Schweden und die Zombie-Ökonomie

Als Zombies verkelidete Demonstranten tanzen in London, 31 Oktober 2011. (Reuters/Suzanne Plunkett)

Manche falschen Vorstellungen sind nicht totzukriegen: Als Zombie-Banker verkleidete Demonstranten tanzen in London, 31. Oktober 2011. (Reuters/Suzanne Plunkett)

Behauptungen, die widerlegt werden und dennoch immer wieder von neuem vorgebracht werden, sind wie Zombies. Einem solchen hat letzthin auch die NZZ zu neuem Leben verholfen.

«Zombie-Economics, How Dead Ideas Still Walk among Us», so heisst ein ausgezeichnetes Buch des australischen Ökonomen John Quiggin. Wie der zweite Teil des Titels sagt, beschreibt er darin Behauptungen, die durch Fakten und Forschung wiederlegt wurden, aber dennoch immer wieder von neuem auftauchen, oft verkleidet als neue Erkenntnisse.

Ein Beispiel dafür ist die Behauptung, dass harte Sparmassnahmen eines Landes mitten in einer Wirtschaftskrise, wenn die Geldpolitik nicht mehr zur Verfügung steht und keine Abwertung der Währung erfolgen kann, der Wirtschaft dennoch Schub verleihen soll.

Eine im Buch von Quiggin nicht behandelte Variante dieser Behauptung ist jene, dass die Entwicklung Schwedens in den 1990er Jahren ein Beispiel für den Erfolg von strukturellen Massnahmen als Ausweg aus der Krise sei. Ja, auch diese Variante wurde geprüft und wiederlegt und ja, auch sie hat als Zombie dennoch überlebt – zuletzt wurde dieser Zombie am vergangenen Freitag in der altehrwürdigen Neuen Zürcher Zeitung gesichtet – in einem Kommentar von Wirtschaftschef  Peter A. Fischer.  Konkret in den von mir kursiv herausgehobenen Passagen:

Schon im Lead heisst es da:

Schweden hat es vorgemacht, doch Europas Krisenländer tun sich schwer damit: Der lähmenden Überschuldung ist nur mit strukturellen Reformen beizukommen.

Im Text folgt dann:

Manche Krisenstaaten haben sich in eine Spirale von ungeschickter Austerität und immer tieferer Rezession hineinmanöveriert. Sicher wäre es besser, wenn sie sich vorsichtig antizyklisch verhalten könnten. Schweden hat in den letzten Jahren gezeigt, wie sich so die Krise rasch überwinden lässt. Doch das skandinavische Land konnte sich dies nur dank einem sehr gesunden Staatshaushalt leisten, den es vorbildlich rigorosen Reformen nach einer schweren Krise vor zwei Jahrzehnten verdankt.

Klar, der Bedarf an strukturellen Reformen in den Krisenländern ist gross. Doch die würden sie jetzt nicht aus der Krise bringen, die vor allem durch einen dramatischen Nachfrageausfall ausgelöst wurde. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die Arbeitslosigkeit von Spanien und Griechenland liege rein strukturell bedingt bei 27 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 60 Prozent? Wie die folgende Tabelle am Beispiel Spaniens zeigt, sind alle Nachfragekomponenten ausser den Exporten im Schrumpfen begriffen. Angesichts einer geschätzten Inflation von rund Null Prozent ändern sich auch inflationsbereinigt nichts am Befund. Quelle ist das spanische Statistikamt INE:

Spanien Komponenten

Der Zombie versteckt sich allerdings im Vergleich mit Schweden: Schon mehrfach wurde die Entwicklung in diesem skandinavischen Land in den 1990er Jahren mit jener in den heutigen Krisenländern der Eurozone verglichen und der Frage nachgegangen, ob sich daraus wesentliche Schlussfolgerungen für diese Länder ziehen lassen. Die Antwort ist Nein.

Der Reihe nach:

Warum ist man überhaupt auf einen solchen Vergleich gekommen? In den 1980er Jahren durchlebte Schweden eine gewaltige Boomphase, die in eine Immobilienblase mündete, deren Platzen unter anderem das Land zu Beginn der 1990er Jahre in eine schwere Rezession gestürzt hat. Der Wirtschaftseinbruch liess die Staatseinnahmen Schwedens radikal einbrechen. Während das Land noch 1990 einen Budgetüberschuss von fast 4 Prozent auswies, wurden daraus in der Folge Budgetdefizite. Im Jahr 1993 belief sich das Defizit bereits auf mehr als 11 Prozent. Hier sind die Parallelen zur Entwicklung etwa in Spanien seit der Finanzkrise offensichtlich.

Die schwedische Regierung hat auf den Einbruch bei den Staatsfinanzen tatsächlich mit Sparmassnahmen und Reformen reagiert. Und siehe da, in der Folge ist die Wirtschaft Schwedens wieder deutlich gewachsen. Die Krisenländer Europas sollten daran ein Vorbild nehmen.

Ok. Die letzten beiden kursiven Sätze sind Zombie-Ökonomie.

Dass Schweden in den 1990er Jahren erstens gespart und Reformen eingeleitet hat, ist unbestritten. Richtig ist zweitens auch, dass die schwedische Wirtschaft nach den Rezessionsjahren 1991 bis 1993 bereits ab 1994 wieder hohe Wachstumsraten verzeichnet hat. Doch das Erste erklärt nicht das Zweite. Für die schwedische Erholung war zentral, was die folgende Grafik zeigt: Die Entwicklung des Aussenwerts der Landeswährung Krone am Beispiel ihres Preises in Deutschen Mark bis zur Einführung des Euro 1999. Quelle ist die Währungsplattform Oanda:

Krone in DM 90er
Die Krone ist gegenüber der damaligen europäischen Leitwährung Deutsche Mark dramatisch eingebrochen. Die Nettoexporte des Landes haben daraufhin sehr stark zugelegt. Das zeigt auch die folgende, auf Daten des Internationalen Währungsfonds basierende Grafik :

Nettoexporte

Nicht nur der Fall des Währungsaussenwerts hat die schwedischen Exporte befeuert, sondern auch ein äusserst günstiges weltwirtschaftliches Umfeld. Sowohl Europa, wie auch die Weltwirtschaft hat von 1993 bis zum Jahr 2000 ausser 1998 jedes Jahr ein höheres Wachstum verzeichnet.

Die Bedeutung dieser Faktoren stehen denn auch im Zentrum von Studien, die bereits der Frage nachgegangen sind, welche Lehren denn Schweden für die heutigen Euro-Krisenländer bereit hält. Ein berühmtes und besonders unverdächtiges Beispiel dafür ist jene von Roberto Perotti vom November 2011: «The ‚Austerity Myth‘: Gain Without Pain?».

Besonders unverdächtig ist Perotti deshalb, weil er gemeinsam mit Alberto Alesina zuvor zu den führenden Vertretern der These gezählt hat, wonach harte Sparmassnahmen in der Krise (Austerität) für die Konjunktur einer Wirtschaft nicht schädlich seien. Das verdankt er unter anderem dieser Studie, die er bereits 1995 gemeinsam mit Alesina verfasst hat. Eine spätere Studie von Alesina, gemeinsam mit Silvia Ardagna verfasst, war lange eine zentrale rhetorische Waffe in der Hand der Austeritäts-Befürworter – bis ihre Hauptaussagen  durch weitere Untersuchungen und vor allem durch den Internationalen Währungsfonds IWF widerlegt wurden – Das alles war hier schon einmal Thema. Perotti gibt der Kritik des IWF an den Arbeiten von Alesina und Ardegna und an seiner eigenen Zusammenarbeit mit Alesina von 1995 ausdrücklich recht:

«In this paper, I argue that the IMF critisism of the Alesina-Ardegna-Perotti approach is correct in principle and represents an important potential advance…»

Für Perotti waren die Währungsabwertung und die darauf folgende Zunahme der Exporte klar die Hauptgründe für die verbesserte Lage Schwedens in den 1990er Jahren und nicht strukturelle Massnahmen oder die Austerität. Dennoch hatten die Sparmassnahmen der Regierung auch einen positiven Anteil am Aufschwung, da sie seiner Ansicht nach zum Sinken der nominellen Langfristzinsen beigetragen haben. In diesem Zusammenhang nennt er noch zwei weitere spezifische Erfolgsfaktoren Schwedens:

  • Die Einführung eines Inflationsziels von 2 Prozent im Jahr 1993 durch die schwedische Notenbank (Reichsbank) hätten ebenfalls zum Sinken  der nominellen Langfristzinsen beigetragen, da auf den Märkten ein geringeres Inflationsrisiko abgegolten werden musste.
  • Das Inflationsziel hat laut Perotti bei den Beschäftigten in Schweden zur Zurückhaltung bei Lohnforderungen geführt, die zuvor auch durch die Sorge um einen teuerungsbedingten Reallohnverlust motiviert waren.

Aber Perotti macht unmissverständlich klar, dass das schwedische Beispiel wenig für die aktuellen Krisenländer der Eurozone bereithält:

«A depreciation ist not available to EMU-Members… A further decline in interest rates is unlikely in the current situation. And incomes policies are not popular nowadays, and in any case probably ineffective for more than a few years.»

Die wichtigsten Faktoren, die Schweden aus der Krise geholfen haben, stehen den Krisenländern  der Eurozone nicht zur Verfügung: Vor allem die Währungsabwertung. Eine Zinssenkung ist ohne eigene Notenbank ebenfalls ausgeschlossen (weil keine Leitzinsminderungen möglich sind und aus den Gründen, die dieser Blogbeitrag mit Verweis auf eine Analyse des Ökonomen Paul De Grauwe behandelt). Lohnsenkungen würden angesichts der hohen privaten Verschuldung nur die Nachfrage weiter einbrechen lassen.

Perottis Studie ist nicht die einzige, die den Nutzen des schwedischen Beispiels für die Eurokrise untersucht hat. Ein jüngeres Beispiel vom vergangenen September ist jene Lennard Erixon von der volkswirtschaftlichen Abteilung der Universität von Stockholm. Seine Studie «Can fiscal austerity be expansionary in present Europe? The lessons from Sweden» geht in Bezug auf Schweden deutlich tiefer als jene von Perotti (der nicht nur Schweden untersucht hat) und sein Urteil lässt noch weniger zu wünschen übrig:

  • Die Austeritätspolitik für sich genommen hat den Aufschwung in Schweden verzögert:

«This article maintains that fiscal austerity in the mid-1990s was not responsible for the Swedish recovery, neither in the short nor in the long term. On the contrary, notwithstanding a contemporary decline in household savings in alignment with the Ricardian equivalence, the restrictive fiscal policy actually delayed Swedish recovery from the deep crisis of the early 1990s.»

  • Die tieferen Zinsen gehen nicht auf die Austerität, sondern allein auf die Erwartungen zur Geldpolitik zurück:

«The reduction in (real) interest rates during the second half of the 1990s primarily reflected expectations about changes in monetary policy unrelated to fiscal policy and an international convergence process.»

  • Ein wichtiger Grund für die rasche Erholung Schwedens lag neben der Währungsabwertung auch in der günstigen industriellen Struktur Schwedens:

«What more is, the encouraging Swedish GDP development from the mid-1990s until the financial crisis was not explained by the tight fiscal policies or the ambitious fiscal rules but primarily by an international upswing and a favourable exchange-rate development and industrial composition. The industrial structure explains, inter alia, why Sweden was boosted by strong positive productivity shocks.»

  • Keiner der Faktoren die Schweden geholfen haben – weder die Abwertung, noch die Geldpolitik, noch die günstige industrielle Struktur, noch das hilfreiche Wachstum der Weltwirtschaft, steht den heutigen Euro-Krisenländern zur Verfügung:

«The depressing conclusion for Greece, Spain and Portugal is that Swedish fiscal restraint in the mid-1990s did have contractionary effects and that the specific external, industry-structural and exchange-rate conditions for a similar recovery and rapid budget consolidation (a sustainable international recovery, a strong manufacturing sector and a national currency) simply do not exist in these countries.»

Fazit:

Spar- und Strukturmassnahmen waren für die Schwedische Wirtschaft notwendig und haben das Land weitergebracht. Doch sie waren nicht die Ursache dafür, dass das Land in den 1990er Jahren rasch der Krise entkommen konnte. Insofern taugt das Land auch nicht als Beispiel für die heutigen Krisenländer der Eurozone. Auch hier sind Reformen notwendig. Doch die Instrumente, dank denen Schweden seine Krise so rasch überwinden konnte und Reformen umsetzen konnte, stehen den Euro-Krisenländern nicht zur Vefügung: Eine Währungsabwertung und eine eigene Geldpolitik: Die Vorstellung, dass Schweden ein Beispiel für die Eurokrisenländer bereithält, wurde schon beerdigt – aber als Zombie lebt sie dennoch weiter.

73 Kommentare zu «Schweden und die Zombie-Ökonomie»

  • Albert Muri sagt:

    Der Vollständigkeit halber sei auch der Namensschöpfer für „Zombie-Economics“ erwähnt: Paul Krugman im Februar 2013 in diesem Artikel nytimes.com/2013/02/15/opinion/krugman-rubio-and-the-zombies.html
    Interessant auch immer wieder zu sehen, dass die als seriös geltende NZZ bis auf`s Wort genau Positionen der Tea-Party vertritt – das „A“ im Namen vom genannten Peter Fischer hat also seine volle Berechtigung.

  • Josef Anton sagt:

    „Doch die Instrumente, dank denen Schweden seine Krise so rasch überwinden konnte und Reformen umsetzen konnte, stehen den Euro-Krisenländern nicht zur Vefügung: Eine Währungsabwertung und eine eigene Geldpolitik.“

    „das hilfreiche Wachstum der Weltwirtschaft“ wird nicht mehr mit aufgeführt, obwohl es möglicherweise den wichtigste Aspekt darstellte, denn einzig durch verstärkten Export (Verbesserung der Fähigkeit Güter und Dienstleistungen zu produzieren, welche Menschen nachfragen) ist ein maroder Staat zu sanieren. Das Problem liegt darin, dass heute fast jeder Staat die von MDM erklärte Strategie mit Vehemenz verfolgt (QE etc.), wodurch wir uns in einem eigentlichen Wettbewerb der Geldentwertung befinden. Wenn dies nur ein paar wenige Staaten versuchen, mag dies positive Resultate für die Betroffenen abwerfen. Jedoch wenn die Mehrzahl der Staaten sich dieser Strategie bedient, handelt es sich zunehmend um einen tatsächlichen Handelskrieg, welcher unter Anwendung der entsprechenden Geldpolitik, geführt wird.

    Es sind genau jene, welche in Anwendung zentralplanerischer Ideen jede leicht verdaubare Krise verhinderten, die diese Entwicklung bewirkten und heute sich als die grossen Retter aufführen. Die Sinnlosigkeit, die wirtschaftliche Entwicklungen in Anwendung etwelcher ökonometrischer Modelle durch zentralplanerische Aktivitäten zu steuern, wird verschwiegen, da dies die Existenzberechtigung vieler Entscheidungsträger und Wirtschaftswissenschaftern in Frage stellen würde.

  • Gion Saram sagt:

    Vereinfacht gesagt, die Stärken die es Schweden ermöglicht haben erfolgreich aus
    der Krise zu segeln, sind Aspekte der Wirtschaft und der Kultur des Landes die
    schon vor der Krise bestanden. Leider fehlt Griechenland die gut ausgebildete
    Bevölkerung, die gute Infrastruktur und die effiziente Bürokratie und die starke
    Industrie die in Schweden für den Erfolg so ausschlaggeben waren.

    Wenn nun Griechenland mit erhöhten Staatsausgaben die durch neu Schulden finanziert würden
    etwas unternehmen würde um das Bildungsniveau zu erhöhen, die Infrastruktur zu verbessern und
    die Bürokratie auf mehr Effizienz zu trimmen dann würden sich diese neuen Schulden innerhalb
    der nächsten 50 Jahre irgenwann von selber amortisieren und somit langfristige Investitionen
    in die nationale Wohlfahrt.

    Welche konkreten Schritte unternimmt die jetztige griechische Regierung in diese Richtung?
    Davon habe ich bis jetzt noch nichts in der Presse gelesen.

    Einfach so weiter zu machen wie bisher weil der Abschied von den alten Unsitten sonst weh
    tut, wird auch in 100 Jahren keine Verbesserung der Lage bringen.

    • Martin Holzherr sagt:

      Sie überschätzen die Macht der Politik, wenn sie schreiben: „Wenn nun Griechenland mit erhöhten Staatsausgaben die durch neu Schulden finanziert würden etwas unternehmen würde um das Bildungsniveau zu erhöhen, die Infrastruktur zu verbessern und die Bürokratie auf mehr Effizienz zu trimmen“
      Es ist einfach ein Programm aufzustellen, welches obige Ziele hat. Es kann aber sehr schwierig sein dieses Programm zum Erfolg zu bringen. Vor allem dann, wenn die Voraussetzungen fehlen. Um das Bildungsniveau zu erhöhen brauchen sie beispielsweise bessere Lehrer, besser ausgebildete. Doch die kriegen sie nicht von heute auf morgen. Auch die Bürokratie auf mehr Effizienz zu trimmen ist leichter gesagt als getan.

  • Johnny Smith sagt:

    Aus dem Fazit des glorisosen Artikels von MDM:
    „Spar- und Strukturmassnahmen waren für die Schwedische Wirtschaft notwendig und haben das Land weitergebracht. Doch sie waren nicht die Ursache dafür, dass das Land in den 1990er Jahren rasch der Krise entkommen konnte. ….die heutigen Krisenländer der Eurozone. Auch hier sind Reformen notwendig.“

    Ich weiss nicht, wer sagt, dass Sparmassnahmen helfen, ‚RASCH‘ aus der Krise zu kommen. Das ist aber auch nicht der Punkt. Wer in einer Krise ist, kommt nicht ‚rasch‘ heraus, egal ob mit Sparmassnahmen oder ohne. Wer aber langfristig herauskommen will, muss Spar- und Strukturmassnahmen umsetzen, was nur eine andere Umschreibung für das oben zitierte Wort ’notwendig‘ ist. MDM wollte dies mit seinem Artikel wohl kaum sagen, hat es aber gemacht: Spar- und Strukturmassnahmen sind notwendig und bringen das Land weiter.

    • Josef Marti sagt:

      Strukturreformen sind niemals gratis zu haben, also gleichzeitig sparen gar nicht möglich; das ist sowohl gesamt- wie auch einzelwirtschaftlich nicht möglich. Wenn eine grössere Unternehmung Restrukturierungen plant schlägt sich das zwingend immer in einer sehr kostspieligen Restrukturierungsrückstellung in den Büchern der Unternehmung nieder, ist dabei die Substanz der Firma zu dünn kann sie gleich die Bilanz deponieren.

      • Johnny Smith sagt:

        Wer behauptet denn, Strukturreformen seien gratis zu haben? Im Gegenteil, kurzfristig helfen sie auch kaum schnell aus der Krise herauszukommen. Langfristig sind sie aber – sogar MDM kommt zu diesem Schluss – notwendig und bringen das Land weiter.

        • Josef Marti sagt:

          Die Ausgangslage im Beitrag MDM ist hilflose Geldpolitik und keine eigene Währung, also völlig anders als in der damaligen Situation von Schweden, welches über die nötige Substanz und Geldpolitische Autonomie verfügte um Strukturreforem anzugehen. Für GR definitiv nicht möglich, bzw. nur mit weiterer Schuldenanhäufung und damit Konkursverschleppung im Interesse der Politiker, die sich damit noch rechtzeitig in die Rente retten können zulasten der nachfolgenden jungen sog. „Generation Arbeitslos“ mit bis zu 60% Erwerbslosigkeit.
          Wie in jedem Sanierungsfall geht es nur mit Schuldenschnitt bevor man überhaupt etwas ändern will. Richtig ist jedoch dass Reformen in guten Zeiten nicht aufgeschoben werden sollten, nur verlangt die Rechte dabei gleichzeitig immer neue Steuersenkungen in der üblichen Foifer und Weggli Mentalität, was in einem polit. System der reinen privaten Interessenvertretungen bzw Lobbyismus natürlich kriegstaktisch zwingend ist weil private Interessen und Gemeinwohl unvereinbar sind.
          Auf die Aussenpolitik übertragen hat deshalb schon Clausewitz früh erkannt: „Der Krieg ist nichts anderes als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“.

      • Johnny Smith sagt:

        Viele vertreten das Motto: „Strukturreformen ja, aber um Gottes Willen nicht jetzt“. Kein Wunder, dass die Schulden anwachsen, bis man eben in der Krise ist. „Und jetzt dürfen wir sie sowieso nichts (Hilfe Austerität!) machen, die sind ja kurzfristig kontraproduktiv. Vielleicht dann irgendwann einmal in (ferner) Zukunft, wenn wir nicht mehr in der Krise sind.“

        Die Fehler bzw. das Ausbleiben von Strukturreformen führen in die Krise. Es führt kein Weg am ‚Nachholen‘ dieser Anstrengungen vorbei. Das Wann spielt selbstverständlich eine Rolle, die zeitliche Flexibilität geht aber mit dem immer höheren Schuldenstand verloren.

  • Alois Krieger sagt:

    Mit anderen Worten: Die Lösung für die Südländer Europas ist, dass ganz Europa die Währungsstabilität aufgeben soll – und dass die eingermassen soliden Staaten auch mehr Schulden machen sollen! Gott verbiete, dass man zugibt, dass der Euro für ganz Europa eine schlechte Idee war…

    • ast sagt:

      Herr Krieger, viele Ökonomen behaupten, man müsse zuerst im Finanzbereiche eine umfassende gemeinsame Basis schaffen, es wird zum Beispiel von einer Bankenunion gesprochen, eine gemeinsame Versicherung für Bankkunden usw.

      Entscheidend für das langfristie Ausbleiben eines Erfolges für den Euro (in allen Ländern), ist jedoch etwas Anderes.

      Europa würde nicht unbedingt eine Bankenunion benötigen, sondern weit früher ein gemeinsames Sozialsystem, sowie vergleichbare Arbeitspolitik und Rechtssicherheit. Das griechische Sozialsystem und Arbeitspolitik ist derart abwegig und korrupt strukturiert, das GR mit einer gleichen Währung wie Deutschland langfristig gar nicht überleben kann. Hier bringt die Bankenunion höchstens jene Länder in Gefahr, die sich vergleichbar gut sozialpolitisch organisiert haben.

      Es ist derselbe Fehler den die Befürworter der rein finanztechnischen Globalisierung machen, der Mangel an sozialer Globalisierung bringt die zuvor besser verwalteten Volkswirtschaften in direkte Konkurrenz mit sozial schlechter organisierten Völkern.

      Die Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft wäre für Europa weit effizienter als über eine Bankenunion zu versuchen sich letztendlich so an der Bevölkerung schadlos zu halten. Versucht man eine Bankenunion trotz aller sozialer Differenzen, dann gebe ich zu bedenken dass solche Versuche in der Geschichte immer wieder misslungen waren. Und mit dem Hinweis, dass die US-Währung US$ über die gemeinsame Basis der Banken besser funktioniere als Europa, kommen die Experten zum Schluss das Europa wie die USA organisert werden müsse.

      Doch die USA hatte sich zuerst Sozial und Politisch zusammengeschlossen, bevor die gemeinsame Finanzstruktur eingeführt wurde. Dem ging zuerst noch ein langer blutiger Bürgerkrieg voraus. Und nicht zuletzt funktioniert der US$ intern in den USA auch nicht so reibungslos wie oft postuliert wird. Gerne hätten einige US-Staaten auch eine eigene Währung.

      • urs lehmann sagt:

        Solange ein Land nicht ausgeschlossen werden kann, sind die anderen zur Hilfe gezwungen weil sonst der Euro als Ganzes gefährdet ist. Und solange sie helfen müssen, wird dies auch ausgenutzt werden, das liegt in der Natur des/vieler Menschen (ist keine spezifische Eigenheit der PIIGS-Einwohner).

        Dadurch profitiert ein schwaches Land vom Ausnützen der starken, GR mit seinen sogar nach Ausbruch der Krise gefälschten Zahlen (damit sie unter den Rettungsschirm konnten) ist das beste Beispiel dafür. Auch ein paar Milliarden Strafe nützen absolut nix weil bloss die Geberländer entsprechend mehr Kredit zur Verfügung stellen müssen ohne dass sich an der grundlegenden Problematik etwas ändert.

        Eine Fiskalunion würde wahrscheinlich das Risiko des Ausgenutzt-Werdens reduzieren, aber kaum vollständig ausschliessen weil die negative Spirale, die in GR zu beobachten ist (war?) nicht verhindert wird wenn die Krise eintritt. Und wenn das Eintreten der Negativspirale vermieden werden soll, dann sind „die anderen“ die Pösen, analog der Stimmung gegenüber der Troika im Fall von GR.

        Deshalb gibt es nur eine wirklich tragfähige Lösung:
        Ein Land muss aus dem Euro ausgeschlossen werden können, im Extremfall ohne jedwede Übergangshilfe des übrigen Euroraums. Ein Schuldenschnitt lässt sich auch dadurch nicht vermeiden, aber wenigstens steckt dann nicht ein krankes Schaf die ganze Herde an.

  • Thomas Ernst sagt:

    Aus meiner Sicht zeigt dieser Blogbeitrag und einige der ergänzenden Kommentare vor allem eines: Die Einflussfaktoren sind vielfältiger und die Wirkungsmechanismen wesentlich weniger eindeutig bestimmbar, als auch die gut ausgebildeten Ökonomen sich regelmässig vorstellen können.

    Faktisch ist das Wirtschaftsgefüge derart komplex, dass eine gezielte Steuerung gar nicht möglich ist. Auch Notenbanken und Wirtschaftsminister können bestenfalls kleine Signale abgeben. Der Rest ist Hoffnung. Nur mögen das natürlich weder die Ökonomen noch die Politicos gerne zugeben.

  • Erstmal Dank an den Autor für den Artikel und die darin verborgene Buchempfehlung.

    Man muss den Blogbeitrag und die dazugehörigen Kommentare als Gesamtwerk betrachten, denn ein grosser Teil bestätigt die im Artikel zitierte These, nämlich dass widerlegte (aus dem Wörterbuch: „endgültig als unwahr bewiesene“) Sachverhalte stur und erbarmungslos weitergebetet werden. Dies ist eine Eigentümlichkeit, die ausser der Politischen Ökonomie keine andere Wissenschaft kennt, wobei die Ökonomie natürlich keine Wissenschaft ist.

    Während alle Wissenschaften auf etabliertem Wissen aufbauen und so Fortschritte in der Erkenntnis machen können, verharrt die Ökonomie irgendwo im vor-aufklärerischen Mittelalter, indem Sachverhalte entgegen aller Beobachtungen weiter geglaubt und -gepredigt und widersprechende Erkenntnisse geleugnet oder ignoriert werden. Der Artikel zitiert offenbar einen dieser Sachverhalte.

    Indem die Ökonomie auf in sich widersprüchlichen (und daher falschen) oder durch Beobachtungen widerlegten Thesen aufbaut, die sie ohne jede Scham weiterbetet, bringt die Ökonomie es fertig, als Gedankengebäude quasi ein frei in der Luft schwebendes Kartenhaus zu haben und sogar daran weiter zu bauen, während in einer echten Wissenschaft das Herausziehen einer „unteren“ Karte das ganze darüberliegende Haus zum Einstürzen bringt.

    Ich frage mich, wieso (auch in diesem Forum) erwachsene Leute, die nie einen Priester oder Schamanen zu Hilfe rufen würden, wenn ihr Kind vor Schmerzen schreiend und mit hohem Fieber am Boden liegt, ohne jede Hemmungen irgendwelche wilden ökonomischen Thesen glauben und weiterbeten, obwohl diese einer kurzen Überlegung oder dann einer systematischen empirischen Prüfung nicht standhalten und daher schon mehrfach widerlegt worden sind.

  • Marcel Senn sagt:

    Uruguay war am 16.5.2003 infolge der Argentinienkrise auch default – im Gegensatz zu Argentinien hat man mit den Gläubigern verhandelt und einen Zahlungsaufschub ausgehandelt.
    Es ging dem Land damals ziemlich schlecht, USD Guthaben auf Banken wurden für ein paar Jahre eingefroren, der uruguayanische Peso sehr stark abgewertet, die Zinsen betrugen bis zu 14% und die Produkte und wie auch Land und Immobilien sehr günstig.
    Dadurch kamen Mrd von ausländischen Kapitalien ins Land. Seit etwa 2005 ist der uruguayanische Peso eine der stärksten Währungen der Welt – 2005 26 UYU/USD heute 21 UYU/USD dazu gab es Zinsen von 14% bis heute aktuell 9%.
    Es sind Milliarden an Investitionen ins Land geflossen, z.B. die grösste Zellulosefabrik der Welt (2.5Mrd US$) wird bald fertiggestellt.
    .
    Also mit sparen alleine wäre das Land nicht wieder so schnell auf die Beine gekommen – da hat die Abwertung viel mehr dazu beigetragen – hat sich von 2003 einem D für Default bis 2012 wieder auf BBB- also Investmentgrad emporgearbeitet.
    Verschuldung bei 52% BIP, Arbeitslosigkeit bei 6.4% nur die Inflation ist leider immer noch relativ hoch mit knapp 9% – allerdings werden Immobilien und Autos in USD bezahlt und es gibt noch eine inflationsgeschütze Kunstwährung in urug. Pesos – die Unidades Indexadas.
    .
    Von dem her kann ich die These von Herrn Diem nur bestätigen – die Währungsabwertung und ausländische Investitionen, sowie gewisse strukturelle Veränderungen haben das Land wieder zurückgebracht – und dies trotz einer linken Regierung seit 2005.
    Einkommensteuern wurden erst 2007 eingeführt. Die Mwst beträgt 22% und Importzölle um die 50%.
    .
    Es könnte sicher noch einiges verbessert werden, aber viele Urus sagen, dem Land gehe es so gut wie lange nicht mehr – vielleicht seit damals in den 50ern – als es reich war und damals den Uebernamen “Schweiz Südamerikas” bekam!
    Das Bankgeheimnis in Uruguay ist mittlerweile besser als in der Schweiz, und die Banken relativ sicher – sie zocken auch nicht rum!!

  • Michael Berger sagt:

    Vielleicht ist es auch nicht schlecht, dass die Länder nicht einfach ihre Währung abwerten können. Wenn man ihre politische Disziplin anschaut, wäre zu befürchten, dass sie die Währung abwerten und dann wegen kurzfristiger Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit die harten aber notwendigen Strukturreformen aufschieben. Weil den Ländern ja eine moderne und starke Wirtschaft fehlt, könnte eine Abwertung die notwendige, langfristige wirtschaftliche Entwicklung sogar behindern: Wenig zukunftsträchtige Wirtschaftszweige, wie Landwirtschaftliche Exporte könnten künstlich gefördert werden. Zudem kommt eine Abwertung ein Land, das wenig exportiert aber viel importiert wie Griechenland, der Wirtschaft sehr teuer zu stehen.

    Aber die Möglichkeit zur Abwertung wäre sowieso erst mit einer eigenen Währnung möglich. Ob das hilfreich wäre, ist zu bezweifeln.
    Eine eigene Währung zum jetzigen Zeitpunkt wäre nämlich fürs Zahlen der Schuldzinsen alles andere als gut. Ich nehme nicht an, dass die Schuldner ihre Schulden in die neue Währung konvertieren würden. Das käme quasi einem Schuldenerlass gleich, da die neue Währung bald massiv entwertet würde. Wenn aber die eigene Währung plötzlich viel an Wert verliert, wird es teuer Schuldzinsen in Euro zu bezahlen und in Relation zur eigenen Währung würde die Schuldenlast massiv ansteigen. Die Staaten brauchen zudem bei laufendem Defizit weiter Geld, für welches die Zinsen höher wären, da es keinen Rettungsschirm mehr gibt.

    Im Unterschied zu den 90ern kann man heutzutage auch kaum mehr die Leitzinsen senken, da die seit Jahren so tief sind. Die Tiefen Zinsen waren in diesen Länder zudem wichtige Gründe für eine schädliche Wirtschaftsentwicklung in Richtung nicht nachhaltigem Bauboom als Träger des Wirtschaftswachstums.

    Fazit: Es hilft wenig festzustellen, dass die Staaten nicht auf die Rezepte Schwedens zurückgreifen können. Diese haben sie nicht und werden sie auch nicht so bald haben. Was tun also? Es bleiben nur Strukturreformen.

    • Josef Marti sagt:

      Die tiefen Zinsen entstanden aber über Nacht mit der Euroeinführung, sie wurden für die Südeuropäer praktisch über Nacht auf eine Drittel herabgesetzt, vorher betrugen sie bis zu 20%. Richtig ist aber dass zumindest für GR ein Schuldenschnitt von mindestens 50% gemacht werden muss beim Austritt aus der Eurozone. Die anderen Südstaaten müssten ihre Euroschulden mit eigener abgewerteter Währung mittels Wettbewerbssteigerung sowie Strukturreformen stemmen. Die Vergemeinschaftung der Schulden zulasten D-Kleinsparer ist sicher der einfachere und elegantere Weg.

      • urs lehmann sagt:

        Der Schuldenschnitt kommt so oder so, die Frage ist nur in welcher Form. Ein offizieller Schnitt geht nicht weil die europäischen Banken die daraus entstehenden Verluste nicht zu schultern vermögen (was aufzeigt, dass die CDS sinnlos sind, wann werden sie endlich verboten?). Schuldenübernahme durch die starken EU-Länder wäre politischer Selbstmord. Also bleibt nur das Altbekannte: Verlängerung der Laufzeiten zu äusserst tiefen Zinsen.

        • ast sagt:

          Herr lehman, „Der Schuldenschnitt kommt so oder so“

          Wenn die Staatsschulden (in Euro) durch die EZB den Investoren durch drucken „ausbezahlt“ würden, käme es zu keinem Schuldenschnitt. Die EZB kann jede gewünschte Menge an Geld aus dem Nichts schöpfen. Das wäre Ostblock live, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit dass es so kommen könnte, besteht.

          Grossinvestoren wurden auch bisher grosszügig ausbezahlt, obwohl sie sich verrechnet hatten und im Prinzip in einem funktionierenden Markt den Schaden hätten mittragen müssen. Der lukrative Handel mit faulen Papieren hat deshalb kürzlich auch Black Rock nach Irland gelockt.
          Natürlich würde sich durch die Schuldenübernahme durch die EZB die Vermögensverteilung nicht verbessern, einige Wenige würden dadurch noch reicher, und die EZB eine aufgeblähte Minus Bilanz.
          Aber mit der Schaffung einer globalen Plutokratie die durch Geldschöpfung aus dem Nichts gespeist wird, scheint die Politik immer weniger Probleme zu haben.

  • Imboden sagt:

    Schweden hatte einen einmaligen Effekt in jenen Jahren was den Arbeitsmarkt anbelangt: Es war die Zeit in der die Frauen in die Arbeitswelt integriert wurden. Könnte es sein, dass sich Schweden mit einer Leistungssteigerung um 25%+ durch Flutung mit ArbeiterInnen, mit sehr,sehr tiefem Lohnniveau aus der Krise gerettet hat? Und ja, die Währungsabwertung stellte sicher, dass dieses massiv erhöhte Angebot nachfrageseitig abnehmer fand. Ich lebte in jener Zeit in Schweden und staune immer wieder, wie diese Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt in unseren Breitengraden unterbewertet wird.

    • ast sagt:

      Herr Imboden, auch aus meiner Sicht ist die Bewertung von Entwicklungen in der Ökonomie schwierig, zumal immer wieder sozial-politische Sonderentwicklungen einen Strich durch die Vergleiche machen können. Jede nationale Ökonomie besitzt im Soziabereich verschiedene Strukturen. Ich denke, aus Gründen die sich aus dem politischen Vorteil für die Karriere von Ökonomen ergeben wenn sie sich nicht zu viel mit sozialen Entwicklungen auseinanderzusetzen, wird diese Wissenschaft durch das Ausblenden von sozialen Aspekten tatsächlich immer wieder in die irre geführt.

      • Imboden sagt:

        Herr Ast, das ist eine bemerkenswerte Stellungnahme. Was nicht in ein klar eingegrenztes Modell passt, fällt zwischendurch. Die Modell-Designer wissen um die Schwächen und um die Begrenztheit solcher Modelle. Je tiefer und länger diese Modell dann durch die Bildungsinstitutionen gereicht werden, desto zementierter und absoluter scheinen diese zu werden. Weiterführende Gedanken dazu gehören wohl in ide Sphäre der Wissenschafttheorien und sprengen deshalb den Rahnmen dieses Blogs.

  • Marcel Senn sagt:

    Uruguay war am 16.5.2003 infolge der Argentinienkrise auch default – im Gegensatz zu Argentinien hat man mit den Gläubigern verhandelt und einen Zahlungsaufschub ausgehandelt.
    Es ging dem Land damals ziemlich schlecht, USD Guthaben auf Banken wurden für ein paar Jahre eingefroren, der uruguayanische Peso sehr stark abgewertet, die Zinsen betrugen bis zu 14% und die Produkte und wie auch Land und Immobilien sehr günstig.
    Dadurch kamen Mrd von ausländischen Kapitalien ins Land. Seit etwa 2005 ist der uruguayanische Peso eine der stärksten Währungen der Welt – 2005 26 UYU/USD heute 21 UYU/USD dazu gab es Zinsen von 14% bis heute aktuell 9%.
    Es sind Milliarden an Investitionen ins Land geflossen, z.B. die grösste Zellulosefabrik der Welt (2.5Mrd US$) wird bald fertiggestellt.
    .
    Also mit sparen alleine wäre das Land nicht wieder so schnell auf die Beine gekommen – da hat die Abwertung viel mehr dazu beigetragen – hat sich von 2003 einem D für Default bis 2012 wieder auf BBB- also Investmentgrad emporgearbeitet.
    Verschuldung bei 52% BIP, Arbeitslosigkeit bei 6.4% nur die Inflation ist leider immer noch relativ hoch mit knapp 9% – allerdings werden Immobilien und Autos in USD bezahlt und es gibt noch eine inflationsgeschütze Kunstwährung in urug. Pesos – die Unidades Indexadas.
    .
    Von dem her kann ich die These von Herrn Diem nur bestätigen – die Währungsabwertung und ausländische Investitionen, sowie gewisse strukturelle Veränderungen haben das Land wieder zurückgebracht – und dies trotz einer linken Regierung seit 2005.
    Einkommensteuern wurden erst 2007 eingeführt. Die Mwst beträgt 22% und Importzölle um die 50%.
    .
    Es könnte sicher noch einiges verbessert werden, aber viele Urus sagen, dem Land gehe es so gut wie lange nicht mehr – vielleicht seit damals in den 50ern – als es reich war und damals den Uebernamen „Schweiz Südamerikas“ bekam!
    Das Bankgeheimnis in Uruguay ist mittlerweile besser als in der Schweiz, und die Banken relativ sicher – sie zocken auch nicht rum!

    • Josef Marti sagt:

      Dass der Uru Peso so stark ist trotz hoher Zinsen, hoher Inflation und Leistungsbilanzdefiziten kann demnach nur an der Marihuana Legalisierung liegen. Stimmt das dass Ausländer dabei nicht profitieren dürfen?

      • Marcel Senn sagt:

        Marti: Die Marijuana Legalisierung im Land dürfte keinen grossen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, vielleicht das Leistungsbilanzdefizit etwas schmälern. Aber wenn man den Drogenhändlern (Marijuana hier vor allem aus Paraguay) das Geschäft vermiesen könnte, so ist das auch schon gut, zumal doch noch viele Junge hier kiffen.
        Ausländer (Touristen) können sich ihr Grünzeug nicht von der Apotheke holen – bei Leuten mit der Niederlassung wüsste ich nicht mal genau wie das geregelt ist, nehme aber an ich könnte auch partizipieren, habe ich doch eine Uru-Cedula (aber keine Staatsbürgerschaft) und musste mich sogar im Geburtsregister in Montevideo eintragen lassen.

        • Urs Lehmann sagt:

          Sogar die USA sind lernfähig:
          THC-haltige Cannabisprodukte dürfen in vielen Staaten für medizinische Zwecke benutzt werden.

          Washington DC hat Besitz legalisiert, Colorado die gesamte Kette vom Samen, Anbau, Handel, Konsum, alles streng reglementiert. Der Bundesregierung hat öffentlich erklärt, dass die entsprechenden „Straftatbestände“ in den beiden Staaten nicht verfolgt werden.

  • A. Meier sagt:

    Daraus folgt direkt, dass der Euro gewaltige Nachteile hat. Im Krisenfall gerät man schnell in eine Falle. Die wenigen Vorteile im Normalfall wie geringere Transaktionskosten, Preistransparenz und weniger Risiko bei grenzüberschreitendem Handel können die gewaltigen Nachteile im Krisenfall niemals wettmachen. Irgendwie erinnert mich das an die Kernenergie: grosse Mengen stetiger, günstiger (cashflow) Energie, aber im Störfall eine riesige Katastrophe, die dazu auch noch unkontrollierbar ist. In beiden Fällen extrem schwieriger Ausstieg aus der Sache. Ich bin erstaunt, dass man diese Währungsunion auch nach der Krise auf weitere Länder ausgedehnt hat. Das hätte man sofort stoppen sollen! Die wenigen Vorteile des Euros wären heute dank Internet und eCommerce besser und sicherer zu haben. Die Idee des Euros entstand noch vor dieser Zeit und ist heute auch technisch veraltet.

  • Martin Holzherr sagt:

    Für Länder in einer Währungsunion bleiben tatsächlich wenige Möglichkeiten um ihre Wirtschaftsaussichten in kurzer Zeit zu verbessern. Spanien, Portugal, Italien etc. befinden sich damit in einer ähnlichen Situation wie ein US-Bundesstaat, in dem ein wichtiger Industriezweig einbricht (z.B. die Autoindustrie). Für die Lohnabhängingen und selbst für Unternehmer bleibt dann nur die Migration in einen anderen US-Bundesstaat. In den USA passieren solche inneren Migrationen jeweils ziemlich schnell. Erstens wegen den in den USA tiefen Arbeitslosenentschädigungen, dem im Vergleich zur EU weniger stark ausgebauten Sozialstaat und zweitens weil die Sprachbarrieren wegfallen, die es hier in Europa gibt.

  • Tom sagt:

    Wie ich schon lange gesagt habe: Er Euro ist Schuld an dem ganzen Schlamassel. Der Euro ist ein Konstrukt das so nicht funktioniert, aber anstatt das einzusehen wird immer weiter daran rumgedoktert. Um den Krisenländern zu helfen braucht es entweder massiv mehr Europa, im Sinne von „United States of Europe“ oder massiv weniger im Sinne von Euro abschaffen. Ersteres wollen die Völker Europas nicht und für zweiteres hat niemand genug Mumm.

    • Rolf Zach sagt:

      Tom. Sind Sie bei einer Bank beschäftigt? Das ist natürlich eine rhetorische Frage! Ich habe noch nie eine ernsthafte Berechnung gesehen, wo die Kosten des Devisen-Tausches und auch die nachfolgenden Sicherungen prozentual an der Höhe des Volkseinkommens berechnet wurden. Ich vermute stark, dass diese Kostenseite in den Zeiten flexibler Wechselkurse
      erheblich war und durch die Einführung des Euros massiv zurückgegangen ist. Sie nehmen ein Kaffee im Bahnhof von Turin, zahlen in Euro und bei Ihrer Ankunft in Paris können Sie ohne Kontrolle, ob Sie genügend Bargeld haben, ein Brioche kaufen.
      Vergessen Sie nicht die Verzahnung der Handelsströme Europas, die heute wesentlich grösser sind als vor 50 Jahren.
      Gibt es noch Akkreditive in Europa?

      • urs lehmann sagt:

        Was hat ein Akkreditiv mit dem Euro zu tun?

        Wenn Verkäufer oder Käufer dem anderen nicht traut, wird er auch heute noch auf einer wie auch immer gearteten Absicherung bestehen. Ob mittels Akkreditiv, Bestätigung einer Prüfgesellsachft wie SGS, oder was auch immer, ist zweitrangig.

        • Rolf Zach sagt:

          In einem einheitlich Währungsgebiet wird nicht Akkreditiv gearbeitet. Ich will mit diesem Beispiel auf die Vorteile
          des Kostenersparnis einer einheitlichen Währung hinweisen, dazu kommt noch, dass das europäische Handelsrecht durchaus einheitlicher ist, als dasjenige der USA vor 100 Jahren. Die EURO-Zone wird bleiben, die Vorteile überwiegen!

  • Ahn Toan sagt:

    Währungsabwertung und (unabhängige) Geldpolitik (Zinsen) sind also gemäss dem Fazit die einzigen Massnahmen, welche einer schwachen Wirtschaft helfen können. Fiskalpolitik, Arbeitsmarktregeln, Institutionen wie Renten- und Steuersysteme wurden neu gestaltet in Schweden, usw. sind alle quasi irrelevant, Verzierungen und Ausschmückung der einzig wirklich relevanten Geldpolitik.

    Schwache Währungen führen zu Kapitalflucht, also Devestition. Starke Währungen bringen Kapital ins Land, also Investition.

    Zombieoekonomie ist, zu behaupten, Währungsabwertung sei immer und überall der einzige Weg aus einer Krise.

    Anzumerken bleibt, dass die schwedische Krone abwertete vor der Krise, und damit die Krise erst auslöste (Banken mussten gerettet werden), die Abwertung hat bereits in der Zeit vor der Graphik (1989 auf 1990 immerhin rund 7 Prozent)) begonnen. Die Reichsbank versuchte ab 1992 die Krone zu stützen (Habe 500 Prozent Zins auf Wiki gefunden!!!!). Die Abwertung der schwedischen Krone erfolgte durch die Märkte, die Geldpolitik stellte sich der Abwertung erfolgreich entgegen. Zumindest war die Abwertung kein Instrument, dass die Schweden anwendeten, um die Krise zu überwinden, sie haben sich gegen die Abwertung gewehrt.

    • Ahn Toan sagt:

      Die Nettoexporte steigen in Prozent des BIP ausgedrückt, weil die anderen BIP Faktoren (privater und stattlicher Konsum) in Folge der Krise zurückgingen. ASuch bei gleichbleibenden oder sogar langsamer als der Binnenkonsum sinkenden Exporten, steigt der Exportanteil am BIP.

    • Ahn Toan sagt:

      Gemäss den Anweisungen dieses Beitrages, müssten die USA, Japan, Südeuropa eigentlich fast alle ausser Deutschland (+NL + CH + A + LUX) und China, vielleicht noch Südkorea ihre Währung abwerten, um ihrer Wirtschaft über Export zu neuem Schwung zu verhelfen. China und Deutschland sollen dann alles konsumieren, das der Rest der Welt nun billig liefert. Die Chinesen sind immerhin eine Menge Leute, die Arbeitslosigkeit ist in China höher als in Spanien, rund die Hälfte der Bevölkerung landet nicht in der Statistik, weil sie noch nie einen Arbeitsvertrag hatte, also muss auch China abwerten. Mann, wie viel sollen die paar Deutschen fressen?

      • Urs Lehmann sagt:

        Der Artikel greift tatsächlich recht kurz. In Frage kommen auch Verkäufe von Staatseigentum, Strukturreformen sind ebenfalls eine Möglichkeit (wahrscheinlich sogar ein Muss, irgend etwas hat die Krise ja verursacht). Vielleicht auch spezielle Finanzierungsformen (US-Kriegsanleihen kommen in den Sinn, auch Italien hat lange Zeit [immer noch?] für im Ausland lebende Italiener Anleihen mit attraktiven Spezialkonditionen angeboten).

        Das Hauptproblem dabei dürfte sein, dafür zu sorgen dass die Bevölkerung mitmacht (Iren als positives, Griechen als eher negatives Beispiel). Weshalb wohl wurde Berlusconi mehrere Male wiedergewählt…kicking the can down road…..

        • Ahn Toan sagt:

          @Urs Lehmann

          Ich erlaube mir, es noch ein wenig prägnanter zu formulieren:

          Eritrea, Mali, Laos, Kambodscha, Peru oder Bolivien sind selber schuld, dass sie arm sind. Sie müssten nur diesen Blog (wohl das, was die Mehrheit der Oekonomen erzählt) regelmässig lesen, und sie würden verstehen: Sie müssten einfach abwerten, immer weiter, immer schneller, immer mehr, bis sie Vollbeschäftigung, Handelsbilanz- und Budgetüberschüsse haben, dann sind sie alle reich.

          Offensichtlich ist dies Mumpitz.

          Meine Wahrnehmung insbesondere in Europa, aber auch zB. in Brasilien zeigt mir: Volkswirtschaften mit schwacher Währung bleiben schwach, und deren Währung bleibt schwach. Die beschleunigte Abwertung in den Krisen mildert zwar die Folgen der Krise, zementiert jedoch gleichzeitig die Schwäche der Volkswirtschaft. Allfällige Investitionen erfolgen in Wirtschaftszweigen mit geringer Wertschöpfung und wenig Wachstumspotential, welche dauerhaft auf Subvention des Exportgeschäftes mittels schwacher Währung angewiesen sind. Investitionen mit wirklichem Zukunftspotential (IT, Biotechnologie, Hi Tech Medizin) erfolgen in starken, zumindest stabilen Währungsräumen (Europa, USA, Israel z.B.) auch die Finanzindustrie funktioniert nur aus einem zumindest stabilen Währungsraum. (USD als Weltreservewährung muss „schwächlich“ sein). Foxconn ist halt nicht Apple.

          Jede Massnahme, jedes Instrument hat Vor- und Nachteile. (Auch der EUR). Es geht darum, den idealen MIX an Massnahmen (Zinsen / Abwertung / Defizitspending, Verkauf von Staatseigentum, Finanzierungsmodelle, Rentenmodelle, Steuern, Investitionsanreize) für die Möglichkeiten dieser Volkswirtschaft zu finden. Es geht darum, den Einsatz dieser Massnahmen zeitlich zu optimieren. Es geht darum, die negativen Auswirkungen dieser Massnahmen zu mildern, den positiven Nutzen zu optimieren. Und in Demokratien geht es darum, dies dem Volk zu verkaufen.

          • urs lehmann sagt:

            Das mit dem Abwerten ist doch mühsam, wenn schon sollten sie die Abkürzung nehmen, die Druckerpresse anwerfen und die Noten gratis verteilen, dann werden über Nacht alle zum Milliardär 😉

            Ich kann Ihre Beobachtungen nur bestätigen.

            Wie kann erklärt werden, dass DE trotz weitaus schlechteren materiellen Voraussetzungen nach dem 2.WK heute wieder DIE Macht in Europa ist? Gibt es in einer Gesellschaft so etwas wie kollektive (ungeschriebene) Grundwerte, welche massgeblich beeinflussen (bestimmen?) welcher Pfad genommen wird? Und falls ja, kann das beeinflusst/gesteuert werden? Z.B. über die nationalen identitätsstiftenden Mythen?

            Mir fällt z.B. auf dass die Amis die Einstellung haben, dass sie im besten Staat der Welt leben, und egal welches Hindernis sich in den Weg stellt, sie werden es irgendwie überwinden. Optimismus pur halt. Die PIGS+GB waren früher alle Mal Weltmächte, heute sind sie Problemkinder. Was, abgesehen von grossen Zeiträumen, führt zu solchen Veränderungen?

            Oder ist das jetzt zu weit weg von Ökonomie 🙂

    • Martin Holzherr sagt:

      Sie müssen zwischen der kurzen und der langen Sicht unterscheiden. In der langen Sicht ist richtig, wenn sie schreiben:
      „Schwache Währungen führen zu Kapitalflucht, also Devestition. Starke Währungen bringen Kapital ins Land, also Investition.“
      In der kurzen Sicht aber gilt eben, dass oft nur eine Abwertung die Kompetitivität schnell verbessert und zugleich den internen Konsum erhöht.

      • Hans Huber sagt:

        Die Frage um die Schwäche einer Währung und der Kapitalflucht respektive von Investitionen ist viel mehr daran gebunden wie stark die Exchange-Rate einer Währung fluktuiert über einen gewissen Zeitpunkt.
        Grundsätzlich ist eine Schwache Währung interessanter um Real Investitionen zu tätigen (Aufbau einer Fabrik) da es günstiger ist. Eine Starke Währung ist nur interessant für Finanz Investitionen.

        • Ahn Toan sagt:

          In einem schwachenm Währungsraum ist Investition vor allem dann interessant, wenn sie sich zu einem grossen Teil mit Fremdkapital in der schwachen Währung finanzieren lässt, noch besser alles lokal finanzieren und nur mit Garantien die Risiken abdecken, also letztlich nur wenig oder gar kein Kapital in den schwachen Währungsraum bringen, auch wenn man dort „investiert“.

      • Ahn Toan sagt:

        @Martin Holzherr: Ja

        Also strategisch (langfristig) ist eine starke, zumindest stabile Währung anzustreben, taktisch (kurzfristig) muss in der Krise dieses strategische Ziel aufgegeben werden, um überhaupt zu überleben. In einer Währungsgemeinschaft kann dank der Unterstützung durch die Gemeinschaft direkt auf die strategischen Ziele hingearbeitet werden, solange einem die Gemeinschaft hält, kämpft man nicht ums überleben:

        Ein Einzelner ohne Familie muss ab früher Kindheit betteln, stehlen oder sich prostituieren. Er kann nichts lernen, hat keine Zeit dazu, weil er permanent am Abgrund steht. Er muss kurzfristig taktisch denken. Mit einer Familie im Rücken, kann er etwas lernen, macht halt Defizite (Schulden) am Anfang, die starken Familienmitglieder geben ihm Kredit oder garantieren Kredite für ihn. Er kann das strategische Ziel einer guten Ausbildung verfolgen.

    • Josef Marti sagt:

      Schweden war zwar nicht im EWS, doch die Krone war an die DM fest angebunden. Hohe Zinsen und hohe Inflation führten deshalb 1990 bis 92 zu einer realen Aufwertung der Krone. Dies führt bekanntlich zu Abwertungserwartungen an den Finanzmärkten bzw. ist immer ein gefundenes Fressen für Spekulanten. Trotz dieser Attacken entschied man sich dazu, die Währungsparität zu halten, nach mehreren Attacken wurde im Herbst 92 der Tagesgeldsatz auf 500% erhöht. Im November 92 hat die Reichsbank definitiv die Segel gestrichen und die Krone floaten lassen so dass eine Abwertung von ca 20% eintrat.

      • Dani Keller sagt:

        Danke für den historischen Rückblick. Vielleicht sollte auch unsere SNB einen Blick darauf werfen. Denn wie in Schweden kann eine Bindung, bzw. Untergrenze, auch bei uns enden. Das Thema free floaten wird bald aktuell.

        • Rene Wetter sagt:

          @Keller: Schweden kämpfte gegen eine Abwertung, wie gegen eine Aufwertung, merken Sie den Unterschied. Gegen eine Abwertung kämpft eine NB genausolange wie sie Devisen hat um eigene Währungsbestände zurückzukaufen. Gegen Aufwertung kann eine NB unbegrenzt kämpfen dennsie kann jede Nachfrage nach der eigenen Währung stillen

          • Dani Keller sagt:

            Das mit dem „unbegrenzt“ ist ein Märchen der NB. Kommen mir ein wenig vor wie der Sonnenkönig.Theoretisch können die NB unbegrenzt operieren. Jedoch agieren sie in einem Umfeld mit verschiedenen „Störfaktoren“ wie z. B. der Politik. Somit können sie dann in der wirklich heissen Phase nicht unbegrenz agieren. So schön die Theorie des ungrenzten Handelns, so ernüchternd die Praxis.

          • Urs Lehmann sagt:

            Da kann ich DK nur zustimmen. Deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, weshalb in diesen ruhigen Zeiten nicht wenigsten *versucht* wird die Risiken zu reduzieren indem die SNB-Bilanz verkürzt wird.

          • Ahn Toan sagt:

            @Urs Lehmann

            Immerhin verkürzt der sinkende Goldpreis die Bilanz der Nationalbank bereits. Wie viele Kommentatoren haben der Nati geraten, anstatt der wertlosen Euros doch Gold zu kaufen?

            Stimme Ihnen aber grundsätzlich zu: Wenn die Nati zu lange wartet, ist die Untergrenze nicht mehr eine Verhinderung ungerechtfertigter Aufwertung, sondern eine künstliche Abwertung des CHF (Inflationsdifferenz zwischen Euroland und CH). Dann hat die Nati ein Problem, weil internationaler Druck entstehen wird, dies aufzugeben. Dem kann sich die kleine Schweiz mit ihren starken globalen wirtschaftlichen Interessen nicht widersetzen. Und wenn sowas absehbar ist, werden die Spekulanten darauf wetten, dass die Nati ihre Euro und Dollars verkaufen und CHF (zurück)kaufen muss damit. Es wird ihr unmöglich, die gesamten CHF, welche sie geschaffen hat, wieder zurückzunehmen.

  • Markus Schneider sagt:

    Warum kommt der Ruf nach dem „antizyklischen Verhalten“ immer nur dann, wenn’s ums Ausgeben von nichtvorhandenem Geld geht? Und warum kommt es immer von den Linken?

    • Dani Keller sagt:

      Aber all die angehäuften neuen Schulden durch antizyklisches Handeln werden doch in besseren Zeiten mit Budgetüberschüssen wieder abgebaut?! Ironie off

      • Josef Marti sagt:

        Budgetüberschüsse werden von der Rechten niemals zugelassen sondern bereits vorher prophylaktisch und vorsorglich zugunsten deren Klientel abgeschöpft; nur so kann das verhasste antizyklische Handeln gebodigt werden. Alles andere wäre aus politisch taktischer Sicht auch eine krasse Fehlleistung wenn es darum geht bei den Budgetverteilkämpfen den Gegner und dessen Klientel auszuschalten.

        • Urs Lehmann sagt:

          SP und Grüne hatten für die Schuldenbremse die Nein-Parole ausgegeben, die Einhaltung funktioniert gut. Ihr Argument ist darum nicht wirklich nachvollziehbar.

          • Josef Marti sagt:

            Gegen eine Schuldenbremse wäre an sich nichts einzuwenden, sie müsste aber gleichzeitig mit einer Steuersenkungsbremse verknüpft sein. Ansonsten ist das nur ein Mittel im Machtkampf der Parteien um die Bedienung ihrer Klientel, wobei die Rechte somit die Nase immer einen Schritt voraus hat, weil sie über vorherige Steuersenkungen ihre Klientel schon bedient hat während sie gleichzeitig ihrer geliebten Voodoo Ökonomie weiter frönen kann.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Josef Marti

            ‚Schulden’bremse oder besser ‚Neuschulden’bremse: Neuschulden/Defizit ist der Saldo von Ausgaben und Einnahmen. Sie möchten eine Steuersenkungsbremse also einen Einnahmenschub bzw. Unterlimite. Das ist ein Weg, wie Defite buchhalterisch kleiner werden. Um symmetrisch zu bleiben müssten Sie gleichzeitig auch eine Ausgabenbremse einführen. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie das wollen. Wenn nicht, bleiben Ihre Forderungen einseitig und führen langfristig zu höheren Ausgaben.

            Ich halte es für besser, dem Parlament den Rahmen ‚Schuldenbremse‘ vorzugeben und zu überlassen, wie die Kombination der Massnahmen aussieht.

          • Urs Lehmann sagt:

            Ach Leute, es gibt weder „die Linken“ noch „die Rechten“, und Begriffe wie „immer“ und „alle“ sind in der Praxis völlig irrelevant weil kaum je zutreffend. Aber Hauptsache man hat mit ein paar Allgemeinplätzen seine Clichés bedient, nicht wahr.

            @Marti
            Die CH-Fiskalquote(FQ) war 1990 etwa 24%, 30% im Jahr 2000, die BIP-Schuldenquote(SQ) stieg trotz kräftigem Wachstum von 30% auf über 50%, offensichtlich ein nicht nachhaltiger Trend. Heute ist FQ bei 28%, SQ bei 35%, absolut gesehn sind die Schulden der öffentlichen Hand langsam am sinken von 240Mrd 2002 auf aktuell etwa 210Mrd.

            Erklären Sie mir doch mal, inwiefern „die Rechte mit ihren Steuersenkungen“ die Nase vorn hat? Und ob sie die Fortführung des Trends von 1990-2000 besser finden würden als die aktuelle Situation? Und wie Sie das allenfalls zu finanzieren gedenken? Zudem würde mich interessieren, wie Sie gewährleisten, dass die Schuldenquote genügend tief ist, sodass der Staat auch im Krisenfall (welcher durchaus die alleinselige CH treffen kann) handlungsfähig bleibt?

            Ich freue mich auf Ihre Antwort(en).

          • Josef Marti sagt:

            Lehmann 22:48: Natürlich muss ich auch meinen Senf dazu geben:
            Über die nicht enden wollenden Steuersenkungsreformen va. im Unternehmenssteuerrecht muss ich mich wohl nicht weiter auslassen. Der Hammer kommt erst noch mit der UStR III wenn die Kompensation der Löcher dem Mittelstand über indirekte (und auch Erhöhung direkter) Steuern belastet wird, was so sicher ist wie das Amen in der Kirche; wer hat hier also die Nase vorn? Schon etwas merkwürdig, wenn nach 20 jährigen Steuersenkungsorgien und stagnierenden Reallöhnen gefragt wird, „wie man das alles finanzieren soll“.

            Die entscheidende Frage im Verteilkampf ist ja wohl, wer kriegt am meisten vom Kuchen bzw. der BIP Verteilung? Immerhin ist das BIP in der CH in den letzten 20 Jahren um ca. 25% angewachsen, bekanntlich sind die relevanten 4 Verteilungsgrössen: Zinsen, Mieten/Pachten, Löhne, Profite. Die ersten beiden können ja wohl kaum zu den Verlierern gehören, da sie durch das etablierte Zinseszinssystem und Erbrecht fest zementiert sind; und wer bei entsprechenden Parlaments- und Regierungsmehrheiten von den anderen beiden die Nase vorn hat muss ich Ihnen wohl nicht ernsthaft erzählen.
            Was die Schuldenstände anbelangt sagen Ihre Zahlen nicht wirklich viel aus. Den Schuldenstand am Einkommen zu messen ist auch volkswirtschaftlich zumindest fraglich. Bei jeder Unternehmung die wächst, wächst auch die Bilanzsumme und damit zwangsläufig auch die Schulden, über eine ideale EK Quote kann man ja streiten. Bekanntlich kann man auch mit 250% BIP Verschuldung ganz gut leben und erst noch mit einer wohltuend heilsamen Deflation und tiefen Zinsen.
            Über die Steuer- und Staatsquote der CH im Vergleich zu zB. Schweden und Dänemark muss ich Ihnen sicher auch nichts erzählen. Eines der erfolgreichsten Länder der Welt ist Dänemark und das mit MWST Satz von 25% (!!) und zusätzlich extrem progressiven direkten Steuern, und trotzdem ist das Kostenniveau für den Grundbedarf nicht höher als in der CH, und in der Altersversicherung haben die sogar noch eine Schuldenbremse.
            Die Frage ist also letztlich, will man sich eine Zivilgesellschaft leisten oder nicht? Nach dem Fall des eisernen Vorhangs jedenfalls wurde zum Halali geblasen zur Zerschlagung der Zivilgesellschaft und sozialen Marktwirtschaft, man erinnert sich vielleicht noch in den 90ern an das geniale „Weissbuch“.
            Die Talsohle ist noch nicht erreicht.

  • Markus Egli sagt:

    Kein Zweifel, dass tiefe Zinsen und eine niedrigbewertete Währung den Export fördern. Deutschland nach 2001 (Zinsentscheid der EZB) ist ein weiteres Beispiel. Griechenland, Spanien etc. haben diesen Ausweg nicht. Doch was nun? Wenn die externe Abwertung nicht möglich ist, bleibt ja wohl nur noch die interne um die Konkurrenzfähigkeit wieder herzustellen. Die zusätzliche Variable, welche die Handlungsfähigkeit einschränkt ist die Verschuldung. Solange man nicht am eigentlichen Problem, der gemeinsamen Währung, schrauben will, sind wohl alle Rezepte Zombie-Rezepte.

  • Anton Schneider sagt:

    In der Beobachtungsperiode haben Sie ebenfalls nicht erwähnt, dass Schweden sich zum „Sozialstaat“ aufgebläht hat, mit den höchsten Steuerbelastungen und der Staat trotz dem Raubzug auf die Kassen der Bürger es nicht geschafft hat, ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. Der Bürger hatte kein Geld mehr zum konsumieren – der Staat hats ihm genommen. Fakt!

    • ast sagt:

      Hohe Sozialabgaben bewirken nicht per se einen Einbruch beim Konsum. Das ist nur dann der Fall wenn die Einnahmen dem Zweck entfremdet woanders hin umgelenkt werden. Solche Szenarien finden sich etwa in Ländern wie Griechenland wieder, ein Land mit einer korrupten und sehr schlechten Sozialabgabe Struktur.

      Im Normalfall fliessen Sozialabgaben wieder zurück zum Bürger, die Höhe spielt hierbei weniger eine Rolle. Aus Sicht der Kaufkraft sind Sozialabgaben im Idealfall ein arithmetisches Nullsummenspiel, es findet nur eine andere (gerechtere) Verteilung der Kaufkraft statt. Ganz sicher aber ist, im Fall Sozialabgaben zu gering sind als dass sie auch sozial Schwache erreichen können, dann sinkt die Kaufkraft aller Bürger im Durchschnitt ab.

  • Anton Schneider sagt:

    Spanien hat GROSS strukturelle Probleme: in der Wirtschaft, in der Ausbildung, in der Altersversorgung.
    Spanien ist im Euro, Spanien kann nicht abwerten – soll Spanien den Euro-Raum verlassen um dann die eigene Währung „abzuwerten“ – eine Option, aber dann sprechen Sie Klartext mit all den nach sich ziehenden Verwerfungen im Euroraum.
    Wenn Sie iim Bog die Staatsverschuldung befürworten, dann sind Sie offensichtlich der linken Zombie-Planwirtschaft und Voodoo-Ökonomie erlegen.

    • Josef Marti sagt:

      Die Staatsverschuldung ist eine Spezialität und typische Wirtschaftspolitik von rechten Regierungen indem Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, deshalb haben die rechten Euro Regierungen die Rettung der Abzocker aufs Konto Staatsverschuldung gebucht. Alle folgenden Rettungspakete stützen nur die Banken, nichts davon kommt der arbeitenden Bevölkerung zugute. Die Vergemeinschaftung der von der Rechten verschuldeten Schulden ist dabei die grösste ökonomische Meisterleistung dieser komplett inkompetenten Regierungen.
      Abgesehen davon ist die Steuer- und Staatsquote von Schweden immer noch enorm hoch und trotzdem gehört das Land trotz Steuerhölle zu den Globalisierungsgewinnern. Der Neid auf die Skandinavier ist deshalb verständlich, Neid muss man sich bekanntlich verdienen.

      • Frank Baum sagt:

        Marti, Staatsverschuldung hat mit „Gewinne privatisieren und Schulden sozialisieren“ nichts am Hut. Die Linken wollen die grenzenlosen Staatsschulden. Es waren ja auch bei uns die bürgerlichen Parteien, die gegen die Linken die Schuldenbremse eingeführt haben. Dem folgen auch die anderen Länder, weil die Politik – getrieben von Linkspopulismus – ohne solche Massnahmen zu sehr in die Schulden abdriftet, bis ein Staatsbankrott droht. Es ist allerdings auch richtig, was hier geschrieben wurde: Der Staatsbankrott droht nur, wenn die Schulden in Fremdwährung ausgestellt sind. Deswegen haben weder die USA noch Japan je ein Problem damit.

        • Josef Marti sagt:

          Darum waren Reagan und Bush sicher Linke. Insbes. Reagan hat in den 80ern den Grundstein gelegt zur Explosion der Staatsschulden mit Hochzinspolitik zwecks Rüstungswettlauf mit den Sowjets. Gleichzeitig haben wir in den letzten 30 Jahren massive Steuersenkungsorgien erlebt die letztlich auch nur mit Staatsverschuldung getragen werden können. Wie Sie richtig sagen ist eine clevere Verschuldungspolitik u.U. eine recht erfolgreiche Taktik. Dass Verluste letztlich immer sozialisiert werden wie wir das jetzt im Euroraum mit der Vergemeinschaftung der Schulden sehen schleckt keine Geiss weg, das war schon vor 3000 Jahren nicht anders.

      • Josef Marti sagt:

        Kleiner Nachtrag zu den Skandinaviern:
        Bis auf Norwegen, das wegen seines Ölreichtums teilweise anderen Spielregeln unterliegt,
        lassen sich die skandinavischen Wirtschafts- und Sozialsysteme leicht unter einen Hut bringen.
        In starkem Kontrast zu den angelsächsischen Modellen verfügen sie über relativ wenig soziale Ungleichheit und Verschuldung (sowohl intern wie extern), hervorragende öffentliche Versorgung mit Infrastruktur und Gesundheitssystemen, hohe Produktivität bei hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und vergleichsweise sehr gute schulische Leistungen.
        Sie erreichen ein beachtliches Wirtschaftswachstum wegen oder trotz einer hohen Staatsquote bei hohen Steuerlasten.
        Viele der Ergebnisse sind wesentlich besser als in Deutschland, vor allem das Wirtschaftswachstum und hier auch die Binnenkonjunktur, die viel geringere Arbeitslosigkeit allgemein und Langzeitarbeitslosigkeit im Besonderen, die wesentliche bessere Beteiligung der Frauen und älterer Jahrgänge am Arbeitsleben, die schulischen Ergebnisse nach der Pisa-Studie und die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.
        Das alles ist zum grossen Verdruss vieler Ökonomen unerklärlich und stellt fast eine Art Merz’sches steuerliches Ärgernis dar.

        • urs lehmann sagt:

          Ins selbe Kapitel fällt der Wirtschaftsboom in den USA nach dem 2.WK: Trotz sehr hohen mayimalen Steuersätzen (leider finde ich keine Angaben zur tatsächlichen Steuerquote) hatte die Wirtschaft über 25-30 Jahre hin sehr hohe Wachstumsraten zu verzeichnen, was ebenfalls im Widerspruch steht zu den Neoliberalen Glaubenssätzen.

          • Rolf Zach sagt:

            Herr Lehmann, es war theoretisch 90% und galt auch unter der Präsidentschaft von Eisenhower. Erst Kennedy hat den
            Höchstsatz von 90% auf 70% gesenkt. Nicht nur die Einkommenssteuer bewegte sich auf solchen Höhen, sondern auch die Erbschaftssteuer. Deshalb wurde auch von diesem unsympathischen Dagobert Duck, will sagen Henry Ford, die Ford-Stiftung gegründet (Vermeidung Erbschaftssteuer), was sicher eine gute Sache war. Ich bin überzeugt, dass
            die Herren Kamprad, Vekselberg, Kühne und Timtschenko als Leute mit Pauschalbesteuerung die Schweiz innig
            schätzen und sich deshalb bei Stiftungen für die hiesige Bildung, Forschung und auch Museen erkenntlich zeigen werden. 50% war die Körperschaftssteuer in den USA nach dem Krieg. Natürlich gab es damals wie heute gute Steuerberater und komplizierte Regelungen.

          • Urs Lehmann sagt:

            @Zach
            Ja schon, nur bilden halt 90% Spitzensteuersatz bei weitem nicht die tatsächliche Steuerquote ab wenn z.B., wie ich meine gelesen zu haben, Investitionen abzugsfähig waren. Derartiges deutet auch auf weitere „Tricks“ (aka Schlupflöcher) hin, weshalb die effektive Steuerquote um ein Vielfaches interessanter wäre als die schlagzeilenträchtigen 90%. Mir scheint die Abzugsfähigkeit von Investitionen (und nicht nur der aus Pleiten resultierende Verlust) durchaus eine Überlegung wert.

  • Dani Keller sagt:

    In dem Fall dürfen die „Problemländer“ den Kopf in den Sand stecken?! Oder was will uns dieser Artikel mitteilen? Die bösen „Zombies“ sind dann wohl die Deutschen und sollen die Probleme mit Geld überdecken…
    Das Grundproblem ist die Eurozone an sich. Wusstecman, weiss man. Aber solange ene heilige Kuh, bis es alle runterzieht.

    • urs lehmann sagt:

      Der Artikel will uns mitteilen, dass sich Benzin nicht zum Feuerlöschen eignet.

      • Dani Keller sagt:

        Aha, und Neuverschuldung eignet sich für Schuldenabbau… logisch.

        • Urs Lehmann sagt:

          Wie heisst es doch so schön – lesen bildet. Aber vielleicht leiden Sie diesbezüglich ja unter einem besonders schweren Defizit, da will ich mal nicht so sein: Herr Diem behauptet nicht, zu wissen was hilft, sondern welche für Schweden relevanten Faktoren bei der Eurokrise nicht angewendet werden können, und dass der Vergleich Schweden/Griechenland daneben zielt.

          „Die wichtigsten Faktoren, die Schweden aus der Krise geholfen haben, stehen den Krisenländern der Eurozone nicht zur Verfügung: Vor allem die Währungsabwertung. Eine Zinssenkung ist ohne eigene Notenbank ebenfalls ausgeschlossen“

          und weiter

          „Keiner der Faktoren die Schweden geholfen haben […] steht den heutigen Euro-Krisenländern zur Verfügung“

      • Rolf Zach sagt:

        Was ist der Vorteil einer Reserve-Währung? Ist überhaupt die Ertragsbilanz eines einzelnen Landes wichtig in einer Währungsgemeinschaft mit einer eigenständigen Zentralbank und einer Bankenunion? Es kommt noch dazu, dass ausser Portugal und Griechenland, Spanien und vor allem Italien soviel Schulden in € wie Guthaben hat. Eine Reservewährung
        hat auch eine Schutzfunktion und ist für diese Krisenstaaten mehr wert als jede Art von Currency Board. Kopiert die EZB die FED wäre viel von den Problemen, die im Artikel erwähnt sind, gelöst. Den Deutschen ist vielleicht nicht unbedingt ihr
        Handelsbilanzüberschuss vorzuwerfen, sondern ihre dämliche Ausweitung ihres Niedriglohn-Sektors und ihre konstante
        Verhinderung der EZB-Politik à la FED und ihren Wünschen für höhere Zinsen auf Kosten von Spanien, Portugal, Griechenland und den mausarmen Städten des Ruhrgebiets, obwohl sich diese extrem teuere Fussball-Clubs leisten,
        wo man sich auch fragen kann, ob hier griechische Verhältnisse herrschen. Als ganzes hat Euroland ein Ertragsbilanz-Überschuss, nicht so wie die USA. Wenn die Deutschen nicht spanische Staatspapiere kaufen wollen und auch nach Reformen griechische Papiere der Hölle gleichsetzten, sollen sie doch einmal in den USA ihren Anlage-Schrott eintreiben. Die Verluste dieser EURO-Hasser wären noch viel, viel grösser, wenn die FED nicht ständig diesen Hypotheken-Schrott aufkaufen würde. Wenn die EZB so ohne Rücksicht auf Verluste, den Hypotheken-Schrott in Südeuropa aufkaufen würde, käme die EZB nie auf eine vergleichbare Grösse wie die FED. Wer den $ vorzieht, soll ruhig sich als Grosseinkäufer bei der FED melden, sie gibt dankbar Bestände ab. Übrigens die Rechtslage der Hypothekargläubiger in Spanien ist ähnlich wie in der Schweiz. Die USA hat Gülten-System und es sind bei beiden Parteien im Kongress Bestrebungen im Gange die Stärkung des Gläubigers in der Bush-Ära zurückzunehmen und die Schuldner noch mehr zu schützen als bisher.

    • Jon Caduff sagt:

      Der Artikel will uns nur sagen, dass einige gängige „Ideen“ wissenschaftlich widerlegt worden sind. Es ist ein logischer Fehler, daraus folgern zu wollen, dass eine anderslautende Theorie deshalb stimmt. Wenn ich bewiesen habe, dass das Meer nicht schwarz ist, folgt daraus nicht, dass es weiss ist. Ebenso wenig macht der Artikel eine Aussage darüber, ob „Kopf in den Sand stecken“ im vorliegenden Falle eine zielführende Strategie ist.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.