Das Märchen vom boomenden Schweizer Export

Uhren am Stand der Swatch an der BaselWorld in Basel am Donnerstag, 25. April 2013. (KEYSTONE/Georgios Kefalas

Ohne Eurountergrenze wäre der Schweizer Export eingebrochen: Uhren am Stand der Swatch an der Basler Messe, 25. April 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Im Zusammenhang mit der Untergrenze der Nationalbank (CHF 1.20 pro Euro) wird immer wieder behauptet, dem Schweizer Export gehe es sehr gut. Manche sind sogar der Meinung, die Exportindustrie habe die Untergrenze gar nicht benötigt. Die Schweiz sei ja vor allem in Nischenmärkten spezialisiert, wo der Preis kaum eine Rolle spiele. Wie die Landwirtschaft hätten die Exportwirtschaft und der Tourismus einfach so lange gejammert, bis sie Subventionen in Form eines Wechselkurszieles bekommen hätten. Die Nationalbank habe leichtsinnig gehandelt.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Seit längerer Zeit ist klar, dass der Export alles andere als gut läuft. Man kann heute, rund zwei Jahre nach der Einführung der Untergrenze, klar bilanzieren, dass die Massnahme berechtigt und alles andere als leichtsinnig war. Ohne Untergrenze wäre es zu zahlreichen Konkursen und Entlassungen gekommen. Das hätte einen grossen finanzpolitischen Aktivismus ausgelöst, der dem Bund sehr teuer gekommen wäre. Auch die Sanierung der Arbeitslosenversicherung hätte man unter diesen Umständen gleich wieder vergessen können. In Anlehnung an Churchill könnte man sagen: Die Wechselkursuntergrenze ist die schlechteste aller wirtschaftspolitischen Massnahmen – abgesehen von allen anderen.

Die erste Grafik zeigt sehr klar, wie die Erholung nach der grossen Rezession 2009 durch die Eurokrise gebremst worden ist. Seit 2010 geht es nicht mehr richtig vorwärts. Und seit dem dritten Quartal 2012 geht es sogar nur noch abwärts. Die schwache Nachfrage in Europa und nun auch in Asien hinterlässt deutliche Spuren. (Quelle aller Grafiken ist die Eidgenössische Zollverwaltung)

Am meisten leidet die Maschinen- und Elektroindustrie. Seit zwei Jahren schrumpft der Export. Das betrifft immerhin rund 15 Prozent der Gesamtexporte.

Die Pharmaindustrie, die etwa 40 Prozent der Gesamtexporte ausmacht, schneidet besser ab, aber kommt nicht richtig vom Fleck. Früher war sie von der Weltkonjunktur kaum betroffen, da die Nachfrage nach Medikamenten wegen der staatlichen Gesundheitspolitik stabil ist. Aber das scheint diesmal anders zu sein. Wäre interessant zu wissen, was genau dahinter steckt.

Bei der Uhrenindustrie ist im letzten Halbjahr das abrupte Ende des Asienbooms gekommen, nicht nur in China/Hongkong, sondern auch in Indien. Die Uhrenindustrie macht 10 Prozent der Gesamtexporte aus.

Wirklich gut lief nur der Export von Nahrungs- und Genussmittel, aber ihr Anteil an den Gesamtexporten ist geringer als 5 Prozent.

Die Zweiteilung der Schweizer Wirtschaft hält also weiterhin an. Der Binnensektor boomt, der Exportsektor lahmt. Die Wechselkursuntergrenze hat weiterhin ihre Berechtigung.