Warum die USA einen neuen Leitzins brauchen

Bernanke and Yellen Attend Board Meeting At Federal Reserve

Ab Februar die neue Chefin der US-Nationalbank braucht ein Mittel, um Geld abzuschöpfen: Janet Yellen und ihr Vorgänger Ben Bernanke (l.), (Keytone/Jim Lo Scalzo)

Nach dem Abgang von Ben Bernanke rückt in den USA der Moment des Ausstiegs aus der aussergewöhnlichen Geldpolitik näher. Doch die neue Chefin Janet Yellen wird sich nicht mehr auf die alten Instrumente verlassen können.

In gewöhnlichen Zeiten ist der Leitzins das wichtigste Instrument einer Notenbank, um das Zinsniveau einer Wirtschaft zu steuern und damit indirekt die konjunkturelle Entwicklung. Sinkende Zinsen verbilligen die Mittel für Investitionen, Hypotheken und Konsumkredite. Ausserdem führen sie tendenziell zu einer Abwertung der Währung, womit sie die Exporte befeuern und sie erhöhen den Gegenwartswert von Einkommensströmen, das heisst, dass auch der Wert der Vermögenswerte steigt. Steigende Zinsen wirken umgekehrt. Sinkende Zinsen befeuern also die Wirtschaftsleistung, steigende bremsen ihn ab.

So weit so einfach. In dieser Betrachtung geht aber unter, dass eine Notenbank ein Zinsniveau nicht ganz so einfach steuern kann. In den USA ist der Leitzins des Fed (die so genannte Federal Funds Rate) ein Marktzins für Tagesgelder («Overnight»), den die US-Notenbank nur indirekt über ihre Geldversorgung des Finanzsystems steuert. Auch der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – der auf drei Monate lautende Libor-Satz auf Franken – ist ein Marktzins für Geschäfte zwischen den Banken. Und auch in diesem Fall steuert ihn die SNB nur indirekt durch ihre Geldversorgung der Banken über die so genannten Offenmarktoperationen. Mehr dazu hier unter Punkt 2.

Der kurzfristige (nur indirekt steuerbare) Leitzins wirkt sich in der Regel auf alle anderen Zinsniveaus (für verschiedene Fristen und Bonitäten) aus, weil er die Kosten für die Banken wiedergibt, die diese für das Geld selbst zu berappen haben und er damit eine Basis für deren eigene Sätze darstellt. Die langfristigen Zinsen werden wesentlich von der Erwartung über den weiteren langfristigen Verlauf der Kurzfrist- oder eben der Leitzinsen beeinflusst.

Soweit der Mechanismus in gewöhnlichen Zeiten.

Die Zeiten sind aber nicht gewöhnlich.

Die Leitzinsen in den USA und auch in der Schweiz liegen bei Null Prozent und die Notenbanken haben ihre Bilanzen massiv aufgebläht, wie die beiden untenstehenden Grafiken zur Entwicklung der Bankbilanzen sowohl beim Fed wie bei der SNB zeigen:

Notenbankbilanzen

Warum diese massive Aufblähung der Liquidität nicht zu einer Inflation geführt hat, war hier schon oft Thema: Das Geld kommt gar nicht im Wirtschaftskreislauf an, weil Private, Banken und Unternehmen es horten: Aus Vorsicht und/oder weil sie Schulden abgebaut haben oder noch immer abbauen.

Irgendwann werden die Zeiten wieder gewöhnlicher. Die USA sind angesichts ihrer weit entschlosseneren Krisenbekämpfung von diesem Moment weniger weit entfernt als die Europäer. Dementsprechend rückt dort auch der Moment schneller näher, bei dem das Geld tatsächlich in die Wirtschaft fliessen wird und Leitzinserhöhungen nötig werden.

Doch es besteht die Gefahr, dass das mit dem aktuellen Leitzins schlecht funktioniert.

Warum das so ist, macht der oben beschriebene Wirkungsmechanismus klar. Leitzinserhöhungen führen nur zu einem höheren Zinsniveau, wenn die Notenbank die Gelder im Finanzsektor verknappen kann. Nun ist aber durch die Massnahmen des Fed seit der Krise Cash in rauhen Mengen dort vorhanden. Konkret lagert das vom Fed geschaffene Geld zum grössten Teil als Reserve der Banken wieder auf den Konten der US-Notenbank, wie die folgende Grafik zeigt:

Reserven und Balance Sheet

Mit «Reserves» sind die Einlagen der Banken beim Fed in Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) eingezeichnet, mit den «Assets» sämtliche Anlagen (und damit die Bilanzsumme) und diesmal (im Unterschied zur Grafik weiter oben) in Prozent des BIP. Wie klar wird, waren die Reserven, die die Banken beim Fed gehalten haben, vor der Krise verschwindend gering und sind im Zuge der Ausweitung der Notenbankbilanz (als Folge der aussergewöhnlichen Massnahmen wie den Anleihenkäufen) im gleichen Ausmass angestiegen, wie die Notenbankbilanz insgesamt. Zum Verlauf der eingezeichneten Linien in der Zukunft gleich mehr.

Fazit: Das Fed müsste enorme Summen abschöpfen um die Leitzinsen nach oben zu bewegen. Eine solche massive Abschöpfung von Liquidität ist schwierig zu bewältigen und zudem höchst riskant.

Darauf gehen die zwei Ökonomen Brian Sack und Joseph Gagnon in einer kurzen und erhellenden Studie («Policy Brief») des Peterson Institute for International Economics ein. Von ihnen stammt auch die obige Grafik und die in ihr enthaltene Prognose zum weiteren Verlauf der Notenbankbilanz und der Bankreserven.

Die wichtigste Botschaft der Studie: Die beiden haben einen Vorschlag für einen komplett neuen Leitzins unterbreitet.

Er läuft darauf hinaus, den jetztigen Leitzins (der im Kern auf den Kosten für Fed-Geld beruht) als politisches Werkzeug abzuschaffen (als von der Notenbank nicht mehr zu steuernder Marktzins würde er bestehen bleiben) und ihn durch einen zu ersetzen, der im Kern auf Erträgen für Ausleihungen der Banken ans Fed beruht.

Konkret sprechen die beiden Ökonomen von zwei Instrumenten für die Notenbank:

  1. Dem so genannten Reverse Repurchase Agreement, kurz Reverse Repo. Dabei handelt es sich rechtlich um den Verkauf von Wertpapieren, wobei gleichzeitig schon der Rückkauf zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart wird. Faktisch handelt es also um eine durch Wertpapiere gesicherte kurzfristige Ausleihung an die Notenbank. Der Zinssatz dafür ist der Reposatz.
  2. Dem Zins, den die Banken für ihre Ausleihungen bei der Notenbank erhalten, dem so genannten «Interest on Reserves» oder kurz IOR.

Das zweite Instrument (der IOR) wurde bereits im Zuge der Krise im Jahr 2008 eingeführt, das erste (den Reverse Repo) testet das Fed bereits. Doch die Notenbank will mit den beiden Instrumenten nicht so weit gehen, wie die beiden Ökonomen. Sie versteht sie nur als Ergänzung zu ihrem bestehenden Instrumentenkasten.

Die beiden Ökonomen wollen diesen aber gleich grundlegend reformieren: Der (Reverse-)Reposatz soll der neue Leitzins werden und der Zins für die Bankeinlagen beim Fed (IOR) soll ihm angeglichen werden. Auch dieser neue Leitzins soll sich an der Frist von einem Tag («Overnight») orientieren.

Die wichtigsten Vorteile:

  • Die Bestimmung des Zinsniveaus ist hier viel einfacher zu haben, weil der Satz eine Art untere Grenze für andere Kurzfristzinsen setzt (und damit entsprechend der einleitenden Begründung auch die Langfristzinsen dominiert). Warum sollte jemand für weniger Zins eine Ausleihung tätigen, wenn er vom Fed mehr dafür erhalten würde.
  • Das Fed müsste nicht im gleichen gigantischen Ausmass Liquidität abschöpfen, um den Leitzins wenn nötig zu erhöhen.
  • Es würden weit mehr Marktteilnehmer vom neuen Leitzins betroffen. Der aktuelle Leitzins bezieht sich nur auf den Zins zwischen Banken und den Zins auf den Reserven beim Fed (IOR) erhalten nur die unmittelbaren Gegenparteien des Fed unter diesen Banken . Reverse Repos kann die Notenbank sogar mit Nichtbanken abschliessen. Das würde ihre Flexibilität massiv erhöhen.

Der Vorschlag der beiden Ökonomen wird beim Fed auf jeden Fall genau beobachtet, immerhin hatten beide einst selbst wichtige Positionen bei der US-Notenbank inne.

Ok. Vielleicht war das alles etwas technisch. Doch die Überlegungen vermitteln einen Eindruck von den Fallstricken, denen der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ausgesetzt sein wird. Sie machen aber auch klar, dass nach der Krise auch am ganz konkreten Instrumentenkasten der Wirtschaftspolitik sich Veränderungen aufdrängen. Das dürfte sich nicht auf den Leitzins der USA beschränken.

67 Kommentare zu «Warum die USA einen neuen Leitzins brauchen»

  • Josef Marti sagt:

    Viele Leute unterliegen dem weit verbreiteten Irrtum, dass Sparen möglich ist ohne dass Jemand Schulden hat. Sicheres Sparen heisst letztlich, dass Sie einen guten zuverlässigen Schuldner finden müssen. Natürlich kann das Einzelindividuum seine Gläubigerposition aufgeben und Sachwerte halten, damit wird die Gläubigerposition aber nur weiterübertragen und die Schuldposition bleibt gesamtwirtschaftlich bestehen.
    Gegenwärtig haben wir eher die Situation, dass va. starke Exportfirmen ihre laufenden Investitionen ohne Neuverschuldung aus dem cashflow selbst finanzieren können, sie fallen als Schuldner immer mehr ausser Betracht. Was passiert aber, wenn alle, also Firmen, Banken,Private und auch noch der Staat spart bzw. als Neuschuldner wegfällt?- Dann bleibt nur noch das Ausland, wie man aktuell verfolgen kann mit den hohen Engagements in Schwellenländer, welche jetzt aber sich als Risikoposten erweisen (Stichwort sudden stopp).
    Das kapitalistische System ist zwingend darauf angewiesen, dass die durch Wertschöpfung also Wachstum erzielte Vermögensbildung immer wieder neue Schuldner findet. Gegenwärtig sind wir in der Situation, dass somit Staaten, welche einigermassen eine gute Infrastruktur, Stabilität, Rechtssystem usw. haben noch die sichersten Schuldner sind egal wie defizitär die Haushalte sind. Deshalb heisst der Bürger “Staatsbürger”, weil er für die Staatsschuld bürgt.
    Wer gegen dieses System ist darf letztlich keine Innovation und kein Wachstum befürworten.
    Auf die Einzelwirtschaft übertragen: Wenn Sie nicht so stark sind wie die Exportfirmen und auf Verschuldung verzichten indem Sie die Firma entschulden, dann müssen Sie auf Investitionen verzichten und die Firma ist nach spätestens 10 Jahren weg vom Fenster, dafür können Sie ihren Nachkommen eine schuldenfreie Firma übergeben, die gleich viel wert ist wie ein gefülltes Portmonnaie, sofern zu Liqu.werten noch etwas herausschaut.
    Weshalb steigt die Schulden/Guthaben Spirale exponentiell? – Das sind zwei Hauptgründe, einerseits die Steuersenkungsorgien kombiniert mit Kompensation via indirekter Steuern (MWST), Gebühren und Konsumabgaben welche den Mittelstand ärmer machen. Sodann die explodierenden Gewinne und damit Vermögenserträge der Inhaber und Grundbesitzer weil die Gewinnquote (Zinsen, Mieten/Pachten, Profite) zulasten der Lohnquote verschoben wird; dies wiederum deshalb, weil der verteilungsneutrale Spielraum bestehend aus Produktivitätszuwachs plus Inflation seit 20 Jahren praktisch nie mehr an die Lohnempfänger weitergegeben wurde, Resultat: stagnierende bis fallende Reallöhne und damit flache Binnenkonjunktur mit Deflationstendenzen und Vermögensinflation an den Börsen und Immobilienmärkten.

    • Josef Anton sagt:

      @ Josef Martin

      „Das kapitalistische System ist zwingend darauf angewiesen, dass die durch Wertschöpfung also Wachstum erzielte Vermögensbildung immer wieder neue Schuldner findet.“

      Sie verwenden einen falschen Ansatz in Ihrer Analyse. Natürlich ist das System der Kreditvergabe Teil des Kapitalismus, jedoch muss man sich am Volumen im Verhältnis zum BIP orientieren. Bis die 70iger Jahre lag das Kreditvolumen im Verhältnis zum BIP für die meisten westlichen Staaten im Rahmen von 120 – 150 Prozent, während es heute auf ca. 350% liegt. In den vorhergehenden Jahrzehnten hat sich die Kreditmenge auch nie in diesem Ausmasse ausgedehnt und ich denke wohl nicht, dass wir damals weniger Kapitalismus hatten als heute (das Gegenteil trifft zu, indem die Notenbanken verstärkt zentralplanerische Funktionen übernahmen). Es handelt sich um eine dauerhafte inflationäre Geldpolitik, welche dazu führte.

      Man kann sehr wohl sparen ohne dass ein anderer Schulden haben muss. Denken Sie an all die Güter, welche wir problemlos ohne Kredit erwerben können (Immobilien, Autos, Schmuck etc. etc.). Es besteht kein Grund, dass für solche Güter Kredite erteilt werden. Einzig die Politik der Geldentwertung veränderte das Verhalten der Gesellschaft dazu, dass man sich am besten stark verschuldet, da man dadurch quasi durch einen Hebel einen Gewinn erwirtschaftet. Sie wären erstaunt, wie günstig Immobilien wären, wenn nicht aufgrund der Geldpolitik sich jeder über Hypotheken verschuldet hätte. Ich kenne natürlich die Gleichgewichtsmodelle der Ökonomen, indem erklärt wird, dass Guthaben auch Schulden sind, womit die Sache gegessen sein soll. So einfach ist es nicht!

      Grundsätzlich sollten Kredite in erster Linie dort eingesetzt werden, wo ein rentables Projekt vorliegt und nicht um staatliche Ausgaben (als Investitionen in die Zukunft präsentiert) zu finanzieren. Der Bürger soll möglichst zeitgleich Kosten und Nutzen verspüren, was den Staat schlank hält und damit die Bürokratie und Möglichkeit von Fehlentwicklungen in Schranken hält.

      Diese inflationäre Geldpolitik verteilt um, an jene, welche sich am nächsten zum Geldhahn (von unten nach oben, z.B. zugunsten Banken, Finanzelite) befinden. Die Problematik liegt darin, dass die Zentralbanker diesem Aspekt keine Bedeutung zumessen, da sie einzig in Aggregaten denken und die meisten Menschen diesen Umverteilungseffekt nicht nachvollziehen können. Die Politik ist natürlich mit im Boot, da sie gerne versprechen macht, deren negative Auswirkungen sich erst nach Jahren melden.

      • Josef Marti sagt:

        Demnach addieren sich nach Ihnen die Konten der VW-Gesamtrechnung nicht auf Null und alle Theorien sind falsch. Natürlich kann ein einzelnes Individuum schuldenfrei sein, nicht aber die Wirtschaft insgesamt, das gibt es nur in einer reinen Tauschwirtschaft oder vielleicht in einem System à la Wörgl mit Umlaufsicherungsgebühr oder Verfalldatum so dass niemand horten kann.
        Beim Kauf von Sachgütern reduziert sich eine Gläubigerposition zugunsten der Erhöhung einer anderen, gesamtwirtschaftlich bleibt die Schuld im monetären System immer bestehen.
        Bisher jedenfalls gab es kein monetäres System welches ohne Schulden und Zins Wirtschaftswachstum und Wertschöpfung generiert hätte, aber auch eine private Vermögensvermehrung ist ohne dass andere Wirtschafssubjekte inkl. Ausland Schulden machen gar nicht möglich. Sonst muss man die ganzen statistischen Daten die bei den Notenbanken publiziert werden zusammen mit allen Theorien für irrelevant und Humbug erklären.
        Als Alternative bleibt da nur noch die Wiedereinführung des Feudalismus mit Zinsverbot. In einem solchen System verlieren Schulden ihre Bedeutung. Bezeichnenderweise ist der technologische Fortschritt in einem solchen System so klein dass über 1000 Jahre praktisch keine Veränderungen stattfinden.
        Zentrales Element ist also der Zins welcher gehortete Gelder aus der Reserve lockt und das monetäre Schuldsystem aufrechthält und mit dem Zinseszinseffekt den Wachstums- und Wertschöpfungsdruck laufend erhöht. Auch das Erbrecht trägt dazu bei weil va. Grund und Boden weitervererbt wird, die Nettowertschöpfung muss neben dem Zins auch die Miete/Pacht bedienen.
        Bezügl. Schlankem Staat vergessen Sie dass Bildung Investition in Zukunft ist welche nicht durch laufende Steuern (welche dann massiv erhöht werden müssten) abgedeckt werden kann sondern mit Schulden finanziert werden muss weil ja die Früchte erst viel später genossen werden. Wie bei der Einzelunternehmung (wie ich oben beschrieben habe) führen vernachlässigte Investitionen zum Bankrott auf Raten, bzw. gesamtwirtschaftlich wird man im Konkurrenz- und Wachstumswettbewerb mit anderen Volkswirtschaften nach hinten durchgereicht.
        Man kann natürlich wie Sie die amerikanische Alternative bevorzugen wo die Ausbildung Privatsache ist. Tatsächlich kann sich die grösste Volkswirtschaft der Welt das vorläufig leisten (ich weiss nicht wie lange), weil man sich auch Handelsdefizite und gigantische Auslandsverschuldung leisten kann. Eine kleinere Volkswirtschaft wäre schon längstens im sudden stopp abgetaucht.
        Der von Ihnen beschriebene Umverteilungseffekt nach oben korreliert genau mit der seit Ende 70er anfangs 80er eingeleiteten Politik der Umverteilung von der Lohnquote zur Gewinnquote was zu gigantischen Privatvermögen und somit zwangsläufig zu Kreditausweitung führen muss weil diese Vermögen von der Finanzwirtschaft zu den bekannten Blasen verwertet werden musste, die Umbuchung der Verluste aber aufs Konto Staatschulden erfolgt.

        • Josef Anton sagt:

          Wenn Sie glauben, dass die gegenwärtig angewendeten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien richtig sind, dann Frage ich mich, wieso diese Leute die Krise nicht kommen sahen.

          „Natürlich kann ein einzelnes Individuum schuldenfrei sein, nicht aber die Wirtschaft insgesamt,“

          Ich habe erklärt, dass die Kreditvergabe Teil des kapitalistischen Systems darstellt. Mit dieser Unterstellung erklären Sie an meiner Aussage vorbei. Es geht um ein dauerhaftes stärker als die Wirtschaft wachsendes Kreditvolumen, welches immer stärker auf dem Träger, die Wirtschaft, lastet. Ein Umstand, welcher erst seit einigen Jahrzehnten in dieser linearen Form Einzug hielt.

          Der Zins ist der Preis für Kapital. Kapital muss nicht unbedingt in der Form einer Währung bestehen, sondern stellt Ersparnisse (positiver Unterschied zwischen Leistung und Konsum) in welcher Form auch immer dar. Wie sie richtig erklären, locken höhere Zinsen angespartes Kapital aus der Reserve. Hohe Zinsen bedingen Projekte mit hoher Rentabilität. Wenn die Zinsen aufgrund zentralplanerischer Aktivitäten der Zentralbanken künstlich tief gehalten werden, wird in weniger rentable Projekte investiert. Dabei handelt es sich um Fehlinvestitionen, welche in einer notwendigen Periode höherer Zinsen teilweise abgeschrieben werden müssen. Die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit bedingt gelegentliche deflationären Phasen, welche ebenfalls die Funktion der Disziplinierung der wirtschaftlichen Akteure erfüllt (Schumpeter).

          Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Damit gehe ich mit Ihnen einig und die Eltern werden sich im Allgemeinen darum kümmern, da ihre persönliches zukünftiges Wohlbefinden damit verbunden ist. Wenn wir das heutige Schulsystem betrachten, könnte man dieses unter Anwendung der heute vorhandenen Technologien revolutionieren, womit die Kosten massiv puzzeln würden. Es ist jedoch der Staat, welcher zum Beispiel Schulpflicht und die genormte Schule festlegt, und damit die Kreativität unterdrückt. Es würde ausreichen, dass der Staat anerkannte Prüfungen organisiert, welche einen Studenten entsprechend qualifiziert, ansonsten sich jedoch komplett aus dem Bildungsbereich freihält. In den USA ist Bildung ebenfalls staatlich organisiert, weswegen unter anderem das Problem der Student-Loans kreiert wurde.

          Wir müssen zwischen Staat und Regierung unterscheiden. Wir als Bürger sind Teil des Staates und somit müssen wir uns mehr auf die aus Bürokraten bestehenden Regierungen fokussieren. Sie vermitteln den Eindruck, dass sie daran glauben, dass diese Bürokraten in erster Linie das Wohl der Bevölkerung im Auge haben, womit Sie falsch liegen. Mitarbeiter einer Organisation werden in allererster Linie sich dafür einsetzen, die eigene Organisation zu stärken und auszubauen und erst danach wird zum Wohle der Gesellschaft gedacht. Es handelt sich um ein normales Prinzip des menschlichen Verhaltens, seine persönliche Zukunft abzusichern und ist daher nicht verwerflich. Allerdings handelt sich um eine nicht nachhaltige Entwicklung wenn die Bürokratie immer stärker wächst und sich in immer mehr Angelegenheiten des Bürgers einmischt, denn es wird dadurch kein Mehrwert geschaffen, sondern einzig bestehende Wertschöpfung umverteilt. Wenn der unproduktive Anteil der Bevölkerung dauerhaft stärker wächst als die Gesamtwirtschaft, handelt es sich um eine eher fragwürdige Entwicklung.

          Der Umverteilungseffekt von unten nach oben, die Bildung von Blasen sowie die Erzeugung einer Erwartungshaltung der persönlichen Absicherung durch staatlich organisierte Systeme ist sehr wohl mit der Geldpolitik verbunden. Wenn Zinsen künstlich tief gehalten werden, entsteht z.B. ein Anreiz, Arbeitskraft durch Investitionen in technische Anlagen zu ersetzen. Vorerst mag dies zu einem Boom führen, indem massiv investiert wird, jedoch danach fallen ein immer höherer Anteil der Arbeitskräfte der Automation zum Opfer. Dies soll nicht heissen, dass technologischer Fortschritt negativ ist, sondern einzig demonstrieren, wie die Geldpolitik indirekt auf Ihren Lohn Einfluss nehmen kann.

          Es freut mich, dass Sie sich derart intensiv mit dieser Angelegenheit beschäftigen.

          • Josef Marti sagt:

            Sorry für meine späte Stellungnahme. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den verstorbenen Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker hinweisen, der bereits 1983 (!!) in seinem damals für breites Aufsehen erregenden Buch folgende Prognosen aufgestellt hat:

            Zuerst hat er damals schon den Zusammenbruch des Sowjetsystems prophezeit, wofür er ausgelacht wurde.
            Weizsäcker beschreibt die Auswirkungen einer dann einsetzenden”Globalisierung”,(obwohl es damals dieses Wort noch nicht gab), so wie er sie erwartete:

            1. Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen.
            2. Die Löhne werden auf ein noch nie da gewesenes Minimum sinken.
            3. Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen.Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird.
            4. Circa 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus werden in Deutschland wieder Menschen verhungern. Einfach so.
            5. Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch.
            6. Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eigenen Schutz Privatarmeen zu unterhalten.
            7. Um ihre Herrschaft zu sichern, werden diese Eliten frühzeitig den totalenÜberwachungsstaat schaffen, und eine weltweite Diktatur einführen.
            8. Die ergebenen Handlanger dieses “Geld-Adels” sind korrupte Politiker.
            9. Die Kapitalwelt fördert wie eh und je einen noch nie dagewesen Nationalismus(Faschismus), als Garant gegen einen eventuell wieder erstarkendenKommunismus.
            10. Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten. Hierbei werden Bio-Waffen als Seuchen deklariert, aber auch mittels gezielten Hungersnöten und Kriegen. Als Grund dient die Erkenntnis, daß die meistenMenschen ihre eigene Ernährung nicht mehr finanzieren können, jetzt wärendie Reichen zu Hilfsmaßnahmen gezwungen, andernfalls entsteht für sie ein riesiges, gefährliches Konfliktpotential.
            11. Um Rohstoffbesitz und dem eigenen Machterhalt dienend, werden Großmächte Kriege mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen führen.
            12. Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus das skrupellosesteund menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvorerlebt hat, ihr “Armageddon” (“Endkampf”).
            Das System, welches für diese Verbrechen verantwortlich ist, heißt”unkontrollierter Kapitalismus“.

  • Josef Marti sagt:

    Wie lange muss man hier warten bis ein Kommentar freigeschaltet wird??

  • urs lehmann sagt:

    So wie ich die Publikationen der SNB interpretiere, zahlt sie aktuell knapp 4% p.a. auf die bei ihr deponierten Reserven. Da ist es kaum verwunderlich, wenn die Banken die Liquidität nicht in risikobehaftete Kredite stecken, sondern sie stattdessen praktisch risikofrei zu diesem äusserst vorteilhaften Zinssatz anlegen.

    Was spricht dagegen, dass eine Bank die eigentliche Geschäftstätigkeit einzustellt bzw. nur noch pro Forma aufrechtzuerhält, und stattdessen sämtliche verfügbaren („schöpfbaren“) Aktiven bei der SNB als Reserve anlegt? Wegen dem EK-Hebel gibt das praktisch risikolose Traumrenditen!

    Wo liegt der Fehler, was interpretiere ich falsch?

    Quelle:
    Sichwortverzeichnis des aktuellen Statistischen Monatshefts der SNB (snb.ch, im Menu unter => Statistiken/Statistische Publikationen), die beiden Links zum Stichwort Mindestreserven. Die rechteste Spalte der Zieldatei von „A6“ zeigt nach meinem Verständnis den oben erwähnten Zinssatz.

  • Josef Anton sagt:

    Wir gehen von der Annahme aus, dass diese Funktionäre (Zentralbanker) wissen was sie tun und welche Konsequenzen daraus entstehen. Erinnert mich alles ein wenig an Goethes Zauberlehrling, wenn man berücksichtigt, dass diese Leute nicht einmal im Ansatz die Finanzkrise voraussahen und sich jetzt als Retter der Welt feiern lassen.

    Wer Philip Hildebrands Interview mit Mario Draghi in Davos gesehen hat und nicht über die Selbstbeweihräucherung fast kotzen musste, dem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen. Diese Menschen glauben tatsächlich, dass sie das Problem gelöst haben, indem sie die Marktwirtschaft weiter aushöhlten und durch Planwirtschaft ersetzten und die System-Komplexität weiter erhöhen ohne zu erkennen, dass dies das System immer instabiler macht.

  • Pascal Meister sagt:

    Der Artikel täuscht über zwei wichtige Punkte hinweg:
    1. Aufgrund des superschnellen Zahlungsverkehrs und der zunehmenden Kartenzahlungen der Konsumenten steht die Geldmenge der Gesamtsumme der Banken ununterbrochen fast vollständig zur Verfügung. Zinsen spielen also nur noch eine Rolle, wenn es um langfristige Kreditfinanzierungen geht wie z.B. Hypotheken, aber auch hier wird das Zinsniveau langfristig auf die Höhe von „Risiko + Kosten“ sinken.
    2. Der Dollar und der Euro werten sich schrittweise Richtung null ab, mal bewegt sich die eine Währung, mal die andere – es wird um jeden Preis versucht, eine Inflation in den Markt zu bringen, um die überschuldeten Staaten zu entlasten und Spielräume zu schaffen.

  • ast sagt:

    Zuerst herzliche Dank an Markus Diem Meier für diesen erhellenden Bericht.

    Nun hätte ich eine Frage bei der meine Fachkenntnis über diese spezifische Angelegenheit leider nicht ausreicht.
    Ist es richtig, falls die vorgeschlagenen Änderungen eingeführt würden, dass die „Liquidität“ nicht abgeschöpft würde und infolge der Umstellung die Banken durch den Akt der Einführung so quasi Billionen sozusagen „geschenkt“ erhalten?

    • Urs Lehmann sagt:

      „traditioneller“ Repo
      – am Tag0 verkauft die Bank der SNB Wertschriften
      – am TagX passiert das Gegengleiche, die SNB verkauft der Bank dieselben Wertschriften zurück
      – während der Laufzeit (zwischen Tag0 und TagX) bezahlt die Bank Zinsen gem. Repo-Zinssatz
      – während der Laufzeit hat die Bank mehr Liquidität zur Verfügung
      – während der Laufzeiten werden allfällige Wertschwankungen der Wertpapiere mit Ausgleichszahlungen (Margin) ausgeglichen (gilt sowohl für Zu- als auch Abnahme)

      Ein Kontrakt beträgt 100 Mio (CHF/Euro/USD), die klar häufigste Laufzeit ist 1 Tag.

      Reverse Repo (die Neuerung)
      Im Grunde das selbe wie der traditionelle Repo, jedoch mit umgekehrter Rollenverteilung. D.h. die SNB verkauft ihre Wertschriften der Bank und reduziert damit deren Liquidität

      Daraus ist ersichtlich, dass zumindest der (Ver-)Kaufbetrag kein Geschenk ist.

      • Josef Anton sagt:

        @ Urs

        Sie erklären dies ausgezeichnet, noch besser als der Autor.

      • Urs Lehmann sagt:

        Nachtrag:

        Bei jedem Repo ist der Rückkauf zwingende Pflicht, kein (Wahl-)Recht. Sämtliche Konditionen werden bei Vertagsabschluss bindend abgemacht.

        Die Zentralbank unterhält eine Liste mit akzeptablen Wertschriften. Die Bank ist völlig frei in der Auswahl, welche und wieviele davon sie für den jeweiligen Repo einsetzt.

        Ein Repo ist kein Kredit, es handelt sich um einen Kauf kombiniert mit einem im Voraus abschliessend definierten Rückkauf. Deshalb besteht zu keiner Zeit ein Schuldnerrisiko, abgesehen von Verlusten auf den Wertschriften am Tag der allfälligen Konkurserklärung der Bank. Wenn ich das Ganze richtig verstehe, so gehen Zentralbanken quasi per definition (zumindest bis vor 5 Jahren) kein Schuldnerrisiko ein (Ausnahme: Kauf von Fremdwährungen), deshalb hat der Repo u.a. in der CH innerhalb wenigen Jahren eine derart zentrale Bedeutung erlangt.

  • Pierre Corpataux sagt:

    Wenn die Grafik zur FED- und SNB Bilanz stimmt, wäre die pro Kopf-Zunahme der SNB-Bilanz für die Schweiz rund 40 mal höher als diejenige der FED für die USA ?? Was bedeutet das für die Schweiz?

    • ast sagt:

      Ich weiss nicht ob die Bilanz der beiden Notenbanken durch gleichwertige Risiken aufgebläht wurden. Bei der SNB spielt offenbar der Kauf von Euro eine grosse Rolle, bei der FED riskante Wertpapiere und weniger durch Fremdwährungen.
      Insofern der Euro nicht durch eine Katastrophe zerbricht, wird das Risiko für die Schweiz vermutlich trotzdem geringer sein als in den USA bei der FED.

  • Johnny Smith sagt:

    Interessanter Artikel mit guter Kurzübersicht über Zinspolitik, danke. Er zeigt auch auf, in welche Sackgasse sich die Zentralbanken mit ihren kontinuierlichen Zinssenkungen hineinmanövriert haben.

    • Johnny Smith sagt:

      Die aktivere Steuerung des IOR Zinses ist sicher interessante Diskussionen wert, vielleicht ja effektiv eine Verbesserung. Die Zentralbanken haben dazu allerdings keine Erfahrungswerte.

    • Johnny Smith sagt:

      Bei IOR Beständen in normalem Rahmen müsste man die Auswirkungen austesten. Leider haben die riesigen QE diese Bestände massiv aufgebläht und sind jetzt rekordhoch…

      • Johnny Smith sagt:

        Sorry für die Multipostings… Dieses vermaledeite #°§¬¬°-Blogsystem akzeptiert meine Kommentare wieder mal nicht. Dann lass ich’s halt von jetzt an!!!!! Gewisse Poster werden vielleicht froh sein.

      • Urs Lehmann sagt:

        Genau deshalb verstehe ich nicht, weshalb die Fed nun auch noch Repo-Zinsen zu zahlen beabsichtigt. Die Entwicklung wie ich sie sehe:
        a) die Fed stellt den Banken massiv Liquidität zur Verfügung (Anstieg v.a. 2008/2009)
        b1) die Banken stellen diese nur beschränkt der Wirtschaft zur Verfügung, stattdessen parkieren sie sie bei der Fed
        b2) die Fed beginnt, die Reserven zu verzinsen. Änderung war geplant auf 2011, jedoch mit Blick auf die Ereignisse per 2008 vorgezogen
        c) anstatt die Liquidität wieder abzuschöpfen, will die Fed die Liquidität nun direkt Drittparteien „entziehen“ indem sie mit ihnen Repo abschliesst, welche natürlich ebenfalls verzinst werden

        Möglicherweise sind b2 und b1 vertauscht, d.h. die parkierte Liquidität eine direkte Folge der Zinsen auf die Reserven. Aber unabhängig davon müsste die Reaktion unter c) anders aussehen als vom Fed geplant.

        Johnny Smith, Sie scheinen anderer Meinung zu sein. Wie sehen Sie das Ganze? Worin besteht aus Ihrer Sicht die sinnvolle Logik?

        P.S.:
        Ich hoffe doch sehr, dass Ihre „Drohung“ nur eine leere ist 😉

        • Johnny Smith sagt:

          Dieses Blog-System nervt manchmal schon gewaltig. Ein bisschen weniger ’scharf‘ einstellen sollte man es schon. Und es scheint auch nicht immer gleich zu sein. Aber egal…

          Ich habe noch keine klare bzw. gut begründete Meinung zum Thema IOR Verzinsung. Mein Punkt war v.a. der: Es gibt noch keine bzw. nur rudimentäre Erfahrungswerte. Es ist deshalb aus Risikosicht ein denkbar schlechter Zeitpunkt, sozusagen eine ‚Testphase‘ zu starten, wenn die Bestände jenseits aller Rekordstände von früher sind.

        • Johnny Smith sagt:

          Ich bin weitgehend einverstanden.

          Mit a) (Liquiditiätseinschuss als Krisenmassnahme) hat die FED zu Beginn der Finanzkrise Gegensteuer gegeben und damit erfolgreich einen Systemkollaps abgewendet.

          Auch b1) ist so, die Liquidität kommt weitgehend nicht in der Realwirtschaft an. Die Frage ist natürlich auch warum das so ist. Sicher spielen die IOR Zinsen eine Rolle, ich vermute allerdings, dass die Realwirtschaft die Liquidität schlicht nicht braucht in diesem Umfang, die FED also die Realität aus den Augen verloren hat.

          b2) Wegen der IOR Verzinsung werden Banken in Milliardenhöhe subventioniert. Geld (Zins) fliesst vom FED zu den Banken. Wie Sie an anderer Stelle erwähnt haben, erschliesst sich auch mir die Logik nicht, weshalb die FED die IOR Zinsen nicht einfach zurücknimmt. Aber eben, die Quantität und die fehlenden Erfahrungen… Die FED weiss vermutlich eben auch nicht so genau, wie viel dieser Alternativen-suchenden Liquditität dann wie viel Inflationspotential in der Realwirtschaft anfachen würde. Man müsste eben nicht nur die IOR Zinsen senken, sondern auch die Liquidität aus den Banken (bzw. IOR Teil) zurücknehmen und davor scheint die FED zurückzuschrecken.

          Vielleicht deshalb der angedachte Versuch c), Rücknahme von Liquidität von anderen Marktteilnehmern.

          Aber wie gesagt, ich habe noch keine klaren, gut organisierten Gedanken dazu. Für mich scheinen die klassichen Massnahmen (Liquidität zurücknehmen, IOR Zinsen eliminieren bzw. senken, und dann, falls sich immer noch Inflationspotential aufbauen würde, Zinsen erhöhen) der sinnvollere Weg zu sein.

  • Peter Meier-Schlittler sagt:

    @oliver fehr: …keine Schulden wurden abgebaut – sie haben völlig recht Herr Fehr – wo + wie auch? Alle Vorgänger von Präs. Obama erreichten total einen Schuldenberg von 10.6 Bio. Dollar. Seit Präs. Obama ist dieser Berg um weitere 6.7 Bio. gewachsen – die Entwicklung ist bedrohlich! Dies trotz den meisten Nobelpreisträgern für Wirtschaftswissenhaften aus den USA – ev. sind Sack + Gagnon mit ihrer Zinsakrobatik die neuen Anwärter – um die Welt weiterhin täuschen zu können + weitere Staatsdefizite zu ermöglichen! Geradezu halsbrecherisch ist die Lage in Japan: im vergangenen Jahr erreichte die Staatsverschuldung die Marke von 1000 Billionen Yen (!) und der Schuldendienst frisst 52% der Steuereinnahmen – Japan ist pleite! Auch in der Euro-Zone ist noch keines der Defizitprobleme gelöst! Wo ist denn all das frisch gedruckte Geld nun hingewandert: in aufgeblähte Aktien-/Anleihen-/Derivat-/Immobilien- und Kunstmärkte! Ein grosser Wandel ist notwendig: aber nicht mit Zinsakrobatik, sondern endlich mich ausgeglichenen Staatshaushalten!

    • Josef Marti sagt:

      Das ist wohl ein Witz. Ausgeglichene Haushalte können Sie vergessen wenn jahrzehntelang Steuersenkungsorgien betrieben werden. Das Resultat ist ziemlich banal: Es bleibt nur noch der Staat und bei Exportnationen das Ausland welche dem infolge Steuersenkungen wachsenden Vermögen der privaten Haushalte gegenüberstehen, wenn Firmen und Private sich nicht mehr verschulden. So haben die Vermögen der privaten Haushalte in D in den letzten 20 Jahren um 2,2 Billionen (!) zugenommen; wer ist der Schuldenmacher für diese Zunahme: praktisch je zur Hälfte der Staat und das Ausland (gem. Statistik D Bundesbank), die Firmen/Banken haben in dieser Zeit +/- Null geschrieben. Merke: Sparen und Vermögensbildung ist unmöglich, wenn sich niemand als Schuldner zur Verfügung stellt.
      Japan hat noch am wenigsten Probleme da es bei den eigenen Bürgern verschuldet ist und das bei rekordtiefen Zinsen und einer starken Währung, also für den Bürger sowieso ein Nullsummenspiel. Schlimmer ist dagegen die Folgen der KKW Katastrophe welche den Aussenbeitrag auffrisst.

      • Peter Meier-Schlittler sagt:

        Ja, Herr Marti, ich weiss nicht wo Sie leben, aber für mich ist die Staatsschuldenkrise real existierend! Ein Unvermögen der Politik mit Steuergeldern haushälterisch umzugehen, oder ein Unvermögen, den Staatsbürgern bei Annehmlichkeiten auch zu erklären, dass sie diese selbst zu bezahlen haben! Oder die ewige Versuchung des Menschen mit der Notenpresse das Paradies auf Erden zu erschaffen! Heute haben wir planwirtschaftliche Verhältnisse, alle Augen sind auf das Verhalten und die Erklärungen der Notenbanken gerichtet – auch bei uns – ein falsches Wort und Aktien, Staatsanleihen und Währungen sausen in den Keller oder steigen in luftige Höhen! Nur die Notenbanken halten das Spiel aufrecht, das sonst längst von der Realität beendet worden wäre! Auch die hier beschriebene Zinsakrobatik wird das Problem auf lange Sicht natürlich nicht lösen. Aber: sie haben recht, dass am Schluss der Bürger gerade stehen muss: im Januar-Bericht der Deutschen Bundesbank (S. 52 ff) wird die Idee des IWF jetzt diskutiert, „Bürgervermögen“ zu rasieren – ä la Zypern -, ob die Menschen dies akzeptieren werden, ist eine andere Frage! Auch das japanische Nullsummenspiel – wie Sie es nennen – ist eine Illusion, jemand wird bei der Präsentation der Rechnung, bezahlen müssen – wahrscheinlich werden es die falschen sein, wie stets in der traurigen Geschichte des Geldes!

        • Josef Marti sagt:

          Sie haben recht. Das Nullsummenspiel ist natürlich die gesamtwirtschaftliche Betrachtung; bei der Vermögenszunahme der privaten Haushalte kann sich ja jeder selber fragen wie er persönlich daran beteiligt ist. Es ist zu befürchten, dass der Cut der Schulden/Guthaben Pyramide letztlich zulasten der wenig mobilen Kleinsparer und PK Versicherten erfolgen wird.

          • Rolf Zach sagt:

            Nur eine Frage, ist es eigentlich ein Segen, wenn die Eidgenossenschaft und auch die übrigen staatlichen Körperschaften keine Schulden mehr haben? Wollen wir für dieses Ideal eine ungenügende und für jede einzelne Person, ob natürlich oder juristisch, belastende Infrastruktur haben? Wir lieben dafür unsere Spargelder in Asset-Inflation-Objekte anzulegen, deren Gefährlichkeit jedermann seit 2008 klar ist. Wenn ich über die Konsequenzen einer solchen Leitzins-Politik nachdenke, interessiert mich nicht nur die volkswirtschaftliche Seite, die im Artikel ausgezeichnet beschrieben wurde, sondern wie reagieren auf diese Möglichkeit die Nicht-Banken. Im Artikel wurde ja auch erwähnt, dass diese Möglichkeit auch Nicht-Banken offen stehen sollte. Verkaufen diese ihre Wertschriften mit Rückkaufsrecht für den zu bekommenden IOR an die Notenbank und gehen zum Beispiel nicht mehr zur Erhöhung ihrer Rendite an den Markt für Derivate? Können Unternehmen durch dieses Instrument direkt bei der Notenbank Kredit aufnehmen und die Banken umgehen? Dies wäre sicher keine schlechte Lösung für die Eurozone, wo die Geldschöpfung der EZB bei der Realwirtschaft nicht ankommt.

          • Josef Anton sagt:

            @ Rolf

            Ich verstehe, dass Sie sich über diese Mechanismen Gedanken machen und versuchen die möglichen Auswirkungen zu analysieren. Aber …

            Nehmen wir als Beispiel 2 Fussballmannschaften, welche gegeneinander spielen. Eine sehr begrenzte Anzahl von Akteuren, nicht wahr. Man sollte annehmen, dass mit der heutigen Kapazität der Computerprogramme unter Verwendung sämtlicher Daten der Spieler beider Mannschaften das Resultat korrekt prognostiziert werden kann. Vielleicht erhält man eine gute Quote in Bezug des Gewinners dieses Matches, jedoch selbst dies ist nicht sicher, aber definitiv das Ergebnis vorauszusagen ist auch heute mit all diesen technischen Hilfsmitteln und Modellen nicht möglich. Was ich Ihnen eigentlich darlegen will, dass wir nicht das Ausmass der Manipulation, Planung und Kontrolle noch weiter ausbauen sollten, sondern die Regeln an gewährten Prinzipien orientieren und vereinfachen. Die Komplexität nutzt niemandem ausser den Bürokraten, welche dadurch ihre Position und Macht erhöhen und damit den Anteil an nicht produktiven Aktivitäten innerhalb der Volkswirtschaft erhöhen, was schwerlich zu höherem Wohlstand insgesamt führen dürfte.

            Es zeichnet sich immer stärker ein Grabenkrieg in Bezug auf pro oder kontra wohlbesoldeter Bürokraten und Machtkonzentration ab. Wenn die Wahl des Europäischen Parlamentes im kommenden Mai eine Abfuhr an die Bürokraten erteilt, könnte dies der Anfang des Endes der EU in der heutigen Form bedeuten. Eine ähnliche Stimmung weht den Zentralbanken langsam entgegen.

          • Peter Meier-Schlittler sagt:

            @Herr Rolf Zach: Selbstverständlich ist es „ein Segen“, wenn öffentlich-rechtliche Körperschaften, z.B. die Eidgenossenschaft, keine Schulden hat! Warum: 1) sind sie – ob Staat oder Privatperson – nicht nur schuldenfrei, sondern sie sind erst jetzt auch im übertragenen Sinne wirklich f r e i ! Schön kommt dieser Sachverhalt doch in der sprachlichen Wendung zum Ausdruck: …in jemandes Schuld stehen (Schulden schaffen Abhängigkeit)! Dann sind Sie nicht genötigt Schuldzinsen zu erwirtschaften – Sie können z.B. frei über Ihr Einkommen verfügen. 2): brauchen sie dringend Geld, so bekommen sie dies leichter und zu besseren Konditionen, als wenn sie bereits verschuldet sind!

          • Josef Marti sagt:

            P.Meier: Sie unterliegen dem weit verbreiteten Irrtum, dass Sparen möglich ist ohne dass Jemand Schulden hat. Sicheres Sparen heisst letztlich, dass Sie einen guten zuverlässigen Schuldner finden müssen. Natürlich kann das Einzelindividuum seine Gläubigerposition aufgeben und Sachwerte halten, damit wird die Gläubigerpsosition aber nur weiterübertragen und die Schuldposition bleibt gesamtwirtschaftlich bestehen.
            Gegenwärtig haben wir eher die Situation, dass va. starke Exportfirmen ihre laufenden Investitionen ohne Neuverschuldung aus dem cashflow selbst finanzieren können, sie fallen als Schuldner immer mehr ausser Betracht. Was passiert aber, wenn alle, also Firmen, Banken,Private und auch noch der Staat spart bzw. als Neuschuldner wegfällt?- Dann bleibt nur noch das Ausland, wie man aktuell verfolgen kann mit den hohen Engagements in Schwellenländer, welche jetzt aber sich als Risikoposten erweisen (Stichwort sudden stopp).
            Das kapitalistische System ist zwingend darauf angewiesen, dass die durch Wertschöpfung also Wachstum erzielte Vermögensbildung immer wieder neue Schuldner findet. Gegenwärtig sind wir in der Situation, dass somit Staaten, welche einigermassen eine gute Infrastruktur, Stabilität, Rechtssystem usw. haben noch die sichersten Schuldner sind egal wie defizitär die Haushalte sind. Deshalb heisst der Bürger „Staatsbürger“, weil er für die Staatsschuld bürgt.
            Wer gegen dieses System ist darf letztlich keine Innovation und kein Wachstum befürworten.
            Auf die Einzelwirtschaft übertragen: Wenn Sie nicht so stark sind wie die Exportfirmen und auf Verschuldung verzichten indem Sie die Firma entschulden, dann müssen Sie auf Investitionen verzichten und die Frima ist nach spätestens 10 Jahren weg vom Fenster, dafür können Sie ihren Nachkommen eine schuldenfreie Firma übergeben, die gleich viel wert ist wie ein gefülltes Portmonnaie, sofern zu Liqu.werten noch etwas herausschaut.

          • Josef Marti sagt:

            P. Meier: Sie unterliegen dem weit verbreiteten Irrtum, dass Sparen möglich ist ohne dass Jemand Schulden hat. Sicheres Sparen heisst letztlich, dass Sie einen guten zuverlässigen Schuldner finden müssen. Natürlich kann das Einzelindividuum seine Gläubigerposition aufgeben und Sachwerte halten, damit wird die Gläubigerposition aber nur weiterübertragen und die Schuldposition bleibt gesamtwirtschaftlich bestehen.
            Gegenwärtig haben wir eher die Situation, dass va. starke Exportfirmen ihre laufenden Investitionen ohne Neuverschuldung aus dem cashflow selbst finanzieren können, sie fallen als Schuldner immer mehr ausser Betracht. Was passiert aber, wenn alle, also Firmen, Banken,Private und auch noch der Staat spart bzw. als Neuschuldner wegfällt?- Dann bleibt nur noch das Ausland, wie man aktuell verfolgen kann mit den hohen Engagements in Schwellenländer, welche jetzt aber sich als Risikoposten erweisen (Stichwort sudden stopp).
            Das kapitalistische System ist zwingend darauf angewiesen, dass die durch Wertschöpfung also Wachstum erzielte Vermögensbildung immer wieder neue Schuldner findet. Gegenwärtig sind wir in der Situation, dass somit Staaten, welche einigermassen eine gute Infrastruktur, Stabilität, Rechtssystem usw. haben noch die sichersten Schuldner sind egal wie defizitär die Haushalte sind. Deshalb heisst der Bürger “Staatsbürger”, weil er für die Staatsschuld bürgt.
            Wer gegen dieses System ist darf letztlich keine Innovation und kein Wachstum befürworten.
            Auf die Einzelwirtschaft übertragen: Wenn Sie nicht so stark sind wie die Exportfirmen und auf Verschuldung verzichten indem Sie die Firma entschulden, dann müssen Sie auf Investitionen verzichten und die Firma ist nach spätestens 10 Jahren weg vom Fenster, dafür können Sie ihren Nachkommen eine schuldenfreie Firma übergeben, die gleich viel wert ist wie ein gefülltes Portmonnaie, sofern zu Liqu.werten noch etwas herausschaut.
            Weshalb steigt die Schulden/Guthaben Spirale exponentiell? – Das sind zwei Hauptgründe, einerseits die Steuersenkungsorgien kombiniert mit Kompensation via indirekter Steuern (MWST), Gebühren und Konsumabgaben welche den Mittelstand ärmer machen. Sodann die explodierenden Gewinne und damit Vermögenserträge der Inhaber und Grundbesitzer weil die Gewinnquote (Zinsen, Mieten/Pachten, Profite) zulasten der Lohnquote verschoben wird; dies wiederum deshalb, weil der verteilungsneutrale Spielraum bestehend aus Produktivitätszuwachs plus Inflation seit 20 Jahren praktisch nie mehr an die Lohnempfänger weitergegeben wurde, Resultat: stagnierende bis fallende Reallöhne und damit flache Binnenkonjunktur mit Deflationstendenzen und Vermögensinflation an den Börsen und Immobilienmärkten.

          • Urs Lehmann sagt:

            Sind Schulden gut oder schlecht?
            Weder noch, zumindest nicht im moralischen Sinn. Sie können aber (unter „objektiver“ Perspektive) sinnvoll verwendet werden, oder eben nicht.

            a) Wer seine Ferien mit einem Kleinkredit finanziert, hat nach der Rückkehr wegen Zinsen und Amortisation noch weniger zur Verfügung als vorher, viele würden sagen es sei eine schlechte „Investition“(hust) gewesen. Der Reiseveranstalter ist da naturgemäss anderer Meinung, das Kreditinstitut ebenso.

            b) Wer seine Ausbildung mit Schulden finanziert, erzielt dadurch später wahrscheinlich ein höheres Einkommen, der Gewinn beträgt langfristig betrachtet ein Vielfaches der Investition. Aus individueller Sicht eine gute Investition, das Ausbildungsinstitut würde dem beipflichten, das Kreditinstitut sowieso.

            Langer Rede kurzer Sinn:
            Der Verwendungszweck ist ein zentrales Kriterium wenn es darum geht, ob Schulden sinnvoll sind oder nicth. Schulden für Investitionen sind eher sinnvoll als solche, die ver-konsumiert werden.

            Zudem:
            Staatsschulden werden innerhalb der Währung i.d.R. (Euro ausgenommen) als diejenigen mit dem tiefsten Risiko angesehen, deshalb dienen die Staatsanleihen als „Benchmark“, Massstab, für alle anderen öffentlich gehandelten Obligationen derselben Währung (und wahrscheinlich für vieles andere mehr). Damit das klappt braucht es eine sinnvolle Anzahl Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten mit sinnvoll grossem Emissionsvolumen. Ohne Staatsschulden gibt es diese Benchmark nicht, ich nehem an die Bewertung sendet auch wichtige Signale z.B. an die Nationalbank betreffend Zinspolitik. Wahrscheinlich könnte ein Ersatz konstruiert werden, aber der wäre trotzdem nie so gut wie das Original.

  • Josef Marti sagt:

    Das System mit den Repogeschäften zwecks Liquiditätsabschöpfung wird von der SNB schon seit längerem eingesetzt. Ich sehe nicht wie die gezeigten Massnahmen aus einer Liquiditätsfalle raushelfen sollen. Solange die Arbeitslosigkeit hoch ist, Beschäftigung und Löhne nicht anziehen bewirken rein technische Korrekturen wenig.

    • Olivier Fehr sagt:

      Sehe ich genauso. In einer Wirtschaft, die zu 70% oder so auf Konsum beruht, bricht dieser natürlich weg, wenn die Löhne sinken oder nur schon nicht steigen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies nicht verstanden wird – die Verarmung grosser Teile der Bevölkerung ist wohl so gewollt.

    • urs lehmann sagt:

      Mit den „traditionellen“ Repo wird den Banken Liquidität zur Verfügung gestellt (SNB bzw. Fed kauft bei Eröffnung Wertschriften, bei Ablauf verkauft sie sie zurück).

      Neu soll das Ganze offenbar auch umgekehrt laufen.

      Da seit relativ Kurzem Reserven verzinst werden, muss das Ganze natürlich höher verzinst werden. Wieso stattdessen der Zinssatz für die Reserven nicht einfach zurückgefahren wird, ist mir allerdings völlig unklar.

  • Martin Berger sagt:

    Wo man mich noch aufklären muss: Das FED hat doch viele Staatsanleihen von der eigenen Regierung gekauft. Um nun also Liquidität abzuschöpfen müsste sie diese Staatsanleihen verkaufen. Bei steigendem Zinsniveau (das Ziel der Aktion) verlieren diese aber an Wert… Gibt das dann nciht das Problem, dass das FED weniger Geld zurückerhält als es selbst für diese Anleihen ausgegeben hat und damit ein Teil des Geldes gar nicht zurückholen kann? Damit bliebe es im Wirtschaftskreislauf und erhöht allenfalls die Teuerung (vielleicht auch nicht schlecht für die Schuldner…)?

    • Josef Anton sagt:

      Die Staatsanleihen werden bis Verfall gehalten, sodass nicht nach Markt bewertet werden muss, sondern zu 100%.

  • Daniel sagt:

    Da kann ich Oliver Fehr nur zustimmen. Das Geld kommt in der Schweiz sehr wohl im Wirtschaftskreislauf in Form einer Immobilienblase an. Die Bank gibt das Geld an Bauunternehmer zur Finanzierung und danach in Form einer Hypothek. Deshalb ist die Privatverschuldung auch auf einem sehr hohen Niveau momentan. Im Fahrwasser dieses Immobilienbooms profitieren natürlich auch andere Zulieferer was die Blase auf weitere Bereiche ausdehnt.

    Vor allem ist die Zuwanderung in die Schweiz hauptsächlich durch diesen Immobilienboom getrieben wie man unter dieser Seite nachlesen kann wo dieser Punkt gut untersucht wurde. goo.gl/RFufkR

    Durch diese Einwanderung wird eine zusätzliche Nachfrage im Privatkonsum generiert was gut für die Wirtschaft ist, aber längerfristig fatale ökonomische Auswirkungen auf die Schweiz hat.

  • Leimgruber sagt:

    Sparen lohnt sich bei dieser Nullzinspolitik sowieso nicht mehr. Wie immer ist der Sparer der Betrogene. Ich frage mich wie das weitergehen soll ?

    • Karl Knapp sagt:

      Sie stellen damit natürlich die Gretchenfrage. Die grösste Blase, die es im Moment gibt, besteht im Instrumentarium und Vokabular der Oekonomen, hinter dem sie sichtlich Ahnungslosigkeit und fehlende Intuition zu verstecken versuchen. Ich weiss auch nichts, man muss aber auch die Grösse haben, das zuzugeben.

    • urs lehmann sagt:

      Die Frage ist, ob das so stimmt?

      Die KPI-Teuerung seit Dez. 2005 kumuliert liegt bei 3.1%, da braucht’s nur wenig Zins für Kaufkrafterhalt. Da Zinsen in der CH als Einkommen steuerpflichtig sind, sollte ein Obli-Sparer an tiefer Inflation und dadurch tiefen Zinsen seine Freude haben (solange sie nicht tiefer sind als die Inflation).

      • Anh Toan sagt:

        Ja, vor allem für (Kassen-)Oblikleinsparer.

        Bei anderen führt die Vermögenssteuer zu Kaufkraftverlusten. Ich schreibe anderen und nicht Reichen, weil ohne PK und erst noch ohne Eigenheim zahlt man, als ehrlicher Steuerzahler, schnell mal Vermögenssteuern in der Schweiz.

        • Josef Marti sagt:

          Bei 1 Mio Reinvermögen beträgt die Vermögenssteuer für Verheiratete in ZH weniger als Fr. 2’000. Die Vermögenssteuer ist aber die am meisten gehasste Steuer weil sie bei zwei und mehrstelligen Millionenbeträgen einschenkt. Wenn der Unternehmer eine Firma mit Mia-Wert besitzt beträgt die Vermögenssteuer mehrere Millionen sodass u.U. Schulden aufgenommen werden müssen wie das unserem lieben CB passiert ist.

          • Anh Toan sagt:

            In BS ist die Rechnung 4’815 (850’000 steuerbares Vermögen nach Freibetrag, das ist nicht viel, wenig beide keine PK haben).

            Das ist fast 0.5 Prozent, bei 1 Prozent als Einkommen steuerbare Rendite auf 10jährige Bundesobli, ausser Spesen nix gewesen, bei 0 Prozent Inflation/Deflation,

  • Anh Toan sagt:

    Steuerung der Wirtschaftstätigkeit mittels Zinsen funktioniert nur sehr beschränkt, wie die Erfahrung zeigt.

    Ich halte es für sinnvoll, die Geldversorgung der Wirtschaft mittel Eigenkapitalvorschriften für Banken zu steuern: Werden diese verschärft, gelangt weniger Geld in die Wirtschaft, werden diese gelockert, gelangt mehr Geld in die Wirtschaft.

    Unter Geld verstehe ich hier Bankgeld, das von der Notenbank geschaffene Geld kann nicht in der Realwirtschaft ankommen, wenn es nicht in den Bankbilanzen in Bankgeld transferiert wird. Der Transfer erhöht die risikogewichtete Bilanzsumme und reduziert damit das relative risikogewichtete Eigenkapital. (Vor dem Transfer bestand eine Schuld und ein Guthaben bei der Notenbank, dasjenige bei der Notenbank ist aber, im Unterschied zu einer Forderung gegen einen Bankkunden, risikogewichtet Null.

    Die CH-Nati versucht zur Zeit, die Gelder, welche in den Immobilienmarkt fliessen, über Eigenkapitalvorschriften zu beeinflussen. Damit werden einzig die Zinsen der Banken für Hyetharkredite, nicht aber für andere Kredite beeinflusst, da die Hypotheken mit mehr teurerem Eigenkapital unterlegt werden müssen. (Wäre die in diesem Blog zitierte Behauptung einer Strudie richtig, Eigenkapital sei nicht teurer als Fremdkapital, wäre unsere Nati ziemlich bescheuert mit ihrem Versuch.

    Hierzu mehr zu lesen von einem verständigen Volkswirt wünsche ich mir. Denn hier wird meines Erachtens tatsächlich etwas Neues versucht.

    • Josef Marti sagt:

      Kein Unternehmen in der Realwirtschaft kann seine Absatz und Preispolitik gegenüber seinen Kunden stur nach einer vorgegebenen Wunsch EK-Rendite kalkulieren. Das ist nur möglich wenn der Wettberwerb ausgeschaltet oder stark eingeschränkt ist also bei Monopolen, Oligopolen und Kartellen usw. Damit ist auch klar, dass wenn man EK Vorschriften für Banken aufstellt damit zum Ausdruck bringt, dass diese definitiv nichts anderes als Staatsbetriebe mit staatlich garantierten Boni Zahlungen darstellen.

      • Anh Toan sagt:

        warum? Vielleicht „verdienen“ Banker Boni, wenn sie gut darin sind, wem sie Kredite vergeben, in der Vergangenheit haben sie schlicht für Vergeben von viel Kredit Boni kassiert. Wieviel ist eine Entscheidung, die wir schon immer staatlich versuchen zu steuern, nur mit anderen Mitteln als flexiblen Eigenkapitalvorschriften.

        • Josef Marti sagt:

          Meinetwegen sollen sie die Boni bekommen. Mit dem langweiligen Banking liegen allerdings keine hohen Boni drin, aber das ist der springende Punkt. Würde man die Banken in Regionen zusammenfassen quasi als staatliche Zweigstellen eines Bundesamtes würde wohl das IB-Casino wegfallen und das Establishment würde seine Figge-Mühle Position (Gewinne privat, Verluste dem Staat) einbüssen, deshalb wird sowas nie passieren.
          Weshalb kann die Finanzwirtschaft die EK Rendite bzw. sein „teures“ EK den Kunden verrechnen? Ganz einfach deshalb, weil die Notenbank zusammen mit den Geschäftsbanken über das Geldschöpfungs- und Fiat-Money Monopol verfügen und es sich somit um einen kartellähnlichen Zustand handelt.

          • Urs Lehmann sagt:

            Diese pseudo-staatlichen Institute haben wir bereits, sie heissen Kantonalbanken. Die ZKB zeigt eindeutig, dass auch hier die Gier letztendlich siegt, viele andere Fälle belegen dass letztendlich die Öffentlichkeit die Schulden übernehmen muss.

  • Olivier Fehr sagt:

    «Das Geld kommt gar nicht im Wirtschaftskreislauf an, weil Private, Banken und Unternehmen es horten: Aus Vorsicht und/oder weil sie Schulden abgebaut haben oder noch immer abbauen.» An dem Satz müsst ihr noch arbeiten. Private, Banken und Unternehmen sind ja die Wirtschaft und wenn die das Geld bekommen hätten, wären es ja bereits im Wirtschaftskreislauf. In Tat und Wahrheit kommt das Geld aber nicht über die Banken hinaus, weil diese lieber Spekulationsblasen fabrizieren – darum steigen, u.a. auch die Aktienkurse.
    Zudem, wie kann man mit Geld horten Schulden abbauen? Das müsst ihr mir zeigen, wie ich gleichzeitig sparen und meine Schulden tilgen kann… 😉

    • Anh Toan sagt:

      Schulden abbauen ist sparen.

      Der Begriff „Geld horten“ ist polemisch gewählt, richtig wäre zu sagen, statt zu konsumieren, wird gespart (entweder mittels Anhäufung von Geld unter der Matratze oder mittels Schuldenabbau). Da sparen ein positiv besetzer Begriff ist, nicht in der Wissenschaft aber bei den Laien, wird ein Journalist in der heutigen Zeit nie sagen, die Banken sparen (dann wären sie ja gut) sondern sie horten Geld (so bleiben diese böse)..

      • urs lehmann sagt:

        Sparen heisst Reduktion der Ausgaben (relativ zu den Einnahmen). Für Unternehmen resultiert daraus Grosso Modo Gewinnerhöhung und damit Erhöhung des Eigenkapitals, die Liquidität (Geld horten) hat damit nur am Rand zu tun.

        • Josef Marti sagt:

          Indirekt ist es natürlich schon Sparen wenn unverzinsliche Liquidität zum Schuldenabbau verwendet wird, andernfalls wird wegen der weiter laufenden Schuldzinsen Substanzverzehr betrieben.

        • Pascal Meister sagt:

          Nein, nicht zwingend. Diese Verhaltensweise (weniger laufende Ausgaben) gilt zwar auch als Sparen, aber für Unternehmen weitaus relevanter ist, ob sie die erarbeiteten Gewinne einfach als Cash einbehalten oder investieren in Expansion, Entwicklung oder was auch immer. Da die Unternehmen die künftigen Gewinnaussichten bzw. die möglichen Erträge aus Investitionen als zu schlecht einschätzen, sparen sie durch Investitionsverzicht. Die grössten US-Gesellschaften horten mittlerweile hunderte Milliarden an Barvermögen…

      • Olivier Fehr sagt:

        Schuldenabbau ist kein Sparen… Vielleicht war Sparen im Sinne von weniger konsumieren gemeint – aber das ist ja auch nicht wirklich Sparen. Das Geld liegt einfach bei den Banken und wird dazu verwendet, in Aktien, Schwellenländern, Rohstoffen und so weiter zu „investieren“ – es ist kein Zufall, dass Gelder aus den Schwellenländern abgezogen gewerden, kurz nachdem das Fed mit „tappering“ begonnen hat.

      • Anh Toan sagt:

        Wörttlich „Geld horten“ kann nur im Safe oder unter der Matraze meinen. Das machen keine Unternehmen und schon gar nicht Banken. Dieser Begriff wörtlich verstanden widerspricht dem gleichzeitigen Schuldenabbau.

        Folgender Abschnitt ist komplett polemisch und damit komplett falsch

        „Das Geld kommt gar nicht im Wirtschaftskreislauf an, weil Private, Banken und Unternehmen es horten: Aus Vorsicht und/oder weil sie Schulden abgebaut haben oder noch immer abbauen.“

        Das von den Notenbanken geschaffene Geld kann einzig bei den Banken ankommen, ohne den Umweg über eine Bankbilanz, einen Bankkredit fliesst es weder zu einem Unternehmen, noch einem Privaten.

        Die Banken jedoch wurden zu mehr Eigenkapital verpflichtet (Basel III + nationale Verschärfungen).

        Diese Geld (die Ausdehnung der Notenbankbilanzen) ist Ergebnis des Transfers von Aktiven von Bankbilanzen in die Notenbankbilanz, zwecks Reduzierung der Aktiven und damit der Bilanzsumme und somit relative Erhöhung des Eigenkapitals. Dieser Transfer hat keinerlei Wirkung ausserhalb der Bankbilanzen, dieses Geld kann nicht bei Unternehmen und Privaten ankommen. Erst wenn die Banken ausreichend kapitalisiert sind, damit sie zumindest neu aufgenommenes Eigenkapital in Wachstum investieren können, kann Geld in der Realwirtschaft ankommen.

        Also, die Banken mussten das Geld horten, wie hätte es da bei Unternehmen oder Privaten ankommen können.v Diese haben gespart, indem sie Ausgaben reduzierten, den Gewinn erhöhten. Der höhere Gewinn führt zu mehr Eigenkapital, das sagen Sie richtig Herr Lehmann, ist aber nur die halbe Wahrheit, er führt auch, vorbehalten Investitionen etc.) zu mehr Aktiven (Bankguthaben) oder weniger Fremdkapital (Bankschulden), denn Eigenkapital ist auch Aktiven – Fremdkapital): Es kann nicht nur die Zahl im Eigenkapital ändern, es muss noch eine andere Zahl in der Bilanz ändern, damit die Bilanz aufgeht.

        • urs lehmann sagt:

          Nach meinem Verständnis ist die direkte Konsequenz Erhöhung der Liquidität. Auch wenn der Übergang zu Folgeaktivitäten wie Schuldenabbau bzw. Investitionen fliessend sein mögen, so sind dies doch Folgeschritte für welche erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

          • Anh Toan sagt:

            @Urs Lehmann: Was definieren Sie als Liquidität? Flüssige Mittel, Umlaufvermögen, Umlaufvermögen netto kurzfristiges Fremdkapital? Liquidität sagt mir nichts bestimmtes auch Buchhalterischer Sicht kann ich vieles als Liquidität definieren.

          • urs lehmann sagt:

            Kasse, Kontokorrent, oder ähnliches.

          • Anh Toan sagt:

            Und in der Kasse lässt man das Geld ja nicht liegen, also aufs Kontokorrent: Sieht man keine rentablen Investitionen, lässt man es aber auch da nicht liegen, sondern zahlt verzinsliche Schulden zurück. Bei Unternehmen werden, spätestens wenn keine verzinslichen Schulden mehr vorhanden sind, die Aktionäre die Rückzahlung der Gelder verlangen, bei Unternehmen bleibt nie Geld auf Dauer liegen.

            Aber das ist abstrakt, konkret gibt es Apple Inc. (nicht nur, aber am bekanntesten)

            Die horten glaub schon eine Menge Cash (habe gefunden 150USD/500 Aktienkurs). Erzähle ich also nur Theorie und die Realität ist, z.B. wegen Eigeninteressen verfolgender Manager ganz anders?

            Erstens mal steht ja Apple genau deswegen unter Druck der Aktionäre (Icahn). Zweitens scheint mir die Ursache eher an anderen Regeln als an bösartigen Managern zu liegen: Apple lässt Cash aus Gewinnen im Ausland im Ausland liegen, weil der Transfer in die USA zur Rückzahlung dortiger Schulden oder Ausschüttung an Aktionäre massive Steuerfolgen hätte. Apple „muss“ das Geld im Ausland reinvestieren, um die latenten Steuern wenn möglich auf ewig hinauszuschieben. Apple wird vermehrt Kosten (mehr als die Produktion) ins Ausland verlagern müssen, dahin, wo die Umsätze erzielt werden.

          • Anh Toan sagt:

            Ich glaube übrigens nicht an böse oder gut von Managern oder Politikern oder was auch immer, sondern an deren Interesse: Es ist äussert selten im Interesse eines Managers eines Grossunternehmers oder eines Politikers, „bösartig“ zu handeln, nicht alle, die sie verarschen, sind doof, und nur äusserst selten gelingt es, alle zu verarschen. (frei nach Churchill)

          • urs lehmann sagt:

            Über irgendwelche Folgeaktivitäten können Sie meinetwegen gerne spekulieren. Aber wie bereits gesagt, aus meiner Sicht sind das Folgeaktivitäten des ursprünglichen „sparen“.

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