Wem nützt Bernankes Geldpolitik?

Fed-Chef Ben Bernanke spricht in Washington zur Presse, 18. September 2013. (AP/Susan Walsh)

Von der Politik der US-Notenbank haben sehr wenige Leute profitiert: Fed-Chef Ben Bernanke spricht in Washington zur Presse, 18. September 2013. (AP/Susan Walsh)

Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank (Fed) hat am 18. September die Finanzmärkte mit dem Entscheid, das so genannte Quantitative-Easing-Programm nicht zu drosseln, überrascht. Die Bilanz der Zentralbank wird weiterhin mit 85 Milliarden Dollar pro Monat vergrössert.

Ziel von Fed-Chef Ben Bernanke ist es, die Arbeitslosenquote unter den Wert von 6,5 Prozent zu bringen. Doch wer profitiert tatsächlich von der unkonventionellen Geldpolitik?

Die Statistik von Emmanuel Saez an der University of California in Berkeley bringt Klarheit. Der Ökonom Saez erhebt regelmässig Daten von der US-Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) und berechnet damit den Grad der Einkommens-Ungleichheit in der amerikanischen Bevölkerung. Mein Kollege Markus Diem Meier hat in diesem Beitrag bereits eingehend über Saez und das Thema Ungleichheit geschrieben, ich gehe an dieser Stelle nur auf einen Teilaspekt der Studie ein.

Aus dem aktuellen Datensatz von Saez stechen einige Zahlen hervor:

  • Das Einkommenswachstum der reichsten 1% der US-Bevölkerung von 2009 bis 2012: +31,4%
  • Das Einkommenswachstum der restlichen 99% der US-Bevölkerung von 2009 bis 2012: +0,4%
  • Das Einkommenswachstum der reichsten 1% der US-Bevölkerung im Jahr 2012: +19,6%
  • Das Einkommenswachstum der restlichen 99% der US-Bevölkerung im Jahr 2012: +1%
  • Auf die reichsten 1% der US-Bevölkerung entfallen 22,5% aller Einkommen

Saez‘ Erhebung zeigt: In der kruden Unterscheidung zwischen «Top 1%» und «Bottom 99%» haben nur die reichsten 1% in den vergangenen vier Jahren, seit dem Höhepunkt der Finanzkrise, nennenswerte Einkommensgewinne erzielt. Und das ist genau der Zeitraum, in dem Bernankes unkonventionelle Geldpolitik aktiv war.

Die plausibelste Erklärung dafür sind die Kapitalgewinne, die Saez in seiner Berechnung zu den Einkommen zählt. Mit anderen Worten: Bernankes Geldpolitik hat primär den Aktienmarkt aufgepumpt, und die dort erzielten Kapitalgewinne flossen zu einem weit überproportionalen Teil in die Taschen der reichsten 1%. Der Rest der Bevölkerung hatte nicht viel davon.

Der an der ETH Zürich lehrende Physiker Didier Sornette hat in diesem Interview bereits gewarnt, dass die US-Notenbank eine neue Blase an den Finanzmärkten aufpumpe. Und wir haben in diesem Blogbeitrag schon einmal dargelegt, wie der «pawlowsche» Aktienmarkt seit Ende 2008 ausgeprägt auf geldpolitische Stimuli der grossen Notenbanken reagiert. Hier noch ein Chart, der die gleiche Thematik auf eine etwas andere Art darstellt:

COTD_Ben_Aug13

Die Grafik stammt von David Rosenberg, Chefstratege des kanadischen Vermögensverwalters Gluskin Sheff. Die dünne schwarze Kurve zeigt das Bilanzvolumen der US-Notenbank (rechte Skala, in Billionen Dollar). Die dunkelgrüne Kurve zeigt den S&P-500, den Leitindex am Aktienmarkt. Die senkrechte rote Linie markiert den Start der QE-Politik von Bernanke. Man sieht eindrücklich: Vor dem Start der Quantitative-Easing-Programme ist die Korrelation der beiden Kurven nahezu null. Seit dem Start der QE-Politik korrelieren die beiden Kurven dagegen mit einem Wert von 0,9 fast perfekt.

Wir wissen: Korrelation bedeutet nicht zwingend Kausalität. Aber die These sei geäussert, dass die expansive Geldpolitik Bernankes ein enorm wichtiger Treiber des seit viereinhalb Jahren laufenden Aktienbooms ist.

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit dem Zuger Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf ein längeres Gespräch zu führen. «Im Fed müssten eigentlich jetzt schon alle Alarmglocken läuten, weil eine neue Blase entsteht», warnte er. Sie finden das volle Interview hier (er erwähnt dort übrigens auch, dass die aktuelle Kreditblase in China doppelt so gross sei wie die Subprime-Blase in den USA…).

Nun denn, Bernanke und seine Kolleginnen und Kollegen im Offenmarktausschuss haben beschlossen, das Spiel noch etwas weiter zu spielen.

Wenn das nur gut geht.

Und zum Wochenende noch ein Link in eigener Sache: Wir haben in diesem Blog schon mehrmals über die Lehre von Hyman Minsky gesprochen. Wen’s interessiert: Hier habe ich ein umfassendes Portrait dieses meiner Meinung nach viel zu lange vergessenen Ökonomen publiziert.

42 Kommentare zu «Wem nützt Bernankes Geldpolitik?»

  • Marcel Senn sagt:

    Blogthemavorschlag:

    Und wem schadet oder wird Bernankes Geldpolitik noch schaden?
    Wer und wie hoch sind die Geldschwemmenopfer?

    • Baer sagt:

      @ Senn: Geld-„schwemme“? 100’000 Keller unter Wasser, Flüsse laufen über… Geld ist nicht Wasser.

      • Marcel Senn sagt:

        Baer: Ich habe sowohl im Schwimmbadbusiness als auch in der Finanzindustrie gearbeitet — und Geld ist Wasser nicht unähnlich – es sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes…darum habe ich dieses Wort explizit verwendet

  • Erich sagt:

    Bernanke’s neu gedrucktes Geld hätte genauso gut gleichmäßig unter allen Einwohners der USA verteilt werden können. Vermutlich wären dann einige Geldvermögen geschrumpft, aber der konjunkturelle Effekt dieser Gesundschrumpfung des Bankensystems wäre vermutlich mehr als ausgeglichen worden durch den Ausgabenschub über die Geichverteilung des neuen Geldes. Eventuell hätte dafür sogar weniger Geld ausgereicht, eben gerade so viel, dass die Inflation nicht übeermäßig gestiegen wäre.

  • Josef Anton sagt:

    Wir müssen endlich lernen, die Gesellschaft und Wirtschaft viel stärker zu regulieren und zu steuern. Es ist wichtig, dass wir die Bürger unter der Verwendung der Schlagworte des Krieges gegen den Terror in all seinen Aktivitäten überwachen, ob dies nun im Bereiche seiner finanziellen Verhältnisse, seiner persönlichen Bewegungen und seines Gedankengutes sei. Einzig die engmaschige Regulierung und Überwachung bringt den gewünschten Erfolg der Sicherheit. Wir können der staatlichen Verwaltung in diesen Aufgaben uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen und wissen, dass die in diesem System tätigen Menschen nur unser Bestes im Sinne haben, da sie sich nicht von etwelchem Lobbying oder aufgrund persönlicher Vorteile korrumpieren lassen.

    Ebenfalls ist es notwendig, dass eine Weltregierung mit Hilfe der bestehenden Weltorganisationen, wie z.B. die Weltbank, IMF, UNO, Zentralbanken im Tau des FED etc. schrittweise das Zepter übernimmt, um die notwendige Machtkonzentration zu erreichen und eine friedliche und gerechte Zukunft zu gewähren. Da der durchschnittliche Erdenbewohner an einem intellektuellen Defizit leidet, muss eine selbstlose Elite (Harvard, MIT) uns in eine blühende Zukunft führen. Die Politik ist derart zu gestalten, dass sie diese Ziele fördert, indem jeder Versuch gegen die Verstärkung der Machtkonzentration mit allen notwendigen Störmanövern bis hin zur Nutzung des Gewaltmonopols zu reagieren ist.

    • ueli der hecht sagt:

      @Josef Anton
      Nein Herr Anton – ich bin für einen freien Markt (und wegen mir auch Homoehe), in dem der Stärkere (d.h. derjenige welcher Kapital besitzt) den Schwächeren (derjenige welcher nur seine Arbeitskraft besitzt) als Kapitalakkumulationsroboter benutzen darf – bis dieser „moderne Idiot“ dann mit 75 in Rente gehen / sterben darf. Freiheit ist vor allem, dass man / frau die Wahl zwischen 32 Eiscremesorten im Supermarkt hat und 3-4 gleichgeschaltete Parteien im Parlament sich eine Scheindebatte liefern. Hoffentlich wird diese Utopie bald realisiert.

      • Thomas Ernst sagt:

        Diese „Utopie“ ist bereits realisiert. In DE und USA stärker als in CH oder IT, aber allenthalben nur Scheindemokratien.

  • Robert Hartmann sagt:

    @Rolf Binder

    Zum Klassenkampf und zu dessen Missverständnis bei kleinen und mittleren Eigentümern gibt es einen vergnüglichen Text von Karl-Heinz Klär: http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=16111.

  • Zu Minsky: Es ist ja irgendwie schon bezeichnend für die sogenannte Wissenschaft Ökonomie, dass Minsky während Jahrzehnten ignoriert wurde, nur weil seine Lehre die Ketzerei lehrte, dass Gott (der Freie Markt) eben nicht allmächtig ist („im Ewigen Gleichgewichte, Amen“), sondern ein torkelnder Irrer, Serienvergewaltiger, Massenmörder und Kinderschänder. So erstaunt es auch nicht, dass Minskys Artikel gerne zitiert wurden, als er noch ein Gläubiger war, und praktisch vollkommen ignoriert wurden, nachdem er seine Konversion hatte.

    Ökonomie, die Königin der Wissenschaften.

    LOOL

    • PS: Minsky hat natürlich nur gelehrt, dass Märkte inhärent instabil sind. Den Rest habe ich dazuinterpretiert… 😉

      • Marcel Senn sagt:

        Die wirklich grossen Oekonomen hatten es schon immer etwas schwieriger sich durchzusetzen, aber des öfteren bekamen sie von der Geschichte ex-post recht (meist wenn es schon zu spät war) – doch auch in der Oekonomie ist leider der mittelmässige Mainstream tonangebend.
        .
        Zum Glück gibt es ja noch NMTM – hier werden viele Aspekte angesprochen und analysiert, die man sonst eher suchen muss – der Bankenkrise sei Dank werden seither vermehrt die dunklen Schattenseiten der Oekonomie angesprochen – Minsky wurde ja in diesem Blog auch schon mehrfach gewürdigt.

  • Rolf Binder sagt:

    Georg Schramm: Wir befinden uns im Krieg!
    Warren Buffett zählt mit grob geschätzten 50 Milliarden Dollar zu den Top-5 Besitzern auf der Welt. Einer der ganz großen Oligarchen. Auf die Frage, was er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält, hat Warren Buffet gesagt:
    “Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.”
    Video: Georg Schramm – Preisverleihung seitens der Erich Fromm Gesellschaft.
    http://www.youtube.com/watch?v=hPqP1jbxsC8#t=133

    • Josef Marti sagt:

      Das sehe ich nicht so. Für einen „Kampf“ bräuchte es sowas wie ein Bewusstsein der sog. Armen sowie auch einigermassen gleichlange Spiesse, ansonsten ist das höchstens Zirkus.
      Solange diese Armen selbst daran glauben, dass ihre Situation aus mangelndem gottgefälligem Verhalten und aus eigener Unzulänglichkeit und Faulheit verursacht ist, kann von irgendeinem Kampf weit und breit nicht die Rede sein. Das ist in etwa so wie wenn der Bauer seine eigene Schafherde bekämpfen und malträtieren würde, also Tierquälerei.

      • ast sagt:

        „Für einen “Kampf” bräuchte es sowas wie ein Bewusstsein der sog. Armen“

        Das seit Jahrhunderten sichtbare Verhalten ist -Arme haben keine Zeit für Philosophie,. Sie benötigen Zeit um für ihr Einkommen zu kämpfen und in ihrer verbliebenen Freizeit träumen sie vom Aufstieg in eine höhere Klasse.

        Die Frage ist -was geschieht in jenem Moment wo sich Arme nicht mehr mit dem Notwendigen versorgen können. Dann bilden sich oft Gruppen oder Banden in welchem ein eigenes Rechtssystem gilt. In den USA ist dieser Prozess seit Jahren im Gange. Der Weg in den (Bürger) Krieg ist gegeben, wenn auch obere Schichten beginnen unzufrieden zu werden. Diese Umstände finden wir ebenfalls in den USA vor.

        Für jene die genug zu Essen haben und Zeit zum philosophieren soll gesagt werden, im Fall die unteren Schichten weiter in die Enge getrieben werden kommt es zum Gegenteil dessen was sie sich wünschen, es bildet sich unten Nationalismus, Rechtsradikalismus oder Linksradikalismus. Auf jeden Fall findet dann unten kaum Vernunft statt, sondern Radikalismus. Die Reichen wären daher in ihrem eigenen Interesse gehalten zu sehen dass dies nicht so weit kommt.

        In den USA tun sie aber das Gegenteil davon, was dann nur eine Frage der Zeit ergibt bis diese ehemalige Supermacht an sich selbst zerbricht. In Europa bildet sich eine Kluft zwischen Nord und Süd, was hierzulande das Terrain für nationalistische Strömungen öffnet -mit den bekannten Folgen. Eine Zuspitzung der Lage ist absehbar.

      • ueli der hecht sagt:

        @Josef Marti
        Klasse der „Eigentümer“:
        „Die Interessengleichheit reduziert sich auf die Partizipation an der Beute der Grossen, die gewährt wird, wenn alle Eigentümer den Grossen das Prinzip souveränen Eigentums zugestehen, das jenen ihre Macht und deren erweiterte Reproduktion garantiert: die Klasse als ganze muss zur äussersten Hingabe ans Prinzip des Eigentums bereit sein, das sich real vorab aufs Eigentum der Grossen bezieht. Das bürgerliche Klassenbewusstsein zielt auf den Schutz von oben, das Zugeständnis, das die eigentlich herrschenden Eigentümer denen machen, die ihnen mit Leib und Seele sich verschreiben. Die bürgerliche Toleranz will toleriert werden. Sie meint nicht die Gerechtigkeit gegen die drunten, selbst die in der eigenen Klasse nicht, welche die oben vermöge der „objektiven Tendenz“ verdammen, und das Gesetz des Äquivalententauschs und seiner rechtlichen und politischen Reflexionsformen ist der Vertrag, der die Beziehung zwischen dem Kern der Klasse und deren Mehrheit, den bürgerlichen Lehensleuten, stillschweigend im Sinne von Machtverhältnissen regelt. Mit anderen Worten, so real die Klasse ist, so sehr ist sie selber schon Ideologie.“ (Adorno, Soziologische Schriften I, Reflexionen zur Klassentheorie)

      • ueli der hecht sagt:

        @Josef Marti
        „Proletariat“:
        „Die Proletarier aber müssen, wenn sie leben wollen, sich angleichen. Allenthalben drängt Selbsterhaltung übers Kollektiv zur verschworenen Clique. Zwangshaft reproduziert unten sich die Spaltung in Führer und Gefolge, die an der herrschenden Klasse selber sich vollzieht. Die Gewerkschaften werden zu Monopolen und die Funktionäre zu Banditen, die von den Zugelassenen blinden Gehorsam verlangen, die draussen terrorisieren, loyal jedoch bereit wären, den Raub mit den anderen Monopolherren zu teilen…“
        „Der Einzelne gedeiht besser in der Interessensorganisation als in der gegens Interesse, die Konzentration technisch-militärischer Machtmittel auf der Unternehmerseite ist so formidabel, dass sie die Erhebung alten Stils vorweg ins allgemein tolerierte Bereich heroischer Erinnerung verweist, und dass die bürgerliche Demokratie dort, wo ihre Fassade noch existiert, die Bildung einer Massenpartei zuliesse, die an die Revolution denkt, von der sie redet, ist ganz unwahrscheinlich.“
        „Die Verbesserung der ökonomischen Lage drunten oder deren Stabilisierung ist ausserökonomisch: der höhere Standard wird aus Einkommen oder Monopolprofiten bezahlt, nicht aus v. Er ist Arbeitslosenunterstützung auch wo diese nicht deklariert ist, ja wo der Schein von Arbeit und Lohn dicht fortbesteht: Zugabe, Trinkgeld im Sinne der Herrschenden. Guter Wille und Psychologie haben nichts damit zu tun.“ (Adorno, Soziologische Schriften I, Reflexionen zur Klassentheorie)

      • ueli der hecht sagt:

        @Josef Marti
        Und noch die Conclusio:
        „Die herrschende Klasse wird so gründlich von fremder Arbeit ernährt, dass sie ihr Schicksal, die Arbeiter ernähren zu müssen, entschlossen zur eigenen Sache macht und dem *Sklaven die Existenz innerhalb seiner Sklaverei* sichert, um die eigene zu befestigen.“ (Adorno, Soziologische Schriften I, Reflexionen zur Klassentheorie)

  • Nadine Binsberger sagt:

    Die Vermögen der reichsten 1% werden normalerweise von den restlichen 99% gespiesen (Trickle Up). In einer Krise versiegt diese Quelle (Arbeitslosigkeit, Konsumeinbruch, noch mehr Arbeitslosigkeit, etc.). Die 1% müssten auf ihre gewohnten „Einkommen“ verzichten und evtl. selber arbeiten gehen oder so. Aber das kann man weder ihnen noch dem Arbeitsmarkt zumuten. Also mussten der Staat und die Notenbanken einspringen, damit die reichsten 1% weiterhin ihre erwarteten Vermögenssteigerungen bekommen. Ohne Schuldenobergrenze kann das ohne Probleme ewig so weitergehen. Jeder sollte eigentlich unendliche Schulden machen können. Das würde sofort den Konsum anheizen und enorm viele Arbeitsplätze schaffen. Nur die Umwelt würde das vermutlich nicht ertragen.

  • Martin Bürger sagt:

    Ohne die Intervention von Bernanky hätten wir ein riesiges Heer von Arbeitslosen. Wem hätte denn die Alternativvariante gedient? Rezession, Depression usw. Es gibt keine andere gute Lösung. Er hat einfach die Beste aller schlechten Lösungen gewählt.

    • Marcel sagt:

      Bürger: Keine Angst das riesige Heer von Arbeitslosen und die Depression kommen dann schon noch – Bernanke hat dies einfach aufgeschoben für seinen Nachfolger oder -in.

    • ueli der hecht sagt:

      @Martin Bürger
      Ich bin zwar weder ein Fan von Heli-Ben, noch vom System Kapitalismus überhaupt. Aber man fragt sich ja schon manchmal was diese „burning-down-the-house-Radikalliberalen“ überhaupt von ihrem heissgeliebten System verstehen. Hätte man 2007 bei der FED die Hände in den Schoss gelegt und den Markt nicht mit Liquidität überflutet. Hätten die einzelnen Nationalstaaten nicht ihre grossen Bail-out-Orgien veranstaltet…-…dann hätten diese Marktgläubigen den Kapitalismus schneller abgeschafft als es sich ein Kommunist jemals erträumen könnte. Radikalliberale dieser Welt – vereinigt euch!

      • ueli der hecht sagt:

        @Martin Bürger
        Ich meinte natürlich hätte man Ende 2008 bei der FED die Hände in den Schoss gelegt…Happy Birthday Lehman Brothers and Rest in Peace.

      • Johnny Smith sagt:

        @ ueli

        Das „Verstehen des Systems und Kritik an dem QE Aktionismus der FED schliessen sich absolut nicht aus. Ja, damals hatte man gute Gründe anzunehmen, dass das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch stand. Dass da das FED und andere Zentralbanken eingriffen, war wohl richtig (aus Sicht der Systemerhaltung, nicht aus Ihrer…). Die eingeschossene Liquidität wirkte zum Glück einem Zusammenbruch entgegen.

        Weshalb aber jetzt über fünf Jahre nach der Krise bei einem US Real-GDP-Wachstum im Bereich von +1.5-2% die FED immer noch Rückenwind machen will, ist aber nicht sehr logisch. Entweder ist die Situation viel schlechter als allgemein angenommen (was ich nicht annehme und va. nicht hoffe) oder dann sind die Verantwortlichen der FED viel zu selbstsicher und arrogant und setzen ihre Wachstumszielmarke (wenn das so einfach wäre…) immer höher an, obwohl sich immer mehr zeigt, dass QE der Realwirtschaft nicht viel bringt, aber sehr wohl zu Scherenentwicklung bei Einkommen und Vermögen beizutragen scheint.

        • ueli der hecht sagt:

          @Johnny Smith
          Nun – wie Sie richtig erkannt haben bin ich persönlich sowieso nicht für Systemerhalt. Aber wenn ich mich mal hypothetisch in die Rolle derjenigen versetzen würde, welche alles daran setzen wollen, dass es weitergeht – denke ich mal, dass diese Herrschaften sehr wohl Risiko und Chance abschätzen können. Keine Angst – alles wird gut für diejenigen – die am Drücker sind.

          • Johnny Smith sagt:

            @ ueli

            „denke ich mal, dass diese Herrschaften sehr wohl Risiko und Chance abschätzen können.“

            Da bin ich eben genau anderer Ansicht. Erstens zeigt sich immer mehr, dass der ‚Vorteil‘ praktisch inexistent ist und die Realwirtschaft fast nichts profitiiert. Zweitens lassen Bernanke und Co. eine gewisse Zurückhaltung und humbleness (soll ich sagen Demut?) vermissen im Umgang mit Experimenten in noch nie (zumindest nicht in weltwirtschaftlich wichtigen Märkten) gesehenem Ausmass bzw. darin innewohnenenden Risiken.

            Dass Sie als das aktuelle System Verachtender diese Kamikaze-Aktionen gut finden, kann ich ja verstehen, aber Zentralbanker…

    • Lorenz sagt:

      Meiner Meinung nach sollte man die Märkte ihre Arbeit verrichten lassen. Hohe Zinsen bei Anleihen zeigen ein hohes Risiko des Ausfalls. Nun, wenn z.B. Griechenland ausfällt, dann haben Viele mit den hohen Zinsen profitiert, müssen aber dann die Papiere vollständig abschreiben. So läuft der Markt und der läuft gut, solange der Staat nicht eingreift und vermeintlich rettet. Sobald gerettet wird, werden die falschen gerettet. Ein Crash des Systems trifft diejenigen, die in Hochrisiko-Anlagen investierten, also die Richtigen. Eine Rettung trifft schlussendlich die Kleinsparer und Normalbürger.

  • ralph kocher sagt:

    Bernanke macht Familienpolitik. Der grosse Rest gehört nicht dazu; dient aber zumindest als Zulieferer!

  • Sven Lindner sagt:

    Wenn man die Entwicklung der Aktienmärkte mit den Arbeitslosenzahlen und BIP Wachstum vergleicht, ist es offensichtlich, dass gerade eine Blase aufgepumpt wird. Platzen kann diese Blase jedoch erst, wenn auch die 99% wieder einmal Teil haben möchten an der wundersamen Geldvermehrungsmaschine „Börse“. Da diese immer noch leicht versengte Finger haben von 2008, wird es meiner Meinung noch 2-3 Jahre gehen, bevor auch die staatlichen Institutionen und Kleinsparer wieder ins USA Casino gehen. Auch der gewiefte Anleger wird nicht merken, an welchem Punkt die Hausse noch auf Bernanke zururückzuführen ist oder schon weil wieder echt erarbeitets Geld in die Börsen fliesst. Und wenn doch, dann ist es schon zu spät.

  • Thomas Sidler sagt:

    Das Problem besteht darin, dass das Geld, welches von der Amerikanischen Notenbank mit tiefen Zinsen verfügbar gemacht wird von den Märkten nicht mehr aufgesogen werden können. Die Statistiken z.B. über die Kreditvergaben zeigen, dass die Kreditvergabe der Banken an Kunden/Unternehmen eher zurückgegangen sind was zeigt, dass das Geld nicht in die Realwirtschaft fliesst sondern den Banken und ihren Kunden für die Spekulation an den Börsen dienen. Es sind denn auch diese Kunden welche mehr verdient haben. Allerdings werden sich auch diese nicht lange über den Geldsegen freuen können denn es liegt die Vermutung nahe, dass die Inlation viel höher ist als sie durch die Notenbank ausgewiesen wird und dass die Allgemeinheit am Ende die Zeche mit der Entwertung ihrer Währung bezahlt.

  • Peter Colberg sagt:

    War es nicht schon immer so das die Eliten jeglicher Gesellschaften manipulativ alles taten um durch Reichtümer auch die totale Macht zu erlangen? Früher war es die Kirche mit Sitz m Vatikan, heute ist es die undurchsichtige Finanzwelt die das Sagen hat.

    Ob historisch betrachtet oder mit dem Blick auf die Gegenwart, kann die Kollusion zwischen den Unternehmern, Banken, und Regierungen auf Dauer nur böse enden, ganz besonders in betracht der schwierigen Lage von Millionen Arbeitslosen und der systematischen Ausbeutung durch immer tiefere Gehälter von denen die als kleine „Zahnräder“ noch mitmachen dürfen. Das Fundament wackelt aber immer mehr, der Konsum ist seit dem Zerfall der Kreditblase infolge der 2008 Finanzkrise stark rückgängig, und letztlich brauchen die Eliten doch die Stabilität eines anständig bezahlten Mittelstandes.

    Das Ausbleiben massiver Inflation angesichts der aus allen Fugen geratenen QE Politik, mit dem Ziel einen totalen Absturz zu verhindern wie dieser 2009 sonst vieleicht stattgefunden hätte, hat eine Finanzblase erzeugt die wie eine aufgewirbelte Staubwolke irgendwann zu Boden kommen muss. Dies wird geschehen wenn das gegenwärtige, falsch optimistische Vertrauen der Spekulanten plötzlich weg ist, und die Unsummen des QE in der Realen Wirtschaft ankommen. Das arbeitende und sparende Volk wird im Zuge der Hyperinflation alles verlieren bevor nach einer Währungsreform ein neuer Finanzzyklus nach dem vorigen Muster wieder startet. The show must go on.

  • G. Meier sagt:

    Die Krise wurde nicht von Bernanke ausgelöst, sondern von gierigen Bankern (in der CH vor allem M. Ospel). Sie haben uns an den Rand des Abgrunds gestossen, nur um ihren Grössenwahnsinn zu befriedigen und ihr Portemonnaie noch mehr zu füllen. Dass dies ungestraft blieb, verdanken wir nicht zuletzt Bundesbern, weil gegen die CEO’s und VR-Mitglieder nicht geklagt wurde. Wie es so weit kam, wird im Film ’Der grosse Rausch – ein Banker packt aus’ eindrücklich dargestellt. Dass nach wie vor Boni in Mrd-Höhe fliessen und gleichzeitig keine Steuern bezahlt werden, kann oder will uns auch niemand erklären. Das Fed macht nun seit Jahren Symptombekämpfung und pumpt Liquidität in den Finanzmarkt. Die EU verordnet Hilfspakete im Wissen, dass nicht die Staaten, sondern die eigenen Banken gerettet werden, welche in den Krisenländern engagiert sind. Ganz schlimm ist, dass wir dieser gefährlichen Politik auf Gedeih und Verderben ausgeliefert sind, weil die SNB den CHF mit der Kursuntergrenze fest an den Euro gebunden hat. Irgendwann wird eine Hyperinflation über uns einbrechen, denn ich kann mir schlecht vorstellen, dass dieses aufgepumpte System ohne gravierende Auswirkungen Luft ablassen kann, Das ’Darlehen’, welches wir dem IWF gewährt haben, wird wohl irgendwann in Kohäsionsbeiträge umzubuchen sein. Meine Frage ist, wie wir uns schadlos halten können.

    • Lorenz sagt:

      Die Inflation hat schon längst begonnen. Sie wiederspiegelt sich darin, dass die Aktienmärkte ohne Grund sinnlos steigen. Die Aktien wiederspiegeln ihrerseits den wahren inneren Wert sowie den zukünftigen Wert einer Firma. Da diese gleich blieb, jedoch das globale Geld durch die QE und Wahnsinns-Kredite wertloser, sind SCHEINBAR die Aktien gestiegen. In Wahrheit sind jedoch alle Währungen gesunken.

  • Simon sagt:

    Das ist auch der Grund, weshalb die lockere Geldpolitik der letzten Jahre nicht zu Inflation führt: Es kommt nichts unten an, und deshalb halb steigt auch nicht die Kaufkraft.

  • Anh Toan sagt:

    Ich vermute folgendes:

    Im Einkommen sind Kapitalgewinne enthalten

    Im Jahr 2007 und 2008 waren die Einkommen der Reichsten negativ (Kapitalverluste).

    Da bei den Reichsten die Erwerbseinkommen unwesentlich sind, und die Erwerbszahlen (/Arbeitslosigkeit und Lohnniveau) als nachlaufende Faktoren gelten, während die Kapitalgewinne gerade zu den der Realität vorlaufende Faktoren sind.

    Wo finden sich die gleichen Zahlen ab 2007?

    • Holzherr Martin sagt:

      Genau Anh Toan. In diesem Artikel geht es meiner Meinung nach aber nicht in erster Linie um ungerechtfertigte Gewinne der oberen 1%, sondern um das Auflblasen einer Blase sichtbar an den Börsenkurven. Diese Börsenkurve steigen nicht etwa wegen der Realwirtschaft, sondern vor allem – oder sogar allein – wegen Bernankes Geldschwemme.
      Wenn die Blase platzt, dann werden die Reichsten, deren Vermögen an der Börse aufgeblasen wurde, wieder sehr viel verlieren.

      Fazit: Die Börsenblase macht die Reichsten sehr viel schneller reicher. Daraus lassen sich zwei Dinge lernen:
      1) Diese Börsenblase entsteht (fast sicher) durch das Quantitave Easing der US-Notenbank.
      2) Die Reichsten werden nicht durch ihrer Hände Arbeit reicher, sondern durch Spekulation

      • Anh Toan sagt:

        @Martin Holzherr:

        Definieren Sie Blase!

        Eine Blase ist nicht, wenn die Märkte nicht mit der Realität übereinstimmen, dass tun Märkte nämlich nie, sie widerspiegeln Zukunftserwartungen.

        Alle reden von Blasen, niemand hat 2007/2008 von einem Vakuum an den Märkten geredet, was genau der gleiche Mumpitz wäre.

      • Anh Toan sagt:

        Wenn Realität wahrgenommen wird, ist sie bereits Vergangenheit, und nichts ist wenigerr relevant für Märkte als Vergangenheit.

        „Buy the rumour, sell the fact“ drückt genau dies aus.

      • Anh Toan sagt:

        @Martin Holzherr:

        Anhand der Realität kann ich Ihnen aktuell eine Unterbewertung von Aktien als Blase belegen, und die grösste Blase am Aktienmarkt im Juni 2009 erkennen: Damals betrug das P/E für den S&P 500 satte 122, zur Zeit rund 18, angesichts der tiefen Zinsen würde ich, gemessen an der Realität, bis zu einem P/E von 25-30 bestimmt nicht von einer Blase reden.

  • Maciej Pietrzak sagt:

    Ich wundere mich seit Jahren, warum wir noch nicht eine riesige Inflation haben. Ich bin kein „Ökonom“, die Ökonomie aber interessiert uns alle, wir alle sind Ökonomen. Das zeigt (neben vielen anderen Erscheinungen) wie pervers das ganze westliche wirtschaftliche System in den letzten Jahrzehnten geworden ist. Das was ich schon seit Jahren weiss, wurde jetzt von einen „Ökonomen“ mit Zahlen belegt. Es ist für mich erschreckend dass so wenige Spezialisten also Ökonomen auf diese Missstände aufmerksam machen (zB ein Film des Prof. Hankel, „Es war einmal, der €“) und so wenige Bürger über das Systemwechsel von der Sozialen-Marktwirtschaft in die „Globalisierung“ und dessen Folgen im Klaren sind. Es ist auch erschreckend dass man in den Medien nur über einige Erscheinungen dieses Wechsels informiert wurde wie diese Geldpolitik oder enorme Einkommenunterschiede in der jetzigen Bevölkerung mit der linken Symptombekämpfung-Politik (1:12 zB). Was wir aber jetzt erleben ist der Wechsel des sozialen und politischen Systems.

    • Rene Wetter sagt:

      @Pietrzak: Wenn das Geld nicht bei der Bevölkerung ankommt die es ausgeben würde, kommt es zu keiner Inflation. Die 1% die alles einsacken hatten vorher schon mehr als sie ausgeben können, also ist das Geld sozusagen serilisiert auf den Konten und verursacht keine Inflation. Das wird auch solange so bleiben wie der Mittelstand mit diesem einen Prozent kungelt, in der irrigen Annahme, dass sich das für ihn auszahlen würde.
      Der Nachteil einer solchen Konzentration der Vermögen ist, dass das Wirtschaftssystem immer unstabiler wird. Die Rezessionen folgen sich immer dichter, den Eliten kanns egal sein, sie leiden nicht darunter, wo die Zahlen es zeigen.

      • ast sagt:

        Genau so ist es Herr Wetter, was auch ich hier schon lange immer wieder gesagt hatte, ist nun offenbar in der NMTM Blog-Statistik via Umwegen aus Berkeley hier angekommen. Das weitere ungehemmte Treiben der (deflationär wirksamen) Gelddrucker wird letztlich die westlichen Demokratien zerstören. Die ungeheuren Schuldenberge entsprechen auf der anderen Seite einem Guthaben in gleicher Höhe -aber in Händen von Menschen die dafür nicht das Geringste tun mussten als ihre (Tricks) -Taschen zu öffnen. Dieser Neo -Feudalismus der Finanzindustrie ist ein politisches Äquivalent zur biologisch wirksamen schwarzen Pest im Mittelalter. Die Ausbreitung weiterer Schieflagen geschieht durch ähnliche Unkenntnis wie man damals nicht wusste wie die Pest entsteht. Die Krankheitskeime der Ökonomie konnten sich im von Wertbindung an Gold entferntem Fiat Money festfressen, weil auch alle staatlichen und anderen Sicherungen gegenüber von Gewinnmaximierung entfernt wurden. Folglich steigt zwar die Geldmenge, nicht aber die Umlaufgeschwindigkeit in der Realwirtschaft, Wertpapiere sind so zum Krankheitskeim geworden und entziehen der Realwirtschaft die Lebenskraft. Berge von Geld liegen brach, weil sie als Schulden verbucht sind die niemand zurück zahlen kann.

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