nationalist und Fanatiker, auch wenn die Jungs fremdländische Namen haben und die Heimatländer ihrer Eltern oftmals kulturell von uns sehr verschieden sind. Hauptsache sie geben den Deutschen, Italiener und Franzosen Haue-Haue. So etwas gibt immer ein sehr wohliges Gefühl. Was die traditionelle Schweiz betrifft, habe ich Vorbehalte, ob diese so irrational abgestimmt hat. Wir können es mit der Abtreibungs-Vorlage vergleichen. Praktisch die ganze Schweiz hat es abgelehnt, auch sehr konservative Gegenden. Unser grosser Zauberer Blocher hat den Leuten auf dem Land weisgemacht, dass die EU ihre Agrarsubventionen, ihre Finanzausgleichs-Zahlungen von den grossen Städten, ihre kleinen feinen Steuerparadiese mit Subventionierung ihrer Lokalpolitiker, ihre Schmalspur-Bähnchen und Postautos, die mit sehr wenig Passagieren sehr häufig verkehren, mit jeglicher positiver Zustimmung zu EU-Vorlagen jeglicher Art sehr stark gefährdet sind.
          So haben wir einen harten Kern von 40 % Anti-EU-Fanatiker, die mit dem Ständerat zusätzliches Gewicht bekommen.
          Nur hat Blocher diesen lieben Landsleuten vergessen zu sagen, dass niemand als die Schweiz ein solches Füllhorn
          ausschütten kann. Es kann sein, dass die Städte das Füllhorn nicht mehr füllen können.

          • Ahn Toan sagt:

            @Rolf Zach. Es ist doch traditionel konservativ, Besitzstände zu (be-)wahren, ob Postauto oder Finanzausgleich.

            Innovativ wäre, in Veränderungen den Weg zu suchen, bei welchem die Chancen die Risiken überwiegen.

            Blocher kennt das Geschäftsmodell Religionen von Kindheit an: Veränderungen machen Angst, Religionen bleiben gleich, sie verleihen Halt, Stabiltät, Orientierung mit Ihren Ritualen und ihrer Gewissheit.

            Blocher sagt uns, was ein richtiger Schweizer ist, er verteidigt uns vor dem Bösen (der EU, den Amis), und das so zuverlässig, wie das Amen in der Kirche.

            Hierfür ist Nachfrage, sonst gäbe es keine Religionen.

          • Rolf Zach sagt:

            @Anh Toan. Ich bin mit Ihrer Antwort durchaus einverstanden. Zu Blocher möchte ich nur bemerken, dass er in der Zeit vor 1999, der durchaus unterhaltsamste Prediger der Rechtsparteien war. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, wie 1960 die in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Wirtschaftsführer und auch Politiker als Totholz agierten, gleich wie die Leitartikel der NZZ , wahre Bleiwüsten. Da war Blocher ein anderes Kaliber.
            Bezugnehmend auf den Artikel möchte ich noch folgendes anbringen. Stabilisiert ein tieferer Eigenheim-Anteil den Immobilien-Markt (USA: 65 %, Schweiz 36 %)? Wir haben in der Schweiz ja bekanntlich das System der Schuldbriefe.
            Auch mit der Aufgabe der Liegenschaft kann man sich nicht gegenüber dem Gläubiger loseisen, wenn der Erlös geringer ist als die Schuld. Man bleibt buchstäblich bis zum Tod Schuldner. Die Amerikaner haben das Gült-System.
            Wer sein Haus aufgibt, kann durchaus obdachlos werden, aber von der Schuld ist er befreit, auch wenn das Haus
            dem Gläubiger weniger einbringt, als Schulden vorhanden sind.

          • Ahn Toan sagt:

            @Rolf Zach: Schuldbrief / Gült

            Wer seine Hypothekarschulden nicht bezahlt in den USA, wird nie mehr eine Hypo bekommen. Hat er Chancen eine Kreditkarte zu besitzen? Mieter ist in den USA knapp vor Trailer Park und das kurz vor obdachlos. Dies ist meine unfundierte Wahrnehmung, Auf alle Fälle sollen viele in den USA, deren Hypo den Wert des Heims übersteigt, die Zinsen weiter zahlen. (Inzwischen sind die Preise teilweise deutlich gestiegen, ich weiss nicht wieviele Häuser noch immer überschulödet sind, sie haben weiter bezahlt, obwohl sie eigentlich keine persönliche Haftung tragen. Ich glaube nicht, dass die ihren Hypogläubiger so sehr lieben. Mit einem Business darf man Pleite gehen in den USA, die Hyposchulden muss man faktisch zahlen.

            In der Schweiz gibts die persönliche Haftung auf Lebenszeit, dafür und ein nicht knappes betreibungsrechtliches Existenzminimum und zur Not Sozialleistungen.

            Dank Gestaltung der Details und „flankierenden Massnahmen“ sind die theoretisch wesentlichen Unterschiede praktisch wohl unbedeutend. Ich wüsste nicht, welches Gesamtsystem ich als Gläubiger oder als Schuldner vorziehen würde.

  • Ein Wort an die System Administratoren. Es kommt immer wieder vor, dass Kommentare ohne ersichtlichen Grund verschluckt werden. Es ist aber schon etwas seltsam, dass das Blogsystem bei einem erneuten Absenden vermeldet, der Kommentar sei bereits im System. Was denn nun? Wenn der Beitrag im System ist, wieso wird es dann nicht angezeigt? Und wenn er nicht angezeigt wird, wieso verbleibt er dann im System. Das Zauberwort heisst „Konsistenz“.

    Hier ein Vorschlag: Wenn das Blogsystem schon nicht in der Lage ist, illegale Zeichenkombinationen auszufiltern (was alle anderen Blogsysteme offenbar anstandslos machen), so könnte ein kurzer Hilfetext die Autoren wenigstens in die Lage versetzen, solche Zeichenfolgen zu vermeiden. Wo es an der Kompetenz der Administratoren fehlt, müssen wohl oder wehe die Autoren herhalten.

    Ich bin auch Informatiker, und mit dieser Art Inkompetenz schaden Sie auch meinem Ansehen. Und wenn Ihnen das Wort „Inkompetenz“ etwas harsch erscheint, so habe ich es wie der Richter mit der Pornographie: „I know it when I see it“.

  • ast sagt:

    Nun kommt mit der Volksabstimmung zur Masseneinwanderung vielleicht die Ansicht einer Blase doch noch zum Durchbruch. So können sich Ansichten auf einen Schlag mutieren, ohne dass sich die Statistik ändert.

    Genauso ist es mit den Euros auf der Bilanz der SNB in Euro. Die Sicht auf die Währungsreserve ist seit Sonntag neu zu bewerten -in diesem Fall aber Positiv.
    Im Fall Europa die Schweizer Exportwirtschaft behindert, könnte der Schweizer Franken vom Markt neu als Übergewichtet eingestuft werden. In der gegenwärtigen Situation könnten die Kantone dann wieder mit einer hohen Ausschüttung rechnen, dank Währungsgewinn der SNB bei Abwertung des Schweizer Franken. Auch das Gold steigt wieder leicht.

    • urs lehmann sagt:

      Für besonders bemerkenswert halte ich, dass das Schweiz-bashing scheinbar weitgehend auf DE beschränkt ist. Damit meine ich vor allem das Oberlehrer-Gehabe z.B. eines Herrn Schulz, nicht die Reaktionen wie z.B. das Einfrieren der Gespräche wegen dem gemeinsamen Strommarkt, letzteres überascht nicht wirklich. Sowohl Le Monde als auch Le Figaro kommentieren völlig unaufgeregt, eine Leserumfrage auf Le Figaro „Sind Sie schockiert…“ ergab sogar 95% Nein von 1300 Stimmen (scheint mir zwar etwas extrem, aber die Tendenz dürfte trotzdem stimmen). Die Artikel des Corriere dellla Sera tönen für mich ebenfalls ziemlich sachlich, mit der Einschränkung allerdings dass meine Italienischkenntnisse eher limitiert sind.

      Die Auswirkungen der MEI können wohl noch gar nicht abgeschätzt werden, bis jetzt jedenfalls wird erst Mal in Löwenmanier gebrüllt, Position markiert und Eindruck geschindet um eine möglichst gute Ausgangsbasis für die Verhandlungen (die werden wohl unumgänglich sein) zu haben.

      Ihr Ausblick scheint plausibel, allerdings zeigt sich der „allmächtige“ Mr Market bisher völlig unbeeindruckt – sowohl die schweizer Aktien als auch CHF/Euro zeigen Null Reaktion. Das impliziert wohl, dass auf absehbare Zeit keine Auswirkungen auf den Status Quo erwartet werden.

      • ast sagt:

        Die SNB hält derzeit 440 Milliarden Devisenreserven, das ist auch in internationalem Massstab kein Pappenstil. Sehr geschickt finde ich dass neben Euro auch 1/3 in US$ gehalten wird. Sollte der Schweizer Franken infolge Abstufungen und Warnungen durch S&P, Fitch kräftig fallen, dann bestehen für die Schweizer Wirtschaft gute Möglichkeiten negative Einflüsse aus Richtung EU zu kompensieren. Wegen dem US$ würde die EU kaum von einem geschickten Verkauf der SNB profitieren, das heisst nicht selber gegenüber dem US$ abwerten.

        Aus Richtung der EU haben neben Deutschen EU Funktionären auch das EU Schwergewicht Herr Barroso scharf gegen das Schweizer Volk geschossen.

        • urs lehmann sagt:

          Es geht mir um den Ton, nicht darum ob die MEI Folgen haben wird.

          Die aufgeblasene Bilanz der SNB ist das eine, die Marktreaktion das andere. Ich habe ausschliesslich letzteres angesprochen.

        • Josef Anton sagt:

          @ ast

          Das ist die springende Punkt. Es sind die aufgeblasenen Egos von EU Bürokraten, welche sich aufregen, nicht die Gesellschaft, welche unser demokratisches Modell bewundert. Warum regen sich diese Bürokraten auf? Weil ihre Existenzberechtigung dadurch in Frage gestellt werden könnte, weil sie sich durch diesen Entscheid persönlich bedroht fühlen, weil durch diesen Entscheid die europäische Bevölkerung sieht, wie wirkliche Demokratie funktioniert.

          Es könnte sich kurzfristig sehr wohl ein Zeitfenster öffnen, welches es der SNB erlaubt, einen grossen Teil der auf ihrer Bilanz figurierenden EUROs los zu werden. Hoffen wir darauf, damit wir auch im Bereiche der Geldpolitik wieder handlungsfähiger und unabhängiger werden.

          • ast sagt:

            Herr Anton, die Freizügigkeit hat eine Personal -Rouchade zwischen den EU -Ländern in Gang gebracht die sich nun nach vielen Jahren infolge der Finanzkrise zur Guillotine entwickelt hat. In Deutschland bewirkte die Freizügigkeit zwar einen Exportboom wie in China, aber im Unterschied zu den Chinesen ist kein Wachstum im Binnenmarkt erkennbar. Das führt zu extrem hohen Handelsüberschüssen, gleichzeitig die Überschuldung von Staaten welche die Exportgüter Deutschlands mit Krediten abgekauft haben. In der Schweiz wirkte die Freizügigkeit zwar aus Sicht der Wirtschaft insgesamt positiv, aber mit hohen Kollateralschäden am Sozialsystem und den untersten Einkommensschichten.

            Die Freizügigkeit sollte in Europa durch ein gemeinsames Sozialsystem und Arbeitsgesetze, sowie Mindestlöhne qualitativ abgestützt werden, was auch der Deutschen Merkel langsam bekannt sein dürfte. Es nutzt langfristig niemandem in Europa etwas wenn sich durch Freizügigkeit Ungleichgewichte ergeben die dann zu sozialen Unruhen und Verschuldung führen und damit auch den Euro bedrohen.

  • H.Trickler sagt:

    Mit «I know it when I see it» bestätigt der Autor meine schon zu oft geäusserte Ansicht, dass viele wirtschaftswissenschaftlichen Theorien nicht besonders tauglich sind.
    .
    Die bedrückende Frage ist nicht nur, ob die Grossbanken stabiler geworden sind, sondern viel einfacher: Können die vielen hoch in Hypotheken verschuldeten Käufer den Zins noch bezahlen, wenn der Zinsfuss wieder auf 4-8% steigt?

    • Thomas Ernst sagt:

      Wenn der Hypothekargläubiger (Bank, Versicherung etc) seriös arbeitet, macht sie eine Tragbarkeitsberechnung für den Schuldner. Bei einem Hypozins von 5% darf die Zinslast 1/3 des Einkommens nicht übersteigen.

  • Josef Anton sagt:

    Guter Beitrag. Was ich, um die Sache abzurunden, in der letzten Graphik vermisse, ist die Bilanzsumme der SNB. Früher wäre dies verhältnismässig unwichtig gewesen, jedoch sind heute die Zentralbanken immer stärker ein aktiver Teil im Marktgeschehen.

    „Der grosse Test steht aber noch aus. Erst im nächsten Boom sehen wir, ob die Grossbanken wirklich robuster geworden sind und die Lehren aus der Krise gezogen haben. Auch hier gilt: «I know it when I see it.»“

    Ich denke wohl, dass der Verfasser wohl eher meinte im nächsten „Bust“ als Boom und nachdem die Zentralbanken (wenn je) ihre Bilanzen wieder normalisierten.

  • tststs sagt:

    And when you smell it its too late.

  • Marcel Claudio sagt:

    Gemäss McKinsey waren die globalen Schuldpapiere (ohne die damals 50Bio Aktien) schon Mitte 2012 bei 175 Bio $ – also bei rund 240% des Welt-BIP und seither haben sie noch weiter zugenommen.
    Da muss man nicht mal Oekonome sein, sondern da langt schon gesunder Menschenverstand, dass solche Verschuldungen irgendwann nicht mehr rückzahlbar sein werden. Der Trick mit dem Weginflationieren klappt ja auch nicht wirklich – eher im Gegenteil es herrschen deflationäre Tendenzen und eine neue industrielle Revolution ist auch nicht in Sichtweite, mit der das Wachstum die nötigen Raten erreichen könnte, damit man Schulden wirklich abbauen kann.
    Im Sommer werden wir vermutlich live miterleben wie der brasilianische Traum platzen wird, wenn es während der WM zu sozialen Unruhen kommen wird – kein Wunder der war ja auch zu einem grossen Teil auf Krediten zu horrenden Zinsen aufgebaut, in China wird es auch immer ungemütlicher, wie ja NMTM letzte Woche schon berichtete und die USA knorzen schon wieder an der Schuldenobergrenze rum.
    .
    Von dem her meine ich: I know it, when I look at the numbers and use my brain!

  • Martin Holzherr sagt:

    Aus ein paar Grafiken eine Situation richtig einschätzen können wohl nur intime Kenner des betreffenden Bereichs. Viel aufschlussreicher wären wohl Szenarien mit denen man beispielsweise die Auswirkungen einer Korrektur auf die beteiligten Akteuere ermittelt. Im Fall der Kreditblase in den Nullerjahren dieses Jahrhunderts wirkte sich eine Korrektur verheerend auf die Grossbanken aus, weil ihr Eigenkapital so gering war. Im Falle einer Korrektur im Immobilienmarkt muss man genau so fragen, wie gross eine Korrektur maximal sein darf, damit die Auswirkungen die beteiligten Parteien nicht in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

  • Johnny Smith sagt:

    Danke für interessante Grafiken und Artikel.

    Bei der Grafik der Entwicklung Hypotheken zu GDP könnte man evt. noch die Veränderung der Eigenheimbesitzer- bzw. Mieterquote berücksichtigen. Ich nehme allerdings an, dass dies nicht viel an der Trendaussage ändern würde.

    „Bei aller berechtigten Kritik an den neuen Regulierungen muss man anerkennen, dass sich in den letzten vier Jahren viel erreicht worden ist.“

    Aus Risikosicht ist effektiv in der CH einiges besser als 2007, das TBTF Problem ist aber noch nicht gelöst. Interessant wäre zu sehen, wie sich die Bilanzsumme der TBTF-Banken in Europe (oder auch USA) entwickelt haben. Ich nehme aus dem Stand heraus an, dass diese nicht so ‚viel erreicht haben‘.

    • Rolf Zach sagt:

      Ich bin mir nicht so sicher, ob unsere TBTF Banken so viel besser stehen als die anderen in Europa und den USA. Bei unseren TBTF-Banken muss man berücksichtigen, dass das ihre Töchter im Ausland eine eher erbärmliche Angelegenheit sind. Das gilt sowohl für die viel gerühmte UBS-Vermögenverwaltung (Paine Webber) wie auch die eigentlich nicht schlechte CS-Investmentbank (First Boston). Vergleicht man dies, was die Unicredit in Deutschland und Osteuropa und die Santander in Lateinamerika eingekauft haben, ist deren Gewinnsteigerungs-Potenzial grösser. Barclays hat in den USA billiger und besser
      eingekauft, gilt sogar mit Vorbehalten für die Deutsche Bank. Die HSBC ist trotz ihrem Skandal in Genf, ihren Fehlinvestitionen in den USA (Household Finance) enorm stark und recht aggressiv. Sie ist gegenwärtig daran, unsere Grossbanken aus dem
      Trade Finance Bereich auszumanöverieren, Durch unsere EU-Politik sind wir mit Gusto daran, unseren Finanzplatz und deren
      Vorteile zu vernichten.

  • Dani Meier sagt:

    @Anh Toan 0656: Grundsätzlich haben Sie recht, mit der kleinen Einschränkung, dass der Richter in Amerika ist und angelsächsisches Recht spricht, welches, wie Sie als Jurist (wenn ich es richtig verstanden habe) sicher wissen, vom römischen Recht doch ziemlich unterschiedlich ist.
    Zum Artikel selber: finde ich es ziemlich ehrlich vom Autor, wenn er zugibt, den Bilanzen der Grossbanken zuwenig Beachtung geschenkt zu haben. Auch wenn es der Ökonomenzunft kein Ruhmesblatt einbringt.

  • Delcon sagt:

    Ich frag mich schon lange warum alle „Experten“ bei der Einschätzung der Situation die Grundlage der Marktwirtschaft, nämlich Angebot und Nachfrage völlig ausklammern!

    Warum spricht man von Blasenbildung wenn durch die Einwanderung jährlich 80’000 Menschen zusätzlich eine Wohnung suchen und dadurch fast zu jedem Preis an jedem Ort gebaut wird?

    Jeder eine Wohnung sucht, ob zum Kauf oder zur Miete, weiss wie die „Blase“ zustande gekommen ist, nämlich durch ein zu kleines Angebot.

    In einer solchen Situation findet der Bundesrat er müsse auf die Bremse stehen, es schwieriger machen für Private Hypotheken zu erhalten. Wie klever!!

  • Ueli sagt:

    Der neue Wahlspruch der Ökonomen-Zunft: „I know that something`s wrong with the boat – after I watched it sinking – 10 times in a row.“

  • Anton Schneider sagt:

    @Ahn Toan- sehr interessanter Beitrag mit neuen Aspekten.
    Sind es aber die Kantonalbanken, welche Im Hypothekenmarkt wachsen und nicht ebenso die Grossbanken? Das geht leider aus keiner Grafik hervor.

    • Ahn Toan sagt:

      @Anton Schneider: Mich ausschliesslich auf meine persönliche Wahrnehmung stützend, sind die Grossbanken zumindest nicht aggresiv im CH Hypothekenmarkt. Auch nicht aggresiv sind Migros und Swissquote, für eine schwierige Finanzierung ginge ich zu Raiffaisen oder den Kantonalbanken inkl. Coop. Zu UBS oder CS oder einer der wenigen Privat- oder ausländischen Banken, die Hypotheken vergeben, ginge ich, wenn ich eine 45% Hypo in türkischer Lira wollte, in der Erwartung, mit Währungsgewinnen die Zinskosten zu schlagen, jedoch einzig die Schuldzinsen steuerlich in Abzug zu bringen. (Nicht von meinem Währungsgewinn auf den Kredit, weil der ist steuerfrei, sondern von meinem Erwerbseinkommen). Damit wäre ich bei den Kantonalbanken am falschen Ort.

      Bauen die Grossbanken ihr gesamtes Geschäft ab, steigt der prozentuale Anteil des Hypogeschäftes bereits. Dieses gleichzeitig aggresiv auszubauen, würde die Gesamtstrategie der Bank massiv verändern.

    • urs lehmann sagt:

      SNB-Statistik, Hypothekarforderungen pro Bankengruppe 2008 vs. 2012

      Alle Zahlen in Mrd CHF

      Total 701 / 847
      Kantonalbanken 230 / 290
      Grossbanken 236 / 257
      Regionalbanken 70 / 83
      Raiffeisen 101 / 136
      übrige 63 / 81

      Das Wachstum der Grossbanken hat etwa hälftig 2011/12 stattgefunden, der Rest weitgehend linear über die gesamte Periode.

      Kantonalbanken und Raiffeisengruppe haben zusammen 65% des Wachstums absorbiert, wobei die Raiffeisengruppe prozentual am stärksten gewachsen ist.

      • Rolf Zach sagt:

        Es ist aber zu berücksichtigen, dass in dieser Zeit die Kantonalbanken und die Raiffeisengruppen, bei den inländischen Sparern die Nase vorn hatten. Sie konnten deswegen ihre Bilanzsummen stärker ausbauen als die UBS und CS ihre Inlandbank-Bilanzsummen. Die beiden Grossbanken waren auch benachteiligt durch ihre extrem hohen Kosten, die durch die Wirtschaftskrise publik wurden. Vor 2007 war dies nur für wirklich gute Analysten offensichtlich und wurde auch durch Deal der UBS mit der Bank Bär 2005 kaschiert. Die Abstimmung vom letzten Sonntag ist auch ein deutliches Zeichen, das die hohen Einkommen der Kader im Finanzbereich effektiv bedroht. Mitglieder von Direktionen haben noch vereinzelt Ja gestimmt , die mittleren Kader und Angestellte in der Mehrheit. Die Leute haben vielfach Eigenheime und dort wollen die Banken sparen. Wir Blog-Teilnehmer wissen alle, was bei Erhöhung der Zinsen und bei stagnierenden Einkommen des Mittelstandes auf dem Immobilien-Markt geschehen könnte. Vogel-Strauss Politik ist immer beruhigend für die Nerven.

        • Josef Anton sagt:

          Ein weiterer interessanter Aspekt betrifft die durch die SNB festgelegte Untergrenze von chf 1.20. Wenn z.B. eine tiefere oder keine Untergrenze gewählt worden wäre, hätten wir zwar ein leicht schwächeres Wachstum erfahren, jedoch darf man von der Ausnahme ausgehen, dass die kuerzliche Abstimmung zur PFZ aufgrund der dadurch schwächeren Zuwanderung anders ausgefallen wäre. Ein gutes Beispiel nicht unbeabsichtigter Konsequenzen und qualitativer jedoch nicht messbarer Veränderungen.

          • Ahn Toan sagt:

            Man darf von jeder Annahme ausgehen

            dann aber sollte man sich fragen, ob sich diese Annahme irgendwie verifizieren lässt. Ich zweifle, also bin ich. Du verstehen?

            Wäre die Zuwanderung schwächer gewesen bei 1.12 Mindestkurs? Wieviel in etwa? Und hatte die Höhe der zuwanderung überhaupt einen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis? Am meisten Ja gab es dort, wo es keine Zuwanderung, sondern nur Abwanderung gibt.

            Letztlich hat sich eine traditionelle, ängstliche, rückwärtsgewandte, hinter den Bergen Schtuz vor der Welt suchende Schweiz (und die Retner) mit einer wachstumsfeindlichen, zumindest kapitalismuskritischen Schweiz verbündet, und so hat die Vorlage eine Mehrheit ohne gemeinsame Basis gefunden. (Umgekehrt zur Zweitwohnungsinitiative sozusagen)

            @ben zibble und @josef marti und ich glaube auch @ralph sommerer waren gemäss deren Kommentaren JA sager der zweiten Gruppe, welche der ersten zur Mehrheit verhalfen. Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, wie die Ja sagen konnten zu: Jeder Kapitalist soll jeden Auszubeutenden einführen dürfen, nur soll dieser weder seine Familie mitbringen dürfen, noch Soziallleistungen erwarten. Und sollte er nicht mehr ausgebeutet werden können, wegen schwacher Wirtschaftslage, oder Krankheit, Unfall seinerseits, wird er abgeschoben. So verstehe ich Kontigente soweit die Wirtschaft sie braucht, aber nicht einen einzigen mehr, und nicht verstehen kann ich, wie Ihr dazu ja sagt.

          • @Anh Toan:

            Ich habe nicht Ja gestimmt, sondern leer eingelegt. Der Widerstand gegen eine Initiative mit SVP-Stempel war einfach zu gross. Ich würde trotzdem nicht unbedingt allen JA-Einwerfern Rückwärtsgewandtheit oder (ungesunden) Konservatismus unterstellen. Ich habe vor der Abstimmung auch nur gefragt (und nie eine Antwort erhalten), wieso Gewerkschaften und SP der Initiative zugestimmt hatten, wo die Zuwanderung doch tendenziell Löhne nach unten drückt, umso mehr als die von Gewerkschaften/SP geforderten „flankierenden Massnahmen“ von den Bürgerlichen konsequent verweigert worden sind. Dass die Zuwanderung „uns allen“ nützt (wie etwa heute 16.02.2014 im Sonntagsblick wieder behauptet wird), hat der neoliberale SVP-Haus-Ökonom Prof Eichenberger in der SRF-Arena zu meiner Überraschung ausdrücklich verneint.

            Wir müssen den Abstimmungskampf nicht noch einmal führen, aber ich habe in meinen diversen Kommentaren lediglich gesagt, dass es durchaus auch progressive Gründe für ein Ja gegeben hat, und ich beziehe mich dabei nicht einmal auf eine diffuse Wachstumskritik, sondern auf konkrete Sachverhalte.

            Dass ich in den Desaster-Orgasmus der (schlechten) Verlierer nicht einstimme, liegt daran, dass es Freihandels- und andere WTO-Abkommen gibt, die „uns“ einen vernünftigen Zugang zum EU-Binnenmarkt geben, und zum Strommarkt-Abkommen sage ich nur, dass das Volk 2002 an der Urne einen Strommarkt mit 52% ausdrücklich abgelehnt hatte, aber was zählt schon der Volkswille, wenn es darum geht, den Mittelstand abzuzocken.

          • Ich weiss. Der Satz heisst korrekt „…wieso Gewerkschaften und SP die Initiative abgelehnt hatten…“

          • Ahn Toan sagt:

            @Ralh Sommerer: Danke und Stimmenthaltung kann ich aus Ihrer Optik / Werten / Wahrheit verstehen, ein „JA“ zur Initiative noch immer nicht.

            Ich fühle mich nicht als „Verlierer“ weil ich überstimmt wurde, sondern weil ich überzeugt bin, dass wir alle verlieren. Für meine persönliche Economie erscheint mir der Entscheid gut, auch als Kartellbrecher profitiere ich vom Kartell. Sollte die Mehrheit recht behalten, lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

          • Ahn Toan sagt:

            @Ralph Sommerer

            Die PFZ drückt tendenziell Löhne im Hochlohnland, dem will ich nicht widersprechen, also brauchen wir Mindestlöhne und anderen linken Kram, ich bin kein Dogmatiker. Nur Kontingentsklaven soviel das Kapital (die Wirtschaft) braucht, drücken doch genauso?

            Es wird doch niemand die Bauern zwingen statt Bulgaren ausgesteuerte Schweizer über 50 Jahren für mindestens 4’000 Monatslohn als Erntehelfer zu beschäftigen, und niemand wird diese Ausgesteuerten zwingen, diesen Job an zu nehmen. Die Unternehmen werden doch nicht einfach alte teure Schweizer anstellen, weil sie keine jungen billigen Ausländer bekommen, sondern sie werden dahin gehen, wo sie junge Mitarbeiter bekommen. Sie sind nicht in der Schweiz, weil hier deren wichtigster Markt ist, sondern weil es hier die Arbeitskräfte und das politisch, rechtlich kalkulierbare Umfeld gibt, seit 09.02.2014 meine ich gab, dass sie benötigen.

        • Urs Lehmann sagt:

          „Die beiden Grossbanken waren auch benachteiligt durch ihre extrem hohen Kosten, die durch die Wirtschaftskrise publik wurden“
          Falsch, sie bekamen die Rechnung für die Fehlentscheide der Vergangenheit präsentiert, und zwar in Form von Verlusten einerseits und härteren Anforderungen andererseits, das hat mit Benachteiligung nicht das Geringste zu tun. In erster Linie traf dies die UBS, soweit ich mich erinnere kam die CS ohne schweizer Staatshilfe zum zusätzlichen Eigenkapital (2008 10Mrd und 2012 nach dem Schuss vor den Bug durch die SNB 15 Mrd).

          „Mitglieder von Direktionen haben noch vereinzelt Ja gestimmt , die mittleren Kader und Angestellte in der Mehrheit.“
          Woher haben Sie die Zahlen in dieser Detailliertheit? Die Tatsache, dass die MEI in sämtlichen Finanzzentren (ZH, ZG, GE, BS) abgelehnt wurde, deutet auf das genaue Gegenteil an. Ich behaupte mal, Sie fantasieren vor sich hin.

          • Rolf Zach sagt:

            Gerne erläutere ich Ihnen, sehr geehrter Herr Lehmann, meine Überlegungen. Mit den hohen Kosten sind verschiedene Gründe gemeint. Die UBS hat die Paine, Webber mit einem extrem hohen Anteil an Goodwill-Kosten erworben. Diese Goodwill-Kosten sind immer noch da und belasten das EK der Bank nachhaltig. Nur ein kleiner Teil davon wurde bisher
            abgeschrieben. Ebenso konnte die Geschäft-Leitung der Paine, Webber extreme hohe Abgangs-Entschädigungen
            in bar herausschlagen, die jahrelang die US-Erfolgsrechnung der UBS belasteten. Auch ihr eigenes US-Management
            war und ist ein Kostenblock von respektabler Grösse. Solche Kosten führten zu einem Cost/Income Ratio von 95 bis
            100%! Eine veritable Versuchung zu spekulieren! Ähnlich der Fall bei der CS, Stichwort: Donaldson, Lufkin and Jenrette. Was das Stimmverhalten der Bank-Kader in der jüngsten Abstimmung betrifft, verlass ich mich auf meinen Bekanntenkreis, wo viele mit ihrer Ja-Stimme ihren Vorgesetzten, seien es nun EU-Bürger oder Amerikaner und
            Inder sowie dem Bundesrat, einen Denkzettel verpasst haben. Immer mehr von den internationalen Abteilungen der Grossbanken werden nach London verlagert, dies gilt vor allem für den Devisenhandel. Die Schweizer werden nicht mitgenommen und landen in der Arbeitslosigkeit. Wissen Sie, Herr Lehmann, war die Rationalisierung durch Informatik bei den Banken eine Sache der kleinen Leute, so trifft es heute sehr gute bezahlte Direktions-Kader durch Auslagerung nach London und Informatiker durch Auslagerung nach Polen und Indien. Das sehr profitable Schweizer Geschäft der Grossbanken ist nicht mehr fähig, grosszügig die von Ihnen zu Recht kritisierten Fehlleistungen abzudecken.

          • Urs Lehmann sagt:

            Herzlichen Dank dafür, dass Sie Ihre Zeit opfern, ich weiss das überaus zu schätzen.

            Goodwill als Aktivum belastet das EK erst, wenn/falls er abgeschrieben werden muss. Das würde mich angesichts des Kaufzeitpunkts nicht überraschen, war aber bis jetzt offenbar nicht nötig. Sie hätten sich Ihre Zeit sparen können.

          • Ahn Toan sagt:

            @Urs Lehmann

            „The 2012 loss was primarily due to impairment losses of CHF 3,064 million on goodwill and other non-financial assets in the Investment Bank………“

            Es kommt dann schon mehr, aber so beginnt der entsprechende Satz im Geschäftsbericht der UBS 2012, und, ich habe nicht ewig gesucht in den Details, aber damit dürfte vor allem Paine Webber gemeint sein.

          • urs lehmann sagt:

            @AT
            Das habe ich nun davon, dass ich mich auf die Angaben von Rolf Zach („Diese Goodwill-Kosten sind immer noch da“) verlassen habe ohne sie zu überprüfen.

          • Rolf Zach sagt:

            Sehr geehrter Herr Lehmann, erstens wegen Goodwill-Abschreibungen über die Erfolgsrechnung haben Sie natürlich recht. Es sind aber in der Bilanz des UBS-Konzerns wie auch bei der CS immer noch Goodwill da. Bei Goodwill von Banken bekomme ich immer ein komisches Gefühl. Sie sind noch weniger berechtigt als in der Industrie. Wenn Sie ein Firma mit einer guten Marke erwerben, ist ein Goodwill durchaus gerechtfertigt und noch mehr bei einem guten Ertragswert (Cash-Flow). Wir sollten immer bei unseren Multinationalen, die in New York kotiert sind, die SEC-Reports studieren. Vielleicht liefert uns die Redaktion einen prägnanten Artikel über die Theorien von B. Graham und Warren Buffet.
            Was den jetzigen Dschungelkampf bei den Grossbanken betrifft und das gegenseitige Ausspielen zwischen London und Zürich, bleibe ich bei meinen Ansichten.

  • Ahn Toan sagt:

    „I Know it when I see it“.

    Als Juriist würde ich mich hüten, einen derart schlechten Juristen zu zitieren, der Spruch sagt: Nicht das Gesetz sagt, was verboten ist, ich sage, was verboten ist. Juristen nennen dies Willkür, der Richter kennt nicht mal den ersten Artikel fast jedes Strafgesetzbuches: „Keine Strafe ohne Gesetz“

    Vielen Dank für den Chart mit der Bilanzsumme der Grossbanken, deren Wachstum mehrheitlich als ursächlich für den Boom (Subprime) betrachtet wird. Dass deren Schrumpfen im Umkehrschluss genauso dafür verantwortlich ist, dass kaum Wachstum und keine Inflation in der Realwirtschaft trotz massiver monetärer Stimulation durch die Notenbanken entsteht, hat eine Mehrheit der Oekonomen nicht nur noch nicht erkannt, sondern noch nicht einmal gefragt.

    Was der Beitrag auch zeigt: Die Ausdehnung der Notenbankmenge können die Kantonalbanken, wohl generell die kleineren Banken nutzen (Aufbau von Geschäften = Wachstum der Bilanzsumme), während die Grossbanken ihre Bilanz reduzieren müssen. Die Kantonalbanken und Co. vergeben ihre Kredite vorzugsweise als Hypotheken, das kommerzielle Kreditgeschäft (Kredite an Unternehmen) ist vergleichsweise unbedeutend. Und damit ist logisch, dass die Notenbankstimuli die Immobilienpreise aufblasen.

    Die Nati hat die Zusammenhänge erkannt, die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken bei der Hypothekenvergabe versucht, direkt die in der realen (Immobilien-)Wirtschaft ankommenden Geldmenge zu beeinflussen. Das Wachstum der Bilanzsumme der Kantonalbanken & Co soll begrenzt werden.

    • Johnny Smith sagt:

      „Dass deren Schrumpfen im Umkehrschluss genauso dafür verantwortlich ist, dass kaum Wachstum und keine Inflation … entsteht, hat eine Mehrheit der Oekonomen … noch nicht erkannt…“

      Wenn man die Doping-Menge reduziert, nimmt (kurzfristig) die Leistung ab, das erscheint mir logisch.

      • Rolf Zach sagt:

        Zur gewaltigen Ausdehnung der Bilanzsummen der beiden Grossbanken vor 2008 (und hier im besonderen die UBS auf 2000 Mrd. CHF) ist folgendes anzumerken. Diese Ausweitung wurde mit Unterstützung der beiden Herren W. und O. durch das US-Management angetrieben aus bekannten Gründen. Was dabei nicht beachtet wurde, dass die langfristige Depositen-Basis der UBS für diese Expansion nicht genügte. In der UBS-Bilanz waren seit der Krise der 30er Jahre des 20 Jahrhunderts, die Banken-Debitoren immer höher als die Bank-Kreditoren. Um die USA-Expansion zu finanzieren änderte sich dieses UBS-Grundprinzip. Die UBS investierte so gewaltige Summen in die US-Wirtschaft, dass sie am Schluss ihre Engagements kaum mehr finanzieren konnte. Aus diesem Grund wurden auch Weil und seine Mannen dazu angehalten, überall billige Kundengelder herbeizuschaffen, wo sie nur konnten. Trotz einem sehr günstigen QI für Schweizer Banken, wurde jede Vorsicht über Bord geworfen und jeder möglich US-Steuerhinterzieher angeworben. Ich wäre nicht überrascht, wenn der Interbankmarkt für die UBS bereits 2006 zu teuer war und 2007 sie nur mit grösster Mühe auf Markt Geld auftreiben konnten (LIBOR-Skandal). Ein Abbau der Bilanzsumme war eigentlich äusserst profitabel (dies fand statt in London und in New York). Gleichzeitig sorgten die SNB, die FED (mit dem grössten Sozialhilfeprogramm aller Zeiten, nämlich dem Ankauf der Subprime-Papiere) und dem Grosseinkauf der Erdöl-Araber und Chinesen für US-Staatspapiere für eine Stabilisierung auf Schuldner-Seite.

        • Urs Lehmann sagt:

          Gem. SNB-Statistik 1906-2008 erreichte die Bilanzsumme der Gruppe der Grossbanken 2007 den Höchststand mit total 2’341 Mrd CHF. Gem. Ihren Angaben wären das 2’000 für die UBS und 341 für CS. Mhhhhh…….

          • Rolf Zach sagt:

            Sehr geehrter Herr Lehmann, ich habe gerade nachgeschaut in den Geschäftsberichten Ende 2007 unserer beiden
            Grossbanken: 2’272 Mrd. CHF für UBS und 1,360 Mrd. für CS. Vielleicht sind gewisse Durchlauf-Posten bei der SNB-Statistik eliminiert. Ich habe für diese Antwort die SEC Reports nicht durchgeackert, die nach Meinung der Experten das
            beste sind, was die Analysen von Banken-Bilanzen betrifft. Ich muss zugeben, dass meine Zahl aus dem Gedächtnis
            aufgrund eines Artikels in der Zeitschrift „The Banker“ geschrieben wurde. Immerhin habe ich nicht übertrieben. Was
            die UBS betrifft, verweise ich mit Nachdruck auf das „QI-Abkommen von IRS und Bankier-Vereinigung. Eigentlich
            war das eine goldene Brücke der Amerikaner für das Schweizer Bankgeheimnis. Es war absolut idiotisch es zu verletzen. Man kann es nicht genug wiederholen, dieses Abkommen auf Weisung des Bundesrates (zu dieser Zeit die Herren Merz und Blocher) durch FINMA für die Schweizer Banken war ein Riesen-Fehler. Man prügelt lieber auf den
            SP-Präsidenten Levrat. Dies ist vielleicht gut für die Psyche, aber es zählt nicht, der Einfluss der SP ist in diesen Fragen ist gleich null.

          • urs lehmann sagt:

            Die SEC-Filings sind sicher mindestens so informativ wie der offizielle Geschäftsbericht, da kann ich nur zustimmen. Der 20-F der UBS per 2007 zeigt ebenfalls Ihre 2’272, für das vorhergehende Jahr sogar 2’346Mrd.

            Die von Ihnen ursprünglich erwähnten 2’000Mrd sind offensichtlich gerundet, da muss von einer gewissen Ungenauigkeit ausgegangen werden. Ich hatte allerdings aus der SNB-Statistik klar andere Zahlen in Erinnerung, deshalb hab ich nachgeschaut.

            Die UBS weist ihre Repos aus, wie auch Sicherheiten (collateral) für verschiedene Geschäfte. Dies wirkt bilanzverlängernd und wird offenbar durch die SNB „rausgerechnet“ da sie in ihrer Statistik nichts entsprechendes ausweist. Analoges trifft wohl auch auf andere Geschäfte zu (Futures und ihr Collateral, Optionen und ihre Gegenpositionen).

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