Geraten bald auch die Versicherungen ins Visier?

Künftig stehen nicht nur Schweizer Banken unter Druck: Blick auf den Paradeplatz in Zürich. (Bild: Keystone)

Künftig stehen nicht nur Schweizer Banken unter Druck: Gebäude der Swiss Re in Zürich. (Bild: Keystone)

Oft wird vergessen, dass der Finanzplatz Schweiz nicht nur aus Banken, sondern auch aus Versicherungen besteht. Das hat grosse Vorteile. Wenn es wie jetzt den Banken weniger gut geht, können die Versicherungen ausgleichend wirken, und umgekehrt.

Dass die Versicherungen weiterhin gut über die Runden kommen werden, ist jedoch alles andere als gewiss:

  • Erstens drücken die tiefen Zinsen auf das Anlageergebnis. Wenn diese Situation noch länger anhält  und davon ist nach der Ernennung Janet Yellens zur neuen Fed-Chefin auszugehen , wird es schwierig, die Schrumpfung des Bankensektors auszugleichen.
  • Zweitens werden die strengeren Regulierungsvorschriften (Swiss Solvency Test) die Erträge reduzieren. Der Gesetzgeber wollte höhere Sicherheit, aber das ist nicht gratis.
  • Drittens könnten auch die Versicherungen in das Visier der ausländischen Justiz- und Steuerbehörden geraten. Es gab vor etwa drei Jahren mehrere Presseberichte über die sogenannten Wrappers («Versicherungsmäntel»). Das sind Lebensversicherungen, bei denen auch Wertpapiere als Vermögenswerte eingebracht werden können. Mehrmals konnte man lesen, dass die Wrappers als Instrument zur Steuervermeidung genutzt werden können.

Seitdem sind nur noch wenige Presseartikel zu diesem Thema erschienen. Dass damit das Problem gelöst ist, darf man nicht annehmen. Bei den Banken war es jedenfalls nicht so, dass ein Warnschuss genügt hätte, um die ganze Branche zum Strategiewechsel zu bewegen. Die UBS kapitulierte 2009 vor den US-Behörden. Dennoch haben einige Banken und Vermögensverwalter das Geschäft mit US-Kunden, die ihr Vermögen verstecken wollten, weiter betrieben oder sogar ausgebaut.

Auch die Erfahrung der 90er-Jahre spricht dagegen, dass der Furor der US-Behörden auf den Bankensektor beschränkt bleiben wird. Auch damals ging es zunächst nur um die Schweizer Banken und die nachrichtenlosen Konten von Holocaustopfern. In der zweiten Runde aber weitete sich der Streit auf die Versicherungen aus. Vor allem die Frage, ob alle Lebensversicherungen vertragsgemäss ausgezahlt wurden, stand im Zentrum. Daraufhin waren auch die Versicherungsunternehmen gezwungen, ihre Archive systematisch zu durchkämmen und jeden einzelnen Fall zu prüfen. (Hier eine Chronologie der Auseinandersetzungen rund um die Schweiz und den Zweiten Weltkrieg.)

Als sich im August 1998 die Schweizer Grossbanken, US-Sammelkläger und jüdische Organisationen auf einen Vergleich in der Höhe von 1,25 Milliarden Dollar verständigten, waren die Versicherungen zwar nicht zu einem Beitrag verpflichtet. Aber die Sache war damit nicht erledigt. Verschiedene europäische Versicherungsunternehmen, darunter auch schweizerische, willigten in Zahlungen ein.

Der aktuelle Steuerstreit wird noch lange dauern. Die US-Behörden weiten ihn systematisch auf alle Teile des Finanzplatzes aus, und die EU-Länder schauen aufmerksam zu, um nachzustossen. Mit weiteren Überraschungen ist zu rechnen.

13 Kommentare zu «Geraten bald auch die Versicherungen ins Visier?»

  • Josef Anton sagt:

    Regierungen haben basierend auf linearer inflationärer Geldpolitik in den vergangenen Jahrzehnten Versprechungen gemacht und eine Anspruchshaltung der Bevölkerung geschürt, welche nicht erfüllbar sein werden. Langsam merken die Regierungen, dass ihnen die Mittel ausgehen und haben die Jagd auf die Reichen eröffnet.

    Die Versicherungsbranche, wie andere Bereiche der Wirtschaft, hat ihren Hebel bestimmt ebenfalls massiv erhöht in den letzten Jahren und Jahrzehnten, was nichts anderes heisst, dass zuwenig Risikokapital zur Verfügung stehen dürfte um potentielle Krisen zu meistern. Dies bedeutet selbstverständlich, dass sich die erwarteten Erträge aus Versicherungen auf dieser oder jener Ebene verringern dürften in den nächsten Jahren. Die verwendeten Risiko-Modelle beruhen auf Schön-Wetter Szenerien und dürften bei einer wirklichen Krise ebenfalls versagen.

  • Urs Lehmann sagt:

    Test

  • Matti De Grecco sagt:

    Wrapper mit Bargeldeinlagen sind keine Vehikel zur Steuervermeidung, sondern zur Steuerhinterziehung. Dass jene Institute, die diese Geschäfte forciert haben, unter Druck kommen werden, ist nur eine Frage der Zeit.

  • Holzherr Martin sagt:

    Wenn es um Angriffe auf Ressourcen geht, die über Landesgrenzen hinaus gehandelt und verschoben werden, sind kleine Länder wie die Schweiz im Konfliktfall tatsächlich im Nachteil. Das sah man im Flugstreit mit Deutschland und jetzt immer mehr im Finanzbereich.
    Bei der Verwaltung von ausländischen Vermögen beispielsweise operieren die Schweiz, Singapur, Luxemburg, Grossbritannien und gewisse US-Bundesstaaten recht ähnlich und sie kämpfen um die gleichen Kunden. Nicht selten sind die Geschäfte dieser Kunden hinterfragbar, haben beispielsweise Ziele wie die Steueroptimierung und – vermeidung. Das macht diese Geschäfte angreifbar durch die Heimatländer der Kunden. Allerdings nur dann, wenn die Macht und Bedeutung des Angreifers diejenige des Geschäftbetreibers übersteigt. Wenn der Druck anhält werden deshalb Finanzplätze mit mächtigen Staaten im Hintergrund obsiegen, also Grossbritannien und die USA.

  • Michael Gerstenberg sagt:

    Wegen krimineller Machenschaften der NSA kommt jetzt zur Abwechslung die amerikanische Administration ins Visier der Ermittler. Ein ganz neues unbekanntes Gefühl für diese Saubermänner der Administration die Position von Anklägern zu Beklagten wechseln zu müssen. Hier ist zunächst Aufklärung gefragt, da ist Gelegenheit mit gutem Beispiel voran zu gehen. Die europäischen Konzerne müssen sich gegen Bespitzelung und Lauschangriffe rüsten.

    • Sacha Meier sagt:

      Herr Gerstenberg, die NSA hat keine «kriminellen Maschenschaften» begangen. Das ist ein Geheimdienst, der genau das macht, was jeder Nachrichtendienst auf diesem Planeten macht: Aufklären (aka Spionieren). Es existiert keine völkerrechtliche Klausel, welche das verbieten würde. Das Problem dieses Dienstes bestand darin, dass er statt vereidigter Beamter eben auch private Subakkordanten beschäftigte. So genügte ein einziger Verräter, um bei zahllosen Politikern künstliche Entrüstung und bei den Völkern dieser Nationen Unverständnis auszulösen. Wie der Fall des verurteilten Gefreiten Mannings und des immer noch wegen verschiedener Verbrechen gesuchten Wikileakisten Assange zeigen, verschwindet das öffentliche Interesse an Enthüllungen nach wenigen Monaten. Das wird auch hier der Fall sein – zumal die künstlich Empörten meist NATO-Partner und Teil dieses Spionagenetzwerks sind.
      Die USA fordern von der Schweizer Finanzindustrie nichts anderes, als volle Konformität mit ihrer Steuergesetzgebung, die auf das Wohnort- und nicht das hierzulande angewendete Territorialprinzip abstützt. Mit dem FATCAt-Abkommen hat das die Schweizer Regierung auch akzeptiert. Zur Ermittlung fehlbarer Institute werden die USA selbstverständlich auch nachrichtendienstliche Methoden einsetzen. Dagegen ist die Politik, wie auch die betroffenen Institute, schlicht machtlos.

      • Michael Gerstenberg sagt:

        Herr Maier, auch ein vereidigter Beamter kann und sollte nicht gegen sein Gewissen handeln.
        Das ist auch gut so. Welche Folgen das Abtöten von Freiheit, Eigenverantwortung und Selbstbeurteilung haben kann, war Mitte des letzten Jahrhunderts in Europa leidvoll zu erfahren. Damals war Folgsamkeit oberstes Gebot und Quelle der Manipulation.
        Helden sind naturgemäss in der Minderheit und trotzdem wertvoll für die Menschheit, Herr Snowden ist so ein mutiger Held, das ist für Demokraten nicht verhandlungsfähig und auch keine Ansichtssache

    • H.Trickler sagt:

      Auch nach dem Genuss von viel Gerstensaft kann ich mir nicht vorstellen, wie die NSA drankommen könnte. Schlimmstenfalls gibt es ein Bauernopfer um die aufgebrachten Medien zu besänftigen, aber die tolle technische Infrastruktur bleibt in Funktion!

      • Michael Gerstenberg sagt:

        natürlich kommt diese Organisation nicht dran, aber der Boden auf dem dieses selbstherrliche Unkraut wachsen kann trocknet zunehmend aus. Der Begriff Terror bekommt eine neue Qualität und die Menschen beginnen darüber nachzudenken.

        • H.Trickler sagt:

          Nachdem alle westeuropäischen Geheimdienste emsig mit der NSA kollaboriert haben, wird sich leider faktisch rein gar nicht ändern. Gewisse Politiker veranstalten jetzt zur Erhaltung ihrer innenpolitischen Glaubwürdigkeit ein Entrüstungs-Theater, aber dieser Sturm im Wasserglas wird sich rasch legen.

    • Josef Anton sagt:

      @ Michael

      Der bürokratische Staat weiss nur eines, seine Macht und Kontrolle dauernd auszubauen. Es werden verschiedene Szenario angewendet um diese krebsartige Ausweitung der Regierungen zu rechtfertigen, womit wir schrittweise Richtung Planwirtschaft marschieren und wie Sie gut erkennen, die persönliche Freiheiten zugunsten vermeintlicher Sicherheit schrittweise beschnitten werden. Der Prozess ist sehr langsam um die Bevölkerung entsprechend zu konditionieren und keine wirkliche Reaktion zu provozieren. Ebenfalls werden die Menschen immer abhängiger von diesen gleichen Regierungen gemacht, indem viele ihre finanzielle Absicherung vom Staat erhalten und somit nicht mehr gut urteilsfähig sind, indem sie hauptsächlich in ihrer Befürwortung einer Regierung an ihre staatlichen Bezüge denken, welche mit auf dem Spiel stehen. Die NSA ist eine dieser Organisationen, welche die staatliche Macht und Kontrolle erweitern und klar den Geist der Amerikanischen Verfassung verletzt.

      Was nicht erkannt wird, besteht in der Tatsache, dass Regierungen selber nichts produzieren, sondern einzig verteilen können, was sie andern Menschen wegnehmen. Ebenfalls erhöht sich durch die zunehmende Bürokratie der Anteil der Bevölkerung, welche sich an den Früchten jener bereichert, welche wirkliche Dienstleistungen und Produkte produzieren, ein Umstand, welcher keine nachhaltige Entwicklung darstellt.

  • markus gerat sagt:

    tja das ist überhaupt die zig-billionen-dollar-frage: „sind die meisten finanzdienstleistungen neben den sparbuch und häuslekredit kriminell?“ und vermutlich wird die antwort in 10 jahren „ja“ lauten, aber alles verjährt sein und kaum jemand der verursacher zur rechenschaft gezogen sein. und es wird kein versehen oder politische naivität sein, sondern politisch gewollt. denn sonst hätten die ganzen regierungen schon weit mehr gemacht als bisher.

    • ueli der knecht sagt:

      @markus gerat
      Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Der Autor macht sich Sorgen um die zukünftige Ertragssituation unserer lieben Versicherungsbranche. Und Sie wollen den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts wie einen Tante Emma Laden führen (Sparbuch und Häuslekredit sind noch erlaubt!). Das sind wohl die zwei Hauptparteien, welche sich heute im Klassenkampf (den beide Seiten nicht so nennen wollen), gegenüberstehen. Der Investor, welcher sich per definitionem nur um seinen Profit sorgt und der gewöhnliche Konsument, der das System so „reparieren“ will, dass er es wieder „verstehen kann“. Könnte es sein, – dass beide auf dem Holzweg sind?

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