War die Schweiz schon vor hundert Jahren das reichste Land der Welt?

Auch früher gab es in der Schweiz Wohlstand: Frauen beim Golfspiel im Engadin, um 1904. (Foto: Keystone)

Auch früher gab es in der Schweiz Wohlstand: Frauen beim Golfspiel im Engadin, um 1904. (Foto: Keystone)

Sie ist von der Wissenschaft schon hundert Mal widerlegt worden, dennoch hält sich die Meinung, dass die Schweiz vor hundert Jahren ein armes Land war. Als Beleg wird die Auswanderung genannt. Noch in den 1930er-Jahren seien viele Schweizerinnen und Schweizer dazu gezwungen gewesen, das Land zu verlassen. Wenn die Schweiz damals schon reich gewesen wäre, hätte es diese Auswanderung nicht gegeben.

Das Argument ist schwach. Auch heute verlassen viele Leute die Schweiz, dennoch würde niemand behaupten, die Schweiz sei ein armes Land. Und man sollte konjunkturelle Indikatoren nicht mit dem Wohlstandsniveau vermischen. In den 1930er-Jahren nahm die Auswanderung wegen der langen Wirtschaftskrise zu, nicht weil das Land immer noch arm war.

Neue Daten, die im Buch Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert erstmals publiziert wurden, weisen sogar darauf hin, dass die Schweiz bereits vor hundert Jahren besonders reich war. Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Schweiz 1913 bereits wohlhabend war, aber nicht an der Spitze lag. Grossbritannien und seine ehemaligen Kolonialgebiete (Australien, Neuseeland, Kanada, USA) hatten alle ein höheres Pro-Kopf-Einkommen.

Die Zahlen sind vom Wirtschaftshistoriker Angus Maddison umgerechnet worden in US-Dollars von 1990.

United States 5’301
Australia 5’157
New Zealand 5’152
United Kingdom 4’921
Canada 4’447
Switzerland 4’266
Belgium 4’220
Netherlands 4’049
Denmark 3’912
Germany 3’648
France 3’485

 

Die neuen Berechnungen zeigen ein anderes Bild. Demnach wäre die Schweiz 1913 mit klarem Abstand das reichste Land der Welt gewesen, noch vor den USA:

Switzerland 7‘093
USA 5‘301
New Zealand 5‘251
Australia 5‘157
UK 4‘921
Canada 4‘447
Belgium 4‘220
Netherlands 4‘049
Denmark 3‘912
Germany 3‘648
France 3‘485

 

Darüber, ob diese Zahlen präziser sind als die alten Schätzungen, lässt sich trefflich streiten. Aber eines machen sie klar: Wenn Anpassungsbedarf besteht, dann nach oben. Die Meinung, dass die Schweiz vor hundert Jahren ein armes Land war, wird damit noch unrealistischer.

 

96 Kommentare zu «War die Schweiz schon vor hundert Jahren das reichste Land der Welt?»

  • > Rolf Zach > Den GS-Chef von 1920-23 Emil Solnderegger als Nazi zu titulieren, allwo dieser überraschend bereits 1934 verstarb, ist schon etwas vorwitzig. // Betr. Kaufkraft bis zum 1. WK bleibe man konkret; a) Naturalwirtschaft (Landwirtschaftlicher Eigenanbau) war noch weit verbreitet > Bargeld war knapp, daher nicht so in Gebrauch, wurde doch die Nationalbank erst 1907 gegründet. Karte/Brief Inlandversand kostet 5-10 Rp., also 10-bis-20 mal weniger als heute. Solche klaren Aussagen will man lesen. Es galt die > Lateinische Münzunion < von 1865 bis 1926. Die Familien hatten auch durchschnittlich viel mehr Kinder als heute, 5 statt 1,4, durchschnittliche Lebensdauer 45 J. statt heutigen 80/85, die obligatorische Schulzeit endete mit Alter 14, die (Büro)Arbeitstage lange 10-11 Std.in 5,5 bis 6 Tagewoche, Samstag bis 17 h . Die sozial echten Verbesserungen (48Std-Woche, ALV, AHV, Rentenversicherung) kamen erst nach dem 1. WK bis 1948. // Nach 1945 war Erwerbslosigkeit nahezu verschwunden, besagte Versicherung musste um 1970 erst wieder obligatorisch eingeführt werden. Die Jahre der "Belle Epoque" ab 1900 waren Hoffnungsjahre, jäh gestoppt durch den allerseits als kurze 5 monatige Abreibe geplante Feldzug 1914,, den niemand dann abbrach, zu gross war der gegenseitige Hass. Im 1.WK litt die Schweiz schwere materielle Not und im 2. WK moralische. Die materiell-moralisch besten Jahre waren von 1953-63 (dem Jahr der wirtschaftlichen Ueberhitzung). Danach allgemeine Abflachung bis heute.

  • Baltensperger sagt:

    Der arbeitenden Bevölkerung ging es in der Schweiz vor allem während der Industrialisierung (ab Anfang 19. Jh.) sehr schlecht, da es noch keine Sozialgesetze gab und Arbeitnehmer der Profitgier und Willkür des Arbeitgebers ausgesetzt waren. Deswegen wurde die Schweiz zum Auswanderungsland.
    Ab 1890 entstanden die ersten Sozialgesetzgebungen. Ebenfalls hatte die Kirche für Linderung des Leids gesorgt und viele Genossenschaften wie die Migros sind während der Indistrialisierung entstanden.
    Nach Beendigung der Umstellung auf Maschinen erlebte die Schweiz einen Aufschwung, welcher anhielt und durch die beiden Weltkriege massiv verstärkt wurde. Die „goldenen Jahre“ waren dann wohl die 60er und 70er mit absoluter Vollbeschäftigung.

  • Zlatko Jukic sagt:

    Interessandt dürfte auch der Artikel „1863 war die Schweiz sehr arm“ sein (NZZ, 24.10.). Darin beschreibt ein britischer Autor, dass die Schweizer so viel verdienten, wie ein Frühstück im Hotel für die englischen Touristen gekostet hat. Es gab viele bettelnde Kinder, die Schweizer ritten auf Eseln, und ausserhalb der grossen Städte konnte kaum jemand lesen und schreiben.

    England dagegen war das reichste und technisch führende Land Europas mit unbegrenztem Zugriff auf die Rohstoffe der Kolonien, und einem weltumspannenden Absatzmarkt.

    Was schliessen wir daraus? Entweder hat sich die Schweiz 1863-1913 aus dem Stand wie eine Rakete entwickelt, oder die Zahl von 7.093 Dollar ist ein statistischer Zaubertrick. Am wahrscheinlichsten ist die zweite Lösung.

  • Gilbert Hottinger sagt:

    @ Hr. Straumannn, schon Mr. Churchill sagte, mit Statistik lässt sich alles fälschen. Meine Grossmutter war auch eine Engadinerin, eine herzensgute, sehr liebe Frau, jedoch arme Kleinbauerin, die ihr Leben lang hart & fleissig arbeitete wie damals die meisten Schweizer/Innen. Die Golf spielende Lady ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Touristin aus England/USA/Kanada. Bis in die 50-er Jahre nach dem Krieg gab es i.d. meisten Bauernhöfen keine heutigen Bäder, man waschte sich ganz einfach i.d. Scheune in einem Zuber. Von wegen Wohlstand, gar reichstes Land damals der Erde, ab wann gab es denn eine AHV, eine IV, eine PK ? AHV/IV wurde erst nach dem II. Weltkrieg eingeführt, eine PK hatte ich 1967 bei einer Staatsstelle geniessen dürfen, obligatorisch wurde die PK erst i.d. 70/80 Jahren kantonal eingeführt. Mein Vater hat als Bauernsohn & Arbeiter 7 Kinder grossgezogen, die Heute alle eigenständig im Leben stehen. Er hat dafür nie einen Fr. Sozialhilfe angenommen – wie jetzt sehr viele Wirtschaftsflüchtliche schamlos an die „Futtertröge sozialer CH-Netzwerke drängen – sondern er hat uns gelehrt dass nur mit harter Arbeit „Brot & Getränk“ auf den Tisch kommen. In den Schulferien nichts mit Ferien am Meer, auf dem Bauernhof des Onkels arbeiten, wo ich dankbar sehr viel über die Schöpfung, die Tiere & Menschen gelernt habe. Diese Strenge aus Liebe lies mich später erfolgreich ein eigenes Geschäft aufbauen mit 5 Angestellten, denn nur wer sät, kann auch ernten.

  • Müller René sagt:

    Ob Reich oder Arm. Jede Statistik ist meist eine „Lüge.“ Es ist immer eine Frage der Betrachtungsweise. Vor Historikern habe ich meist ein Grauen. Sie beurteilen oft Dinge sehr einseitig. Nun zu den pro Kopf Einkommen. Was ist Durchschnitt? Mein Chef und ich haben zusammen sehr, sehr viel Geld. Nur ob der Durchschnitt stimmt? Mein Vater verdiente als Depotchef, 1947 sehr viel mit Fr. 480.- + Dienstwohnung. Nach meiner Lehre in den sechziger Jahren war mein „hoher“ Monatslohn Fr. 620.- Wie kommt ein Historiker demnach für die Jahre um 1913 auf fast Fr. 600.-????

  • Fakten ohne Kontext sind oft ebenso irreführend, wie falsche „Fakten“ (a.k.a. „Lügen“), weil dann jeder hinein interpretieren kann, was er möchte, oder was ihm seine Ideologie einimpft. Wer die eindimensionale Sicht der Ökonomen zum Massstab nimmt, dem reicht es, festzustellen, dass die Schweiz schon immer das reichste Land der Welt war. Wer etwas weiter denkt, fragt sich, wie der Reichtum verteilt war. Die Eindimensionalen müssen dann aber erklären können, wieso es einmal möglich war, dass in jedem einzelnen Tramwagen ein Trämler war, der Billets verkauft hatte (und damit seinen kleinbürgerlichen Wohlstand bezahlen konnte), aber heute, wo wir zehnmal so „reich“ sind, es uns nicht mal mehr leisten können, Dorfstrassen zu reparieren oder Musikklassen an den Primarschulen zu führen.

    Da kommt eben der Unterschied zwischen „hinreichend“ und „notwendig“ ins Spiel: es mag „notwendig“ sein, ein liberales Wirtschaftsmodell zu haben, um Wohlstand zu erlangen. Aber es scheint nicht „hinreichend“ für einen allgemeinen Wohlstand zu sein, denn offenbar haben erst die „sozialistischen“ Umverteilungs-Massnahmen dazu geführt, dass ein Mittelstand entstehen konnte, der letztendlich dafür steht, was die meisten unter „Wohlstand“ verstehen (Wohlstand=Mittelstand). Daher mutet es seltsam an, dass es ausgerechnet Liberale sind, die alles daran setzen, den Zustand allgemeinen Wohlstands zu beenden und zu einem Neofeudalismus der industriellen Ära zurückzukehren.

  • A. Berger sagt:

    Diese Statistiken sind wertlos, so lange die gauss’schen Extreme darin enthalten sind. Die ärmsten 2,5% und die reichsten 2,5%. „Die Schweiz“ als Marke leidet unter solcher Verallgemeinerung und verliert vor allem an Glaubwürdigkeit.

  • Linden sagt:

    Die Bezeichnung arm und reich ist problematisch, vor allem vor der Entwicklung des Mittelstandes. Erste Industrialisierung im 18/19. Jh. hat zwar zu mehr Einnahmen durchschnittlich pro Kopf geführt aber auch zu mehr Armut. Eine bessere Verteilung dieser Einkommen trat erst mit der Entwicklung eines Mittelstandes ein, und entsprechenden Sozialgesetzen für Arbeitnehmer Mitte des 20 Jhs. Die Wirtschaftskrise 1929 und den 30ern traf dann städtische Industriegebiete wie Basel relativ stark. Für eine arme Schweiz im Durchschnitt muss man weiter zurückgehen. Das Spätmittelalter war eine Zeit grosser Armut in der CH, welches von den Reisläufern und anderen verdingbaren Arbeitskräften geprägt wurde. Das hatte auch mit Erbrechten zu tun, als die Verteilung von Äckern mit der Zeit schwierig wurde. Da wurde schon früh der Mangel an bebaubarem Land recht akut.

  • Georg Stamm sagt:

    Was arm heisst ist relativ. Neben einem Verhungernden ist einer mit einem Stück Brot „reich“. Mein Grossvater müttelicherseits war von etwa 1925-1955 Weber im Zürcher Oberland. Er arbeitete 6 Tage die Woche, wenn er einen Webfehler machte, so wurde ihm der Schaden vom Lohn abgezogen. Meine Mutter lief bis in den November als Kind barfuss umher, da es nicht für Schuhe reichte. Ebenso ihre 4 Geschwister. Das war die Realität für hunderttausende von Schweizern zu der Zeit, nicht das Golfen im Engadin !

    • Roland Heinzer sagt:

      Genau so war es, die Mehrheit hatte kein Geld und gerade genug zu essen. Meine Grossmutter war verwitwet (und Katholisch) alleinerziehend mit 2 Buben, sie „durfte“ 2 Tage pro Woche beim protestantischen Pfarrer von morgens früh bis abends spät in der Waschküche stehen und mit dem Kupferkessel, dem Waschbrett und mit Kohlegletteisen die Wäsche für die Grossfamilie machen. Dazu noch für den Herrn Regierungsrat putzen und waschen. Und alles für einen Hungerlohn – und sie war dankbar dafür und respektierte die hohen Herren mit ihren Damen.
      Zum Glück konnte mein Vater eine Lehre machen, musste aber den kargen Lehrlingslohn abgeben, damit die Familie über die Runden kam. Auch bei den Bauern wurde auf den Feldern mitgearbeitet.
      Später im Jahre 1944 betrug der Lohn meines Vaters gerade mal 200 Franken – im Monat!
      Wo ich aufwuchs, da waren wir nicht die Ärmsten. Später zahlten mein Vater und mein Onkel zusätzlich an das Pflegeheim, wo meine Grossmutter wegen „Arterienverkalkung!“ eingeliefert werden musste.
      Wer da von einer reichen Schweiz schwafelt, der lebt in einer anderen Welt und hat vom richtigen Leben des Volkes in der Schweiz keine Ahnung – kommt noch der Aktivdienst dazu, der grosse Opfer forderte.

  • ast sagt:

    „dass die Schweiz nur wegen Schwarzgeld reich geworden ist“. Da muss er sich irren Herr Bühler. Aus meiner Sicht bildete die Industrialisierung zusammen mit der damals modernen Bundesverfassung die Grundlage für die Entwicklung, sowie das Kreditwesen an die Industrie. Das Schwarzgeld war infolge deren Deklaration weniger bedeutsam für die allgemeine Entwicklung der Schweiz als von Ermotti angenommen. Die CS Group schrieb einst auf ihrer Webseite (das war vor der Finanzkrise) den Wohlstand anderen Ursache zu. Es wurde die direkte Demokratie erwähnt, das damals noch gute Sozialsystem und die Rechtssicherheit für hier ansässige Konzerne. Das Schwarzgeld ist deshalb kaum von Bedeutung, weil es eben nicht korrekt deklariert wurde. Die Gewinne aus diesen Anlagen flossen deshalb wohl kaum zum Steuerzahler, jedenfalls nicht in jenen Mengen die dem tatsächlichen Anlagevermögen entsprach. Wenn jemand Reich davon wurde, dann einige Banker und elitäre Investoren, die wohl ihrerseits wiederum die Steuerbehörden austricksten..

  • Lino Viola sagt:

    Für alle, die es immer noch nicht wissen oder es einfach nicht wahr haben wollen: „Die Schweiz wurde während und nach dem 2. Weltkrieg reich.“ – Weshalb? – Woher nur stammt das viele Gold? – Eigene Bodenschätze? Aus den Alpen???

    • @Lino Viola
      a) In den Alpen wurde sehr viel Silber abgebaut. Zummindesten das Alte Bern baute so seinen Staatsschatz auf.
      b) Welches Gold im zweiten Weltkrieg meinen Sie? Sie wissen schon, dass das mit dem Judengold und der Schweiz eine amerikanische Propagandalüge im Wirtschaftskrieg der 90er Jahre war?
      c) Das Gold der Nationalbank war in US-amerikanischen Depots und dort im Arrest. Wir hatten keinen Zugriff.

  • Armin Bühler sagt:

    Merkwürdig. Die Schweiz war also schon reich, lange bevor es das Bankgeheimnis gegeben hat.
    Wieso sagt denn der UBS-Chef Sergio Ermotti, dass die Schweiz nur wegen Schwarzgeld reich geworden ist?
    Oder ist es für eine Grossbank normal das Nest zu beschmutzen, welches ihr erst vor kurzem das Überleben gesichert hat?

  • ast sagt:

    Der Artikel ist für NMTM ungewöhnlich kurz. Nach Durchsicht historischer Zeitungsberichte muss man allerdings nicht unbedingt an den durchschnittlichen Pro Kopf -Zahlen zweifeln, jedoch an der Bewertung der Aussagen. Dass „die Schweiz“ schon eine lange Zeit ein reiches Land war, das steht zwar fest, aber die Einkommens -und Vermögensverteilung war vor über hundert Jahren fast Weltweit dramatisch. Sie war so dramatisch, dass zwei Weltkriege daraus entstanden. Dank den genauen Aufzeichnungen eines Vereins den ich kenne, und der bereits seit 1900 existiert erhalte ich ein besseres Bild was wirklich Sache war. Der Wohlstand war damals gegenüber heute noch viel schlechter verteilt, und Dinge die man heute für wenige Franken kaufen konnte, kosteten damals ein Vermögen, so etwa Kleider und Möbel. Zusammengefasst, die Aufrechnung des Frankenkurses zu heute muss extrem komplex sein, wenn nicht unmöglich. Der Gini -Koeffizient fehlt in den Angaben, was aus meiner Sicht wichtig wäre um nachzusehen, ob die Zahlen auch für die Mittelschicht und die damalige Arbeiter Klasse zutreffend waren, oder ob Arbeiter zum Beispiel in England über einen höheren Wohlstand verfügten.

    Gemäss den Aufzeichnungen des Vereins, waren die untere Bevölkerungsschicht sehr arm, aber es wurde trotzdem gelegentlich für noch ärmere Menschen in unseren Nachbarländern Geld gesammelt, vor allem während der Kriege. Die Reichen besassen damals fast Alles, bis die Sozialsysteme für Besserung sorgten.

    • @ast
      Schreiben Sie doch bitte wie der Verein heisst und ob es im Buchhandel etwas zu kaufen gibt, was aus dessen Aufzeichnungen stammt.

      Ich bin interessiert.

      • ast sagt:

        Herr Brechbühl, der Verein (es ist ein Frauenchor im Kanton Glarus), der hat seine detaillierten Unterlagen leider nicht als käufliches Buch publiziert. Ich habe die Unterlagen nur durchgearbeitet und dann die Ereignisse (stark zusammengefasst) in deren Webseite publiziert. Ich habe in der Chronik der Webseite nur eingetragen was mir für deren Musikgeschichte von Bedeutung erschien:

        (Den Link scheint das System hier nicht zu akzeptieren, Sie müssten eine Suchmaschine benutzen um nach der Homepage des Frauenchor Linthal zu suchen, dort unter Chronik. Mein Kommentar wurde mir bereits mehrfach gekanzelt.)

        Aber bezogen auf die hier aufgeführten Thematik müsste ich das Material nochmals vollständig neu durcharbeiten. Hier würde ich meinen wäre es interessant die Aufzeichungen auch auf andere Vereine in der Region auszudehen. Das wäre eine interessante Arbeit für einen Wissenschaftler. Für mich als Systemanalytiker der Informatik fehlt dazu sowohl Zeit als auch die entsprechende Ausbildung.

        • H.Trickeler sagt:

          Ihre Chronik im Internet gibt für das Thema leider nicht viel her. Alte Vereinsunterlagen können aber doch interessante Einblicke geben. Haben Sie überlegt dieses Material einfach zu scannen und so Online zu stellen, das wäre weniger Aufwand und vlt. interessiert sich dann ein Historiker dafür!

  • Taric Trent sagt:

    Ob die Schweiz reich ist oder nicht, betrifft armen wie reichen Schweizer nicht.

  • H.Trickler sagt:

    Dass in der neuen Schätzung nur gerade die Schweiz so extrem viel besser dasteht und die anderen Länder gleich blieben, lässt mich ernsthaft an den neuen Zahlen zweifeln!

    Aber auch die ‚alten‘ Zahlen sind sehr viel besser als ich je gedacht hätte, sind doch die Faktoren CH/USA sowie D/CH jeweils etwa 80%. M.a.W. die Schweiz war im Mittelfeld, und auch den Deutschen ging es damals offenbar sehr viel besser als nach WWW2.

    Dass aber der durchschnittliche schweizerische Fabrikarbeiter damals (wie ein Kommentator beschreibt) ein Häuschen bauen konnte, wage ich zu bezweifeln. Man müsste sehr viel mehr über die damalige Einkommensverteilung wissen um zu beurteilen, inwieweit Verhältnisse wie in „Oliver Twist“ oder Zolas „Germinal“ beschrieben auch in der damaligen Schweiz verbreitet waren?

  • Peter Steiner sagt:

    Kurz: Löhne != Kaufkraft.

  • Manfred Grieshaber sagt:

    Solche Statistiken sind mit Vorsicht zu betrachten. Der grösste Fehler ist das man frühere Zustände mit aktuellen gesellschaftlichen Normen bewertet. Damit unterstellt man unseren Vorfahren Motive die damals keine grosse Rolle spielten. Eine 1:12 – Initiative wäre 1913 undenkbar gewesen. Man muss auch berücksichtigen das damals die Einkommensunterschiede innerhalb der Angestellten und Arbeiter viel grösser waren als heute. Einer sehr kleinen Gruppe gut ausgebildeter Ingenieure und anderer Fachkräfte stand eine sehr grosse Gruppe an Arbeitskräften ohne Ausbildung gegenüber. Damals herrschte auch das Prinzip der Ein-Ernährer-Familie weil Frauen generell der Zugang zu höherer Bildung verweigert wurde. Auch wirken sich die früher mangelhaften Arbeitsschutzbestimmungen aus denn sie verkürzten die Lebensarbeitszeit. Dann nützte ein relativ hohes Einkommen nichts wenn man mit 50 arbeitsunfähig oder tot war. Als letzten Aspekt nenne ich die hohe Geburtenrate. Viele Kinder waren früher ein grösseres Armutsrisiko als heute und sie reduzierte die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen. Zum Schluss muss man berücksichtigen dass früher die Sozialstandards zwischen den aufgeführten Industriestaaten noch viel unterschiedlicher waren als heute, z.B. die allgemeine Rentenversicherung, in D ab 1890, in CH ab 1948.

  • Michael Widmer sagt:

    Dieser falsche Glaube, dass die Schweiz vor 100 Jahren arm gewesen sein, hängt mit den falschen Vorstellungen über Migration und deren Ursachen zusammen. Der Topos ist ja, dass nur arme Menschen und Menschen in Not migrieren. Das ist nachweislich falsch. Das war auch schon vor 100 Jahren nicht so. Migriert sind Menschen, die sich einen persönlichen Vorteil davon versprachen, sei das nun wirtschaftlich oder in sicher geringerer Anzahl politisch oder religiös. Wenn Menschen nun aber bereits genug zum leben haben, kann allein die Aussicht, durch eine Migration noch mehr zu gewinnen, Motivation genug sein. Wenn ich zur Mittelschicht gehöre, kann allein der Wunsch wirklich reich zu werden und zur Oberschicht zu gehören die Menschen in Massen zur Migration bewegen.

    • Urs Heinimann sagt:

      Gehen sie mal 50 Jahre weiter zurück, mitte des 19. Jh. In vielen ländlichen Gemeinden finden sie Unterlagen die belegen, dass wegen Armut und Hungersnot Junge auswandern mussten, hauptsächlich nach Amerika (Nord und Süd).
      Die Gemeinden förderten oder erzwangen die Auswanderung, indem sie die Überfahrt nicht nur Einzelner sondern auch von Gruppen von Jugendlichen finanzierten. Retourbillette gab es nicht. In dieser Zeit hatten wir eine Auswanderungswelle von armen Menschen und Menschen in Not. Mit der einsetzenden Industrialisierung und dank eines fortschrittlichen Bildungswesens (ua Einfluss von Pestalozzi) besserte sich die Lage rasch und um 1900 dürften Motive wie Sprachen lernen (wichtig für den einsetzendenTourismus) und Horizonterweiterung die wichtigsten Auswanderungsgründe gewesen sein.

  • Rolf Raess sagt:

    Einer meiner Onkel musste um 1920 die Schweiz verlassen… aber nicht weil die Familie arm war. Es waren die Religioten aus Appenzell die in zwangen nach USA zu flüchten, denn er wollte ein Mädchen aus Ausserrhoden heiraten und die waren nicht katholisch. Ich habe seine Familie in Wisconsin, in meiner Jugend, besucht und genug erfahren über religiöse Hetzer damals! (Man würde sie heute Schweizer Taliban nennen…).

    • ralph kocher sagt:

      Leider wirkt dieser Hass-Greuel-Geist heuer noch nach. Obwohl dem liberalen Anarchismus huldigend (der bezahlt die ja), nötigen Nationalismen dem Freidenker Strukturen auf. Ein Freidenker bliebe quasi Gandhi vergleichbar; dieser keine Ideologie bevorzugen wollte. Auch nicht die Sozialistische. Nur um des Friedens willen gab er Muslimen Raum. ES scheint, dass Indien bereits hinter sich, was die Schweiz noch vor sich: Entschärfung des Bollwerks relideologische Flagge. Dann erst scheints, kann von Wiedergenesung gesprochen werden. Momentan kann die Schweiz im Geiste nur noch ärmer werden. Der Reichtum ist höchst subtil. Amerikanisiert. Solange Geldpressen schmieren…

  • Eyer Angelina sagt:

    Nun, das Tessin und die Bergkantone waren vor 100 Jharen sicher nicht reich.

    • Frank Wiggert sagt:

      In meiner Familie in der Schweiz war niemand reich, dies im Unterschied zu den Verwandten, die nach Frankreich, Argentinien und den USA ausgewandert waren. Aus dem Ausland wanderte auch niemand in die Schweiz ein. Wir waren sicher die Ausnahme, welche die Statistik nicht kennt, damals in Neuenburg, Biel und Solothurn. Für meinen Vater (Jahrgang 1922) waren wir das Armenhaus von Europa und deshalb wanderte auch ein grosser Teil unserer Vorfahren zwischen 1910 und 1933 in die USA und nach Argentinien aus. Mein Vater entschied deshalb Instruktionsoffizier zu werden nach seinem Aktivdienst.

  • Albert Baer sagt:

    Die Schweiz war zusammen mit England an der Spitze der Industrialisierung.

    • ast sagt:

      Die Industrialisierung und die Entwicklung des Finanzsystems gingen Hand in Hand. Die Schweizer Eliten waren schon früh an der Globalisierung beteiligt, bis hin zum Sklavenhandel. Heute spielt für den Wohlstand der Schweiz auch die „to big to fail“ Problematik von Grossbanken eine grosse Rolle. So etwa bezahlten die Irländischen Steuerzahler infolge der Finanzkrise unter Aufnahme von 60 Milliarden Schulden eine grosse Menge Geld an Institute wie die CS Group. Da bis zur Insolvenz in Zypern die EZB stets dafür sorgte dass alle die unzähligen Fehlinvestitionen der Banken vom Steuerzahler finanziert werden, ergab sich in den letzten Jahren für die Schweiz ein entscheidender Vorteil. So kam es in der Schweiz dazu, dass die faulen Papiere von UBS und CS Group plötzlich wieder Geld einbrachten, was sogar zum Gewisnnsaldo für die Schweizer Steuerzahler führte. Im Moment allerdings wird über die Fehlinvestitionen in Spanien, Frankreich und Italien in der EU verhandelt, hier könnte sich das Blatt für die Schweiz vielleicht noch wenden.

  • Max Bader sagt:

    Wenn hier viele schreiben, es könne gar nicht wahr sein oder das zeige nur das Durchschnittseinkommen und nicht den Median, dem solle gesagt sein, dass es natürlich Armut gab vor 100 Jahren, aber ihr müsst die Situation immer mit dem Ausland vergleichen, um beurteilen zu können, wie stark die Armut war. Ein Bauer war eben auch im Ausland sehr arm. Ein Schweizer damals wanderte nicht aus, weil er arm war, sondern er musste beträchtliche Wohlstandsgewinne erwarten, sonst hätte er das nicht getan.

    • Ronnie König sagt:

      Gell, wie die Kaminfegerkinder aus der Schweiz in Mailand, oder die Fischerkinder in Basel, die nebenbei noch Heimarbeit verrichteten, die Kindertransporteure mit ihren Jurten, wo aus den Tälern (Dörfer wie kleinen Städten) die Babys nach Mailand zu kinderlosen Paaren brachten. Umgekehrt hörte ich noch nichts. Aber in einem gehe ich einig mit ihnen, dass die Armen damals richtig arm waren und viele immer wieder auf Wanderschaft. In ganz Europa. Man war sehr mobil.

      • Rolf Zach sagt:

        Herr König, sie haben natürlich zu 100% recht, denken wir nur an die Erzählung „Svizzero“ und die Jugendbücher über
        Tessiner Kaminfeger-Buben, die wir gelesen haben. Anderseits weiss ich aus Erzählungen meiner Verwandten wie
        Berner Oberländer als Ober-Schweizer nach Russland auswanderten und dort ihre Kenntnisse der Viehzucht sehr geschätzt war und gut bezahlt wurde. Viele dieser erfolgreichen Auswanderer sind durch die Revolution in die Schweiz zurück-gekommen und wurden hier nie mehr glücklich. Übrigens vermisse ich in der Aufzählung von Maddison Argentinien,
        1913 das erfolgreichste Export-Agrarland der Welt. Um 1850 bis 1890 Einwanderland für unsere arme Bergbevölkerung,
        später auch für Berufsleute, die vorwärtskommen wollte gemäss dem Buch „Hans und Fritz in Argentinien“.

  • Wie sähen dieselben Zahlen aus für die Zeit vor 130 Jahren, vor 150, vor 200?

    Im 19. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft schnell modernisiert: Kartoffeln, Stallhaltung der Tiere, Bewirtschaftung von Gülle und Kuhmist als Dünger. Das Forstgesetz wurde eingeführt. Ab Anfang 20. Jahrhundert wurde in Krisengebieten wie z.B. dem Entlebuch grossflächig aufgeforstet, um Naturkatastrophen wie Murgängen und Überschwemmungen Herr zu werden.

    Mit den Korrektionen der Linth und der Juragwässer wurden Krankheitsherde ausgerottet und fruchtbare Landwirtschaftsflächen gewonnen.

    Die Industrialisierung setzte Mitte 19. Jahrhundert ein, wobei nicht vor allem in Fabriken gearbeitet wurde, sondern zuhause bei Leuten, die immer noch Vieh- und Ackerbau als Nebenerwerb betrieben. Kommissionäre stellten Werkzeug, Rohmaterial zur Verfügung und organisierten Arbeitsabläufe und Vermarktung. So waren auch die Industriearbeiter diversifiziert und weniger abhängig von Konjunkturschwankungen.

    Schon um die Jahrhundertwende wurden modernste Kraftwerke gebaut, die noch heute in Betrieb sind.

    Was hier für das erste Drittel des 20. Jahrhunderts beschrieben wird, sind die Früchte vorausschauenden Denkens unserer Vorväter zu Zeiten der Gründung der Eidgenossenschaft.

    • Und richtig, es waren Vorväter, MÄNNER, die das in Gang brachten. Dies nur so meine Randbemerkung zum aktuellen femi-murxistischen DRS-Skandälchen.

    • Manfred Grieshaber sagt:

      Die Schweiz hat die eigene Industrie und Landwirtschaft sehr lange durch protektionistische Massnahmen vor ausländischer Konkurrenz geschützt. So konnte sich hier die Textil-Heimarbeit halten. Vielleicht hatte man damals die Krise der schlesischen Weber vor Augen die innert kürzester Zeit durch den Import maschinell produzierter Massenware aus England ruiniert wurden was zu heftigen Aufständen führte. Ein weiteres warnendes Beispiel war die „lange Depression“ 1873 – 1879. Damals waren in Wien Banken zusammengebrochen wegen ihres Kreditengagements in die ungarische Landwirtschaft. Ungarn war Europas grösster Getreidelieferant. 1873 hatten sich die USA vom Bürgerkrieg erholt und gleichzeitig als erstes Land der Welt die Landwirtschaft mechanisiert. Damit überschwemmten die USA den europäischen Getreidemarkt was die gesamte Agrarwirtschaft in Ungarn ruinierte.
      Der Paradigmenwechsel erfolgte zwischen 1960 und 1970. 1955 war es für Jugendliche das Grösste eine Jeans zu besitzen. Die wurde in Ehren gehalten und gepflegt. Heute ist dieses Textil ein Wegwerfartikel der spätestens nach 1 Jahr ausgetauscht wird.
      Die schöne neue Welt des Marketings veränderte ab 1970 das Kaufverhalten und damit auch die Alltagskultur. Die eigene Industrie konnte den Konsumbedarf nicht mehr befriedigen also musste der Binnenmarkt geöffnet werden.

    • Korrektur: Ich habe es anders sagen wollen nicht „Gründung der Eidgenossenschaft“ sondern die Zeiten der Gründung des modernen Bundesstaates gemeint, eben seit 1848.

  • loulou55 sagt:

    Ich habe gem. neuesten Zahlen in Vermögen von einer halben „Kiste“ bloss mein Konto weiss von nichts. Was nützt mir wenn die CH reich war und ist, wenn der Lohn trotzdem nicht zum Leben reicht.
    Ich bin nicht die „Schweiz“ nur Schweizer, frisch arbeitslos mit 58 und darum drauf und dran auszuwandern, dahin wo ich mit 1000 Stutz mtl. angenehm (aber ohne Luxus) leben kann. Somit zähle ich wohl zu den Wirtschaftsflüchtlingen wenn auch in anderer Richtung und ohne wem auf der Tasche zu liegen.
    Aber allemal besser als mich nochmals auf dem Arbeitsmarkt zu prostituieren oder beim RAV/SA zu betteln.

  • Roland Steiner sagt:

    Statistiken sind ja so schön. Was interessiert mich das Durchschnitseinkommen. Ich weiss wie meine Familie noch vor 70 Jahren gelebt hat. Und ich weiss auch, wann der Aufschwung für die unteren Einkommen gekommen ist und wie sich dieser über die Jahre entwickelt hat. Dies zeigt mir auch, wie meine Schweiz aussehen sollte. Sicher nicht so wie aktuell.

    • Ronnie König sagt:

      Erst nach dem 2.WK kamen die breiten Massen zu echtem Wohlstand. Dies ist belegt und wurde vor wenigen Wochen in einer CH-Zeitung geschrieben im Wirtschaftsteil. Weiss nicht mehr welche.

  • Romeo sagt:

    wie sah es denn vor 150 jahren aus? dass es der Schweiz bereits 1913 gut ging lässt sich an der wirtschaftsgeschichte nachvollziehen.

  • Ronnie König sagt:

    Es ist halt immer so eine Sache mit dem Durchschnitt! Im Detail ist das Bild massiv anders. Wenige Familien waren sehr reich, aber das Gros der Klein- und Bergbauern bis fast 1960 ärmlich oder tatsächlich arm. Im ersten Weltkrieg verarmten grosse Kreise! Sonst wäre der Generalstreik nicht als Bedrohung empfunden worden. Vor 150 Jahren anfangs Sommer keine Schwabenkinder unterwegs gewesen. Heimposamenter wohl eher eine Randerscheinung gewesen. Der Rucksackbauer eher eine komische Anekdote. Es gab Städte die hatten zwar verglichen mit heute nicht mehr und auch nicht weniger Bedürftige, aber es herrschte damals bei diesen Familien öfters echter Hunger! Krankheiten mussten erduldet werden, da keine KK oder Geld für Behandlung. In diesen Kreisen wurde man selten über 50.

    • Roman Günter sagt:

      Das liesse sich über alle Länder in Europa sagen, Herr König. Die Zeiten waren einfach anders. Die soziale Absicherung steckte noch in den Kinderschuhen. Die Initianten waren Industrieunternehmer, Gilden und Zünfte (nicht etwa linke Politiker) und daher dauerte es für die bäuerliche Landbevölkerung etwas länger, bis der Fortschritt auch bei ihnen eintraf.

      • Ronnie König sagt:

        Ja, Herr Günter, ich weiss, aber man muss auch sehen, dass vor hundert Jahren die Land und Bergbevölkerung immer noch in der Mehrheit waren und wer schon in der Industrie war, auch nicht auf Rosengebettet war. Dass die Obrigkeit und Reiche schon sehr früh für Bedürftige schaute, das ist belegt seit dem 13.Jahrhundert!!! Damals gab es noch keine Linke. Stimmt. Aber es gab die mit einem Herz, etwas Menschlichkeit, soziale Leute beim Klerus und sonstige Anständige. Und natürlich die anderen! Heute müsste man diese Linke nennen. Aber das passt nicht in alle Weltbilder.

      • ueli der hecht sagt:

        @Roman Günter
        Hunderttausende forderten vor 100 Jahren während dem Landesstreik die Einführung der AHV/IV, die 48 Stundenwoche, das Frauenstimmrecht. Der Bundesrat (wohl im Namen der Industrieunternehmer) hat den Streikenden eine unmissverständliche Antwort geschickt – das Militär. Von wegen die „Initianten“ für die soziale Absicherung waren die Industrieunternehmer – das ist ja wohl der Gipfel der Geschichtsklitterung.

        • Daniel Meier sagt:

          @Ueli Also, die Geschichtsklitterung würde ich mal schön bei Ihnen selber belassen, denn im GS wurde keineswegs nur so harmloses wie AHV, Frauenstimmrecht usw. gefordert. Mal wollte teilweise den gleichen Mist wie in der Sowjetunion, dem angeblichen „Paradies der Werktätigen“, einführen, und wenn nötig auch mit Gewalt. Es war für unser langfristiges Wachstum geradezu sensationell, dass der Bundesrat damals zum Glück (Ausnahmsweise mal) Haltung bewahrte und diesen Generalstreik und mit ihm das Oltener Komitee in Grund und Boden stampfte. Die Gefängnisstrafen für die Streikführer waren aber mehr als mild, vorallem wenn man es mit dem Ausland vergleicht. Wenn man einzelne Punkte, vorallem Nr. 3 (Arbeitspflicht für alle) ansieht, fragt man sich schon, was mit den heutigen Sozen schiefgelaufen ist, wo man eher „gratis Geld für alle“ oder „Schmarotzen für alle“ auf der Tagesordnung hat. Bedingungsloses Grundeinkommen lässt Grüssen…!

          • Rolf Zach sagt:

            Mit wem hatte Lenin den grössten Krach und wer fürchtete er am meisten, Robert Grimm (nachzulesen bei Solschenizyn). Robert Grimm war ein aufrechter Sozialdemokrat und der wichtigste Führer des Generalstreiks von 1918. Zu den damaligen Zuständen möchte ich nur meinen Grossvater zitieren, der eine Bäckerei und einen kleinen Bauernhof hatte. „Im Dienst (1914-1918) bin ich ein Bolschewik, daheim aber wieder ein guter Bürger“. Der selbe Mann hat auch seinen Leutnant verprügelt, der ihn schwer beleidigt hat. Die Armeeführung unter Wille und den späteren Nazi Sonderegger waren so arrogant, wie man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Übrigens war Grimm go-between zwischen Kerenski und Bundesrat Hoffmann für ein Separatfrieden Deutschland/Russland, den Kerenski (Feind Lenins) leider ablehnte. Hoffmann musste auf Druck der Entente zurücktreten. Zustände wie in der Sowjetunion, war nie der Wunsch des Oltener Komitees unter Führung von Grimm (ausser Platten). Grimm war später für Energiewirtschaft der Schweiz während des 2. Weltkriegs verantwortlich, er hat eine tadellose Arbeit abgeliefert.

  • Peter Jäggi sagt:

    Wissenschaftlich ausgeführt, mag die Schweiz vor hundert Jahren vermögend gewesen sein. Wenn ich aber in der Litaeratur suche, dann revidiert sich dieses Bild rasch. Bis zur Initialisierung der Industrialisierung und dem damit verbundenen Wachstum der Banken, war die Schweiz arm. Wenn ich von der Schweiz schriebe, dann meine ich damit die Mehrheit der Bevölkerung. Selbst in meiner Familie stelle ich diese Armut welche damals vorherrschte fest. Trotz heute in besten Verhältnissen, musste sich mein Uhrahne als Verdingbub abmühen, ohne Lohn und unter widrigsten Verhältnissen und dies alles nur aus dem Grund, weil seine Eltern nicht in der Lage waren, ihm ein Leben führen zu lassen welches selbst nur die Grundbedürfnisse abdeckte. Das ist die pure Armut und lasst uns nicht vergessen, gab es doch enorm viele dieser Fälle! Fakt ist, dass wir Schweizer ein armes Volk von Bauern und Berglern waren und es dabei nocht zu vergessen gilt, dass wir mit Fleiss, Verstand, Glück und sicherlich auch manchmal mit heuchlerischem Verhalten (siehe Haltung im zweiten Weltkrieg)
    zu einem tollen Sozialstaat und Wohlstand gebracht haben. Vergessen wollen wir aber nicht, dass die Armut heute wieder mehr wächst, der Sozialstaat sich wieder vermehrt der Verantwortung entzieht und die Kluft zwischen Arm und Reich wieder stark zugenommen hat. Es ist an der Zeit zu handeln und die bisherige Politik zu überarbeiten, denn sonst landen wir wieder dort, wo wir gestarten sind, nähmlich als Bauern und Bergler!

    • Einverstanden bin ich mit Ihnen, dass man schauen sollte, wer wieviel verdiente, die Unterschiede bei der Verteilung. Eher nicht fallen die Superreichen ins Gewicht beim Durchschnittseinkommen.

      Hingegen waren enorme Unterschiede zwischen Freiburg und Bern, zwischen Wallis und „Üsserschiz“, zwischen Appenzellern, Tessinern und St. Gallern oder Zürchern.

      Ich kenne beide Arten von Geschichten: Kinderreiche Bauernfamilien, die einen Teil der Kinder weggeben mussten. Handwerker, die während der Wirtschaftskrise in den 30er Jahren auf einmal nicht weiterkonnten und ihre Kinder vorübergehend weggeben mussten. Das Verdingkinder-wesen war die einzige Möglichkeit damals, für diese Kinder zu sorgen.

      Die Armut in den Bauernfamilien im Emmental ging vor allem zurück mit der Mechanisierung der Landwirtschaft, mit weniger Kindern pro Familie und damit, dass die Bauernkinder gute Schulen besuchten und solide Handwerkerberufe lernten.

      Falls wir je die Augen reibend uns in einer Zeit wiederfinden, wo wir alle verarmte Hinterwäldler sind, dann vor allem weil wir die Volksschulen, Berufsbildung und Universitäten kaputt machen. Das ist es nämlich, was die Kluft zwischen Arm und Reich aufreisst!

      • Peter Jäggi sagt:

        Dem habe ich absolut nichts hinzuzufügen. Die heutige Bildungspolitik führt genau dazu, dass wir uns langfristig nicht mehr auf dem heutigen Niveau halten werden können. Genau diese Kluft von der Sie sprechen wird auch zu einer sozialen Unruhe führen welche uns tatsächlich rasch in der Geschichte zurückwerfen kann! Ich hoffe, dass wir ALLE, Bürger wie auch die politischen Gremien erkennen, dass es jetzt ist zu handeln, zu investieren und zu schauen, dass der Standort Schweiz auch morgen noch über qualifizierte Fachkräfte verfügt! Denn dies ist die Basis unseres Wohlstandes den es auch zu verteidigen gibt.

  • frank sagt:

    Aehh, ja klar: vor 200 Jahren noch Hungersnöte und vor 100 Jahren dann das reichste Land der Welt?

  • Peter Steiner sagt:

    Vor 100 Jahren konnte ein einfacher, ungelernter Fabrikarbeiter mit 9 Kindern mit viel Sparen und eigenem Garten ein Haus locker finanzieren und zusätzlich noch weiteres Land erwerben. Mein Urgrossvater.

    Heute muss ein einfacher Fabrikarbeiter schauen, dass er sich selber über Wasser hält, wobei heute moderner Luxus (Fernsehen, Telephon, etc) einen Teil vom Geld wegfrisst. Aber es ist nicht der Löwenanteil. Trotzdem ist relativ klar, dass man früher mit bescheidener Ausbildung sich viel mehr wichtiges leisten konnte. Der grosse Unterschied zu damals sind a) der Verdienst (relativ gesehen) und b) die Steuern.

    Es ist wichtig, sich manchmal mit seinen Grosseltern zu unterhalten. Das wechselt die Perspektive dramatisch.

    • Meine Rede! Ich schätze, 90% des Parteiprogramms der FDP liesse sich widerlegen, wenn man sich mal mit seinen Eltern/Grosseltern unterhält: Hatte die Schweiz in den 70er/80er Jahren DDR-Zustände? Nein? Damit wäre dann die moderne bürgerliche Wirtschaftspolitik bestehend aus dem Trio Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung widerlegt.

  • Daniel Huber sagt:

    Die Jahre von 1798 bis 1914 waren in der Schweiz geprägt durch eine beispiellose Preisstabilität, welche wir der Einführung des Schweizer Frankens durch die Franzosen zu verdanken haben. Die Inflation war über mehr als 100 Jahre nahezu bei Null. Diese Tatsache wir von Wirtschaftshistorikern gerne ausgeblendet, obwohl sie zentral für das enorme Wirtschaftswachstum der Schweiz und den wachsenden Wohlstand war.

    • Poljsak-Kane Dora sagt:

      nach meinen Informationen wanderten im 19 jhrd von 2,5 mio Schweizern 350.000 Menschen aus. Resultat vor allem der Einführung von mechanischen Webstühlen, die die Heimarbeiter überflüssig machten. Nach dieser Auswanderung ging es vielleicht Anfangs 20.Jhrd wirtschaftlich besser??

    • Josef Marti sagt:

      Die Preisniveaustabilität war gemäss Untersuchungen von Ökonomen va. dem Goldstandard und dem damit verbundenen festen Wechselkurssystem zu verdanken, aber nur in der langen Frist. Kurzfristige höhere Schwankungen waren immer wieder vorhanden. Dies war der Abhängigkeit von den Goldvorräten zu verdanken, auf der anderen Seite führte dies zu deflationären Tendenzen.

  • M G sagt:

    Und wiedermal eine Sensation mehr lieber Tages Anzeiger. Super!
    Ja, die Schweiz war schon immer reich.
    Meine Mutter (12 Kinder) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.
    Mein Vater (10 Kinder) wuchs in durchschnittlichen bis ärmlichen Verhältnissen auf.

    Aber ja – ihr habt recht, wir waren die Ausnahme… Wusste ich bis anhin gar nicht… Meine Eltern haben mir ganz anderes erzählt. Alle aus ihrem Dorf waren so. Aber wahrscheinlich können diese sich einfach nicht mehr so recht erinnern…
    Wie gut dass es den Tagi gibt, der alles wieder ins richtige Licht rückt… 😉

  • d p e sagt:

    Auch hier gilt: Das Pro Kopf Einkommen ist zwar ein Vergleichsindikator zwischen den Ländern, aber eine Grösse für den Wohlsatnd ist es nicht. In einen Mittelwert („pro Kopf“) fliessen die Ausreisser sehr stark ein. (z.b. wenn von 11 Leuten einer 1Mio verdient und 10 Leute 1000 Stutz ist das Pro Kopf Einkommmen ca. 91’900.– was nix über den Wohlstand von allen aussagt.)
    Könnte man vielleicht den Median angeben?

    Mit dem pro-kopf-wasauchimmer wird gern verschleiert was wirklich läuft.

    Merssi

  • Hugo Müller sagt:

    Die Auswander Richtung Amerika und Australien haben das sicher nicht aus „Plausch“ gemacht !
    Wieviele Schweizer konnten sich es denn leisten, sich beim Golf spielen zu fotografieren lassen ???

  • R. Badertscher sagt:

    Wenn ein Land reich ist, heisst das noch lange nicht, dass es allen Leuten im Land gut geht. Ein besserer Indikator wäre hier wohl der Anteil der Personen, die Mühe hatten, genügend Essen, Heizmaterial und medizinische Versorgung zu bekommen.

  • Gerhard Engler sagt:

    „Die Schweiz“ gab und gibt es nicht. Es gab vor 100 Jahren Individuen, welche arm oder reich waren. Interessant wäre der Median der Einkommensverteilung. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die überwiegende Mehrheit der Schweizer vor 100 Jahren in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte.

    • Peter Jeck sagt:

      Die wesentliche Frage in einem Satz — danke!

    • Pete Zahut sagt:

      Schade dass sich der Text nur auf eine einzige Durchschnittszahl abstützt. Vielleicht wäre de Artikel differenzierter ausgefallen, wenn uns Tobias Straumann noch eine Einkommensverteilung dazugegeben hätte. Wir müssen also trotz diesem Text weiter davon ausgehen, dass weite Teile der Bevölkerung in bitterer Armut leben musste.

    • ueli der hecht sagt:

      @Gerhard Engler
      Haargenau Herr Engler. Und ist „die Schweiz“ heute reich? Ein paar tausend Eidgenossen schon – ein paar Millionen nicht.
      60% der Bevölkerung besitzen etwa 2 % des Reinvermögens – während 4% der Bevölkerung 60% des Reinvermögens unter sich „aufteilen“. Die Frage ist nur – auf welcher Seite von der Statistik man / frau sich befindet. Im internationalen Vergleich freilich – sind auch schon 1-50 Tausend Franken auf der hohen Kante – ein beachtlicher „Reichtum“.

    • baur sagt:

      das war auch meine überzeugung bisher

  • Jasmin Mueller sagt:

    Natuerlich haengt der Reichtum der Schweiz mit dem Freihandel zusammen. Gruende sind ganz einfach:
    – die Schweiz hat/ hatte keine nennenswerten Rohstoff
    – Landwirtschaft in der Schweiz ist maessig produktiv
    – der Binnenmarkt war damals sehr klein und ist es auch heute noch
    -> Die einzige Moeglichkeit fuer die Schweiz zu tatsaechlichem Wohlstand zu kommen ist der Export von Guetern und Dienstleistungen. Bei Guetern importiert man Rohstoffe und allenfalls Zwischenprodukte und bringt dann den Mehrwert.
    Ausserdem war fuer die Schweiz der Liberalismus entscheidender Faktor. Man hielt Eingriffe des Staates auf einem Minimum. Die Schweiz taete gut daran, dies nicht zu vergessen. Sonst werden wir bei all den linken und rechten unsinnigen bis gefaehrlichen Initiativen (1:12, Mindestlohn in im internationalen Vergleich in horrender Hoehe, EcoPop, …) bald den vergangenen Zeiten nachtrauern.
    Ich verdiene gut, aber weniger als 12 mal weniger als der am besten bezahlte Mitarbeiter meines Arbeitgebers, aber SO WHAT? Ich kann mir mehr leisten, als ich zum Leben benoetige, was will man mehr?

    • Thomas Meier sagt:

      Danke, sehr schön auf den Punkt gebracht. Ehrlich gesagt, geben ich dem Wohlstand die Schuld. Der Schweiz geht es derart gut, dass die Leute faul und arrogant geworden sind. Während wir in den 90er noch als Verlierer dastanden, glauben viele Schweizer heute, dass wir etwas besseres als andere Menschen sind. Dementsprechend rassistisch sind die Schweizer heute. In 90er hat man den Hass gegen Ex-Jugoslaven immer damit begründet, dass diese schlecht gebildet sein und eine zu unterschiedliche Kultur hätten usw. Aber es wurde immer angeführt, dass man selbstverständlich nie etwas gegen einen Deutschen mit Bildung und Job haben würde. Heute wissen wir, dass das gelogen war. Die Schweizer sind derart rassistisch geworden, dass selbst gegen Deutsche mit guter Bildung und einer tieferen Kriminalitätsrate als die Schweizer selbst, gehetzt wird. Langfristig schadet das der Schweiz massiv.
      Gleichzeitig hat der Wirtschaftsboom dazu geführt, dass die Leute denken, dass es normal ist, dass Firmen hier Jobs schaffen. Aber das ist eine Fantasie. Initiativen wie 1:12 sind sozialistisch und Gift für die Wirtschaft. Es ist extrem naiv zu glauben, dass das keine Folgen hat.
      An schlimmsten finde ich, dass sowohl Linke wie Rechte dieses Lügengebilde erstellen bezüglich „Jobs nur für Schweizer“. In der Realität hat man die Wahl zwischen Jobs in CH oder nicht zu einem globalen Gehalt. Die Option „Job in CH für Schweizer mit nichts mehr als eine Lehre und mit extra hohem Lohn“ existiert nunmal nicht.

    • Rolf Zach sagt:

      Sehr geehrte Frau Müller. Bei staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft geht es immer um deren Effektivität und ob sie der Wirtschaft helfen und sie vorwärtsbringen. Die Liberalen vor 1914 waren recht interventionsfreudig. Sie haben die privaten Eisenbahnen zur SBB zusammengelegt inkl. Perle Gotthardbahn. Sie haben in der Elektrizitätserzeugung von Anfang an den öffentlichen Sektor gefördert. Die ETH wurde 1855 vor allem für die Förderung der Schweizer Industrie gegründet. Es wurde
      ein Artikel für eine Pflicht-Krankenversicherung in die Verfassung aufgenommen, aber leider nie die entsprechenden Gesetze eingeführt.

  • Daniel Meier sagt:

    @Folda 0701 Uhr Ich gebe Ihnen Recht, dass der Artikel wirklich sehr kurz ist. Leider, denn man könnte sicher mehr aus dem Thema herausholen. Und warum in der Aufzählung nur die Daten der Schweiz stiegen und die anderen auf genau gleichem Level blieben, ist mir ebenfalls unklar. Allerdings werde ich aus dem Rest Ihres Kommentars nicht wirklich schlau: Niemand hat je bestritten, dass willige und fähige Immigranten in der Schweiz tätig werden konnten und eine Reihe formidabler Firmen aufbauten, nebst Schweizern, die ebendies auch taten. Daneben entstand aber auch eine Skepsis gegenüber dem Fortschritt, welcher sich zB im Autoverbot in Graubünden manifestierte. Weite Teile der Schweiz waren sicher nicht auf Rosen gebettet, aber das waren viele in anderen Ländern auch nicht.
    Als Kernaussage finde ich aber vernünftig, dass Sie ebenfalls den Abbau von Handelshindernissen als Triebfeder für Innovation bezeichnen. Also eigentlich das pure Gegenteil von dem, was die Schweiz zur Zeit leider macht. Wenn wir von hirnrissigen Initiativen absehen sind es auch die übereifrigen Gesetzesformulierer, die zu einem schleichenden Abbau von Wettbewerbsvorteilen und damit Konkurrenzfähigkeit führen. Denn klar ist: Die allermeisten Fabriken und Verkehrswege könnten heute in der Schweiz gar nicht mehr gebaut werden wegen überflüssiger Regulierungen. Diese gilt es umgehend zu beseitigen!

    • Rolf Zach sagt:

      Warum hat Graubünden den Autoverkehr verboten bis 1920 verboten? Ich glaube nicht an die Mär der Fortschrittsskepsis der Bündner, sie haben nichts gegen die Elektrizität unternommen. Man muss wissen, die Rhätische Bahn war kurz vor 1914 mit enormen Kosten gebaut worden und das Auto war schon damals eine veritable Konkurrenz. Die Bünder wollten, dass die südafrikanischen Goldminen-Magnaten in Chur von den Salonwagen der SBB auf diejenigen der RhB wechselten.
      Es war nicht erwünscht, dass sie ihre grossen Limousinen benützten um in St. Moritz mit vergnüglicher Passfahrt anzukommen

      • Daniel Meier sagt:

        @Zach 1447 Habe Ihren Eintrag leider erst jetzt gelesen. Es war sicher nicht alles Fortschrittsfeindlichkeit, die in GR (heute ist man geneigt zu sagen, ausgerechnet dort wo die GebirgsRaser wohnen;-)) das Autofahren verboten liess, aber ein grosser Teil derjeniger, die das Auto ablehnten, wollte definitiv keine stinkenden, lärmenden und rasenden Vierräder-Mobile haben (bei einer vd von vielleicht 30km/h notabene…). Das war nicht nur für Kaiser Franz Joseph I Teufelszeug, sondern auch für zahlreiche andere Menschen in dieser Zeit. Galt übrigens auch für Lokomotiven bei deren Einführung! An die Segnungen der Elektrizität haben sich die meisten Leute recht schnell gewöhnt, nur schon wenn sie des Nachts Licht brauchten… Es ist richtig, dass vor dem WW1 in GR die RhB massiv ausgebaut wurde, nur die Verbindung auf die Lenzerheide, welche auch der damalige Generalstabchef v. Sprecher als Bündner massiv befürwortete und förderte, wurde wegen dem Krieg nicht mehr verwirklicht.

  • Tomas Forler sagt:

    Heute haben viele noch die Meinung, dass die Schweiz das reichste Land der Welt ist, tatsächlich ist sie aber auf dem 9. Rang. Das Kaufkraftbereinigte Bruttoninlandprodukt pro Kopf ist hier der aussagekräftigste Wert, der sich mit dem Ausland vergleichen lässt. Aber ja, bis Ende der 80er Jahre, spätestens seit dem zweiten Weltkrieg, war die Schweiz noch das reichste Land. Was die Zahlen in diesem Artikel betrifft, so frage ich mich, wo die genau herkommen und ob sie sich denn auch tatsächlich so vergleichen lasen, weil auf Schweizer Banken schon damals viel ausländisches Vermögen lag, welches diese Statistik womöglich verfälscht.

  • B. Folda sagt:

    Merkwürdigerweise wird immer noch nichg Klartext gesprochen – oder unterschlägt der reichlich kurze auf einen Inhalt fokussierte Artikel z.B. auch diesen Aspekt? Nach der Gründung des Bundesstaates sind Handelshindernisse und damit Grenzen verschwunden, innovative Immigranten haben der neu gegründeten Schweiz einen Wirtschaftsschub ermöglicht, die Industrialisierung hat ihren Siegeszug angetreten, die Stilisierung einer „unverdorbenen ländlichen“ Schweiz ist einzig und alleine in den Köpfen verharrt, die Realität zu war eine andere. Aber noch heute wird damit Schindluder getrieben. Es ist im Interesse konservativer Kreise den Reichtum der Schweiz in die Zeit zu verschieben, in der sie diesen hauptsächlich verantwortet haben möchten. Warum soll ausgerechnet das nachweislich in Zusammenhang mit der Öffnung nach aussen und innen verbunden werden, wenn Abgrenzung zum Allerheilmittel gekürt werden soll?

    • ralph kocher sagt:

      In der Tat erwirkte TRANSIT Waren- wie Kulturaustausch. Dank frischem Volumen konnte sich der Einfache für Franken verdienen. Neue Luft tat allen gut; nicht nur Engländern.

    • Peter Meier sagt:

      Ich musste lauhals lachen, als ich hörte, was BR Maurer an der OLMA sagte: „Die Bedeutung der Selbstversorgung der Schweiz mit Lebensmitteln….“. Das passt ins Bild, was Sie über das Schweizbild der Konservativen sagen. Da frag ich mich, wann der Ueli das letzte Mal in einem Supermarkt war…..?

      • oliver keller sagt:

        Er hats nicht so gemeint, Peter Meier. Er meinte dass die Schweizer Steuerzahler ihn selbst mit zuviel Geld versorgen.

        • Alexander Hollnsteiner sagt:

          Ach ja, Maurer sagt doch nur, jedoch meinen tut er nix, von dem er wüsste, was er dazu zu sagen hätte. Der weltbeste Sag-Meiner. Traurig, dass das Land es dulden muss, aber das ist eben Demokratie in abgewöhnlichster Ausprägung.

          Das Problem beginnt an der Basis: So Einer wie Maurer sollte gar nie nicht so weit kommen, aber er ist ein Produkt der ewigen Taktiererei der Parteien, denen das Volkswohl nicht wichtiger als die Taktik ist, vgl. aktuell CVP und ihr Familienzulagegetändel.

    • R. Münger sagt:

      Ist es nicht einerseits eigenartig und andererseits bezeichnend, dass ein (Wirtschafts-)Historiker überhaupt einen
      so undifferenzierten Begriff wie „armes/reiches Land“ verwendet? Dies evoziert quasi automatisch
      ein falsches Bild: reiches Land – reiche Bevölkerung. So sind die USA immer noch ein „reiches Land“, aber die
      Annahme, die Bevölkerung sei reich oder auch nur in ihrer Mehrheit reich, ist völlig abwegig. Die Schweiz war um 1900 ein reiches Land, aber mit einer – dank dem praktisch noch alleinherschenden Grossbürgertum – in seiner
      grossen Mehrheit armen Bevölkerung, wobei eine Aenderung dieses absolut ungerechten Zustands (1918, 1933) nur mit Waffengewalt, dank mangelhafter Bildung und der unangetasteten Macht von Verblödungsinstanzen wie den Kirchen aufrechterhalten werden konnte.

      • Alexander Hollnsteiner sagt:

        @Münger: Sehr richtig. Die Statistik sagt nix über die Einkommensschere der damaligen Zeit. Aber das gehört wohl auch zu den Mythen, von Tell bis vonRoll oder so: Alles Reiche. Die Armen sind nicht erwähnenswert, sie dienten nur als billige, nicht gleichberechtigte Arbeitssklaven für ein indolentes Grossbürgertum und eine herrschaftliche Grossbauernwirtschaft..

        • Alexander Hollnsteiner sagt:

          Ich vergass hinzuzufügen, dass man diesen Zustand schon 1900 Rechtstat und uralte Demokratie nannte. Wers glaubt?

          Vielen wirtschaftlichen Aufschwung verdankte das Land damals innovativen Süddeutschen, etwa Elna, Handelszeitung etc. Man nahm, was man bekam, tolerierte ausländische Unternehmer und machte Geld daraus.

          Eigentlich hätte man Wagner, Goethe, Wedekind (Maggi-Schreiber) etc. einbürgern sollen, hei, was gäbe das noch her an Mythos. Reich und Kultur, statt reich und Lenin als Stammgast in der Bodega in Zürich.

    • Roman Günter sagt:

      Es ist vermutlicher eher so, dass man versucht die Schweizer als Kriegsgewinnler darzustellen und dies eher nicht von konservativen Kreisen in der Schweiz. Auch die Linken möchten glauben machen, dass erst die Arbeiterbewegung in den Anfängen des 20. Jahrhundert den wirtschaftlichen Erfolg in die Schweiz brachten. Die Industrialisierung fand in der Schweiz schon weit vor der Staatsgründung ihre Anfänge und war zum Beispiel in der Baumwollverarbeitung, neben Grossbritannien, eine der best entwickelten in Europa. Dazu gibt es eine interessante englische Studie aus dieser Zeit.

      • Max Bader sagt:

        Da kann ich Herrn Günter nur zustimmen. Ich habe lange Zeit auf eine Klarstellung gewartet. Es sind eben gerade die Linken, die dieses Gerücht schüren, weil sie damit den Mythos vom Nazi-Gold erhalten können und damit nicht eingestehen müssen, dass der Liberalismus der FDP-Schweiz das Land so reich gemacht hat im Unterschied zum übrigen Europa, wo die Liberalen eine Niederlage erlitten haben.
        Und wenn man schon mit dem Mythos der armen Schweiz aufhört, dann sollte man den anderen Mythos auch beenden. Und zwar nämlich jenen, dass Afrika vor der Ankunft der Europäer nicht schon extrem arm war und die Europäer deshalb Afrikaner aufnehmen müssen, weil sie für die Armut verantwortlich sind.
        Wenn das SRF das Leben von Alfred Escher aufzeigt, dann sollte es darin auch aufzeichnen, wie die Schweiz so extrem reich werden konnte.

        • Paul Ernst sagt:

          Da scheinen sich einige Kommentatoren in falscher Vergangenheit baden zu wollen und gleichzeitig auch noch das Flüchtlingsdrama in die Lächerlichkeit ziehen zu wollen. Ok die Baumwollverarbeitung ist ein Beispiel. Schauen wir was aus Wald ZH geworden ist? Oder betrachten wir mal die Geschichte der Fam. Blocher mit x Kindern und wenig Geld. Oder nehmen wir meine eigene Familie – Vater war Verdingbub. Alls super nicht wahr? Es gab einfach einige Super-Abzocker zu dieser Zeit und die Mehrheit des Volks war eher arm. Dieser einseitig Druck führte dazu, dass schlussendlich die AHV und das PK-Obligatorium eingeführt wurde. Und deshalb ging kaum ein Unternehmen pleite.

      • ralph kocher sagt:

        Gab ES diese Schweiz wirklich? Waren ES nicht vielmehr ein paar Familien, die Güter besassen? Dank ehemaligen Söldnerleistungen; insbesonders an Transitstrecken auch vielerorts die Kirch lukrative Pöstchen vergab?
        Später so um Napoleons Feudalstruktur-Ende die Zeit den Webstuhl ins „Lande“ brachte? Dank dem und kinderreichen Familien dem Handel zugedient werden konnte?
        Da war noch mehr: Der Kreis (Kanton) konnte die Scheuklappen abwerfen und war progressiv fähig. Das freie Denken tat Seines. ES muss das pure Gegenteil gewesen sein verglichen mit dem leider aufkommenden Isolationismus heute.

        • Rolf Zach sagt:

          Vor dem Ersten Weltkrieg war die Einkommens- und Vermögensverteilung in der Schweiz gar nicht so ungerecht wie in Deutschland und Grossbritannien. Riesenvermögen im Grossgrundbesitz und den Bergwerken wie bei schlesischen Schlotbaronen (Henckel von Donnersmarck etc.) sowie den deutschen Fürstenhäusern gab es nicht. Wir hatten immerhin 400’000 Eigentümer als Kleinbauern, die konkurrenzfähig Käse und neben Holland die besten Viehrassen exportierten.
          Diese Zustand hielt sich bis 1933 und kam nicht mehr (Ausnahme Milch- und Käse-Exporte nach Deutschland 1940-44).
          Unsere bleierne Zeit war zwischen 1931 und 1937.

  • Gregor Morandini sagt:

    In der 2. Berechnung wurde Neuseeland irrtuemlich falsch dargestellt, es kann nicht sein, dass alle anderen Zahlen richtig sind und nur NZ wegen Zahlenverschiebung ploetzlich auf dem 3. Rang landet. Danke trotzdem fuer den Artikel bin ebenso falsch elegen wie die Mehrheit und es bewahrheitet sich mal wieder, nichts wird richtiger je mehr es glauben. mfg Gregor

    • Patrick Tanner sagt:

      Ich habe dies schon in diversen vorgängigen Blog-Beiträgen erwähnt und geschrieben, dass schon um 1900 die Schweiz eines der wohlhabendsten und höchstindustrialisiertesten Staaten Kontinentaleuropas, ja sogar global gewesen sei und schon damals die höchsten Durchschnittslöhne gehabt habe, worauf ich von gewissen Kommentatoren mit dem Argument der damaligen Nettoauswanderung (wobei nur bis 1880 eine Nettoauswanderung und nachher bis zum 1. Weltkrieg sogar eine Nettoeinwanderung stattfand, so dass bis 1914 über 20% Deutsche in der Stadt Zürich lebten. Erst nach dem Börsencrash 1929 fand von 1930 bis 1941 wieder eine moderate Nettoauswanderung statt) auf das Schändlichste angegriffen und diffamiert wurde (insbesondere von verbissenen EU-philen PFZ-Befürwortern). Dumme VORURTEILE halten sich halt lange…

      • Thomas Meier sagt:

        Ihnen ist schon klar, dass es damals weder eine EU noch ein PFZ gab? Ich bin auch kein EU Fan, aber irgendwie ironisch, dass sie anderen vorwerfen verbissen zu sein und sie selbst aber völlig aus dem Zusammenhang gerissen eine Diskussion über EU/PFZ gebinnen. Das wirkt recht verbissen auf mich…

      • Rolf Zach sagt:

        Herr Tanner, ich bin ein EU-Befürworter und ein Verfechter des EURO und für PFZ mit sehr starken flankieren Massnahmen. Dagegen habe ich nie bestritten, dass die Schweiz 1913 mit seinem PRO-KOPF-Einkommen an der Spitze der üblichen Verdächtigen war. Es ist aber gleichzeitig festzustellen, dass das Pro-Kopf-Einkommen in der Schweiz nach Klasse und noch mehr nach Region sehr unterschiedlich verteilt war und auch heute noch ist. Die Schweiz hat damals voll an der zweiten Industrialisierung mitgemacht und hatte die erste vom 19. Jhr. ebenso erlebt wie Belgien und England. Unsere langfristige Wirschaftsentwicklung hat durch die Reformen seit 1798 durch den Einmarsch der Franzosen und durch die Kontinentalsperre Napoleons profitiert. Ein zusätzlicher Schub gab der Bundesstaat von 1848 und die Globalisierung in jenen Jahren. Vor 1850 emigrierten nach Übersee arme Leute aus der ganzen Schweiz, nach 1850 die Bewohner von den armen Bergkantonen (Wallis, Tessin, Berner Oberland, Graubünden). Nach 1890 gingen auch dort die Auswanderungszahlen zurück, dank dem Tourismus und der Viehzucht. Simmentaler Vieh war der Renner in Osteuropa und es gab nach 1890 gute Jobs für Vieh-Spezialisten und Käser aus dem Berner Oberland, vor allem in Russland. Die Konsequenzen des Ersten Weltkrieges und der Russischen Revolution (Die Schweizer erlitten dort gewaltige Verluste)
        hemmten vorerst das Wirtschaftswachstum, aber die Jahre zwischen 1924 und 1931 konnten als gut bezeichnet werden.

        • Patrick Tanner sagt:

          Meine Worte, werter Herr Zach. Ich habe auch nicht Sie gemeint, aber andere EU-phile PFZ-Befürworter, die reduktionistisch mit dem Argument „die Schweiz war bis vor Kurzem, also bis zum 2. Weltkrieg das Armenhaus Europas“ und sei erst mit den bilateralen Verträgen, also erst ab 2002 und erst richtig seit der vollen PFZ am 01.05.2007 dank exorbitant hoher Nettozuwanderung und neoliberaler PFZ zu hohem Wirtschaftswachstum und Wohlstand gekommen. Dabei nimmt seit der vollen PFZ 2007 zum ersten Mal seit dem Ende des 2. Weltkrieges (also seit mehr als 70 Jahren, sic!) über den Zeitraum von mehr als 5,5 Jahren das BIP-pro-Kopf ab resp. stagniert. Dies gab es nicht Mal von 1930 bis 1940, den 1970er und den angeblich so wirtschaftlich schlechten1990er Jahren (nach dem EWR-Nein und der 1991 geplatzten Immobilienblase). Also dies ist in keiner Weise ein stichhaltiges Argument für die Bilateralen I und die PFZ. Darum ging es mir.

          • Ueli Schmid sagt:

            Sagen Sie mal Tanner, ausser jammern, dass man Sie „Schändlich“ angegriffen hat – was Sie sonst ja gerne auch einmal selbst tun- was hat denn bitte die historische Situation der Schweiz Anfangs des 20. Jhrd. mit der PFZ und den Bilateralen zu tun? Sie werfen anderen Verbissenheit vor; selbst schreiben Sie aber in fast schon fanatischer Weise zu jedem Thema einen PFZ/BI II etc. Kommentar. Jeder, der Sie versucht zu relativieren ist EU-Phil; merken Sie etwas?
            Sie werfen hier Themen nach Belieben durcheinander ohne Berücksichtigung der Welt-Entwicklung stellen Sie abenteuerliche Thesen gegen die von Ihnen so gehasste PFZ auf.
            Sie schreiben: Seit 2007 sank das BIP und führen das auf die PFZ zurück.
            Das mag so sein, mag es aber auch nicht. Das BIP sank erst ab 2008. Und was war da? Richtig, die aus den USA kommende Finanzkrise. Objektive ist also gar nicht klar, was die Ursache des sinkenden BIP ist.

            Im Übrigen fallen Sie auch gerne in diversen Posts mit gefakten Zahlen und erfundenen „Fakten“ auf. Das ist im Sinne der Meinungsfreiheit Ihr gutes Recht. Aber beim Thema bleiben und weniger jammern hat noch keinem geschadet.
            Zum Thema: PD Dr. Tobias Straubmann kommt alle Jahre wieder mit dieser Theorie. Was ich dabei vermisse, ist das kaufkraftbereinigte Einkommen und andere Fakten. Somit erscheint mir die Darstellung nicht mehr als eine interessante These, die der nationalen Seele schmeichelt.

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