Die politischen Langzeitfolgen

Dumm gelaufen: Italien stellt dem Bullen ein Bein. (Cartoon: Daryl Cagle/Cagle.com)

Dumm gelaufen: Italien bremst die Eurobullen aus. (Cartoon: Daryl Cagle/Cagle.com)

Die politische Dimension der Eurokrise gerät erst jetzt ganz ins Zentrum der Debatte. Zuvor war alles von der Marktpanik dominiert, das heisst von der Sorge eines rasch anstehenden Staatsbankrotts einzelner Mitgliedsstaaten der Zone und eines dadurch möglichen ungeordneten Euro-Austritts. Auf diesem Blog haben wir schon früh auf die politischen Risiken hingewiesen. Hier eine Aussage aus einem Beitrag vom Januar 2011:

In Debatten über die Währungsunion erscheinen Kritiker oft automatisch auch als Gegner der europäischen Vereinigungsidee. Dabei ist die politische Dimension gerade für die Anhänger eines vereinten Europa ein Grund, mit der Art, wie man die Währungsunion aufgezogen hat, hart ins Gericht zu gehen. Sie droht die Menschen und die Länder des Kontinents mehr zu spalten, als jede andere politische Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg.

Wieso unter den gegebenen strukturellen Voraussetzungen der Eurozone politische Spannungen von Beginn weg erwartbar waren, zeigt auch «das doppelte Trilemma des Euroraums».

Leider ist es den Europolitikern nicht gelungen, die politische Stabilität der Eurozone insgesamt oder nur schon jene in den gefährdeten Mitgliedsländern zu stabilisieren. Wie aktuell Italien zeigt, fliegt sie uns gegenwärtig gerade um die Ohren. In einem Beitrag der «Financial Times» warnt der an der New Yorker Columbia University lehrende britische Geschichtsprofessor Mark Mazower eindringlich vor den weiteren Folgen insbesondere der Austeritäts-Politik – dem harten Spardikdat – für die gefährdeten Länder:

The turmoil produced by the Italian elections has directed attention back to where it should have been all along – to the politics of the eurozone crisis. We have had six months of complacency, rising stock markets and wishful thinking.

Als Grund für die «complacency», also die Selbstgefälligkeit der Euro-Politiker, nennt Mazower das Wirken der Europäischen Zentralbank. Sie hat die Panik an den Märkten vorübergehend gebannt, indem sie zugesagt hat, zur Not – wenn auch unter Bedingungen – einen erneuten panischen Zinsanstieg wenn nötig durch unbeschränkte Käufe von Staatsanleihen zu verhindern. Nur sie kann das.

Von einer echten Entspannung in der realen Wirtschaft der Eurozone kann aber keine Rede sein. Am Freitag hat Eurostat einen erneuten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 11,9% vermeldet und diese Durchschnittszahl zeichnet ein noch viel zu rosiges Bild, wenn man sie mit der Lage in besonders hart betroffenen Ländern vergleicht: In Griechenland ist sie innert Jahresfrist von 20,8% auf 27% gestiegen, die Jugendarbeitslosigkeit liegt dort bei 59,4%, die Quote Spaniens liegt bei 26,2% (unter 25-Jährige: 55,5%), jene Italiens bei 11,7%, (unter 25-jährige: 38,7%). Für den Historiker Mazower zeigt sich der Glaubwürdigkeitsverlust in Italien beispielhaft und er sieht am Ende sogar die Demokratie in Gefahr:

But the Rome-based political class has lost all credibility in their eyes (gemeint: in den Augen der Stimmbürger) – they were creators of the mess, and of the corruption that accompanied it. They cannot be trusted to clear it up. Those who have made no sacrifice themselves lack the moral credibility to ask them of others. Technocrat prime minsters, such as Italy’s Mario Monti or Greece’s Lucas Papademos, are no alternative: they may have clean hands because they remained outside party politics. But they are creatures of banking and economics. While they may understand money, that no longer recommends them to the voters who would rather have someone who understands them. The result is dangerous. It is but a short step from writing off the political class to writing off the institutions of democracy.

Nun wird zuweilen argumentiert, die harten Sparmassnahmen seien unumgänglich angesichts der zuvor angehäuften Schulden. Wie hier schon oft gezeigt, hat die Verschuldungskrise ihre Ursache in Ungleichgewichten, die eine Folge der Währungsunion selbst sind. Aber unabhängig von den Ursachen müssen die verschuldeten Länder über die Zeit ihre Verschuldungsquote wieder abbauen. Die Frage ist aber, wie viel zu welcher Zeit. Mitten in einer ökonomischen Depression mit einer hohen auch privaten Verschuldung und ohne das Ventil einer Währungsabwertung bzw. einer anziehenden Auslandnachfrage: Das ist die falsche Zeit.

Dass die harten Sparmassnahmen in den letzten Jahren sich nicht aus der Notwendigkeit der Verschuldung heraus ergeben und ihr Ziel verpasst haben, machen zwei spannende neue Untersuchungen klar.

Der erste Beitrag stammt von Paul De Grauwe, der meiner Ansicht nach zu den gescheitesten Analysten der Eurokrise zählt. Einem besonders wertvollen Beitrag von ihm haben wir uns auf diesem Blog schon hier gewidmet. Die neue Studie ist vor allem eine empirische Bestätigung der damaligen Überlegungen.

De Grauwe argumentiert mit der Korrelation in der folgenden Grafik, dass der Druck, mitten in der Krise harte Sparmassnahmen einzuführen, vor allem die Folge des dramatischen Anstiegs der so genannten Rendite-«Spreads» war. Mit «Spreads» sind die Unterschiede der Renditen von Staatsanleihen gefährdeter Länder (bzw. deren Schuldzinsen) zu den Renditen der Euro-Länder mit den tiefsten Renditen (bzw. Schuldzinsen) gemeint:

Die Austeritätsmassnahmen werden an der senkrechten Achse als Prozentsatz am Bruttoinlandprodukt (BIP, bzw. englisch GDP) gemessen, die Spreads auf der horizontalen Achse.

Wie De Grauwe in der folgenden Grafik zeigt, sind die Spreads nach der Zusage der EZB, notfalls einzugreifen (siehe oben), bei jenen Ländern am deutlichsten zurückgegangen, wo sie zuvor am höchsten waren. Dieser Rückgang wird fast vollständig durch den ursprünglichen Spread (vor der EZB-Zusage) erklärt. Für De Grauwe ist das ein klarer Hinweis dafür, dass der Anstieg der Spreads durch die Panik vor einem Euroaustritt und einer Liquiditätskrise ausgelöst worden ist und nicht durch die Verschuldungslage selbst. Anders gesagt, hätte ein früheres Eingreifen der EZB diese Panik verhindern können und damit auch die dramatischen Sparmassnahmen, die die gefährdeten Länder wirtschaftlich weiter in die Tiefe gerissen haben :

Wie die folgende Grafik De Grauwes zeigt, sind die Spreads mit der Veränderung der Verschuldungsquote der Länder tatsächlich kaum korrelliert und die verbleibende (geringe) Korrelation ist sogar negativ: Das heisst, eine zunehmende Verschuldungsquote zeigt hier einen abnehmenden Spread, was aber vor allem zeigt, wie wenig die Zinsentwicklung auf die Veränderung der Verschuldungsquote zurückgeht.

Wenig überraschend haben die Austeritätsmassnahmen das Wachstum der betroffenen Länder gedrückt – gemessen an den Jahren 2011 bis 2012. Sie haben zu einem weiteren Einbruch der Nachfrage geführt, ohne dass eine Kompensation dafür möglich gewesen wäre. Die Grafik macht klar: Je höher die Austeritätsmassnahmen (horizontale Achse) desto geringer das Wachstum (senkrechte Achse):

Das tiefere Wachstum hat dann auch dafür gesorgt, dass die Verschuldungsquote mit den Austeritätsmassnahmen ebenfalls zugenommen hat. Das ist nach der letzten Grafik wenig überraschend, weil ein geringeres BIP (GDP) für sich genommen die Schuldenquote erhöht (Schulden geteilt durch das geringere BIP):

Der zweite Beitrag stammt vom Ökonomen Simon Wren-Levis. Im Zentrum seiner Betrachtungen steht die folgende Tabelle:

Hier nur das Wichtigste – den Rest erklärt Wren-Levis in seinem lesenswerten Blogbeitrag: Alle Zahlen in der Tabelle sind Quoten in Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die erste Kolonne zeigt, dass die Problemländer der Euro-Peripherie beträchtliche Primärüberschüsse schreiben, ganz im Gegensatz etwa zu Ländern wie die USA oder Japan. Primärsalden zeigen die Differenz zwischen Staatseinnahmen und Ausgaben ohne die Zinszahlungen für die Schulden. Die zweitletzte Kolonne zeigt schliesslich, wie hoch die Primärsalden (ebenfalls als Quoten am BIP) jedes Landes sein müssten, um die Schulden zu stabilisieren. Die letzte Kolonne macht klar, um wie viel der tatsächliche Primärsaldo zu tief (negative Zahlen) oder zu hoch ist (positive Zahlen), um die Schulden  langfristig zu stabilisieren.

Italien übertreibt es mit der Austerität gemäss diesen Zahlen innerhalb der Eurozone am meisten, gefolgt von Deutschland. Japan, Grossbritannien die USA, wie auch die OECD-Länder insgesamt verzeichnen  dagegen ein für eine langfristige Stabilisierung der Schulden zu hohes Primärdefizit. Angesichts der hohen Kosten der Verschuldung müssten auch Irland, Spanien und Griechenland in der Eurozone noch höhere Primärsalden für eine Stabilisierung der Schulden erreichen. Wie Wren-Levis aber schreibt, sind höhere Defizite in der Krise einer Liquiditätsfalle bzw. «Balance Sheet Recession» (im Gegensatz zu gewöhnlichen Zeiten) genau das richtige Rezept. Umgekehrt formuliert, führen harte Sparmassnahmen in dieser Situation zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise und einer politischen Destabilisierung. Wren-Levis:

In normal times, and particularly if we were in boom times, the Eurozone could rightly congratulate itself, and make disdainful remarks about policy elsewhere. During the current period in which the private sector is running an unusually high level of net saving it is completely the wrong policy. As the textbooks tell us, without the will or ability to provide offsetting monetary stimulus, this level of austerity will cause a recession, and sure enough it has.

Fassen wir zusammen: Die scharfe Austerität ist vor allem eine Reaktion auf die Panik an den Märkten, die schlussendlich die EZB bloss mit der Absichtserklärung, notfalls zu helfen, beruhigen konnte. Ein Vorgehen, dass sie schon weit früher hätte wählen können und das von vielen Ökonomen auch gefordert worden ist. Die Europolitiker haben schlicht aufs falsche Pferd gesetzt und haben überaus harte Sparmassnahmen im falschen Moment gefordert. Jetzt treten die politischen Folgen immer deutlicher zutage.

Die politischen Risiken, die die Europolitiker mit dieser Fehldiagnose eingegangen sind – die sie bis heute nicht revidiert haben –  werden jetzt immer deutlicher. Die wirtschaftliche Krise mag ihren akuten Notzustand (vorerst) hinter sich gelassen haben, sie und und vor allem die polititische Krise sind in einen chronischen Zustand übergegangen, der nicht nur die Legitimität der EU und des Euro untergräbt, sondern – wie es der Historiker Mark Mazower im Zitat zu Beginn des Beitrags schon sagte – letztlich auch die Demokratie in betroffenen Ländern selbst gefährdet.

45 Kommentare zu «Die politischen Langzeitfolgen»

  • Martin Holzherr sagt:

    Mazowers, aber auch der Autor dieses Beitrags, sehen die Demokratie in Italien oder gar in allen Krisenändern bedroht, weil die Stimmbürger die politische Klasse zum Teufel wünschen. Und es sei ein kleiner Schritt vom Abschreiben der politischen Klasse zum Abschreiben der Institutionen, die die Demokratie ausmachen.
    Nimmt man den historischen Vergleich (1930er Jahre) oder die neuen rechtsorientierten Parteien in Griechenland so gibt es eine Gefahr der Renationalisierung, ja eines neuen Nationalismus und Rechtsrutsches.
    Doch der Ausgang der jüngsten Wahlen in Italien ist meiner Ansicht nach damit falsch eingeordnet. Die guten Resultate für einerseits den abgehalfterten Altstar und Rattenfänger Berlusconi und andererseits den Antipolitiker Beppo Grillo haben
    1) nur teilweise mit der Eurokrise zu tun
    2) widerspiegeln die Zerrissenheit eines Landes, in dem sich einige – die Berlusconi-Anhänger – den Fortbestand des ewigen Stillstands im Bel paese wünschen und andere sich ein anderes Italien wünschen und genug haben von einer korrupten, seit mehr als 30 Jahren vor allem ihre eigenen Interesse vertretenden politischen Klasse.

    Die Pattsituation im Italien stellt die italienische Elite in Frage, nicht die europäischen Eliten an und für sich.

    Der Wahlausgang in Italien zeigt für mich, dass es ein Europa mit ähnlichen Lebensbedingungen in allen Ländern eben gerade nicht gibt und dass einige Italiener nun genug von ihrem eigenen System haben, das sie letztlich zu Verlierern in Europa macht. Dass es Verlierer in einem gemeinsamen Europa gibt und möglicherweise sogar dauerhafte Verlierer ist im übrigen kein guter Ausweis für die Europa-Architekten.
    Ein zukunftfähiges vereintes Europa muss in der Tat solche Systeme wie das Griechische und Italienische zum Verschwinden bringen und darf nicht die griechischen und italienischen Eliten als Familienangehörige behandeln.

    • Linus Huber sagt:

      @ Martin

      Die Wiedererstehung demokratischer Kraefte ist grundsaetzlich eine fuer die Elite negative Entwicklung, da dadurch ihre Handlungsfreiheit eingeschraenkt wird und sie sich staerker zu verantworten haben.

      Natuerlich haben diese Abstimmungen mit lokalen Verhaeltnissen zu tun, jedoch sollten wir uns davon distanzieren, dass wir unsere oder die Politiker der andern europaeischen Laender als bedeutend besser einstufen. Es ist alles einzig eine Frage des Ausmasses von Korruption und nicht ob oder nicht.

      In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten kommen diese Aspekte jedoch staerker zur Geltung. Die Reaktion der Italiener und Griechen (Spanier und Franzosen sind nicht weit dahinter) ist ein Symptom dieser Probleme, welche nicht einzig durch die korrupte Elite in diesen Laendern produziert wurde, sondern seinen Ursprung ueber den Umweg EU Parlament in der inflationaeren Geldpolitik zu suchen sind.

      Je frueher die Ponzi-Scheme, welcher wir ausgesetzt sind, als solche erkannt wird und in sich zusammenfaellt, desto besser, da der Schaden fuer die Bevoelkerung massiv hoeher ausfallen wird, je laenger wir zuwarten.

  • Martin Holzherr sagt:

    Der Titel dieses Beitrag „Die politischen Langzeitfolgen“ scheint zuerst wenig mit dem Inhalt zu tun zu haben, geht es doch um die negativen Folgen der den Krisenstaaten auferlegten Austeritätspolitik und das zentrale Problem der Eurozone scheint mir nicht in der jetzt verfolgten Austerität zu liegen sondern in der unverändert nationalen Ausrichtung der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Eurozonenmitglieder: Jede Nation hat ihre je eigene Kultur und die Wirtschafts- und Finanzpolitik ist ein Ausdruck dieser Kultur. Dementsprechend hat auch jede Nation ihre eigenen ökonomischen Zyklen. Durch den Euro sind die Länder nun aber der Instrumente beraubt, diese ökonomischen Zyklen auch selbst zu steuern.
    Die Krisenländer waren natürlich schon vor dem Beitritt zur Eurozone Problemländer. Nicht nur aus Sicht der Nordstaaten, sondern aus Sicht der eigenen Bevölkerung. Die Klagen über Korruption und Misswirtschaft gibt es in Italien durch Italiener mindestens schon 30 Jahre.

    Der Autor rückt aber die Probleme ins Scheinwerferlicht, die durch die Austeritätspolitik angerichtet werden und wurden und bemüht dazu Zeugen aus dem angelsächsichen Raum. Der prominenteste Gegner einer Ausertitätspolitik ist wohl Paul Krugman, der die Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 in Analogie zur grossen Depression der 1930er Jahre sieht, wo ebenfalls Austeritätsmassnahmen die Depression verlängert oder gar erst geschaffen hätten.
    Die Diagnose Krugmans mag auf die USA zu 100% zutreffen und auch die Rezession in Europa erklären. Doch die Probleme der Eurozone lassen sich trotzdem nicht auf rein konjunkturelle Prolbeme reduzieren wie das Krugman aber auch dieser Artikel letztlich macht. Der Beitrag „Die politischen Langzeitfolgen“ will wohl die Austeritätspolitik für Italiens politische Entwicklung hin zu einer Anti-Euro- und Anti-EU-Haltung verantwortlich machen, obwohl die Austeritätspolitik nur hausgemachte Probleme Italiens und Probleme der EU-Integration verschärfte.

  • will williamson sagt:

    Wenn der Ballon platzt, platzt er nicht, weil er zu viel Luft oder Gas angesaugt hat, sondern weil jemand zuviel hinein geblasen hat. Bei der Staatsverschuldung scheint es ähnlich zu laufen. Anlagen suchende Gläubiger vergeben Kredite an Staaten, die in diesem Ausmass nicht kreditwürdig sind. Das kann auf einer Fehleinschätzung der Gläubiger oder aber auch auf Absicht beruhen, um dann bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit günstig auf das Tafelsilber der Staaten greifen zu können. Die aktuellen Vorgänge in den verschuldeten Staaten lassen vermuten, dass eher Absicht dahinter steckt. Die zwangsläufige Folge dieses Vorgehens ist die Verelendung der Bevölkerungen dieser Staaten. Die Beispiele für diese Entwicklung sind ausreichend bekannt und brauchen daher nicht aufgezählt zu werden.

  • Linus Huber sagt:

    Wir kennen die 5 Phasen von Trauer. 1. Verleugnen (oder Verweigern), 2. Wut, 3. Verhandeln, 4. Depression, 5. Akzeptanz.

    Im Moment sind wir in vielen Staaten erst am 1. Punkt angekommen, waehrend sich in Suedeuropa sich schrittweise Punkte 2 – 4 entwickeln. Die Entscheidungstraeger verhalten sich wie ein paar unreife Jugendliche, welche glauben, dass man durch das Ignorieren der nicht nachhaltigen Entwicklung das Problem wirklich in den Griff kriegt. Jedoch fuehrt dies zu nur noch groesseren Problemen in der Zukunft.

    In den meisten Staaten wird von Austerität gesprochen, wobei nicht einmal erkannt wird, dass es sich meist darum handelt, die jaehrliche Verschuldung ein wenig zu reduzieren und keinesfalls um wirkliche Austeritaet, in welcher die Verschuldung schwaecher waechst als die Wirtschaft. Die heutigen Problemloesungen orientieren sich weiterhin daran, sich noch hoeher zu verschulden und der Aspekt, dass wir in dieser heutigen Problematik angekommen sind durch genau die gleiche Denkweise der dauernden Ausweitung der Kreditvolumina (staerker als das Wirtschaftswachstum), wird verdraengt und gar nicht diskutiert.

    Wie ich schon x-mal ausfuehrte, muss eine Loesung folgende Aspekte beinhalten:

    1. Gesellschaftsvertraeglichkeit (Massnahmen zugunsten der Bevoelkerung und nicht der Finanzindustrie)
    2. Wirkliche Reduktion der Kreditvolumina im System (Abschreibungen und Erhoehung der Basisgeldmenge) und entsprechende Massnahmen, diese in Zukunft nicht wieder ausufern zu lassen.
    3. Aufgrund auf Punkt 2 wird die Macht der Banken reduziert und dadurch die Erpressbarkeit der Gesellschaft eliminiert.
    4. Zukuenftige Verhinderung der Umverteilung der Kosten von Risiken und damit Rueckkehr zu den Grundsaetzen der Marktwirtschaft und dem Geiste der Rechtsstaatlichkeit.

    Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis man dies erkennen wird.

  • Linus Huber sagt:

    Eine Antwort auf Olivers Darstellung wurde leider nicht akzeptiert vom System, womit ich jetzt einen allgemeinen Aspekt erwaehnen moechte.

    „die Demokratie in betroffenen Ländern selbst gefährdet“

    Ich wuerde es ein wenig anders betrachten, indem ich erkenne, dass sich Demokratie wieder durchzusetzen versucht und die Manipulationen der Elite fragwuerdig macht.

    Desweiteren muss ich erwaehnen, dass die Idee, Menschen zum Konsum zu zwingen (durch die Manipulationen der Zentralbanken) eher magere Ergebnisse zeigen duerfte. In dieser Umgebung, in welche nicht rueckzahlbare Schulden nicht restrukturiert wurden und in welcher die Nachhaltigkeit der Altersvorsorge immer fraglicher wird, ist es eine vernuenftige Verhaltensweise sich vorsichtig zu verhalten. Diese Manipulationen duerften daher einzig dem Bilden von weiteren Blasen dienen.

    Im Endeffekt muessen die enormen Schulden, da nicht nachhaltig, einer Restrukturierung zugefuehrt werden (mindestens teilweise). Und um monetaire Manipulationen wirksam zu machen, muessen diese ueber die Bevoelkerung ablaufen und nicht ueber das Bankensystem. Wahrer Wohlstand wird kreiert, wenn man mehr produziert als konsumiert und dieser ganz logische Aspekt wird oft vernachlaessigt in den meisten Darstellungen.

  • Claudio Mennillo sagt:

    also Herr Wetter, dann nennens wir beim Namen: 1. Frage: wieviel Schulden hat Deutschland in den letzten 10Jahren zurückgeführt ? kein Eurocent !! 2. Wussten Sie, dass Italien eine Schattewirtschaft hat, welche 1/3 des aktuellen BIP ausmacht ? (leider ist es so), somit könnten die Wachstumszahlen buhhalterisch nach oben korrigiert werden. Zu den Ratingagenturen habe ich mich schon des öfteren geäussert und haben für mich, den gleichen Wert, wie englische Agenturen, welche weltweit kulinarische Bewertungen vornehmen!! Es trifft zu, dass Italien vor dem EURO höhere Zinsen hatte, nicht ganz 25-30% aber immerhin 13% da gebe ich Ihnen recht. Es gibt jedoch ein Fakt und den werden Sie mir nicht bestreiten, nämlich sowohl in Italien, wie auch in Spanien, Portugal, Griechenland, Frankreich usw. wurde vor der Einführung des EUROS besser gelebt. Dass bei der Konversion ein Kaffe in Deutschland gleich teuer war als nach der Einführung des EUROS und in den anderen Ländern bis zum Doppelten Preis für den gleichen Kaffe zu bezahlen war nach der Konversion, ist auch eine Wahrheit. Wir können uns noch lange unterhalten, können auch weiterhin nutzlose makroökonomische Theorien aufstellen, ein Fakt ist, dass Deutschland gegenüber anderen Staaten in vielen Punkte bevorzugt wurde und das wird nun zum „Boomerang“. Wenn ich weniger Kaufkraft habe, dabei noch zu höheren Zinsen mich finanzieren muss und dabei noch Schulden zurückzahlen muss, dann werde ich nie aus dem Schlamassel kommen. Wie ich schon mal gesagt habe, kommt mir die ganze EU etwas vor wie eine Europameisterschaft (Fussball) bei dem 11 Spieler gege andere 11 Spielen und Deutschland immer gewinnt…………………………………………..ausser wenn sie gegen Italien spielen !! (Siehe akueller Wahlausgang)

    • Martin Holzherr sagt:

      Das allgemein herumgereichte Narrativ geht doch so: Die Einführung des Euros führte in den heutigen Krisenländern zu einem Boom, angefeuert durch günstige Kredite. Das Plätzen dieser Blase führte zur heutigen Krise. Wenn es den Krisenstaaten vor der Einführung des Euros besser gegangen wäre, wären sie doch schon ausgetreten.
      Die obige Darstellung des Euro-Effekts auf die Südländer als Antreiber eines Boom und Bust -Zyklus gilt für diePIGS-Länder ohne Italien. Italien ging es seit Einführung des Euro eigentlich nie gut – und es wird schleichend immer schlimmer.

  • will williamson sagt:

    Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Krise ein „Unfall“ oder sie ist bewusst herbeigeführt. Ersteres zeugt von Unfähigkeit der Politiker, Ökonomen und Banker. Das ist schlimm. Die gezielte Herbeiführung zeugt von hohen Fähigkeiten mit dem perfiden Ziel, die Völker zu verarmen, was vom moralischen Standpunkt aus absolut verwerflich ist. Zu beachten ist dabei auch, dass die Verschuldung ja über lange Jahre aufgebaut wurde, die Krise aber erst durch die plötzliche Rückforderung durch die Bondholder ausgelöst wurde. Eamon Dillon meint u.a. dazu:

    „The pain and scrimping forced by the toughest budget ever seen in Ireland made sure the American, British, German, French, Swiss and Austrian bondholders got their cash….

    They include Goldman Sachs, the American bank once described as a blood-sucking “vampire squid”, whose employees make an average €680,000 a year. The total cost of the Anglo Irish bailout is thought to be as much as €35 billion and the bondholders have already got their cash.

    Senator Norris described the interest rates now being charged for the bailout loans from the EU and the IMF as “insane”.
    “We have been asked to take part in a money-laundering exercise,” he told the Sunday World.
    “It’s the biggest transfer of wealth from the poor to the rich that I have ever seen in my lifetime,” he added.

  • will williamson sagt:

    Alle fahren in der Diskussion die konventionelle Schiene und überlegen sich, was da wo schief läuft. Aber ob etwas schief läuft, hängt vom Standpunkt ab. Nachdem Juncker, Schäuble u.a. offen erklärt haben, man könne die EU nur in der Krise weiter entwickeln, kann man sich auch einmal fragen, ob die Krise nicht absichtlich herbeigeführt wurde. Der beste Weg, Personen oder Staaten zu beherrschen, ist – vom heissen Krieg abgesehen – diese so lange in die Verschuldung zu treiben bis sie die Rückzahlungen nicht mehr leisten können. Dieser Zustand ist bekanntlich in einigen Ländern seit einiger Zeit erreicht. Dann verlangt man von ihnen, das Tafelsilber zu verscherbeln, also das Staatsvermögen zu „privatisieren“. Auch diese Entwicklung ist im Gange. Mit den Rettungsschirmen erreicht man, dass die sich noch in einigermassen gutem Zustand befindenden Staaten auf längere Sicht ebenfalls verarmen, so dass diese in die gleiche Lage gelangen, in der sich heute die südlichen Länder befinden. Dann ist das Ziel für die Veranstalter der Krise erreicht. Für mich nicht erklärbar ist, warum die Staaten das einfach so hinnehmen.

    • Rene Wetter sagt:

      Die Krise absichtlich herbeigeführt? Wohl eher nicht, bedenken Sie doch dass die Länder wegen verschiedenen Ursachen in die Krise schlitterten. Einige wegen Misswirtschaft andere wegen Immobiliencrashes, dritte weil sie die unglückseligen Banken retten mussten. In die Verschuldung treiben? Hat jemand die Italiener dazu gezwungen die Steuern nicht einzutreiben? Hat jemand die Iren gezwungen die Finanzhaftung für ihre Banken zu übernehmen? Dann haben viele Länder einen Steuerwettbewerb angezettelt und jetzt fehlen ihnen die Mittel. Bei uns machen ja die Kantone das selbe, lesen Se den Artikel über den Kt St Gallen. Dann die Regierungen: Sparen sie werden sie abgewählt, erhöhen Sie die Steuern werden sie gleichfalls abgewählt. Was zu Teufel soll man den machen?

      • Linus Huber sagt:

        Eines ist allen gemeinsam, naemlich die inflationaere Geldpolitik, welche diese Fehlentwicklungen nicht nur erlaubte sondern geradezu foerderte.

        Die Occupy Bewegung haette besser vor den Zentralbanken demonstriert, denn dort liegt der wirkliche Grund fuer die heutigen Probleme.

  • Robert Stettler sagt:

    Mir scheinen die meisten Analysen „cum hoc ergo propter hoc“ zu sein. Diese „Schulden-Wachstum-Korrelationen“ haben mich noch nie überzeugen können. Die Wahren Ursachen für all diese Kausalitäten scheint mir niemand wirklich angehen zu wollen, denn die meisten dieser Analysen stammen von Leuten, die nur Geld im Kopf haben und andere Faktoren völlig ausser Acht lassen…
    Aber ich bin ja nur ein einfacher Student…

  • Hans Ernst sagt:

    Der Druck auf die südlichen Länder Schulden zu reduzieren, wurde letztlich wohl aus einem andern Grund ausgeübt als weil man deren Schulden unbedingt senken muss. Dahinter steht ein Vertrauensverlust des Nordens in den Süden. In Südeuropa, besonders in Italien und Griechenland ist derart viel Geld in Korruption und Vetternwirtschaft verschwunden, dass im Norden die Bereitschaft hier tatenlos zuzusehen und weiter zu bezahlen, dramatisch gesunken ist. Wenn der Norden drängt Schulden reduzieren meint er eigentlich etwas anderes: In Südeuropa die Korruption reduzieren und das ganze Heer seiner Schmarozer-Politiker und Mafiosi endlich zu bändigen. Nur erreicht wird das mit Schuldenreduzieren nicht. Die Schulden werden reduziert, indem am falschen Ort gespart wird, so dass die Wirtschaft geschwächt wird und die breite Bevölkerung verarmt. Während die korrupten Profiteure und Mafiosi weiterhin in Saus und Braus leben. Das Dilemma des Norden ist, dass er der Korruption im Süden nicht Herr werden kann, dass er auf die wahren Probleme im Süden keinen Einfluss hat und unvorsichtig genug war sich mit dem Süden ins selbe Boot zu setzen. Die volle Integration dieser Länder in die EU und den Euro war ein Fehler. Die EU ist zu schnell gewachsen, anstatt, dass sie sich auf einen stabilen Kern beschränkt hätte. Mit jeder Erweiterung importierte die EU neue Probleme, anstatt dass sie die bestehenden Schwierigkeiten einmal angegangen wäre und hat damit an Solidität und Stabilität massiv verloren.

  • Claudio Mennillo sagt:

    .. wir verlieren uns hier in makroökonomische Theorien, welche nach alten Schulbücher interpretiert werden und von vielen Kommentatoren vertreten werden. Das abstrakte Wort „Krise“ ist nichts anderes als eine „Finanzwirtschaftliche Buchgeld“Krise. Man spricht von Schulden, welche „nie“ und von niemandem zurückbezahlt werden. In ein paar Jahren wird es einen Schuldeneralss geben und alles fängt von vorne wieder an. Viel mehr sollte das Augenmerk auf die generellen „politischen“ Fehler gesetzt werden: Bei der Einführung des Euros wurden Länder favorisiert, die über die Nacht mehr Kaufkraft gegenüber den anderen EURO Staaten bekamen. (kein Makroökonom und kein EuroPolitiker spricht darüber), auf der anderen Seite können sich Staaten (meist diejenigen, die von der Konversion des Euros profitiert haben) zu bedeutend besseren Zinskondiditionen verschulden. Als Beispiel: Wenn Italien einen Kredit von 100 zu 7% Zins über 10 Jahre nimmt, verschuldet sich das Land mehr als wenn Deutschland 190 zu 1% Zins, obwohl Italien eigentlich fast die Hälfte an Kredit genommen hat. Dieser Wettbewerbsverzehr zieht sich seit der Euroeinfürung durch ganz Europa und vor allem Euroländern. Das kann damit verglichen werden, dass ein deutscher 100Sprinter bei der 50m Linie seinen Sprint beginnen kann und selbstverständlich vorher am Ziel ist. Und nun will man mit der Austeritätspolitik die Banane gerade biegen. Dann soll mir jemand erklären, wie eben der 100m Sprinter den Weltrekord im Sprint und danach noch im Hochsprung schaffen will, indem man ihm vorher ein Bein amputiert ?? Fazit: Die herkömmliche Makroökonomie der Theoretiker hat vollkommen versagt !! oder will mir jemand sagen, dass die Nachfrage der Produkte plötzlich abgenommen hat, weil das abstrakte Wort „Krise“ bis zu 15mal pro Tag im Munde aller ist ??

    • will williamson sagt:

      Wenn ich nicht falsch rechne, sind 100 nicht fast die Hälfte, sondern mehr als die Hälfte von 190 und wenn ich den 100 Meterlauf bei 50 beginnen kann, bin ich auch schneller am Ziel als der, der an der Startlinie losrennt. Die Banane darf man in der EU nicht gerade biegen, weil die Krümmung genormt ist. Dass der Sprinter im vorliegenden Fall auch noch den Hochsprung schaffen will, bezweifle ich. Der ist schon froh, wenn er ohne amputiertes Bein nicht abstürzt.

      • Claudio Mennillo sagt:

        Will, Sie haben viel gesprochen, aber nichts gesagt, werde wohl in Ihrem Sinne auch recht haben !

    • Rene Wetter sagt:

      @Menillo: Erinnern Sie sich noch wie hoch die Zinsen in Italien waren als dort noch die Lira war? Da wären 7% ein Traum gewesen. Italien hat sich dank dem Euro jahrelang günstig verschulden können und hielt es nicht für nötig die Schulden in den guten Jahren zurückzufahren. Aufgrund der hohen Verschuldung haben die Ratingagenturen nun die Bonität gesenkt und somit stiegen die Zinsen. Führt Italien die Lira wieder ein können Sie sich auf 25-30% Zinsen gefasst machen oder aber 7% aber in € oder $. In Italien haben sowohl Politik wie auch Wirtschaft es versäumt sich an die neue Tatsache, dass man nicht mehr abwerten kann, anzupassen. Aber ja Schuld sind immer die anderen.

  • Bruno Bänninger sagt:

    Die EU/Euro-Eliten und dessen Personal wissen alles besser als ausgewiesene Oekonomen und Wirtschaftsprofessoren.
    Fakt ist, keiner der Rettungschirme hat auch nur einen Arbeitsplatz erhalten oder gar neu geschaffen. Fast 90% der Milliarden-Rettungsschirme flossen nicht in die Länderkassen von denen es heisst, die EU würde sie retten. Das Geld floss direkt zu den Gläubiger Grossbanken hauptsächlich nach Frankreich und Deutschland.
    Die explodierende Arbeitslosigkeit in Südeuropa, speziell die Jugendarbeitslosigkeit wird früher oder später zum Aufstand der Massen führen. Einige der verantwortlichen Eurokraten sind verunsichert, andere ratlos, aber alle hoffen, beim Einsturz der Schuldenpaläste und Luftschlösser dereinst nicht mehr im Amt zu sein und damit auch nicht verantwortlich.
    Das Erstaunlichste ist, dass die Europäer, von den Strassenkrawallen in Athen und Madrid begesehen, so gelassen reagieren auf die bevorstehende Katastrophe.

    • Martin Holzherr sagt:

      Rettungsschirme wollen wohl – wie der Name schon sagt – nur retten. Also einen Kollaps verhindern. Arbeitsplätze schaffen sie nicht, sie verhindern nur eine plötzliche Massenarbeitslosigkeit aufgrund eines Totalkollapses.

      Die Rettungsschirme sind ja auch nicht Reparaturen, sondern nur Schutzwälle.
      Eine Lösung hat sowieso niemand in petto. Darum hoffen ja auch alle, dass sich die Probleme von selbst lösen. Auch der obige Artikel hat ja gar nicht die Langzeitfolgen im Blick wie das der Titel sagt, sondern nur gerade die negativen Auswirkungen der Austerität. Der Artikel meint wohl die Langzeitfolgen der Austerität und mit Langzeit sind die nächsten paar Jahre gemeint.
      Für Ökonomen gibts sowieso nur die nächsten paar Jahre. Was nachher passiert wisssen sie erstens nicht und zweitens sind sie zur Ansicht gekommen, darum müssten sie sich auch nicht kümmern. Wer die nächsten paar Jahre überlebt der hat schon vieles geschafft und „auf lange Sicht sind wir alle tot“ (John Maynard Keynes)

      • Linus Huber sagt:

        @ Martin

        Wie erkennen richtig, dass es sich in keiner Weise um nachhaltige Ideen handelt, welche von den meisten Oekonomen vertreten werden. Weitsicht wuerden die wirklichen Langzeitauswirkungen betrachten und auch eine z.B. 50 jaehrige Perspektive in Bezug auf Nachhaltigkeit und Auswirkungen auf die Gesellschaft beruecksichtigen. Davon sind wir meilenweit entfernt in der gaengigen oekonomischen Lehre.

    • Rene Wetter sagt:

      Die Jugendarbeitslosigkeit in diesen Ländern war schon vorher sehr hoch, mit ein Grund warum die Italiener noch bis über 30 bei Mamma wohnen. Die Gründe sind im unflexiblen Arbeitsgesetz zu suchen; die Jungen kriegen keinen festen Job mehr. Letzthin kam eine Sendung über GR Seeleute, es werden 100000 Seeleute gesucht aber der Tariflohn ist so hoch dass halt keine Leute eingestellt werden. Der liege bei €3000 ein Arzt in einem Spital verdiene heute noch 1500.

  • Reto Zürcher sagt:

    Ich glaube nicht das die Krise per se eine Gefahr für die Demokratie in Italien oder Spanien werden muss, aber sicher eine Gefahr für die Machtpositionen der bisherigen Politkaste darstellt. Aber das ist nicht weiter schlimm, wer das Land schlecht verwaltet hat, muss halt abgelöst werden. Das gestandende Figuren wie Mario Monti von Clowns wie Beppo Grillo abgelöst werden zeigt nur wie ineffektiv die Wähler sie gefunden haben. Wenn die Tendenz in Europa in Richtung einer stärkeren Bürgerbeteiligung mittels Referenden und Volksabstimmungen auf regionaler und nationaler Basis infolge der Krise geht, etwas was übrigens auch Grillo verlangt, dann sehe ich eher jetzt die Gelegenheit einer Stärkung der Demokratie in Europa. Wenn hingegen extreme Randparteien wie die griechische „Morgenröte“ an die Macht gelangen dann könnte es in der Tat brenzlig werden. Solange Europas Pollitkaste die Stabilität der gemeinsamen Währung höhere gewichten als die Stabilität der Existenzen ihrer Wähler, dürfen sie sich nicht wundern das sie an der Urne abgestraft werden. Niemand ist bereit für das abstrakte Konzept einer gemeinsamen Währung zu hungern und zu darben.

    • will williamson sagt:

      „Wenn die Tendenz in Europa in Richtung einer stärkeren Bürgerbeteiligung mittels Referenden und Volksabstimmungen auf regionaler und nationaler Basis infolge der Krise geht, etwas was übrigens auch Grillo verlangt, dann sehe ich eher jetzt die Gelegenheit einer Stärkung der Demokratie in Europa.“

      Nachdem van Rompuy vor kurzem erklärt hat, man müsse die nationalen Parlamente entmachten, weil sie der EU schaden, ist nicht anzunehmen, dass die „Tendenz in Europa“ in diese Richtung geht, ausser die Tendenz wird von den Bevölkerungen erzwungen. Ansonsten geht die Enwicklung eher in Richtung „zentrale Diktatur“.

      • Reto Züricher sagt:

        @Will Williamson Stimmt, der nicht vom Volk gewählte van Rompuy ist verblüffend ehrlich in der Kommunikation seiner Pläne zur Abschaffung der Demokratie. Aber mit der konkreten Umsetzung seiner Pläne wird er sich automatisch auch zum Buhmann der europäischen Wählerschaft machen und dies könnte ihn zuletzt mehr als nur sein Amt kosten. Ich bin mir sicher das die nächsten Wahlen für das EU-Parlament keine so schlafmützige Angelegenheit mehr werden wird, wie in der Vergangenheit. Die EU-Skeptiker werden in diesem Parlament massiv zulegen. Je mehr Macht in Brüssel konzentriert wird, desto mehr werden die Wähler und die Politiker versuchen sich in dieser Machtzentrale ein Wort mitzureden. Van Rompuy und Barroso werden sich noch wundern über was auf sie zukommt.

  • Michael Schwarz sagt:

    @Markus Diem Meier:

    Die Grafik der LR bestätigt die Aussage, die ich in diesem Blog mehrfach kommentiert habe. Die Inflation in der Zeit der Krise übermässig zu fördern, führt zu steigender Verschuldung beim Staat und Privathaushalt. Vor allem die Verschuldung der Privathaushalte wird später verstaatlicht, dies führt zum Explosion der Staatsverschuldung. Die Ökonomen, die für die Zentralbank arbeiten, wollen das als Fakt nicht anerkennen. Das Ergebnis der inflationären Wachstumspolitik ist die Explosion der Verschuldung in allen Bereichen. Das bereitet den Nähboden für nächste Krise, die noch heftiger wird.

    Ein Krieg wäre durchaus denkbar, weil der längste fällig ist.

    • Linus Huber sagt:

      @ Michael

      Ich gehe mit Ihnen einig. Krieg ist hingegen einzig ein Mittel der Elite, ihre Machtposition zu verteidigen und die Aufmerksamkeit der Bevoelkerung von der Unzulaenglichkeit der Elite abzulenken, oder in anderen Worten handelt es sich um die logische Fortsetzung von einer bestehenden Entwicklung, welche versucht die Macht der Elite weiter zulasten der Allgemeinheit zu staerken und uns, die Bevoelkerung, zunehmend zu versklaven.

      • Michael Schwarz sagt:

        @ Linus

        Wir sprechen heute von 1000 Euro Generation, bzw. eine verlorene Generation. Diese Entwicklung spüren wir auch zunehmend in der Schweiz. Das ist moderne Form von Sklaverei, die Entwicklung ist System bedingt. Deshalb wäre der Krieg eine logische Entwicklung um das Ungleichgewicht der Chancenverteilung und Verteilung des Vermögens auszugleichen. Die Notenbanken trägen diese Entwicklung bei, obwohl sie in guten Absichten handelten.

  • Rene Wetter sagt:

    Die Währungsunion wird oft als Ursache alles Übels gesehen, eigentlich deckte sie nur die Schwächen und Versäumnisse der Länder auf. Abwertung wurde dazu verwendet die Probleme kurzfristig zu überdecken, die Staaten konnten sich vor Reformen die Firmen vor Modernisierung drücken. Das Abwerten nicht nachhaltig ist zeigt GB welches trotz jahrelanger Abwertung immer schwächer wird. Die Länder sind nicht einfach wegen der Wettbewerbsfähigkeit ins Schlamassel gefahren, sondern individuell: GR und IT wegen Verschwendung, korruption und Steuerhinterziehung, SP und IRL wegen Immobiliencrashes und Bankenrettung. Warum sollte die NB für Wettbewerbsfähigkeit sorgen, das ist der Job jedes einzelnen Unternehmers.
    Sparen ist deshalb Gift für die Konjunktur, weil es nicht bei den Privilegien und Pfründen ansetzt sondern bei den Investitionen und Renten. Auch das Kappen von ungerechtfertigten Leistungsbezügen kann zu Härten führen aber es muss sein. Es darf niemand ungerechtfertigt Lohn oder Rente vom Staat beziehen. Ich behaupte dass insbesondere IT und GR die Probleme schon immer hatten, sie wurden nur durch Mauscheleien überdeckt und jetzt kam alles zum Vorschein. Die Wahlen in Italien zeigten dass das Volk nicht zu harten Reformen bereit ist, man will nicht von liebgewonnenen Gewohnheiten abkommen.
    Für mich ist auch das Argument mit den verschiedenen Mentalitäten eine faule Ausrede; wenn die Leute auswandern müssen sie auch umdenken und können sich anderen Gepflogenheiten nicht mit dem Hinweis der eigenen Herkunft entziehen

  • Anh Toan sagt:

    Also hat eine Wirtschaft zuviele Schulden, muss sie mehr davon machen, weil dann wächst sie, es gibt Vollbeschäftigung und alle sind froh. Ziemlich einfach die Geschichte ich bewerbe mich als Finanzminister.

    Es ist komplett egal wohin das Geld fliesst, einzig wichtig ist die Schulden zu erhöhen, man kann also unproduktive Beamte anstellen, die aber besser ins Büro kommen, damit auch Strom verbraucht und ein PC, ein guter Arbeitstisch und -Stuhl und auch eine Kaffeemaschine gekauft und unterhalten werden können, was die Schulden erhöht und somit gut für die Wirtschaft ist. Alternativ kann man auf das Inkasso von Steuern verzichten, Rentenzahlungen über den Tod hinauslaufen lassen und so weiter und so fort, so steigen die Schulden gibts Wachstum, und die Schulden sinken relativ zur Wirtschaftsleistung.

    Wie gut das funktioniert, kann in den USA beobachtet werden: 10 Prozent mehr Schulden zum GDP haben 2 Prozent Wirtschaftswachstum gebracht: An den Zahlen der USA lässt sich erkennen, wie die Verschuldungsquote dank Deficitspending abnimmt (LOL).

    • Anh Toan sagt:

      Ich würde wirklich gerne mal eine Prognose lesen, wann die US Schuldenquote abnehmen wird.

      Irland: Gemäss Tabelle 4 Wachstum 2%, gemäss Tabelle 5 25% Wachstum der Schuldenquote: Bitte mir erklären, wie das geht, trotz Austerität 4!

      • Oliver sagt:

        Dies ist kein Widerspruch. Die Erhöhung der Staatsschulden um 25% ist offensichtlich genug, um der Verringerung der privaten Schulden (balance sheet repair) entgegenzuwirken und darüber hinaus noch 2% Wachstum zu generieren. Erst wenn die privaten Bilanzen zur Zufriedenheit der Privatwirtschaft repariert sind und die private Kreditvergabe wieder zunimmt, wird das Verhältnis zwischen Staatschuldenwachstum und Wirtschaftswachtsum kehren.

        Natürlich bedarf es hierzu der Einsicht, dass Staatschulden einerseits zu Wachstum beitragen (Multiplikatoren) und anderseits dem Verständnis, dass ein Staatsdefizit ein ex-post Ergebnis und nicht ein Planwert sind.

        Hinter der Austerität steckt die Logik, dass eine Verminderung der Staatsausgaben (oder Erhöhung der Staatseinnahmen) eine Verringerung der Staatsschulden mit sich bringt, wodurch das Vertrauen der Anlieger steigt, die Zinsen sinken und somit die Schuldendynamik durchbrochen wird…

      • Oliver sagt:

        …Passieren tut vorerst genau das Gegenteil. Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen senken die Leistung der Privatwirtschaft, welche sich dadurch veranlasst sieht, die eigenen Bilanzen noch schneller zu reparieren (zu sparen). Hierdurch sinken (trotz höherer Sätze!) die Steuereinnahmen, wodurch das Defizit weiter steigt. Dies so lange, bis die Mehrersparnis aus dem Defizit und Nettoeinkommen durch Schuldzinsen den Sparbemühungen der Privatwirtschaft genügen. Man spricht hier von der Endogeneität des Staatshaushalts. In diesem Fall kann man auch von einem schlechten Equilibrium sprechen. Dauert dieses schlechte Equilibrium zu lange an, verschlechtern sich noch andere Faktoren, wie z.B. Skills der arbeitenden Bevölkerung wegen Langzeitabeitslosigkeit, oder deren Gesundheit, was weitere Mehrausgaben zur Folge hat.

        Ich denke es ist wichtig, sich immer alle Bilanzen einer Wirtschaft vor Augen zu halten und die gegenseitigen Abhängigkeiten und Dynamiken zu erkennen. Wynne Godley hat die ’sectoral balances‘ Analyse mit 3 Sektoren (Staat, Privat und Ausland) geprägt, welche hier meiner Ansicht nach hilfreich ist. Generell kann man sagen, dass eine Verkleinerung einer Bilanz (in diesem Fall der privaten) durch die Vergrösserung einer anderen (in diesem Fall der staatlichen) wettgemacht werden muss, ceteris paribus. Leider ist im allgemeinen Diskurs immer nur von Schulden die Rede, ohne dabei zu Unterscheiden, um wessen Schulden es sich genau handelt, wozu diese im einzelnen verwendet werden und überhaupt, dass jeder Schuld ein Guthaben gegenüber steht. Das kann nur schief gehen…

      • Oliver sagt:

        Und um aus makroökonomischer Sicht ein ‚gutes‘ Equilibrium beim Eintreffen eines, wie auch immer verursachten Schocks, aufrecht zu erhalten, hat es damals Steve Keen in Australien auf den Punkt gebracht: go fast, go big, go households. Dies ist im übrigen kompatibel mit einer ’no bailout‘ Einstellung gegenüber Banken und anderen Unternehmungen, da es bei Privathaushalten ansetzt.

        • Anh Toan sagt:

          @Oliver: Danke! „go fast, go big, go households“: Also z.B. USA besser als toxische Papiere aus den Bankbilanzen, die Studentendarlehen (gegen 8% GDP) aus den Haushaltsbilanzen nehmen. Ja, das gefällt mir.

          In meiner trivialwissenschaftlichen Sicht stimme ich Dir zu, dass durch die Banken wegen Hebelreduzierung reduzierte Kapital kann nicht einfach verschwinden, ohne dass die Ersparnisse verschwinden, also muss es in eine andere Bilanz.

          Aber: „Dies so lange, bis die Mehrersparnis aus dem Defizit und Nettoeinkommen durch Schuldzinsen den Sparbemühungen der Privatwirtschaft genügen.“ verstehe ich nicht.

          • Oliver sagt:

            Ja, der Satz war unverständlich. Gemeint war die Mehrersparnis der Privatwirtschaft aus dem Defizit des Staates, einmal via Primärdefizit und einmal via den Zinszahlungen auf Staatanleihen. Beide stellen eine Bilanzerweiterung des Staatshaushaltes dar, auf dessen Rücken sich private (oder ausländische) Bilanzen verkleinern können.

            ZU go fast, go big, go households. Die Strategie der EU scheint zu sein: go slow, go small, go German and Dutch banks/pensioners.

            Aber dies sind natürlich nur konjunkturpolitische Betrachtungen. Reformen müssen dort ansetzen, wo die Probleme enststehen, was nicht in jedem Land am gleichen Ort ist und vor allem länderübergreifende Abhängigkeiten hat. Reformansatz Nr.1 muss aber m.E. in jedem Fall eine griffige, international Finanzreform (nicht nur Banken!) sein, um der erneuten (Immobilien)blasenentstehung entgegen zu wirken und Kredite dorthin fliessen zu lassen, wo sie zum Aufbau des Kaptalsocks beitragen. Also in echte Investotionen, nicht in Spekulationen. Aber wenn man liest, dass Neuverschuldung auf dem Hypthekenmarkt als Mass für die Genesung der Wirtschaft herbeigezogen wird, ist dies wohl ein aussichtsloses Unterfangen. Das momentane System ist nicht ein Goldstandard, sondern ein Immobilienstandard. Wer sich am meisten davon unter den Nagel krallt, hat gewonnen. If you can’t beat ‚em, join ‚em, sagte Oliver und verschuldtete sich für eine Zürcher Bubbleimmobilie :-).

          • Anh Toan sagt:

            @Oliver: Entweder join’em (Gratulation zur Bubbleimmo) oder man kann singen:

            (Street fighting man):

            Hey! think the time is right for a palace revolution
            But where I live the game to play is compromise solution
            Well, then what can a poor boy do
            Except to sing for a rock n roll band
            Cause in sleepy london town
            There’s no place for a street fighting man
            No!

        • Oliver sagt:

          singen ist immer gut

    • Anh Toan sagt:

      Und noch eine Frage: Hat eine Volkswirtschaft ihre Schuldenquote jährlich um 10% erhöht, und dies wird auf 9% reduziert, sprechen wir dann von Austeritätsmassnahmen und Austeritätspolitik? Alles ist relativ?

      • Johnny Smith sagt:

        Die Frage von Anh Toan habe ich auch. Wie ist die Grösse „Austerität“ definiert, welche der gute Grauwe mit so wunderschönen Korrelationen von 0.97 und 0.98 (Chart 1 und 2) zurechtgebaut hat? Korrelationen von fast 1 sind wohl zu schön für einen Ökonomen, um wahr zu sein. Aber anhand solcher Beispiele (wie ein -9% Defizit als 1% Austerität zu ‚klassieren‘) sieht man, wie man auf solche gewünschten Ergebnisse kommen könnte.

    • Anh Toan sagt:

      Aus Wissenschaftlicher Sicht ist schon richtig was hier steht, doch wann merken es auch die „as the textbook tells us“ Oekonomen endlich? „Das ist die falsche Zeit“ (um zu sparen), sagen Politiker immer in der realen Welt, und darum ist das Textbuch der Oekonomen halt nur ein Märchen.

  • Martin Holzherr sagt:

    Austerität als Mittel Defizite zu reduzieren ist in einem rezessiven Wirtschaftsumfeld sicher nicht zielführend. Doch Deutschland mit Merkel und die übrigen Nordländer empfehlen den Krisenstaaten Austerität nicht vor allem deshalb, weil die Krisenländer damit ihre Schulden unmittelbar zurückführen könnten, sondern weil – interpretiere ich es – nur der Druck der Austerität die nötigen Reformen ermöglicht, um diese Länder wieder wettbewertbsfähig zu machen.
    Merkel hat mehrmals erwähnt, dass Reformen in den Krisenländern nötig sind um diese wieder wettbewerbsfähig zu machen. Die Lohnstückkosten in Italien, Spanien und sogar Frankreich sind über viele Jahre angestiegen. Diese Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit ist auch ein wichtiger Grund der hohen Arbeitslosigkeit in diesen Ländern – nicht nur die Austerität.

    Wenn allerdings die Austeritätsmassnahmen nicht einmal den Reformwillen erhöhen, dann sollte man sie besser heute noch als morgen, kassieren.

    Die jüngsten Wahlen in Italien haben ja auch gezeigt, dass die Bürger dieses Landes nicht mehr an ihre Zukunft einfach als Verlängerung der Vergangenheit glauben. Mindestens gilt das für die Wähler von Beppo Grillo, der ja das ganze politische System Italiens in Frage stellt und ein eigentlicher Antipolitiker ist.

    Die Diagnose lautet doch einfach: Länder wie Italien, Spanien, Portugal , Griechenland sind nicht in der Lage in einem wirtschaftlich geeinten Europa mit einer gemeinsamen Währung mitzuhalten. Bleibt das über die nächsten 10 Jahre so, werden diese Länder irgendwann erkennen, dass Europa keine Zukunft für sie sein kann.

    Die Austerität ist ein aktuelles Problem und verschlimmert die Krise. Doch auch ohne Austerität gäbe es eine schwelende Krise durch die schwindende Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer. Etwas was in einem vereinten Europa ohne Wirtschaftsschranken noch deutlicher zu Tage tritt.

  • pater zuellig sagt:

    Erfreulich dass im TA auch journalistische Ansichten publiziert werden, die sich vom Neo-Sozialistischem Gedankengut der Loepfes und Seibts immerhin teilweise abgrenzen; letztere die sind ja mit der Umverteilmentalität der Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen und wissen eben nicht besser. Wie dieser Blog es analysiert, ist das Problem eben Politisch, also eine von den Wählern inthronisierte Klasse, die „panem et circenses“ gerne verspricht, wohlwissend dass irgendwann die Rechnung bezahlt werden muss, wie bei einer Kreditkarte – und mit Zins plus Zinseszins. Wie alle Wissenschaftler (mit Betonung auf dem „L“) haben auch ein Keynes oder die Leute beim FED und IMF keinen Leistungsausweis als eigenständige Unternehmer. Das meiste ist Theorie oder Flickwerk, und in der realen Wirtschaft würden sie vermutlich betrieben und marginalisiert. Auch ist Europa nicht die USA sondern eine Viel-Nationen-Foederation mit oft blutiger Geschichte, und somit muss der politische Prozess am Anfang stehen, nicht der Ökonomische oder Währungs Zusammenschluss. Und weil dies wohl scheitern würde, wird nun über ein Nord-Süd Umverteilen Zeit gewonnen. Perfiderweise ist inzwischen auch Inflation als Zutat zum politisch verdaulichen Cocktail gestossen, sodass mittelfristig vor allem jene junge Generation, der wir nun bessere Beschäftigung ermöglichen sollen, für die vorgezogene Unterstützung bezahlen wird. Wie bei den Kreditkarten, der Kreis schliesst sich und die unteren Einkommensschichten werden sich dann (wieder) beklagen, wobei doch genau sie sich diese Politiker und Wirtschaftler (Betonung auf dem „L“) als kurzfristige Heiler wählten. Keine Spur von Nachhaltigkeit.

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