Warum niemand Inflation erwartet

Kunden vor einer geschlossenen Bank in Michigan im Jahr 1933. (Foto: Wikipedia)

Der Einflusss der Zentralbanken ist nicht so gross, wie man meint: Kunden vor einer geschlossenen Bank in Michigan im Jahr 1933. (Foto: Wikipedia)

Warum ist es für die Zentralbanken so schwierig, die Erwartungen zu verändern? Die Liquidität steigt auf historisch einmalige Höhen, aber die Banken parkieren das neu geschaffene Geld auf ihren Konten bei der Zentralbank. Selbst in der Schweiz, wo die Staatsfinanzen in guter Verfassung sind und die Binnenwirtschaft boomt, machen sich keine Inflationserwartungen breit. Im Gegenteil, die Konsumentenpreise sind gemäss Bundesamt für Statistik im Mai 2013 weiter gesunken (im Vergleich zum Mai 2012).

Die Antwort scheint einfach zu sein: Niemand scheint der Zentralbank zu glauben, dass es ihr ernst ist. Man geht davon aus, dass die Liquidität sofort wieder zurückgefahren wird, wenn der Aufschwung in Gang kommt. Die Ausweitung der Notenbankgeldmenge wird als vorübergehende Massnahme bezeichnet, nicht als Zeichen für einen permanenten geldpolitischen Wechsel.

Die Ernüchterung über die Macht der Zentralbanken kommt allerdings nicht ganz überraschend. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat bereits in den späten 1970er-Jahren diese Erfahrung gemacht. Als sie die Untergrenze von 80 Rappen pro DM einführte und deshalb in grossem Stil DM aufkaufen musste, kam es nicht zu einem Anstieg, sondern einer Senkung der Marktzinsen. Die Anleger machten die korrekte Beobachtung, dass die Ausweitung der Liquidität nur vorübergehend war. Die SNB-Ökonomen schrieben dazu einen wegweisenden Artikel (Büttler Schiltknecht 1983). Die Schlussfolgerung lautete, dass der Zusammenhang zwischen Geldmengenaggregaten und Inflationserwartungen nicht so eng sei, wie gemeinhin angenommen werde (S. 172):

This observation indicates that the link between money-supply figures and inflationary expectations is certainly not as close as naive advocates of rational expectations contend.

Auch die 1930er-Jahre bieten zu diesem Thema interessanten Anschauungsunterricht. Die Befreiung aus der Weltwirtschaftskrise gelang erst, wenn ein Land bereit war, den Goldstandard aufzulösen und die Währung kräftig abzuwerten. Nur mit einer extremen Massnahmen konnten die Behörden die Anleger, Firmen und Konsumenten davon überzeugen, dass die Geldpolitik von nun an fundamental ändern würde. Besonders eindrücklich war die Wende in den USA nach dem Amtsantritt von Roosevelt im Frühling 1933, wie die folgenden Grafiken zeigen (Eggertsson 2008). Investitionen, Rohstoffpreise, Aktienkurse, Konsumenten- und Grosshandelspreise sowie die Industrieproduktion nahmen schnell zu. Die Erwartungen hatten sich permanent geändert. Und um dies zu erreichen, musste die Zentralbank nicht einmal die Geldmenge erhöhen (Grafik D) – was wiederum beweist, dass der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflationserwartungen nicht so eng ist, wie oft angenommen wird.

Eine Auflösung des Goldstandards in Verbindung mit einer kräftigen Abwertung steht heute den Währungsbehörden nicht zur Verfügung. Japan versucht es nun, mit Abenomics einen ähnlichen Effekt zu erzielen wie Roosevelt in den 1930er-Jahren. Es wird sehr schwierig werden.

132 Kommentare zu «Warum niemand Inflation erwartet»

  • Martin Hark sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes … jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

  • Linus Huber sagt:

    Off-topic

    Die Bevoelkerung kann der Korruption der Banken eigentlich problemlos ein Ende setzen, indem sie einen grossen Teil ihrer Sparguthaben in Bar abhebt und z.B. zuhause im eigenen Tresor lagert.

    Es gibt auch ein Mittel, die staatlichen Ueberwachungsmassnahmen unwirksam zu machen, wenn genuegend Leute ihre Wortwahl in Konversationen entsprechend anpassen:

    http://www.funnyordie.com/videos/ba0cc80eec/nsa-wiretapping-public-service-announcement?playlist=featured_videos

  • Marcel Senn sagt:

    Zensurtest-Kommentar
    (manchmal verschwindet der Kommentar sofort nach dem senden, manchmal kommt die Freischaltemeldung und manchmal erscheint er sogar sofort)
    .
    Ich versteh das nicht…

    • Marcel Senn sagt:

      uuh danke – sofort erschienen…nur schade um den langen Kommentar von vorher, der einfach verschwunden ist..und ich ihn nicht gespeichert habe..:-)

      • Thomas ernst sagt:

        Willkommen im Club.
        Meine Vermutung ist immer stärker, dass der NMTM-Server irgendwo ein kleines Loch hat, wo die Bits und Bytes rausrieseln…

  • Rolf Zach sagt:

    Ich bin schon sehr erstaunt, über die hochstehenden Geldtheorien, die hier dargeboten werden. Wie hiess es doch, der EURO
    werde das Jahr 2012 nicht überleben, die einzige Alternative sei der Kauf von Gold, das hat vor allem diejenigen erfreut die 2011
    Gold gekauft haben. Vor 2007 war der Grünspann der absolute Magier des Geldes und geschätzt von allen Geldmengentheoretikern. Die Herren Bernanke und Draghi müssen wahrscheinlich absolute Stümper sein. Die beiden Zentralbanken hätten wahrscheinlich das ganze System den Bach runterlassen sollen. Die Herren Monetaristen schauen
    tiefgründig in ihre Variablen und denken nach, warum die riesige Geldmengenexpansion ($ mehr als EURO) nicht sofort in Inflation und Staatsbankrott geführt hat. Wahrscheinlich hat man ein Q nicht an die richtige Stelle gesetzt. Warum hab ich Dummkopf nicht EURO-Obligationen von Spanien 2011 erworben. Wahrscheinlich zu viel auf die Geldtheoretiker gehört!

    • Linus Huber sagt:

      @ Rolf

      Ich verstehe Ihre Frust. Es geht wohl den meisten Menschen aehnlich, indem man heute nicht mehr verhaeltnismaessig sichere Anlagen finden kann, welche eine angemessene Rendite versprechen. Dies ist nicht zufaellig, sondern ist bewusst betriebene finanzielle Repression, womit man indirekt Schuldner zulasten von Sparern subventioniert und ebenfalls den Banken die Moeglichkeit bietet, sich zu gesunden. Ob das System den Bach runter geht oder nicht ist nicht wirklich eine Frage, sondern eher, welchem Teil der Bevoelkerung wieviel Leid aufgebuerdet wird. Ich fuer mich bin der Meinung, dass wir die Umverteilung von der Mittelklasse an die 1% erst einmal stoppen muessen, bevor wir andere Umverteilungsmechanismen noch weiter ausbauen. Die Angst vor Deflation hat mehr als krankhafte Zuege angenommen.

    • Linus Huber sagt:

      @ Rolf

      Eine kleine Randbemerkung. Inwiefern das Finanzsystem ohne die getroffenen Massnahmen wirklich abgestuerzt waere ist fraglich und es gibt widerspruechliche Analysen dazu. Der durch die Entscheidungstraeger produzierte Medienhype ist keineswegs als Massstab fuer eine sachliche Darstellung der damaligen Situation zu betrachten.

      Ich erkenne Ihren Drang, die Angelegenheit besser zu verstehen und ich gratuliere Ihnen zu Ihrem eingeschlagenen Weg sich nicht nur passiv mit diesem Thema zu beschaeftigen.

  • will williamson sagt:

    Henry C.K. Liu erklärt das Ausbleiben von Inflation so:
    „Der Mythos, der von den Voodoowirtschaftswissenschaftlern verbreitet wird – wegen ihres Missverständnisses der Beschaffenheit des Geldes als Kredit – ist, dass, Art des Geldes QE „zu drucken“ von den Einzelhandelspreisen inflationär ist. Dieses würde nur der Fall sein, wenn – in einem Bernanke-ähnlichen „Hubschraubertropfen“ – Hunderte von den Milliarden Pfund auf die Bevölkerung verteilt wurden, und sogar dann nur soweit, dass die Empfänger beschlossen, ihre Hypotheken und andere Schulden nicht zurückzuerstatten oder ihr unerwartetes Einkommen zu investieren.“

    In erstaunlich guter Qualität übersetzt von Babylon 10, von mir nur leicht modifiziert.

    • Anh Toan sagt:

      wegen ihres Missverständnisses der Beschaffenheit des Geldes als Kredit

      ?????????

      • will williamson sagt:

        Dass Geld im heutigen System über Kredit geschöpft wird, dürfte allgemein bekannt sein. Dass dies bei den Geschäftsbanken passiert, wird von manchen Ökonomen beanstandet. Liu will daher mit seinem Statement wohl sagen, dass im Falle des Fehlens von massiven Kreditvergaben nicht mit inflationären Entwicklungen zu rechnen ist. Mit dem Hinweis auf „Helikopter-“ Ben unterstreicht er das zusätzlich.

        • Anh Toan sagt:

          was er sagen will, ist mir egal, was er tatsächlich sagt ist, dass Geld sei kein Kredit (=Forderung=Verpflichtung=Obligation), ja was denn sonst bitte gemäss Liu?

          • Thomas ernst sagt:

            Nur für Buchhalter ist Geld=Kredit, weil sie in ihrem selbstgewählten Gefängnis stecken, über dem in goldenen Lettern steht: „Soll=Haben“.

            Jeder gewöhnliche Bauer kann Anh Toan erklären, dass am Baum im Herbst mehr Äpfel hängen, als der Bauer sich während des Jahres geliehen hat.

            Die Natur und das Universum sind KEINE Buchhalter!

          • Anh Toan sagt:

            Was ist Geld?

            Sicher kein materieller Organismus der lebt, wächst, Früchte hat und stirbt, wie die Bäume von denen Sie schreiben. Bäume bedürfen keiner Buchhaltung um zu existieren, Geld schon.

          • Anh Toan sagt:

            Wo machen denn die Banken das „Geld“ von welchem hier geredet wird? Haben die wie die Hanfzüchter Infrarotlampen im Keller oder Druckereien, vielleicht auch Kindersklaven aus Bangladesh die Geld im Akkord machen?

            Nein, wenn machen Sie es in ihrer Buchhaltung, und zwar auschliesslich, also muss es eine Forderung sein.

          • will williamson sagt:

            Er sagt eben das Gegenteil: das Geld sei Kredit. Das ist auch richtig. In der EU müssen die Geschäftsbanken eine Reserve von 1% vorhalten. D.h., dass sie die das 99-fache der Einlagen auf dem Kreditweg (fiat money) emittieren können. In der Praxis wird es etwas weniger sein, da die Bargeldbezüge den Multiplikator reduzieren.

          • will williamson sagt:

            „Wo machen denn die Banken das “Geld” von welchem hier geredet wird? Haben die wie die Hanfzüchter Infrarotlampen im Keller oder Druckereien, vielleicht auch Kindersklaven aus Bangladesh die Geld im Akkord machen?“

            Die brauchen keine Infrarotlampe, keine Druckmaschinen und keine Kindersklaven. Aber einen Computer, in dem sie den verliehenen Kredit verbuchen können. Das reicht. Deshalb ja auch die Bezeichnung „fiat money“.

            Ich habe allerdings auch schon in Streitgesprächen die Frage aufgeworfen, ob das Geld von den Banken oder von Leistungsbringern in der Realwirtschaft „geschöpft“ wird. Wenn wir vom Wechselkredit ausgehen, dann läuft das ja so:
            A liefert B etwas auf Kredit. B ist im Moment nicht flüssig. Also akzeptiert er einen Wechsel von A. Wenn A ebenfalls nicht mehr flüssig ist, reicht er den Wechsel seiner Bank zum Diskont ein und erhält dafür eine Gutschrift oder Bargeld. Je nachdem die Bank ebenfalls Mittel braucht, gibt sie den Wechsel an die Notenbank weiter oder behält ihn bei sich. Bei Fälligkeit wird dieser der Bank von B zur Zahlung vorgelegt. Wird der Wechsel von B nicht eingelöst, wandert er zurück zu A und der Betrag wird diesem wieder belastet. In diesem Fall hat A, nicht die Bank das Geld geschaffen. Die Bank hat ihm nur mit Zahlungsmitteln, mit Geld, versorgt. Man kann das auch bei andern Transaktionen so sehen, aber die momentane „Main Stream“ Ansicht ist die, dass der wesentliche Umfang des Geldes via Kredit der Geschäftsbanken geschöpft wird. Der Notenumlauf der Zentralbanken beträgt nur etwa 10-20 % des Geldumlaufs.

          • will williamson sagt:

            Europa
            Bei der EZB beträgt der Mindestreservesatz derzeit 1%.[4] Es kann also im gesamten Bankensystem theoretisch maximal die 100-fache Menge des Zentralbankgeldes als Giralgeld entstehen. Ende 2011 (bei einem Mindestreservesatz von 1%) waren in der Eurozone 864 Milliarden Euro Bargeld im Umlauf, während die Geldmenge M3 9.740 Milliarden Euro betrug.[5] Der Giralgeldschöpfungsfaktor bzgl. der Geldmenge M3 war also 11.27.
            Quelle: Wikipedia.

          • Anh Toan sagt:

            Die Voodoowissenschaftler verbreiten den Mythos (….) weil sie Geld als Kedit missverstehen, also Geld als Kredit verstehen, was falsch sei.

            Weil Sie Geld als Kredit falsch verstehen verbreiten sie einen Mythos und sind Voodoowischenschaftler.

            Also Geld ist kein Kredit, sonst wäre, wer Geld als Kredit zu (miss)versteht, kein Voodoowischenschaftler und brauchte keinen Mythen zu verbreiten.

            Entweder Sie oder ich müssen Deutsch lernen. Inhaltlich mag das Problem an der èbersetzung liegen, aber was da steht kann ich nur so verstehen, dass Geld in den Augen Herrn Lius kein Kredit ist.

    • Linus Huber sagt:

      @ Will

      Ich verstehe Ihre Auslegungen sehr gut und habe kein Problem, diese sachlich anzusprechen.

      Es gibt tatsaechlich Geldarten verschiedener Qualitaet, welche wohl am besten in der Form einer Pyramide dargestellt werden kann, in welcher Cash (oder Gold, je nach persoenlicher Ueberzeugung) sich an der Spitze der Pyramide befindet, da keinem Kreditrisiko ausgesetzt. Weiter unten in dieser Pyramide befinden sich all die andern Formen von Geld und die gesamte Pyramide kann man der Geldmenge M3 gleichsetzen.

      Es gibt verschiedene Analysen, welche belegen, dass sich zur Zeit das Halten von Cash-Bestaenden erhoeht, wie z.B. in den USA, wo trotz immer hoeherem Anteil an bargeldlosen Transaktionen diese Form von Geld seit 2008 um jaehrlich 7 1/4% wuchs. Dies beruht im Endeffekt auf der zunehmenden Fragwuerdigkeit eines immer hoeheren Anteils des Kreditvolumens und zugleich der damit verbundenen zunehmenden Instabilitaet des Bankensystems. Natuerlich spielen die tiefen Zinsen wohl auch eine Rolle. Die Zahlen der SNB habe ich nicht konsultiert, aber es duerfte der gleiche Trend vorliegen.

      Die Fehlueberlegung der Oekonomen besteht darin, dass sie die Qualitaet der verschiedenen Geldformen nicht wirklich in einem Modell wiedergeben und dadurch die Konsequenzen des Abschreiben von nicht rueckzahlbaren Schulden nicht wirklich beruecksichten koennen. Es erklaert auch die Tendenz, das Problem der Insolvenz ueber die Geldentwertung zu loesen, womit die Kosten des Risikos vom urspruenglichen Risikotraeger an die Allgemeinheit umverteilt wird. Die dadurch in Gang gesetzte langsame Verhaltensveraenderung der Gesellschaft wird natuerlich nicht einmal im Ansatz wahrgenommen.

      Dieses Vorgehen verletzt im Grundsatz den Geiste der meisten Verfassungen der westlichen Staaten, welche dem Eigentumsrecht einen hohen Stellenwert zuordnen.

      • will williamson sagt:

        Etwa in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts propagierten die Banken die bargeldlose Lohnzahlung. Da dies den Unternehmen eine Rationalisierung des Lohnwesens ermöglichte, sprangen sie auf den Zug auf. Die Politiker und die Ökonomen haben damals verschlafen, dass damit Giralgeld als nicht gesetzliches Zahlungsmittel an die Stelle von Noten- und Münzgeld als gesetzliche Zahlungsmittel getreten ist. Die „Vollgeld“- Bewegung will das ändern und im Zusammenhang damit den Geschäftsbanken die Möglichkeit der Geldschöpfung wegnehmen und auf die Nationalbank übertragen. Die Kundenkonten bei den Geschäftsbanken sollen dann wie die Wertschriftendepots aus der Bankbilanz herausgelöst geführt werden. Mehr Infos sind auf monetative.ch oder vollgeld.ch zu finden.

  • will williamson sagt:

    Dass Zitate in englisch in einem Wirtschaftsblog einfach ins Nirwana verschwinden, finde ich schon etwas neben den Schuhen.

    • Thomas ernst sagt:

      @ will

      Das tun sie nicht systematisch, nur manchmal. Manchmal verschwinden auch harmlose, in D geschriebene Beiträge spurlos.

      Also entweder hat der NMTM-Server irgendwo ein Loch, oder die NSA greift sich gelegentlich ein paar Beiträge ab. Schliesslich müssen die United Spies of America auch was zu tun haben…

  • will williamson sagt:

    xyz wir gehn jetzt bald ins bett. den unsinn schreib ich nur um zu testen, ob zitate in englisch im nirvana verschwinden.

  • Thomas ernst sagt:

    Kritik am Originalartikel:

    Man sollte niemals über Inflation(serwartungen) reden, ohne die demographische Entwicklung eine Volkswirtschaft mit zu berücksichtigen.

    Länder mit alternden Bevölkerungen (JP, IR, CH, NL etc) haben eine systemimmanent tiefere Inflationsrate als Länder mit jungen Bevölkerungen wie IN, BR, Indonesien etc.

    Oder vereinfacht gesagt: Die Inflation sinkt mit zunehmendem Alter der Bevölkerung. (Dank an John Mauldin, der diese Studien zugänglich gemacht hat)

  • Beat S. Eberle sagt:

    Zu Japan
    Ende der 80er platze bekanntlich die Preisblasen an den Aktien- und Immobilienmärkten. War diese Preisblase nicht auch auf eine enorme Ausweitung der Geldmenge zurückzuführen? Jedenfalls, die Blase tat was Blasen tun, sie platzte und seit nunmehr über 20 Jahren dümpelt Japan in einer leichten Deflation. Die Notenbank hat zwar erfolgreich eine richtig tiefe Deflation abgewendet, jedoch bis vor kurzem äusserst vorsichtig. Das Geldmengenwachstum ist seit dem Platzen sehr überschaubar geblieben. Dies aus folgenden mir einleuchtenden Gründen: 1. Hohes Durchschnittsalter (ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung lebt von einem fixen (Renten-) Einkommen. 2. Der überwiegende Teil der hohen Staatsschulden wird von Inländern gehalten.
    In dieser Konstellation ist eine hohe Preisinflation sehr unattraktiv.

    Nun heute ist alles anders und wir werden sehen. Jedenfalls leben wir in einer spannenden Zeit.

    Beat

    • Linus Huber sagt:

      @ Beat

      Ich stimme Ihnen zu, dass es spannend werden duerfte.

      Nur ein kleiner Punkt. Genau gleich wie heute fast saemtliche westlichen Nationen, konnte sich Japan in den 90iger Jahren nicht entschliessen, die Fehlinvestitionen abzuschreiben, sondern waehlte den Weg, dies durch Erhoehung der Staatsverschuldung zu verhindern.

  • Beat S. Eberle sagt:

    Guten Abend Herr Straumann

    Haben sie Daten betreffend Korrelation von KPI und Geldmenge für einen längeren Zeitraum (zb für US so ab 1930).

    Immerhin war der Zusammenhang in der Vergangenheit so stark, dass diverse Missverständnisse um das Phänomen Inflation bestehen. Inflation kommt doch vom Lateinischen und bedeutet Aufblähen (der Geldmenge). Heute brauchen wir den Begriff Inflation aber für allgemeine Steigerung des KPI. Und eben diese Wirkung funktioniert nicht mehr. Meine Vermutung ist, dass die Korrelation vor 1980 deutlich höher war.

    Haben wir das belegt stellen sich weitere spannende Fragen: Was hat sich geändert? Warum funktionieren die Transmissionsmechanismen nicht mehr? Und was sind die Konsequenzen daraus.

    Freundliche Grüsse

    Beat Eberle

    • Rolf Zach sagt:

      Herr Eberle. Ich versuchte in meinem Blog diesen veränderten Transaktions-Mechanismus ab 1980 zu erklären. Interessant ist das kein Mensch darauf reagiert hat. Ich werde in Zukunft darauf achten, verständlicher zu schreiben. Ich kann es aber nicht lassen, neue Gedanken einzubringen, die vielleicht die Diskussion bereichern. Ich finde es einfach für mich spannend, die hier verfassten Beiträge über die ökonomischen Grundlagen mit wirtschaftshistorischen Überlegungen anzureichern.

      • Beat S. Eberle sagt:

        Hallo Rolf Zach

        Wissen sie was? Ich verstehe ihre Argumentation nicht, weil ich ein Monetarist bin 🙂
        Ich kann mir nicht helfen, aber diese Feststellung amüsiert mich gerade köstlich.
        Und Monetaristen haben ja heute nicht viel zu lachen…

        Guten Abend
        Beat

        • Rolf Zach sagt:

          Es freut mich, dass Sie als Monetarist wieder etwas lächeln können. Obwohl ich in Deutsch schreibe, werden sie mich als Monetarist nie verstehen und das ist auch logisch. Ein guter Monetarist gibt nicht viel auf Zivilisationen und ihre Entwicklungen. Für einen Monetaristen ist es völlig gleichgültig, ob wir über die Muschelwährungen von Naturvölkern,
          den Goldstandard des 19. Jahrhunderts oder der heutigen $ Reservewährung sprechen. Wichtig ist nur die Menge des Geldes, die man eine Zivilisation hineinpumpt. Eine Zivilisation hat keine Klassenkämpfe und keine politischen und technischen Veränderungen. Sie ist eine statische Grösse, nur das Geld ist dynamisch. Ich finde das langweilig und subjektiv wenig realistisch.

          • Beat S. Eberle sagt:

            Guten Abend Rolf Zach

            Ich stimme Ihnen gerne zu, dass, wenn wir zwischen zwei ansonsten gleichwertigen Theorien wählen können, dass wir dann die weniger langweilige wählen sollten.

            Warum sich ein guter Monetarist sich nicht für Zivilisationen und geschichtlichen Entwicklungen interessieren kann bleibt mir unverständlich.

    • Linus Huber sagt:

      @ Beat

      Sie scheinen zu erkennen, dass der heutige Ansatz, wie Inflation gemessen wird, anscheinend nicht mehr zielfuehrend ist.

      Was hat sich geaendert?

      Die Gesellschaft wurde konditioniert, dass Geld einer dauernden leichten Entwertung unterliegt und hat ueber die vergangenen Jahrzehnte langsam und schrittweise sein Verhalten unter Beruecksichtigung dieser Tatsache veraendert. Nur weil die inflationaere Geldpolitik fuer viele Jahre funktionierte, etwelche wirtschaftliche Schwaechen auszubuegeln und die dadurch entstandenen Ungleichgewichte ins Unermessliche auszuweiten, heisst dies noch lange nicht, dass dieses Vorgehen das Prinzip der Nachhaltigkeit erfuellte. Das Gegenteil ist der Fall, was durch die massiven Ungleichgewichte demonstriert wird.

      • Beat S. Eberle sagt:

        @ Linus

        Ich sehe das so: Im Zuge der Finanzkrise 08/09 haben die Notenbanken die Geldmenge massiv ausgedehnt. Für diese expansive Geldpolitik gibt es zwei mögliche Fortsetzungen:

        1. Geldpolitische Transmission funktioniert -> KPI-Inflation und hoffentlich moderates Wirtschaftswachstum.
        2. Transmission funktioniert nicht. -> wiederum 2 Möglichkeiten:
        2A. Vertrauensverlust in die Währung -> Hyperinflation
        2B. Kein Vertrauensverlust -> das Geld der expansiven Geldpolitik fliesst in Immobilien-, Rohstoff- und Aktienmärkte -> Preisblasen -> Blasen platzen -> Crash -> deflationäre Tendenzen -> Notenbanken reagieren mit Geldmengenausweitung und wir stehen wieder bei Punkt 1.

        Im Moment sieht es so aus als würden wir ein paar Durchläufe nach 2B unternehmen. Die Frage ist, ob, wie und wann die Transmission einsetzt. Die unschönen Szenarien Deflation und Hyperinflation halte ich für grundsätzlich vermeidbar.

        Quelle: Diese Darstellung habe ich vor Jahren in einem Paper gesehen, ich glaub von der UBS.

        • Linus Huber sagt:

          @ Beat

          Ihre Gedanken sind gut nachvollziehbar.

          Ich erlaube mir 2B ein wenig weiter zu erlaeutern.

          Offiziell verzeichnen wir keinen Vertrauensverlust in die Waehrung. Jedoch die Tatsache, dass man sich des Geldes entledigt (aufgrund der langfristigen Konditionierung, welche auf geldentwertender Politik basiert) und in Sachwerte (tangibles) fluechtet, beinhaltet unweigerlich einen zwar schwachen aber trotzdem erkennbaren Trend des Vertrauensverlustes. Da dieser Vertrauensverlust sehr graduell und unbemerkt ablaeuft, wird er als normal empfunden und die Gesellschaft hat sich daran angepasst, indem man z.B. sein Erspartes nicht mehr in der Form eines Sparkontos haelt.

          Die von Ihnen als unschoene Szenarien aufgefuehrten Aspekte von Deflation und Hyperinflation vernachlaessigen hoechst wahrscheinlich eine Mischform derselben. Dies duerfte sich in einer neuen extremen Form von Instabilitaet des Waehrungssystems ausdruecken, in welcher die Kuenstler der Manipulation (wie der Zauberlehrling) die Situation nicht mehr zu kontrollieren vermoegen. Unter Anwendung von Notrecht werden uns die Entscheidungstraeger in solch einer Situation die unangenehmen Entscheide unterbreiten, welche jedoch weiterhin die Macht der Elite ausweiten duerfte.

          Eine Gegebenheit ist fuer mich unausweichlich, naemlich, dass wir alle an Kaufkraft verlieren werden, ob dies nun in Form von unverbluemtem Diebstahl, hoeheren Steuern, hoher Inflation oder reduzierten Renten oder einer Mischform dieser Moeglichkeiten ablaufen wird, ist im Endeffekt eher unwichtig.

          Die Transmission funktioniert nicht, weil keine profitversprechenden Investitionen bestehen und die Plansicherheit aufgrund der Verweigerung die zur Abschreibung anstehenden Fehlinvestitionen zu liquidieren, nicht gewaehrleistet ist.

          • Beat S. Eberle sagt:

            @ Linus

            Eine Mischform von Deflation und Hyperinflation kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Entweder das allgemeine Preisniveau sinkt oder es steigt. Aber beides gleichzeitig? Oder was verstehen Sie unter Hyperinflation / Deflation?

            Transmission: Ich kenne 4 Mechanismen die von einer Geldmengenausweitung zu tendenziell steigenden KPI-Inflation führen:
            1. Zins: Zinsen fallen -> Sparen wird relativ unattraktiv -> mehr Konsum
            2. Kredit: Kredit einfach und günstig -> Schuldenausweitung ->Investitionen und Konsum steigen
            3. Wechselkurs: Währung wertet ab -> Importe fallen, Exporte steigen
            4. Vermögen: Vermögenswerte (Aktien, Immobilien) steigen -> Leute fühlen sich reicher -> Konsum steigt

          • Linus Huber sagt:

            @ Beat

            Ich kenne die generellen Regeln zu Deflation und Hyperinflation und die Dynamik. Das ist keineswegs das Problem.

            Jedoch versuchen Sie zu verstehen, was genau ablaufen wird, wenn das Vertrauen in die Entscheidungstraeger schwindet, wenn wir in immer kuerzeren Abstaenden und mit groesseren Ausschlaegen in die jeweilige Richtung zwischen Deflation und zerstoererischer Hyperinflation lavieren, wenn die Unsicherheit ins Unermessliche steigt, wenn die Schafherde immer staerker und mit immer hoeherer Densitaet manipuliert werden MUSS, um das Kartenhaus nicht einstuerzen zu lassen und wenn die Volalitaet unvorstellbare Ausmasse erreicht.

            Sind scheinen die Faehigkeit der Entscheidungstraeger, die gegenwaertige Situation in alle Zukunft und ohne unverhersehbare Konsequenzen moeglicher verheerender Auswirkungen als Gegeben einzustufen.

            Ihre Folgerung, dass aufgrund tiefer Zinsen der Konsum steigt, kann sich z.B. als eine Fehleinschaetzung entpuppen; es kann auch dazu fuehren, dass aufgrund tieferer Zinseinkommen manch einer sich dazu entschliesst, dies durch zusaetzliche Sparanstrengungen zu kompensieren. Der „Wealth effect“ ist keineswegs garantiert und ist ausgewiesenermassen verhaeltnismaessig klein, da dieser sich hauptsaechlich im oberen Segment der Gesellschaft abspielt, welcher die schwaechste Propensitaet zum Konsum ausweist.

  • Peter Müller sagt:

    Ich bezweifle das die Nationalbank das Geld genug schnell einsammeln kann Wenn die Konjunktur wieder anziehen würde könnten unsere Banker plötzlich auf die Idee kommen die Kreditvergabe drastisch nach oben zu fahren. Dann würde das viele billige Nationalbank Geld in Kaufkraft umgewandelt was die Nachfrage und die Preise steigen lässt. Genug für eine kräftige Inflation. Trotzdem für mich ist die Inflation ist auf absehbarer Zeit besiegt, vielleicht steigende Rohstoff Preise könnten noch etwas Inflation bringen an die Hyperinflation glaube ich persönlich nicht.

    • Linus Huber sagt:

      @ Peter

      Sie machen hier einen kleinen Fehler, indem Sie Hyperinflation mit hohen Inflationsraten gleichsetzen. Normalerweise stimmt diese Annahme natuerlich, jedoch verwenden wir eine verfaelschte Messung der Inflation, indem einzig die Konsumentenpreise dafuer in Betracht gezogen werden.

      Zu einem gewissen Grade unterliegen wir heute und seit vielen Jahren einer unterschwelligen Hyperinflation, wenn man Hyperinflation in seiner Bedeutung als Verlust des Vertrauens in eine Waehrung betrachtet. Wie Sie sicherlich erkennen koennen, wird die Waehrung immer weniger fuer den Zweck des Sparens verwendet, sondern man fluechtet sich immer staerker in Sachwerte. Dies zeigt ein zunehmend schwindendes Vertrauen in eine Waehrung auf. Die Inflation zeigt sich einfach nicht dort, wo sie gemessen wird, sondern in der Form von ueberbewerteten Sachwerten (tangibles).

  • Hans sagt:

    Das Grösste Probelm ist das Unverstädnis des Geldsystems seitens der Menschen und der daraus resultierende den Mangel an Wirkungsvollen Alternativen.

    Dazu einfach ein paar Zitate bekannter und vor allem mächtiger Persönlichkeine lesen UND verstehen:

    „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“
    Henry Ford, 1863-1947

    „Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist_“
    – Gebrüder Rothschild, London, am 28-Juni 1863 an US-Geschäftspartner

    „Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, wird neues Guthaben erzeugt, neue Einlagen, brandneues Geld_“
    – Graham F. Towers (1897-1975), erster Direktor der Bank of Canada (1934-1954)

    „Der Vorgang mit dem Banken Geld erzeugen ist so simpel, dass der Geist ihn kaum erfassen kann“
    – John Kenneth Galbraith (1908-2006), US-amerikanischer Ökonom, Präsidentenberater, Diplomat

    „Einige Menschen denken, dass die Federal Reserve Banken Institutionen der US-Regierung sind. Es sind aber private Monopole, die das Volk dieser Vereinigten Staaten ausbeuten; in ihrem eigenen Interesse und dem ihrer ausländischen Kunden, im Interesse von Spekulanten im In- und Ausland im Interesse von reichen, räuberischen Geldverleihern_“
    – Louis Thomas McFadden (1876-1936), US-amerikanischer Kongressabgeordneter in den 30er Jahren

    „Revolution = Die Notwehr des Volkes, welches in seinen heiligsten Rechten gekränkt ist_“
    – Lothar Bucher (1817-1892), dt. Publizist, Politiker und Beamter

    .Die liste solcher Zitat lässt sich noch ziemlich erweitern….

    Da ist nichts dabei, dass niemand Verstehen kann. Doch die Selbstüberlistung der „Profiteure“ ist halt bemerkenswert

    • Ueli sagt:

      Sie haben Adolf Hitler vergessen. Aber Spass beiseite – Ihr Fokus auf das „raffende Kapital“ (O-Ton Nazis) ist unübersehbar.
      Das KAPITAL AN SICH muss kritisiert werden und nicht nur der anscheinend „undurchsichtige Teil“ – ansonsten endet man mit seiner sehr berechtigten Kritik im Faschismus.
      Es spricht auch Bände, dass Henry Ford ein grosser Fan vom „Führer“ war und die grösste Auszeichnung des „dritten Reichs“ für Ausländer erhielt.

      • Linus Huber sagt:

        Bei Ihrer Aussage stellt sich die Frage, womit Sie das Medium Geld (Kapital) ersetzen wollen und wer genau ueber dieses neue Medium entscheiden wird.

        • Ueli sagt:

          @Linus Huber
          Ihre Frage enthält schon zwei entscheidende Fehler. Erstens ist das Medium Geld etwas anderes als das Kapital. Und zweitens muss nicht immer alles ersetzt werden.

          • Linus Huber sagt:

            Und damit haben Sie uns alle aufgeklaert, was Ihr geistiges Konstrukt einer Gesellschaftsordnung sein soll.

    • will williamson sagt:

      Mit der Feststellung, dass die meisten Menschen das Geldsystem nicht verstehen, haben Sie wohl recht. Für die kommt eben das Geld von der Bank, das Wasser aus der Röhre und der Strom aus der Steckdose. Und damit hat sichs.

      • Ueli sagt:

        @Will Williamson
        „Naiv und unnaiv, das sind Begriffe, so unendlich ineinander verschlungen, dass es zu nichts Gutem taugt, den einen gegen den anderen auszuspielen. Die Verteidigung des Naiven, wie sie von Irrationalisten und Intellektuellenfressern aller Art betrieben wird, ist unwürdig. Die Reflexion, welche die Partei der Naivetät nimmt, richtet sich selbst: Schlauheit und Obskurantismus sind immer noch dasselbe. Vermittelt die Unmittelbarkeit behaupten anstatt diese als in sich vermittelte begreifen, verkehrt Denken in die Apologetik seines eigenen Gegensatzes, in die unmittelbare Lüge. Sie dient allem Schlechten, von der Verstocktheit des privaten Nun-einmal-so-Seins bis zur Rechtfertigung des gesellschaftlichen Unrechts als Natur. Wollte man jedoch darum das Entgegengesetzte zum Prinzip erheben und – wie ich selber einmal es tat – Philosophie die bündige Verpflichtung zur Unnaivetät nennen, so führe man kaum besser. Nicht bloss ist Unnavietät im Sinne von Versiertheit, Abgebrühtheit, Gewitzigtsein ein fragwürdiges Medium der Erkenntnis, durch Affinität zu den praktischen Ordnungen des Lebens, allseitigen mentalen Vorbehalt gegen Theorie selber stets bereit, in Naivetät, das Hinstarren auf Zwecke zurückzuschlagen. Auch wo Unnaivetät in dem theoretisch verantworlichen Sinn des Erweiternden, des nicht beim isolierten Phänomen Stehenbleibens, des Gedankens ans Ganze gefasst wird, liegt eine Wolke darüber. Es ist eben jenes Weitergehen und nicht Verweilenkönnen, jene stillschweigende Zuerkennung des Vorrangs ans Allgemeine gegenüber dem Besonderen, worin nicht nur der Trug des Idealismus besteht, der die Begriffe hypostasiert, sondern auch seine Unmenschlichkeit, die das Besondere, kaum dass sie es ergreift, schon zur Durchgangsstation herabsetzt und schliesslich mit Leiden und Tod der bloss in der Reflexion vorkommenden Versöhnung zuliebe allzu geschwind sich abfindet – in letzter Instanz die bürgerliche Kälte, die das Unausweichliche allzu gern unterschreibt.“

        • will williamson sagt:

          Dieser Kommentar übersteigt meine philosophische Kompetenz. Es geht mir jetzt wie jenem Sowjetbürger, der Radio Eriwan anfragte, ob man mit der dritten Potenz rechnen könne. Radio Eriwan antwortete: „Im Prinzip ja, doch von einem gewissen Alter an nicht mehr!“

        • will williamson sagt:

          naiv = leichtgläubig, unerfahren, einfältig, unbedarft.
          gegenteil = skeptisch, misstrauisch, erfahren.
          un-naiv kennt der Herr Duden nicht.

          • Ueli sagt:

            @Will Williamson

            Der Text benennt es ja sogar selber, was man alles unter „Unnaivetät“ subsummieren könnte: Versiertheit, Abgebrühtheit, Gewitzigtsein.
            Ihr „Gewitzigtsein“ – Herr Wlliamson – offenbart Ihre Naivetät.
            Gratulation, dass Sie als Versuchsperson in unserem kleinen philosophischen Labor, die volle Punktzahl erreicht haben.

          • will williamson sagt:

            @Ueli: Sie glauben aber nicht wirklich, dass mich Ihre Qualifikation in irgend einer Weise auch nur im Geringsten beeindruckt, oder?

          • Johnny Smith sagt:

            @ will williamson

            Es scheint leider Tatsache zu sein, dass auch in diesem Blog gewisse (hier stellvertretend Ueli genannt) primär ihre Arroganz ausleben möchten, die eigene Meinung manchmal etwas abgehoben kundtun (was jedem mal passieren kann) und, wenn jemand anderer Meinung ist oder zugibt, den Sinn hinter dem abgehobenen Gefasel nicht zu verstehen, dieser dann herablassend als naiv qualifiziert wird. Es verschliesst sich mir der konstruktive Sinn hinter diesem Verhalten (aber es muss ja nicht immer alles konstruktiv sein), ein psychologisch versierter Mensch, der ich nicht bin, könnte vielleicht gewisse Rückschlüsse ziehen. Deshalb, lassen Sie sich zu recht nicht beeindrucken.

            @ Anh Toan

            Ueli hat ja anscheinend Humor. Mir ist ein humorloses Ökonomie-Blog-Gegenüber, welches dafür nicht so arrogant und herablassend ist, lieber.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Wie gewohnt, zeichnen Sie sich durch eine Liebe zur Kritik aus, ohne selber konstruktiv zu einer Diskussion beizutragen. Wortklaubereien moegen ja belustigen, fuehren jedoch einzig zu Reibungsverlust in einer Diskussion,und ersetzen nicht die Darstellung der eigenen Position zu einem angesprochenen Thema. Daher empfehle ich Ihnen, einen eigenen Beitrag zum Thema zu verfassen, diesen fuer allermann verstaendlich zu formulieren und sich nicht der pseudo-intelligenten Anwendung der Sprache zu bedienen (Betrachten Sie uns doch bitte als naive Kinder). Damit kommt Ihre Meinung evtl. beim Leser an und bietet dadurch natuerlich eine Angriffsflaeche, welche inhaltliche Kritik erlaubt. Ich hoffe doch sehr, dass Sie selber sich nicht scheuen, sich der Gefahr der inhaltlichen Kritik an den in Ihrem sicherlich interessanten Gehirn ausgebruehten Gedanken auszusetzen.

  • Schlauri sagt:

    Inflation falsch gemessen
    Von 1990 bis 2010 wuchs das BIP in der Schweiz nur um 32%, die Geldmenge aber um volle 274%, ein Indiz für starke Inflation. Viel überflüssiges Geld diente der Spekulation statt der Produktion. Das trieb zwar, u. a. wegen Billigprodukten aus Fernost, nicht die Preise der Konsumgüter, aber jene von Vermögensgütern nach oben, z. B. Immobilien. Die Preise der Eigentumswohnungen in Zürich stiegen von 2005 bis 2010 um über 50%, so viel wie in Amerika vor dem Crash. Die SNB vernachlässigt die Inflation der Vermögensgüter. Die tatsächliche Gesamtinflation ist wesentlich höher als die offizielle. Unserer im weltweiten Vergleich sehr tiefen Staatsverschuldung steht die vermutlich höchste Pro-Kopf-Verschuldung der Privathaushalte gegenüber. J.P. Roth sagte 2002 als Präsident der SNB: „Für die Geldgeber bedeutet dies (die exzessive private Hypothekarverschuldung) ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Daraus lässt sich erahnen, wie wichtig das vergleichsweise tiefe Zinsniveau für die Schweiz ist.“ Der verklausulierte Satz heisst im Klartext: Die SNB muss mit billigem Geld das Schuldenbabylon stützen, weil das Kartenhaus sonst zusammenbricht. Mit den 2 Rappen Zins, den die SNB von einer Geschäftsbank für die Herausgabe einer neuen Hunderternote erhält, deckt sie nicht einmal die 30 Rappen Herstellkosten. Im Schuldenbabylon machen v. a. die Reichen die grossen Schulden, weil sie genug Eigenkapital für eine Kreditaufnahme haben. Es ist das heimliche Ziel der SNB, die Schulden der Reichen auf ihren Vermögensgütern weg zu inflationieren. Damit drohen Kaufkraftverluste der Löhne, Renten und Ersparnisse und eine gigantische Umverteilung von unten nach oben durch inflationäre Aufwertung der Immobilien. Die OECD kritisiert denn auch, dass die Schweizer Schuldenblase durch den Abzug der Schuldzinsen von den Steuern immer grösser wird.

    • Rolf Zach sagt:

      Wenn Sie vorsichtig sind und ihre Hypothek abzahlen, werden Sie mit dem Eigenmietwert entsprechend bestraft. Wenn Sie in einem finanzstarken städtischen Kanton wohnen, ist es noch viel schlimmer als in einem finanzschwachen Landkanton.
      Man nennt das soziale Gerechtigkeit gegen die Vorsichtigen. Nieder mit den Bonzen!

      • will williamson sagt:

        Ich bin seit vielen Jahren ein Gegner des Eigenmietwerts, der 1940 mit dem Wehrsteuerbeschluss eingeführt wurde. Der EMW soll eine Erfindung des 3. Reiches sein. Ob man die Idee von dort übernommen hat oder unabhängig darauf gekommen ist, weil die Rüstung finanziert werden musste, weiss ich nicht.

        Die Hypotheken abzahlen kann man aber auch mit EMW. Wenn 10,000 Franken an Bankzinsen wegfallen, ist das Einkommen zehntausend Franken höher. Die zusätzlichen Steuern betragen dann je nach Progression 2500 – 3500 Franken. Somit bleibt dann trotzdem „mehr Netto vom Brutto“, wie man in Deutschland sagen würde. Aber wie gesagt: Der Eigenmietwert muss endlich verschwinden!!!

        • Thomas ernst sagt:

          JAA!
          Nieder mit dem idiotischen, kontraproduktiven, diskriminierenden, fehlsteuernden, bankenbevorzugenden Eigenmietwert!

          Oder: Eigenmietwert auf dem eigenen Auto, auf den eigenen Kleidern, Eigenarbeitslosigkeitsabgabe auf jedem Staatsangestelltenarbeitsplatz und und und

  • lucius mayer sagt:

    Der Zeitabschnitt im Beitrag ist zu kurz. Das in den VSvA 1933 erzeugte Strohfeuer hielt nicht lange. Erst die Kriegswirtschaft ab 1939 – zunächst die Versorgung der Briten und Russen, dann der eigenen Streitkräfte – brachte «nachhaltiges» Wachstum. «Perpetual war for perpetual peace.» Wie wäre es mit einem überfälligen Ausschlag des Pendels in die umgekehrte Richtung: das Große Schrumpfen?

    • Linus Huber sagt:

      Es wird natuerlich fuer viele Menschen nicht angenehm sein, aber so ueberfaellig wie eine ueberreife faule Pflaume, die sich mit allen Kraeften am Ast festhaelt um nicht auf den Boden zu fallen. Fallen wird sie in jedem Fall, einzig der Zeitpunkt ist fraglich.

  • R. Gasser sagt:

    Ich empfinde es eher als üble PR-Masche zu behaupten, diesmal sei alles anders als 1933. Evtl. kann der Absturz länger hinausgezögert werden als damals, aber irgendwann droht eben doch das Chaos, das dann zuletzt mit gewaltsamer Disziplinierung von Machthabern noch aufgehalten zu werden versucht wird, was unweigerlich in Brutalität münden wird. Also sehen wir uns vor!
    Natürlich kann man behaupten, Schulden könnten ewig erhöht werden, solange es genug Herdentiere gibt, die weiterhin Dollars oder Euros kaufen und erst beim Weltuntergang in millionen oder milliarden Jahren würden alle Schulden ja automatisch getilgt, allerdings auch die Gläubiger…also warum sich Sorgen machen. So sorglos agieren zB. PR und Werbung, also hüten wir uns vor diesen Lügnern.

  • A. Koch sagt:

    Inflation im eigentlichen Sinne (austrian school of economics) ist die Geldmenge im System, und so gesehen haben wir eine ganze Menge davon. Vielleicht ist die Milch in der Migros nicht wirklich teurer geworden, dh. aber nicht das der „offizielle Wrenkorb“ der die Inflation misst, nota bene Preisinflation von einem willkuerlich und immer wieder abgeaendertem Warenkorb (insb. inden USA). Die Preisinflation zeigt sich in den Preisen von Anleihen (und entspechend tiefem Zinsniveau), hohen Aktienkursen, und einer vermeindlichen Immobilienblase (eine Miillion fuer eine schone 3-4 Zimmerwohnung in oder um Basel ist kein Schnaeppchen). Also, „keine Inflation“ = BIG BIG JOKE imho. Wie oben ein Kommentator richtig erwahnt kommt’s am Ende auf die Formel Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit an. Erstere veraendert sich nur relative langsam (ausser im Falle von gewissen Katastrophenszenarien); letztere ist nur schwierig zu kontrollieren und kann sich relative schnell aendern: im Fall eines Sprunghaften anstiegs wuerde sich dann die Geldmengeninflation sehr schnell auf Konsumentenpreise (dh. d „offizielle Inflationsrate“) auswirken.

    • will williamson sagt:

      Es kommt eben darauf an, ob das neu geschöpfte Geld in der Zentralbank bleibt, in die Kapitalmärkte oder in die reale Wirtschaft geht. Wenn im gängigen Sinn von Inflation die Rede ist, meint man die in der Realwirtschaft. Eben, wenn die Milch und das Brot und anderes teurer werden. Dazu müssen die Kapazitäten ausgelastet sein und die Löhne steigen.

      • A. Koch sagt:

        Bleibt es eben nicht. Beispiel SNB, die zig Milliarden neue CHF kreiert hat und damit Euros, europäische (D, …) Staatsanleihen und weiss Gott was noch, gekauft, um den CHF zu entwerten (Untergrenze von 1.20 zum Euro). Die neuen CH Franken aber die existieren, und zirkulieren oder stecken eben in (künstlich) hohen, aufgeblasenen Preisen von Aktien, Staatsanleihen, Immobilen ect. Solange die SNB ihre Bilanz nicht entschlackt, bleibt dies auch weiter so. (QEd 🙂

        • will williamson sagt:

          Der Notenumlauf per 31.12. hat im Jahresvergleich 12/11 um 6 Milliarden zugenommen, die Girokonten inländischer Banken sind um 101 Milliarden, die von ausländischen Banken um 10 Milliarden und die übrigen Sichtverbindlichkeiten um 39 Milliarden gestiegen. Die Devisenanlagen haben um 175 Milliarden zugenommen. Das zeigt, dass die Geschäftsbanken einen ansehnlichen Betrag bei der SNB geparkt haben.

  • Thomas Hartl sagt:

    Vielleicht sind wir auch zu sehr im Dogma der klassischen Inflation gefangen. Bei den meisten Bedürfnissen ist heute das Angebot grösser als die Nachfrage, vieles kann sogar beliebig dupliziert werden. Betrachten wir jedoch die Preisentwicklung bei Gütern die beschränkt geblieben sind, wie Land oder Kunst, so sehen wir eine Inflation.

    • Linus Huber sagt:

      Der Preis von Kunst ist meist ein Ausdruck des Wohlbefindens der 1%.

      Der Preis von Land wird mit von der Nutzungsziffer (kenne den genauen Ausdruck nicht) mit bestimmt, deren Festlegung im Allgemeinen dem Staat unterliegt. Je hoeher der staatliche Einfluss, desto hoeher die Preise, wobei dies nur ein Grundsatz sein kann und in gewissen Bereichen aufgrund monopolistischer Strukturen nicht zutreffen mag.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist das Mass der Dinge, nicht die Ausweitung der Geldmenge! Wenn das Geld nicht im volkswirtschaftlichen Wertschöpfungskreislauf ankommt, dann sind Hopfen und Malz verloren! Seitr wann sprechen wir hier im Westen (inkl. Japan) von einer erhofften oder befürchteten Inflation, d. h. von einem Anstieg sämtlicher Preise (in der Schweiz LIK, Baupreisindex, Produzenten- und Importpreisindex)? Wohl noch lange, davon bin ich felsenfest überzeugt!

    • Linus Huber sagt:

      @ Marcel

      Ich gehe mit Ihnen einig. Die einzige Gefahr liegt eigentlich in einer Hyperinflation (Verlust des Vertrauens in eine Waehrung), was sehr wohl moeglich ist, wenn die gegenwaertige Gangart stark verschaerft wuerde. Japan ist wohl heute der Testfall fuer die Zentralbanker, was genau ablaufen wird, wenn man mit aller Gewalt Inflation erzeugen will. Dies wird eine lehrreiche Affaere werden.

  • Peter Colberg sagt:

    Zitat: „aber die Banken parkieren das neu geschaffene Geld auf ihren Konten bei der Zentralbank.“ Einerseits kommt dieses Geld nie in der Realen Wirtschaft an wo der die KMU’s es dringend brauchen, anderseits verwenden die Banken es zur Masslosen Spekulation an den internationalen Börsen, etwa wie ein Drogenabhängiger der seinen Fix bekommt.

    Die Vergleiche mit den 1930er Jahren sind nicht sehr realistisch, denn damals hatten Europa und Nord Amerika die globale wirtschaftliche Vorherrschaft mit dem markanten Vorteil auch die (damals tiefen) Rohstoffpreise entscheiden zu können. Diese Hegemonie ist mit dem rapiden Aufstieg der BRICS Staaten, allen voran China, verloren gegangen, und viele westliche Länder haben Jahrelang ihre Wirtschaften, mit der Förderung des einheimischen Konsums dank günstiger Kredite und riesiger Kapitalblasen, künstlich erhalten.

    Ohne solche Massnahmen wäre die Arbeitslosigkeit der westlichen Industriestaaten schon vor Jahren massiv gestiegen. Diese gewollte Vertagung bedrohlicher wirtschaftlicher Realitäten infolge des Aufstiegs Chinas und anderer Länder mit wesentlich tieferen Arbeitskosten, wo auch viele westliche Unternehmen im Namen des profits ihre Produktion verlagert haben, hat die Auswirkung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise als Folge des Ungleichgewichts zwischen Kreditkonsum und der realen Wirtschaftsleistung, massiv verschärft.

    Da der Wert einer jeglichen Währung auch die Reale (gegenwärtig schwächliche) Leistung einer Wirtschaft wiederspiegelt, ist für die westlichen Wirtschaften punkto Inflation im Zusammehang mit der von den Zentralbanken eingeleiteten Politik geöffneter Schleusentore auf Dauer nichts gutes zu erwarten: da braut sich ein Finanzsturm zusammen bei dem viele zugrunde gehen werden, auch wenn die gegenwärtigen Zeichen anscheinend nicht so bedrohlich sind. Die alte Regel der Physik, etwa das jede Reaktion eine Gegenreaktion auslöst, könnte mit aller Wahrscheinlichkeit auch in der Wirtschaft gültig sein. Abwarten.

    • Linus Huber sagt:

      @ Peter

      Sie bringen einen zusaetzlichen guten Punkt auf, naemlich die Moeglichkeiten, welche in den 30iger Jahren bestanden aufgrund der verhaeltnismaessig staerkeren Macht des Westens (Great Britain) gegenueber den unterentwickelten Laendern, womit einiges wohl abgefedert werden konnte zu deren Lasten.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Peter

      Ich halte Ihre Aussage, die KMU bräuchten dringend Kredite, für faktenwidrig. Ich führe selber 2 KMUs und bin Mitglied der GL in einer Dritten. Ich rede regelmäsdig mit vielen anderen Leitern von KMUs. Es fehlt nicht an Krediten. Es fehlt an Absatzmärkten, die Leute bestellen zu zurückhaltend. Aufträge werden immer kürzer befristet.

      Kredite würde ich benötigen, um eine neue Produktionsstätte hochzuziehen. Diese brauche ich erst, wenn die bestehende ausgelastet und neues Absatzwachstum in Sicht ist. Beides ist heute nicht der Fall.

      Das billige Geld bleibt bei den Banken, weil keiner was damit anzufangen weiss.

      • Linus Huber sagt:

        Das Symtom heisst: Pushing on a string

      • Josef Marti sagt:

        Da man Investment- und traditionelles Banking nicht eindeutig trennt und die Liquiditätsausweitung nicht an Bedingungen knüpft – trotz Finanzkrise hat man die Deregulierung der Finanzmärkte beibehalten können! – können die Zockerabteilungen weiterhin auf fremdes Risiko weiterspielen und Superboni einstreichen; weshalb man von einer immer noch ausstehenden Finanzblase von 220 Bio weltweit spricht, die bei irgendwelchen immaginären Schuldnern parkiert werden muss und seine Abnehmer sucht. Damit kann man das Märchen wonach hohe Gewinne und hohe Boni zu realen Investitionen für die Volkswirtschaft führen sollen getrost vergessen.

      • Rolf Zach sagt:

        Herr Thomas ernst. Ich kenne Ihren Produkte-Katalog nicht. Es scheint Ihre Bilanz-Relationen sind in einem für Kreditsachbearbeiter vernünftigen Rahmen. Wenn Sie zu wenig Nachfrage haben, muss es eindeutig an zurückhaltender
        Konsumneigung liegen, d.h. die Einkommen sind zu schwach oder zu bedroht. Ebenso ist es der nach wie vor der überteuerte Schweizerfranken für KMU, wie es der Tagi in einem Artikel treffend beschrieb.

        • Thomas ernst sagt:

          @ Rolf

          Wir produzieren ausschliesslich für die Schweiz. Für unsere Produktion ist der CHF-Kurs völlig egal. Aber ja, die fehlende Konsumneigung ist der Kern des Problems. Ein Teil kommt aus der ewigen Angstmacherei der (linken) Politik, die Bedrohungsszenarien erfindet, um dann „zum Schutze“ von irgendwem neue Vorschriften, neue Kontrollen, neue Bürokraten und neue Abgaben zu erfinden. Diese diffusen Ängste machen die Leute ängstlich, zurückhaltend und knauserig. Einfach schlecht für die Entwicklung der Wirtschaft.

  • Armin Bühler sagt:

    Um überhaupt erst eine Inflation provozieren zu können, müsste zuerst die Produktion erhöht werden. Die weltweite Produktionskapazität ist momentan völlig unterlastet. Um dem entgegenwirken zu können, braucht es das Gegenteil von Entlassungen, Lohnkürzungen und Sparprogramme: Es nützt nichts wenn sich wenige Banker einen neuen Ferrari kaufen können, weil sie das billige Geld der Zentralbank dem Steuerzahler teuer ausleihen. Die grosse Masse muss sich wieder neue Fiats kaufen können.
    Anstatt zu sparen, sollte z.B. in Infrastruktur, erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen investiert werden. Solche Massnahmen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern schaffen auch langfristig einen Return on Investment (zum Zurückzahlen der Schulden).

    • Linus Huber sagt:

      @ Armin

      Die zu hohe Produktionskapazitaet entstand auf dem auf Kreditausweitung basierenden Konsum der vergangenen Jahrzehnte. Die Kreditausweitung basierte auf der ankerlosen und inflationaeren Geldpolitik der Zentralbanken, was zu diesen wirtschaftlichen Verzerrungen und Fehlinvestitionen fuehrte.

      Es ist fraglich, ob wir Fehlinvestitionen durch noch weniger nachhaltige Geldpolitik kurzfristig subventionieren sollten? Im Grundsatz und in Anwendung der Prinzipien eines funktionierenden Marktes, muessen solche Investitionen liquidiert werden, wonach sich neuer Wachstum einstellen wird. Ihr Vorschlag ist die Umverteilung der Kosten des Risikos vom Riskonehmer auf die Allgemeinheit, was man kurzerhand als „Moral Hazard“ bezeichnet.

      • Armin Bühler sagt:

        1. Ist mit der Kreditausweitung in erster Linie der Immobilienmarkt massiv aufgeblasen (ohne Schaffung von Mehrwert) und nicht die Produktionskapazität erhöht worden.

        2. Macht es schlicht keinen Sinn an Millionen von Leuten Arbeitslosengelder auszuzahlen, wenn diese Leute stattdessen sinnvoll eingesetzt werden können um z.B. und ausnahmsweise die Abhängigkeit von endlichen, fossilen Energieträgern zu reduzieren.

        3. Ist es schlicht absurd z.B. moderne Solarfabriken einzustampfen, in der Hoffnung irgendjemand wird dann schon wieder in Solarfabriken investieren, wohlwissentlich dass solche Investitionen nie von selbst erfolgen, solange man mit alten abgeschriebenen Kohleblöcken weiterhin Strom produzieren kann und keine Rahmenbedingungen zur Emissionsreduktion gesetzt werden.

        4. Wenn man mit Kriegsinvestitionen einen wirtschaftlichen Boom (siehe zweiter Weltkrieg) generieren kann, dann geht das auch mit nützlichen Investitionen die im Gegensatz zu Waffen zudem einen Return on Investment liefern und ausserdem die Lebensqualität langfristig verbessern.

        • Martin Holzherr sagt:

          Mir scheint alle oben genannten Ziele können besser erreicht werden bei einer wirtschaftlichen Entwicklung, die nicht von Boom&Bust bestimmt wird. Blasen – seien es nun Immobilienblasen oder Blasen bei der Förderung von erneuerbaren Energien – platzen immer irgendwann mit fatalen Konsequenzen für sehr lange Zeit.
          Im Sommer 2012 hat Spanien beispielsweise alle Einspeisetarife auf erneuerbare Energien – sowohl Wind, als auch Sonne, vollkommen gestrichen (siehe http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/11298-solarkraftwerk-in-spanien-ohne-foerderung ). Dies nachdem sie bis 2009 eine grössere Einspeisevergütung für PV zahlte als in Deutschland gezahlt wurde.

        • Rolf Zach sagt:

          Herr Bühler, sie haben hier auf eine wesentliche Ursache des Nicht-Vorhandensein der Konsumgüterinflation angesprochen, trotz $ Geldmengenexpansion und Rohstoff-Hause. Die riesige Ausweitung der Produktionskapazitäten
          der Schwellenländer und ihr unbedingter Wille praktisch zu jedem Preis zu exportieren. Jeder Export ist für die Eliten dieser Länder profitabler als die Ausdehnung des einheimischen Binnenmarktes. Nur China hat die Ellbogenfreiheit vom
          Leistungsbilanzüberschuss her, jetzt den Binnenkonsum zu fördern, aber dies kann sich schnell in ein Defizit verwandeln.
          China hat nicht die schon weltweit prestigereichen Exportgütermarken wie Deutschland, Schweiz, Japan und Südkorea. Schwelländer mit bereits jetzt grossen Aussenhandelsbilanzdefiziten sind und kommen in Teufels Küche. Sie können ihre Exporte nur halten durch Preisnachlass und Lohndruck. Denken sie nur an Kleider, Schuhe, Mittelmeerfrüchte, einfache Halbfabrikate von Komponenten, Stahlprodukte einfacherer Ansprüche, müssen sie billiger liefern in Konkurrenz Bangladesh, Indien und Russland. Sie müssen ihre Kapazitäten ausnützen für den Export. Argentinien kann sich vielleicht ein Moratorium leisten, aber nicht die Türkei. Das Ungleichgewicht der Einkommen bedroht das Finanzwesen und ist ein
          wesentliche Gefahr der Globalisierung und des weltweiten Kapitalismus. Wären die Einkommen besser verteilt, würde die
          Politik der Zentralbank schneller wirken. Der $ als Reservewährung stützt ungemein die Politik der FED. Im 16. und 17.
          Jahrhundert war Potosi der Schätz der Schätze, heute ist es die $-Notendruckerei in Washington. Dort wird das gute Geld für den Welthandel gemacht. Die $-Expansion muss zweigeteilt beobachtet werden. Wie viel $ braucht es für die US-Wirtschaft und wie viel braucht es für den Welthandel und die Rückzahlung der $-Schulden der Schwellenländer. Die US-Regierung ist nicht gegen die EU, aber gegen den EURO. Die Amerikaner begannen auch rücksichtslos gegen den EURO
          zu spekulieren.

        • Linus Huber sagt:

          @ Armin

          Wenn wir die grundsaetzlichen Regeln und Werte, worauf die westliche Gesellschaft basiert, immer staerker untergraben, oeffnen wir Tuer und Tor fuer eine sehr fragwuerdige Entwicklung. Nur weil etwas nicht effizient erscheint, duerfen wir nicht die Grundsaetze der Rechtsstaatlichkeit zunehmend untergraben.

          Sie scheinen nicht zu erkennen, dass wir ueber die letzten 4 Jahre unzaehlige Blasen produzierten, welche irgendwann platzen werden. Das Verhindern des Prinzips „creative destruction“ und die Verteidigung des Status Quo mit allen Mitteln wird das System immer instabiler machen, mit der zunehmenden Moeglichkeit, dass irgendwann ein „Retter“ die Stimme der Bevoelkerung abholt, mit dem Auftrag, die korrupte Elite zu dezimieren.

          Wir koennen nicht mathematische Regeln veraendern, nur weil es uns nicht angenehm erscheint.

  • Linus Huber sagt:

    Einige Fehlueberlegungen sind in diesem Artikel enthalten.

    1. Die Idee, sich in Bezug auf „Inflation“ einzig auf den Konsumentenpreisindex zu fokusieren ist grundsaetzlich falsch, da sich die „Inflation“ in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft auswirken mag. Haben wir nicht eine inflationaere Phase der Asset-Preise (Aktien-Indexe, Bonds, Haeuserpreise, um via „wealth effect“ den Konsum anzuheizen) und der Staatsschulden in den vergangenen 4 Jahren erlebt, um via „wealth effect“ den Konsum anzuheizen.

    2. Der Vergleich zu 1933 hinkt ebenfalls, da damals vorgaengig die Preise sich massiv senken konnten. Der Diebstahl am Volk via Goldkonfiskation und nachfolgender Neubewertung erlaubte eine gewisse Erholung fuer die naechsten 3 Jahre, jedoch sobald man sich von dieser nicht nachhaltigen Geld- und Finanzpolitik wieder ein weniger distanzierte, brach das Wachstum mehr oder weniger wieder ein. Ebenfalls ist es eine falsche Annahme, dass die Depression wirklich endete, wenn man die Lebensverhaeltnisse in den Jahren nach 1933 studiert. Es handelte sich einzig um Kosmetik, wobei die Abwertung natuerlich sich eher positiv auf die geldpolitischen Manipulationen auswirkte.

    Wie Marcel erwaehnt, kann die Umlaufgeschwindigkeit nicht wirklich beeinflusst werden von den Zentralbanken, ausser sie schaffen Geld mit einem Verfalldatum (was keineswegs eine abwegige Idee ist, da schon einmal in Erwaegung gezogen unter Clinton und Rubin). Da das grundsaetzliche Problem nicht anerkannt wird, eroeffnet sich ein immer weiterer Graben zwischen den Oekonomen. Die einten rufen nach mehr und mehr (z.B. Krugman mit seinen keynianischen Gefolgsleuten) und andere zeigen mit dem Finger auf die negativen Konsequenzen der gegenwaertigen Geldpolitik (z.B. Volcker, Weidman, Stockman).

    Die gegenwaertige Geldpolitik versucht zu erreichen, dass sich der Buerger zwecks Steigerung des Konsums noch staerker verschulden soll. Eine laecherliche Proposition. Situation zu komplex fuer eine Analyse im Blog.

    • will williamson sagt:

      Die Umlaufsgeschwindigkeit ist sicher eine nicht zu vernachlässigende Grösse. Kostolany hat mal geschrieben, in Budapest habe in den 30-er Jahren keine Not geherrscht. Es habe zwar nur einen einzigen Forint gegeben, der sei aber jeden Abend in einer anderen Tasche gewesen. Das hat er natürlich nicht ernst gemeint, damit aber den Sachverhalt illustriert. Mit einer Tausendernote könnte man so theoretisch einen Umsatz von 365,000 im Jahr generieren.

      Geld mit Verfalldatum halte ich für keine gute Idee. Daraus ergäbe sich der Zwang, vor dem Verfall die Kohlen auszugeben. Problematisch, wenn wir gerade keinen Bedarf für etwas haben.

    • Johnny Smith sagt:

      Sie bringen gute Punkte zum recht knapp gehaltenen Artikel ins komplexe Thema Inflation, Zinsen und Geldmenge ein.

      Erstens haben wir an verschiedenen Stellen die angesprochene Asset-Inflation. Dass wir (angeblich) keine Inflation haben, liegt allein an der Definition von Inflation, die üblicherweise auf die Konsumentenpreise ausgerichtet ist. Dort sehen wir in der Tat nur tiefe Inflation (auch wenn es die Shadowstat-Anhänger anders sehen).

      Zweitens: Bevor diskutiert wird, ob Inflation kommt oder nicht, sollte die Diskussion geführt werden, ob und falls ja in welchem Umfang Inflation (nehmen wir jetzt hier die Fokussierung auf die Konsumentenpreise) sinnvoll und wünschenswert ist. Oft wird ja gesagt, ‚gute‘ Inflation sei ein Schmiermittel für die Wirtschaft. Das leuchtet mir in ‚vernünftigen‘ Massen (sowohl was die Inflationshöhe, als v.a. auch was die Ausgangslage der Verschuldung betrifft) ein. MMn haben wir diese vernünftigen Bereiche längst verlassen und befinden uns in Bereichen, wo negative Effekte der tiefen Zinsen die positiven überwiegen. Das einfachste Argument haben Sie bereits erwähnt: obwohl wir wegen unserem gigantischen Schuldenaufbau der vergangenen Jahrzehnte verletzbarer geworden und auch in die Finanzkrise gefallen sind, wird mit den extrem tiefen Zinsen das Schuldenmachen belohnt (was nicht gleichbedeutend ist mit Unterstützung für weniger begüterte, oft profitieren davon eher die Reichen, die Vermögensschere geht weiter auf). Dass Schuldenmachen belohnt wird, macht vor diesem Hintergrund mMn absolut keinen Sinn, allfällige Konsumankurbelung (scheint zudem nicht so richtig zu funktionieren) hin oder her.

    • Rolf Zach sagt:

      Die USA war 1929 ein ökonomisches Paradies. Das magische Viereck war total vorhanden. Nur Deutschland war technologisch auf gleicher Höhe wie die USA. Der Börsensturz und das Nichtbeachten von Washington von üblen Finanzspekulationen hat die nachfolgende Massenarmut verursacht, die den Mittelstand ruinierte und Unternehmer, die durchaus gute Investitionen tätigten, aber sich dadurch verschuldeten, den Konkurs brachte. Die Aussage von Mellon
      war ungefähr die folgende „liquidiert alles, lasst diese Typen über den Jordan gehen“. Hätte man dieses Mellon-Prinzip
      2008 angewendet, würden wir heute alle in den Strassen von Zürich betteln und die UBS-Aktie könnte man für ein bestimmtes Örtchen verwenden. Schon bereits 1929 bewegten sich die Rohstoffpreise stark abwärts. Der Goldpreis von ca. $ 21 zwang viele Goldminen in Südafrika zu Betriebseinstellungen. Für die Menschen war die Aufhebung des Goldstandards ein Segen und nicht eine Konfiskation. Der Fehler von Roosevelt war, dass er nach 1936 in der Makroökonomie eine orthodoxe Wirtschaftspolitik einführte, die die Krise in den 2. Weltkrieg verlängerte. Japan hat eine Politik nach Keynes betrieben und England hat vieles nach der £-Abwertung 1931 wieder aufgeholt, was es in 20er Jahren verloren hat. Was ist daraus zu lernen?
      Eine Geldmengenexpansion mit tiefen Zinsen ist keine so grosse Inflationsgefahr, wenn ungenützte Kapazitäten vorhanden sind und die Finanzmärkte streng kontrolliert werden. Die Leute brauchen eine Erwartungs-Sicherheit von Einkommen und Vermögen, gleichfalls die Unternehmen und Kommunen. Natürlich hat man 2008 halbseidenen Geschäftsleuten das Überleben ermöglicht, die man in den 30er Jahren zu Recht ersäuft hat. Trotz allem aber ist dies besser, als ein reinigendes Gewitter, dessen Resultat ein Leichenhaufen ist von vielen Unschuldigen. Lieber Spekulationen stark besteuern und handeln als auf
      Gottes Strafe zu warten. Ein guter Spruch von Samuelson „What man can do, can man undo“.

      • Linus Huber sagt:

        @ Rolf

        Sie scheinen von der Voraussetzung auszugehen, dass die gegenwaertige Krise bereits hinter uns liegt. Ebenfalls scheinen Sie wohl der Meinung zu sein, dass die Kuenstler der Manipulation in der Lage sind mathematische Regeln ausser Kraft zu setzen. Haben Sie keine Zweifel an Ihrer Ueberzeugung? Wissen Sie, was genau Sie mit Inflation bezeichnen und wie relevant diese Kennziffer tatsaechlich ist?

  • Thomas ernst sagt:

    Wie Harvard schon vor etwa 5Jahren in einer breit angelegten Studie herausgefunden hat, hängt die Inflation nur davon ab, welche Inflationsrate das Publikum/die Märkte erwarten. Das ist ein klares Beispiel für eine self-fullfilling prophecy.

    Erwartungen manipulieren kann man am besten dann, wenn man selber über viel Macht und eine hohe Glaubwürdigkeit verfügt. Beides haben Notenbanken weltweit heute kaum mehr.

  • Josef Marti sagt:

    Es ist weniger die Notenbankgeldmenge, die bei der SNB erweitert wird als die massive Zunahme der Giroguthaben der Geschäftsbanken infolge der Milliarden von Devisenkäufen. Zeitweise hat sich die SNB sogar mit der Herausgabe von SNB Bills zusätzlich verschuldet zur Finanzierung dieser Käufe. Dagegen kauft die Fed wie wild Staatsanleihen auf mit ähnlicher Zielsetzung. Wenn diese Giroguthaben nur zögerlich in die Märkte via Kredite fliessen und ein japanisches Stagnationsklima herrscht mit tendenziell sinkender Geldumlaufgeschwindigkeit, stagnierenden Reallöhnen, negativer Teuerung und tiefsten Leitzinsen, dann dürfte die Inflation noch ein Weile auf sich warten lassen. Trotz Tiefzinsen gelingt es nicht, die Wirtschaft anzukurbeln. Sollte nun auch noch der Konsum zusammenbrechen ist die Deflation perfekt.

    • Linus Huber sagt:

      Die gegenwaertige Geldpolitik umverteilt von unten nach oben. Die Propensity zu konsumieren ist bedeutend hoeher bei den finanziell schaecheren Bevoelkerungsschichten, womit der Konsum sicherlich zunehmend leiden duerfte.

      Das Problem liegt darin, dass man nicht weiss, wie die Zentralbanker darauf reagieren, da sie ja nicht in der Lage sind, vergangene Fehler anzuerkennen. Die Instabilitaet duerfte sich massiv erhoehen.

  • Albrecht sagt:

    Man fragt sich, was passieren würde, wenn eine Zentralbank, anstatt durch die Banken die Geldmenge zu erhöhen, jemand anderen suchen würde, z.B. jedem Bürger eine bestimmte Summe in bar auszahlten. Die Bürger können ja das Geld nicht bei der Zentralbank deponieren, also müssen sie etwas anderes tun, Schulden bezahlen, etwas kaufen etc.

    • Johnny Smith sagt:

      Ich habe einen solche Idee schon mal in einem Kommentar an anderer Stelle gelesen. Gibt wohl auch viele andere Probleme, aber als interessantes Gedankenexperiment: Wenn, wie viele behaupten, die agressive Geldmengenexpansion fast aller Zentralbanken keine Inflationsprobleme schaffen würde, wieso dann nicht die Geldmengenausweitung demokratisch gestalten? Jeder Einzelne hat eine gewisse Menge an neu geschaffenem Geld zu gut und nicht eine zentrale Stelle, welche das dann an Banken zu Günstlingskonditionen weitergibt…

      • will williamson sagt:

        Die Vollgeldtheorie beinhaltet Ihren Gedanken auch. Mir scheint schon klar, dass die zusätzliche Liquidität keine Inflation erzeugt, wenn sie bei den Notenbanken deponiert wird. Damit Inflation entstehen kann, muss Geld in die Realwirtschaft fliessen. Wenn die Leute kaufen, dann produzieren und investieren die Unternehmer und die Kapazitäten nähern sich der Auslastungsgrenze. So lange die Auslastung der Produktionskapazitäten ungenügend ist, stellt sich kaum Inflation ein.

        Allenfalls resultiert eine „Asset Inflation“, da ein Teil des Geldes in die Spekulation geht. Dass die Börsen in der Regel gut laufen, wenn viel Liquidität am Markt ist, ist eine bekannte Tatsache.

    • Linus Huber sagt:

      @ Albrecht

      Dies wuerde den Weg einer Umstrukturierung der Geldmenge eroeffnen, indem das Kreditvolumen unter Ausweitung der Basisgeldmenge reduziert wuerde. Ein Weg, welcher der Finanzindustrie die Fluegel stutzen wuerde, weshalb es auch nie wirklich zur Diskussion steht. Ein guter Gedanken, welchen Sie hegen.

    • J. Kühni sagt:

      @Albrecht: aka bedingungsloses Grundeinkommen …

      • Thomas ernst sagt:

        @ J.

        BGE würde das erst, wenn die Zahlungen regelmässig erfolgen. Das sollte dann aber nicht über die Notenbank (Geldmengenausweitung), sondern über den Staatshaushalt (Steuergeld) erfolgen.

        Was ich vor ein paar Wochen hier vorgeschlagen hatte, war eine einmalige Zahlung von 30’000 CHF an jeden steuerpflichtigen Schweizer Bürger/in. Das ist höchstens eine Art bedingungsloses Grundvermögen.

    • Jon Caduff sagt:

      Das nützt höchstens etwas, wenn die Leute das Geld nicht einfach sparen (also auf der Bank deponieren). Allerdings führt das meiner Meinung nach dann zu folgenden Problemen:
      a) Das Bankensystem wäre nach wie vor unterkapitalisiert, so dass die Kreditverknappung nach wie vor anhält.
      b) Aus a) folgend, stehen den Geschäften nur beschränkt Kredite zur Verfügung, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen, um die gestiegene Verbrauchermachfrage zu befriedigen.
      c) Aus b) folgend, werden Preise (und in gewissem Masse auch die Löhne) steigen.
      d) Aus c) folgend würde eine Inflation enstehen, die wiederum die Massnahme, das Geld direkt unter den Bürgern zu verteilen, wieder entwertet.

      Fazit: Ich persönlich halte es für besser, zunächst das Bankensystem wieder zu rekapitalisieren und gleichzeitig zu versuchen, die Nachfrage anzukurbeln (z. Bsp. in dem der Staat grössere Infrastrukturvorhaben vorzieht).

      • Thomas ernst sagt:

        @ Jon

        Sie unterliegen einem verbreiteten Irrtum. Die KMUs – 80% der Wirtschaft – können die Produktionskapazitäten OHNE Kredite aus dem Stand um 25% erhöhen. Dazu brauchts höchstens ein paar Mitarbeiter und Schichtbetrieb, aber keine Investitionen.

        Das Bankensystem muss auf die Kernfunktionen (Zahlungsverkehr, Kontoführung, Banalkredite) ohne Spekulation und Investment(= Abzocker)-Banking zurückgeführt werden. Dann werden sich die gierigen Schmarotzer woanders tummeln.

  • Gabriel Schneider sagt:

    Flassbeck schrebt 2012: „Inflation hat jenseits des monetaristischen Dogmas genau zwei Ursachen bzw. eine Kombination aus beiden: hohe Nachfrage und stark steigende Kosten. Beides können Zentralbanken initiieren, wenn es ihnen gelingt, die Nachfrage anzuregen und in deren Gefolge die Löhne stark steigen. Ohne diese beiden Faktoren gibt es keine Inflation. Die Weltwirtschaft ist aber davon unglaublich weit entfernt. Daher kann von Inflation nicht die Rede sein. Weil die herrschende Lehre der Ökonomen das Dogma der ausschließlich die Inflation steuernden Zentralbank jedoch für ihren ideologischen Überbau braucht, kann sie den populären Vorurteilen nicht entgegentreten.“
    http://www.flassbeck.de/pdf/2012/Jan2012/Die%20Mythen%20der%20Krise_Capital.pdf

    • Rolf Zach sagt:

      Danke für diesen Hinweis. Flassbeck erklärt die Hauptsache nicht nur fundiert, sondern auch für uns Leser in einem verständlichen Deutsch. Keynes war in seinem Hauptwerk 1937 mit dem Leser nicht so gnädig.

      • Josef Marti sagt:

        Auch wenn man kein Anhänger von Keynes sein muss, neige ich dazu Flassbeck vollumfänglich zuzustimmen. Beachtenswert auch seine Aussagen in diversen Interviews zur deregulierten Finanzwirtschaft.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Gabriel

      Danke, dass Sie uns diese Perle ausgegraben haben!

      Gottseidank wird das Ganze von den Hohepriestern des heiligen Marktes völlig ignoriert werden. Sonst würden Sie wohl schon morgen versehentlich von einer US-Kampfdrohne erschossen – Yes, we can…

    • Linus Huber sagt:

      @ Gabriel

      Guter Artikel, allerdings wird die langfristige Wirkung geldentwertender und inflationaerer Politik der vergangenen Jahrzehnte (vor 2000) auf das gesellschaftliche Verhalten in der Analyse zu wenig oder gar nicht betrachtet, resp. beruecksichtigt. Inflationaere Geldpolitik heisst nichts anderes, als durch entsprechende Geldpolitik das Anpeilen oder Erlauben des Kreditmengenwachstums ueber dem Wirtschaftswachstum.

      Die Bildung der heutigen enormen Ungleichgewichte wurde durch diese Geldpolitik ermoeglicht. Natuerlich koennen sich auch unter einer werterhaltenden Geldpolitik Ungleichgewichte bilden. Jedoch nicht zu diesem Ausmasse und eine sich immer wiederholende Reinigung des Systems waere akzeptierter und integraler Teil des Wirtschaftssystems.

  • Marcel Senn sagt:

    Wenn man die Money Velocity der Geldmenge MZM (erweiterte M2) der USA anschaut, dann merkt man das der Wert von 1.38 der mit Abstand tiefste Wert seit 1960 ist (die Graphik beginnt auch erst dort)

    Siehe St. Louis Fed http://research.stlouisfed.org/fred2/series/MZMV?cid=32242

    Inflation entsteht ja erst wenn eine erhöhte Geldmenge mit eine hohen Umlaufgeschwindigkeit gekoppelt ist! Eine so historisch tiefe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist ein Zeichen, dass es mit der US Wirtschaft nicht zum besten steht.

    Auf der anderen Seite sieht man in den Jahren 1980 bis 1983 eine Umlaufgeschwindigkeit von bis zu 3.5 und damals herrschte eine sehr starke Inflation (bis zu 13.5% 1980) und einr Prime Interest Rate von 20% !! im April 1980.

    Inflation is a question of velocity – thats the point! Die interessante Kurve ist ja eigentlich Geldmenge mal Geschwindigkeit im laufe der Jahre.

  • George Aengenheister sagt:

    Die Frage stellt sich: Betrachten wir ein technisches Problem, oder eher ein Orientierungsproblem? Wir sitzen in komfortablen und technisch einwandfreien Limousinen zu sensationellen Preisen, wissen jedoch nicht wirklich, wohin die Reise führen soll und beim kleinsten Versuch, das Wagnis einer Reise zu beginnen, stecken wir im Stau neben der zufällig identischen Kopie unserer Limousine. Technisch betrachtet, müssten wir nun freie Flächen zubetonieren, und doch wissen wir alle ziemlich genau: Das alles macht doch keinen Sinn. Darum geht es nicht weiter, inflationslos, weil in den Köpfen deflationärer Frust vorherrscht und sich die Menschen (Männer?) vorsichtshalber in die sicheren Höhlen zurück ziehen. Keine Mission? Demission!

    • Thomas ernst sagt:

      …schönes Bild, das mit den Limousinen und dem Stau. Gefällt mir.

    • Albert Baer sagt:

      Was zu tun wäre steht ja schon im Titel dieses Blogs: Never mind the markets! Vergesst die Märkte!

      Märkte sind sinnlose Dinger wie z.B. ein Hammer. Erst die menschlichen Bedürfnisse geben dem sinnlosen Ding einen Sinn und es wird zum Werkzeug des Sinns.
      Wir aber haben dieses Werkzeug zum Sinn erklärt und leben in einer Hammergesellschaft und Hammerwirtschaft.
      Werkzeuge werden uns aber nie die Frage nach dem Sinn des Lebens abnehmen. Kein Hammer kann uns sagen, ob es sinnvoll ist, einen Nagel einzuschlagen oder nicht. So schlagen wir sinnlos Nägel ein, einfach deshalb, weil wir einen Hammer haben.
      Dabei hätten wir einen Sinnkatalog mit breitem Konsens: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

      • Anh Toan sagt:

        „In the beginning, God created the earth, and he looked upon it in His cosmic loneliness. And God said, „Let Us make living creatures out of mud, so the mud can see what We have done.“ and God created every living creature that now moveth, and one was man. Mud as man alone could speak. God leaned close as mud as man sat up, looked around and spoke. Man blinked. „What is the purpose of all this?“ he asked politely. „Everything must have a purpose?“ asked God. ‚Certainly,“ said man. „Then I leave it to you to think of one for all this,“ said God. And He went away.“

        Kurt Vonnegut.

        • Anh Toan sagt:

          Ian Dury’s Konsequenz, passend zum Blogmotto:

          „Keep your silly ways, or throw them out the window
          The wisdom of your ways, I’ve been there and I know
          Lots of other ways, what a jolly bad show
          If all you ever do, is business you don’t like

          Sex and drugs and rock and roll
          is very good indeed“

          @Albert Baer: Das Konzept der Menschenrechte taugt nicht, um unserem Dasein einen Sinn zu geben. Die Frage, warum es Menschenrechte geben soll, können die Menschenrechte nicht beantworten. Auch die Menschenrechte sind letztlich ein Mittel, jedoch zu welchem Ziel, welchem Sinn?

          • Rolf schumacher sagt:

            Der Sinn des Lebens besteht darin kein sinnlloses Slaughterhousen 666 zu hinterlassen, sonden eine solide Basis fuer die persoenliche Zukunft. Wer dem flammenden Stern der Pseudoillumination nachjagt wird reich und maechtig, égal ob Deflation Oder Inflation herrscht,aber er verspielt dabei die eigene Seele ( Ewigkeit).

          • Albert Baer sagt:

            @Anh Toa

            Stimmt, die Menschenrechte sind aus Sinnüberlegungen entstanden. Was aber ist der Sinn?

            Geht man davon aus, dass es einen letzten Sinn des Lebens nicht gibt bzw. dass uns derselbe immer verborgen bleiben wird, dann geht man sinnvollerweise von der Sinnfreiheit des Lebens aus. Das Leben ist also sein eigener Sinn und damit entspricht das Leben exakt dem Spiel. Auch ein Spiel ist an und für sich sinnlos. Der Sinn des Spiels ist sein spielen und dem dabei empfundenem Spass an der Freud.

            Das Leben ist ein Spiel in das jeder von uns ungefragt geworfen wird. Entpuppt sich das Spiel als freudvoll ist es ein grosses Geschenk. Entpuppt sich das Spiel als leidvoll ist es ein grosser Fluch.
            Die Menschenrechte definieren die Bedingungen, wann Menschen an diesem Spiel Spass haben.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Albert

            Hier sind Sie mE auf dem Holzweg. Die Menschenrechte sind Zeichen der Überwindung der mythischen Kultur (Merkmale: Clans, Pyramiden, Geschichten, Patriarchat, Machtorientiert) und Eintritt in die Rationale Kulturstufe mit den Merkmalen: Primat des Individuums, Wissenschaft, Wissensorientiert, aufgeklärt.

            Die Menschenrechte sind individualistisch, dh der Einzelne ist wichtig(er), nicht der Clan, die Partei, das Land.

            Asien – siehe Anh Toan – hat diese Stufe genauso wenig erreicht, wie der Islam. Sie blieben alle patriarchalisch, hierarchisch, machtorientiert. Ehre ist wichtig, nicht Würde. Würde ist intrinsisch individuell.

            Der Sinn kann nicht in den Menschenrechten stecken, diese sind nur (aber unverzichtbar) Voraussetzung für die Entwicklung der persönlichen Freiheit.

            Diese ist – imho – das echte Ziel der Entwicklung: Die maximale Freiheit JEDES Menschen in seinen Entscheidungen. Als Teil des Universums macht das Leben für einen Menschen nur Sinn, wenn er nicht ein vordefiniert agierender Automat (Roboter) ist, sondern mittels freiem Willen sein eigenes ER-Leben gestalten kann.

            Ich empfehle Ihnen Charles Eisenstein, Renaissance der Menschheit und/oder Ken Wilber, Halbzeit der Evolution. Beide bei Amazon.

      • Ueli sagt:

        @Albert Baer
        Ja, ja – als die Menschen noch religiös waren glaubten sie an ihre 10 Gebote und heute schwadronieren sie von „Menschenrechten“. „Gesellschaft“ ist, im guten Sinne der „Menschenrechte“, ein Zusammenhang der Menschen in bezug auf ihr Dasein, und zwar in der Ebene, in der ein Stück Brot, das einer isst, den anderen NICHT SATT macht.
        Die Menschenrechte betrachten den Menschen nur als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, d.h. den egoistischen, vom Gemeinwesen isolierten und damit feindselig gegenüberstehenden Menschen. Sein Recht auf Freiheit basiert nicht auf der Verbindung mit anderen, sondern der Absonderung von anderen Menschen. Sein Recht auf Privateigentum lässt ihn im anderen Menschen nicht die Verwirklichung, sondern die Schranke seiner Freiheit finden. An die Stelle der Freiheit von der Religion tritt die Religionsfreiheit, an die Stelle der Freiheit vom Eigentum die Freiheit des Eigentums, an die Stelle der Freiheit vom Egoismus der Gewerbe die Gewerbefreiheit.
        Die Menschenrechte entpuppen sich als blosse Klassenrechte der Bourgeoisie. Ihre Anerkennung durch den modernen Staat hat keinen anderen Sinn als die Anerkennung der Sklaverei durch den antiken Staat. Ihre gesellschaftliche Basis bilden die für die Zirkulationssphäre der kapitalistischen Warenproduktion erforderliche FREIHEIT UND GLEICHHEIT DER TAUSCHENDEN.
        Die wirkliche Freiheit des Menschen dagegen, in der die freie Entwicklung des einzelnen DIE BEDINGUNG für die freie Entwicklung ALLER ist, setzt die Aufhebung des kapitalistischen Privateigentums und damit der Klassengegensätze voraus.

        • Albert Baer sagt:

          @Ueli

          „Die wirkliche Freiheit des Menschen dagegen, in der die freie Entwicklung des einzelnen DIE BEDINGUNG für die freie Entwicklung ALLER ist, setzt die Aufhebung des kapitalistischen Privateigentums und damit der Klassengegensätze voraus.“

          Das sehe ich eigentlich auch so.
          Das Recht auf Eigentum in den Menschenrechten sagt ja noch nicht, wieviel und was man besitzen dürfen/können sollte. Meiner Meinung nach sollte jeder das Recht auf persönliches Eigentum im Umfang des Inhalts einer sarggrossen Kiste haben. Was darüber hinaus geht sollte als globales Gemeingut gesehen werden und gemeinschaftlich/genossenschaftlich nachhaltig verwaltet werden.
          Ich finde eh, man sollte den Menschenrechten noch Menschenpflichten beiseitestellen.

          • Ueli sagt:

            @Albert Baer

            „Das Recht auf Eigentum in den Menschenrechten sagt ja noch nicht, wieviel und was man besitzen dürfen sollte.“

            Wieso sollte die herrschende Klasse auch so blöd sein und in IHRER DEKLARATION der Menschenrechte, welche nur dazu dient IHR EIGENTUM zu schützen, dieses zu begrenzen?

          • Ueli sagt:

            @Albert Baer

            „Auf die Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft erhält man Antworten wie die Erfüllung der menschlichen Möglichkeiten oder den Reichtum des Lebens. So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstossende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: das keiner mehr hungern soll. Alles andere setzt für einen Zustand, der nach menschlichen Bedürfnissen zu bestimmen wäre, ein menschliches Verhalten an, das am Modell der Produktion als Selbstzweck gebildet ist. In das Wunschbild des ungehemmten, kraftstrotzenden, schöpferischen Menschen ist eben der Fetischismus der Ware eingesickert, der in der bürgerlichen Gesellschaft Hemmung, Ohnmacht, die Sterilität des Immergleichen mit sich führt. Der Begriff der Dynamik, der zu der bürgerlichen „Geschichtslosigkeit“ komplementär gehört, wird zum Absoluten erhöht, während er doch, als anthropologischer Reflex der Produktionsgesetze, in der emanzipierten Gesellschaft selber dem Bedürfnis kritisch konfrontiert werden müsste. Die Vorstellung vom fessellosen Tun, dem ununterbrochenen Zeugen, der pausbäckigen Unersättlichkeit, der Freiheit als Hochbetrieb zehrt von jenem bürgerlichen Naturbegriff, der von je einzig dazu getaugt hat, die gesellschaftliche Gewalt als unabänderliche, als ein Stück gesunder Ewigkeit zu proklamieren. Darin und nicht in der vorgeblichen Gleichmacherei verharrten die positiven Entwürfe des Sozialismus, gegen die Marx sich sträubte, in der Barbarei. Nicht das Erschaffen der Menschheit im Wohlleben ist zu fürchten, sondern die wüste Erweiterung des in Allnatur vermummten Gesellschaftlichen, Kollektivität als blinde Wut des Machens.“ (Minima Moralia, Aphorismus 100)

          • Ueli sagt:

            @Anh Toan
            1. Geht es nicht darum was „Anh Toan“ wesentlich an den Menschenrechten erachtet.
            2. Habe ich mein bestes versucht um die „Menschenrechte“ als das zu entlarven was sie „im Kern“ sind: „Eigentumsrechte der herrschenden Klasse“. Und bis jetzt haben Sie nicht wirklich diese These entkräften können.
            3. Falls die Person, mit der man immerhin über hoch komplexe Sachverhalte diskutieren will – „habeas corpus“ – nach dem zweiten comment immer noch nicht richtig schreiben kann, sollte die Diskussion abgebrochen werden.
            Entschuldigen Sie meine Arroganz –

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli

            Hab weder ein Problem mit Ihrer Arroganz, noch damit Habeas corpus nicht richtig zu schreiben, immerhin weiss ich, dass es in Habeas corpus wie der Titel sagt, nicht um Schutz vor Verhaftung auf Lebenszeit ohne Rechtsbeistand geht, sondern darum, dass die Autorität die Verfehlung des der Gewalt unterworfenen beweisen muss: „Du sollst haben den Körper“, den Beweis, das corpus delicti. Es geht nicht um den Körper des zu Verhaftenden, es geht um den Körper des Bewisstückes, also zum Beispiel die Leiche des angeblich Ermordeten.

            Habemus = Wir haben (1 Person Plural, präsens indikativ)
            Habeas = Er soll haben (2 OPerson singular, präsens conjunktiv)

            Du sollst den Körper haben, den Du verhaften willst, macht keinen Sinn, es geht um die Beweispflicht.

            Ich war mir nicht sicher, wie die Menschenrechte aus kommunistischer Sicht zu betrachten sind, ich habe vermutet als ein Konzept der bürgerlichen Revolution, denn das kommunistische Ideal redet ja von der Entwicklung hin zur klassenlosen Gesellschaft, es geht also um die Gesellschaft, nicht um das Individuum. Nun haben Sie mir dies bestätigt, danke.

            Ich respektiere Sie und Ihren Standpunkt, weil sie diesen, im Unterschied zu manchen hier, konsistent, mit sachlicher Richtigkeit und logischer Konsequenz vertreten.

            Aber dass Sie Rechtsschreibung oder lateinische Grammatik, so hoch bewerten, überrascht mich denn doch, das ist doch auch nur ein (klein-)bürgerliches Konzept.

          • Anh Toan sagt:

            Die SP erzählt uns nur, dsass der Kapitalismus überwunden werden muss, Sie, lieber Ueli erzählen uns, dass mit dem Kapitalismus auch die Menschenrechte auf dem Müllhaufen der Geschichte landen sollen, weil wir uns alle freiwillig und mit Begeisterung in der klassenlosen Gesellschaft einordnen werden, und dafür danke ich Ihnen, frei von jeder Ironie.

        • Anh Toan sagt:

          @Ueli: Meines Erachtens verkennen Sie, dass die Menschenrechte keine Handlungsanweisung an die Gellschaft, sondern eine minimale Abwehrgarantie gegen das Gewaltmonopol des Staates sind: Kurz:

          „- den egoistischen, vom Gemeinwesen isolierten und damit feindselig gegenüberstehenden Menschen“ Es gehört zur persönlichen Freiheit, ein A..l…h sein zu dürfen.

          Und wenn sich der Mensch gegen das Gewaltmonopol des Staates verteidigen können soll, braucht es Privateigentum, sonst kann der Mensch keinen Anwalt Beauftragen der einigermassen „Waffengleichheit“ vor der staatlichen Instanzen herstellt.

          Die Menschenrechte begrenzen das Gewaltmonopol des Staates, nicht mehr, aber sie sollten auch nicht weniger tun.

          • Anh Toan sagt:

            Aber wenn man das Bankgeheimnis anschafft und Bartransaktionen verbietet, kann man auch gleich das Privateigentum abschaffen: Es taugt nicht mehr zur Verteidigung gegen ein sein Gewaltmonopol missbrauchenden Staat.

          • Ueli sagt:

            In meiner „stalinistischen Idealgesellschaft“ würde ich Ihnen sogar die „persönliche Freiheit“ (an der Ihnen so viel liegt) lassen – ein „A…l…h“ zu sein. Aber Spass beiseit:
            Es ist doch wieder der alte liberale Kaffee, der von Ihnen hier als „Erfrischungsgetränk“ feilgeboten wird.
            Der „potentiell“ gefährliche Staat versus das „wehrhafte Individuum“, welches sein Eigentum vor den Staatshäschern in Sicherheit bringen muss. Tatsache ist doch, dass der Staat vor allem mal Ihr Eigentum per Militär, Polzei, Staatsanwälten, Richtern und Hänkern, schützt. All der andere Quatsch, der sonst noch in den „Menschenrechten“ steht, ist copy paste aus „Magna Charta“ und „Habes Corpus“ – Gesetze, die jetzt schon ein paar hundert Jahre alt sind. Interessiert offensichtlich auch niemanden, denn wie schnell solche Gesetze über Bord geworfen werden können (selbst in der „freien Welt) hat der „Patriot Act“ bewiesen. Feriengrüsse aus Guantanomo Bay!

          • Anh Toan sagt:

            Ist denn ein Gewaltmonopol nicht potentiell gefährlich?

            Der staatliche Eigentums- und Freiheitsschutz ist ja nicht absolut, Steuern, Bauvorschriften usw, die Freiheitsrechte wie das Eigentumsrecht können, bis auf ihren Kerngehalt, eingeschränkt werden, solange ein überwiegendes öffentliches Interesse nachgeweisen, eine gestzliche Grundlage vorhanden usw. Nur der Kerngehalt (was immer das auch im Detail ist) der Menschrechte ist unantatsbar.

            Wer nichts hat, ist schwach, das ändert auch nicht, wenn alle nichts haben.

          • Anh Toan sagt:

            Und gerade wenn Ihr Wohnsitzstaat die uralten relken der Magna Charta und Habeus Charta über Bord wirft, ist ein schwarzes Bankkonto die einzige reale Hilfe.

          • Ueli sagt:

            @Anh Toan
            „…gerade wenn ihr Wohnsitzstaat „habeas corpus“ (also das Recht, nicht für immer und ohne Rechtsbeihilfe eingesperrt zu werden – was ich jetzt nicht gerade als ein „Relikt der Vergangenheit“ bezeichnen würde) über Bord wirft, ist ein schwarzes Bankkonto die einzige reale Hilfe.“
            Sie sind ja der wahre Robin Hood aller Steuerhinterzieher und Geldwäscher dieses Planeten. Ich glaube kaum, dass viele der Herrschaften, die jetzt im frisch renovierten Hanoi-Hilton (Guantanomo-Bay) Waterboarding als „Freizeitbeschäftiung“ über sich ergehen lassen dürfen, ein schwarzes Konto bei einer schweizer Privatbank besitzen. Aber sicher ein paar amerikanische Politiker, die für den „Patriot Act“ gestimmt haben.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: Habemus corpus wollte ich schreiben und die uralten Regeln nicht Relikte, aber Sie haben diese Quatsch genannt, und vor allem auch noch gerade die anderen Menschrechte die mir viel wichtiger sind, als das Privateigentum.

            Meine eigentliche Frage, ob ein Gewaltmonopol nicht potentiell gefährlich sei, deren Bejahung Sie für alten liberalen Kaffee halten, haben Sie ansonsten nicht argumentativ beantwortet.

            Die Begrenzung staatlicher Macht ist ein komplexes System von Checks and Balances. Die Menschenrechte sind ein wesentlicher Teil darin. (Und das Privateigentum ein Teil in den Menschenrechten). Die individuellen Rechte jedes Menschen, z.B. zu bestimmen, was er anstrebt, was sein Wohl ist, ob er sich enwickeln will, kommen vor den Ansprüchen der klassenlosen patriachalischen oder sonstwie guten Gesellschaft.

            Das Gewaltmonopol des Staates schützt unsere Freiheit und ist gleichzeitig die grösste Gefahr für unsere Freiheit.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Anh Toan

            Einige beeindruckend kluge und weitsichtige Argumente zugunsten von Freiheit und individueller Rechte – und Abwehr der (sozialistisch/patriarchal/mythischen) Anmassungen der Staatsgewalt. Hinter der sich zu oft bloss der Egoismus der Funktionäre (zB Ueli) und die Arroganz mittelmässiger Politiker (Angela die Hässliche, Hermann der Schreckliche, früher auch Adolf der Kurze, &Co) verbergen

            Chapeau!

          • Thomas ernst sagt:

            @ Anh

            Das Ding hiesse richtig „Habeas Corpus“
            Habemus Papam ist was anderes.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli Schwarzgeld/Geldwäsche

            Ich bin der Meinung, dass Schwarzgeldvermögen aus versteuerten Ersparnissen im Umfang eines Jahreseinkommens, steuerrechtlich geahndet werden können, jedoch nicht strafrechtlich, da Schwarzgeld (eventuell auch vor dem Ehepartner) aus Sicherheitsüberlegung ein rationales Gebot sind. Das Einkommen aus dem Schwarzgeld, die Zinsen, kann man einer Quellensteuer unterlegen.

            Schwarzgeld aus unversteuertem Einkommen ist strafrechtlich zu verurteilen.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ich kenne Sie kaum noch, Gratulation!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.