Wie entsteht eigentlich Geld?

Stacks of one dollar bills are readied for shipment after being cut from sheets at the Bureau of Printing and Engraving in Washington in this April 24, 2001 file photo, during a rare tour of the facility. Of the $500 billion in U.S. currency in circulation, 50 percent to 70 percent is outside the United States. (KEYSTONE/AP Photo/Hillery Smith Garrison) === ELECTRONIC IMAGE ===

Die Entstehung von Geld und die physische Herstellung von Geld ist nicht dasselbe: Druckmaschine für Dollarnoten in Washington, 2001. (AP Photo/Hillery Smith Garrison)

Es ist Sommer, es ist heiss, wir schwitzen in unseren unklimatisierten Büros. Sprechen wir also zur Abwechslung mal über etwas Leichtes. Sprechen wir über Geld.

Genauer: Wie entsteht Geld eigentlich?

Vor zwei Wochen haben wir in diesem Blogbeitrag zu China den Ökonomen Hyman Minsky vorgestellt. Ein Kernelement von Minskys Lehre war die Notwendigkeit, den Finanzsektor in die Analyse der Funktionsweise einer Volkswirtschaft einzubeziehen. Denn dieser, so argumentierte der Amerikaner, beeinflusse über den Kreditschöpfungszyklus massgeblich den Gang der Konjunktur.

Minskys Lehre und die daraus abgeleitete Schule des Post-Keynesianismus steht in komplettem Gegensatz zur neoklassischen Ökonomie, in der der Finanzsektor weitgehend ignoriert wird.

Wie ist das möglich? Wie kann die Mainstream-Ökonomie nach fünf Jahren fast ununterbrochener Finanzkrise immer noch annehmen, die Banken, der Finanzsektor respektive der Kreditzyklus seien irrelevant?

Die Antwort liegt in der unterschiedlichen Auffassung zur Frage, wie Geld in einer Wirtschaft eigentlich entsteht. Stark vereinfacht gesagt geht die neoklassische Lehre davon aus, dass Geld exogen, also ausserhalb des Finanzsystems entsteht, durch Handlungen der Zentralbank. Die Post-Keynesianer vertreten dagegen die These, Geld werde endogen, also innerhalb des Finanzsystems geschaffen.

Gehen wir etwas genauer auf diesen Glaubenskrieg ein. Im neoklassischen Modell – also das, was wir hier Mainstream-Ökonomie nennen – kann eine Bank nur Kredite vergeben, wenn sie die dafür nötigen Mittel in ihrer Bilanz bereits hat. Im Englischen wird dabei vom «Loanable Funds»-Modell gesprochen. Sparer deponieren ihr Geld bei der Bank, und diese wiederum kann das Geld in Form von Krediten an Haushalte oder Unternehmen weiterreichen. «Geduldige» (die Sparer) finanzieren also die «Ungeduldigen» (die Kreditnehmer), während die Banken nur als Vermittler zwischen den zwei Gruppen fungieren. Erhöht werden kann die Geldmenge im System nur durch die Zentralbank – also exogen: Sie kauft am Markt Wertschriften und stellt den Geschäftsbanken so Geld zur Verfügung, das diese wiederum als Kredite und unter Einhaltung der Mindestreserveanforderungen an die Realwirtschaft ausleihen können.

Wer an dieses Modell glaubt, kann tatsächlich zum Schluss kommen, das Finanzsystem sei unwichtig. Jedem Schuldner steht ein Gläubiger gegenüber, jedem Investor ein Sparer, und in der Summe gleichen sie sich aus.

Schön wär’s.

Was aber, wenn das Finanzsystem ein dunkles Eigenleben führt? Was, wenn dieses Eigenleben inhärent instabil ist und es, wenn es ausser Kontrolle gerät, die gesamte Wirtschaft in den Abgrund reissen kann?

Hier kommt die endogene Geldtheorie ins Spiel.

Für die Post-Keynesianer wird Geld im Finanzsystem selbst – endogen – geschaffen, auf wundersame Weise aus dem Nichts geschöpft. Der Begriff «Geld aus dem Nichts» schaffen geht übrigens auf Joseph Schumpeter zurück, der den Begriff 1934 in seiner «The theory of economic development: an inquiry into profits, capital, credit, interest and the business cycle» (Seite 106) verwendete (nebenbei bemerkt: Hyman Minsky war Schüler von Schumpeter).

Wie soll das gehen, Geld aus dem Nichts erschaffen? Ganz einfach, die Bank kann das durch eine simple Buchung: Sie verleiht dem Kunden einen Kredit über, sagen wir, eine Million Franken und schreibt diese Million sogleich dem Konto dieses Kunden gut. Sie hat per Knopfdruck ein Aktivum (ihr Kreditguthaben) sowie ein Passivum (die Forderung des Kunden) in ihrer Bilanz geschaffen.

Der gegenwärtig wohl einflussreichste Verfechter der endogenen Geldtheorie ist Steve Keen von der University of Western Sydney in Australien. Er hat in den vergangenen Jahren ein Softwaresystem mit dem treffenden Namen «Minsky» entwickelt, mit dem er die endogene Geldtheorie beweisen will. Wer sich dafür interessiert: Mehr dazu im Blog von Keen.

Doch kommen wir zurück zum Finanzsystem: Sind alle Banken gleichzeitig sehr ausgabefreudig in ihrer Kreditvergabe, erhalten die Unternehmen und privaten Haushalte enorm viel Geld zur Verfügung, mit dem sie allerlei Investitionsprojekte – Häuser, Fabriken, Firmenübernahmen, etc. – finanzieren können. Diese Bau- und Investitionstätigkeit heizt den Wirtschaftsboom weiter an, was die Preise für Vermögenswerte wie Immobilien oder Aktien weiter steigen und die Banken in der Kreditsprechung noch freigiebiger werden lässt: ein wunderschöner, in sich geschlossener positiver Feedback-Kreis.

Und weil dieses Spiel nicht ewig weitergehen kann, schlägt irgendwann der Minsky-Moment zu, und das Rad beginnt, sich in die andere Richtung zu drehen.

Nachfolgend zwei Grafiken, sozusagen als Beweisstück A und B für die These der endogenen Geldschöpfung:

Die erste Grafik zeigt die Entwicklung des kumulierten ausstehenden Schuldenvolumens aller Wirtschaftssubjekte in den USA in Relation zum Bruttoinlandprodukt über die letzten hundert Jahre (das Schuldenvolumen der privaten Haushalte ist hellblau eingefärbt, die Unternehmen blau, der Finanzsektor gelb, parastaatliche Hypothekarinstitute wie Fannie Mae rosa und der Staat schliesslich grün):

In den rund 35 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bewegte es sich einigermassen stabil um 150 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Ab den frühen Achtzigerjahren, zeitgleich mit der von Ronald Reagan eingeläuteten Deregulierungswelle im Finanzsektor, stieg das Schuldenvolumen massiv an und erreichte 2007 einen Wert von über 350 Prozent des BIP. Diese Zeit war von ausserordentlich robusten Wirtschaftswachstumsraten und zwei sehr kurzen Rezessionen (1991 und 2001) geprägt.

Ab 2008 fiel die US-Wirtschaft in den Schuldenabbau-Modus – auch Deleveraging genannt –, und seither kommt das Wirtschaftswachstum kaum mehr vom Fleck. Kann es sein, dass der massive Kredit-Aufbau zwischen 1982 und 2007 das Wirtschaftswachstum angeheizt hat und der Kreditabbau seither als Bremse wirkt?

Hier Beweisstück B, es stammt von Professor Keen selbst:

Die Grafik zeigt die Arbeitslosenrate in den USA (blaue Kurve, rechte Skala) seit 1990. Die rote Kurve zeigt die jährliche Veränderungsrate des ausstehenden Kreditvolumens (in Prozent des BIP, linke Skala). Der Korrelationskoeffizient der beiden Kurven beträgt gemäss Keen -0,92, das heisst, sie sind fast perfekt gegenläufig. Will heissen: Steigt das Kreditvolumen, sinkt die Arbeitslosenrate (was ein Indiz für kräftiges Wirtschaftswachstum ist). Sinkt das Kreditvolumen oder sackt es gar wie Ende 2008 zusammen, steigt die Arbeitslosenrate kräftig in die Höhe.

Wir wissen: Korrelation bedeutet nicht Kausalität. Aber eindrücklich ist das Bild allemal.

Ich überlasse es gerne Keen, den Beweis für die These der endogenen Geldschöpfung zu erbringen. Meiner Meinung nach hat er die Argumente aber klar auf seiner Seite.

Ein weiterer überzeugter Minskyaner ist übrigens Dirk Bezemer von der Universität Groningen in den Niederlanden. Er hat eine amüsante und lehrreiche Kurzfilmserie produziert, in der er die Entstehung von Geld, das Wesen des Kreditsystems, die Bildung von Spekulationsblasen und die Nachwehen des Finanzcrashs erklärt. Wenn Sie Zeit haben: Es lohnt sich. Sie finden die Filme hier.

Zum Schluss, wie immer, noch zwei, drei Links zum Wochenende:

248 Kommentare zu «Wie entsteht eigentlich Geld?»

  • David sagt:

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  • Baer sagt:

    @ Oliver. Da steckt jetzt viel drin, das man ausgiebig diskutieren könnte, und sehr vernünftig klingt. Hört sich ein bisschen nach Galbraith (Vater und Sohn) an. Politisch bin ich grob gesagt ein Vertreter der Ansichten Noam Chomskys. Grundsätzlich: Je mehr Demokratie von unten nach oben, desto besser. Aber item, lieber Ökonomie: Wenn die Gesellschaft ingesamt Output im Wert von, sagen wir, CHF 1 Mrd hergestellt hat, dann wurden auch Einkommen für CHF 1 Mrd ausbezahlt (siehe VGR). Wenn ich jetzt konsumiere, ohne Einkommen zu besitzen (also qua Konsumkredit), konsumiere ich per Definition den Output der Anderen und beziehe somit notwendigerweise auch deren Einkommen. Wenn ich jetzt den Konsumkredit nicht zurückzahlen kann, trägt mein Gläbiger (Wer auch immer das ist) den Verlust und muss die Forderung mir gegenüber abschreiben. Somit finanziert mein Gläubiger meinen Kauf durch sein Einkommen, welches er erzielen muss mit seiner Geschäftstätigkeit (bei Banken Zinsgeschäft, Beratung etc.). Wenn ich also das Einkommen nie zurückzahle, trägt es einfach der Gläuiger des „Überkonsumierers“.

    • Oliver sagt:

      konsumiere ich per Definition den Output der Anderen und beziehe somit notwendigerweise auch deren Einkommen

      Dem ersten Teil stimme ich voll und ganz zu, konsumiert werden kann jedes Produkt nur einmal. Beim zweiten Teil bin ich offensichtlich anders geschult. Das für den Konsum gebrauchte Einkommen geht ja aus einem neuen Kredit hervor und daher eben nicht aus dem Einkommen einer anderen Person. Es ist das Versprechen, in Zukunft eine wirtschaftliche Leistung zu erbringen, die genug Einkommen erzeugt, um mindestens die Kreditkosten zu decken, aber raubt doch dadurch dem Anderen nicht die Möglichkeit in Zukunft aus dem in dieser Periode ersparten Einkommen zu konsumieren? Mir scheint, du unterscheidest zwischen verschiedenen Kreditarten, was ich inhaltlich nachvollziehen kann, aber meines Wissens (welches keineswegs gross ist in diesem Belang) nicht der gängigen Buchhaltungspraxis entspricht.

      • Baer sagt:

        @ Oliver. Zwei Einwände zu deinen Äusserungen. Wenn der Output konsumiert wird, das Einkommen aber konstant bleibt oder sogar wächst, dann stimmt die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nicht (Einkommen = Output). Kannst du damit gut leben?

        Es entstehen zwar neue Bankdepots durch die Gewährung eines Konsumkredites, jedoch nicht neues Einkommen. Bankdepots können, müssen aber nicht die Form von Einkommen sein. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich nehme einen Kredit auf, um Aktien zu kaufen. Die Benutzung des Kredits weitet die Bankbilanz aus um CHF x auf beiden Seiten. Ist dadurch neues Einkommen entstanden? Nein, denn keine Produktion geschah. Trotzdem gibt es mehr Bankdepots. Eine Ausweitung der Bankdepotmenge ist deshalb nicht gleichzusetzen mit der Ausweitung von Einkommen.

        • Oliver sagt:

          Verstehe. Wird das auch so in der nationalen Buchhaltung behandelt? Aktienverkäufe werden nicht als Einkommen, sondern als Verwendung von Ersparnissen? Kommt mir jedenfalls bekannt vor. Wieder was gelernt…

          • Oliver sagt:

            Ersparnissen verbucht, sollte das heissen

          • Baer sagt:

            @ Aktienkäufe auf Kredit erhöhen offiziell die (sogenannte) Geldmenge (also Bankdepots auf Passivseite), nicht aber die Menge Einkommen.

        • Linus Huber sagt:

          @ Baer

          Das ist die von mir angesprochene Kollateralisierung von meist „Sachwerten“ und nicht Kredit zur Erarbeitung von wirtschaftlichem Mehrwert (Einkommen), wodurch die Geldmenge ohne zusaetzliches Einkommen ausgeweitet wird. Ein leicht verstaendliches Konzept mit entsprechenden Konsequenzen.

          • Baer sagt:

            @ Huber. Weder sprach ich von Sicherheiten, noch ist das hier einfach.

          • Linus Huber sagt:

            @ Baer

            Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich nehme einen Kredit auf, um Aktien zu kaufen.

            Was glauben Sie auf welcher Basis Ihnen ein Kredit gewaehrt wird? Einzig durch die Zurverfuegungstellung einer Sicherheit; selbst bei einem Konsumerkredit dient der gekaufte „Sachwert“ als Sicherheit.

            Es gilt zwischen Krediten, welche zwecks Erreichung eines Mehrwertes fuer eine Wirtschaft erteilt werden und eben solchen grundsaetzlich unproduktiven Krediten, welche einzig dem Zwecks dienen, Konsum vorzuziehen. Im ersten Fall muessen oft Projektstudien und der Ruf des Unternehmers als Sicherheit funktionieren (oder der Gesamtwert seines bestehenden Unternehmens) und es wird ein profitables Resultat fuer die Beteiligten erwartet. Im 2. Fall wird zukuenftig erwartetes Einkommen verpflichtet, wobei dieses Einkommen durch die Krediterteilung nicht zunimmt (keinen Mehrwert fuer die Volkswirtschaft schafft).

          • Linus Huber sagt:

            Und jetzt kommen wir zum springenden Punkt, naemlich, WARUM und aufgrund welcher Konditionierung veraenderte sich das Verhalten der Gesellschaft dahin, dass ein immer hoeherer Anteil von „Assets/Sachwerten“ kollateralisiert wurden.

        • @ Baer

          Das Beispiel ist ein bißchen unglücklich, weil Aktien Eigentumsrechte an einem Unternehmen darstellen, die nicht direkt mit dem Output zu tun haben, weil es sich dabei um Bestandsumschichtungen im Vermögen handelt. So könnte der Verkäufer sofort seinerseits Schulden tilgen, so daß das volkswirtschaftliche Kreditvolumen sofort wieder sinkt.

          Der Punkt ist, daß der Gläubiger (Bank) eines Konsumkredites (=Kauf von Neuwaren) bei einem Kreditausfall die „Überkonsumption“ des ausgefallenen Schuldners durch Erträge aus Zinsen (=bediente Kredite) und Provisionen etc. ausgleichen (konsolidieren) muß. D.h. die Erträge, welche die Bank bucht werden nicht (mehr) zu ihrem Einkommen, weil der Kreditausfall eine auszugleichender Aufwand ist. Die Bestandsveränderungsposition „Gewinn“ wird durch diese Aufrechnung gelegentlich erheblich geschmälert. Im Endeffekt verschwindet der ausgefallene Kredit aus der Bilanz, genauso wie der eigentlich erzielte Ertrag nicht mehr aufscheint, weil er gegen die Bestandsänderungsposition „Kreditabschreibung“ aufgerechnet worden ist.

          Das hat was damit zu tun was man für die Funktion von Zinsen hält. Man kann sich auch einen „Gleichgewichtszins“ vorstellen, der es gerade erlaubt den Aufwand aus notwendig gewordenen Kreditabschreibungen zu decken. Das ist immerhin mal eine monetäre Zinstheorie!

          http://soffisticated.wordpress.com/2013/05/07/zinsen-individual-oder-gemeinschaftskonzept/

          • Baer sagt:

            @ Menendez: Wieso unglücklich? Ich wollte lediglich zeigen, dass Kreditvergabe zu neuen Bankdepots, aber nicht zu neuem Einkommen führt. Dafür sind kreditfinanzierte Aktienkäufe oder der Konsumkredit doch gute Beispiele?

          • Das ist ja soweit unstrittig. Es geht doch in dieser Diskussion um die Frage was passiert, wenn nicht aus Einkommen, sondern auf Kredit aus dem Sozialprodukt! gekauft wird und inwieweit der Gläubiger mit seinem Einkommen den Kreditausfall kompensieren muß.

            An sich ging es mir auch (ebenfalls) mehr um den obigen Halbsatz: „… konsumiere ich per Definition den Output der Anderen und beziehe somit notwendigerweise auch deren Einkommen.“

            Vielleicht habe ich auch nur euren aktuellen Diskussionspunkt falsch verortet. 🙂

    • Oliver sagt:

      Hier eine aus meiner Sicht gute soziale Theorie zur Einbettung von Märkten, Staaten und sozialen Netzwerken in einen systemischen Gedanken:

      http://twotheories.blogspot.ch/2012/05/timn-in-20-minutes-video-presentation.html

    • Oliver sagt:

      Noch zu diesem Satz:

      Wenn ich jetzt den Konsumkredit nicht zurückzahlen kann, trägt mein Gläbiger (Wer auch immer das ist) den Verlust und muss die Forderung mir gegenüber abschreiben. Somit finanziert mein Gläubiger meinen Kauf durch sein Einkommen, welches er erzielen muss mit seiner Geschäftstätigkeit (bei Banken Zinsgeschäft, Beratung etc.). Wenn ich also das Einkommen nie zurückzahle, trägt es einfach der Gläuiger des “Überkonsumierers”.

      Und wenn der Gläubiger nun mit seinem Einkommen nicht konsumiert? Dies ist nur eine Unterstellung, aber die Argumentation impliziert, dass wenn nicht ein ‚böser‘ Überkonsument gekommen wäre, irgendein unsichtbarer Auktionär schon dafür gesorgt hätte, dass aller Output konsumiert, bzw. kein Einkommen gespart worden wäre.

      • Baer sagt:

        @ Oliver. Ich verstehe die Frage nicht ganz. Der Gläubiger konsumiert ja eben nicht, sonder stellt sein Einkommen zur Verfügung. Es gibt zwei Möglichkeiten innerhalb der gesetzlichen Schranken, wie ich überkonsumieren kann (und ich meine Überkonsum nicht pejorativ). Erstens suche ich bestehende Ersparnisse ein Besitzern von Einkommen. Diese transferieren dann ihre Einkommen auf mein Konto, worauf ich ihnen einen Schuldschein (z.B. in Form einer Anleihe) überweise. Dies funktioniert analog der loanable funds theory, und für diese Operation braucht es keine Bank. Eine Investmentbank oder ein Hedgefond kann das genauso gut. Wenn ich nun mit diesem Einkommen etwas kaufe, wird der Kauf natürlich durch Einkommen finanziert. Wenn ich die Schuld nicht zurückzahlen kann, trägt mein Gläubiger die Last.

        Für die zweite Möglichkeit brauche ich einen Konsumkredit, und das kann nur eine Bank. Nur Banken haben die Fähigkeit, durch Kredite die Aktiven und Passiven der Bankbilanz zu erweitern und dadurch neue Depots zu schaffen. Wenn ich nun einen solchen Konsumkredit beziehe (@ Linus: ob mit oder ohne Sicherheiten ist eine zweitrangige Frage die Risk Manager der Bank etwas angeht, aber nicht in erster Linie Geldtheoretiker), dann zehre ich vom Output und vom Einkommen der Bevölkerung. Wegen der Identität von Einkommen und Output kann nicht das eine abnehmen und das andere gleich hoch bleiben.

      • Oliver sagt:

        Ja, ich hatte dir ein pejoratives Moment unterstellt. Ich bin es gewohnt, die Sache aus der Perspektive der Nachfrage zu betrachten – ungeachtet deren Ursprung und im Hinblick auf Vollbeschäftigung. Keynes, halt.

        • Baer sagt:

          @ Nachfrage ist wichtig. Angebot auch. Die Identität von Angebot (Output) und Nachfrage (Einkommen) innerhalb jeder Transaktion ist eine theoretisches Gesetz und empirisch nicht anzweifelbar. Gedankenexperiment. Stell dir vor, wir hätten jetzt gerade ein Einkommensniveau von CHF 1 Mrd und Output im Wert von CHF 1 Mrd. Welche Transaktion könnte dieses Gleichgewicht aus der Ruhe bringen. Meine Antwort: Keine einzige. Es ist eine buchhalterische Identität. Das heisst, die Wahrheit liegt genau zwischen Nachfrage- und Angebotsökonomie. Weder führt Nachfrage zu neuem Angebot noch umgekehrt. Angebot und Nachfrage werden innerhalb jeder Zahlung SIMULTAN determiniert. Es existiert keine Kausalität, und das ist ein Faktum.

          • Oliver sagt:

            @ Menendez

            Dieser Halbsatz war auch der Stein meines Anstosses.

            @ Baer

            Daher wurde ja das Konzept der effektiven Nachfrage erfunden. Output = Einkommen = Nachfrage =/= effektive Nachfrage. Mensch kann auch sparen (unterkonsumieren) oder neue Schulden zum Konsum aufnehmen (überkonsumieren) während Output verdirbt oder an Wert gewinnt. Auf der Angebotsseite können neue Technologien erfunden, oder Substitute gefunden werden. Dann ist zwar mit jeder Transaktion Output = Einkommen gegeben, aber es ist jeweils eine Kraft definiert, die dafür sorgt, dass sich über die Zeit hinweg das absolute Level beider verändern kann. Und eine dieser Kräfte ‚effektive Nachfrage‘ zu nennen finde ich nicht falsch. Dahinter kann sich ja allerlei verbergen, erfolgreiche Lohnverhandlungen z.B.. Eine Theorie ohne Annahmen der Kausalität ist jedenfalls meines Erachtens keine Sozialwissenschaft, sondern ein Versuch sich hinter Tautologien zu verstecken.

          • Baer sagt:

            @ Oliver: Bereits James Steuart und Adam Smith verwendeten das Konzept der „effektiven“ Nachfrage (effectual demand bei Smith). Es wurde schon damals schwammig genutzt. Entweder man kauft etwas, dann ist das Nachfrage, oder man kauft nichts, dann ist da keine Nachfrage. Die Unterscheidung in Nachfrage und effektive Nachfrage ist unnütz. Nimm die berühmte keynesianische Darstellung der Determination der effektiven Nachfrage: Dort, wo C + I (Nachfrage) auf C + S (Angebot) trifft, ist gerade die effektive Nachfrage. Keynes hätte gerade so gut sagen können, dass dort das effektive Angebot ist – diese ist ja auch im Schnittpunkt bestimmt. Ausserdem: Laut Grafik ist es möglich, bei null Angebot eine positive Nachfrage zu haben. Wie will man konsumieren ohne Produkte und also Einkommen?

          • Oliverer sagt:

            OK, ich lasse mir das mal auf der Zunge zergehen. Gleichgewichte, auch das zwischen Angebot und Nachfrage, haben mich immer intuitiv gestört. Mal angenommen es stimmt: was ist deine präferierte Theorie der wirtschaftlichen Kausalität(en)? Und welchen Einfluss üben Geld- und / oder Fiskalpolitik auf den Verlauf der Wirtschaft aus und warum?

          • Oliver sagt:

            Meine Antwort ist verschluckt worden. Recap:

            Was ist deine präferierte Theorie der Kausaliät(en)? Und welche Form der Wirtschaftspolitik hältst du für effektiv und warum?

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Man muss hierzu sehr scharf unterscheiden zwischen „psychologischen“ und ökonomischen Konzepten. Ökonomen sprechen oft von „desired demand“ oder „ex ante savings“ und benutzen diese Grössen in ökonomischen Modellen (Gunnar Myrdal und Keynes sei Dank). Bevor etwas gekauft wird, existiert der Tausch erst als Erwartung im Hirn. Ökonomisch ist noch nichts geschehen. Nun argumentieren Ökonomen oft, dass ex ante-Grössen voneinander abweichen können, ex post sind sie gleich. Das Problem ist, dass ex ante, also vor der Transaktion, diese Grössen nur im Kopf existieren, und nicht teil der ökonomischen Realtität sind. Nachfrage ist „effektiv“ nur im Moment des Tausches. Vorher kannst du von Nachfrage träumen, über sie nachdenken, jedoch existiert sie nicht als ökonomische Grösse. Das ist so, wie wenn ein Physiker von gewünschter Gravitation und Gravitation spricht und beide auf dieselbe konzeptionelle Stufe hebt. Dabei ist es doch klar, dass „gewünschte Gravitation“ eine mentale Repräsentation ist, kein physikalisches Phänomen.

            NUR im Tausch realisieren sich Nachfrage und Angebot, und sie sind dann per Definition identisch. Gewünschtes Angebot mag evtl. zu gewünschter Nachfrage führen (Say), oder umgekehrt (Keynes), aber das ist makroök. irrelevant. Nachfrage IST ETWAS, nicht nur ein Gedanke. Es ist Einkommen, und dieses existiert in der ökonomischen Realität. Dasselbe gilt für das Angebot. Angebot und Nachfrage sind die zwei Seiten einer instantaten Operation.

          • Oliver sagt:

            OK, das ist präzis, deckt sich aber auch ungefähr mit meinen bisherigen Vorstellungen. Der Begriff ’notional demand‘ ist mir in diesem Zusammenhang auch schon über den Weg gelaufen.

            Es deckt sich auch mit der Ansicht, à la Katharina Pistor, dass das Finanzwesen als juristisches Konstrukt betrachtet werden kann. Das relevante Ereignis ist dabei der Vertragsabschluss = Transaktion.

            Aber gibt es nicht auch ökonomisch relevante Ereignisse, die ohne konkrete Transaktionen zustande kommen? Ich denke hier konkret an Bewertungen.

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Hier liegt die Schwierigkeit darin, Buchhaltungsbewertungskonzeptionen (true and fair view, fair value, etc.) vom makroökonomischen Konzept von Wert zu unterscheiden. Wenn insgesamt Löhne von CHF 1 Mio bezahlt werden, dann existieren Einkommen im Wert von genau CHF 1 Mio. Die Produkte insgesamt haben ebenfalls einen Wert von CHF 1 Mio. Ich kann jedoch den Wert nicht runterschlüsseln auf das einzelne Produkt, das ist eine logische Unmöglichkeit. Nur der globale Wert ist bestimmbar. Deshalb ist Wert übrigens ein makroökonomisches Konzept. Ich kann bei CHF 1 Mio Einkommen sagen, dass Produkte mit exakt CHF 1 Mio Wert existieren. Werte entstehen also auf dem Arbeitsmarkt. Auf dem Gütermarkt entstehen dann Preise, und diese kann man dann beobachten. Produktpreise können insgesamt über dem Wert liegen, was wiederum zu Profiten führt. Was passiert nun bei einer „Wertverlust“ unverkaufter Ware? Sagen wir, Waren im Wert von CHF 100’000.- werden physisch zerstört. Die Unternehmung musste sich ja davor verschulden, um die Löhne zahlen zu können (wir müssen ja von tabula rasa ausgehen, sprich die Unternehmung musste sich verschulden, um Löhne zahlen zu können). Nun muss die Unternehmung einfach die restlichen Waren mit einem höheren Mark-up verkaufen (höhere Konsumentenpreise), um die Schuld bei der Bank zu begleichen. D. h., der Konsument bezahlt letztlich die zerstörte Ware, sie wird also ökonomisch konsumiert, auch wenn sie nicht physisch konsumiert wird. Hilft das?

          • Oliverer sagt:

            Ist sehr klar und scheint mir kohärent, besten Dank.

  • Oliver sagt:

    Ja, er unterschiedet nicht zwischen Bankkredit und verschiedenen Formen des Basisgelds, sondern schmeisst alles in einen Topf. Ich finde allerdings die Erkenntnis, dass die Geldmenge (welche nun auch immer) endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung reagiert, den entscheidenderen Schritt weg von der QTM und ihren exogenen, top-down Implikationen als die Feinheiten im Nexus zwischen Banken, Zentralbanken, und dem Privatsektor. Und angesichts der Tatsache, dass die QTM immer noch das Rückgrat aller heute gängigen Makrotheorien ist, sind selbst die Sicht von Eccles oder z.B. die real bills doctrine geradezu heterodox. Fischer und Friedman haben gewonnen…

    Was die Entstehung des Geldes anbelangt, finde ich die ‚revolutionäre‘ Ansicht der ‚theory of monetary emissions‘ mittlerweile sehr überzeugend. Die Implikationen sind oft in den Feinheiten versteckt. Mir fehlt allerdings für eine ausgewogenere Betrachtung manchmal das Augenmerk auf die politische / staatsrechtliche Komponente des Geldes. Hier finde ich nach wie vor die Chartalisten interessant und z.B. auch die Arbeit von Katharina Pistor mit ihrer ‚legal theory of finance‘. http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2178066

    Ich komme im Moment wenig zum lesen, es langt meistens nur für kurze Artikel und Kommentare in Blogs. Als wissenschaftlich würde ich das nicht bezeichnen. Eher ein Hobby, um von der Belanglosigkeit des Alltags abzulenken. Aber du könntest mal wieder einen Blogeintrag schreiben :-).

    • Baer sagt:

      @ Oliver: Ja, wenns um Politik geht bleibt die Theorie (sehr bewusst) neutral. Mit Bezug auf die Rolle des Staates denke ich, dass es richtig ist, den Staat als einen von vielen wirtschaftlichen Akteuren zu betrachten, mit dem Unterschied, dass dieser Akteur sehr gross ist. Er muss Einkommen abschöpfen, wenn er einkaufen will, und er muss Konsumkredite beziehen, wenn er ohne Einkommen kaufen will, wie jeder andere. Er kann nichts endgültig kaufen, indem er sich verschuldet. Auch für ihn gilt insofern das eherne Gesetz, dass jeder Kauf aus Einkommen finanziert sein muss. Durch die Festlegung der gesetzlichen Währung steuert er zwar zur Monopolisierung und Homogenisierung der Währung bei. Dies erklärt aber noch nicht die Kaufkraft des Geldes, welches ein separates Phänomen ist.

      • Oliver sagt:

        Da waren wir schon immer andere Meinung. Ich behaupte, es gibt eine Hierarchie des ‚credit constraint‘, d.h. der Möglichkeit, Ausgaben ohne Einkommen tätigen zu können, bzw. Arbeitskraft mobilisieren zu können. Wenn man den demokratischen Rechtsstaat als Bezugssystem verwendet, sollte dies normalerweise heissen, dass der Souverän auf der Hierarchie zuoberst steht, das Kollektiv also über sich selber bestimmt. Und logisch betrachtet geht für mich diese Form der Finanzierung der Finanzierung aus Einkommen vor, da Einkommen aus einem bestehenden Kredit hervorgehen muss (ich weiss, du spannst den Bogen mit der geleisteten Arbeit auf). Dass Souveränität nicht absolut zu verstehen ist, oder der Souverän sich selber einschränken oder gar sein Privileg missbrauchen kann, sei dahingestellt. Ich denke aber, es braucht eine politische / soziale Komponente, um aus der Saldenmechanik Ökonomie zu machen. Es ist für mich daher auch eine politische Aussage zu behaupten, dass vor dem Geld alle gleich sind. Allerdings keine sehr realistische, wenn du mich fragst.

        • Baer sagt:

          @ Oliver. Ich denke auch, dass man etwas kaufen kann, ohne selber Einkommen zu besitzen. Das Einkommen wird einem (dem Staat oder einem anderen Akteur) dann aber lediglich „vorgeschossen“ von der restlichen Bevölkerung durch die Gewährung eines Kredites durch eine Bank. Sprich, dieser Kauf wird auch aus Einkommen finanziert – einfach aus dem Einkommen der restlichen Bevölkerung, nicht aus dem eigenen Einkommen. Früher oder später muss die dadurch eingegangene Schuld jedoch mit Einkommen beglichen werden. Bist du mit dieser Einschätzung nicht einverstanden? Da mit dem Souverän verlierst du mich. Meinst du damit den Staat? Oder eine Art gesellschaftsvertragliche Fiktion? Ich würde nicht sagen, dass alle vor dem Geld gleich sind. Aber jede Transaktion beherbergt ihre eigene Logik, welche unabhängig von Individuum und System gilt. Ich denke schon, dass Geld inhärent normativ ist. Soziale Schuldverhältnisse in Zahlen auszudrücken hat sehr schlechte Auswirkungen. In einer funktionierenden Gesellschaft sind alle gegenseitig moralisch verschuldet. Kinder gegenüber ihren Eltern, Patient gegenüber Arzt, Freunde untereinander. Wenn man die Leistungen bezahlt, gilt die Schuld oft als gelöscht, was auch ein Gefühl der Isolation auslösen kann. Ausserdem braucht es wohl ein Eigentumssystem in einer Geldwirtschaft, und Eigentumskonzeptionen beruhen immer auf Werturteilen und Gesellschaftsverträgen. Ich hoffe aber, dass man die Geldtheorie bald weitgehend entpolitisieren wird.

          • Oliver sagt:

            Na ja, die Menge an ausstehenden Finanzmitteln sagt mir, dass mehr neue Versprechen gemacht werden, als dass alte eingelöst werden. Insofern steht die Aussage Früher oder später muss die dadurch eingegangene Schuld jedoch mit Einkommen beglichen werden auf etwas wackeligen Füssen. Jedenfalls kenne ich keine Formel, nach dem der Zeitpunkt irgendwann befriedigend definiert wäre. Und viele Kredite werden nie zurückbezahlt. Diese Einsicht kommt meist Schubweise und führt dann dazu, dass alte Verpflichtungen ‚vergessen‘, bzw. abgeschrieben werden. Ebenfalls komme ich bei der Aussage einfach aus dem Einkommen der restlichen Bevölkerung nicht ganz nach. Das tönt irgendwie nach loanable funds, aber vielleicht sind meine Hirnwindungen einen Schritt hinterher.

            Ich sehe in der Fähigkeit Schulden zu machen, bzw. Leistung anderer ohne aktuelle Gegenleistung in Anspruch zu nehmen, mitunter als Funktion von Grösse und damit Macht. Wenn man eine Theorie ohne diese soziologischen Komponente aufbaut, läuft man meiner Ansicht nach Gefahr, die Ausübung dieser Macht dem Zufall zu überlassen. Hierin sehe ich auch einen grossen Schwachpunkt des Equilibriumsdenkens in der Ökonomie. Gesellschaftliche Zusammenhönge und Machtgefüge werden ausgeblendet in der, mitunter naiven, mitunter sehr berechnenden, Meinung, dass der unsichtbare Mittelfinger schon zum Rechten schauen wird…

          • Oliver sagt:

            …Insofern wünsche ich mir nicht eine Entpolitisierung der Theorie, sondern eine Aufarbeitung der zugrundeliegenden Meachanik nach wissenschaftlichen Methoden, damit auf dieser Basis ehrlich politisiert werden kann. Leider sehe ich wenig Interesse an einem solchen Unterfangen, wahrscheinlich weil die Realität den ideologischen Grunddispositionen vieler Menschen nicht dienlich ist und somit lieber zugunsten von viel bewuemeren Mythen und moralisierenden Parabeln ausgeblendet wird.

          • Oliver sagt:

            Das mit dem Staat war so gemeint, dass in einer Demokratie der Staat Repräsentant seiner einzelnen Bürger ist, bzw. sein sollte. Unter der, zugegeben hoffnungslos optimistischen, Einschätzung, dass dem tatsächlich so sei, kann dem oben beschriebenen Machtgefälle, in dem der Staat mittel Gesetzgebung durchaus die oberste Position einnehmen kann, eine positive Note abgewonnen werden. Sprich, die grösste Macht im Gefüge des Nationalstaats kann gleichsam so verstanden werden, dass sie im Interesse der kleinsten Einheit, dem Individuum, steht, bzw. stehen sollte. Ich sehe hierin in der aktuellen Realität einer Welt mit vielen Nationalstaaten das einzig funktionierende Gegengewicht zur zunehmenden Machkonzentration im globalisierten Privatsektor. Vor allem in Form eines konsequent antizyklisch ausgerichtete ‚budget stance‘ mit starken staatlichen Sozialversicherungen, wodurch der Staatsapparat selber eben gar nicht gross sein muss, nur ggf. dessen Bilanz. Und daneben haben internationale Kooperation und Überwachungs durch modernen Medien oder NGOs natürlich auch ihren Platz.

            Und das ist meine persönliche Meinung, nicht meine Interprätation von Keynes oder sonst jemandem.

  • Oliver sagt:

    Ja, er unterschiedet nicht zwischen Bankkredit und verschiedenen Formen des Basisgelds, sondern schmeisst alles in einen Topf. Ich finde allerdings die Erkenntnis, dass die Geldmenge (welche nun auch immer) endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung reagiert, den entscheidenderen Schritt weg von der QTM und ihren exogenen, top-down Implikationen als die Feinheiten im Nexus zwischen Banken, Zentralbanken, und dem Privatsektor. Und angesichts der Tatsache, dass die QTM immer noch das Rückgrat aller heute gängigen Makrotheorien ist, sind selbst die Sicht von Eccles oder z.B. die real bills doctrine geradezu heterodox. Fischer und Friedman haben gewonnen…

    Was die Entstehung des Geldes anbelangt, finde ich die ‚revolutionäre‘ Ansicht der ‚theory of monetary emissions‘ mittlerweile sehr überzeugend. Die Implikationen sind oft in den Feinheiten versteckt. Mir fehlt allerdings für eine ausgewogenere Betrachtung manchmal das Augenmerk auf die politische / staatsrechtliche Komponente des Geldes. Hier finde ich nach wie vor die Chartalisten interessant und z.B. auch die Arbeit von Katharina Pistor mit ihrer ‚legal theory of finance‘. http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2178066

    Ich komme im Moment wenig zum lesen, es langt meistens nur für kurze Artikel und Kommentare in Blogs. Als wissenschaftlich würde ich das nicht bezeichnen. Eher ein Hobby, um von der Belanglosigkeit des Alltags abzulenken. Aber du könntest mal wieder einen Blogeintrag schreiben :-).

  • Oliver sagt:

    Ja, er unterschiedet nicht zwischen Bankkredit und verschiedenen Formen des Basisgelds, sondern schmeisst alles in einen Topf. Ich finde allerdings die Erkenntnis, dass die Geldmenge (welche nun auch immer) endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung reagiert, den entscheidenderen Schritt weg von der QTM und ihren exogenen, top-down Implikationen als die Feinheiten im Nexus zwischen Banken, Zentralbanken, und dem Privatsektor. Und angesichts der Tatsache, dass die QTM immer noch das Rückgrat aller heute gängigen Makrotheorien ist, sind selbst die Sicht von Eccles oder z.B. die real bills doctrine geradezu heterodox. Fischer und Friedman haben gewonnen…

    Was die Entstehung des Geldes anbelangt, finde ich die ‚revolutionäre‘ Ansicht der ‚theory of monetary emissions‘ mittlerweile sehr überzeugend. Die Implikationen sind oft in den Feinheiten versteckt. Mir fehlt allerdings für eine ausgewogenere Betrachtung manchmal das Augenmerk auf die politische / staatsrechtliche Komponente des Geldes. Hier finde ich nach wie vor die Chartalisten interessant und z.B. auch die Arbeit von Katharina Pistor mit ihrer ‚legal theory of finance‘. http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2178066

    Ich komme im Moment wenig zum lesen, es langt meistens nur für kurze Artikel und Kommentare in Blogs. Als wissenschaftlich würde ich das nicht bezeichnen. Eher ein Hobby, um von der Belanglosigkeit des Alltags abzulenken. Aber du könntest mal wieder einen Blogeintrag schreiben :-).

  • Oliver sagt:

    Ja, er unterschiedet nicht zwischen Bankkredit und verschiedenen Formen des Basisgelds, sondern schmeisst alles in einen Topf. Ich finde allerdings die Erkenntnis, dass die Geldmenge (welche nun auch immer) endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung reagiert, den entscheidenderen Schritt weg von der QTM und ihren exogenen, top-down Implikationen als die Feinheiten im Nexus zwischen Banken, Zentralbanken, und dem Privatsektor. Und angesichts der Tatsache, dass die QTM immer noch das Rückgrat aller heute gängigen Makrotheorien ist, sind selbst die Sicht von Eccles oder z.B. die real bills doctrine geradezu heterodox. Fischer und Friedman haben gewonnen…

    Was die Entstehung des Geldes anbelangt, finde ich die ‚revolutionäre‘ Ansicht der ‚theory of monetary emissions‘ mittlerweile sehr überzeugend. Die Implikationen sind oft in den Feinheiten versteckt. Mir fehlt allerdings für eine ausgewogenere Betrachtung manchmal das Augenmerk auf die politische / staatsrechtliche Komponente des Geldes. Hier finde ich nach wie vor die Chartalisten interessant und z.B. auch die Arbeit von Katharina Pistor mit ihrer ‚legal theory of finance‘. http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2178066

    Ich komme im Moment wenig zum lesen, es langt meistens nur für kurze Artikel und Kommentare in Blogs. Als wissenschaftlich würde ich das nicht bezeichnen. Eher ein Hobby, um von der Belanglosigkeit des Alltags abzulenken. Aber du könntest mal wieder einen Blogeintrag schreiben :-).

  • Baer sagt:

    @ Oliver: Welchen Teil findest du heterodox? Wo er sagt, die Geldmenge reagiere endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung? Das erinnert mich an Nicholas Kaldor: „Excess amounts of money could never come into existence.“ (The Scourge of Monetarism, S. 46). Ist im Prinzip eine horizontalistische Aussage à la Basil Moore. Trotzdem sagt er, dass die Zentralbank letztlich Quell allen Geldes sei, denn Banken müssen dort ihr Geld holen, das sie nachher an ihre Kunden vergeben. Das steht im offensichtlichen Widerspruch mit der Realität, in welcher die Zentralbank nur dann als Brücke fungiert, wenn mehr als eine Bank an einer Transaktion beteiligt ist. Und selbst dann hat sie nur die Funktion, die Zahlung endgültig zu machen, indem sie die Interbankenschuld auf ihre Bilanz nimmt und damit zur Intermediärin zwischen den Banken wird.

    Überhaupt würde es mich interessieren, wo du momentan stehst. Welcher Theorie schenkst du am meisten Aufmerksamkeit? Welche überzeugt dich am meisten mit ihren Argumenten? Ich finde es bewundernswert, wie sich jemand in der Freizeit auf wissenschaftliche Weise mit der Geldtheorie befasst.

  • Baer sagt:

    @ Oliver: Welchen Teil findest du heterodox? Wo er sagt, die Geldmenge reagiere endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung? Das erinnert mich an Nicholas Kaldor: „Excess amounts of money could never come into existence.“ (The Scourge of Monetarism, S. 46). Ist im Prinzip eine horizontalistische Aussage à la Basil Moore. Trotzdem sagt er, dass die Zentralbank letztlich Quell allen Geldes sei, denn Banken müssen dort ihr Geld holen, das sie nachher an ihre Kunden vergeben. Das steht im offensichtlichen Widerspruch mit der Realität, in welcher die Zentralbank nur dann als Brücke fungiert, wenn mehr als eine Bank an einer Transaktion beteiligt ist. Und selbst dann hat sie nur die Funktion, die Zahlung endgültig zu machen, indem sie die Interbankenschuld auf ihre Bilanz nimmt und damit zur Intermediärin zwischen den Banken wird.

    Überhaupt würde es mich interessieren, wo du momentan stehst. Welcher Theorie schenkst du am meisten Aufmerksamkeit? Welche überzeugt dich am meisten mit ihren Argumenten? Ich finde es bewundernswert, wie sich jemand in der Freizeit auf wissenschaftliche Weise mit der Geldtheorie befasst.

  • Baer sagt:

    @ Oliver: Welchen Teil findest du heterodox? Wo er sagt, die Geldmenge reagiere endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung? Das erinnert mich an Nicholas Kaldor: „Excess amounts of money could never come into existence.“ (The Scourge of Monetarism, S. 46). Ist im Prinzip eine horizontalistische Aussage à la Basil Moore. Trotzdem sagt er, dass die Zentralbank letztlich Quell allen Geldes sei, denn Banken müssen dort ihr Geld holen, das sie nachher an ihre Kunden vergeben. Das steht im offensichtlichen Widerspruch mit der Realität, in welcher die Zentralbank nur dann als Brücke fungiert, wenn mehr als eine Bank an einer Transaktion beteiligt ist. Und selbst dann hat sie nur die Funktion, die Zahlung endgültig zu machen, indem sie die Interbankenschuld auf ihre Bilanz nimmt und damit zur Intermediärin zwischen den Banken wird.

    Überhaupt würde es mich interessieren, wo du momentan stehst. Welcher Theorie schenkst du am meisten Aufmerksamkeit? Welche überzeugt dich am meisten mit ihren Argumenten? Ich finde es bewundernswert, wie sich jemand in der Freizeit auf wissenschaftliche Weise mit der Geldtheorie befasst.

  • Baer sagt:

    @ Oliver: Welchen Teil findest du heterodox? Wo er sagt, die Geldmenge reagiere endogen auf die Nachfrage der Bevölkerung? Das erinnert mich an Nicholas Kaldor: „Excess amounts of money could never come into existence.“ (The Scourge of Monetarism, S. 46). Ist im Prinzip eine horizontalistische Aussage à la Basil Moore. Trotzdem sagt er, dass die Zentralbank letztlich Quell allen Geldes sei, denn Banken müssen dort ihr Geld holen, das sie nachher an ihre Kunden vergeben. Das steht im offensichtlichen Widerspruch mit der Realität, in welcher die Zentralbank nur dann als Brücke fungiert, wenn mehr als eine Bank an einer Transaktion beteiligt ist. Und selbst dann hat sie nur die Funktion, die Zahlung endgültig zu machen, indem sie die Interbankenschuld auf ihre Bilanz nimmt und damit zur Intermediärin zwischen den Banken wird.

    Überhaupt würde es mich interessieren, wo du momentan stehst. Welcher Theorie schenkst du am meisten Aufmerksamkeit? Welche überzeugt dich am meisten mit ihren Argumenten? Ich finde es bewundernswert, wie sich jemand in der Freizeit auf wissenschaftliche Weise mit der Geldtheorie befasst.

  • D. Faltin sagt:

    Die Aussage, das die Neoklassiker nichts von der Geldschöpfung des Bankensystems wissen oder wissen wollen stimmt so nicht. Natürlich schöpfen Geschäftsbanken Geld und diese Geldschöpfung ist auch Teil neoklassischer Modelle. Der Unterschied liegt darin, dass die Postkeynesianer davon ausgehen, dass das Finanzsystem inherent instabil ist. Das es also immer zur Blasenbildung neigt, die nur durch staatliche Kontrolle verhindert werden kann. Eine viel plausiblere Erklärung als Neoklassiker und Postkeynesianer liefert das Model der Österreichischen Lehre, also der Konjunkturtheorie die von Ökonomen wie Mises und Hayek entwickelt wurde.

    • will williamson sagt:

      Abgesehen davon, dass Sie wie viele andere Zeitgenossen anscheinend den Unterschied von „das“ und „dass“ nicht kennen, is der Text orthographisch in Ordnung. In sachlicher Hinsicht möchte ich nichts kritisieren, obwohl mir nicht klar ist, wieso das österreichische Modell plausibler sein soll. Eigentlich brauchen wir überhaupt kein Modell, weil ja bekannt ist, wie die Geldschöpfung konkret abläuft.

      • Game, Set, Match! Ich finde grundsätzlich, die ökonomische Lehre sollte sich weniger in irgendwelchen Modellen verlieren, sondern ausnahmsweise einmal mit der seit Jahrhunderten bekannten Methode der Beobachtung anfangen:

        1. Beobachten
        2. Denken
        3. Modell entwickeln
        4. Prüfen, ob Modell mit Beobachtungen konsistent ist. Wenn nicht, goto 2
        5. Basierend auf Modell Voraussage formulieren
        6. Prüfen, ob Voraussagen eintreffen. Wenn nicht, goto 2

        • Thomas ernst sagt:

          @ Ralph

          Ja! Dieses Vorgehen nennt sich normalerweise „Wissenschaft“. Alles andere ist Voodooo-Öekonomie.

  • ast sagt:

    Die „moderne“ Geldschöpfung geschieht heute in vielen Ländern ohne jegliches Drucken von Bargeld, Elektronisch. Doch zu wessen Gunsten die höchsten Beträge „ausbezahlt“ werden, das wird noch immer verschwiegen.

    In Japan wird der dritte Teil aller Staatseinnahmen für die Schuldentilgung des Landes eingesetzt. Um die Schulden abzubauen würden so aber trotzdem noch 25 Jahre benötigt. Mit anderen Worten, Nippon ist so Bankrott wie Detroit.

    In Nippon werden daher Investoren mit Papierwerten zum Schuldenabbau beliefert die theoretisch aber kaum mehr 1/3 Wert sind vom aufgedruckten Betrag. Geld kann also auch durch das generieren von Staats-Schulden im grossen Stil entstehen, was heute in Japan und den USA (habe nicht genau nachgerechnet) den höchsten Berg von Banknoten ergeben würde als alles jeder andere Anlass um Geld zu drucken. Interessant ist, dass das Fiat Money System erst zusammenbricht wenn Länder wie Japan sich selbst als Insolvent deklarieren. Solange das nicht geschieht können grosse Staaten Schulden generieren die niemand mehr jemals zurück zahlen könnte -trotzdem wurde das Geld aber theoretisch bereits (vor)gedruckt.

  • Max Meister sagt:

    Die Frage ist unpräzise gestellt. Sie müsste eigentlich folgendermassen lauten: „Wie entsteht eigentlich Währung?“. Währung und Geld ist nicht das Gleiche. Während man Währung nach belieben aus dem „Nichts“ drucken kann hat Geld zum Glück die Eigenschaft, dass man es nicht drucken kann. Gold und Silber ist Geld, alles andere ist Kredit, hat Mr. J.P. Morgan persönlich bereits vor hundert Jahren erkannt. Währung ist Kredit und ein Schuldversprechen für eine Leistung die zuerst noch erbracht werden muss. Es funktioniert nur solange die Beteiligten daran glauben, dass sie jederzeit einen entsprechenden Gegenwert für ihre Papierscheine erhalten. Bei der gegenwärtigen extremen Ausdehung der Währungsmenge ist Zweifel angebracht, ob man diesen entsprechenden Gegenwert in Zukunft noch bekommt. Leider hat J.P.Morgan dann aber trotz der korrekten Erkenntnis auf Währung und Kredit statt auf das wahre Geld gesetzt. Heute nutzt diese Bank den Derivatemarkt um gegen das wahre Geld zu wetten.

    • Taric Trent sagt:

      Währung ist der Plural von Geld.

      • will williamson sagt:

        Wie kommen Sie denn da drauf?
        Eine Währung (mhd. werunge für ‚Gewährleistung‘) ist im weiten Sinne die Verfassung und Ordnung des gesamten Geldwesens eines Staates,[1] die insbesondere die Festlegung des Münz- und Notensystems innerhalb des Währungsraums betrifft. Der Währungsraum ist dabei der Geltungsbereich einer Währung. Sie ermöglicht den Transfer von Waren und Dienstleistungen, ohne eine Gegenleistung in Form von anderen Waren und Dienstleistungen zu liefern. Häufig wird der Begriff Währung synonym für die vom Staat anerkannte Geldart verwendet. Währung ist daher eine Unterform des Geldes. Die meisten Währungen werden an den internationalen Devisenmärkten gehandelt. Der sich dort ergebende Preis wird als Wechselkurs bezeichnet. (wikipedia).

  • Baer sagt:

    Toller Beitrag, Herr Dittli. Es freut mich, dass die Wirtschaftsjournalisten den Wirtschaftsprofessoren vorausgehen und die endogene Geldtheorie in die Debatte aufnehmen. Nun könnte man in einem nächsten Beitrag evtl. noch die verschiedenen Denkschulen innerhalb der endogenen Geldschule erläutern. Es gibt heftige Grabenkämpfe innerhalb dieser Schule, was der Grund ist, wieso die endogene Geldtheorie die exogene Mainstream-Sicht, welche völlig realitätsfern ist, noch nicht endgültig vertrieben hat.

    Es können innerhalb der endogenen Geldtheorie grob drei Richtungen unterschieden werden: Post-Keynesianer (wobei es hier Strukturalisten und Horizontalisten gibt), Zirkuitisten (Französische und Italienische) und die Freiburg-Dijon Schule. Die Freiburg-Dijon Schule, auch „theory of money emissions“ genannt, wird in der Schweiz bereits an zwei Universitäten gelehrt: An der Uni Svizzera Italiana und an der Uni Freiburg. Ich finde, über diese letzte Denkschule braucht es unbedingt einen Eintrag in diesem Blog, nur schon weil sie in der Schweiz entwickelt wurde.

    Empfehlenswert für interessierte ist dieses Buch: http://books.google.ch/books/about/Modern_Theories_Of_Money.html?id=tmqCk2-V4tAC&redir_esc=y

    • Mark Dittli sagt:

      Danke für den Hinweis, Herr Baer. Und für die Blumen. Ich werde mir die Freiburg-Dijon-Schule bei nächster Gelegenheit genauer anschauen. Bin in den nächsten Wochen allerdings etwas reduziert.

    • Oliver sagt:

      Kann mich dem Befund von Baer nur anschliessen. Und wenn ich auch noch eine Link hinzufügen darf. Aus der letzen Ausgabe des Review of Keynesian Economics ein gemeinsames Paper von Louis-Philippe Rochon (Französisch/Kanadische Schule?) und Sergio Rossi (Mentor von Hrn. Baer, soweit ich weiss) mit einem Überblick zu dem Thema. Die ‚theory of money emissions‘ wird allerdings nicht explizit erwähnt (ich denke das Paper ist in seiner Rohfassung etwas älteren Datums?).

      http://www.rokeonline.com/roke/evolutionary%20versus%20revolutionary%20views.pdf

      • Baer sagt:

        @ Oliver: Das von dir zitierte Papier ist tatsächlich im Sinne der „theory of money emissions“ (= Freiburg-Dijon-Schule = Quantum Ökonomie).

      • Baer sagt:

        @ Oliver: Das könnte dich interessieren: Claudio Borio ist der „Deputy Head of Monetary and Economic Department and Director of Research and Statistics“ bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und wird vom Economist als einer der originellsten Geldtheoretiker angesehen. Vor 8 Monaten erschien ein Papier von ihm, in dem er schreibt: „More importantly, the banking sector does not simply transfer real resources, more or less efficiently, from one sector to another; it generates (nominal) purchasing power. Deposits are not endowments that precede loan formation; it is loans that create deposits.“ (S. 11)

        http://www.bis.org/publ/work395.htm

        • Linus Huber sagt:

          @ Baer

          kaempft Ihr noch immer mit der Erkenntnis, ob Banken, mit basierend auf entsprechenden minimalen Eigenkapitalvorschriften und der zeitlichen Differenz im Verfall der Spareinlagen und der Kreditvergabe (und der damit implizierten staatlichen Liquidity-Rueckversicherung via Zentralbanken mit entsprechender indirekter Subventionierung des Finanzsektors zulasten der Allemeinheit via Geldpolitik), Purchasing Power kreieren oder nicht? ich war der meinung, dass Ihr diese Huerde schon laengst uebersprungen habt.

          • Baer sagt:

            @ Linus. Was interessant erscheint, ist dass Claudio Borio – wie Mark Dittli auch – die endogene Natur des Geldes verstanden hat. Das ist ein riesiger Schritt weg vom heute unterrichteten Mainstream an den Unis, dass die Geldmenge exogen durch „Manipulationen der Zentralbank“ gesteuert werden kann. Während empirisch längst bekannt ist, dass Zentralbanken die Geldmenge nicht gut steuern können, fehlt die theoretische Begründung noch. Banken können ohne vorherige Ersparnisse und ohne Reserven Kredite vergeben und dadurch der Entstehung neuer Einkommen behilflich sein. Ich sage „behilflich sein“, weil Banken ganz sicher nicht Kaufkraft „kreieren“ können, wie Borio sagt. Kaufkraft besitzt neu kreiertes Einkommen selbstverständlich nur, wenn dem neuen Bankguthaben auch Produkte auf dem Gütermarkt gegenüberstehen. Natürlich entstehen neue Bankguthaben durch Kreditschöpfung der Geschäftsbanken. Produkte werden hingegen durch produktive Arbeitsleistung geschaffen. Das heisst, dass die arbeitende Bevölkerung Kaufkraft kreiert, und die Banken stellen nur das numerische Vehikel zur Verfügung, mit welchem Schulden getilgt (Geld) und Kaufkraft aufbewahrt (Bankdepots) werden kann. Alles andere wäre Magie.

        • Oliver sagt:

          Danke, habe auch schon Sachen von ihm gelesen. Werde mich dem Paper annehmen.

        • Oliver sagt:

          Habs soeben gelesen. Interessant. Aber was ‚output above potential‘ heissen soll, ist mir noch ein Rätsel. Tönt ziemlich ungeheuerlich. Dass Inflationszahlen keine Aussage darüber machen, ob die Allokation des die Nachfrage treibenden Kredits (meist Hypotheken) richtig / nachhaltig ist, kann ich gut nachvollziehen. Dass man dann den Umkehrschluss zieht, dass die reale Wirtschaft ‚zu viel‘ produziert und daher gesamtwirtschaftlich für Kontraktion plädiert, erschliesst sich mir allerdings überhaupt nicht. Aber vielleicht habe ich ihn auch falsch verstanden. Es ist immerhin immer wieder die Rede von Überkapazitäten in der Finanzbranche. Als Aussage distributiver Natur würde ich dem zustimmen.

        • Oliver sagt:

          Ich schliesse mich Joe Stiglitz zu dem Thema an:

          …Let me begin actually with the question about the low interest rate and the extent to which that is to blame. We’ve had periods in which we’ve had low interest rates without bubbles when we had good regulation in the years after WWII. So, low interest rates do not necessarily lead to bubbles. One way I think about it is the following: if a firm came to you and said, „the reason I lost so much money and did such a bad job is my workers decided they were willing to work at low wages and that is why my profits were low and I messed up“ what would you say to the firm? You would say „what?!, you’re complaining about low wages?“ Well, what is the major input to banks and the financial system? It’s capital. And they are complaining today, they’re blaming the Fed because they gave them capital at too low a price. That kind of argument is itself a reason why we should be worried about the financial system. If they had done their job — and they didn’t — if they had done their job, taken that low cost capital and allocated it well to fabricate factories or go into research, we could have been having a boom now all over the world. The money could have been channeled to help developing countries, into high-return investments in developing countries. So, the fundamental problem was that they allowed the banks to misallocate the capital and to channel it. They didn’t see the bubble was forming because they believed there was no such thing as bubbles. So, it was the failure of the Fed, but in its role as a regulatory authority, not in its role in failing to follow the Taylor rule…

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Das Borio Papier ist dort interessant, wo er über Geld spricht. Nicht, weil er immer recht hat, sondern weil er sich vom Mainstream wegbewegt. Das gibt mir Hoffnung, dass es aufwärts geht. Stiglitz Kommentar ist klug Allgemein ist es erstaunlich, dass immer noch die mechanische Sichtweise vorherrscht und die Kreditvergabe bloss quantitativ, und nicht qualitativ betrachtet wird. Es ist doch weit unproblematischer, wenn Banken die günstigen Kredite verwenden, um Lohnzahlungen zu ermöglichen, als wenn sie damit kreditfinanzierte Käufe von Finanzprodukten ermöglichen. Im ersten Fall steht den neuen Bankdepots Output gegenüber, im zweiten Fall nicht.

          • @ Baer

            Die Sache mit der Qualität von Krediten scheint sich noch nicht wirklich herumgesprochen zu haben, denn man kann den Eindruck bekommen, daß Kredite lediglich dazu da sind, um Geld dafür bereitzustellen, daß die freien Wirtschaftssubjekte ungehindert tauschen können. Das kommt ja auch immer wieder dann zum Vorschein, wenn wieder irgendwer davon fabuliert, daß ja das Geld so „billig“ sei – als könnte man das irgendwo kaufen im Sinne von KAUFEN.

            Irgendwo scheint sich die simple Erkenntnis kaum durchsetzen zu können, daß selbst ein Kredit zu 0% Zinsen ebenfalls ohne weiteres notleidend werden kann, so daß auch bei Zinsen nahe Null das Zentralproblem von Investition, die Wiedererwirtschaftung der Investitionssumme genauso darstellt wie bei einem Zinssatz von 5%. Ob diese Differenz einen erheblichen Unterschied macht oder lediglich marginal ist hängt von vielen einzelnen Details ab, so daß eine Aussage über eine Investition nicht ohne weiteres möglich ist. Und wenn die Wirtschaftsaussichten halt mau sind, nützt auch der niedrigste Zins nichts, weil man schließlich aus einen Kredit zu 0% ohne weiteres in den Sand setzen kann.

            Außerdem steht da auch noch das Interesse der Banken dagegen, weil sie schließlich eventuelle Verluste aus Kreditabschreibungen letztlich gegen ihre Zinserträge gegenrechnen muß und damit selbst eine Refinanzierung zum Nullzins nicht bedeutet, daß sie so ohne weiteres freizügig Kredit vergeben. Denn wie immer kommt zu der Erwartung eines Vermögensertrages die Erwartung einer Vermögensbestandserhaltung dazu, die manchmal wichtiger ist, als die Aussicht auf ein paar Zinsen.

            http://soffisticated.wordpress.com/2013/07/29/die-realillusion-von-investition/

            Man mag dabei die Kreditvergabe für Löhne für wichtiger halten als für Finanzprodukte, sicherlich. Die Sicherheitserwartungen müssen jedoch stets erfüllt werden, sonst macht kein Kreditgeber mit – nicht mal eine Bank, die noch nicht mal Realwertverluste in ihre Kalkulation einbeziehen muß.

          • Linus Huber sagt:

            Stiglitz bezieht sich auf eine Periode, welche auf verschiedenen Ebenen nicht vergleichbar ist zur heutigen. Ich will hier gar nicht gross darauf eingehen, sondern nur andeuten, dass am Ende des 2. WW die Menschen meister westlicher Nationen eine laenger andauernde spartanische Periode hinter sich hatten, in welcher die meisten Fehlinvestitionen von vor 1929 liquidiert worden waren. Die damalige finanzielle Repression half hauptsaechlich die damalige Staatsverschuldung zu meistern und viel weniger private Schulden.

            Die Kreditqualitaet ist tatsaechlich mit ein Problem. Die Regulation dafuer liegt ebenfalls meist bei den Zentralbanken. Die Verwendung z.B. von Null-Reserve-Anforderungen fuer Staatsanleihen ist geradezu grotesk, wie auch das Feigenblatt der Kreditagenturen. Wenn man beruecksichtigt, dass heute (5 Jahre nach 2008) noch immer gewisse Assets nach Modell und nicht nach Markt bewertet werden duerfen.

            Es gibt grundsaetzlich 2 Moeglichkeiten fuer Zentralbanken. Entweder fuehlen sie sich verantwortlich fuer die gesamte Geldmenge im System (M3) oder einzig um die Basisgeldmenge (M0). Wenn sie sich fuer das erstere entschliessen, muessen sie sicherstellen, dass die Kreditmenge nicht uebermaessig waechst und dies wird grundsaetzlich einzig ueber die Zinspolitik erreicht, was zugleich auch den Wert des Geldes sicherstellt. Wenn sie sich einzig fuer M0 interessieren, dann muessen sie dies entsprechend den Banken und dem Markt kommunizieren, damit ein entsprechender Wettbewerb zwischen den Instituten und basierend auf der Qualitaet der Bilanzen entsteht. Was definitiv falsch ist, sich einzig auf einen kleinen Bereich wie den Konsumentenpreisindex zu fokusieren; aber genau dies haben sie getan.

            Glauben diese Oekonomen in diesen Zentralbanken wirklich, dass keine langsame Verhaltensaenderung aufgrund staendiger Entwertung des Geldes entsteht, dass dies nicht automatisch den Ausbau des Kreditvolumens anfeuert und dass solch eine Entwicklung nachhaltig sein kann?

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Null Reserve fuer Staatsanleihen:

            Reserven betreffen einen Teil der Passiven einer Bankbilanz (die Einlagen der Bankkunden), auf Aktiven einer Bank gibt es Eigenkapitalvorschriften.

            Eigenkapital und Reserven sind unterschiedliche Baustellen. Du falsche Baustelle arbeiten!

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ja, es gibt unzaehlige Baustellen, wenn man die Regeln so komplex gestaltet, dass ueberall Schlupfloecher entstehen, dass einzig das wirkliche Ziel ist, mit moeglichst hohem Hebel arbeiten zu koennen. Man koennte spielend die Komplexitaet massiv vereinfachen, aber dies widerspricht wohl dem Interesse der Kuenstler der Manipulation, welche auf einmal das ach so grosse Detail- und Fachwissen nicht mehr vermarkten koennten. Ebenfalls wuerde natuerlich das Bereicherungsmodell zulasten der Allgemeinheit fuer das Top-Kader der Banken das Weite segnen. Also wer bitte, sollte daran interesse haben?

          • Linus Huber sagt:

            Hayek’s Aussage in Bezug auf monetary policy und das Geldmonopol des Staates.

            http://www.youtube.com/watch?v=fXqc-yyoVKg#at=203

            (Basically: No free market ohne, dass das Geldmonopol dem Staat entzogen wird)

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Reserven und Staatsanleihen:

            Reserven werden in der Staatswährung bei der Notenbank hinterlegt. Dies geschieht mittels einer Buchung (Aktiven bei der Bank, Passiven bei der Notenbank). Reserven sind somit Staatsschulden, denn auch Schulden der Notenbank sind Staatsschulden. Bei einer Staatspleite sind die Reserven der Banken genauso „verloren“ wie andere Staatsanleihen.
            Wer die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen verlangt, müsste konsequenterweise eine Eigenkapitalunterlegung von Reserven fordern, was jedoch widersinnig ist, denn die Reserveneinlagen werden aus Fremdkapital der Banken getätigt, den Kundeneinlagen. Man würde die Banken zwingen, Reserven beim Staat anzulegen und Ihnen gleichzeitig sagen, dass diese „natürlich“ nicht sicher sind, und darum mit angemessenem Eigenkapitalanteil unterlegt werden müssen. Das wäre schizophren!

          • Oliver sagt:

            @Baer
            Verstehe & einverstanden. Der im Text erwähnte Jan Hatzius ist Chefökonom bei Goldman Sachs und steht dort in der Tradition von Wynne Godley. Schreibt auch manchmal ganz vernünftige Sachen.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Es handelt sich nicht nur um Staatsanleihen des eigenen Staates.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Ich meine schon, dass es bei der Diskussion um die Risikolosigkeit von Staatsanleihen einzig um solche des eigenen Staates (Staat der Bankenlizenz erteilt) in der Währung dieses Staates geht. (Sonderfall Euro)

            Kein vernünftiger Mensch, nicht einmal ein nur auf eigenen Vorteil bedachter Entscheidungsträger würde behaupten, dass Staatsanleihen Nordkoreas oder Eritreas aus US oder UK Sicht risikolos seien.

        • Oliver sagt:

          Hier noch ein Paper von 1936 von Marriner Eccles, damaligem Fed Chairman, als Heterodoxie noch orthodox war…

          http://fraser.stlouisfed.org/docs/historical/eccles/077_02_0002.pdf

  • will williamson sagt:

    Bei der Erklärung des Geldes kann man auch vom Tauschhandel ausgehen. Eine Maschinenfabrik liefert Webstühle an ein Textilunternehmen, hat aber weder jetzt noch in Zukunft Bedarf an Stoff im Gegenwert. Sie muss daher auf Kredit liefern, z.B. gegen einen Wechsel. Der Wechselbetrag ist zu hoch um ihn an einen Lieferanten weiter geben zu können. Hier kommt die Bank ins Spiel, die den Wechsel diskontiert und der Maschinenfabrik so Zahlungsmittel verschafft. Diese Zahlungsmittel stellen die Verbriefung eines Anspruchs auf eine zukünftige Gegenleistung für die erbrachte Leistung dar.

    • Ueli der Hecht sagt:

      @Will Williamson
      Ich setze noch einen drauf wenn Sie gestatten Herr Williamson – bevor ich in den Ausgang gehe und Geld ausgebe.
      Tatsächlich hat in der modernen Gesellschaft das Geld die Funktion des Kriteriums der Daseinsrealität aller Dinge. Nur was sich gegen Geld kaufen oder verkaufen lässt, hat „objektiv gültige Realität“. Was dieser Bescheinigung seines Daseins nicht fähig ist, ist soweit nur „im Geiste“ vorhanden und kann alles erträumt sein. In seinem Äquivalenzausdruck zum Gelde ist ein Ding nach seiner Daseinsidentität eindeutig bestimmt – in ihrem Preiszettel ist ausgesagt, dass das Ding oder der Mensch, der ihn um den Hals trägt, bei aller Ähnlichkeit mit seinesgleichen nur EIN EXEMPLAR seiner GATTUNG ist, von dem die Menschen, die seinen Preis bezahlen können, nur einer unter Ausschluss des anderen satt werden können, nämlich nur in der Eigenschaft, in der ein jeder bloss von dem Inhalt seines eigenen Magens und nicht von dem anderen satt wird. Denn auf dem Markt oder um die Waren reissen sich die Menschen hinsichtlich ihres eigenen „je-ihrigen“ Daseins, und das tun sie so lange, bis einen jeden der „je-seinige“ Tod ereilt, weil der liebe Gott sämtliche Menschen, die er in diese Gesellschaft hineingeboren hat, dazu verdammt hat, sich von der Wiege bis zum Grabe nach dem privativen Grundsatz zueinander zu verhalten: Ich – also nicht die anderen, die anderen – also nicht ich. Und da in dieser Gesellschaft das Dasein jedes einzelnen Existenzmittels nach den blossen „Bedingungen der Möglichkeit“ des Daseins eines menschlichen Existenzmittels nur vermöge des gesellschaftlichen Marktzusammenhanges aller Menschen (nach den Einkommensklassen) zustande kommt, so ist mithin im Kapitalismus die durchgängige Privation der Menschen zur Allseitigkeit für ihr Dasein ausgereift, so dass sie also auch allseitig von sich sagen können, das eigene Dasein eines jeden sei alleinig seines.

      • will williamson sagt:

        Dieser Kommentar ist mir zu philosophisch. Da steig ich nicht mehr mit, wünsche aber trotzdem oder gerade deshalb einen unterhaltsamen Ausgang.

      • George Aengenheister sagt:

        @Ueli d.H. : Der gute Immanuel Kant, Gott habe ihn selig, hätte es nicht verwinkelter ausdrücken können! Verstehe ich sie richtig, dass sie folgende Aussage machen: Der Bauer in Afrika, zur Handarbeit gezwungen, träumt vonTraktor, Saat- und Erntemaschine, hat aber weder Möglichkeit noch Geld, diese anzuschaffen, während die Kapitalisten in der Lage wären, diese in grosser Quantität mit Leichtigkeit zu produzieren, dies aber nicht tun, weil sie den Bedarf nur sehen bei 30 Tage netto ohne Abzüge, Einzahlungsschein beiliegend. Der Bauer träumt weiter und Herr Industriearbeiter denkt, könnten wir bloss mehr Maschinen verkaufen, dann wären nicht soviele arbeitslos. Bricht das kapitalistische System auseinander, falls einer etwas herstellt, ohne Rechnungsstellung? Weil es ist ja eine Kette von Ereignissen, damit so ein Traktor entsteht und bei jedem dieser Ereignisse steht irgendwo 30 Tage netto. Hier beisst sich der Teufel in den Schwanz und lacht sich ins Fäustchen und sagt zu Gott: Siehst du irgendwo Solidarität oder Liebe? Die Grossherzigkeit scheitert immer am Portemonnaie, das vorwiegend fast leer ist, und mit Glück für drei Monate ausreicht, falls die Einnahmen ausbleiben.
        Ich meine noch einmal: Buchhaltungsproblem! Wer hat wann, wo, welchen Anspruch? Den Kuchen nicht zu backen, weil wir uns über die Verteilung nicht einig werden, hat den Vorteil, dass wir so genug Zeit haben, uns ausreichend mit der Sinnlosigkeit unseres Daseins zu beschäftigen und die leeren Bäuche in Afrika zu verdrängen. Selber schuld, könnten ja selbst auch Maschinen bauen. Können sie aber nicht und so herrscht der Status quo von Armut und Arbeitslosigkeit. Bis jemand kommt, einhundert bedruckte Papierli in die trübe Runde wirft und schon springen alle geschäftig im Kreis herum und jagen das goldene Kalb.

  • Ueli der Hecht sagt:

    „Sprechen wir zur Abwechslung mal über etwas Leichtes. Sprechen wir über Geld“.
    Das war der Lacher des Tages – Ich kann mir kaum ein komplizierteres „(Un-)Ding“ als „Geld“ vorstellen. Aber offensichtlich funktioniert der Fetischdienst an der „Ware“ via „Geld“ – auch ohne Verstehen der alltäglichen Ritualhandlung.

    • Linus Huber sagt:

      @ Ueli

      Eine gute Aussage. Die Komplexitaet des Mediums Geld vervielfacht sich, wenn es der freien Wahl der Bevoelkerung entzogen und planwirtschaftlicher wie zentralistischer Manipulation unterworfen wird.

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Linus Huber
        Ihr Kompliment kann ich leider nicht annehmen, da Sie meine Aussagen falsch interpretieren. Die Komplexität des Mediums Geld ist per se gegeben und hat mit der „freien Wahl der Bevölkerung“ (was Sie auch immer damit meinen) nichts zu tun. Mir scheint es, dass Sie immer wieder einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Staat und Markt aus dem Hut zaubern wollen, sodass die problematische Seite des Kapitalismus einer Seite angelastet werden kann. Durch dieses „Outsourcing“ der systemimmanenten Widersprüche kann man dann immer wieder die Behauptung aufstellen, dass mit der „richtigen Politik“ die Krisen des Kapitals wenn nicht vollständig abgeschafft, so doch mindestens eingedämmt werden können. Genau diese Vorstellung schwebte ja auch den Mainstreamökonomen der letzten 30 Jahre vor – bis das Jahr 2007 kam. Das massive Eingreifen der Staaten und Zentralbanken der letzten 5 Jahre ist ja gerade nicht als „Triumph“ des Staates gegenüber den Kapitalinteressen zu werten, sondern als gigantische Rettungsaktion, nachdem über 30 Jahre lang eine kreditgetriebene Blase aufgebläht wurde, da somit das Durchschlagen der Kapitalakkumulationskrise des Realkapitals durch den Produktivitätssprung der 3. industriellen Revolution, aufgeschoben werden konnte.
        Als Beispiel dieses Produktivitätssprungs kann man eine Schlüsselindustrie des 20. Jahrhunderts, die Autoindustrie, nennen. Heute arbeiten global in dieser Industrie weniger Menschen als in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und trotzdem hat sich der Ausstoss an Autos mehr als verdoppelt. Dabei ist noch nicht einmal einberechnet, dass die heutigen Autos ein viel komplexeres Produkt darstellen, als die Autos der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.
        Die Ursache der Krise ist also die Überakkumulation von Kapital, welche aber strukturelle Gründe hat. Das Ausweichen in den Finanzüberbau geschieht immer dann, wenn es zu einer solchen Überakkumulation des Kapitals in der Realwirtschaft kommt.

        • Linus Huber sagt:

          Da liege ich wohl nicht auf der Linie der Mainstreamoekonomen, denn ich wartete aufgrund meiner erarbeiteten Einsichten in die oekonomischen Zusammenhaenge seit 2004/05 auf die Krise, welche schlussendlich in 2008 einschlug. Es gibt genuegend Oekonomen, welche mit in meinem Boot sitzen, jedoch gehoeren die heutigen Entscheidungstraeger schwerlich dazu. Ob man es als Ueberakkumulation des Kapitals oder wie ich inflationaere Geldpolitik mit entsprechendem ueberhitztem Wachstum des systemweiten Kreditvolumens nennt, ist nicht wirklich entscheidend.

        • will williamson sagt:

          Was die Überakkumulation des Kapitals anbelangt, wäre vermutlich sogar der selige Karl Marx gleicher Meinung.

  • Andre Kyburz sagt:

    Hyman Minsky sagte einmal: „Banking is not money lending; to lend, a money lender must have money.“ Dem is eigentlich nichts mehr anzufuegen. Der Minsky-Moment ist sicher nur noch eine Frage der Zeit.

  • Linus Huber sagt:

    Economics in one Lesson (10 Minuten)

    http://www.youtube.com/watch?v=DXGQDqN67YI

    • Linus Huber sagt:

      The real evil of inflation is that it redistributes wealth and income in a wanton fashion often unrelated to the contribution of different groups and individuals to production. All those who gain through inflation on net balance necessarily do so at the expense of others who lose through it on net balance. And it is often the biggest gainers by inflation who cry the loudest that they are its chief victims. Inflation is a twisted magnifying lens through which everything is confused, distorted, and out of focus, so that few men are any longer able to see realities in their true proportions. – Henry Hazlitt

      • Linus Huber sagt:

        Und fuer Keynesianer:

        By a continuing process of inflation, governments can confiscate, secretly and unobserved,
        an important part of the wealth of their citizens.By this method, they not only confiscate,
        but they confiscate arbitrarily; and, while the process impoverishes many, it actually
        enriches some. The sight of this arbitrary rearrangement of riches strikes not only at
        security, but at confidence in the equity of the existing distribution of wealth. Those to
        whom the system brings windfalls . . . become ‚profiteers‘, who are the object of the hatred
        of the bourgeoisie, whom the inflationism has impoverished not less than the proletariat. As
        the inflation proceeds . . . all permanent relations between debtors and creditors, which
        form the ultimate foundation of capitalism, become so utterly disordered as to be almost
        meaningless….
        – John Maynard Keynes

    • Linus Huber sagt:

      Wer sich mit Minskys Theorie „on Financial Stability“ naeher befassen will, hier ein kurzer Artikel, welcher von Steve Keen im Maerz 2008 veroeffentlicht wurde (ein halbes Jahr vor dem Crash).

      http://www.debtdeflation.com/blogs/2008/03/10/time-to-read-some-minsky/

    • Alternative zu „Economics in one Lesson“: Robert Atkinson and Michael Lind, „Econ 101 is killing America“ ( http://www.salon.com/2013/07/08/how_%E2%80%9Cecon_101%E2%80%9D_is_killing_america/ ), wobei noch anzumerken ist, dass Econ 101 ist ein Serienkiller ist und nicht nur America sondern auch die Schweiz und andere Länder auf seiner Todesliste hat.

      • Linus Huber sagt:

        Ich kann mich mit einigen der Myth problemlos einverstanden erklaeren.

        Ein Myth wird nicht erwaehnt, naemlich jenes, dass wir Glauben in einer „Freien Marktwirtschaft“ zu leben. Aufgrund der dauernden Manipulation des Wertes des Geldes (Geldentwertung), werden viele Parameter innerhalb der Wirtschaft verzerrt, womit natuerlich entsprechende Fehlentwicklungen vorprogrammiert sind, welche von Entscheidungstraegern als Scheitern des „Freien Marktes“ dargestellt werden. Dabei handelt es sich um das Scheitern der manipulativen Geldpolitik.

        • Zustimmung herrscht!

        • Ueli der Hecht sagt:

          @Linus Huber
          Wir leben halt nun mal in der „Anarchie der Warenproduktion“ – mit „Freiheit“ hat die ganze Veranstaltung sowieso nichts zu tun.
          Die „Manipulation“ der Geldmenge durch die Zentralbank gehört genau so zum Kapitalismus wie Verbrechen und Gewalt weltweit. An diesem Punkt einfach die Augen zu schliessen und irgendwelchen ominösen „Entscheidungsträgern“ einen „Scheinprozess“ zu machen – ist doch Zeitverschwendung. Der realexistierende Kapitalismus ist nun mal so wie er ist – take it or leave it.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            „Die “Manipulation” der Geldmenge durch die Zentralbank gehört genau so zum Kapitalismus wie Verbrechen und Gewalt weltweit.“

            Nein, dies gehoert in den Bereich der Planwirtschaft, den Sie anscheinend anstreben, in welcher irgendwelche Funktionaere bestimmen, wer wieviel vom Kuchen abkriegen.

        • ast sagt:

          aus meiner Sicht arbeitet der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken temporär gegen Inflation, es kommt zu Deflation weil hier ein unproduktives Nichts (die Notenbank) etwas aufkauft was danach Menschen erarbeiten müssen. Menschen arbeiten um die Zinsen der Anleihen bezahlen zu können -aber der Zahlungsempfänger ist selbst wieder eigentlich der Staat -sprich Steuerzahler. Man zahlt also sich selbst Zinsen, das Geld wird unproduktiv vernichtet. Hier gibt es dann doch noch einen Gewinner, nämlich die Finanzmafia, die den Katzenhandel betreibt und wohl als Einzige vom Aufkauf der Anleihen profitiert. Die Realwirtschaft geht leer aus -und weil Miliardäre nicht bei Gewinnverdoppelung doppelt so viel in der Realwirtschaft einkaufen- kommt eben die Inflation irgendwann später durch die Drehtüre, wenn etwa Bernanke vor lauter Anleihen nicht mehr weiss wohin damit.

        • Ueli der Hecht sagt:

          @Linus Huber
          Interessanter Fakt für Sie: Should the interest rates rise by one percent – the US interest payments would arise by 100 Billion Dollars per year. That`s more than the annual costs for the Vietnam War.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Bei ca. 16 Trillionen an Staatsverschuldung duerfte sich dies eher auf etwa 160 Billionen einpendeln.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @Linus Huber
            Yes Herr Huber – Das U.S. National debt beläuft sich nach der Debt Clock sogar schon auf fast 17 Trillion Dollars.
            Korrekt müsste es also lauten: Should the interest rates rise by one percent – the US interest payments would rise by 170 Billion Dollars per year. That`s two times the annual costs for the Vietnam War. Good luck America!

        • G. Nardone sagt:

          @Linus Huber: Die „manipulative Geldpolitik“ der Zentralbanken ist die Reaktion, der Spiegel des „manipulativen“ Geld-Umgangs von einem Teil zumindest der Bevölkerung. Aber es sind immer die Anderen schuld, weil ich keine Verantwortung übernehmen will. Das Geld das ich habe ist völlig isoliert von der Wirtschaft und hat kein Bezug zu ihr, deshalb mache ich auch was ich will mit meinem Geld. Dann muss halt die Zentralbank ihre die Bürger etwas züchtigen mit der Inflationspeitsche. Habe die Gründe und Zusammenhänge schon in vielen anderen Kommentaren erläutert.
          Hier kommt der Reality-Newsflash für Sie Hr. Huber; sind Sie wirklich der Eigentümer ihres Geld-Besitzes? Bevor Sie antworten, prüfen Sie bitte das mal nach, ob das rechtlich irgendwo abgesichert ist. Übrigens, wenn das was ich vermute was die Rechtslage über das Eigentum von Geld betrifft stimmt, könnte das Ihrer Verschwörungs-Theorie aber mächtig Auftrieb verleihen. Es lohnt sich für Sie, gehen Sie mal dieser Frage nach; sind Sie Eigentümer ihres Geldes und nicht nur Besitzer?

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Erstens muss kein Buerger von etwelchen Entscheidungstraegern gezuechtigt werden in einer freien Marktwirtschaft solange dieser sich an die Regeln haelt, da der Markt diese Funktion uebernimmt. Das Problem liegt eher darin, dass die Institutionen (Entscheidungstraeger), welche sich immer staerker in ihrer Kompetenz ausbreiten, sich durch Willkuer und Korruption der Zuechtigung entziehen wollen und dadurch das gesamte System aufgrund der damit hervorgerufenen negativen Konsequenzen und Verletzung der Nachhaltigkeit an die Wand fahren.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: „der Markt diese Funktion uebernimmt“ – Ja genau, das stimmt, nur erkennen das die Bürger nicht direkt und sofort, dass sie marktwirtsch. Regeln missachtet haben, denn es muss eine Weile vergehen indem sich dann diese Fehlverhalten akkumulieren und irgendwann platzt es und dann haben wir eine Krise. Und das will ja auch niemand und deshalb müssen die Zentralbanken im Namen ihrer Bürger dagegen was unternehmen, damit es nicht zur Krise kommt.
            Aber Sie wollen nicht verstehen, dass längerfristig Geld-Sparen eine Verletzung einer marktwirtschaftlichen Regel ist, sofern das auch genügend Leute bzw. genügend Geld tut, und das merkt man nicht direkt und sofort, denn die Probleme schaukeln sich an ganz anderen Orten auf und nicht direkt auf meinem Bankkonto oder auf meinem Arbeitsplatz. Aber irgendwann kommen diese Probleme auch dort an, nur sehe ich isoliert die Zusammenhänge nicht, dass mein Fehlverhalten, längerfristig Geld sparen, eine Beteiligung zu dieser Krisen-Situation war.

  • George Aengenheister sagt:

    Es sind eigentlich zwei Kräfte im Spiel: Erstens ein rein wertorientiertes Geldverständnis für real existierende Werte und zweitens ein zukünftiges, rein vorgestelltes Wertverständnis für einen noch zu zu erschaffenden Wert. Dafür braucht es nun mal einen Kredit und das ist der Kern jeder Investition. Unser Problem ist immer die gesetzlich normierte Buchhaltung. Sie ist so augelegt, dass eine empirisch gewachsene Vermutung gesichert ist, dass die Schuld auch finanziert werden kann. 25 Milliarden für einen 57 km Tunnel: Kein Problem, der Tunnel wird 200 Jahre täglich befahren werden. Die Kosten pro Durchfahrt sind im Kontext vernachlässigbar. 3000 Miiliarden Kredite für Automobile, die schneller an Wert verlieren, als dass wir diese amortisieren können, bringen Bilanzen in Unordnung und verursachen schnell Kopfschmerzen. Die Frage stellt sich: Wenden wir die korrekte Buchhaltungsnorm für die zwei genannten Formen der Geldschöpfung an? Für Privatschuldner gilt: Übersteigt die Netto-Schuld ein Jahreseinkommen, ist der Konkurs vorteilhaft, makro-ökonomisch gilt: 4 mal die Wirtschaftsleistung ist die obere getestete Grenze, bei der die Buchhaltungsnorm wie auch das persönliche Vertrauen in einer Balance gehalten werden kann. Ab dieser Grenze, so scheint es, vertrauen die Menschen nur noch real begreifbaren Sachwerten und verzichten auf die Erzeugung von neuen Werten zugunsten einer höheren Bewertung bereits existierender Sachwerte. Neu ist die Sachlage, dass Güter billigst in Masse produziert werden können und dennoch mit Gewinn angeboten werden können. Wer hätte schon gedacht, dass ein Player mal schnell in Rumänien eine Auto-Produktion hochfahren lassen kann, in durchaus guter Qualität? Die Situation ist neu und muss sich noch einspielen.
    Unsere Aufgabe wird sein, neue Formen in der Buchhaltung zu generieren, die sowohl ökonomisch wie sozial gerecht gestalltet sein werden müssen und mit ein bisschen Glück, bleibt für mich ein Feierabendbier übrig.

    • George Aengenheister sagt:

      Steuerungstechnisch gilt die Grundregel: Wirken mehrere Kräfte gleichzeitig und beeinflussen sich direkt, so muss die stärkere Kraft soweit gedrosselt und werden, bis das Equilibrium gewährleistet bleibt um einen stabilen Output zu erreichen.
      Dieses Regulativ fehlt einfach in unserer Organisationsform und die Zinsleistung allein erbringt nicht den gewünschten Effekt. Viel zu langsam, um hohe Amplituden zu regulieren.

      • will williamson sagt:

        Haben Sie bei der Einwirkung der verschiedenen Kräfte die Richtungsvektoren auch berücksichtigt?

        • George Aengenheister sagt:

          Als Beispiel: Mann ist stärker als Frau. Deshalb ist Vergewaltigung eine Straftat. Männer würden viel mehr Gewalt anwenden, gäbe es diese Strafnorm nicht. Männer mit Pistolen sind noch gewalttätiger, weil sie so über noch mehr Gewaltpotenzial verfügen. Warum denn? Weil sie es können! Die Ökonomie funktioniert gleich: Der Privilegierte gönnt sich Luxus und andere kratzen die Reiskörner zusammen. Die Vektoren zeigen immer in die gleiche Richtung: Am Arsch bleibt am Arsch! Ohne wirksame Regelung hat der Schwächere keine Chance auf Erfolg. Und die berühmte Ausnahme der Regel wird eifrig gefeiert, um sich so zu rechtfertigen, dass der Schwache einfach selber schuld sei.
          Es wäre mir lieber, es wäre nicht so, kann jedoch nichts anderes feststellen. Vielleicht nähen die Frauen in Bangladesh ja auch aus reiner Freude unsere Billigstkleider, aber für mich ist das auch Vergewaltigung. Ungeregelt, und unsere Pistole ist unser Reichtum.

      • G. Nardone sagt:

        @George Aengenheister: Aber diese Steuerungsregel gilt wohl nur für geschlossene Systeme, was ist mit offenen? Wirtschaft & Gesellschaft ist vielleicht eher ein offenes System.

    • Ueli der Hecht sagt:

      @George Aengenheister
      Wenn im Kapitalismus „Gerechtigkeit herstellen“ ein simples „Buchhaltungsproblem“ darstellen würde – wäre „Beten für den Weltfrieden“ auch eine nützliche Methode.

      • George Aengenheister sagt:

        Würden obige Frauen buchhalterisch auch über Kapital verfügen, so stünden die Nähmaschinen still. Es ist die Buchhaltung, die über des Menschen Schicksal entscheidet. Ist das Kärtli weg, ist jeder am Arsch und fertig lustig, es sei denn, derjenige verfügt über dringend benötigte Spezialkentnisse. Und das sind nicht mehr als fünf Prozent der Population. Beten macht selten satt.
        Wie immer, Gegenbeispiele sind vorhanden: Assisi funktioniert seit Jahrhunderten und Einwohner wie auch Besucher fühlen sich wohl darin. Es wäre interessant, wie die Eigentumsverhältnisse beschaffen sind oder gehörts am Ende dem Franziskaner-Orden, der Gemeinschaft der Minderen? Ohne Buchwert in der Buchhaltung?

        • Ueli der Hecht sagt:

          @George Aengenheister
          Ich gehe ja mit Ihnen einig Herr Aengenheister, dass die Gerechtigkeit im Kapitalismus für den Arsch ist und das der „amerikanische Traum“ nichts weiter als ein billiges Manipulationsinstrument in der Hand der Kulturindustrie darstellt. Nur ist mir nicht ganz klar ob Sie im bestehenden System „Gerechtigkeit“ herstellen wollen – oder ob Sie, wie Ich, eine „radikale“ Alternative zum status quo anstreben. Sobald Sie in der Matrix des Kapitals operieren – muss Ihnen einfach klar sein, dass der Kapitalismus nicht über seinen eigenen Schatten springen kann.

  • ast sagt:

    Geldschöpfung ist Realität, aber da dies auf verschiedene Weise geschehen kann, gibt es dazu Theorien um Ausschnitte aus der realen Welt zu beschreiben. Tatsächlich kann Geld auch durch staatliche Verteilung geschaffen werden, dazu braucht es keine Banken. Man misst zum Beispiel einem Waldstück in Staatbesitz einen Wert zu und verkauft es danach an einen Investor. Das Geld das danach in Staatbesitz übergeht ist nur anhand der Umwandlung einer Sache die ursprünglich unbewertet der Allgemeinheit gehörte, entstanden. Geld kann auch vernichtet werden durch den Staat, bzw. der Wert durch einen Erlass herabgesetzt werden. Seit dem Ausstieg aus der Goldbindung und der Freigabe an die Börsen ist das aber nur noch durch das Kaufen anderer Währungen möglich (und somit nur Temporär).

    • will williamson sagt:

      Darf man fragen, woher der Investor bei dieser Theorie das Geld hat?
      Zu bemerken ist weiter, dass Wald nicht unbedingt das geeignete Objekt wäre. Der müsste enorm gross sein, da der Quadratmeter zu Fr. 1.50 – Fr. 2.00 gehandelt wird.

      • ast sagt:

        „Darf man fragen, woher der Investor bei dieser Theorie das Geld hat?“
        das spielt eigentlich keine Rolle, denn was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? -oder andersrum gefragt, wer generiert einen Wert, der Staat durch eine Urkunde oder Private die ihren Besitz austauschen?.

        • will williamson sagt:

          Im Prinzip entsteht eine Banknote durch die Umwandlung eines Privatkredits in Bankkredit. Siehe meinen Kommentar vom
          20. Juli 2013 um 21:54.
          Nach Ansicht gewisser Autoren hat Papiergeld deshalb einen Wert, weil der Staat dieses zur Bezahlung von Steuern akzeptiert.

          • Linus Huber sagt:

            @ Will

            Eine Zentralbanknote entsteht nur, wenn die Zentralbank sie druckt und in Umlauf setzt.

            Es unterliegt dem Entscheid der Zentralbanken, inwiefern sie M0 ausweitet. Zur Zeit waechst M0 unverhaeltnismaessig stark an, weil wohl die Fragwuerdigkeit von bestehenden Krediten sich in den kommenden Jahren verstaerkt melden duerfte.

        • will williamson sagt:

          @Huber: Der Bank-Kreditor wünscht die Auszahlung von Noten. Die Bank hat keine. Muss also welche von der Nationalbank auf einem der möglichen Wege besorgen. Es ist anzunehmen, dass die Notenbank welche im Vorrat hat.

  • Ursula Badertscher sagt:

    Ein Artikel der eigentlich schon seit mind. 5 Jahren überfällig ist!

    Im Gegensatz zu Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten haben viele Untertanen des Geldsystems das Konzept unterdessen nämlich längst begriffen.
    Es stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wieso dieses relativ simple Grundlagenwissen von einem derart verhängnisvollen kollektiven Blind Spot befallen ist?
    Wahrscheinlich wird diese essentielle Information deshalb von den Massen ferngehalten, weil sich sonst das berühmte, nachfolgende Zitat von Henry Ford bewahrheiten könnte: „Wenn die Leute das Geldsystem verstehen würden, hätten wir schon vor dem nächsten Morgen eine Revolution.“

    Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen: Wenn man das Prinzip mal begriffen hat, verliert „Geld“ unweigerlich seinen Reiz und damit praktisch seine ganze Macht. Eine Erkenntnis die ungemein befreiend wirkt!

    Und genau das ist es, was die Mächtigen am allermeisten fürchten, den kollektiven Glaubensverlust in das Geldkonzept, und damit die Entschärfung ihres wichtigsten Kontrollinstruments der Massen.

    • Ueli der Hecht sagt:

      @Ursula Badertscher
      Sie halten also die Funktionsweise von Geld für „relativ simples Grundlagenwissen“, welches die „Untertanen“ schon längstens begriffen hätten. „Geld“ verliert nach Ihren Wort durch „die simple Erkenntnis der Funktionsweise“ praktisch seine „ganze Macht“ über sie.
      Nun, Frau Badertscher – wenn Sie heute im Migros einkaufen gehen, sagen sie bei der Kasse bitte, dass durch den simplen Akt der Erkenntnis des Geldprinzips, sie dessen Macht nicht mehr anerkennen und deswegen für die eingekauften Waren auch nicht mehr zahlen müssen.

      • Ursula Badertscher sagt:

        @Ueli der Hecht: Mit ihrem simplifizierten Beispiel suggerieren Sie, dass unser Geldabhängigkeitsverhältnis nur auf die lebensnotwendigen Grundbedürfnissen wie z.B. Nahrungsmittel aus der Migros beschränkt sei.
        Solange das aktuelle Geldsystem installiert bleibt, kommen wir um diese Grundbedürfnisse zu befriedigen, wohl kaum darum herum solches „Geld“ zu verwenden.

        Mir geht es vielmehr darum, dass der Antrieb Geld zu horten und Geld auszugeben nur um des Ausgebens willen (Shopping-Manie), der Drang sich selber oder andere Leute daran zu messen wieviel man von dem Zeug hat (materialistisches Weltbild), oder für Geld Dinge zu tun, die man sonst freiwillig nicht machen würde, komplett verloren geht.
        Also mehr um die psychologische Macht, womit die Geldsystem-Mechanismen unser Leben massiv dominieren.

        Ich wähle z.B. heute meine Kunden nicht mehr nach dem Kriterium aus, wieviel Geld dabei rausspringt, sondern ob mir der angebotene Job genug Befriedigung bringt, meinen Erfahrungshorizont erweitern kann (Wissen und KnowHow sind nämlich 100 x wertvoller als jede Geldwährung!) und ob diese Arbeit überhaupt sinnvoll und nötig ist.
        Mich für irgendwer zu verhuren, nur weil man mir dafür verspricht mit Luft gedeckte virtuelle Schuldscheinchen auf mein virtuelles Konto zu überweisen, dazu gebe ich mich nicht mehr her.

        Wenn wir ehrlich sind, müssen wir besonders in unserer Schweizer Überflussgesellschaft eingestehen, dass wir das meiste welches wir glauben unbedingt besitzen zu müssen, ja eigentlich gar nicht brauchen. Meistens ist dieses Bedürfnis nämlich überhaupt erst aus unserem Geldüberfluss entstanden.
        Und darum malochen wir fleissig im Dienste der Götter der Geldschöpfung weiter.
        Der perfekte Sklave ist derjenige der nicht mal merkt dass er einer ist und warum…

      • will williamson sagt:

        Köstlich!

      • G. Nardone sagt:

        @Ueli der Hecht: Geld in Theorie ist aber simpel, ist reine einfache Buchhaltung, Forderung an Verpflichtung.
        @Ursula Badertscher: Andererseits ist Geld kein Machtinstrument um die Masse an der Leine zu führen oder um sie zu berauben und solche Verschörungstheorien. Sie haben eben den Glauben verloren, dass Geld einen „magischen“ Wert besitzt, dadurch dass Sie erkennt haben, dass es durch einfaches Eintippen in einem Computer entsteht, und das magische Weltbild platzte und anstelle die Realität genauer zu untersuchen und das Weltbild entsprechend anzupassen, geben Sie lieber die Schuld den „Magier“ der Geldschöpfung, weil Sie immer noch gerne daran glauben möchten, an dieser Magie des Geldes.

        • Taric Brennt sagt:

          Jaja klar Geld ist simpel. Butterbrot ist auch simpel. Entweder es ist bei mir Magen, noch im Laden, oder meine Mama schuldet mir noch eins und ich schreibs mir schon mal auf. So geht etwa die Gelddiskussion hier und anderswo in bürgrerlichen Kreisen. Was der Geldwert ist kann mir trotzdem nur einer von Zehntausend erklären. Was ein Franken misst.. wer weiss?

          • G. Nardone sagt:

            @Taric Brennt: „Was ein Franken misst“ – die Leistungen die Sie aus der Wirtschaft kaufen können; Geld hat heute keinen absoluten Eigenwert mehr, sondern ist relativ den Waren & Dienstleistungen und ihren Preisen auf dem Markt. Geld hat eine Kaufkraft und keinen Wert an sich.

          • Taric Trent sagt:

            G. Nardone, was weiss man schon über Geld, wenn man weiss, dass es Kaufkraft hat. Ist das die geistreiche Beobachtung, dass man mit Geld kauft, als Kraft des Objekts formuliert? Es steht in Relation zu den Waren und Dienstleistungen? Und was ist die Relation? Wieder der Kauf wahrscheinlich? Sehen sie, es läuft daraus hinaus, dass Sie über das Geld nichts wissen ausser das man es im Laden ausgibt. Ja dann ist Geld simpel, und wie. Immerhin – eine Hypothese schmeissen Sie noch in den Raum: Keinen Eigenwert soll es haben, keinen Wert an sich. Trotzdem tauschen es die Leute gegen Sachen, die einen „Wert an sich“ haben. Nun, wie kommt es zum Wert an sich? Wenn Sie zwischen etwas mit Wert an sich und etwas ohne Wert an sich unterscheiden können, dann müssten Sie sicher auch sagen können was der „Wert an sich“ ist? Und in dieser Hinsicht auch: Wie unterscheidet sich die dem Geld eigene Kaufkraft vom Wert? Beachten Sie bei dieser Bestimmung bitte, dass auch der „Wert an sich“ in den Objekten ganz schnell keiner mehr sein kann, wie uns z.B. die Immobilienkrise gezeigt hat.

          • G. Nardone sagt:

            @Taric Brennt: Sie nehmens aber wirklich genau, aber Sie haben recht was Sie schreiben. Aber das Geld ist simpel, die Wirtschaft ist äusserst komplex, womit zwar das Geld dann auch wieder komplex wird. Auf was ich hinauswollte, ist dass Geld heute Buchhaltung ist und es isoliert betrachtet einfach ist, in Zusammenhang mit der Wirtschaft es aber komplexer wird. Aber eins nach dem Anderen …
            „Es steht in Relation zu den Waren und Dienstleistungen“ – Geld steht in Relation mit den Preisen dieser Waren, die wiederum in Relation stehen mit der Produktion dieser Waren und mit den Löhnen, die dann um den Kreis zu schliessen, diese Waren kaufen & konsumieren. Ist das besser?
            „keinen Wert an sich“ – Damit wollte ich von Edelmetall-Geld unterscheiden, die allgemeinerweise als ein Geld bezeichnet werden, das ein Wert in sich hat, weil es eine Ware ist, aber auch hier hätten Sie vollkommen recht, dass selbst Edelmetall-Geld an sich keinen Wert besitzt, weil alles relativ ist. Ich verstehe sehr gut was Sie meinen. Wie gesagt ich wollte die Unterscheidung für die treffen, die glauben Gold-Geld sei die beste Art von Geld und Fiat-Geld überlegen. Und irgendwie gibt’s bei Vielen diesen Glauben, dass ein Wert in diesem Gold stecke, obwohl es immer ein Subjekt wie ein Mensch ist, der ein Wert dem relativen Objekt verleiht.

  • Linus Huber sagt:

    Danke Herr Dittli – ein guter, aussagekraeftiger und wuerdiger Artikel fuer diesen Blog, welchen ich nicht weiter zu kommentieren brauche.

  • Das ist das Eine. Das Andere ist, daß die Geschichte von endogener und exogener Geldschöpfung ein großes Mißverständnis ist, weil die Frage, wie die Privaten ihre Schuldbeziehungen regeln selbstverständlich weitgehend ohne gesetzliches Zahlungsmittel gelöst werden kann. Das beste Beispiel ist die Technik der chinesischen Kreidekreise, deren Funktionalität daraus besteht, die gegenseitigen Ansprüche über die Zeit hinweg zu dokumentieren und auszugleichen. Dabei ist zu beachten, daß ein reines Verrechnungssystem tatsächlich ohne ein gesetzliches Zahlungsmittel auskommt und man in diesem – aber auch nur in diesem – Fall davon sprechen kann, daß die „Geldschöpfung“ ENDOGEN sei. Dieses Konzept einer „Monobank“ ist schon vor über 90 Jahren von L.A. Hahn verwendet worden:

    http://soffisticated.wordpress.com/2013/06/30/der-geld-ist-kredit-spezialfall/

    Damals war der Unterschied von Geld und Kredit noch bekannt. Offenbar muß diese Differenz heutzutage erst wieder mühsam gelernt werden!

    Daß sich die Auffassung von Geld als exogener Komponente immer noch hält ist der Quantitätstheorie zu verdanken, die als Appendix der Realtheorie der Neoklassik quasi unangefochten die geldtheoretische Diskussion beherrscht. Unter anderem auch deswegen, weil M0 als Basisgeld tatsächlich das Einzige ist, mit dem schuldbefreiend gezahlt werden kann. Insofern ist die Theorie der „Händewechselhäufigkeit“ das andere Extrem der Geldtheorie, wo nicht Kredit, sondern nur unmittelbare Zahlungsfähigkeit als ökonomisch bedeutsam wahrgenommen wird.

    Dummerweise haben beide Standpunkte eine gewisse Berechtigung. Daher ist es m.E. nicht aussichtsreich, von der Lösung dieser Frage substanzielle Antworten zu erwarten. Denn wo ein Zusammenspiel erforderlich ist, bringt das Beharren auf einem extremen Standpunkt nie eine Lösung. Komplizierte Geschichte…

    • Oliver sagt:

      Siehe da, Herr Menendez.

      Sie sagen also, das Kreditvolumen ist als endogene Variable zu betrachten, während eigentliches Geld eine exogene Variable ist? Oder zumindest sein kann? Systemisch betrachtet, also nicht auf einzelne Kreditinstitute bezogen? Schildern Sie mir bitte die genaue Kausalkette, die es Zentralbanken Ihrer Meinung nach erlaubt, die Menge an Geld steuern zu können.

    • Oliver sagt:

      Also gut,die Frage kann ich so, wie ich sie gestellt habe, selber beantworten. Eine Umformulierung: Kann eine Zentralbank Ihrer Ansicht nach, die gesamte Menge der ausstehenden und im Umlauf befindlichen Guthaben/Schulden, inklusive ihrer eigenen, direkt beeinflussen, oder nur dessen Komposition?

      • Linus Huber sagt:

        In der Funktion der Sicherstellung der Stabilitaet der Waehrung hat die Zentralbank die Moeglichkeit, die Veraenderung der gesamten Menge der systemweiten Guthaben/Schulden via Zinspolitik und Eigenkapital- und Reservenvorschriften fuer Banken zu beeinflussen.

        • Oliver sagt:

          Da war Herr Minsky aber anderer Meinung, wie oben eindeutig beschrieben ist. Post Keynesianer schätzen die Wirksamkeit von Geldpolitik auf die im Umlauf befindliche Menge des Bankenkredits als hochgradig gering ein. Einzig strikte Regulierung kann den Finanzsektor vor spekulativen Exzessen bewahren. Allerdings kommt dann wieder erste Regel ins Spiel, nämlich ’stability breeds instability‘ und zweitens verhindert die Regulierung einer Form von Finanzmittel nicht die unkontrollierte Ausweitung anderer Formen. Was nicht heisst, dass sie den Banken keine wichtige Rolle einräumen, im Gegenteil. Aber zur Förderung der Stabilität bleibt nichts anderes übrig als, um Ihre Begrifflichkeit zu benutzen, die permanente Manipulation. Minsky hielt die Inflation und ‚big government‘, wie oben sehr eindeutig beschrieben, für ein notwendiges Mittel zum Ausgleich der INHÄRENTEN Instabilität des Kapitalismus. Schumpeter und Minsky waren beide absolute Pessimisten, was die Selbstheilungskraft des Kapitalismus anbelangt. Dies widerspricht 100% dem Inflations- und Manipulationsgefasel, das Sie meistens von sich lassen.

          • Linus Huber sagt:

            @ Oliver

            Sie haben recht, ich ging ein wenig fahrlaessig mit dem Begriff Waehrungsstabilitaet um, indem ich nicht beschrieb, was ich damit wirklich meinte.

            Ich verstehe, dass Post Keynesianer sich auf Regulierung verlassen wollen, um Waehrungsstabilitaet zu erreichen. Ich bin nicht dieser Ansicht, weil (wie Sie ebenfalls andeuten) dies Schlupfloecher offen lassen duerfte und ebenfalls wieder wettbewerbsverzerrend wirken duerfte. Damit verbleibt grundsaetzlich einzig das Mittel der Zinspolitik, welche auf saemtliche Teilnehmer gleich wirkt. Natuerlich wird dadurch nicht eine andauernde wirtschaftliche Stabilitaet erreicht, sondern es duerfte eine Art Zyklus entstehen, indem durch dieses eher brutale Instrument nicht nachhaltigen Fehlentwicklungen Einhalt geboten wird. Es ist eher ein Bestreben nach Wertstabilitaet der Waehrung als ein Bestreben nach wirtschaftlicher Stabilitaet, welche natuerlich dadurch jeweils kurzfristigen Gegenwind verspuert. Es ist jedoch unvermeidbar um langfristig die notwendige Nachhaltigkeit zu erreichen, dass das Prinzip des „Creative Destruction“ nicht unterdrueckt wird.

            Es gaebe natuerlich ebenfalls die Moeglichkeit die Marktkraefte alles regeln zu lassen, wobei saemtliche staatliche Eingriffe, wie z.B. Einlageschutz, Kapitalvorschriften, Zinsen etc. nicht manipuliert werden. In solch einer Situation wird jeder Einzelne sich um die Sicherheit seines Geldes kuemmern. Die Regierung stellt einzig ein festgelegte und im Rahmen einer klaren Formel sich veraendernden Menge an Bargeld zur Verfuegung um die Steuerhoheit sicherzustellen.

            Dass eine inhaerente Instabilitaet besteht, ist nicht wirklich die Frage, sondern ob man durch die von mir gefaselte Manipulation das Ausmass der dieser Instabilitaet zugrunde liegenden Ungleichgewichte massiv vergroessert, wie dies ueber die letzten Jahrzehnte der Fall war, womit wir uns in eine schwerwiegende Krise manoevrierten.

      • @ Oliver

        Ihre eigene Kreditvergabe – und damit die Änderung der monetären Basis – kann sie selbstverständlich beeinflussen, denn schließlich ist sie ja eine der Kreditvertragsparteien. Das kommt natürlich darauf an, welche Zielvorgaben sie erfüllen will, denn wenn die Vorgabe lautet den Interbankenmarktzins zu stabilisieren, erfolgt eine Selbstbindung, die sie dann durch Kreditanforderungen der Banken erfüllt. Das kann man machen, es ist aber nicht in Stein gemeißelt, daß das auch immer so zu sein hat.

        Was die Frage der Schuldbeziehungen zwischen Geschäftsbanken und ihren Kunden angeht kann sie lediglich indirekt einwirken, denn Schuldverhältnisse eingehen kann ja jeder im Prinzip wie es ihm beliebt. Daß die Geschäftsbanken natürlich auf ihre Liquidität, bzw. die Kosten der Liquiditätsbeschaffung und auch auf alle möglichen und unmöglichen Basel-Regelungen schauen müssen, versteht sich dabei von selbst.

        Aber darum gings ja gerade nicht. Ihre Frage bezieht sich wohl eher auf die von mir vertretene Position, daß „Giralgeld“ letzten Endes nur ein Schuldverhältnis darstellt, während M0, Basisgeld bzw. Zentralbankgeld das einzige ist, was man mit Fug und Recht als Geld bezeichnen kann in dem Sinne, daß es für eine schuldbefreiende Zahlung GILT! Die Menge an Zentralbankgeld kann eine Zentralbank durchaus steuern, auch wenn man davon ausgehen darf, daß sie nicht mutwillig das ihr angeschlossene Bankensystem durch Kreditverweigerung in die Illiquidität treibt. (Daß umgekehrt die Bundesbank derzeit kaum noch Einwirkungsmöglichkeiten hat, weil die ihr angeschlossenen Banken ohnehin im Geld schwimmen, steht auf einem anderen Blatt.) Auf die Menge des „Giralgeldes“, also der Schuldbeziehungen zwischen Geschäftsbanken und ihren Kunden ist ihr Einfluß vergleichsweise schwach, insbesondere was die Expansion angeht, ein Thema, welches Draghi gerade größere Kopfschmerzen bereitet.

        Warum Giralgeld kein Geld ist:
        http://wp.me/p2kfal-8o

        • Linus Huber sagt:

          @ Renee

          Die Zentralbank kann sicherlich aufgrund des Leitzinssatzes Einfluss nehmen auf das Kreditvolumen im System. Allerdings funktioniert dies irgendwann nicht mehr, wenn man jahrzehntelang eine inflationaere Geldpolitik betrieb und der Leitzins fast bei 0 angekommen ist. Das heutige Problem Draghis ist in der Vergangenheit kreiert worden und durch genau jene Institionen, welcher er heute vorsteht.

          Aus diesem Grunde kommen heute die unkonventionellen Massnahmen zum Zug. Aber selbst jetzt scheint kein Zweifel an der Nachhaltigkeit linearen Funktion der inflationaeren Geldpolitik aufzukommen. Komisch und tragisch zugleich.

          • Man muß dabei zwei Dinge auseinanderhalten:

            zum einen kann eine Zinserhöhung wirkungslos verpuffen, wenn die (auch internationale) Liquiditätslage so gestrickt ist, daß sich die Banken ohne weiteres finanziern können. Wenn in so einem Fall die Zentralbank irgendwas bewirken will, muß sie so agieren, wie es Volcker bei der Lateinamerikakrise – die er nicht abwarten wollte! – getan hat: Zinssätze von 20% oder mehr. Etwas anderes funktioniert nicht. Sein Trick war: ‚hold to maturity‘, womit er dem Finanzmarkt eine entscheidende Sendepause verordnet hatte. Konsequenzen inbegriffen. Und hinterher hat er auf die ruhige Art den Schlamassel weiterfinanziert – was denn sonst?

            Die Politik der Zinsermäßigung ist letztlich nichts anderes, als eine (kleine) Subvention an die Banken, damit sie die für ihre Kreditabschreibungen erforderlichen (und dadurch gesponsorten) „Gewinne“ noch irgendwie erzielen können. Kein Mensch der sich damit auskennt glaubt doch noch an den Blödsinn, daß durch Zinsermäßigungen die Kreditvergabe angekurbelt werden soll – das ist ein logischer Kopfschuß. Der Grund ist ganz einfach: niedrige Kreditzinsen sind ein Ausdruck der Tatsache, daß die Konjunktur richtig gut läuft, da kann man sich die Verlautbarungen von Mitte der 00er Jahr ansehen, wo sich die heutigen Schuldenprobleme richtig aufgebaut haben. Denn die ökonomische Krise hat Mitte der 00er Jahre stattgefunden, was wir heute sehen, sind lediglich die Folgen dessen, daß seinerzeit niemand sich ausgerechnet hat, daß alberne Kreditkonjunkturen aufgrund der Geldvermögensverschiebungen zu unbedienbaren Krediten führen. Natürlich: die Baukonjunktur Spaniens war auch darauf angelegt Käufer anzuziehen, die im Norden Europas von viel Regenwetter gesegnet sind. Die Abschreibungen wegen der amerikanischen Holzhütten hat dieser Kalkulation aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

            Tja, ’shit happens‘!

          • Linus Huber sagt:

            Die Subvention ist nicht sehr klein, sondern belaeuft sich auf 80 Milliarden alleine in den USA.

            Wie Sie richtig erkennen baute sich die Krise ueber jahrzehnte auf, indem das Verhalten durch die inflationaere Geldpolitik insofern veraenderte, dass die Ausweitung des Kreditvolumens gefoerdert wurde, indem jener mit dem hoechsten Schuldenhebel am meisten profitierte. Dass sich daraus massive Ungleichgewichte bilden mussten, sollte eigentlich fuer einen geschulten Oekonomen keine schwierige Erkenntnis gewesen sein. Aber eben, die konventionelle Lehre erklaerte ja, dass Schulden auf der andern Seite Guthaben sind und damit nicht von Bedeutung. Es wurde jedoch unterlassen, zu erkennen, dass es in einem Verhaeltnis zur Wirtschaftsleistung stehen muss, ansonsten die Kreditwuerdigkeit fraglich wird, da die Rueckzahlbarkeit und der Zinsendienst immer schwieriger wird.

            Wir argumentieren beide aehnlich, wobei Sie sich zu stark auf die kuerzliche Vergangenheit fokusieren und die aufgrund der jahrzehntelangen Geldentwertung eingesetzte Verhaltensveraenderung der Akteure (Konditionierung) weniger in Betracht ziehen.

          • Oliver sagt:

            oder wers noch genauer wissen will (Fullwiler 2013):

            …According to the Fed’s data, average daily dollar volume of payments settled via Fedwire –
            the Fed’s real-time gross settlement system – was 17 percent of GDP in 2011 (Federal
            Reserve 2012). This is a fairly typical percentage that one sees across countries, as
            Fullwiler (2008) shows. In other words, within 5 to 10 business days, the value of payments
            settled using central bank balances eclipses that country’s annual gross domestic
            product (GDP). This does not account for a far larger value of payments that are settled
            on various netting systems (say, for fixed income, equity, and money market transactions)
            and then are settled on a netted basis using reserve accounts. Put simply, the
            smooth functioning of the national payments system is indispensable to any national
            economy, and the central bank is ultimately responsible for ensuring its operations continue
            without disruption. Whereas historically economic research, models, and textbooks
            focused on reserve requirements when analysing monetary policy, the better starting
            place is the modern central bank’s role in the national payments system (Fullwiler 2003).
            What this means is that the central bank’s provision of reserve balances at some
            price is ultimately non-discretionary
            .
            (…)
            The necessity for the central bank’s operations to accommodate banks’ needs to settle payments
            and meet reserve requirements while achieving the target rate exists because banks
            in the aggregate cannot alter the quantity of reserve balances. Recalling Mehrling’s quote
            above, individual banks can borrow and lend in money markets, but the banking system
            as a whole can only affect the distribution of total reserve balances, not the quantity….

          • Oliver sagt:

            Das heisst, die massiven Transaktionsvolumen im Zahlungsverkehr zwingen die Zantralbank als Garantin dessen reibungslosen Ablaufs, Reserven zu einem von ihr bestimmten Zinssatz dem Bankensystem nach dessen Bedürfnis zur Verfügung zu stellen. Oder noch einfacher, das Kreditgeschäft bestimmt die Menge an Zentralbankgeld, nicht anders herum, bzw. die Menge an ZB Geld ist zwingend endogen. Die gegenteilige Behauptung von Hrn. Menendez, dass dies eine selbst auferlegte Einschränkung ist, baut auf einer Analyse auf, die der Funktionweise des nationalen Zahlungsverkehrs nicht Rechnung trägt.

          • Oliver sagt:

            Link zum zitierten Paper, auch aus der letzten AUsgabe des Review of Keynsian Economics: http://www.rokeonline.com/roke/post%20crisis%20monetary%20policy%20debate.pdf

        • Oliver sagt:

          @ Menendez

          Besten Dank für die Antwort.

          Am besten zitiere ich zu der Aussage ‚Die Menge an Zentralbankgeld kann eine Zentralbank durchaus steuern, auch wenn man davon ausgehen darf, daß sie nicht mutwillig das ihr angeschlossene Bankensystem durch Kreditverweigerung in die Illiquidität treibt‘ Basil Moore:

          On a monthly basis, Federal Reserve net open-market operations fail to explain any of the actual changes in unadjusted or adjusted total reserves! They explain only 5 percent of changes in the unadjusted and only 10 percent of the changes in the high-powered base. In all cases the coefficient on net open-market purchases and sales is extremely small. It has no statistical significance in explaining observed changes in bank reserves. Although the coefficient is statistically significant in explaining the monetary base, its magnitude implies that $1000 of open-market purchases or sales were necessary to change the value of the base by $1!

          The explanation for these apparently puzzling results is not far to seek (Lombra and Torto, 1973). From the central bank’s point of view a large number of stochastic nonpolicy factors operate to add or withdraw reserves from the banking system. These factors can be analyzed by an examination of the central bank’s balance sheet identity. This documents the various financial flows that accompany any change in the base: changes in float, changes in the public’s currency holding, foreign capital inflows or outflows, changes in treasury balances held with the Fed, changes in bank borrowing from the discount window. All of these flows are completely outside the control of the monetary authorities. In order to achieve a desired level of the base, these flows must be completely offset by open-market operations…

        • Oliver sagt:

          …If the Fed were to take no action in the face of these large stochastic inflows and outflows of funds, the banking system would experience sharp fluctuations in its excess reserve position. Such changes would be unrelated to the Federal Reserve’s policy intentions, and would provoke continued liquidity crises and great instability in interest rates. As a result most Federal Reserve open-market operations are “defensive” and designed to offset the effects of these nonpolicy forces. Central banks operate to make reserves available to the banking system on reasonably stable terms, from day to day and week to week.

          Studies of Federal Reserve open-market operations have estimated that more than 85 per cent of Federal Reserve security purchases of [sic] sales are “defensive” (Lombra and Torto, 1973, Forman, Groves and Eichner, 1984). Such flexibility is needed to deal with the very large inherent volatility of money flows. On a week-to-week basis such “noise” in the behaviour of the narrow money supply accounts for dollar changes in reserves of plus or minus $3 billion more than two-thirds of the time. This represents nearly 10 percent of total reserves, which were concurrently in the order of $40 billion (J. Pierce, 1982). On a monthly bias, such “noise” accounts for changes in the money stock or plus or minus 5 percent about two-thirds of the time.

        • Oliver sagt:

          und das wurde zu einer Zeit geschrieben, als 40 Mia. noch viel Geld war…

        • Oliver sagt:

          und zu dem Satz: Staatsschulden leben davon, daß sie niemand – über die gesamten Gläubiger hinweg – zurückhaben will
          Wenn Sie meinen, dass Gläubiger ihre Staatsschulden gegen Giralgeld oder von mir aus Bargeld eintauschen wollen, ist das doch kein Problem. Sie verkaufen ihre Schuldscheine zu Marktpreisen willigen Käufern. Im Zweifelsfall ist dies die Zentralbank, fertig. Sie tauscht eine staatlich gesponserte Form an Finanzmittel gegen eine andere, die dem Halter erst noch weniger Zins einbringt (sofern nicht Zinsen auf Reserven bezahlt werden, wie dies seit QE der Fall ist).
          Ganz anders ist der Fall natürlich gestrickt, wenn Zentralbanken private Finanzmittel kaufen. Dann werden tatsächlich im nachhinein Kreditentscheide privater verstaatlicht. Aber deswegen ist das ja auch gemeinhin verboten.

          • Linus Huber sagt:

            @ Oliver

            Allerdings kann die Zentralbank den Wert dieser Government Bonds und damit den Zins darauf sicherstellen, wenn sie bereit ist, saemtliche Staatsanleihen zu uebernehmen. Wohin dies fuehrt, duerfte allgemein bekannt sein.

          • Oliver sagt:

            Ich weiss nicht, was Sie mit ‚Wert sicherstellen‘ meinen. Und auch nicht, von welchen Folgen Sie reden.

          • Linus Huber sagt:

            @ Oliver

            das Wort „nur“ ging unter im Satz

          • Oliver sagt:

            Ich weiss trotzdem nicht, was du meinst und wohin das vermeintlich führen soll.

        • Oliver sagt:

          und hierzu noch:

          Deswegen ist meine Position dabei die, daß die Zentralbank immer darauf hinwirken sollte, daß die Geschäftsbanken für ihren Liquiditätsausgleich immer auf den Interbankenmarkt zugreifen müssen. Das liegt daran, daß innerhalb der Banken genauso gequatscht wird, wie in jeder anderen Branche auch. Die Banken wissen untereinander besser über die Liquiditätsprobleme ihrer Mitbewerber Bescheid als die Zentralbank, so daß die Zentralbank nur die Interbankenzinsen studieren muß, um festzustellen, wo es Probleme bei der Bonität der vergebenen Kredite gibt.

          Dies widerspricht der Minsky Geschichte von oben. Solange die Party läuft, wird jeder noch so hirnrissige Quatsch als todsichere Anlage gehandelt, auch, oder gerade, innerhalb des Finanzwesens. Und sobald das Blatt kehrt, erstarrt der gesamte Interbankenmarkt schlagartig, sofern nicht eine Instanz eingreift und kräftig nach dem Giesskannenprinzip nachwässert. Dass es irgendeine Zauberformel gibt, nach der hochvernetzten Finanzmärkten zugetraut werden kann, von sich aus nach tatsächlichen Qualitätskriterien einzelne schwarze Schafe auszusieben, ohne dabei systemische Krisen auszulösen bzw. den Zahlungsverkehr lahmzulegen, halte ich jedenfalls für ökonomisches Wunschdenken.

          • Linus Huber sagt:

            @ Oliver

            Natuerlich ist es oekonomisches Wunschdenken nachdem aufgrund der langfristigen Auswirkungen inflationaerer Geldpolitik zugunsten kurzfristiger wirtschaftlicher Ziele sich die Ungleichgewichte zu diesem Ausmasse entwickeln konnten.

            Dies aendert nichts an der Tatsache, dass uns diese Geldpolitik in eine nicht nachhaltige Sackgasse gefuehrt hat, gerade weil man einzig immer die Stabilitaet im Bereiche Liquiditaet und Zinsen anstrebte, anstatt sich auf die Stabilitaet des Wertes einer Waehrung zu fokusieren. Damit haette man zwar sicherlich gelegentliche kurzfristige Krisen provoziert, aber es sind genau diese verhaeltnismaessig leicht verdaubaren Krisen, welche notwendig sind um die langfristige Nachhaltigkeit sicherzustellen, indem ungesund entwickelnde Ungleichgewichte wieder korrigiert werden.

            Ich wundere mich immer wieder, wie die grossen Zusammenhaenge nicht erkennbar zu sein scheinen.

    • Linus Huber sagt:

      @ Renee

      Sie machen auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam.

      Bargeld in seiner physischen Form kann einzig durch die Aktionen der Zentralbank seinen Wert verlieren.
      Kredit hingegen ist abhaengig von der Faehigkeit des Kreditnehmers, den Zinsdienst zu leisten und das Vertrauen in die Rueckzahlung des Kredites zu gewaehren.

      Es sollte nicht die Aufgabe der Zentralbank sein, sicherzustellen, dass das Vertrauen in die Rueckzahlung von Krediten bestehen bleibt, sondern dies muss auf der Ebene der Parteien, welche das Kreditgeschaeft abschlossen, geregelt werden. Das durch verschiedene Manipulation ausgefuehrte sich Einmischen der Zentralbanken in dieses Verhaeltnis zweier Parteien ist das grundsaetzliche Uebel der heutigen Angelegenheit, indem sich verschiedene Akteure daran gewoehnten, dass Kredit aufgrund der geldpolitischen Manipulationen an „moneyness“ gewann, waehrend Bargeld an „moneyness“ verlor, wobei „moneyness“ den Werterhalt einer Waehrung spiegelt.

      • @ Linus

        Soweit Sie sich auf Bargeld beziehen, d.h. die eine schuldbefreiende Sache, müssen Sie auch die Forderungen der Geschäftsbanken an die Zentralbank mit einbeziehen, denn diese sind zwar nicht ‚de jure‘ aber ‚de facto‘ ebenso eine schuldbefreiende Sache – auch wenn manche meinen, daß die halt nur „virtuell“ wäre.

        Die Zentralbank kann natürlich nicht direkt sicherstellen, daß die Bonität der Kredite, welche die Geschäftsbanken vergeben haben, gewährleistet ist, aber sie kann durchaus darauf hinwirken, daß für diejenigen Banken, welche zweifelhafte Risiken in ihren Büchern haben, die Refinanzierungskosten steigen. Denn ein schleppender Schuldendienst führt bei der betroffenen Bank sofort dazu, daß sie Liquiditätsprobleme bekommt und sich woanders refinanzieren muß, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Ich glaube, daß die Banken untereinander schon wissen, welche Bank erhebliche Schwierigkeiten hat, ihre Liquidität aufrechtzuerhalten. In so einem Fall werden sofort höhere Interbankenkreditzinsen fällig, die darauf hinweisen, daß es Probleme mit der Bonität der vergebenen Kredite gibt.

        Deswegen ist meine Position dabei die, daß die Zentralbank immer darauf hinwirken sollte, daß die Geschäftsbanken für ihren Liquiditätsausgleich immer auf den Interbankenmarkt zugreifen müssen. Das liegt daran, daß innerhalb der Banken genauso gequatscht wird, wie in jeder anderen Branche auch. Die Banken wissen untereinander besser über die Liquiditätsprobleme ihrer Mitbewerber Bescheid als die Zentralbank, so daß die Zentralbank nur die Interbankenzinsen studieren muß, um festzustellen, wo es Probleme bei der Bonität der vergebenen Kredite gibt.

        Genau das ist das gefundene Fressen für jede funktionierende Bankenaufsicht! Das Witzige ist: die Banken liefern die Informationen darüber selbst – natürlich nicht über sich selbst, aber über diejenigen (immer die anderen) Banken, die auf einmal höhere Refinanzierungszinsen bieten (müssen)!

        • Linus Huber sagt:

          @ Renee

          Ich gehe mit Ihnen groesstenteils einig.

          Allerdings besteht heute ein zusaetzliches Problem, indem eigentlich Solvency und Liquiditaet verwechselt wird oder anders ausgedrueckt, man das Problem von Insolvenz mit Liquiditaet bekaempft. Nur schon die nach 2008 eingefuehrte Aufweichung der Bewertungsregeln ist eine fragliche Angelegenheit, da dies den Banken erlaubt, Teile ihrer Assets nach Modell oder Verfallwert zu bewerten und nicht nach Marktwert. Natuerlich war dies erforderlich, um einen Crash zu vermeiden, da ansonsten viele wohl insolvent gewesen waeren.

          Aber jede Intervention wird sein Nachspiel haben. Wir werden sehen, wie sich die Angelegenheit ausspielen wird. Allzu lustig duerfte es nicht werden. Ich denke, wir liegen in etwa auf der gleichen Linie in dieser Beziehung.

          • Ich weiß nicht, warum Sie die Wirkungen (Nachspiel) dieser „Rettungspolitik“ in der Zukunft sehen. Wenn ich mir ansehe, was die Lebensversicherer inzwischen meinen ihren Kunden zumuten zu können, obwohl sie vor wenigen Jahren noch gemeint haben, irgendwelche großartigen Versprechungen hinsichtlich der Rendite von bei ihnen getätigten Geldanlagen machen zu können, ist das, was Sie in der Zukunft sehen für meine Begriffe bereits Realität.

            Der Hänger dabei ist, daß dann, wenn die Versicherer an ihre heiligen Rücklagen gehen (müssen), die Vermögensmärkte dieser Welt einen Sturzflug erleben würden, der mit der ‚dotcom‘ Geschichte nicht mal halbwegs beschrieben werden kann. Denn die ‚dotcom‘-Blase war zum größten Teil mit IPOs – sprich Aktien – finanziert. Dieses Segment hat man damals ohne mit der Wimper zu zucken vor die Hunde gehen lassen. Es hat auch keinen interessiert, weil es für Aktienabschreibungen keinen „Rettungsfonds“ gibt – warum auch! Wenn es aber um die Ersparnisse der Ruheständler geht, sieht die Geschichte ganz anders aus.

            Machen wir uns nichts vor: die „Rettungspakete“ sind dazu da, die fehlgeleitete „private Altersvorsorge“ vor dem Ruin zu bewahren. Alles andere ist schöngeistiges Nirvana!

            Und nicht irgendwann, sondern hier und jezt!

          • Linus Huber sagt:

            „die Vermögensmärkte dieser Welt einen Sturzflug erleben würden“

            Glauben Sie, dass dies durch die staatlichen Eingriffe wirklich verhindert werden kann? In meinen Augen ist dies einzig eine Frage der Zeit.

          • Staaten können immer – wenn sie wollen – einen Vermögenscrash verhindern, das ist keine Frage. Das Interessante ist, was das bedeutet und zwar hinsichtlich des Geldwerts bzw. des Inhalts von Geldvermögensforderungen – ob als Lebensversicherung oder Festgeld ist dabei völlig unerheblich.

            Ich mach es mal kurz: eine Forderung gegen den Staat bedeutet essentiell, daß dort eine Forderung existiert, die irgendwann mal durch den Staat für eine reale Leistung ausgegeben wurde. Diese ist untergegangen. Was übrig bleibt ist eine fiktive Forderung auf eine Leistung, die erst erstellt werden muß – und solange nicht viele Forderungsinhaber auf die Idee kommen, diese umzusetzen, gibt es damit auch kein Problem.

            Die Konsequenz daraus ist eklig: Staatsschulden dürfen – und können – nie abgebaut werden, es reicht, wenn diese ausreichend bonitätswürdig sind, damit auslaufende Staatsschulden immer wieder revolviert werden können – inclusive der Zinsen, die in diesem Konzept auch nie netto bezahlt werden.

            Auf gut Deutsch: Staatsschulden leben davon, daß sie niemand – über die gesamten Gläubiger hinweg – zurückhaben will: bestes Beispiel sind die Versicherer, die einen Teufel tun und ihre versteckten Reserven NIE antasten würden. Aber so funktioniert das auch mit den Staatsschulden.

            Nie dran rühren – und alle sind glücklich! (Honi soit qui mal y pense!)

          • Linus Huber sagt:

            Wie Sie richtig sagen, solange die Bonitaetswuerdigkeit ausreichend gegeben ist. Wenn jedoch die Staatsschulden staerker anwachsen als die wirtschaftliche Leistungsfaehigkeit, wird die Bonitaet eines Tages in Frage gestellt werden was entweder im Zusammenbruch der Waehrung und/oder des Bondmarkts sich ausdrueckt. Es handelt sich um ein gefaehrliches Spiel, welches aufgrund des Vertrauensverlustes erst langsam aber dann eine ploetzliche Verwerfung nach sich ziehen kann. Es geht nicht per se um Staatsschulden, sondern um deren Ausmass und deren Ausweitung im Verhaeltnis der Leistungsfaehigkeit eines Staates. Wenn Sie glauben, dass dies alles kontrollierbar waere durch die entsprechenden Entscheidungstraeger, scheinen Sie aehnliche Entwicklungen der Geschichte zu vernachlaessigen.

      • @ Linus (Die Kommentarfunktion hat eine direkte Antwort darunter nicht mehr zugelassen – dennoch gut, daß es solche Diskussionen gibt!)

        Wie kommen Sie auf die 80 Mrd.$? Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, beziehen diese sich auf die Bestandsveränderung bei den Kreditvolumina – das ist aber eine geldvermögensneutrale Operation. Eine Subvention ist jedoch quasi leistungswirksam, indem sie einen wirtschaftlichen Erfolg simuliert – Subvention eben heißt Geldvermögenszuwachs ohne Leistungserbringung!

        Deswegen die Frage: meinen Sie mit den 80 Mrd.$ die geldvermögensneutralen Operationen der FED, oder meinen Sie damit, daß die US-Banken diese 80 Mrd.$ als Ertrag ansehen können?

        • Linus Huber sagt:

          Eine Studie von Bloomberg und noch einer Institution kam auf diese jaehrliche Summe, welche heute von gewissen Politikern in den USA verwendet wird.

        • Baer sagt:

          Ah, Renée Menéndez, schön, dass Sie hier sind. Experten braucht dieser Blog.

        • smartin sagt:

          Richtig gesagt Renée Menéndez; Staaten „können“ immer einen Vermögenscrash verhindern; fraglich ist aber wie lange sie dies tun. Detroit gibt die Antwort. Staaten verhindern einen Vermögenscrash so lange wie der Nutzen daraus grösser ist als der Schaden. Wenn die Staatsverschuldung so hoch ist, dass die Zinsen nur noch mit neuen Schulden bedient werden können, ist ja wohl auch dem allerdümmsten Politiker (und Politiker die sich in den überschuldete Staaten noch einem Amt aussetzen, müssen dumm sein!) klar, dass der Nutzen eines Staatsbankrotes höher sein wird als die Verhinderung eines Vermögenscrashes. Bei den Südstaaten der EU konnten die Schulden noch auf die übrigen relativ gesunden Nordstaaten „verteilt“ und so verdünnt werden; dadurch war der vorläufige Nutzen der Verhinderung des Vermögenscrashes noch grösser als der Schaden einer Insolvenz. Falls nun aber durch den fehlenden Bestrafungs- und lerneffekt eines Vermögenscrashes in einem kleineren Südstaat die Verschuldung in der gesamten EU weiter ansteigt und die Gläubiger leichtfertig meinen, das Ganze lasse sich so schon aussitzen, dann wird auch in der EU der Moment kommen wo eben der Schaden des Vermögenscrashes kleiner sein wird als dessen Verhinderung. Im Moment weisen alle Indikatoren auf diesen Umstand hin, die Verschuldung der Gesamt-EU im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nimmt weiterhin rapide zu; es wird interessante Zeiten geben.

          • Linus Huber sagt:

            @ smartin

            Ihr Name scheint einiges zu versprechen.

            Diese Aussage, dass ein Staat immer einen Vermoegenscrash verhindern kann, zeigt schon die Naivitaet der darin verborgenen Annahmen auf. Erstens duerfte es sich einzig um einen nominellen Vermoegenscrash handeln und zweitens wird dadurch immer staerker offensichtlich, wer die wirklichen Nutzniesser der dadurch verursachten Umverteilung sind (hauptsaechlich die Top 0,1% der Bevoelkerung). Dass solche extremen Massnahmen aufgrund der sich immer verstaerkenderen Verzerrung wirtschaftlicher Faktoren in absehbarer Zeit zu politischen Verwerfungen fuehren wird, scheint wohl im oekonomischen Lehrbuch vergessen worden sein.

            Ja, Baer, wir brauchen mehr „Experten“ in diesem Blog, damit ich deren auf fragwuerdigen Annahmen basierenden Theorien schrittweise zerpfluecken und die damit verbundene oberflaechliche Analyse der Situation offenlegen kann. Ich bin um jeden solchen Blogbeitrag dankbar. Die Flucht in vermeintlich hochstehende und gehobene sowie durch keynesianisches Gedankengut geformte Rahmenbedingungen zwecks Verwendung als analystisches Instrument und deren Untermauerung durch Referenzen von nahmhaften Oekonomen zeigt einzig den Mangel auf, welcher darauf beruht, den eigenen Verstand zu verwenden um die tieferen Zusammenhaenge, welche keineswegs einzig mit mathematischen Formeln modelliert werden koennen, zu studieren und zu verstehen. Qualitaet ist oft nicht messbar, sondern einzig Quantitaet, wodurch solche Analysen leider oft nicht zu logischen Schluessen fuehren. Ebenfalls leiden empirische Studien oft daran, dass viel zu wenige Einflussfaktoren in Anwendung gebracht werden koennen, womit ebenfalls eine rein qualitative Aussage ohne der notwendigen Beruecksichtigung qualitativer Werte gemacht wird.

  • Albert Baer sagt:

    „freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform“

    Das ist die Kardinalslüge der sogenannt „Liberalen/Freiheitlichen“: Beim Privatbesitz sind die plötzlichen gar nicht mehr freiheitlich eingestellt.
    Der wahrhaft Freiheitliche/Liberale ist der Anarchist.
    Der Privatbesitz ist die eigentliche Verirrung der Menschheit. Etwas persönlicher Besitz im Umfang einer Kiste in Sarggrösse ist ok. Der restliche Besitz gehört allen (=der Gemeinschaft) inkl. aller Zukünftigen und muss entsprechend nachhaltig gemanaged werden.

    Grüsse aus der Zukunft.

    • smartin sagt:

      Und Herr Albert Baer ist der Organisator und der Verwalter des „nachhaltigen Managements des gemeinschaftlichen Besitzes“.

      Und damit ihm alle gehorchen darf er einen Wartburg fahren und wir anderen alle nur einen Trabi……. Und am Neujahr jubeln wir ihm an der alljährlichen Parade zu und schwenken ein Fähnli mit seinem Foti drauf.

      Im Ernst: Privateigentum ist per se weder gut noch schlecht. Es entfaltet seinen gemeinschaftlichen Nutzen, wenn es für alle Individuen einer Gemeinschaft erschwinglich bleibt, möglichst der Eigennutzung dient und wenn der übermässigen Hortung mit klaren Regelungen entgegen gewirkt wird. All diese trivialen Erkenntnisse werden seit den 80iger Jahren sträflich vernachlässigt. Nach 30 Jahren Perversion des Privateigentums (Eigentum ohne Verantwortung über anonyme Börsen) kommen jetzt wieder die Anarchisten zum Zug, welche das Kind gleich mit dem Bade ausschütten wollen. Dass diese damit nur alles noch viel schlimmer machen werden, muss unsere Gesellschaft wohl noch zuerst selber erfahren und erleben.

      • Albert Baer sagt:

        @smartin

        Sie spielen die alte Leier des Kommunismus bzw. des Staatskapitalismus.
        Ich halte Anarchie (=Herrschaftslosigkeit) – nicht zu verwechseln mit Anomie – tatsächlich als erstrebenswert.
        Ausserdem habe ich nichts gegen Eigentum aber etwas gegen Privateigentum. Wie gesagt, etwas Privateigentum ist aus psychologischen Gründen nötig, den ganzen Rest „besitzen“ Gemeinschaften/Genossenschaften und managen dieses treuhänderisch. Mit dem Eigentum kommt also vor allem eine Verantwortung/Pflicht und erst in zweiter Hinsicht ein Recht.
        Der Zugang zu den Genossenschaften/Gemeinschaften muss für alle möglich sein.

        Nochmals: Exklusives Privateigentum ist zutiefst unliberal. Aber Wasser predigen und Wein trinken gilt offensichtlich auch für so manchen Papierliberalen.

  • Wie Arthur C. Clarke in „Profile der Zukunft“ vorhersagte (kein ernstzunehmender Wissenschaftler hat es je gewagt, an seinen prophetischen Worten zu zweifeln), wird die Zeit kommen, „wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten (Politik und Wirtschaft) uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten.“ Mit der Korrektur unserer seit jeher fehlerhaften Geld- und Bodenordnung durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform – und damit der Befreiung der Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus – wird diese Zeit anbrechen. Um sie hinauszuzögern und weiterhin mit Kinderkram beschäftigt zu bleiben, konstruieren studierte „Wirtschaftsexperten“ idiotische (ein Idiot ist jemand, der öffentliche und private Interessen nicht voneinander trennen kann) Gedankenexperimente bezüglich einer angeblichen „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“, damit der wirkliche Fehler im „Geld, wie es (noch) ist“ für alle, die sich von diesem Unsinn ablenken lassen, unverständlich bleibt, und damit das fehlerfreie „Geld, wie es sein soll“ gar nicht erst angedacht wird. Die von der Masse gewählten „Spitzenpolitiker“ lassen sich wiederum nur zu gern von diesem Unsinn zusätzlich verwirren, denn auch sie wollen sich weiterhin mit „theologischen Debatten des Mittelalters“ beschäftigen.

    Die Gedankenexperimente dieser „Experten“ beruhen auf der gedankenlosen Verwechslung von Geld (Zentralbankgeld = Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) und Ansprüchen auf Geld mit unterschiedlicher Fristigkeit („Geldmengen“ M1, M2, M3…), was ebenso unsinnig ist wie etwa die Addition der Büchermenge in einer Bücherei mit der Summe der Buchausleihungen. Wer heute „VWL“ studiert, muss diesen Unsinn unreflektiert übernehmen, oder er darf seine Klausuren nicht bestehen.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    • Linus Huber sagt:

      @ Stefan

      Vor allem Ihr letzter Absatz ist aus meiner Sicht wichtig, welcher grundsaetzlich das System beschreibt, in welchem Banken ihnen anvertrautes Geld (Kundenguthaben) mit einer laengeren als ihnen gewaehrten Dauer ausleihen, womit theoretisch 2 Parteien gleichzeitig das Anrecht auf dasselbe Geld erhalten. Nur aufgrund der Tatsache dass dieses System durch die Zentralbanken durch die Funktion des „Lender of last resort“ gestuetzt wird, ist dies moeglich, ansonsten die Moeglichkeit eines sogenannten „Bankruns“ die Banken davon abhalten wuerde, dieses fragwuerdige Verhalten zu ihrem Vorteil ausnuetzen zu koennen.

      • Das Problem ist ein a priori fehlerhaftes Geld, nicht die Geschäftsbanken. Ohne dass diese die Fristentransformation bis an die Grenzen ausreizen würden, wäre der Geldkreislauf schon längst zusammengebrochen.

    • Ueli der Hecht sagt:

      @Stefan Wehmeier
      Nach Ihren Worten hat „kein ernstzunehmender Wissenschaftler es je GEWAGT, an A.C. Clarke`s Worten zu zweifeln“.
      Nun, Herr Wehmeier – es ist aber auch kein „wissenschaftliches Argument“ sich auf „Autoritäten“ zu berufen und in diesem Fall „Zweifel“ als „Wagnis“ zu bezeichnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass vor ein paar hundert Jahren genau so ein Inquisitor sich auf die päpstliche Autorität bezogen hat.
      Kontroversen auf den Gebieten Politik und Wirtschaft spielen sich wenigstens in der „realen Weltgeschichte“ ab. Selbst ein so scharfer Kritiker des Kapitalismus wie Marx – hat die bürgerlichen Kontroversen seiner Zeit nicht verschmäht und sich in irgendein „zeitloses“ Abseits gestellt.
      Am Schluss Ihrer „Wutbürgeranalyse“ kommt dann auch noch der alte Kaffee von „freiwirtschaftlicher Boden- und Geldreform“ – und der obligate Seitenhieb auf die „korrupten Politiker“.

    • G. Nardone sagt:

      @Stefan Wehmeier: Ist es nicht erstaunlich, wie blöd doch alle Menschen heute sein müssen, wenn sie doch hauptsächlich mit Quittungen von Mehrfach-Buchausleihungen bezahlen gehen, schlimmer noch, wie blöd sind all diejenigen die sie akzeptieren! Sie lassen sich eben blenden vom Schein, sie wissen ja nicht, dass es 10 Ansprüche auf dasselbe Buch gibt, wenn sie nur wüssten. Das ist eine Verschwörung von böswilligen Schattenmächten, die es auf unser Hab und Gut abgesehen haben. Aber in der Praxis geschieht es in der Regel nicht, dass alle nun dasselbe Buch ausleihen wollen, solange das Vertrauen da ist, die Wirtschaft und die Finanz einigermassen funktioniert, läuft alles prima.
      Allerdings läuft ja nicht alles prima, wir haben Krise, Finanz- und Wirtschaftskrisen. Die Ursachen dafür sind einfach, es muss das liebe Geld sein mit seinen komischen Mehrfach-Ansprüchen und ihrer Schöpfer-Götter, obwohl wir keine Beweise dafür haben, ist uns völlig egal, Hauptsache wir haben den Schuldigen ausgemacht die für unsere miserablen Lebensumstände verantwortlich sind, denn wir wollen bestimmt nicht dafür verantwortlich sein.
      Wobei, was würden wir tatsächlich kriegen in der Buchhandlung, ein Buch? Nein, wir kriegen wieder eine Quittung, ein Anspruch auf ein Buch, ausgestellt von der Zentral-Bibliothek. Und was kriegt man bei der Zentrale, wenn man den Anspruch einlösen möchte? Sie tauschen einem den Papier-Anspruch aus, sofern er etwas in die Jahre gekommen ist, ansonsten gibts was denn? Nichts …

      • Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

        Damit das Geld unter allen Umständen sicher umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert anhand eines repräsentativen Konsumgüter-Preisindex auf unbegrenzte Zeit absolut stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf“sicherungen“ Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden.

        http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

        • G. Nardone sagt:

          @Stefan Wehmeier: Da bin ich mit Ihnen einverstanden, dass wir eine Umlaufsicherung gebrauchen ganz nach Silvio Gesell, aber der Zins ist nicht das eigentliche Problem heute, sondern das „Geld-Sparen“ an sich, was Silvio Gesell als Horten bezeichnet hatte. Aber im heutigen System ist einfach das BuchGeld das auf der Bank langfristig liegt genau dasselbe wie Horten. Man kann das heutige System nicht ganz vergleichen mit den früheren.
          Die Zentralbank nimmt Einfluss mehr oder weniger und zwar mit der Inflation. Die Inflation wird von Zentralbanken ja bewusst gemacht, und die wirkt oder sollte wirken wie eine Umlaufsicherung, das gesparte Geld verliert ja an Kaufkraft, will man das verhindern muss man halt das Geld ausgeben, über Konsum & Investition, das Problem dabei ist aber, dass man darauf wieder Zinsen kriegt und die Inflation vielleicht etwas wett macht und diese Zinsen gehen dann auf Kosten von denen die kaum Geld auf der Seite haben. Aber dennoch ist der Zins nicht das eigentliche Problem, sofern man das Geld auf der Bank persönlich wirklich ausgeliehen hätte, was eben auch nicht ganz der heutigen Realität entspricht.
          In diesem Sinne wäre ich anstelle eines Zinses auf Buch- oder Giralgeld für einen tiefen Minus-Zins. Geld könnte man immer noch ausleihen & dafür Zinsen verlangen.
          Und wie bereits erwähnt man das heutige System nicht mit früheren vergleichen kann, wir sind ja nicht mehr im Mittelalter, glaub ich auch nicht an einen Zusammenbruch des Systems. Einige Probleme gibt es, die wir möglicherweise in Zukunft lösen könnten.

  • Michael Schwarz sagt:

    Hr. Dittli

    Sie haben ein gutes Artikel über das Thema Geld verfasst. Im Kreis der Ökonomen ist das Thema „die Entstehung des Geldes“ weitergehend umstritten bzw. es muss weiter geforscht und verstanden werden. Das ist die Ursache für die Asymmetrie und Ungleichgewicht im Wirtschaft- und Finanzsystem. Die Kontrolle der Zentralbank entpuppt sich als Illusion der Ökonomen, weil die Zentralbanken von wenigen gesteuert und kontrolliert werden, somit die Entscheidung der Zentralbank niemals demokratisch sein kann – die Zentralbank wird zu Lobbyisten der Banken wie GS … missbraucht.

    Solange die geldpolitische Entscheidung der Zentralbank nicht demokratisiert ist, gibt es kein stabiles Wirtschaft- und Finanzsystem.

    • will williamson sagt:

      Vollgeld.ch, Monetative.ch, vollgeld.de, banken-in-die-schranken.de

    • G. Nardone sagt:

      @Michael Schwarz: Die Zentralbank ist wieder schuld an allem, weil sie keine Kontrolle über die Menschen hat, wie sie mit ihrem Geld umgehen. Denn schliesslich kann jeder mit seinem Geld machen was er will, das hat in der Wirtschaft gewisse Konsequenzen, schliesslich hat man es ja über Leistungen in der Wirtschaft verdient, wenn man nun aber das Geld nicht ausgibt für diese Leistungen, sondern spart, dann bleiben diese Leistungen auf dem Markt liegen, denn Geld ist ein offener Anspruch auf Leistungen der Wirtschaft, die darauf wartet diese Ansprüche einzulösen, und falls das nicht geschieht, weil man Geld spart, dann kreiert das ein Problem, aber wir sind nicht für diese Probleme verantwortlich, es muss immer ein Anderer schuld sein.

  • Pigbonds sagt:

    Natürlich haben beide Theorien ihren *wahren* Kern, aber ebenso ihre Problematiken:

    Gegen das endogen entstandene (Kredit)Geld spricht, was wir diesen Sommer in Zypern beobachten konnten: Guthaben sind eben KEIN Geld, sondern lediglich Guthaben, die bei erscheinen am Bankschalter in eine SOFORT FÄLLIGE Forderung verwandelt werden (und stellen deshalb ein Passivum in der Bankbilanz dar) können, sofern es sich um Sichteinlagen handelt.

    Gegen das exogen entstandene Geld spricht, dass Kreditgeschäfte wie im Artikel beschrieben, scheinbar „aus dem Nichts“ Guthaben erzeugen und sich die Geschäftsbank bei Bedarf die nötige Liquidität bei der Zentralbank holen kann.

    Was der Artikel aber verschweigt, was auch in den gängigen Makromodellen gänzlich UNBERÜCKSICHTIGT bleibt, ist der Fakt, dass die Bank nun über ihre eigene Bilanz für das entstandene Guthaben haftet und deshalb in der Regel Kredite NUR GEGEN DAS STELLEN VON SICHERHEITEN gewährt. Die Geschäftsbank gibt eben gerade nicht einfach einen Kredit und der Schuldner kauft sich damit ein Haus, sondern die Bank gibt den Kredit nur, wenn sie eine marktfähige und im Preis die Höhe des Kredites übersteigende Sicherheit erhält. Der drohende Verlust der Sicherheit treibt den Schuldner dazu, den Kredit zu bedienen. Das sichert die *Kaufkraft* unseres Geldes, sorgt gleichzeitig auch für den verdammten Alltagsstress, den wir alle empfinden – das ist der Systemstress, der vom Schuldenbedienungszwang ausgeht.

    Die Geschäftsbank kann ihrerseits mit den nötigen Sicherheiten jederzeit an die Zentralbank gelangen und so an Liquidität kommen, aber die Zentralbank kann nie selber die Liquidität in den Markt bringen („Gäule saufen nicht!“), weil es dafür Kreditnachfrage von Schuldnern mit ausreichenden Sicherheiten braucht, für die Geschäftsbanken mit ihrer Bilanz haften könnten.

    Da in der deflationären Phase die meisten Assets, die als Sicherheiten in Frage kommen, sinken, ist es den Geschäftsbanken NICHT MÖGLICH, Kredite zu gewähren.

    • will williamson sagt:

      Grundsätzlich einverstanden. Ergänzend: Sowohl Münzen, Banknoten und Buchgeld sind Geld. Der Unterschied besteht darin, dass Münzen und Noten gesetzhliche Zahlungsmittel sind, Buchgeld hingegen nicht. Die Vollgeldbewegung will das ändern, indem die Kundenguthaben aus den Bankbilanzen herausgelöst werden wie die Wertschriftendepots und ebenfalls als gesetzliche Zahlungsmittel gehandhabt werden (Vollgeld.ch).

  • Walter Kunz sagt:

    Das weit verbreitete Fiat Geld, das soll wie man so oft zu hören bekommt, nur aus Luft gemacht werden..?

    • Wenn Sie den Artikel lesen, werden Sie feststellen, dass Luft dazu nicht einmal benötigt wird… 😉

      • Anh Toan sagt:

        Der Stoff aus dem die Träume sind

        • Bob Baumeister sagt:

          Achtung: Thomas Sedlacek vergleicht Geld sogar mit Energie, Zeitreisen und Alkohol…;-)

          […“Geld ist mit Energie vergleichbar, die durch die Zeit reisen kann. – Eine gefährliche Energie, die immer etwas bewirkt!
          Legen Sie mal los! Der Ölscheich bezahlt alles! – Geld aus der Zukunft reist so in die Gegenwart.“ – Der Vergleich mit Alkohol bzgl. der Stimmungslagen zw. Euphorie und Kater – einfach grossartig! ….Seiten 114-116 in seinem Werk: „Die Ökonomie von Gut und Böse“ sind bzgl. Geld/Zinsen etwas wunderbar Exotisches – in der trockenen Wüste der Geldtheorien!]

    • will williamson sagt:

      Wenn das mit der Luft stimmen würde, könnten die Banken ja auch ihr Eigenkapital daraus generieren und würden nie Verluste erleiden, da sie diese ja auch wieder mit Lutft decken könnten. Dass sie – wie momentan sichtbar – Verluste erleiden können und Eigenkapital einsammeln müssen, spricht gegen die Lufttheorie. Siehe dazu auch meinen Kommentar vom
      19. Juli 2013 um 09:34.

      • Josef Marti sagt:

        Bei einer nicht staatlich geretteten Bank hat das schon seine Richtigkeit, da sich dann ja sowohl die Kundeneinlagen (zumindest teilweise) sowie das Eigenkapital der Atkionäre tatsächlich in diese Luft auflöst, welches von der Bank geschaffen wurde. In der Praxis wird man aber auch da wie in Zypern eher den Kunden die Luft (oder vielleicht eine Velopumpe) überlassen.

        • will williamson sagt:

          In der Schweiz gab es ja schon Bankkonkurse. Der letzte war – wenn ich mich nicht falsch erinnere – die Spar- und Leihkasse Steffisburg-Thun. Dieser Fall ist aber – ebenfalls unter dem Vorbehalt, dass ich mich richtig erinnere – nach geltendem Insolvenzrecht abgelaufen. Aber auch so verlieren Einleger nach den Aktionären und den allenfalls vorhandenen nachrangigen Anleihensgläubigern und der Einlagensicherung Geld, wenn die Aktiven nicht mehr ausreichen, um alle Forderungen zu decken.

    • G. Nardone sagt:

      @Walter Kurz: Geld war schon immer aus „Luft“ oder eigentlich noch weniger. Geld ist ein Masstab, zählbare Einheiten, Zahlen wie kg, km, liter, cm, Geld misst oder beschreibt Werte ist aber selbst kein Wert. Das ist Geld. Was Sie eben verwechseln ist zu glauben dass z.B. Gold- oder Silbermünzen Geld sind, sind sie aber streng nicht, diese Münzen sind Waren, zählbare Einheiten in Form von Waren, Materie, und als solches Wert besitzen weil diese Waren oder Materie auch ohne Geld zu sein nachgefragt werden um sie auch anderweitig zu benützen.
      Und heute ist Geld zum Glück nur noch Zahl, Information, Buchhaltung und damit völlig wertlos, Geld ist eine Rechnung, eine offene Forderung an die Wirtschaft, die Werte in der Wirtschaft sind ihre Leistungen.

      • Linus Huber sagt:

        Jein

        Geld ist das Medium, welches die Gesellschaft allgemein dafuer anerkannt, als Geld zu funktionieren. Damit waren Gold- oder Silbermuenzen, als sie die Funktion des Zahlugnsmittels einnahmen auch Geld.

        Das heutige Geld ist zwar vergleichbar mit einem Masstab wie kg, km, liter, aber weist jedoch nicht genau dieselben Qualitaeten, da sich der Masstab wertmaessig aufgrund geldpolitischer Manipulation dauernd veraendert. Wenn wir annehmen, dass nach 10 Jahren ein Meter nur noch vielleicht die Laenge von 85 cm einnehmen wird, koennen wir uns vorstellen, wie schwierig es sein muss langfristig mit solch wertveraenderndem Masstab zu arbeiten und wie langdauernde „Bauprojekte“ wohl eher problematischer Natur sein duerften.

        • will williamson sagt:

          Kurzdefinition: Geld ist alles, womit man zahlen kann.

        • G. Nardone sagt:

          @Linus Huber: „Geld ist das Medium, welches die Gesellschaft allgemein dafuer anerkannt“ – Ja das stimmt.
          „weist jedoch nicht genau dieselben Qualitaeten“ – Das stimmt nicht, selbst ein Edelmetall-Geld hat kein fixer Masstab, kein fixer Wert. Denn der Marktpreis von Edelmetallen kann sich jeden Tag ändern, und niemand kann die Zukunft voraussehen, in 20 Jahren mögen Edelmetalle 1/10 noch Wert haben als heute oder noch weniger.
          Inflation: Zentralbanken wären nicht genötigt bewusst Inflation zu machen, würden die Wirtschaftsteilnehmer ihr verdientes Geld nicht mittel- bis längerfristig sparen. Habe schon etliche Male darauf hingewiesen und die Zusammenhänge diesbezüglich erklärt. Eine Wirtschaft als Ganzes kann nicht Waren produzieren, das Geld dafür verdienen, aber dann ein Teil dieser Waren nicht beanspruchen, nicht kaufen, das kann über Konsum oder Investition sein, das kommt nicht gut, Wirtschaft 101! Ineffezient nennt man das in wirtsch. Sprache und Verlust, erzeugt Deflation. Um diesem Spar-Geld nun Beine zu machen, weg von der Deflation, denn ein Deflation ist viel schlimmer als eine hohe Inflation, ist die Zentralbank im Interesse der ganzen Wirtschaft dazu genötigt, Inflation zu erzeugen, was aber auch nicht immer so klappt wie erwünscht.

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Die Menge vorhandenem Edelmetalles ist verhaeltnismaessig unflexibel, da die Produktion sehr aufwendig ist im Verhaeltnis zu z.B. Papier.

            Die Menge passt sich jedoch der wirtschaftlichen Entwicklung an. Wenn z.B. zuviel Gold im Umlauf ist und damit die Kaufkraft des Goldes sich reduziert, wird aufgrund dieser Tatsache weniger gefoerdert und umgekehrt. Es entsteht ein natuerlicher Prozess der ausgleichenden Wirkung. Wenn zu wenig Gold zur Hortung dessen veranlasst, wird die Produktion angeheizt, was entwertend auf die bestehende Menge Gold wirkt, womit auch hier eine Gegenbewegung in Gang kommt.

            Der Goldstandard in sich war ja nie ein Problem, sondern es war immer der Versuch der Entscheidungstraeger und Banker die durch den Goldstandard erzeugte Verhinderung der der ungerechtfertigten Bereicherung durch Lug und Betrug zu umgehen.

            Die Indoktrination „Deflation ist schlecht“ hat gut auf Sie eingewirkt. Deflation in sich ist nicht schlecht, sondern jeder gewinnt dadurch hoehere Kaufkraft. Hingegen kann Deflation sehr zerstoererisch wirken, wenn man zuvor ueber lange Zeit eine inflationaere Geldpolitik betrieb und sich dadurch massive Ungleichgewichte gebildet haben. Gleich welche Form der Korrektur hierbei in Anwendung kommt, wird es massive Verwerfungen nach sich ziehen.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: „Menge vorhandenem Edelmetalles ist verhaeltnismaessig unflexibel“ – Die Preise dafür aber sind nicht so unflexibel!
            „Der Goldstandard in sich war ja nie ein Problem“ – Deshalb wurde es auch in jedem Land auf der Erde abgeschafft. Und Krisen in früheren Zeiten des Industriezeitalters & wahrscheinlich auch im Mittelalter hatten nichts mit dem Gold-Standard zu tun. Ausserdem hatten wir selten einen 100% Gold-Standard, man hatte das der Bevölkerung zwar glauben machen wollen, aber das war meistens eine Lüge, das Geld war in der Geschichte fast nur immer zu einem Teil mit Gold gedeckt, weil es einfach zu wenig gab und die Wirtschaft wuchs.
            „Der Goldstandard in sich“ „Deflation in sich“ – Etwas „IN SICH“ ist sowieso NIE ein Problem, by definition. Sie verabsolutieren wieder einmal Hr. Huber, haben Sie sich noch nicht weitergebildet mit dem Thema „Relativität“ bzw. auf deutsch „bezugnehmend/bezüglich/in Beziehung stehen“. Der Goldstandard steht in Beziehung zu einem grösserem Ganzen genannt Wirtschaft. Aber eben „in sich“ ist auch eine Atombombe kein Problem, ausser sie explodiert in Beziehung zu einer bevölkerten Umgebung oder in Bezug wer diese Atombombe besitzt, ist es Gaddaffi oder ein Nationalstaat wie FR usw.
            „jeder gewinnt dadurch hoehere Kaufkraft“ – Und das wollen wir auch alle; weniger Kosten, zum Glück hören die Kompetenzen in Sachen Wirtschaftspolitik in allen Industrie-Nationen nicht auf Sie oder andere mit demselben Wunsch, ansonsten wären wir bereits verarmt. Denn höhere Kaufkraft aufgrund tieferen Preisen bedeutet weniger Einnahmen der Unternehmen, weniger Einnahmen der Unternehmen bedeutet Druck auf Lieferanten und Löhne, womit in der nächsten Versorgungs-Runde sozusagen, dann die Löhne angepasst werden und der Kaufkraft-Gewinn wurde dezimiert. Tja nichts gewesen mit Gewinn.
            Die Grosse Depression war eine Deflation, doch für Sie ist das ja „kein Problem IN SICH“, womit Sie auch wieder völlig recht haben!

          • Linus Huber sagt:

            „“Der Goldstandard in sich war ja nie ein Problem” – Deshalb wurde es auch in jedem Land auf der Erde abgeschafft.“

            Er wurde nicht abgeschafft, weil die Bevoelkerung nicht damit zurecht kam, sondern weil diejenigen, welche nach Macht strebten, dadurch eingeschraenkt wurden.

            „Und Krisen in früheren Zeiten des Industriezeitalters & wahrscheinlich auch im Mittelalter hatten nichts mit dem Gold-Standard zu tun.“

            Richtig, sondern es ging immer um die Umgehung der mit dem Goldstandard verknuepften Einschraenkung der Machthaber.

            Nardone ist in sich ein Mensch. Ein Mensch unterscheidet sich von einem Tier, ein Nicht-Problem durch ein Problem.

            Und zum Schluss natuerlich die Wirtschaftspolitik, welcher alles unterzuordnen ist, inkl. all die Werte, welche das gute Funktionieren der Gesellschaft sicherstellen. Das Vorziehen von Konsum und das Kollateralisieren von Eigentum, um der Geldentwertung zu entgehen, sind Einbahnstrassen, welche langfristig unweigerlich zu den heutigen Schwierigkeiten fuehren muessen. Aber natuerlich lieben Sie die zunehmende Entmuendigung des Buergers und Enteignung der Mittelklasse und dies immer schoen zum Wohle der Elite.

            Die Depression war das Resultat der vorhergegangenen ankerlosen Geldpolitik und nicht das Resultat der Deflation. Sie werden dies in den naechsten 5 bis 10 Jahren lernen, dass durch geldpolitische Manipulation einzig noch groessere Probleme geschaffen werden. Ich nehme mal an, dass Sie annehmen, dass wir die Problematik schon ueberwunden haben.

  • Martin Meier sagt:

    „Sie verleiht dem Kunden einen Kredit über, sagen wir, eine Million Franken und schreibt diese Million sogleich dem Konto dieses Kunden gut“. Das ist nicht zu Ende gedacht. Was macht die Bank wenn der Kunde danach kommt und 1000 Tausender Noten abheben will ? Von woher nimmt sie dieses physische Geld ?

    • will williamson sagt:

      Entweder hat sie dieses Geld schon in der Kasse oder muss es von der Nationalbank besorgen.

    • G. Nardone sagt:

      @Martin Meier: „Was macht die Bank wenn der Kunde danach kommt und 1000 Tausender Noten abheben will ?“ Weil das in der Praxis kaum geschieht! Welcher Kreditnehmer lässt sich schon für einen Immobilien-Kredit das Geld in bar auszahlen? Wieviele Unternehmen lassen sich Investitions-/Betriebs-Kredite die Millionen oder sogar Milliarden sein können sich das Geld in bar auszahlen? Welcher Staat lässt sich die Milliarden-Kredite von der Bank in bar aushändigen?

    • Josef Marti sagt:

      1000er Noten werden von den meisten Geschäften zur Bezahlung gar nicht mehr akzeptiert (ins Papier hat man eben kein Vertrauen mehr).

      • will williamson sagt:

        Das Vertrauen betrifft eher die Frage, ob die Noten echt sind. In Österreich werden in manchen Geschäften die Noten ab 50 Euro mit einem speziellen Stift überstrichen, mit dem offenbar die Echtheit geprüft werden kann. Sodann können viele Geschäfte auf eine Tausendernote nicht herausgeben.

      • G. Nardone sagt:

        @Josef Marti: Das war ein Scherz oder? Geschäfte vertrauen Papier-Geld nicht, aber Buchgeld, Zahlen-Speicherplatz in einem Computer schon? Ich würde mal so behaupten, dass Geschäfte kein bis wenig Papier-Geld benützen, weil auf elektronischem Wege viel praktischer ist?

  • Anh Toan sagt:

    „Sie verleiht dem Kunden einen Kredit über, sagen wir, eine Million Franken und schreibt diese Million sogleich dem Konto dieses Kunden gut. Sie hat per Knopfdruck ein Aktivum (ihr Kreditguthaben) sowie ein Passivum (die Forderung des Kunden) in ihrer Bilanz geschaffen.“

    Leider kann ich diese Buchungen nicht nachvollziehen: In den Aktiven bucht die Bank das Guthaben gegenüber dem Kunden, was wird in den Passiven gebucht??????

    Meines Erachtens müssen die Bilanzen zweier Banken konsolidiert werden, damit die Aussage stimmt. Die Bank A gewährt dem Kunden (K) einen Kredit. Der wird auf das Konto des Lieferanten (L) bei der Bank B überwiesen: In der Bank A entsteht nun unter den Aktiven ein Guthaben gegenüber dem K, während unter den Passiven eine Verbindlichkeit gegen die Bank B entsteht. In der Bank B entsteht ein Guthaben gegen die Bank A und eine Verpflichtung gegenüber L.

    Nicht die Kreditgewährung erzeugt eine Buchung Aktiven an Passiven, sondern die Kreditauszahlung, und in einer einzigen Bankbilanz geht das nicht.

    • Anh Toan sagt:

      So wie im Text dargestellt, würde die Bank in den Passiven die Verpflichtung buchen, den versprochenen Kredit auszuzahlen (die offene Kreditlinie des Kunden wird als Verpflichtung dargestellt, währen in den Aktiven der Bank das KKreditguthaben gegenüber dem Kunden steht.

      Dies macht Sinn in einer internen Bilanz (eigentlich Liquiditätsplanung), da müssen offene KKreditlinien als Verpflichtung betrachtet werden, in der eigentlichen Bilanz sind die beiden Forderungen zu verechnen, da absolut gleichartig (Währung, Laufzeit, Schuldner bzw. Gläubiger).

    • Johnny Smith sagt:

      Einverstanden.

      Kreditauszahlung 1Mio

      Aktiv: Forderung gegenüber Kunden (dieser muss später den Kredit wieder tilgen)
      Passiv: Guthaben des Kunden (nachdem dieser den Kredit bezogen und zuerst mal auf der gleichen Bank auf sein Konto einbezahlt hat)

      • Anh Toan sagt:

        @Johnny Smith: Bezieht der Kunde den Kredit, entsteht ein Aktivum bei der Bank, zahlt er ihn zurück, verschwindet das Aktivum. Es sei denn, er zahlt ihn an die Bank in einer speziellen Form zurück, also z.B. auf ein BVG 3 Konto oder in eine 10-jährige Bankobli. Nur dann werden die beiden Positionen nicht in der Bilanz verrechnet.

        @Alle: Grundfsätzlich ist vor der Frage, wie Geld entsteht, zu klären, was Geld ist:

        Banken schaffen Geld mittels Kreditgewährung, wenn Bankeinlagen als Geld betrachtet werden. Das erscheint zumindest nicht überraschend, fraglich erscheint mir, ob Bankeinlagen Geld sind. Dieser Betrachtung widerspricht, dass Geld der gleichen Währung identisch sein soll (1 EUR = 1 EUR). Ist geld Kredit, muss wohl zumindest der Schuldner identisch sein. Schuldner einer Banknote ist der Staat (die Notenbank), Schuldner eines Bankguthaben idoch die jeweilige Bank, der Staat ist lediglich Garant unter gewissen Bedingungen (Einlagegarantie, Bankenrettung). Ein Euro Guthaben gegenüber einer zypriotischen Bank ist nicht das Gleiche wie ein Euro Guthaben gegenüber einer deutschen Bank, nicht mal jeder Euro Guthaben ist das Gleiche auf jeder zypriotischen Bank.

        So betrachtet, wären Staatschulden viel eher Geld als Bankguthaben, der Unterschied zwischen einer Staatsobligation und einer Banknote des gleichen Staates ist lediglich, dass bei der Obligation die „Geldschöpfung“ des Staates formell auf das Ende der Laufzeit verschoben wird: Staat „Geld zu drucken“ leiht sich der Staat das Geld, und druckt es später um zurückzuzahlen, denn er erzielt nie Überschüsse um alte Schulden abzubauen, allendfalls leiht er sich erneut Geld, um die alten Schulden damit zu zahlen.

        Je mehr ich darüber nachdenke, umso eher komme ich zum Schluss, Bankguthaben sind (noch) kein Geld, Staatsschulden sind Geld.

        • Josef Marti sagt:

          Der Staat „erzielt nie Überschüsse um alte Schulden abzubauen“. Das liegt daran dass jede konjunkturelle Erholung entgegen Keynes sofort zu Steuersenkungen missbraucht wird und damit das antizyklische Vorgehen mutwillig verhindert wird. Folglich, solange die Neuverschuldung und Refinanzierung alter Schulden mit noch erträglichen Zinsen möglich ist geht das Spiel jahrzehntelang weiter. Das Geld drucken um Schulden zurückzuzahlen und das Defizit zu finanzieren passiert erst dann wenn die internat. Geldgeber aussteigen und die Zinsenlast untragbar wird; dann haben wir südamerikanische Verhältnisse.

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Der Kunde hat natuerlich damit das Recht erworben, diese eine Million zu beziehen (Konsum / Investition), womit dieses Geld irgendwo in der Wirtschaft zur Anwendung gebracht werden kann. Grundlage fuer diese Transaktionen sind die beschraenkte Reservebeduerfnisse der Banken einerseits (oder wie oft erklaert wird, sich um Reserven nach dem Vollzug der Kreditvergabe zu kuemmern) und das zur Verfuegung stellen eines Kollaterals durch den Kunden. Je staerker die „Kollateralisierung“ einer Wirtschaft, desto hoeher das Kreditvolumen und in einer Wechselwirkung ebenfalls die Preise des verwendeten Kollaterals.

  • will williamson sagt:

    Die Formel für den Geldschöpfungsmultiplikator lautet: eins durch Klammer r plus c klammer eins minus r klammer klammer, wobei
    r = Mindestreservesatz
    c= Barauszahlungsfaktor

    Bei Annahme von Null Barauszahlungen kann mit 1% Mindestreserve wie in der EU die Geldmenge verhundertfacht werden.

    Bei 10% Barzahlungsanteil beträgt die Ausweitung noch etwas mehr als das Neunfache, bei 30% noch etwas mehr als das Dreifache. Daraus ist ersichtlich, wieso die Banken die Barauszahlungen am liebsten abschaffen möchten.

    Im gleichen Sinne wie der Barzahlungssatz wirkt sich natürlich auch ein höherer Reservesatz aus. Aufgrund eines Beispiels der deutschen Bundesbank habe ich den Eindruck, dass der Reservesatz in den 90-er Jahren noch bei 10% lag, heute aber – wie gesagt – in der EU noch bei 1% liegt.

    In der Praxis wird das mögliche Maximum nicht erreicht, weil dazu enorm viele Transaktionsschritte von Bank zu Bank erforderlich sind.

    • G. Nardone sagt:

      @will williamson: Haben Sie schon mal etwas von der „Eigenkapital-Quote“ gehört? Das ist nämlich die relevante Grösse betr. Buch-Geldschöpfung.

      • will williamson sagt:

        Meine Antwort auf Ihren Kommentar ist wieder im Nirwana verschwunden. Bei der zweiten Eingabe wurde aber gemeldet, ich hätte dies schon einmal gesagt. Links und Spezialzeichen habe ich keine drin und NSA-verdächtige Begriffe sind nach meiner Einschätzung auch keine enthalten. Heute Morgen ist ebenfalls ein Kommentar verschwunden, später aber interessanterweise wieder aufgetaucht. Ob er von der NSA oder lokal abgesaugt wurde, kann ich natürlich nicht feststellen.

      • will williamson sagt:

        Die Eigenkapitalquote ist also nach Ihnen die relevante Grösse für die Buchgeldschöpfung. Bisher wurde dafür allerdings in allen Lehrbüchern und auf allen Pisten der Reservesatz in Verbindung mit der Barauszahlungsquote angeführt. Macht aber eigentlich nichts. Lassen Sie diese beiden Faktoren einfach mal weg und dividieren Sie hundert durch die Eigenkapitalquote. Dann erhalten Sie immer noch einen ganz netten Multiplikator. Zudem:wenn die Eigenkapitalquote der relevante Faktor ist bzw. sein soll, dann kann man ja in Zukunft die Barauszahlungsquote und den Reservesatz vergessen. Wenn!

        • Linus Huber sagt:

          @ Will

          Je einfacher die Regeln, desto besser wirken sie.

          • will williamson sagt:

            Richtig! Ich finde die Limitierung mittels Mindestreservesatz nicht kompliziert. Man muss ihn aber genügend hoch ansetzen, nicht bei ein oder zwei Prozent. Die Banken sind natürlich gegen eine Erhöhung, weil sie dann weniger Kredite vergeben können und damit weniger verdienen. Das ist auch der Grund, wieso sie die Barzahlungen limitieren oder gar abschaffen wollen (z.B. Italien, Schweden). Die Barzahlungen vermindern gleichfalls das Kreditvolumen.

        • G. Nardone sagt:

          @will williamson: „in Zukunft die Barauszahlungsquote und den Reservesatz vergessen“ – Das ist es was ich in einigen Kommentaren vorschlage, dass wir heute bzw. seit der Abschaffung der Gold-Anbindung endlich diese Mindest-Reserve-Vorschriften abschaffen sollten, haben keinen Sinn mehr. Die Banken sollten in diesem Fall 100% BarGeld zur Verfügung stellen müssen wenn das die Kunden wollen, auch wenn in der Praxis die Banken doch nur 1 – 2 % an ZB-BarGeld halten würden, was in Ordnung wäre, weil in der Regel auch nicht mehr nachgefragt wird. Aber sollte im Fall aller Fälle mehr als 2 % nachgefragt werden, kann man diese einfach drucken & halt mit etwas Verzögerung dem Kunden nachliefern. Die Materialkosten einer 100er Note kostet ca. 40 Rappen, diese Kosten dürfen aber die Banken natürlich ihren Kunden aufwälzen, schliesslich wollen sie das BarGeld anstelle elektronisches.
          So einfach könnte das gehen oder entgeht mir hier irgendetwas?

          • Es geht wirklich so einfach wie Sie schreiben. Man müßte allerdings übers Wochenende ein paar liebgewordene Regeln ändern, aber darin haben ja die Mannschaften der europäischen Regierungen inzwischen Übung. Damit erledigen sich auch die ganzen Panikmacher von der ‚fiat‘-Abteilung, die aber vermutlich nicht einsehen werden, daß ihr Schreckgespenst sich nur in ihrer eigenen Einbildung befindet.

            Hier befinden sich die Gedanken dazu auch mit der These am Ende, daß die ganzen Garantieversprechen letztlich das verhindert haben, was ja eigentlich alle wollen: einen ordentlichen Konjunkturschub…

            http://soffisticated.wordpress.com/2012/06/06/lieber-bank-run-statt-einlagensicherung/

          • Linus Huber sagt:

            Fantastische Ansaetze und Rezepte, wie wir moeglichst bald in einer offiziellen Planwirtschaft mit entsprechender Versklavung des Volkes ankommen und jede Selbstverantwortung wie Freiheit gleich bei Geburt schon beim Staat deponieren duerfen.

          • G. Nardone sagt:

            @Renée Menéndez: Sehr interessanter Artikel auf Ihrem Blog, mit Witz und guter Sprache, ich verstehe zwar nicht alles finanz-techn. darin, dennoch mein Kompliment

  • will williamson sagt:

    Heute scheint das Nirwana für Kommentare wieder aktiv zu sein!

  • Der beste NMTM-Artikel aller Zeiten! Höchstens zwei kleine Nörgeleien: Ich bin nicht sicher, ob es ganz korrekt ist, Neo-Keynesianer als in der Tradition der Lehre Minskys zu beschreiben (sind sie nicht einfach Neo-Klassiker mit einer Hirnzelle mehr?). Zweitens, hätte Keens „endogene Schule“ verdient den Zusatz, dass Keen auf der Basis dieser Hypothese die Finanzkrise vorhergesehen und schon 2005 öffentlich davor gewarnt hatte, während sowohl Neo-Klassiker wie -Keynesianer dieses nicht unwesentlichen Ereignis vollkommen verschlafen hatten…

    • Mark Dittli sagt:

      Die Minsky-Schule nennt sich nicht Neo-Keynesianismus sondern Post-Keynesianismus.

      • Johnny Smith sagt:

        Danke, Herr Dittli, für einen sehr guten Artikel (nachdem ich Sie so oft kritisiert habe).

        Aufbau des Leverage hat zusammen mit dem 30 Jahre Trend sinkender Zinsen zu Rückenwind für das Wirtschaftswachstum gesorgt. Ein rechter Teil davon ‚endogen‘ bei den Banken selbst, allerdings gerade in den letzten Jahren leider aber auch ein rechter Teil ‚exogen‘ bei den Zentralbanken.

        Soweit der positive Teil. Nun kann aber der Leverage nicht immer weiter aufgebaut werden. Irgendwann kommt der Minsky- Moment (oder Bang-Moment). „Stability begets instability.“ Sind wir schon in der Nähe der Instabilität, des Minsky-Moments? Ich glaube ja, sehr viele Anzeichen sprechen dafür. Aber selbst wenn (noch) nicht, ist es wichtig, dass Leverage sowohl bei Banken nicht zu hoch wird (bzw. jetzt endlich weiter runtergefahren werden muss. Dies gilt aber auch für die ‚exogene‘ Geldschöpfung der Zentralbanken. Auch dort sollte die Ausweitung (es ist etwas schwierig von Leverage zu sprechen, ist aber eigentlich dennoch Leverage) in Grenzen gehalten werden, was sie derzeit leider nicht mehr ist.

        Deshalb folgt jetzt der negative Teil: Deleveraging ist notwendig, was ohne Bremsspuren am Wirtschaftswachstum nicht möglich sein dürfte. It’s payback time, das tut weh. Nur haben dies Bernanke, Draghi und Co noch nicht begriffen.

      • Man sollte lesen können! Danke schön.

  • Carmen sagt:

    Egal welches Geldentstehungssystem grad am laufen ist, wenn Geld immer nur fuer Kredite auf den Markt kommt, aber nie auch fuer die Zinsen die dafuer bezahlt werden muessen, wie soll das je funktionieren? Schulden koennen so doch gar nie zurueckgezahlt werden. Bloss verlagert werden sie, naemlich zu dem der nicht die Zinsen kassiert. Der bezahlt immer, egal wo die immer steigenden Schulden grad rumliegen.

    • A. Hirt sagt:

      Gut auf den Punkt gebracht! Die Reichen werden leistungslos reicher während der grosse Rest fleissig im Hamsterrad läuft.

      • G. Nardone sagt:

        @A. Hirt: Nehmen wir an Sie haben zwei Häuser gebaut, in einem davon leben Sie selbst & das andere Haus vermieten Sie. Da andere Personen nun Ihr Haus benützen erwarten Sie natürlich eine Entschädigung, weil Sie das Haus gebaut haben, es ist Ihre Leistung, können oder bzw. wollen es selbst aber nicht in Anspruch nehmen. Also ist doch hier eine Entschädigung für die Nutzung Ihrer Leistung doch natürlicherweise gerecht? Und diese Entschädigung kann man Zins nennen, in diesem Bsp. nennt man es auch Mietzins, beruht also nicht auf Leistungslosigkeit.

        • Linus Huber sagt:

          Gut erklaert.

        • Josef Marti sagt:

          In dem Fall sind Sie ein Geldschöpfer aus dem Nichts; oder wieso haben Sie nicht ihr Geld in rentablen Anlagen investiert anstatt Häuser zu bauen?

          • G. Nardone sagt:

            @Josef Marti: „rentablen Anlagen investiert anstatt Häuser zu bauen“ – Das ist genau dasselbe, nichts da „anstatt“, Häuser können schliesslich rentabel sein, ob ich es selbst baue oder kaufe, wo liegt der Unterschied? Anlagen müssen am Ende etwas reales sein, wenn man längerfristig davon Rendite haben möchte, wie ein Haus, von dem man über Jahrzehnte zehren kann. Und ein Haus ist eine „Anlage“.

        • smartin sagt:

          Ist schon etwas banal ausgedrückt… Bei einer Geldanlage ist der Zins abzüglich der Wertverminderung (Inflation) des Geldes die Rendite. Bei einer Sachanlage wie einem Haus wäre dann immerhin auch noch die Wertverminderung infolge Altersentwertung zu berücksichtigen. Lustig ist ja aber dass unvermehrbare Sachanlagen (z.B. Boden) eben gerade dank der Geldmengenausweitung stärker an Wert zunehmen als die Alterswentwertung der Bauten die darauf stehen. Aber natürlich nur wenn die Nachfrage an Wohnraum stetig zunimmt. Diese wird über die Geburtenrate, die Lebenserwartung und über den Wohnraumbedarf pro Person beeinflusst. So gesehen bekommt das Bibelzitat „Gehet hin und vermehret Euch“ eine ganz simple wirtschaftspolitische Bedeutung. Und es wird erklärbar warum ein gutes Gesundheitswesen und steigender Wohlstand mit individuellen Wohn- und Beziehungsformen für eine funktionierende Wachstumspolitik existentiell sind.

          • G. Nardone sagt:

            @smartin: Wo ist der Unterschied zwischen einer Geld-Anlage bei einer Bank z.B. oder einer Sach-Anlage wie eine Immobilie, wenn ja die Geld-Anlage bei der Bank einer Hypothek die sie vergeben hatte entspricht? Und die Quelle der Rendite ist auch dieselbe. Wir sollten endlich aufhören diese zwei Dinge; Geldanlage/Sachanlage zu unterscheiden, es ist genau dasselbe, kann nicht anders sein, denn Geld alleine tut einen Schei.s, Geld kann nicht arbeiten und Rendite erwirtschaften. Geld muss in irgendwas investiert werden, was die Menschen nachfragen und benützen wollen, wie eine Immobilie, denn man kann „in Geld“ nicht wohnen. Leider tut dieser Blödsinn von Unterscheidung noch jede Betriebswirtschaft.

          • smartin sagt:

            @G.Nardone; Der Unterschied zwischen Sachanlage und Geldanlage bemerken Sie dann, wenn Sie Ihr Geld in die falsche „Sache“ investiert haben. Wenn Sie in Ihrem Bsp. also das Haus nicht vermieten können, weil keine Nachfrage besteht. Oder wenn das Haus schlecht gebaut wurde und daher eine verkürzte Nutzungsdauer hat und die Mieteinnahmen tiefer sind als die Baukosten. Mit der Geldanlage bleiben Sie flexibler obwohl auch sie natürlich nicht risikolos sein kann. Eine Unterscheidung von Geldanlagen und Sachanlagen macht eben aufgrund der unterschiedlichen Flexibiltät sehr wohl Sinn.

          • G. Nardone sagt:

            @smartin: Eine Geld-Anlage GIBT ES NICHT, woher soll davon denn Rendite kommen? Aber Sie haben recht was die Flexiblität betrifft, aber das kann ja kaum der Zweck an sich sein, denn wäre diese Flexiblität ein Selbstzweck, kann die Geldhaltung keine Rendite erwirtschaften, weil man mit Geld alleine nichts anfangen kann. Man kann z.B. in Geld nicht wohnen. Irgendwann muss das Geld investiert werden in Sach-Anlagen oder auch geistiges Eigentum, und ja, das ist ein Risiko, wie alles Wirtschaften ein Risiko ist, Wirtschaft 101. Das Geld das Sie mittels einem Unternehmen verdient haben, gründet auf das Risiko desselbigen Unternehmens und somit ist Ihr verdientes Geld in einem grösseren makro-wirtschaftlichen Zusammenhang immer risikobelastet. Und wiederum ist diese Flexiblität rein kurz- & vielleicht mittelfristig.
            Und wenn man meint, dass schliesslich die Geld-Anlage bei der Bank ja Zinsen, diese zwar 1. sehr gering & 2. vielleicht die Inflation wettmachen, abwirft, dann deshalb, weil diese „Geld-Anlagen“ schon längstens in reale Sach-Anlagen investiert wurden & damit auch relativ risikobelastet, und auf Ihrem Bank-Konto kein Geld ausgewiesen wird, sondern eine Forderung danach, kann nicht anders sein und deshalb gibt es keine Geld-Anlagen. Geld in einer Anlage wie in einem Tresor verstaut bringt keine Rendite oder Zinsen, weil ja niemand ein Nutzen davon hat, mal abgesehen vom Tresor-Verkäufer.
            Man sollte diese „Geld-illusion“ allmählich abschütteln …

        • Taric Trent sagt:

          Wenn sie schon den Mietzins rechtfertigen wollen, dann machen Sie das bitte wie ein anständiger Kapitalist mit den KOSTEN und sicher nicht mit Entschädigung für den Hausbau. Wäre es eine Entschädigung, dann wäre das Haus bald nicht mehr ihnen.

    • G. Nardone sagt:

      @Carmen: Sie meinen Schulden in Theorie können Schulden nie zurückbezahlt werden, weil die Zinsen dazu als Geld nicht geschaffen werden. Das stimmt nicht, diese Theorie kursiert in der Alternativ-Szene ist aber falsch.
      Die Zinsen werden zwar tatsächlich nicht geschaffen, dennoch können sie bezahlt werden und zwar ganz einfach; über Leistung. Die Banken haben ja Zinsforderungen, das Geld dafür theoretisch existiert nicht, aber die Bank benötigt Leistungen, ihre Mitarbeiter, Reinigungsarbeiten usw. Die Bank bezahlt nun diese Leistungen aus einkassierten Zinsen & bezahlt ihre Aufwendungen an die Wirtschaft, die wiederum mit demselben Geld die Zinsen zahlen. Verstehen Sie?
      Ganz einfaches Bsp.: Die Bank gibt mir ein Kredit, die Zinsen als Geld existieren aber nicht, das ist richtig, die Bank hat eine Zinsforderung gegenüber mir. Die Bank beauftragt mich ihr Gebäude zu reiningen & damit wird die Zinsforderung beglichen.

      • Max Meister sagt:

        Das gegenwärtige Zins System stellt sicher, dass es immer mehr Schulden geben wird als Geld im Umlauf ist. Nehmen wir an, es wurden 1000 CHF von der Nationalbank in Umlauf gebracht und diese werden von einer Bank als Kredit mit 10% Zins auf eine Laufzeit von 12 Monaten weitergegeben. Am Ende des Jahres müssen 1100 CHF zurückbezahlt werden obwohl nur 1000 CHF existieren. Der Effekt potenziert sich durch unser Fractional Reserve Banking System um den Faktor 10 d.h. aus 1000 CHF werden bis zu 10000 CHF Geld in Umlauf gesetzt. Dass Otto Normalbürger für das Geld arbeiten muss versteht sich von selbst. Eigentlich stellt das System ausserdem sicher, dass echte Zeit, Knowhow und Arbeitskraft für Papiergeld erbracht wird welches von einer Notenbank aus dem Nichts erschaffen wurde und lediglich ein Schuldversprechen darstellt. Dieses Schuldversprechen hat nur einen Wert, solange alle Beteiligten (Gläubliger und Schuldner) darauf vertrauen, dass bei Einlösung des Schuldscheins jederzeit eine adäquate Gegenleistung erbracht wird. Von diesem System profitieren in erster Linie die Banken, die Geld fast zum Nulltariv von den Notenbanken erhalten und dies mit Zinsen weiterverleihen können, ohne dafür eine wirkliche Leistung vollbringen zu müssen. Die Leistung erbringen die Schuldner. Ausserdem profitieren Politiker, die sich nicht an Budgets halten müssen, sondern auf Budgetdefizit Ausgaben tätigen können welche ihre Wähler bei Laune halten. Kein Politiker macht sich bei den Wählern beliebt, wenn er ihnen sagen muss, dass der Staat kein Geld hat. Aus diesem Grund hat Nixon 1971 die Goldanbindung des US Dollars aufgelöst. Seither haben Staatsschulden weltweit überhand genommen und die Währungensmengen wurden global in gegantischem Mass ausgweitet. Früher oder Später hat das Konsequenzen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, wenn dies diesmal nicht der Fall wäre.

        Siehe dazu: http://goldsilver.com/article/where-is-all-the-inflation/

        • smartin sagt:

          10% zins für 12 Monate? Wo leben Sie denn? Mit der Geldmengenausweitung durch die Notenbanken wird eben gerade dafür gesorgt dass die Zinsen nicht mehr derart hoch ausfallen. Wie lange dies die Notenbanken noch tun können, dies ist die Frage. Und vor allem was danach kommen wird? Sobald auch nur der leiseste Verdacht aufkeimt, die Notenbanken würden die Schleusen schliessen, werden die Zinsen ansteigen und die grossen Schuldner (unter anderem Staaten, Gemeinden, Städte) werden ihren Verpflichtungen (Renten, öffentliche Dienstleistungen) nicht mehr nachkommen können. Solange dieses Damoklesschwert der Verschuldung weltweit über der öffentlichen Hand schwebt, kann und wird die Geldmengenausweitung unmöglich gestoppt werden. Otto und Eva Normalverbraucher(in) kann sich der damit verbundenen Wertvernichtung seiner Ersparnisse wie immer nur entziehen indem er sie in nützliche Sachwerte, wie zB. eine eigene Wohnung, anlegt.
          Eine Diskussion über das Zinssystem an sich ist so sinnlos wie eine Diskussion darüber ob das Wasser nicht den Berg hinauf statt hinunter fliessen sollte. Solange es Menschen geben wird, wird der- oder diejenige welcher auf den sofortigen Konsum verzichtet (Sparer), von dem der einen vorzeitigen Konsum anstrebt (Schuldner) einen Preis dafür verlangen.

          • Manfred Grieshaber sagt:

            Immobilien als Wertanlage? Dann schauen sie nach Deutschland. Dort wird gerade in grossem Stil der Wert von Immobilien vernichtet. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen sondern weil sich gesellschaftliche Zielvorstellungen geändert haben. Heute ist es angesagt in einer Mietwohnung in der Stadt zu wohnen. Das macht unabhängig denn vielleicht zügelt man im nächsten Jahr schon in eine andere Stadt wenn sich dort eine attraktivere berufliche Perspektive auftut oder weil man gezungen ist eine andere Arbeit anzunehmen. Es gibt in D eine neue Generation von qualifizierten Berufseinsteigern. Die haben kein Interesse am elterlichen Haus auf dem Land. Weil die Alten sterben und niemand ihre Häuser übernehmen will wechseln diese zu Spottpreisen den Besitzer. Neue Eigentümer sind im Westen von D immer häufiger Rentner aus NL oder GB. Die kauften in D Häuser zu einem Fünftel des Preises den sie in ihrer Heimat zahlen müssten. Mittlerweile stehen westlich des Rheins in manchen Dörfern die Hälfte aller Häuser zum Verkauf. Denn die Jungen sind alle nach Düseldorf, Köln, Mainz oder Frankfurt gezügelt.
            Das wirklich Neue in unserer Zeit ist das gesellschaftlich-kulturelle Zielvorstellungen nicht mehr die Lebensdauer einer Generation haben sondern innerhalb einer Lebensspanne mehrfach wechseln. Wenn die Mehrheit der Einwohner einen immer dynamischeren Lebensstil pflegt muss das zwangsgläufig die gesamte Volkswirtschaft volatiler machen. Heute entstehen über Nacht neue Trends die ganze Wirtschaftszweige innert weniger Jahre völlig umkrempeln können. Betrifft das dann die eigene Arbeitswelt so steht plötzlich der gesamte Alltag zur Disposition und man muss sich umorientieren.
            Da bleiben auf Dauer keine Werte stabil, weder Edelmetalle noch Immobilien. Da in CH solche Wertewandel meistens erst mit mehrjährigen Verzögerungen übernommen werden steht dieser Wandel dem Land noch bevor.

        • G. Nardone sagt:

          @Max Meister: „dass es immer mehr Schulden geben wird als Geld“ – Und das ist kein Problem, Sie sind zu fixiert auf Geld. Betr. Ihr Bsp. dass die Bank Forderungen von Fr. 1100 hat obwohl nur 1000 existieren, und das stimmt auch, nur werden am Ende diese 100 Differenz nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Leistung. Die Bank benötigt um zu funktionieren Leistungen; die Arbeit ihrer Mitarbeiter, die Immobilien & Mobilien, Büromaterial usw.
          Ganz einfach: Wenn mir die Bank einen Kredit verleiht von 1000 und ich dabei 1100 zurückzahlen muss, dann kann ich die 100, die im Markt ja nicht existieren, das ist richtig insoweit, ich kann aber diese 100 mit einer Leistung direkt bezahlen, indem mich die Bank beauftragt an ihrem Schalter zu arbeiten für eine Weile oder Reinigungsarbeiten in ihrem Gebäude durchführe, ganz einfach. Natürlich findet das in der Realität nicht so statt, da werden in diesem Bsp. dennoch Geld zwischen den Händen fliessen, aber das würde nur meine Erklärung verkomplizieren, am Ende werden die fehlenden Zinsen direkt mit Leistungen bezahlt.
          Und Banken tragen das Risiko für das Geld das sie ausleihen sowie nicht bezahlter Zinsen darauf, ist nicht ohne Leistung, und ob Banken Geld zum Nulltarif von der Zentralbank erhalten ist eher belanglos, das Risiko des Kredits ist entscheidend am Ende.
          Und wenn Sie einwenden würden, ja wo ist das Risiko für die Banken heute, wenn sie ja gerettet werden vom Staat, dann ist das aber ein anderes Thema, wobei in Theorie und überhaupt es natürlich korrekt wäre, die Banken übernähmen alles Risiko, schliesslich rechtfertigt dieses Risiko ihre allfälligen Gewinne. Doch heute haben wir noch zusätzliche Komplexität was das Finanz-System betrifft und das TBTF-Thema ist in diesem Sinne ein anderes Thema.

  • K.A. Barett sagt:

    Endogen – exogen? Geld ist eigentlich ein Vertrauens-Faktor. Dessen innerer Wert hängt für mich als Durchschnittsbürger von der Relation „Geldmenge versus reale Wirtschaftsleistung“ ab. Wenn die Geldmenge zu stark steigt, sinkt deren realer Wert, in einer bestimmten Währungseinheit ausgedrückt. Eigentlich ist auch einem Goldstandard nicht völlig über den Weg zu trauen. Dies auch in unserer Epoche nicht, die geprägt ist von virtuellem Geld. Für mich als ökonomischen Laien existiert zwischen der realen und der Finanzwirtschaft keine klar definierte Schnittstelle. „Alles fliesst“ (Heraklit). Und zwar von hüben nach drüben und zurück. Sämtliche Wirtschaftstheorien dieser Welt können nicht verhindern, und sie konnten es noch nie, dass in der Wirtschaft die scheinbar berechenbaren und erklärbaren Kurven immer wieder in die falsche Richtung ausschlagen. Franklin D. Roosevelt hat mit seinem „New Deal“ versucht, die „Quadtratur des Kreises“ mit den Methoden von Keynes zu durchbrechen. Bezüglich des Erfolges streiten sich die Geister noch heute. Möglich, oder sogar wahrscheinlich, ist, das erst die reale Nachfrage nach Rüstungsgütern, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, jenen Effekt erzielte, der dem „New Deal“ zugeschrieben wurde. Deshalb meine These, die natürlich diejenige eines „blutigen“ Laien ist: Die Geldmenge, gleichgültig ob physisch oder virtuell, muss mit der Leistung einer Volkswirtschaft irgendwie synchron sein.

    • will williamson sagt:

      Sie haben recht wenn Sie von der Annahme ausgehen, dass das neu geschaffene Geld nur in die Realwirtschaft geht. Wäre dies der Fall, müssten wir m. E. schon eine Hyperinflation haben. Offenbar ist aber der Löwenanteil im Finanzsystem geblieben oder an die Börsen gewandert, die ja momentan nicht schlecht laufen. Dass die Börsen florieren, wenn viel Liquidität vorhanden ist, weiss man seit langer Zeit. Ebenfalls zu beobachten ist in diesen Zeiten jeweils eine Asset-Inflation. Beispiel Internetblase. Da waren Softwarefirmen, die während Jahren Millionenverluste einfuhren, plötzlich Milliarden „wert“.

      • K.A. Barett sagt:

        Das leuchtet mir ein. Sie haben die Schwachstelle im Börsensystem eindrücklich mit Gänsefüsschen beim Adjektiv „wert“ gekennzeichnet. Der „Börsenwert“ einer Firma kann natürlich ziemlich hohl sein. In letzter Konsequenz muss halt ein Ding doch in der wirtschaftlichen Realität „wertig“ sein, ansonsten ist es ja eigentllich das nominelle Geld, das hinein gesteckt wurde, ebenfalls nicht!? Auch Johann Friedrich Böttger, der für August den Starken aus Dreck Gold machen sollte, hat das nicht geschafft. Immerhin ist es ihm gelungen, weisses Hartporzellan herzustellen, das dann zu Geld gemacht werden konnte. Es war also der indirekte Weg zum Geld. So ähnlich ist es ja mit den Börsen auch. Hinter dem Geld muss einfach eine reale Leistung stehen. Und zwei eine solche, die entweder benötigt oder gewünscht wird. Der Kreislauf der Realwirtschaft ist natürlich nicht wie der Kühlkreislauf in einem AKW von dessen „strahlendem“ Produktionskern fein säuberlich zu trennen. Zwischen Real- und Finanzwirtschaft findet zwangsläufig ein Austausch statt. Dieser dürfte geradezu „systemimmanent“ sein.

      • Josef Marti sagt:

        Es braucht keine grossartige Geldmengenausweitung um an den Finanzmärkten neue Blasen auszulösen. Das ist schon mit den gigantischen Vermögen der Privathaushalte zwangsläufig der Fall. Diese drängen fieberhaft in die Finanzmärkte und suchen immer wieder nach neuen Schuldnern und Traumrenditen, welche nur durch neue verzögerte Schneeball- und Ponzisysteme und Spekulationsblasen erzielt werden können. Warum war die Deutsche Bank bis vor kurzem eine der weltgrössten Zuckerhändler? Und warum sah sie sich gezwungen ganze Zuckergesellschaften aufzukaufen? -Weil es Länder gibt wo der Handel und das Wetten ohne Nachweis über die Verfügung des physischen Rohstoffs nicht geduldet wird.

        • Linus Huber sagt:

          @ Josef

          „Es braucht keine grossartige Geldmengenausweitung um an den Finanzmärkten neue Blasen auszulösen. Das ist schon mit den gigantischen Vermögen der Privathaushalte zwangsläufig der Fall.“

          Sie verkennen die Situation grundlegend. Die „gigantischen Vermoegen“ existieren einzig und alleine aufgrund der grossartigen Geldmengenausweitung.

          • Josef Marti sagt:

            2’000 Milliarden Vermögenszuwachs der privaten Haushalte in den letzten 20 Jahren, und das nur in D, dazu bedurfte es definitiv keine grossartige Geldmengenausweitung. Das macht man mit Steuersenkungsorgien, Arbeitsmarktflexibilisierung, Lohndumping, Exportüberschüssen, Bankenrettungen und Massenarbeitslosigkeit zulasten Allgemeinheit.

          • Linus Huber sagt:

            @ Josef

            Sie scheinen einen Knoten zu haben. Der Vermoegenszuwachs IST die Geldmengenausweitung, wobei als Gegengewicht die entsprechenden Schulden im System fungieren. Der Vermoegenszuwachs ist nicht eine parallel existierende Groesse.

          • Josef Marti sagt:

            Für Sie ist natürlich jede Form von Wertschöpfung, Produktivitätszuwachs und Innovation ein Synoym mit Geldmengenausweitung. Dann müssen Sie aber zu den Yanonami auswandern, dort können Sie sicher ihre Güter und Sachwerte mit ins Grab nehmen und ohne Wertverlust bzw. sogar mit Wertgewinn ähnlich wie bei den Pharaonengräbern einige hundert Jahre später an die dannzumaligen Archäologen weitervererben, welche Riesenfreude haben werden. Wo Sie natürlich recht haben, ist die Tatsache, dass von jeder Form von Fortschritt va. die schmale Elite profitiert während sich die grosse Masse vielleicht über eine um 40 Jahre längere Lebenserwartung erfreut, dafür aber zum Ausgleich eine entsprechend verlängerte Dauer der Leibeigenschaft in Kauf nehmen muss. Aber das merkt man vielleicht gar nicht.

          • Linus Huber sagt:

            @ Josef

            Ich will hier die grosse Leistung der z.B. deutschen Volkswirtschaft nicht kleinreden. Lassen Sie mich bitte die Angelegenheit in einem neuen Anlauf zu erklaeren.

            Deutschland (wie die Schweiz auch) konnte sich als Exportweltmeister und der damit verbundenen Schaffung von „Vermoegen“ in diesem Ausmasse nur aufgrund der Tatsache beweisen, indem andere Volkswirtschaften ueber ihre Verhaeltnisse lebten und sich verschuldeten. Diese Verschuldung basiert auf der Ausweitung des Kreditvolumens, welches den Banken diese enormen Gewinne erlaubte (mit zunehmender Macht, welche auch zur Beeinflussung der politischen Entscheidungstraeger inkl. Zentralbanken, eingesetzt wurde) und die heutigen schwierigen Ungleichgewichte produzierten. Diese Entwicklung wurde von den Zentralbanken nicht nur nicht gestoppt, sondern durch die inflationaere Geldpolitik und der erlaubten Reduktion des Risikokapitals der Finanzindustrie sogar noch gefoerdert. Risiken verschwinden nicht einfach, weil eine Zentralbank existiert, sondern deren Kosten melden sich jedesmal, wenn aufgrund einer „Krise“ sie auf die Allgemeinheit umverteilt werden.

            Ich hoffe, dass ich mich verstaendlicher ausgedrueckt habe.

  • Josef Marti sagt:

    Offenbar gehen die Klassiker davon aus, dass eigentlich kein Buchgeld besteht, sondern dass Zahlungsmittel nur bar gehalten werden als Transaktionskasse und der Rest in rentablen Vermögenswerten angelegt ist; letztere gehören nicht zur Geldmengendefinition. Dass sich die Geschäftsbanken ständig am laufenden Band für ihre Kunden gegenseitig belasten und gutschreiben kann aber wohl kaum bestritten werden. Eine Vervielfachung durch Buchgeld dürfte somit schwierig zu leugnen sein zumal dass Buchgeld einen hohen Anteil an den verschiedenen Geldmengendefinitionen hat.
    Bei einem Mindestreservesatz von 10% ist der maximale Multiplikator Faktor 10. In der Praxis liegen die Reservesätze nur bei 1 bis 2 Prozent. Trotzdem liegt der Multiplikator in den USA angeblich nur bei 1,9.
    Der Reservesatz kann immerhin von den Zentralbanken gesteuert werden, wie sie auch mit Zinspolitik und Repogeschäften Liquidität reduzieren können.

    • will williamson sagt:

      Zur Zeit der ursprünglichen Klassiker gab es möglicherweise auch noch kein Buchgeld oder zumindest nicht in erheblichem Ausmass. Bis etwa in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgten ja auch sämtliche Lohnzahlungen noch bar. Dann wurde die Barzahlung abgeschafft mit dem Argument des zu hohen Überfallrisikos beim Geldtransport und dem zu hohen Aufwand bei der Verteilung. Dass zumindest das Letztere stimmt, weiss ich, weil ich selber in einer grösseren Unternehmung diese Umstellung vorgenommen habe. Damals hat offenbar niemand realisiert, dass diese Umstellung zur Folge hatte, dass gesetzliche Zahlungsmittel (Münzen und Banknoten) durch nicht gesetzliches Zahlungsmittel (Buchgeld) ersetzt wurden. Diesen Fehler will aktuell die „Vollgeldbewegung“ (vollgeld.ch oder monetative.ch) korrigieren. Buchgeld soll auch gesetzliches Zahlungsmittel werden und wie die Wertschriftendepots aus den Bankbilanzen herausgelöst werden.

      Dass Geld aus Kredit entsteht, hat Heinrich Rittershausen schon in den Fünfzigerjahren erkannt. Nach ihm handelt es sich um die Verwandlung von Privatkredit in Bankkredit, mit dem im Unterschied zum Privatkredit generell zahlen kann. Dass er nicht unrecht hat, kann beim Diskont-Ablauf beim Wechselkredit verfolgt werden. Anderes Beispiel: A erhält einen Kredit, um bei B eine Anlage zu kaufen. Nach dem Transfer vom Konto des A zum Konto von B hat A noch die Schuld, B aber eine Forderung gegenüber der Bank. Ein Zahlungsausfall von A geht zu Lasten von Gewinn und/oder Eigenkapital der Bank, falls diese nicht für ausreichenden Sicherheiten besorgt war. Jetzt kann man darüber streiten, ob in diesem Fall A oder die Bank das Geld geschaffen hat. Auf jeden Fall ist es endogen und nicht exogen geschaffen worden.

  • Arne Tvedt sagt:

    Hier sollten wir kurz inne halten und über die Funktion des Geldes nachdenken. Das Geld ist u.a. umwandelbar, d.h. ich kann mir mit Geld Waren und Dienstleistungen, sprich die Arbeit Anderer kaufen. Dieser Gedanke spielt solange das Angebot an Geld knapp bleibt, wird die Geldmenge zu schnell ausgeweitet fällt dessen Wert, d.h. ich muss mehr Geld bezahlen um den gleichen Warenkorb zu erwerben, ergo lässt sich die reale Geldmenge nicht beliebig audehnen. Geld ist auch ein Mittel um Vermögen aufzubewahren. Auch hier führt eine zu schnelle Ausweitung der Geldmenge (das Auftürmen immer grösserer Schulden) zu einer Vernichtung von Geldwerten, in allererster Linie solche welche wir nicht direkt kontrollieren, wie unsere Pensionsguthaben. Nominal – in Zahlen – bleibt alles wie gehabt nur kann ich mir mit meinem Pensionsanspruch dannzumal deutlich weniger kaufen. Das überbordende Schuldenmachen hat seinen Preis, alle ausser die Vermittler – die Credit Intermediaries – verlieren auf Zeit, was wir zur Zeit sehr schön in den grossen Wirtschaftsblöcken EU und USA beobachten können.

    • Tino Meierhofer sagt:

      Es ist bezeichnend dass man ein gänzlich einfaches Geldschöpfungssystem versucht zu verkomplizieren.
      Man stelle sich nur die folgenden Fragen:

      1. Wer hat das Geldschöpfungsmonopol? (Elektronisches Geld und Bargeld)

      Daraus lässt sich ableiten:

      2. Welcher Wert pro Kreditausgabe wird geschöpft? (Nominalwert…)
      3. Wann wird der Zins geschöpft (der wiederum verzinst ist)
      4. Wann wurde demokratisch bestimmt, das wir dieses verzinste Schuldgeldsystem wollen?
      5. Wenn wir diese gesetzlichen Zahlungsmittel haben (Bargeld, Sichteinlagen) warum wird dieses von privaten Institutionen aus dem Nichts erschaffen? (Fiat-Money, Geld aus Luft, Buchungssatz: Forderung – Verbindlichkeit und Beides an den Kreditnehmer)
      6. Hat Geld real einen Wert, wenn es Schuld ist? (Es muss ja zurückbezahlt werden, plus Zinsen)
      7. Hat „unser“ Geld einen Wert, wenn wir nicht mehr daran glauben?
      8. Wenn der Glauben daran verloren geht, welchen Gegenwert hat dann „unser“ Geld.
      9. Warum wachsen die Gesamtschulden?
      10. Warum wachsen die Schulden der Banken bzw. des Bankensystems?

      Viel Spass

      • ast sagt:

        „Hat Geld real einen Wert, wenn es Schuld ist? (Es muss ja zurückbezahlt werden, plus Zinsen)“

        Die Antwort dafür war vor einigen Jahren: Ja, insofern die Schulden in angemessener Zeit zurückbezahlt werden können.

        Seit 2008 wurde mit der Schaffung der so genannten Bad Banken aber selbst die Schulden welche nicht in angemessener Zeit zurückbezahlt wurden, wieder zu Geld gemacht. Der Handel mit solchen faulen Papieren hat nun aber ein Mass erreicht welche die soziale Struktur Europas erodieren lässt. Soziale Unruhen und politische Erdbeben sind nicht mehr auszuschliessen. Der stetig zunehmende Handel mit den faulen Papieren wird vermutlich die nächste Stufe der Finanzkrise zünden. Man ist nämlich seit einiger Zeit dabei „bad papers“ in Paketen zu bündeln und an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Folge davon ist eine Jagt auf die „schlechten Schuldner“ die nicht zurückzahlen können, indem man diese über Agenten zwingt das Geld etwa über soziale Kollateralschäden zu beschaffen. Etwa indem Wohnungssiedlungen nicht mehr gewartet werden, man die Infrastruktur zerfallen lässt. Die Sache ist komplex, aber am Ende müssen meist die Kleinen für die Schulden aufkommen. Dies führt zu Deflation, eine Vertrauenskrise in den Wert von Gütern und Dienstleistungen. Nicht der Wert des Geldes zerfällt, vielmehr wird es „bad auf Halde“ gehortet, dem Zugriff der Gesellschaft entzogen. Bad Money verschwindet aus dem realwirtschaftlichen Kreislauf in ein Schattensystem, es wirkt wie ein Parasit, der die Mittelschicht und die Schwächsten langsam ausbluten lässt. Die Schulden wachsen über das Mass, weil die Insolvenzen politisch durch ihre Sozialisierung verhindert wurden. Sozialabbau ist zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden, das Ergebnis davon wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

  • Claudia Egger sagt:

    Künstliches Geld und künstliche Renditen kann man auch noch auf andere Weise erzielen – siehe Energiewende in Deutschland. Abnahmegarantie und Einspeisevergütung sind in D eine Lizenz zum Gelddrucken und dank Staatsgarantie ein Null- Risikogeschäft. weil gleichzeitig an der Börse mit risikoarmen Papieren (Bundesobligationen) keine vernünftige Rendite zu erzielen ist, investieren alle vom Bauer bis zum Altersversorger und Grossunternehmer in Wind – und Fotovoltaikanlagen, weil der Staat als Garant Auftritt und der Konsument die überhöhten Strompreise bezahlen muss. Da der so effektiv produzierte Strom aber nie dieVersorgung gewährleisten kann, implodiert das Gänze. Ein von Staates wegen eingeführtes Ponzi-System – kaum zu glauben, aber wahr. Wer es ( noch) nicht Glauben will, lese John Laws Biografie ( Erfinder des Papiergeldes) oder warte einfach noch ein paar Jährchen.

  • Claudia Egger sagt:

    Künstliches Geld und künstliche Renditen kann man auch noch auf andere Weise erzielen – siehe Energiewende in Deutschland. Abnahmegarantie und Einspeisevergütung sind in D eine Lizenz zum Gelddrucken und dank Staatsgarantie ein Null- Risikogeschäft. weil gleichzeitig an der Börse mit risikoarmen Papieren (Bundesobligationen) keine vernünftige Rendite zu erzielen ist, investieren alle vom Bauer bis zum Altersversorger und Grossunternehmer in Wind – und Fotovoltaikanlagen, weil der Staat als Garant Auftritt und der Konsument die überhöhten Strompreise bezahlen muss. Da der so effektiv produzierte Strom aber nie dieVersorgung gewährleisten kann, implodiert das Gänze. Ein von Staates wegen eingeführtes Ponzi-System – kaum zu glauben, aber wahr. Wer es ( noch) nicht Glauben will, lese John Laws Biografie ( Erfinder des Papiergeldes) oder warte einfach noch ein paar Jährchen.

  • Hans Müller sagt:

    Wenn die Banken kein Gratisgeld mehr von den Notenbanken erhalten, dann wird alles klar! Wachstum wird nur noch gesund sein und auf realien Dingen basieren und nicht auf irgendwelche nutzlosen Papiere! Die USA haben so ziemlich alles auf Pump finanziert. „Detroit bankrott“ lässt grüssen.

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