Das Scheitern der Bankeninitiative

124'000 Unterschriften kamen für die Bankeninitiative zusammen: Vertreter von SP und SGB am 8. Oktober 1979 vor dem Bundeshaus. (Bild: Keystone)

124'000 Unterschriften kamen für die Bankeninitiative zusammen: Vertreter von SP und SGB vor dem Bundeshaus, 8. Oktober 1979. (Bild: Keystone)

Der Ständerat hat vor zehn Tagen einen Antrag von Luc Recordon (Grüne, VD) angenommen: Es soll im Gesetz festgelegt werden, dass eine Untersuchung in die Wege geleitet wird, die bis ins Jahr 2001 zurückreicht. Sie soll klären, ob das Verhalten der Banken in den USA rechtmässig war oder nicht.

Aus juristischer Sicht mag die kurze Zeitspanne der Untersuchung Sinn machen. Aber für eine historische Analyse müsste man weiter zurückgehen, um die jüngsten Ereignisse zu verstehen. Vor allem sollte man die Eidgenössische Volksinitiative «gegen den Missbrauch des Bankgeheimnisses und der Bankenmacht» (Bankeninitiative), die im Mai 1984 dem Volk vorgelegt wurde, noch einmal genauer studieren. Sie ist besonders aufschlussreich für die heutige Diskussion.

Im Kern ging es um vier Punkte (die Initiative im Wortlaut):

  1. die Bekämpfung der Steuerhinterziehung durch eine teilweise Aufhebung des Bankgeheimnisses sowie eine Erweiterung der von der Schweiz geleisteten internationalen Rechtshilfe in Strafsachen
  2. die Einführung von erweiterten Publizitätsvorschriften, wie die Veröffentlichung konsolidierter Jahresrechnungen, die offene Bildung und Auflösung der Reserven sowie den offenen Ausweis der Beteiligungen, Treuhandvermögen, Verwaltungsratsmandate und Depotstimmrechte
  3. die Begrenzung der Verflechtung zwischen Banken und anderen Unternehmen, um die Machtstellung der Banken über die anderen Unternehmen zu beschränken und ihre Verwaltungsratmandate, Depotstimmrechte und Beteiligungen zu begrenzen
  4. die Einführung einer Versicherung für die Bankeinlagen

Die Initiative wurde von der SP eingereicht, unterstützt von den Parteien links der SP (PdA, POCH), dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) und der Nationalen Aktion (NA). Alle anderen Parteien und Verbände waren dagegen.

Besonders aufschlussreich ist nun, dass die Initiative nur gerade 27 Prozent der Ja-Stimmen erreichte und alle Kantone  dagegen waren (Quelle: Swissvotes). Sie hatte nicht den Hauch einer Chance, obwohl sie eifrig debattiert wurde (Radio-Beitrag).

Wie lässt sich diese Kanterniederlage erklären? Drei Sichtweisen scheinen mir voreilig zu sein:

  1. Die Gegner hatten viel mehr Geld als die Befürworter.
  2. Die Schweizer Bevölkerung stand voll und ganz hinter dem Geschäftsmodell der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung.
  3. Die Linke hat alles richtig vorausgesehen, aber weil die Bürgerlichen zu jener Zeit nie auf sie hörten, verpasste die Schweiz die grosse Chance, ein verfehltes Geschäftsmodell zu beenden.

Die finanziellen Ungleichgewichte waren in der Tat gross. Aber damit lässt sich nicht erklären, warum drei Viertel dagegen stimmten. Die Initiative sprach Anliegen an, die nach dem Chiasso-Skandal der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) viele Leute beschäftigten. Im April 1977 wurde bekannt, dass die Direktion der SKA-Filiale Chiasso in krimineller Weise Kundengelder in der Höhe von 2,2 Mrd. Fr. ausserhalb der Bank bei liechtensteinischen Beteiligungsgesellschaften placiert hatte. Gemäss einer Abstimmungsauswertung (Vox-Analyse) war es der SP nicht einmal gelungen, ihre eigenen Anhänger voll und ganz für ihr Anliegen zu mobilisieren.

Gegen die zweite und dritte Sichtweise spricht, dass die Bankeninitiative nicht nur die Entgegennahme von unversteuertem Vermögen aus dem Ausland ins Visier nahm. Sie wollte darüber hinaus auch im Inland die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung aufweichen und die Bankenmacht beschränken. Die Initianten zielten auf das Bankgeheimnis in einem umfassenden Sinn, wie sie in ihrem Kommentar erläuterten:

Das Bankgeheimnis soll dort aufgehoben werden, wo es zur Prellung der öffentlichen Hand im In- und Ausland missbraucht wird. Die Auskunftspflicht der Banken ist so zu regeln, dass die Selbständigerwerbenden in Zukunft steuerlich in gleicher Art erfasst werden können wie heute die Arbeitnehmer mit dem Lohnausweis.

Entsprechend ergab die Vox-Analyse, dass die Mehrheit der Gegner nicht nur eine Schädigung schweizerischer Wirtschaftsinteressen, sondern auch eine Einschränkung der Privatsphäre befürchteten (Quelle: Année Politique 1984). Vermutlich hätte die Initiative eine viel höhere Zustimmung erhalten, wenn sie sich ausschliesslich auf das Problem der unversteuerten ausländischen Gelder und die Ausweitung der internationalen Rechtshilfe konzentriert hätte. Vor allem hätte die SP mit Sicherheit ihre eigenen Mitglieder besser mobilisieren können.

So drängt sich – für mich wenigstens – eine ganz andere Interpretation der Bankeninitiative auf. Sie ist ein Symptom dafür, dass nicht nur die bürgerliche Seite, sondern auch die Linke lange Zeit Mühe hatte, sachlich über das Bankgeheimnis zu diskutieren. Aus linker Sicht war es Ausdruck einer grösseren Misere, die man mit einer umfassenden Initiative „gegen die Bankenmacht“ bekämpfen wollte. Die SP hat zwar das grosse Verdienst, dass sie als einzige Regierungspartei das Problem frühzeitig erkannt und benannt hat. Die Bankeninitiative kommt einem aber – mindestens im nachhinein – wie ein verschossener Penalty vor.

70 Kommentare zu «Das Scheitern der Bankeninitiative»

  • Fred Mauer sagt:

    Guter Beitrag. Manche Kommentare hier sind ja länger als der eigentlich Beitrag… O.o
    Naja, dankeschön für den Beitrag.

  • Linus Huber sagt:

    Niall Furgeson ueber die Schwierigkeiten der Westlichen Staaten:

    We spend too much, especially on intergenerational transfer programs like Medicare, Medicaid and Social Security. We seek redemption in elaborate regulation, which is guaranteed to throttle the economy. We are in danger of replacing the rule of law with the rule of lawyers. Our system of education perpetuates the existence of a mandarin class. Finally, we have abdicated our responsibility as citizens in favor of the state.

    Wie wahr und alles mehr oder weniger verlinkt mit dem Drang nach Manipulation, dem krebsartigen Wachstums des Verwaltungsapparates Staat und der Abgabe persoenlicher nicht delegierbarer buergerlicher Pflichten an den Staat.

  • Rolf Zach sagt:

    Ein interessantes Phänomen in diesem Zusammenhang ist, dass die Schweizer Grossbanken mit dem unverrückbaren Schweizer Bankgeheimnis gerade in dem Land am meisten investierten, nämlich den USA, welches schon damals am wenigsten Verständnis von den OECD-Staaten für diese Art Bankgeheimnis aufbrachte. Kein anderes Land hätte dem jüdischen Weltkongress für seine Behauptungen der angeblich in der Schweiz noch verwahrten riesigen Vermögen der Holocaust-Opfer geglaubt, was ja bekanntlich ein Märchen wahr. Schon damals, 1995, waren ihre Investitionen in den USA eine lächerliche Angelegenheit. Für
    diese USA Investitionen haben sie bereits damals dem jüdischen Weltkongress Geld nachgeworfen. Sie zahlen heute wiederum
    enorme Bussen für diese US-Steuerhinterzieher, wahrscheinlich müssen die Schweizer Banken bis zur Hälfte des von ihren Kunden hinterzogenen Summen entsprechende Bussen zahlen. All dies für nicht rentable US-Investitionen. Überhaupt sind die
    Direktinvestitionen der Schweizer Grossbanken im Ausland eine traurige Geschichte. Sie haben sich in der Schweizer Innenpolitik
    die Befürworter der Bankeninitiative als Landesverräter behandelt und die bürgerlichen Politiker dementsprechend abgerichtet.
    Wie bei früheren Fällen wollen sie nichts wissen von staatlichen Vorschriften und haben die FINMA in einen Kuschelverein verwandelt. Sie haben deshalb 2009 gedacht mit der Abschlagszahlung der UBS können sie weiterhin fröhlich auf US-Kundenjagd
    gehen. Ihre Duckmäuser-Funktionäre bei der Bankier-Vereinigung haben nicht für Allgemeinverbindlichkeit des QI-Abkommens
    bei der FINMA gesorgt mit entsprechenden Strafen bei Verletzung des QI-Abkommens. Es ist nicht zu vergessen, die US-Steuerhinterziehungsvermögen bei Schweizer Banken sind nur ein geringer Bruchteil des Betrages, der von ihren Steuerhinterziehungs-Klienten aus unseren Nachbarländer hier deponiert ist. Das Fazit ihres Verhaltens: Besser ein hinterfotziger Banker als ein arroganter und dummer Banker, der nichts versteht.

    • Linus Huber sagt:

      @ Rolf

      Der wirklich aetzende Aspekt liegt in der Tatsache, dass diese Verbrecher noch immer frei und ungeschoren weiter funktionieren duerfen, und durch die Politik weiter von jeglicher Strafverfolgung geschuetzt werden, was sie nur noch staerker in ihrer verblendeten Ueberheblichkeit bestaerkt. Die Geschichtsschreibung wird keine glorreichen Worte fuer diese Bande bereithalten, so wenig wie fuer Busch und den Luegner in Chief Obama.

  • ast sagt:

    Die Sozialisten hatten in den Jahren zwischen 1975 und der USA -Subprimekrise 2007 das zunehmende Problem an ihrer eigenen historischen Programmen zunehmend zu zweifeln. Aus diesem Grund erlahmten die Anstrengungen qualitativ gute Initiativen im Finanzbereich auf die Beine zu bringen. Heute wird vielen von Ihnen klar, dass sich die Zeit in politischen und ethische-moralischen Dimensionen viel langsamer bewegt als die technologische Entwicklung der Zivilisation. Fehler wirken sich in der Politik und der Partei-Ethik oftmals erst nach vielen Jahren Negativ oder Positiv aus.

  • Linus Huber sagt:

    Wenigsten hinterlaesst korruptes Verhalten ebenfalls Spuren. Die Irlaender duerften sich masslos aergern.

    http://www.independent.ie/business/irish/inside-anglo-the-secret-recordings-29366837.html

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Mehrmals enthält im Artikel eine Aussage „….im Nachhinein…..“. Im Nachhinein findet man immer jemanden, der das oder jenes schon immer gesagt hat, nur findet man auch genügend, die schon immer gegenteiliger Meinung waren. Auch wenn irgendetwas im Nachhinein tatsächlich eintrifft, heisst das noch lange nicht, dass man damals Recht hatte. Schwer zu verstehen, ich weiss. Vielleicht hilft der folgenden Satz „Nur weil Paranoia hat, heisst das noch lange nicht, dass man nicht verfolgt wird!“

    • ast sagt:

      Es gibt auch den weisen Spruch: Wer Recht behält der wird Verflucht.

      Sie haben natürlich Recht, das erraten einer Würfelzahl im Spiel heisst noch lange nicht dass man Recht hatte, bei Zufall gibt es weder Recht noch Unrecht.

      Bei der Ethik gibt es im Gegensatz dazu aber keine Zufälle. Unethisches Verhalten führt immer zu einer Korrektur, nur geht das manchmal Jahre, Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Ethik ist eine der wenigen Disziplinen die nicht Relativ zu sehen ist. Sobald etwas als Unrecht erkannt ist, wird das Verhalten entweder richtig oder falsch. Und zwar auch dann wenn die Auswirkungen erst in Jahrzehnten sichtbar werden, wie der Support von Steuerhinterziehung.

      • Das eigentlich Erstaunliche ist aber, dass man auch jetzt noch immer auf den Rat derjenigen hört, deren Theorien, Modelle und Rezepte ausnahmslos und mitunter in einem grotesken Ausmass falsch waren. Ich habe gerade das Buch „Whoops! Why Everyone Owes Everyone and No One Can Pay“ von John Lanchester fertig gelesen, eine gut verständliche Abhandlung über die Ursachen der Kredit- und Finanzkrise. Er schreibt darin, dass ein Goldman-Executive während des Höhepunkts der Finanzkrise gesagt haben soll, was man jetzt erlebe, seien „25 sigma Ereignisse“ mehrere Tage nacheinander. Solche 25-sigma-Ereignisse sind so unwahrscheinlich, dass Milliarden und Abermilliarden Universen nicht ausreichen, um auch nur einmal ein solches Ereignis zu bekommen, und davon gab es mehrere hintereinander? Offenbar merken diese Leute nicht einmal, welcher geradezu unmenschliche Unsinn aus ihren eigenen Mündern kommt, mal abgesehen davon, dass Risikomodelle mit solchen Resultaten schlicht und einfach nicht stimmen können, egal wie pseudo-mathematisch sie aussehen.

        Und diese Leute bestimmen weiterhin den Kurs unserer Wirtschaft und sagen, dass man weiter Deregulieren, Liberalisieren und Privatisieren und den Unternehmen weitere Steuer-Erleichterungen zukommen lassen müsse….

        • Linus Huber sagt:

          @ Ralph

          „Risikomodelle mit solchen Resultaten schlicht und einfach nicht stimmen können, egal wie pseudo-mathematisch sie aussehen“

          Da kann ich Ihnen nur Beipflichten. Die Idee, das Verhalten der Menschen allgemein als Wirtschaft bezeichnet zu modellieren und darauf basierend zentralplanerische Massnahmen zu formulieren ist hoechst fragwuerdig, da Reflexivitaet in den meisten Faellen die systemische Nachhaltigkeit untergraben duerfte.

  • Rolf Zach sagt:

    Die Bankenskandale prasselten auch 1984 nicht mit derartiger Intensität auf die Schweizer Öffentlichkeit nieder wie heute trotz
    Chiasso 1977. Es war damals noch nicht zur Gewohnheit geworden, dass Schweizer Kundenberater ihre privaten Europa- und
    USA Kunden besuchten. Der gute Kundenberater sass in seinem Zürcher Büro und wurde vom ausländischen Kunden hier besucht und nach dem Besuch auf Kosten des Kunden zum Lunch in einem guten Zürcher Restaurant eingeladen. Wie sein
    Geld in Zürich ankam, hatte der Kunde Sorge zu tragen. Es war für den Ausländer ein Privileg als Kunde einer Grossbank akzeptiert zu werden. Der Chiasso-Skandal geschah deshalb, weil diese Filiale aktiv italienische Kunden akquirierte und sogar
    deren Firmen übernahm. Mit der ersten italienischen Steueramnestie geriet sie in Liquiditätsschwierigkeiten, was den Skandal auslöste. Jede Schweizer Bank, die nach 1990 Kundenberater auf Reisetätigkeit schickte, hat ein Ertragsproblem und will ihre
    Ineffizienz durch Herauskratzen des letzten Rappens im Privat Banking verschleiern. Die UBS hat sich auf solche kriminelle Figuren wie Birkenfeld eingelassen, weil ihr US-Geschäft (Sub-Prime) zusammenkrachte und sie dringend Löcher stopfen musste. Diese Gelder auf dem Interbankmarkt zusammenzukratzen, war eine sehr teure Angelegenheit. Trotzdem, dass man QI unterschrieben hatte, wurde deshalb bewusst auf billige Steuerhinterziehungsgelder ausgewichen. Es werden noch viele
    Deutsche sich bei ihren Steuerämtern melden und die entsprechende Amnestie beanspruchen. Diese Kunden wollen, wenn sie bei der CH-Bank bleiben, bessere Konditionen als in Deutschland. Diese Klienten-Skandale geschahen immer deshalb, weil
    die in den Skandal verwickelte CH-Bank Ertrags- oder Liquiditätsprobleme hatten und dementsprechend Druck auf die Kundeberater ausübten. Ich bin sehr pessimistisch, wie sich das Schweizer Privat-Banking-Geschäft gegenüber den OECD-Staaten entwickeln wird.

    • Thomas ernst sagt:

      Die Schweiz ist auch ein OECD-Staat…

    • ast sagt:

      „Ich bin sehr pessimistisch, wie sich das Schweizer Privat-Banking-Geschäft gegenüber den OECD-Staaten entwickeln wird“

      Schweizer sind wie andere Völker auch, man tut es sich schwer ethisch-moralische Fehler einzugestehen. Gerne verweist man dabei auf Andere die dasselbe tun. Schon alleine der Begriff „Weissgeldstrategie“ zeigt aber, dass man nichts begriffen hat, bei Moral gibt es keine „Strategie“, entweder es ist etwas Falsch oder Richtig. Der Eisman klingelt nur einmal. Die Banken haben nach dem Weckruf aber nur damit reagiert dem Lieferanten eine (falsche) Botschaft zu schicken.

  • Hans Müller sagt:

    Es wird leider auch jetzt noch nicht sachlich über das Bankgeheimnis diskutiert. Das Bankgeheimnis hat aus unerfindlichen Gründen nach wie vor den Status einer heiligen Kuh. Für jeden ehrlichen Steuerzahler ändert sich bei der Aufhebung des Bankgeheimnisses absolut gar nichts, denn der ehrliche Steuerzahler gewährt dem Staat freiwillig die für die Besteuerung nötige Einsicht in seine finanziellen Verhältnisse. Die Nutzniesser des Bankgeheimnisses sind die Steuerhinterzieher und Steuerbetrüger und warum diese per Gesetz geschützt werden sollen, ist für einen Menschen mit rationalem Verstand nicht nachvollziehbar.

  • Kurt Imhof sagt:

    Es richtig aus Weichenstellungen zu lernen, die in die schwierige Lage der Schweiz im Kielwasser der Finanzindustrie führten. Eine verpasste Chance war ohne Zweifel die Bankeninitiative 1984, wie der erhellende Beitrag von Tobias Straumann zeigt. Aufgrund der Zielrichtung der Initiative, das Bankgeheimnis im In- und Ausland einzuschränken, schreibt Straumann vom ‚verschossenen Penalty’. Allerdings wäre die Initiative auch ohne ihren inländischen Anwendungsbereich nicht durchgekommen. Wesentlich hierfür ist der ‚Genosse Zeitgeist’: 1984 ist ein ‚Hochzeitsjahr‘ des Antietatismus (Wiederwahl Ronald Reagans und erfolgreicher Kampf Thatchers gegen die britischen Gewerkschaften im Bergarbeiterstreik). Innenpolitisch dominierten Umweltfragen mit grossem Abstand, d.h. das Waldsterben und die Atom- und Energieinitiative. Die Agenda der Opposition in der Schweiz war also primär Umwelt- und nicht wirtschaftspolitisch bestimmt. Entsprechend fand Bankeninitiative kaum Resonanz, die entsprechenden Debatten waren ebenso marginal wie die Mittel für die Abstimmungskampagne. Wir wissen heute, dass die Initiative inhaltlich richtig war, aber man muss sogar befürchten, dass sie 1984ff das Gegenteil dessen bewirkte, was sie anzielte. Ihre Marginalität in der öffentlichen Debatte und ihre Versenkung an den Urnen könnte den Missbrauch des Bankgeheimnisses durch den Finanzplatz erst richtig befeuert haben.

  • Linus Huber sagt:

    Gerade heute habe ich ein entsprechendes Schreiben an Mr. Jaime Caruana (BIS) abgeschickt, welches meine obige Ueberzeugung wiedergibt:

    Dear Mr. Jaime Caruana

    I enjoyed reading your latest speech „Making the most of borrowed time“ as it shows that the sentiment is slowly shifting and the real problems come increasingly to the fore. I find it interesting that the Keynesian approach (that was in any case never really adhered to) does seem to lose its effectiveness.

    As an outside observer of monetary policy, I would like to draw your attention to some aspects of the speech that did not match the overall high standard.

    You seem to be ignorant of or unwilling to address the fact that inflationary monetary policy over the past decades are the real enablers of the explosive growth in the volume of credit and the massive imbalances created as a result. Furthermore you imply that Central Banks maintained a policy of price stability over the past decades whereas in actuality an environment of enduring and consistent low inflation (debasement of currencies) was in place the world over. The situation was further enhanced by reducing the capital requirements for banks. Your lack of understanding the longterm effects of inflationary monetary policy on society is astonishing.

    Whereas I do agree with the overall direction of your today’s view, I am seriously questioning some of your assumptions made in your speech. I hope you will find the courage and strength to one day embrace a critical approach towards your own organisation’s past failures.

    With best regards

    • Anh Toan sagt:

      „Die «Bank der Zentralbanken» richtet scharfe Worte an die Regierungen und Notenbanken der Industrieländer. Mit der Politik des billigen Geldes könne es so nicht mehr weitergehen.“ (vor 9 Minuten auf Newsnetz):

      Wow, Ihr Einfluss ist gewaltig!

      • Linus Huber sagt:

        @ Anh Toan

        Es ist genau diese Einstellung, sich nicht fuer die eigene Ueberzeugung auch wirklich einzusetzen, welche in die Unfreiheit fuehrt. Wer sagt Ihnen, dass ich alleine bin mit meinen Worten an die Zentralbanken und/oder die BIS? Woraus folgern Sie, dass jede private Initiative erfolglos sein muss? Ebenfalls scheinen Sie den Einfluss der BIS ein wenig zu unterschaetzen. Immerhin ist es der Ort, an welchem sich die Zentralbanker regelmaessig treffen und sich austauschen und ihre Vorgehensweise diskutieren. Glauben Sie wirklich, dass all dies an die grosse Glocke gehaengt wird? Haben Sie sich damit befasst?

        Ihre Einstellung ist genau jene, welche die Entscheidungstraeger ausnutzen um ihre persoenliche Machtgelueste auszubauen. Ein muendiger Buerger wehrt sich bevor es zu spaet ist und selbst wenn die Bemuehungen unbelohnt sein moegen, da er aufgrund von Prinzipien und Ueberzeugung handelt.

        • Thomas ernst sagt:

          Treffer – Versenkt!

        • Anh Toan sagt:

          @Linus Huber: „Auf Grund von Prinzipien und Überzeugungen“

          Ja, ganz genau das stört mich!

          • Anh Toan sagt:

            Prinzipien und Überzeugungen verhindern Zweifel, und Zweifel ist die Basis von Vernunft (cogito ergo sum nicht scio ergo sum hat Descartes geschrieben)

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan

            Das kann Sie schon stören. Stört es Sie auch bei Ihnen selber?

          • Anh Toan sagt:

            @Johnny Smith: Wo/Wann äussere ich Prinzipien und Überzeugungen?

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan

            Sie sind der Überzeugung, dass Linus Huber nur aufgrund seiner Überzeugungen argumentiert.

            Sie sind der Überzeugung, dass Linus Huber seine Überzeugungen nicht begründet.

            Sie sind der Überzeugung, dass Zentralbanken Geld drucken dürfen/sollen, egal was für unwägbare Risiken dadurch entstehen können.

            Sie sind der Überzeugung, dass Deflation unsere grösste Gefahr ist.

            etc.etc.etc.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ein Aspekt, welcher den Menschen vom Tier unterscheidet, liegt darin, dass wir in der Lage sind, uns nach Konzepten und Prinzipien zu verhalten, welche nicht einzig auf der Macht des Staerkeren beruhen. Ohne diese grundlegenden Prinzipien entmenschlichen wir uns. Entwertung von Geld verletzt den Geist so vieler konzeptioneller gesellschaftlicher Regeln, dass dies den Umfang dieses Blogs sprengen wuerde.

            Dass Sie meine Ueberzeugung, welche ich jederzeit bereit bin einer argumtativen Auseinandersetzung zu unterziehen, ist wohl eher Ihre Problem als meines, was mich nicht sonderlich beeindruckt. Einzig die Tiefe der Argumente sind fuer mich massgebend und nicht etwelche Vorlieben oder Abneigungen. Ich bin ebenfalls jederzeit bereit, meine Meinung zu aendern, wenn jemand mit wirklich stichhaltigen Argumenten aufwartet. Allerdings besitzen Ihre oberflaechlichen Verunglimpfungen nicht die notwendige Ueberzeugungskraft, sondern sind eher vergleichbar mit einem Koeter, welcher sich gelegentlich in meine Waden verbeisst und der nicht ablassen will, bis man ein paar ernsthafte Worte aeussert, worauf er sich schmollend in eine Ecke verzieht.

          • Anh Toan sagt:

            @Johnny Smith: Ich wiederhole lediglich, dass Linus Huber selber explizit sagt, er handle aus Prinzipien und Überzeugung, und ich mache deutlich, warum ich mich daran störe.

            Ich bin nicht überzeugt, dass Linus Huber seine Meinung nicht begründet, ich kann lediglich in seinen Statements keine Begründung erkennen.

            Dass die Zentralbanken Geld drucken sollen/dürfen ist nicht meine Überzeugung. Meine Überzeugung ist, dass Geld von Menschen gemacht (gedruckt oder manipuliert oder welches Wort Ihnen am besten gefällt) wird, es wächst nicht auf Bäumen und war nicht in Anfang und Ende.

            Nun können wir darüber diskutieren, ob dies besser von unabhängigen Zentralbanken, oder von eine Parteidiktatur wie in China gemacht wird, oder ob wir dies besser in Volksabstimmungen entscheiden. Zu Volksabstimmungen, möchte ich schon im voraus einwenden, dass gerade das Volk dazu neigt, inflationär wirkende Entscheidungen zu fällen: Die Verweigerung der Anpassung des Umwandlungssatzes oder der AHV-Beiträge nach oben oder der Renten nach unten, führt letztlich zu Löchern in den Rentensystemen, welche mit Staatsschulden (=Geld) finanziert werden müssen.

            In einem deflationären Umfeld horten alle Geld, keiner konsumiert, keiner investiert (ausser in Cash). Deflation ermöglich denjenigen, welche Geld haben, risikolos reicher zu werden. die Asymetrie zwischen Risiko und Gewinn, welche Herr Huber doch immer beklagt, findet sich in extremis in der Deflation. Deflation garantiert Gewinne ohne Risiko denjenigen, welche etwas haben, zu Lasten der Habenichtse. Sie führt zu Vermögenskonzentration, denn Inflation lässt bekanntlich die Vermögen schmelzen.

            Herr Huber will risikolose Zinssätze über der Inflation. Er hat Vermögen, und glaubt einen Anspruch darauf zu haben, dass sich sein Vermögen (kaufkraftmässig) erhöht, ohne dass er Risiken eingeht. Wenn risikolose Anlagen auch nur kleine Gewinne sicher bringen, ist jeder dumm, der Risiken eingeht.

          • Anh Toan sagt:

            @Johnny Smith: Sie verkennen den Unterschied zwischen einer Meinung überzeugt vertreten und der Äusserung von Überzeugungen.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan

            Danke für Ihre Antworten. Ich bin Ihrer Meinung, es gibt Unterschiede zwischen dem Äussern von Überzeugungen und Meinungen überzeugt zu äussern. Nur glaube ich, dass man das eine vom andern oft nicht so genau trennen kann und, dass es u.a. auch im Auge des Betrachters liegt. Ich beispielsweise kann diverse Begründungen und Argumentationen sehen (und oft teilen), die Linus Huber äussert, Sie sehen diese offenbar mehrheitlich nicht oder teilen Sie zumindest nicht .

            Was womöglich in der obigen Differenzierung auch ein Aspekt ist (c’est le ton qui fait la musique), ist der Anspruch auf alleinige Richtigkeit. Dies ist bspw. ein Punkt, wo ich mich bei den Handlungen und Kommunikation der Zentralbanken störe. Ich bin ziemlich ‚überzeugt‘, dass die extreme, bis anhin in Industrieländern ungesehene Geldmengenausweitung mind. so grosse Risiken beinhaltet, wie sie angeblich derzeit durch Entgegenwirken der Deflation evt. reduziert werden.

            Ich sehe die Deflation sozusagen als ein Preis, der für den massiven Aufbau des Leverage in den vergangenen Jahrzehnten zu bezahlen ist. Die Zentralbanken kämpfen dagegen, diesen Preis bezahlen zu müssen, was mMn aber das Problem nur verschlimmert (abgesehen vom Verschieben in die Zukunft auf die Schultern von anderen).

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Wie gewohnt spannen Sie den Wagen vor das Pferd. Sie erklaeren, dass ich Deflation aufgrund meiner persoenlichen Situation anstrebe und erklaeren damit, dass Sie die Problematik nicht erkennen. Ich vertrete die Idee einer stabilen werterhaltenden Waehrung. Einzig vergangene inflationaere Geldpolitik ermoeglicht ein solch hohes Potential zerstoererischer Deflation, welche sich ueber die vergangenen Jahrzehnte aufbaute. Die Ungleichgewichte sind gar nicht mehr zu eliminieren, ohne eine deflationaere Phase oder in wenigen Jahren eine Hyperinflation (Verlust des Vertrauens in eine Waehrung) zu erfahren. Die Idee, dass etwelche zentralplanerischen Akteure dieses immer instabilere Spiel zwischen diesen beiden Szenarien aufgrund des immer hoeheren Ausmasses der einzelnen Komponenten sinnvoll managen kann, ist geradezu grotesk in meinen Augen.

            Die Diskussion, wie die Zentralbanken zu organisieren sind, ist in dieser Beziehung zweitrangig, sondern es geht einzig um langfristige Nachhaltigkeit der Geldpolitik, indem man keine langen Phasen von Inflation wie Deflation zulaesst, sondern eine stabile Waehrung und damit ein stabiles Waehrungssystem als vorrangiges Ziel fuer die Geldpolitik anstrebt und nicht dieses Ziel einer verfehlten einseitigen (immer inflationaeren) Anwendung der Geldpolitik zur temporaeren Foerderung des Wirtschaftswachstums unterordnet.

            Das Problem ist hoechst wahrscheinlich viel weniger meine Ueberzeugung in dieser Angelegenheit, sondern die Tatsache, dass die darin dargestellte Problematik sehr unangenehme gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen duerfte und damit nicht wahr sein darf. Diese Reaktion ist mir nicht unbekannt, da es sich um ein menschliches Verhalten handelt, indem man unangenehme Erkenntnisse verdraengt, sich davon abwendet oder eben wie Anh Toan den Ueberbringer der schlechten Nachricht defamiert.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            „Deflation ermöglich denjenigen, welche Geld haben, risikolos reicher zu werden. die Asymetrie zwischen Risiko und Gewinn, welche Herr Huber doch immer beklagt, findet sich in extremis in der Deflation. Deflation garantiert Gewinne ohne Risiko denjenigen, welche etwas haben, zu Lasten der Habenichtse. Sie führt zu Vermögenskonzentration, denn Inflation lässt bekanntlich die Vermögen schmelzen.“

            Auch hier liegen Sie massiv falsch. Es ist die inflationaere Geldpolitik, welche Vermoegenskonzentration oder in anderen Worten Umverteilung von unten nach oben foerdert. Der Grund liegt darin, dass die 1% mit massiv hoeherem Hebel arbeiten und dadurch verhaeltnismaessig staerker von inflationaerer Geldpolitik profitieren. Der Beweis liefert die kurzfristige deflationaere Phase in 2008, als das Vermoegen der Top 1% verhaeltnismaessig staerker einbrach als dasjenige des Durchschnittsbuergers.

            Es geht auch nicht darum, was ich will, sondern es geht mir darum, die Zusammenhaenge zu erklaeren und ich freue mich ueber jedes stichhaltige und sachliche Argument, welches meine Erklaerungen widerlegt, allerdings sind oberflaechliche und auf den Mann spielende oder gar falsche Darstellungen nicht foerderlich fuer eine sinnvolle Diskussion.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Wer vergleicht andere Kommentatoren mit einem Köter?

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Und ich Trottel habe gemeint, Hebel sei Risiko (ausgenommen allenfalls die 0.0% welche eine TBTF Bank besitzen).

        • Johnny Smith sagt:

          @ Linus Huber

          Ich gratuliere Ihnen zu Ihren Überzeugungen, welche – gelegentliche unmotivierte Anwürfe von Anh Toan hin oder her – eben auch cogitae / durchdacht sind, und auch zu Ihrer Hartnäckigkeit, mit der Sie sie vertreten.

          • Josef Marti sagt:

            Wieso gründen Sie nicht eine Sekte? Aber ich nehme an das haben Sie schon, es gibt immer irgendwelche Jünger abzuholen.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Josef Marti

            Ja, haben Sie denn noch nie etwas von der Huber-Smith-Church gehört? 😉

    • Stephan Kupper sagt:

      Grundsätzlich haben Sie schon recht. Inflationary Monetary Policy führt über Anleihen zu den „imbalances“. Diese IMP-Steuerung sollte ja die Negativseite irgendeines Wachstumsmodells bekämpfen – nämlich Inflation. Aber auch diese IMP hat selbst wieder eine Negativseite, was Sie ja allgemein als „imbalances“ anprangern, verquickt mit diesem und jenem und allem.

      Doch der Zusammenhang all dessen mit Bankgeheimnis und der Abgrenzung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug ist schon nicht gerade klar aus Ihrem Kommentar ersichtlich. Sie wollte vielleicht sagen, dass die heutigen Probleme wenig mit Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung zu tun haben und dass die Diskussion darüber eigentlich nebensächlich ist. Der nächste Gedankengang, den Sie möglicherweise daraus ableiten, liegt somit auf der Hand, nämlich, dass das Volk nur über Nebensächlichkeiten entscheiden kann und somit nicht verantwortlich ist.

      An dieser Gedankenquadratur haftet eine gewisse Wahrheit. Dennoch löst sich auch diese Wahrheit auf, wenn man weiter „quadriert“. Nehmen wir dazu eine Metapher:
      Da sind auf der einen Seite die hochgebildeten Ökonomen, die mit vielen verschiedenen „policies“ etwas zu steuern versuchen. Sie sitzen in einem Cockpit voller Uhren, Knöpfe und Hebel und fliegen hoch über den Wolken ihre Ökonomie immerzu bemüht, dass sie nicht abstürzt.
      Auf der anderen Seite (des Kommunikationskanals) ist das Volk. Es sitzt in der Bodenstation der Realwirtschaft und hört natürlich sofort, wenn es oben im Cockpit Schwierigkeiten gibt, denn dann entfacht sich jeweils eine fürchterliche Diskussion unter den Piloten. „Du schwarz, ich weiss“, „Ich weiss“, „Nein, du schwarz, ICH weiss“, „Ja ich weiss“, „Nein…..“ usw. Kein Mensch in der Bodenstation versteht, was die da oben streiten, aber offensichtlich verstehen sie sich nicht richtig.

      Nun, soweit so gut, die Piloten sind ja dann gemäss Ihrer Gedankenquadratur verantwortlich, wenn die Kiste abstürzt.

      Aber die Kiste hat das Volk gebaut!

      • Linus Huber sagt:

        @ Stephan

        Das Waehrungssystem wurde mit der Gruendung des FED vor 100 Jahren in eine zentralistische manipulierbare Strukture uebergefuehrt und 1971/72 mit der Aufhebung des Goldstandards von der letzten Verankerung der Nachhaltigkeit geloest. Diese Vorgaenge liefen mit sehr tiefer demokratischer Legitimation ab, sondern wurden von den Bankern der damaligen Zeit ohne grosse gesellschaftliche Diskussion durchgefuehrt.

        Die Situation ist weniger vergleichbar mit Pilot und Bodenstation als mit Forscher und Labor-Ratte, wobei wir die Ratten sind. Sie scheinen die langfristige schrittweise Verhaltensveraenderung der Bevoelkerung, welche durch diese Geldpolitik Einzug nimmt, nicht im gesamten Ausmasse zu erkennen.

        Es ist richtig, dass der obige Artikel ein spezifisch schweizerisches Problem anspricht. Jedoch ist nicht zu vergessen, dass die Banken diesen enormen Einfluss aufgrund der erklaerten Geldpolitik gewannen und die heutige Problematik immer unkontrollierbarere Auswirkungen nach sich zieht. Der Drang nach zunehmender Transparenz des Buergers und abnehmenden Transparenz des Verwaltungsapparates Staat basiert auf der Ueberschuldung der Staaten, welche durch die Geldpolitik zu einem grossen Teil ermoeglicht wurde. Das Bankgeheimnis ist ein kleiner Mosaikstein des Gesamtbildes.

  • Linus Huber sagt:

    Der Author versucht mit diesem Artikel die Schuld am Problem weg von den Entscheidungstraegern an das Volk zu transferieren.
    Eine ein wenig scheinheilige Aktion, wie ich hier erlaeutere.

    Grundsaetzlich ruehrt die Macht der Finanzindustrie aus der inflationaeren Geldpolitik der Zentralbanken, welche ebenfalls fuer die Eigenkapitalvorschriften der Banken zustaendig sind. Auf beiden Bereichen haben die Zentralbanken die Aufgabe der Waehrungsstabilitaetssicherung weitgehend vernachlaessigt, indem sie unter fehlgeleiteter Keynesianischer Ideologie ihre Waehrungen einer dauernden leichten Entwertung unterwarfen.

    Der Grund der Unabhaengigkeit der Zentralbanken wurde genau aus diesem Grunde installiert, damit diese eine nicht nachhaltige Entwicklung fruehzeitig erkennen und entsprechend Gegensteuer geben. Weder im Bereiche des zunehmend hoeheren Hebels bei Banken, noch beim Einhalt dauernder Staatsdefizite haben sie sich entsprechend verhalten, sondern glaubten sich einzig fuer den durch diese Geldpolitik erzeugten Wachstum einzusetzen ohne zu erkennen, wie sich dadurch langfristig gewaltige systematische Ungleichgewichte aufbauen. Warum dies trotz der hochgebildeten oekonomischen Mitarbeitern in diesen Institutionen moeglich war, ist wohl einzig damit zu erklaeren, dass diese Menschen wirklich daran glauben, sie koennten uns alle endlos und erfolgreich nach ihren Vorstellungen manipulieren und keine ihrer Eingriffe zeitige eine langfristige Auswirkung. Ihr Versagen ist immer weniger zu vertuschen, obwohl die Massenmedien diesen Versuch unterstuetzen.

    Zusaetzlich kommt im Falle der Schweizerbanken, welche sich mit auslaendigschen Kunden einliessen, die Frage auf, inwiefern sie nationales Recht des Anlegers gebrochen haben. Dies ist weder das Problem der Schweizer Bevoelkerung noch der Schweizer Regierung, sondern einzig das Problem der Geschaeftsfuehrung der Banken. Es ist langsam Zeit, dass diese ihre persoenliche Verantwortung annehmen.

    • Josef Marti sagt:

      Nach dem Ölpreisschock 1974/75 und der damit verbundenen Stagflation war allerdings der Monetarismus weltweit die Leitideologie da diese Situation nicht mehr mit deficit spending überwunden werden konnte. Die SNB hat nach eigenen Aussagen seit 1975 eine auf längerfristige Preisniveaustabilität ausgerichtete Geldmengenpolitik betrieben. In den 90ern sprach man von einem Inflationsziel von 1%, da fragt man sich schon was von Keynes noch übrig geblieben ist.

      • Linus Huber sagt:

        @ Josef

        Sie verstehen nicht, was Preisniveaustabilitaet bedeutet. Preisniveaustabilitaet beinhaltet den zwingenden Aspekt, dass sich eine Waehrung laengerfristig nicht entwertet. Es weiss heute jeder Mensch, dass sich Waehrungen dauernd und langsam entwerten. Wirkliche Preisniveaustabilitaet erlaubt zwischendurch eine Phase leichter Deflation. Die SNB luegt, wenn Sie behauptet, dass Preisniveaustabilitaet gegeben ist.

        Wirklich interessant ist die Tatsache, dass wir uns so sehr an diese Geldpolitik gewoehnt haben, sodass wir diesen Umstand nicht einmal mehr bemerken, sondern dies als ganz normal betrachten und natuerlich unser persoenliches Verhalten diesem Umstand angepasst haben.

        • K.A. Barett sagt:

          @Linus Huber: Ich hatte kürzlich in einer Diskussion die These aufgestellt, dass eine Währung auch dann schleichend entwertet wird, wenn die statistische Teuerungsrate bei Null liegt. Unterstützung fand ich in der Gesprächsrunde nicht. Es liegt aber auch meiner Meinung nach auf der Hand, dass die permanente Erosion der Kaufkraft jeder Währung eine unumstössliche Tatsache ist. Man streut sich immer wieder selbst Sand in die Augen, weil man keine wirkliche Lösung des Problems hat. Das einzige wirksame Pflaster ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein leichtes, aber stetiges Wachstum des BIP.

          • Linus Huber sagt:

            Die schleichende Entwertung basiert auf einem Wachstum der Geldmenge (Basis plus Kredit) ueber dem Wirtschaftswachstum. Es ist ein falscher Ansatz, sich an der Inflationsrate des cpi (consumerpreisindex) zu orientieren, da dies nur einen Teil der wirtschaftlichen Struktur betrifft.

        • Josef Marti sagt:

          Tja das liegt wohl daran, dass die lügende SNB, Ökonomen und auch Konsumenten eine Deflation fast mehr fürchten als eine hohe Inflation. Aus dem einfachen Grund weil Deflation den Wachstumswahn empfindlich dämpft. Das marktwirtschaftliche System ist darauf aufgebaut, dass jeder den anderen dauernd überholen muss, ansonsten wird er abgehängt und kann kein glückliches Konsumentenschweinchen werden – egal ob Monetarismus oder Keynes. Daneben darf man nicht vergessen, dass in den 50ern zB ein BigMac real teurer war als heute.

    • Anh Toan sagt:

      Der (gute) Beitrag handelt von Steuerhinterziehung.

      Ohne Inflationäre Geldpolitik wären die Menschen gut und würden ihre Steuern bezahlen.

      Sie erläutern den Zusammenhang zwischen inflationärer Geldpoiltik und Steuerhinterziehung in keiner Weise, obwohl Sie dies in Ihrer Einleitung (indirekt) ankündigen.

      • Anh Toan sagt:

        Ist die Inflation hoch, entwertet Schwarzgeld laufend, die nominal hohen Zinsen werden an der Quelle besteuert.

        Je tiefer die Inflation, umso tiefer die Kosten von Schwarzgeld.

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Zu einem grossen Teil und mitverantwortlich fuer die obige Problematik ist der Einfluss der Banken, welchen sie nur aufgrund einer fragwuerdigen Geldpolitik erlangten.

  • Rolf Zach sagt:

    Senn von der SBG hat damals bei einer Diskussion mit Hubacher von SP in unserer Gemeinde im Schlusswort betont, der normale Schweizerbürger müsse damit rechnen, bei der Annahme dieser Initiative werde alles offengelegt, auch die Klein-Erbschaft der Grosstante vor 10 Jahren und alle Kleinigkeiten, die man bei Steueramt manchmal vergisst. Dies war sicherlich einer der wesentlichsten Gründe für die Ablehnung der Initiative. Ferner war das Bankkader das bestbezahlteste Wirtschafts-Kader der Schweiz mit vielen Aufsteigern mit keiner akademischen Ausbildung aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht. Dieser Sachverhalt förderte die Mobilisierung der Gegnerschaft. Alle privaten Banken waren gute Steuerzahler in den Gemeinden und eröffneten laufend Filialen, was für eine freundliche Stimmung beim Gewerbe sorgte. Die tiefgreifende Wirtschaftskrise 1975 und 1976 war überwunden. Der Wechselkurs des CHF gegenüber DM und $ hat sich eingependelt, damit
    fehlte ein wesentlicher Grund für die Lancierung der Initiative (1978 Negativzinsen). Die Beschäftigen-Zahlen der Banken erhöhten sich laufend. Nicht zu vergessen ausser dem Schweizerfranken, gab es damals in Europa nur die DM als Reserve-Währung, für unsere Nachbarn ein Grund mit uns säuberlich umzugehen in Anbetracht des Kalten Krieges. Die eiserne Liquidität ihrer Konzerne war neben $ auch in CHF. Europa braucht uns heute nicht. Der EURO ist stabiler als die DM. Obwohl hier viele Blog-Teilnehmer
    nicht dieser Ansicht, wir können darauf wetten, dass die EZB ihr neues Gebäude in Frankfurt bezieht und es nicht in Kunstgalerien umgewandelt wird. Wir Schweizer waren sowieso der Ansicht unser Regierungssystem sei das absolut sauberste auf der Welt und alle anderen haben keinen Sinn für Ordnung und Redlichkeit. Unsere Wirtschaftsführer galten Ausbund der Tugend und hatten
    enormes Prestige bei der Bevölkerung. Es gab Anzeichen dagegen, aber die wurden nicht wahrgenommen, z.B. die Hunt-Verluste des SBV.

    • Ueli sagt:

      @Rolf Zach
      Sie liegen goldrichtig Herr Zach – der „eiserne Vorhang“ war damals nicht nur die Grenze des „Evil Empire“, sondern eben auch ein gewichtiges Standbein des Wirtschaftsstandortes Schweiz. Die Bevölkerung in Westeuropa profitierte im allgemeinen enorm davon, dass die andere Hälfte im Osten als Konkurrenz ausfiel – nur so konnte überhaupt der sogenannte „Sozialstaat“ seit den 50er Jahren aufgebaut werden. „Der Westen“ hätte den „Kommunisten“ eigentlich in jeder Hauptstadt ein Denkmal setzen sollen – stattdessen wurden die „Roten“ als Teufel gebrandmarkt. So ironisch kann Weltgeschichte sein.

      • K.A. Barett sagt:

        @Ueli: Ja, das ist so. Die bipolare Welt hatte gewaltige Vorteile. Der Sozialstaat, so, wie er zum Beispiel in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut werden konnte, wäre ohne den „Eisernen Vorhang“ wirklich nicht möglich gewesen. Das klingt in der Tat bizarr, ist aber wahr. Die linken Demokraten bei uns profitierten ganz klar von den ganz linken Undemokraten, die im Osten ihr Unwesen trieben. Der Fall der Mauer, der auch mir, ich bekenne es hiermit, die Tränen in die Augen trieb, führte zur Wiedervereinigung Deutschlands, welche die alte Bundesrepublik Unsummen kostete, und letzten Endes, mehr als zehn Jahre später, mittels sachdienlichen Pressionen seitens Mitterand gegenüber Kohl, zur Einführung des EURO zwecks Finanzierung des sozialen Rückstandes der Länder Südeuropas durch die Deutschen. Das alles ist mit einer Perfidie abgelaufen, die ihresgleichen sucht. Ergebnis? Enttäuschte Hoffnungen, Demokratie-Defizite, weniger Wohlstand, politische Destabilisierung, trübe Aussichten.

        • Rolf Zach sagt:

          Herr Barett. Ihre Aussagen betreffend EURO kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Praktisch alle Akkreditive, die den Export von Halbfabrikaten und Fertigwaren von Europa nach Afrika und in den Nahen Osten
          betreffen, lauten auf EURO. Selbst Schweizer Exporteure fakturieren in EURO und nicht in CHF. Der prozentuale
          Anteil des EUROS ist viel grösser als es jemals die DM war. Der CHF und das £ haben an Bedeutung verloren.
          Nur die Rohstoffe, die laufen weiterhin in $. Nordafrikanische Länder, die wegen ihren Rohstoffen $ erhalten, tauschen diese in EURO um. Die Deutsche Bank, HSBC und die Pariser Grossbanken machen alles um die Schweizer Grossbanken aus diesem Devisenhandel rauszuhalten, heute viel stärker als früher.

          • K.A. Barett sagt:

            @Rolf Zach: Selbstverständlich ist der EURO nach zehn Jahren eine Realität. Sämtliche Geschäftsprozesse sind darauf ausgerichtet. Ich selbst befasse mich geschäftlich jeden Tag mit fremden Währungen, wobei der EURO eine dominante Rolle spielt; nicht nur bei geschäftlichen Abwicklungen innerhalb Europas. Ich kann Ihnen zum Beispiel bestätigen, dass einer meiner Kunden für Lieferungen in alle Erdteile in EURO kalkuliert und fakturiert. Diese neue Währung ist inzwischen das geworden, was man „die normative Kraft des Faktischen“ nennt. Ich behaupte keinesfalls, dass man den EURO mit einer erneuten „Order de Mufti“ wieder abschaffen soll und kann. Dies, obwohl er genau mit dieser Methode, also undemokratisch, eingeführt worden ist. Aber die Frage ist bis jetzt unbeantwortet geblieben, ob seine Einführung der Weisheit letzter Schluss war. Die Antwort auf die Frage nach dem „Friedensprojekt“ EURO steht ebenfalls noch aus. Das Risiko, dass er sich als Rohrkrepierer mit unabsehbaren Auswirkungen erweisen könnte, ist nicht ganz klein. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Ich hätte keine Freude daran, wenn der EURO und mit ihm möglicherweise die EU scheitern würde. Die Geschichte ist zu weit entwickelt worden, um jetzt noch problemlos umsteigen zu können. Aber ganz wohl ist mir bei dieser Geschichte nicht.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Kabarett

            Die Alternative zum Euro-Korsett ist nicht die Abschaffung des Euro, sondern die Wiedereinführung nationaler Währungen parallel und alternativ zum Euro. Die kleinräumige Lokalwirtschaft wie Handwerk, Lebensmittelhandel und dergleichen können dann mit lokal/stabilen Nominalpreisen geschäften, und die Im/Exportfirmen zusätzlich mit dem Euro hantieren, genau wie mit der Parallelwährung Dollar auch.

            Diejenigen, die das gewaltig ansch… äh, angurken würde sind nur die USGauner.

          • Rolf Zach sagt:

            Herr Barett. Besten Dank für Ihren informativen Kommentar. Was ihre Bedenken wegen den Grundlagen des EURO
            betrifft, so sind sehr bedenkenswert. Der EURO ist aber nicht nur eine gemeinsame Währung der EURO-Länder untereinander wie die Lateinische Münzunion es war, sondern viel wichtiger, er verfügt über eine starke Zentralbank, was auch den EURO gerettet hat. Wer gegen den EURO spekuliert, spekuliert gegen die EZB. Aus Ihrem Beitrag geht eindeutig hervor, dass der EURO heute eine Funktion als Reservewährung hat. Ich habe es bereits früher einmal erwähnt, was interessiert den $ die Leistungsbilanzdefizit von Florida und der Leistungsbilanzüberschuss von Texas.
            Was aber dort stärker ist, ist die Zentrale in Washington und gleiches Bundesrecht überall. Im EURO-Raum sind die
            zentralen staatsrechtlichen Funktionen trotz Brüssel zu wenig stark ausgebildet ausser der EZB. Es braucht nicht
            überall das gleiche. Aber eine Verwaltung in Griechenland, die sich öfters afrikanisch verhält, und eine Verwaltung
            in Nordeuropa, die preussische Vorbilder hat, bedeuten die gefährlichste Sprengkraft für den EURO und nicht die
            Leistungsbilanzen der einzelnen EURO-Länder. Wäre die institutionellen Grundlagen des EURO stabiler, würde
            man nur vom Leistungsüberschuss oder -Defizit des EURO-Raums sprechen. Die EURO-Gegner sehen hier das Glas halb leer. In den USA kassieren die New Yorker die Dividenden der texanischen Ölgesellschaften und die Jungen
            überall in den USA zahlen die Renten der Alten in Florida und niemand regt sich darüber auf. Die Bürger der EURO-
            Länder sind nicht so grosszügig und verlangen von ihren Regierungen eine scharfe Überwachung.
            die Befürworter halb voll.

          • ast sagt:

            Herr Zach, die Europäer sind im Gegensatz zu den USA (noch) kein Gemischtwarenladen. Eine Angestellte von „Pizza Hut“ in Alaska fühlt wenig Unterschiede zu ihrer Kollegin in Fort Worth Texas. Eine starke Zentralregierung auf einem Kontinent mit multiplen verschiedenartigen Demokratien einzurichten, das ist gefährlich und für mich nicht nachvollziehbar. Die Geschichte eines geeinten Europa mit der Brechstange zu erzwingen bedeutet Tote, was es zur Zeit Karls des Grossen (dem ersten Universal-Europäer) mehr als genug gab. In den USA kam es zum Sezessionskrieg, bei noch geringeren Unterschieden in der Gesellschaft als heute in Europa. Natürlich, Europa ist die Zukunft -aber nur Weisheit bringt uns in die Einigkeit.

  • K.A. Barett sagt:

    Sehr guter Artikel! Dieser beleuchtet die Komplexität des Probnlems in vorbildlicher Art und Weise. Es ist halt alles nicht so einfach, wie viele Zeitgenossen und Zeitgenossinnen glauben. Heute, Jahrzehnte später und um viele Illussionen ärmer, kann die Heuchelei der Linken geradezu Urstände feiern. Vordergründig scheint ihnen die Entwicklung recht zu geben. Das Rechthaben ist aber nicht einmal die halbe Miete. Dass die Banken nie ein Hort „religiöser Moral“ gewesen sind, weiss jeder. Dass sie über rund drei Generationen hinweg, mit breiter Akzeptanz durch die Politik und das Gros der Bevölkerung, mit Methoden sehr viel Geld verdient und sehr viel Steuern abgeliefert haben, die heute als „anrüchig“ empfunden werden, wissen längst nicht alle; oder es wurde verdrängt. Die Niederlage des „Bankensystems Schweiz“ ist jetzt offensichtlich. „Der Sieg hat viele Väter, nur die Niederlage bleibt ein Waisenkind“. (Erwin Rommel). Was die gutmeinenden Menschen vergessen: Es ist per se schlecht, wenn der Staat, der auch in seiner demokratischen Ausprägung kafkaeske Aspekte aufweist, zu viel über jeden seiner Bürger weiss. Die neuen IT-Systeme sind diesbezüglich Fluch und Segen gleichzeitig. Diese führen dazu, dass der Bürger eher Angst haben muss vor dem Staat als umgekehrt. Das ist grundfalsch und gefährllich. Denn der Staat hat mehr Mittel. Diese Mittel werden
    durch ihn, den Staat, gerne missbraucht. (Siehe US-Geheimdienstaffäre). Vergessen darf man auch zwei Dinge nicht: 1. Der Staat geht mit Steuergeld teilweise unsorgfältig um. 2. „Der Staat ist ein gefühlloses Monster“. (Sören Kirkegaard, danischer Philosoph mit religiöser Attitüde).

    • Michael Berger sagt:

      Ich möchte ihnen in einem Punkt widersprechen:

      Gerade der NSA-Abhör-Skandal hat gezeigt, dass die Bedrohung der Kontrolle und Machtausübung über die Bürger keineswegsvom Staat allein ausgeht, sondern vielmehr vom Verbund von Staat und der Privatwirtschaft. Die Interessen von Staat und Konzernen sind häufig gut miteinander vereinbar und die die Geschichte zeigt dahur auch immer wieder, dass diese Akteure zur Wahrung ihrer Interessen einander gerne aushelfen.
      Aktuell kommt der NSA die Datensammelwut der IT-Firmen zu gute. Die Privatwirtschaft kann umgekehrt auf „Nebenprodukte“ der Geheimdienste zurückgreifen, wie Wirtschaftsspionage. Gerne werden auch protektionistische Gesetzte erlassen.
      Die Verbindung von Rüstungsindustrie und Staat ist ein altes Phänomen (USA, Nazideutschland). Der Staat erhält die Waffen von der Industrie, welche ihm Macht verleihen, und bezahlt die Industrie dafür fürstlich und sorgt auch gesetztlich für gute Rahmenbedingungen, indem er etwa internationale Verbote bekämpft oder Kriege führt.
      Für die Verquickung von privatem Grosshandel und Staat gibt es mit Grossbritannien des 18. und 19. Jh. und der Ostindische Kompanie oder dem Opiumkrieg auch ein gite Beispiele.
      In der Schweiz haben wir eine enge Beziehung von Finanzwirtschaft und Politik. Mit einem vergleichbaren Resultat. Der Normalbürger hat wenig zu melden. Mal wird er als unkundig abgestempelt, weshalb er sich nicht zu äussern habe, mal sind die Sachzwänge angeblich so gross, dass es ebenfalss nicht Zeit ist für eine demokratische Entscheidungsfindung.
      Auch in der USA gibt es eine solche Verbindung. Der Staat bekämpf den Schweizer Finanzplatz. Profiteur ist nicht nur der Staat (USA) sondern besonders der eigene Finanzplatz.

      Vor lauter Angst vor Sozialismus und Kommunismus wird oft vergessen, dass die (angeblich) freie Wirtschaft auch gerne Kontrolle über Gesellschaft und Menschen ausübt.

      • K.A. Barett sagt:

        @Michael Berger: Kein Widerspruch von meiner Seite! Ihre Argumente kann ich auch unterschreiben. Es ist einfach so, dass die Welt aus Interessen besteht, mit Querstreben aus Interessenkonflikten. Wenn man genau und analytisch hinsieht, merkt man, dass wir alle irgendwie in der Sackgasse stecken. Das baut nicht auf! Weil das so ist, treten Heilsverkünder auf den Plan. Die einen wollen das Geld leistungsunabhängig und „gerecht“ umverteilen, die anden wollen es überhaupt abschaffen. (Weil der mensch mit seinen Bedürfnissen auch nach der Abschaffung des Geldes noch immer da ist). Manchmal überkommt einem das nackte Grausen.

  • Josef Marti sagt:

    Aus damaliger Sicht klar, dass man noch einige Jahrzehnte würde vom Hinterziehungsgeheimnis gut leben können (Zitat Ermotti ! UBS); die Zeiten von Fünfer und Weggli sind für die Banken jetzt vorbei (Zitat Hess, Swiss-Mem). Das Hauptproblem ist aber immer noch die organisatorische und personelle Verbandelung von SNB, Banken und Finma (früher EBK); das System funktioniert nach dem Prinzip „die Kontrollierten kontrollieren ihre Kontrolleure“; das hat auch die damalige Initiative noch nicht richtig geschnallt. Das Primat der Finanzwirtschaft über die Realwirtschaft muss endlich gebrochen werden, das geht nur durch Regulierung, EK Vorschriften und Konkursmöglichkeit für die Grossinstitute. Dagegen wird sich die Rechte mit Händen und Füssen wehren; die Banker tüfteln bereits an einer nächsten potentiellen Blase, damit man wiederum kurzfristige Spekulationsgewinne einheimsen kann nach dem bekannten System der verzögerten Schneeballsysteme. Wenn es schief geht hilft ja der Staat. Es nimmt mich schon Wunder wie lange man dabei noch zusehen will.

  • Auguste sagt:

    hmm…, so vorausschauend und weitsichtig die damalige initiative auch war, das timing war schlecht. sie kam zu früh. so wie es für alles einen ort und eine zeit gibt, gilt das natürlich ganz besonders für gelddinge. eine vorpreschen damals wäre zwar eine pioniertat gewesen, aber hätte wohl verhindert, dass cs und ubs heute zu den grössten vermögensverwaltern der finanzwelt hätten aufsteigen können. der finanzplatz schweiz hätte wohl höchstens eine Bedeutung erlangt, die sich etwa mit liechtenstein oder luxemburg vergleichen liesse. und die sitzen heute in der selben patsche.

    der Zeitpunkt rigoros aufzuräumen, wäre nach dem ubs-debakel und anschliessendem us-steuerbetrugsskandal gewesen, aber wegelins hummler und ein paar andere Schlaumeier, die wenigstens nicht publizierten, sahen ihre „15′ of fame and fortune“ – vor allem fortune – für gekommen und torpedierten den volllaufenden schweizer finanz-juggernaut noch einmal so richtig. jetzt steht denen das wasser schon über dem hals und bald schon geht die erste kb unter. danach geht es dann zügig und es wird gerettet werden, was noch zu retten ist, aber vom einst stolzen dampfer „finanzplatz schweiz“ treiben nur noch Rettungsinseln mit verschreckten und zitternden vermögensverwaltern, die alle beten, dass sie nicht an einer us-küste angespült werden, planlos an der unglücksstelle.

    schon wieder bad timing.

  • erich.meier sagt:

    Warum diese Initiative damals abgelehnt wurde ? Ganz offensichtlich weil sie auf breiter Front gegen die Banken zielte und Steuerhinterziehung nur der populistische Vorreiter war — auch heute noch hat die Linke diese Grundeinstellung gegen einen wichtigen Wirtschaftszweig unseres Landes bewahrt. Wenn es nach den übermoralisierten Spielregeln der Linken ginge, müsste (fast) jede wirtschaftliche Tätigkeit verboten werden. Wir würden uns dann einfach von Artenschutz und Sozialhilfe ernähren.

    • Ueli sagt:

      @Erich Meier

      Der Herr Meier lebt wohl immer noch im Kalten Krieg und hat noch nicht begriffen, dass das alte Links-Rechts-Schema so was von Vorgestern ist. Ich sehe jedenfalls nur noch marginale Unterschiede zwischen den etablierten Parteien – die einen wollen ein bischen mehr Zuwanderung, die anderen ein bischen weniger – im grossen Ganzen aber – ist man sich sehr wohl einig.

    • Roger Klöti sagt:

      Warum sollte ich einer Finanzpolitik wie die Ihrer Vertrauen, die nur auf Beleidigungen aufbaut, aber inhaltlich keine einzige Argumentationskette vorweisen kann?

    • Greg sagt:

      „Wir würden uns dann einfach von Artenschutz und Sozialhilfe ernähren.“

      Artenschutz gilt natürlich nur für die „Grossen“ damit die Allgemeinheit weiter alle Lasten (Sozialhilfe) tragen kann ….

      Zum Glück gibt es für einige die Linken, ansonsten könnten diese wohl kaum über sich selber nachdenken!

    • Ueli sagt:

      @erich.meier
      Keine Antwort – ist in diesem Fall – auch eine Antwort: Kapitulation vor dem „Feind“. Naja, wir bilden uns nichts darauf ein.

    • Roland Stuber sagt:

      Wenn es nach den „selbstregulierten“ Spielregeln der Rechten ginge (ich übersetze mal kurz „selbstreguliert“ = Gewinne dem Bankster, dem Abzocker, Verluste der Allgemeinheit, die dann wieder von den Schwächsten der Gesellschaft aufgefangen werden darf, plus Ausgabenbremse NUR bei Gesundheit, Wohlfahrt und Bildung) ginge es uns ALLEN (Ospels, Vasellas, Meiers, Konsorten) besser…?

      die Erich Meier‘ dieses Landes sind ja offensichtlich gottenfroh, dass uns eigentlich immer die Misswirtschaften der rechtsbürgerlichen Kräfte im Land längerfristig den Karren RICHTIG an die Wand fahren… oder verstehe ich Sie falsch e.meier?? Ausgewählte Amnesien im rechtsbürgerlichen Staatsverständnis?

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