«Deshalb bin ich reicher als Sie»

Hellwig und Admati. (Fotos: Princeton)

Belegen, dass Eigenkapital per se nicht teuer ist: Ökonom Martin Hellwig und Ökonomin Anat Admati. (Fotos: Princeton)

Normalerweise sind wir in unserer Wortwahl ja zurückhaltend. Aber manchmal geht das nicht. Daher: Jamie Dimon ist gegenwärtig der wohl arroganteste Banker der Welt.

Der CEO von J.P. Morgan Chase, der mächtigsten Bank der USA, lieferte sich am Mittwoch an einer Telefonkonferenz diesen Schlagabtausch mit Mike Mayo, dem Bank-Analysten des Hongkonger Brokerhauses CLSA und Autor des Buches «Exile on Wall Street»:

Mayo: Die Schweizer Grossbank UBS wirbt in ihren Präsentationen damit, sie sei deutlich solider kapitalisiert als andere Grossbanken und dass vermögende Kunden sich daher bei ihr sicherer fühlen dürfen. Teilen Sie diese Meinung?

Dimon: Sie würden mit Ihrem Geld also lieber zur UBS als zu J.P. Morgan gehen?

Mayo: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte bloss, das sei die Argumentation der UBS.

Dimon: Sehen Sie, deshalb bin ich reicher als Sie.

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was er damit genau sagen wollte. Und doch geht es in der Konversation zwischen Dimon und Mayo um eine enorm wichtige Frage: Wie viel Eigenkapital sollen grosse, systemrelevante Bank halten müssen? Und könnte es sogar ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn eine Grossbank (im obigen Fall die UBS) besser kapitalisiert ist als die anderen?

Dazu eine kurze Rückblende. Vor wenigen Wochen haben wir in diesem Blogbeitrag auf ein frustrierendes Jubiläum, nämlich den sechsten Jahrestag des Beginns der Finanzkrise, hingewiesen. Frustrierend ist es deshalb, weil das «Too big to fail»-Problem alles andere als gelöst ist. Die Grossbanken sind immer noch zu schwach kapitalisiert, sie müssten im Notfall immer noch von ihrem Heimatstaat gerettet werden, und sie kommen dank der Staatsgarantie im Rücken immer noch in den Genuss grotesk subventionierter Kapitalkosten, wie der britische Notenbanker Andrew Haldane sehr eindrücklich nachgewiesen hat (hier mehr dazu).

Zwar haben Vertreter von Aufsichtsbehörden und Notenbanken im Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den Jahren nach der Finanzkrise das Basel-III-Regelwerk erarbeitet, das den Banken unter anderem etwas höhere Eigenkapitaldecken vorschreibt. Doch der Finanzbranche ist es mit massivem Lobbying gelungen, Basel-III zu verwässern und zu verzögern.

Sie führen dabei immer die gleichen zwei Argumente ins Feld. Erstens: Eigenkapital ist für Banken zu teuer. Und zweitens: Weil Eigenkapital so teuer ist, wird das die Kreditvergabe der Banken ebenfalls verteuern respektive einschränken, was wiederum die Realwirtschaft schwächt.

Diese Argumente klingen einleuchtend, so einleuchtend, dass sie bald auch von der Öffentlichkeit und den meisten Politikern als wahr akzeptiert wurden. Dabei waren sie von Anfang an schwach.

Ein neues Buch mit dem Titel «The Bankers‘ New Clothes» von der an der Stanford University lehrenden Ökonomin Anat Admati und dem Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, Martin Hellwig, nimmt die Argumente der Grossbanken auf und zerpflückt sie schonungslos. Mein Redaktionskollege Christoph Gisiger hat die beiden Autoren kürzlich in Washington getroffen: Hier sein sehr lesenswertes Interview mit Admati und Hellwig.

Ich kann nur eines sagen: Wenn Sie das Thema «Too big to fail interessiert, dann lesen Sie dieses Buch. In den ersten vierzig Seiten schreiben die Autoren auch für Laien verständlich – teilweise etwas gar repetitiv –, wie das Bankengeschäft eigentlich funktioniert und wie eine Bankbilanz aufgebaut ist. Danach geht’s zur Sache.

Punkt für Punkt zeigen Admati und Hellwig auf, wo die Argumente der Banken falsch sind: So belegen sie beispielsweise, dass Eigenkapital nicht per se teuer ist. Es ist für die Banken nur so teuer, weil sie fast keines besitzen und ihre Bilanz für Eigenkapitalgeber dadurch hoch riskant ist. Mit einer dickeren Eigenkapitaldecke würde die Risikoprämie schrumpfen, die Investoren auf den Aktien von Banken verlangen, und damit würden auch die gesamten Kapitalkosten der Bank sinken. Auch zeigen sie, dass es überhaupt keinen Beweis für die Behauptung gibt, härtere Eigenkapitalvorschriften würden die Kreditvergabe verknappen.

Bankmanager haben heute gemäss Admati und Hellwig jeden Anreiz, die Eigenkapitaldecke so dünn wie nur möglich zu halten, weil sie damit die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) maximieren können. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ein Grossteil ihrer Bonus-Entlohnung basiert auf dem Erreichen gesetzter RoE-Ziele.

(Dass ein RoE-Ziel, wie es auch die Konzernchefs der zwei Schweizer Grossbanken immer wieder formulieren, völlig sinnlos ist, haben wir in diesem Blogbeitrag am Beispiel der UBS vor wenigen Monaten behandelt.)

Immer wieder gehen Admati und Hellwig auf die Absurdität ein, dass die heutigen Finanzkolosse, deren Bilanzsumme oft 1000 Milliarden Dollar übersteigt, auf einer winzigen Eigenkapitalbasis von meist weniger als 3 Prozent stehen. Um die Sicherheit und Robustheit des globalen Finanzsystems nachhaltig und effektiv zu erhöhen, müssten Grossbanken 20 bis 30 Prozent ihrer ungewichteten Bilanzsumme mit Eigenkapital finanziert haben. Volkswirtschaftlich sei das mit keinen Kosten verbunden, im Gegenteil: Die Häufigkeit staatlicher Bankenrettungen würde massiv verringert, was die Öffentlichkeit respektive die Steuerzahler von einer latenten finanziellen Gefahr erlöse.

Die Forderung, Banken sollten 20 bis 30 Prozent Eigenkapital halten, haben Admati und Hellwig bereits im Sommer 2010 in einer ausgedehnten und vielbeachteten Studie (hier) aufgestellt. Sie riefen damals explizit dazu auf, dass sich melden solle, wer gut fundierte Argumente habe, die gegen eine derart dicke Eigenkapitaldecke sprächen.

Wie Admati und Hellwig in ihrem Buch nun schreiben, hat sich niemand gemeldet. Auch nicht der mächtige Jamie Dimon.

And now for something completely different:

Die Eurokrise ist zurück. Das Stimmvolk in Italien hat dem Reform- und Austeritätskurs von Mario Monti eine herbe Abfuhr erteilt. Wie lange es wohl dauert, bis auch in Berlin die Einsicht reift, dass es kontraproduktiv ist, von den Euro-Peripherieländern zu grosse Austeritätspakete in zu kurzer Zeit abzuverlangen? Wen’s interessiert: Hier unser Leitartikel in der FuW zu diesem Thema.

Und hier noch der Link zu unserer aktuellen Umfrage: Welches Land, wenn überhaupt, wird als Erstes aus der Europäischen Währungsunion austreten?

Und gleich noch eine Anmerkung in eigener Sache: Vielleicht haben Sie vom Aufruf der 27 Schweizer Professoren gehört, die sich gegen die von der UBS finanzieren Lehrstühle am UBS International Center of Economics in Society an der Universität Zürich ausgesprochen haben. Hier der schonungslose Kommentar meines Kollegen Markus Diem Meier dazu.

77 Kommentare zu ««Deshalb bin ich reicher als Sie»»

  • R. Stutz sagt:

    Kalter Kaffee.. das Zitat von Herrn Dimon ist nicht von gestern sondern von Ende Februar.

    • Thomas ernst sagt:

      Danke für den Hinweis. Die echte Alternative zur Machtgesteuerten Mangelwirtschaft.

      TED ist natürlich immer eine hervorragende Quelle, weil die Jungs dort keinerlei Berührungsängste, Vorurteile und Schlagseite haben. Einfach ein geniales Konzept: Ideas worth spreading – und das völlig gratis!

  • ralph kocher sagt:

    Wie lief dies noch mit „König Lustig“ zu Westphalen? Er liess alles abtransportieren. Der sittliche Verschwender machte sich das Kunstraubs schuldig. Ein Mass aller Dinge scheint auch heuer kaum feststellbar. Insbesondere man noch gen aussen protzen muss, medial inszeniert.
    Immer noch bildete sich ein Mob, um Existenzielles zurückzuholen. Nur dass diesmal die Kausalität global verstanden werden muss.

    • Thomas ernst sagt:

      äähh… Sind Sie sicher, dass diese Aneinanderreihung von Wörtern eine allgemeinverständliche Aussage enthält und etwas mit dem hier aktuellen Thema zu tun hat?

  • Rolf Schumacher sagt:

    ad Redakton. Ich habe gedacht, das Hr. Löpfe den Artikel geschreiben habe. Das Lob geht an Hr. Dittli. Sorry, so ein kapitaler Schnitzer dürfte nicht geschehen. Ich habe die Kritik an Löpfe im Kommentar als so extrem emfpunden, dass ich nicht anders konnte, als ihn loben zu wollen….Egal unter welchem Vorwand. ;-)))) So leicht sind wir also beinflussbar resp. manipulierbar??

    • Thomas ernst sagt:

      …nicht WIR (alle) sind manipulierbar, nur IHR kruder sozialistischer Fanatismus macht Sie leicht manipulierbar.

      Lernen Sie, alternative Sichtweisen neutral wahrzunehmen und Ihr Weltbild wird farbiger und differenzierter. Es gibt nicht nur Rot auf der Welt.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Gut gekontert. Nur wähle ich konsequent bürgerlich. Ich denke aber, dass die Zukunft bei KMUs und deren nationaler und internationler Kompetition liegen muss. Globale Gleichschaltung unter dem Deckmantel „freie“ Marktwirtschaft ist mir genauso ein Gräuel, wie ein bankrotter Gewerkschaftsstaat. Ich bin der Meinung, dass ethisch-moralisch korrektes Geschäften nichts mit Sozitum zu tun hat. Viele Gewerkschaften schützen auch lediglich ihre Pfründe.. Die Polemik Levrats ist genauso verwerflich, wie jene Blochers.

  • Linus Huber sagt:

    Gratulation an den Verfasser des Artikels. Endlich wieder einmal ein Artikel, welcher das Kernproblem der Krise anspricht und nicht einzig ueber die Symptome lamentiert.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Es gibt nur einen Ausweg: Wer spenden will tut dies in einen Topf für Ausbildung. Das entsprechende Bundesamt, resp. kantonale, resp. Gemeindeamt verteilt dann die Gelder da wo notwendig. Forscher und Politik müssen sich da zusammen tun und aushandeln wo wie viel investiert werden soll.
    Wenn die Privatwirtschaft für sich forschen will, soll sie es auch unter ihrem Namen tun. Alles andere ist gefährlicher Etikettenschwindel.
    Die USA haben wohl die teuersten Universitäten, die innovativsten Dinge kommen aber lange nicht alle von diesen Universitäten. Es wird extrem viel Schrott und Pseudowahres an Eliteuniversitäten produziert. Leider ist es so, wenn Harvard, Yale, Princeton etc etwas publizieren, dann erhält es automatisch viel mehr Aufmerksamkeit. Es geht da um den Unibrand und nicht um gehaltvollen Inhalt. Skandinavische Länder, Holland, Frankreich, Deutschland etc bringen oft viel bessere Studien. Weshalb?? Weil sie viel kritischer gelesen und gehandelt werden als eine Yale-Topshot-Prof-Publikation. Yale etc können sich viel unverschämtes leistne eine kleine Uni nicht, deshalb glaube ich eher der Provinzpublikation als z.B der Yale-Chevron-Lüge. Ein Yale-Furz stinkt nie, eine Berner-Rose riecht immer nach Provinz.
    In der Schweiz hatten wir bis anhin dieses dekadente elitäre Denken nicht. Seit einiger Zeit meint man aber auch hierzulande intelligente Dinge können nur in Zürich gedruckt werden. Genau das ist aber schädlich. Denn wenn es 1 2 u. 3. Klassunis gibt, dann wird das Gerangel um die besten Plätze grösser und die Qualität des outputs sinkt. Forschung braucht nebst fachlicher Kompetenz Zeit, Leidenschaft, keine Beeinflussung von aussen, Durchhaltewillen und keine vorgefassten starren Meinungen. Sie MUESSEN beweisen dass (dafür zahlen wir Millionen) ist ein denkbar schlechtes Studiendesign.

  • Michael Schwarz sagt:

    Unsere Demokratie ist eine Scheinwelt, die man an Normalsterblichen verkauft wird. Wenn die Schweizer Banken im Wettbewerb stehen würden, werden zu grössten Teilen der Schweizer Banken zum Grund gehen. Das ist der Grund warum die Banken gegen Basel III und EK-Erhöhung arbeiten. Sie versuchen mit allen Mitteln die Einführung des Bankgesetzes zu verhindern. Wenn Sie nicht gewinnen können, dann kaufen sie das Recht, Bspw. mit grosszügigen Spenden.

    Wie ich zuvor in diversen Kommentaren geäussert habe, müssen die Banken streng reguliert werden, auch wenn die Banken mit allen Mitteln sich dagegen wehren. Das ist notwendig um Stabilität im System wiederherzustellen.

    • Michael Schwarz sagt:

      Viele Kommentatoren behaupten, dass die Banken überreguliert sei. Diese Aussage ist zum Teil richtig, weil der Regulator von der Komplexität des modernen Bankgeschäftes überfordert ist, deshalb reguliert er an falscher Stelle. Die heutige Gesetzgebung schränkt die unternehmerische Freiheit in der Finanzindustrie zu stark ein.

  • Thomas Meier sagt:

    Warum ist es okay, wenn Jamie Dimon hier als Idiot bezeichnet wird, nur weil der Autor eine andere Meinung hat? z.B. Philipp Löpfe schreibt regelmässig inhaltich falsche Artikel und erkennt einfachste ökonomische Zusammenhänge nicht (oder will sie nicht erkennen). Ich bin mir recht sicher, dass mein Kommentar gelöst werden würde, wenn ich ihn als Idiot bezeichne. Ich bin eigentlich auch kein Fan der Weltwoche, aber als diese neulich dem TA Chefredaktor seine Vergangenheit vorgeworfen hat und den TA selbst als heuchlerisch bezeichnet hat, weil man sich unmoralisch verhält, aber gleichzeitig diese Verhalten anderen vorwirft, hat der TA nur mit Ablehnung reagiert. Aber hier ist es offenbar okay, Leute als Idioten zu bezeichnen obwohl die Argumentation auch dafür nicht sehr klar ist. Es ist äussertst unwahrscheinlich, dass Banken mit höheren EK, profibaler sind, sonst würden die Banken das einfach machen bzw. die Aktionäre Druck ausüben (und dass die Bonis von RoE abhängig sind, ist nicht relevant, da das einfach geändert werden kann). Man könnte daher auch behaupten, dass die Argumentation in diesen Artikel idiotisch ist (oder gar der Autor selbst), aber das würde dann wohl wieder nicht toleriert werden und dann sind wir wieder bei der Heuchlerei, dass hier mehr Moral von CEOs gefordert wird und man selbst genau das Gegenteil macht…

    • Mark Dittli sagt:

      Sie haben Recht. Diese Bezeichnung war nicht angebracht.

      • Sie haben unrecht. Es gibt Situationen, in denen „Idiot“ das einzige angebrachte Wort ist, vor allem wenn das Gegenüber rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich ist. Was, bitte schön, wäre denn eine geeigente Replik auf das „Deshalb bin ich reicher als Sie“ gewesen? Dass Herr Dittli mehr Anstand hat, als in dieser Situation angebracht ist, ehrt ihn, aber der Rückzug war trotzdem unnötig.

        Zur Bemerkung Herrn Meiers, wonach etwa Herr Löpfe angeblich „regelmässig inhaltlich falsche Artikel“ schreibt „einfachste ökonomische Zusammenhänge“ nicht erkennt (oder erkennen will) nur noch dies: Er sollte — wenn wir schon Wortklauberei betreiben — ehrlicherweise sagen, dass Herr Löpfe Artikel schreibt, die statt „regelmässig inhaltlich falsch“ einfach Herrn Meiers eigener Ideologie widersprechen. Den „einfachste[n] ökonomische[n] Zusammenhänge[n]“ verdanken wir immerhin die Finanzkrise, und dies obwohl doch gemäss dieser „einfachste[n] ökonomische[n] Zusammenhänge“ freie Finanzmärkte gar keine Krisen hervorrufen können.

        Solange die ökonomische Lehre Theorien verbreitet, die der empirisch beobachtbaren Realität widersprechen oder sich sogar selber widersprechen (und daher per definitionem falsch sein müssen), sollte man diese besser nicht in den Zeugenstand rufen, um irgendwelchen Journalisten unredliche Motive zu unterschieben.

  • Anh Toan sagt:

    Die optimale Finanzierung (Risko zu Ertrag) zu berechnen ist doch das eigentliche Geschäft einer Bank. Nun schreiben zwei Wissenschaftler ein Buch darüber, dass sie dass besser können als die Bankmanager.

    Eigentlich kann dem gar nicht mehr entgegnet werden, als Dimons, sehen Sie, deshalb bin ich reicher als Sie, allenfalls hätte er fragen können: Warum schreiben Sie ein Buch und managen nicht eine Bank?

    • Fred David sagt:

      Das sind so Sprüche, die noch in den USA durchgehen mögen, wo bedenkenlos neue Blasen aufgepumpt werden, als wäre nichts geschehen. Das mag in einer aufs Ganze gesehen schlecht informierten Zivilgesellschaft funktionieren. In Europa sind wir weiter.

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Die optimale Finanzierung zu berechnen ist ein wenig etwas anderes als systemrelevante Risiken zu erwaegen. Dimon ist ein erfolgreicher Verkaeufer aber sonst gar nichts, indem er ausgezeichnete Lobby-Arbeit zugunsten der Banken leistete.

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: „Die optimale Finanzierung zu berechnen ist ein wenig etwas anderes als systemrelevante Risiken zu erwaegen.“

        Das stimmt, dass das etwas anderes ist, jedoch was berechnen die Autoren des Buches über welches hier berichtet wird: Die optimale Finanzierung einer Bank oder systemrelevante Risiken?

        Haben Sie was von systemrelevanten Risiken gelesen im Beitrag? Ich nicht!

        • Linus Huber sagt:

          Die Finanzierung der Banken mit dem Ziel, die Kosten systemrelevanter Risiken und der damit einhergehenden implizierten Staatsgarantie nicht mehr der Allgemeinheit unterzujubeln, sondern bei den Banken selber zu platzieren.

  • May sagt:

    Es ist schon fraglich, dass man mit einer Lobby erreichen kann dass das Gesetzt über Eigenkapital gebäugt werden kann, wo alle anderen Unternehmungen 100% einbezahlt haben müssen.

    • Linus Huber sagt:

      Es geht nicht um Einbezahlung des Eigenkapitals in sich, sondern um die Eigenkapitalquote, welche in Prozenten der Bilanzsumme ausgedrueckt wird. Fast alle Unternehmen operieren auch nicht mit einer Eigenkapitalquote von 100%, sondern operieren ebenfalls mit Fremdkapital. Jedoch sind diese Firmen nicht systemrelevant und grundsaetzlich nicht subventioniert durch den Staat und haben im Allgemeinen eine viel hoeher Eigenkapitalquote als die heutigen Banken.

      Der Unterschied zwischen Eigen- und Fremdkapital in Bezug auf Systemsicherheit liegt hauptsaechlich darin, dass Eigenkapital viel leichter zur Deckung von Verlusten verwendet werden kann, waehrend Fremdkapital erst im Liquidationsverfahren zum Zuge kommt. Ein zusaetzliches Problem besteht heute auch darin, dass aufgrund der schwachen Eigenkapitaldecke ein Liquidationsverfahren eines insolventen Schuldners bereits ein Problem darstellt, da dies Auswirkungen auf die mit zu wenig Eigenkapital ausgestatteten Banken hat, welche gefaehrlich sein koennen. Dies ist der Grund, warum Zentralbanken ihre Bilanz ausdehnen und damit versuchen die anstehenden Abschreibungen auf nicht rueckzahlbare Schulden zu vermeiden.

      Ich warte bis heute noch auf einen Zentralbanker, welcher endlich diese Problematik beim Namen nennt und fuer vergangene Fehler um Entschuldigung bittet, welche jedoch nicht erteilt werden sollte.

      Trotzdem bin ich guten Mutes, dass die TBTF Banken bald einmal eliminiert werden duerften, da sich die Anzahl der Kritiker dauernd erhoeht, selbst aus dem Kreise der Elite selber. Bernanke wurde sehr pointiert von Elisabeth Warren in einem Senat-Hearing kuerzlich gefragt, warum dieses Problem nach jetzt bald 5 Jahren noch immer nicht geloest wurde mit dem Hinweis, wie hoch der Wert der Subvention (80+ Mia. pro Jahr) an die TBTF Banken betraegt durch die implizierte Staatsgarantie. Seine Antwort war schlappschwaenzig.

  • lucius mayer sagt:

    Als sich die damals «Großen 3» Ende des 20. Jhs. entschieden, bewusst auf das «AAA» zu verzichten, waren die internen Begründungen: 1. so viel Eigenkapital ist zu teuer und 2. wir haben eine stille Staatsgarantie. In einer Bankokratie wie Helvetien werden die Banken den Krug unbeirrt zum Brunnen tragen, bis er bricht bzw. vom scheinsouveränen Volk zerstört wird.

    • Linus Huber sagt:

      @ lucius

      Sie sprechen ein Thema an, welches sehr wohl wichtig ist fuer die Schweiz, indem eine Aenderung in die von obigen Buchautoren implizierte Richtung von erhoehten Eigenkapital bei Banken verhaeltnismaessig staerker mit negativen Auswirkungen fuer die Schweiz sein duerfte als fuer Laender, welche keinen internationalen Finanzplatz beherbergen.

      Eine erhoehte Eigenkapitalausstattung der Banken kann sehr wohl ein enormer Wettbewerbsvorteil in den naechsten Jahren darstellen, wenn die eingeschlagene Wende (klare politische Ablehnung der staatlich implizierten Garantie) einmal Traktion findet.

  • Fred David sagt:

    Das von den Buchautoren genannte Argument überzeugt mich sofort und 100%ig: Es ist ganz einfach attraktiver, im Verhältnis zur Bilanz wenig Eigenkapital zu haben, weil die entsprechende Rendite dann automatisch hoch ausfällt, sich die dumpfen anonymen Märkte damit leicht beeindrucken lassen und dies sich wiederum unmittelbar und positiv auf den Aktienkurs auswirkt. Vor allem aber: Die Bezüge der Topetage orientieren sich vor allem an Eigenkapitalrendite und Aktienkurs.

    Kapitalismus funktioniert im Kern viel primitiver, als es uns das verklausulierte Analystengeschwafel weismachen will.

    • Linus Huber sagt:

      @ Fred

      Sie erkennen gut, dass die Verletzung marktwirtschaftlicher Prinzipien die Moeglichkeit eroeffnete, sich risikolos und im Endeffekt zulasten der Allgemeinheit persoenlich zu bereichern, welches die effektive Motivation hinter der ganzen Problematik sein duerfte.

      • Fred David sagt:

        @) Linus …“risikolos sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern…“. Noch vor wenigen Jahren wären bei einem solchen Satz die „Religionswächter“ eingefahren. Heute liegen die Belege für diese Feststellung für jedermann einseh- und nachprüfbar vor. Übrigens auch dank des Internets. Das ist nicht mehr so leicht kontrollierbar wie andere Medien.

        • Rainer Lenzburger sagt:

          @ Fred D. (und Linus H).: Genau in diese (von Ihnen brilliant formulierte) Erkenntnis setze ich Hoffnung. Langsam, aber immer schneller, breitet sich dieses Wissen um das Luftschöpfungs-Betrugsmodell der kreditschöpfenden Banken aus. Die Nationalbank wird noch mehr 1000er-Noten drucken müssen, da immer mehr Kontoinhaber ihre ersparten Batzen den Banken (die eh fast keinen Zins mehr rausrücken) nicht länger überlassen werden. Ein „silent bank run“ ist auch bei uns bereits im Gange.

          • Linus Huber sagt:

            @ Rainer

            Ich persoenlich liebe die Vorstellung, dass die Gesellschaft das gleiche Prinzip des Erpressung anwendet, welche die Banken gegenueber der Allgemeinheit anwendete, naemlich entweder spurt ihr oder wir bringen das System zum „crashen“.

            Es brauch nur vielleicht das Abheben von 20% saemtlicher unserer Guthaben von den Banken und das System faellt in sich zusammen. Mit diesem Druck kann die Gesellschaft entsprechende gesetzliche Veraenderungen erzwingen um die Situation zu veraendern und die Elite zu disziplinieren.

  • Tom sagt:

    Luft ist genau genommen nicht zutreffend. Der Brennwert des Notengeldes und Abbildungen darauf sprechen eher für Werbebroschüre.

  • Tom sagt:

    joo… und durch die Steuerung der Bewegungen dieser Luft werden die Human- und sonstigen Ressources gelenkt.

    • Tom sagt:

      @obigen Kommentar: Dieser Text war eine Antwort auf einen mittlerweile verschwundenen Kommentar bzgl. Luftkreierung durch Banken.

  • Luisa Haltner sagt:

    Man stelle sich eine Firma vor, die 3 % Eigenkapital aufweist, 50% Aussenstände u. etwa gleichviel Schulden hat, (Jede Firma hat mehr Eigenkapital allein schon durch d.Produktionsmittel!), aber vom Staat = Steuerzahler garantiert bekommt, nicht Konkurs gehen zu können. Das Einzige, was diese Firma verkauft, ist Luft, die sie noch nicht einmal selber hat…
    Das nennen d.Bankster auch noch freie Marktwirtschaft… Wahnsinn!

    • Linus Huber sagt:

      Genau, das Problem liegt in der Verletzung der Prinzipien der freien Marktwirtschaft und dies aufgrund der Regeln, welche durch die Zentralbanken erstellt wurden.

  • Christian Müller sagt:

    Die Unkenntnisse sind bedenklich. Machen wir mal für den Autor sowie die Kommentatoren eine kurze Rechnung:
    Eigenkapital muss nach Angaben von einigen hier 20%-50% der Bilanzsumme betragen. Erstens sagt Eigenkapital zur Bilanzsumme nichts aus, da das Risiko der Aktivseite nicht betrachtet wird. Es ist ein Unterschied, ob ich vorsichtige Hypotheken (mit EK Anteil von 50% und die gut bedienbar sind) habe oder Firmenkredite an Start-Ups. Aber egal, lassen wir mal die 20%-50% EK absolut durchrechnen. Die Kapitalkosten des Eigenkapitals sind mindestens 8-10%, was dann bei einer Kreditbank dazu führen würde, dass man eine Zinsmarge von 1.6% bis 2.0% bei 20% EK oder 4-5% bei 50% EK nach Abzug aller Kosten (Personal, IT, Risikokosten (Ausfälle, etc.), Steuern, etc.) haben müsste. Anders gesagt, wäre dann die Zinsmarge, die der Kunde bezahlt, bei vorsichtig geschätzten 3% bis 10% und ich bin sicher, dass jeder gerne das 3-10-fache für seine Hypothek, etc. bezahlen möchte. Nun kann man natürlich sagen, dass eine Rendite auf das EK von 3% genügt, aber dann würde niemand mehr Geld in Banken investieren, da Kapital unausweichlich vernichtet würde. Die Folge für unsere Wirtschaft wäre fatal, da für Volkswirtschaften Kredit von grosser Bedeutung ist (man muss sich mal anschauen, was passiert wenn Banken keine Kredite mehr geben, wie in Griechenland, etc.). Also keine Finanzierung mehr für KMUs, Hausbesitzer, etc. Wenige Firmen können alles aus eigener Tasche finanzieren, aber die meisten eben nicht – Erhöhung des Warenlagers, neue Fabrik, Auslandsexpansion, etc. etc. alles kann nicht aus EK finanziert werden, ausser in einer Steinzeitwirtschaft.
    Alternative ist, dass Banken die Aktiven nicht in der eigenen Bilanz behalten (Verbriefung, etc.), was schon einmal erfolgreich betrieben wurde (Ironie!) oder natürlich Staatsbanken, die von unseren Politikern völlig unabhängig gemanagt werden und auch hier sollte man Geschichte etwas kennen um zu wissen, dass dies ironisch gemeint ist.

    • Zins auf EK ist nur eine kalkulatorische Grösse, man kann für eine selbständige Unternehmung quasi von Staats wegen nicht einfach eine permanente Zwangsdividende verordnen wie Sie das hier tun, sonst bin ich dafür dass das inskünftig auch für die Realwirtschaft gelten soll, was den Konsumenten sicher freuen würde.

    • Linus Huber sagt:

      @ Christian

      Die von Ihnen dargestellte Problematik ist sehr wohl bekannt. Jedoch vernachlaessigen Sie in Ihren Ueberlegungen, dass das gegenwaertige System nicht nachhaltig ist. Ebenfalls besteht eine Wechselwirkung zwischen den Preisen von Assets (z.B. Immobilien) und dem Kreditvolumen im System, indem massive Ausdehnung des Kreditvolumens (wie praktiziert vor 2008) diese Preise in die Hoehe transportierten und damit verschiedene andere Aspekte verfaelschten. Ebenfalls ist die verzweifelte Anwendung nicht konventioneller Geldpolitik der Zentralbanken das Resultat der vorhergehenden massiven Kreditkreation der Banken.

      Sie scheinen ein Vertreter der Banken zu sein.

      • Christian Müller sagt:

        @ Gfeller: Woher haben Sie den Ihre seltsamen Theorien? Wenn ich eine Bank oder eine Firma gründe oder in eine investiere, interessieren mich zwei Parameter: Investition bzw. Preis des Eigenkapitals (falls es zu einer Prämie oder Discount handelt) sowie die erwartete ROE (Eigenkapitalrendite) über den Zyklus. Klar kann man dann verschiedene Szenarien (gute – mittel – schlecht) durchrechnen, aber wenn erwartete ROE 2% ist, werde ich nie und alle anderen Unternehmer nie ein Geschäft eröffnen.

        @ Huber: Was soll diese Unterstellung? Da ich eine andere Position habe als Sie soll ich Vertreter der Bank sein? Um es klar zu sagen, ich arbeite weder für eine Bank noch habe ich direkt mit Banken zu tun, aber i.G. zu vielen habe ich VWL studiert und lese Bücher, Zeitungen und Zeitschriften Economist, etc., die ökonomischen Sachverstand haben. Dies mit dem „gegenwärtigen System nicht nachhaltig“ ist eine abstruse Behauptung und ist kein Lösungsansatz. Was schlagen Sie den intelligentes vor? Zurück zum Goldstandard oder mal eine richtige Depression, wo dann viele, auch ältere, alles verlieren werden? OK, verdoppeln wir die Kapitalanforderungen aller weltweit tätigen Banken um das 2 bis 3 fache. Was passiert? Banken werden Ihre Bilanzsumme radikal reduzieren, da keine Kapitalerhöhung in diesem Umfeld möglich wäre. Was heisst Reduktion der Bilanzsumme? Sie werden kaum neue Kredite vergeben, Kredite nicht verlängern, etc. Wirtschaft wird darunter extrem leiden, Arbeitslosigkeit steigen und der Staat muss viele Externalitäten decken, wenn sie keinen Sozial- und Rentenabbau wollen. Aber ich bin gerne bereit von Ihnen eine Lösung zu hören. Aber bitte eine realistische, die mindestens die grundlegenden ökonomischen Kriterien berücksichtig und den gesunden Menschenverstand.

        • Wenn ein richtiger Unternehmer eine Firma gründet rechnet er sogar mit einer mehrjährigen Durststrecke mit anfänglichen Verlusten bis er in die Gewinnzone kommt, das ist der Unterschied zw. Realwirtschaft und Zocken mit fremdem Geld nur damit die EK Rendite hoch ausfällt.

        • Linus Huber sagt:

          @ Christian

          Ich kann Ihre Argumente sehr gut verstehen und es sind genau jene, welche die Banken immer wieder benutzen um eine verstaerkte Selbstverantwortung im Bereiche des Risikos zu uebernehmen. Das Problem ist allerdings nicht aus einem Vakuum und wie ein Naturereignis ueber uns hereingefallen, sondern entstand ueber Jahrzehnte und zwar hauptsaechlich aufgrund der inflationaeren Geldpolitik der Zentralbanken, welche sich von der Banken-Lobby in diese Richtung manoevrieren liessen. Die Zunahme des weltweiten Kreditvolumens ueber die vergangenen vielen Jahrzehnte ist geschichtlich betrachtet einmalig womit wir heute bei durchschnittlich in etwa 330% des gdp (bpi) in Kreditvolumina in den westlichen Staaten angekommen sind. Glauben Sie wirklich, dass die Kreditvolumina einfach weiter massiv ausgeweitet werden koennen und es sich hierbei um eine nachhaltige Entwicklung handelt? Langsam aber sicher erstickt dieses massive Kreditvolumen jede wirtschaftliche Energie, da viele der Fehlinvestitionen, welche aufgrund der ankerlosen Geldpolitik gemacht wurden, verhindert werden, einer noetigen Liquidation zuzufuehren.

          Wir koennen Kredite ebenfalls nicht abschreiben, weil die Banken zuwenig Eigenkapital besitzen. Es ist alles miteinander verkoppelt und man muss die gesamte Situation und die verschiedenen Wechselwirkungen erkennen.

          Die Loesung muesste auf einer Kombination zwischen Abschreiben von Fehlinvestitionen und einer Ausweitung des Basisgeldvolumens, welche Kreditvolumen ersetzt angestrebt werden, wobei die soziale Vertraeglichkeit und Gerechtigkeit mit zu beruecksichten ist. Heute wird einzig auf dem Ruecken des Sparers (zugunsten der Schuldner) die Angelegenheit angegangen, jedoch der Aspekt von notwendigen Abschreibungen wird noch immer nicht anerkannt und entsprechend angegangen. Ebenfalls oeffnet sich die Einkommens- und Vermoegensschere immer staerker mit der gegenwaertigen Gangart. Das Risiko muss zurueck zum Risikonehmer.

      • George Aengenheister sagt:

        @Linus: Es scheint sich etwa um das gleiche Geschäftsmodell zu handeln wie damals bei Enron. Ein Viertel ist halbwegs ehrliches Geschäft, damit der Schwindel nicht sofort auffliegt, der Rest ist aufgeblasener Schaum, der uns den klaren Blick vernebelt: Am Ende des falschen Glaubens steht immer der Konkurs oder Waffengewalt.
        Das Geschäftsmodell der Bank ist doch der Ertrag aus Zinsdifferenz plus Gebühren. Die Zinsen sind nahe bei null und die Margen tief. Wie kann der Finanzsektor in dieser Sachlage 25 Prozent der Wirtschaftsleistung erzeugen? Kann das einer logisch erklären?

        • Christian Müller sagt:

          @ Gfeller: Ich habe eine Firma gegründet und ja es braucht Jahre bis man Gewinnzone erreicht, aber wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, dass ich mal über 8-10% Rendite erwirtschaften kann, hätte ich es nie gemacht und Geld lieber anders investiert. Ich brauche diese Rendite auch, dass ich mal schwierige Zeiten überstehen kann, investieren kann, etc. Wenn jemand mit EK-Rendite von 2-3% rechnet, dann gute Nacht, da jede Krise ihn wegfegen wird. Und wenn ich im Best Case 2-3% EK Rendite habe und im Worst Case alles verliere, wird niemand eine Firma gründen. Im Artikel und auch ich rede übrigens über normale Kreditbanken, wie auch die Raiffeisen und der Kreditbereich von Banken wie JP Morgan, BNP, etc. Die Raiffeisen hat übrigens ca. 7% Eigenkapital im Verhältnis zur Kundenausleihen (gegen Bilanzsumme leicht tiefer) und risikogewichtet eine Tier 1 von 12.6%! So und jetzt sollen mir die grossen Redner hier, die eine EK Quote von 20-50% sagen, warum dies bei der Raiffeisen nicht genügt. Es geht eben nicht nur um Zockerbuden (was es bei vielen gibt), sondern um das Kreditwesen, was für eine Volkswirtschaft essentiell ist. Aber OK, soll mir einer sagen was die Raiffeisen machen sollte um EK von 20-50% zu erreichen? Den Grossteil der Firmenkredite und Hypotheken kündigen? Und wer würde dann Geschäft machen bei EK Rendite von 2-3% ? Niemand! Und von Linus Huber und Albert Gfeller höre ich dazu leider überhaupt nichts.
          @ Aengenheister: Woher haben sie die 25%? Es sind ca. 10% (wovon 40% Versicherungen)! Soviel zu seriösen Kommentaren! Geschäftsmodell der Bank ist aber genau wie sie sagen Ertrag aus Zinsdifferenz + Gebühren. Die Zinsdifferenz sind obwohl die Zinsen tief sind, vielerorts eher gestiegen. Und wieviel gibt eine Privatperson oder Sie z.B. oder Firmen für Versicherungen aus, Finanzierungskosten wie Hypothek, etc. Kosten für Anlage Pensionsgelder, etc. etc. Zudem hat es in der Schweiz viele Dienstleistungen für ausländische Kunden.

          • Linus Huber sagt:

            @ Christian

            Niemand hinterfragt die angestrebte Absicht eines guten Gewinnes eines Unternehmers. Allerdings riskiert der Unternehmer dabei erstens meist sein persoenliches Vermoegen und dasjeniger seiner Firma und zweitens, kann bei Schwierigkeiten nicht auf die Hilfe der Allgemeinheit zurueckgreifen. Das Risiko verbleibt beim Unternehmer. So nicht bei den Grossbanken.

            Sie wollen das Problem damit loesen, indem Sie die Mittel einsetzen, welches das Problem kreierte. Dies ist vergleichbar mit dem Versuch, einen Alkoholiker mit einer Flasche Jack Daniels heilen zu wollen.

            Die Idee der risikogewichteten Eigenkapitalquote ist in sich eine fragwuerdige Darstellung und erlaubte die Eigenkapitalquote durch eine kuenstlich kreierte Komplexitaet schrittweise weiter zu reduzieren. Viele Assets werden nach Modellen bewertet und nicht nach Markt, was einer zusaetzliche Verfaelschung der aktuellen Sachlage dient.

            Wo genau die richtige Eigenkapitalquote liegen soll, weiss ich natuerlich nicht, jedoch sehe ich ein Minimum von mindestens 10% – 20% (nicht risikogewichtet) definitiv als erforderlich um die Systemsicherheit zu gewaehrleisten. Banken muessen in der Lage sein, einen Abschreiber von mindestens 5% auf ihre Assets jederzeit verkraften zu koennen.

            Essentiell fuer die Volkswirtschaft ist, dass das Risiko bei Risikonehmer verbleibt ansonsten der Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit untergraben wird und sich schrittweise die Korruption institutionalisiert.

          • Linus Huber sagt:

            @ Christian

            Sie scheinen an die Idee einer schmerzlosen Loesung zu glauben. Gibt es nicht!

    • Anh Toan sagt:

      @Christian Müller: „Erstens sagt Eigenkapital zur Bilanzsumme nichts aus, da das Risiko der Aktivseite nicht betrachtet wird. Es ist ein Unterschied, ob ich vorsichtige Hypotheken (mit EK Anteil von 50% und die gut bedienbar sind) habe oder Firmenkredite an Start-Ups.“

      Dies erscheint mir die beste Kritik an den Aussagen dieses Artikels, mindestens solange nicht gesagt wird, dass dies vernachlässigt werden könne, weil alle Banken in etwa den gleichen Risikomix hätten (Ich verwende Konjunktiv im letzten Halbsatz, weil ich nichtr denke, dass dies richtig ist).

      Ausserdem ist auch zu berücksichtigen, wie weit auf der Passivseite der Bilanz Korrekturen zu Wertverlusten auf der Aktivseite bestehen.

      Auch die Risikostreung auf der Aktivseite muss berücksichtigt werden: Eine Raiffeisenbank hat nun mal ein Klumpenrisiko im schweizer Immobilienmarkt, muss also Hypotheken mit mehr Eigenkapital unterlegen, als andere Banken.

  • Anh Toan sagt:

    Ach bitte, warum wehren sich denn die Banken gegen höhere Eigenkapitalvorschriften, bzw. warum Erhöhen sie ihr Eigenkapital nicht, wenn docj die schlauen Wissenschaftler wissen, dass sie mit mehr Eigenkapital mehr verdienen könnnen und die Banken so gierig sind, und niemand ihnen verbietet, mehr Eigenkappital zu haben? Wo liegt denn das optimale Eigenkapital gemäss dieser Studie?

    Ach ja, die ganze Welt weiss, dass die Banken eine Staatsgarantie haben, trootzdem fordern die Investoren einen „Risikozuschlag“ für Bankaktien. Das versteh ich nicht, ich bin auch ein Idiot.

    And now for something completely different: Das Pfund fällt und fällt, die BoE kauft UK Statsanleihen wie blöd, die Inflation ist da, Wachstum dennoch nirgendwo zu sehen.

    Die USA haben es geschaftt 2012 ein Wirtschaftswachstum von 2% zu erzielen, indem sie ihre Schulöden um 10% (der Wirtschaftsleistung, da Schulden in etwa 1 BSP) gesteigert haben. Von den deficitspendern möchte ich geren mal wissen, wie lange die USA so weitermachen müssen (10% mehr Schulden für 2% mehr Wirtschaftsleistung), bis ihre Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung abnehmen?

    Beträgt die Verschuldung eines Landes 100% der Wirtschaftsleistung, gilt für europäische Staaten die Schuldenfallenformel, ind den USA gilt diese anscheinend nicht?

    • Anh Toan sagt:

      „Wo liegt denn das optimale Eigenkapital gemäss dieser Studie?“

      Bei 20 bis 30 Prozent steht im Text irgendwo, der Unterschied für das globale Banking zwischen 20 und 30 Prozent beträgt ich meine mindestens zweistellige Billionen (engl. trillions) USD: 20 bis 30 Prozent ist eine gewaltige Spanne, alleine für die UBS ergäbe 10% der Bilanzsumme 200 Milliarden.

      Und dass die (Boni der) Bankmanager an der Eigenkapitalrendite gemessen werden, ist natürlich verwerflich, die interessiert doch die Aktionäre nicht. Ich finde, man sollte die Boni der Bankmanger an der Fruchtbarkeitsrate des tasmanischen Teufels (Sarcophilus harrisii) messen, das macht viel mehr Sinn.

      • Anh Toan sagt:

        Falsch ist doch nicht, dass die Boni der Bankmanager an die Eigenkapitalrendite gekoppelt sind, falsch ist, dass sie dies nur positiv sind (oder waren), es gibt (gab) keine negativen Boni:

        Dem steht (praktisch weltweit) das Arbeitsrecht entgegen, dass die Beteiligung des Arbeitnehmers am Verlust verbietet: hat jemand nur Anteil am gewinn, nicht aber am Verlust, besteht zweifellos ein Anreiz, hohe Risiken enzugehen: Entweder die Manager werden genauso am verlust, wie auch am gewinn beteiligt, oder auf eine erfolgsabhängige Entlöhnung wird verzichtet, massgebend zur Berechnung der Erfolgsbeteiligung muss immer die Eigenkapitalrendite sein.

      • Anh Toan sagt:

        und noch bevor es mir erklärt wird:

        Ich verstehe den Zusammenhang zwischen mehr Eigenkapital und damit weniger Risiko, somit tieferen Zinssätzen auf weniger Fremdkapital und damit weniger Zinsaufwand und mehr Gewinn für das Unternehmen, denke nur, dass dies neben diesen Wissenschaftlern, eben auch Dimon, Blankfein oder Ermotti und der Kapitalmarkt (sowohl Aktien als auch Obligationen, die erhalten nämlich bei mehr Risiko auch mehr Gewinn) verstehen.

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      „Ach ja, die ganze Welt weiss, dass die Banken eine Staatsgarantie haben, trootzdem fordern die Investoren einen “Risikozuschlag” für Bankaktien.“

      Die Staatsgarantie wirkt hauptsaechlich auf die Kosten des Fremdkapitals der Banken, indem Anleger dadurch zu tiefe Zinsen verlangen. Das Eigenkapital duerfte wohl im naechsten Fall einer staatlichen Unterstuetzung zerstoert werden.

      „Beträgt die Verschuldung eines Landes 100% der Wirtschaftsleistung, gilt für europäische Staaten die Schuldenfallenformel, ind den USA gilt diese anscheinend nicht?“

      Wer sagt, dass dies fuer die USA nicht gilt?

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: „Wer sagt, dass dies fuer die USA nicht gilt?“

        Wer ständig von Eurokrise schreibt, statt von USD und GBP, wenn man unbedingt die Schulden- bzw. Wachstumsproblematik oder globale Ummverteilung mit der Währung bezeichnen will.

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: Die Investoren fordern einen Risikozuschlag nicht nur für Bankaktien, sondern auch für Bankobligationen (vergleichen Sie die Rendite von Unternehmensobligationen), Ihr Einwand ist zwar berechtigt bezogen auf meine unpräzise Formulierung, jedoch materiell dennoch falsch zur Beantwortung meiner Frage.

        • Linus Huber sagt:

          Der Risikozuschlag ist viel zu gering im Verhaeltnis bestehenden Risiko und dies nur aufgrund der implizierten Staatsgarantie (inkl. Unterstuetzung der Zentralbanken). Glauben Sie wirklich, dass ohne Einlageschutz die Banken Spareinlagen zu den gegenwaertigen Zinsen erhalten koennten? Wenn z.B. nur dieser Einlageschutz und die Liquiditaetsunterstuetzung durch Zentralbanken wegfallen wuerden, waeren die Anleger gezwungen, die Risiken richtig zu bewerten. Ich denke, wir haetten innerhalb Tagen, wenn nicht Stunden einen Totalcrash.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Also wer gibt den Banken Geld zu tiefgen Sätzen, weil er eine staatliche Grantie hat, der Einleger, nicht die Aktionäre oder Obligationäre, also nicht die Investoren in banken, sondern die Kunden von Banken erhalten Grantien, damit sie ihr „Geld auf der Bank lassen“. Wird das beschrieben, kann jedoch nicht von einem Risikozuschlag für Banken die Investoren verlangen gesprochen werden, Einlagen kann man zwar nicht nur bei der Bank tätigen, sondern auch beim Orthopäden kaufen, aber letzteres ist doch etwas wesentlich anderes. Investoren sind nicht Bankeinleger, das sondern Aktionäre und Obligationäre.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Selbstverstaendlich ist die staatliche Garantie fuer Einlagen auch eine Abwaelzung der Kosten des Risikos, da ansonsten die Kunden sich ueber die Eigenkapitalquote einer Bank sehr wohl Gedanken machen wuerden zum Beispiel. Die Angelegenheit ist vielschichtig, wie die Einlage im Schuh.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Die Bankeinleger fordern doch gerade KEINEN Riskozuschlag, wenn sie ihr Geld auch bei Zinssätzen bei Null zur Bank bringen, bei angeblich zu wenig Eigenkapital dieser Bank

            Ich und die kritisierte Aussage im Text reden hier von einem Riskozuschlag, den Investoren verlangen, angeblich trotz Staatsgarantie, was eine in sich absolut widersprüchliche Aussage ist.

          • Mark Dittli sagt:

            Die implizite Staatsgarantie – und damit auch die Subventionierung der Kapitalkosten – bezieht sich nur auf das Fremdkapital, nicht auf das Eigenkapital der Bank.

          • Anh Toan sagt:

            @Mark Dittli: Invesdtoren in Fremdkapital fordern aber einen Risikozuschlag (Rendite der Bankleihen), das heisst, die implizite Staatsgarantie gilt auch nicht für alle Arten von oder nicht vollständig für Fremdkapital, sonst würde eine Nestle Anleihe nicht schlechter rentieren als eine UBS Anleihe.

            Die Formulierung „und sie kommen dank der Staatsgarantie im Rücken“ ist unpräzise, populistisch und eines nur schon leicht wissenschaftlich angefhauchjten Blogs meines Erachtens nicht würdig:

            1. Seit es Einlagesicherungsfonds gibt, gab es tiefere Fremdkapitalkosten für Banken, die Einlagen gehören zum Fremdkapital. (explizite Staatsgarantie nicht für die Banken an sich, sondern für und nur für die Einleger, teilweise mit Summenbegrenzung: Die Begünstigte Gruppe hier als Investoren zu bezeichnen ist Humbug.

            2. Eine weitere Staatsgarantie gibts nicht explixit, sondern nur implizit, das heisst, sie wurde nie vom Staat ausgesprochen und ist darum in deren Umfang ziemlich unzuverlässig, und darum, rentieren Bankanleihen besser als andere Unternehmensanleihen. (Kann die Schweiz die UBS pleite gehen lassen, solange die CS nicht das gleiche Problem hat?. Kann der Staat die Investoren (Fremd- und Eigenkapital) aus einer verstaatlichen Bank ohne Abfindung dränngen? Selbstverständlich kann er das und tut es immer wieder.

            Aus dem dargelegten folgt, es gibt keine Staatsgarantie für Investitionen in Banken, sei es in Fremd- oder Eigenkapital, unbestritten gibt es keine explizite Garantie, und die implizite Garantie ist nun mal undefiniert und unbestimmt:

            Ihre saloppe Formulierung Herr Dittli betreffend der Staatsgarantie auf das Fremdkapital der Banken stört mich noch immer. Denn auch nach Ihrer Stellungnahme bleibt mein Einwand der gleiche:

            wenn es eine Staatsgarantie auf das Fremdkapital der Banken gibt, können Bankanleihen nicht besser rentieren als andere Unternehmensanleihen.

          • Mark Dittli sagt:

            Anh Toan: Was meinen Sie genau, wenn Sie sagen, dass Bankanleihen „besser rentieren“? Es geht in meiner Argumentation nicht um die Einlagenversicherung, sondern es geht um die implizite Staatsgarantie, die alle anderen Fremdkapitalgeber (Bondholder, wholesale funding) geniessen. Selbstverständlich ist sie implizit, aber sie als „ziemlich unzuverlässig“ zu bezeichnen halte ich für falsch. Die Ereignisse der vergangenen fünf Jahre haben ja genau gezeigt, dass die Bondholder in jeden Fall (ausser bei Lehman Brothers und Washington Mutual) zu 100% geschützt wurden. Sogar die Ratingagenturen (lesen Sie den Text zu Andrew Haldane) akzeptieren diesen Umstand, indem sie ein „Standalone“- und ein „Support“-Rating aussprechen. Das Supportrating berücksichtigt die implizite Staatsgarantie und ist im Schnitt drei Notches höher als das Standalone-Rating. Und am Bondmarkt gilt für die Banken das Support-Rating. Insofern kommen die Banken klar in den Genuss künstlich tieferer (staatlich subventionierter) Fremdkapitalkosten. Gäbe es diese implizite Staatsgarantie nicht, müssten die Banken angesichts ihrer enorm dünnen Eigenkapitaldecke deutlich höhere Renditen auf ihren unsecured Bonds bezahlen. Das ist überhaupt keine populistische Aussage

          • Anh Toan sagt:

            @Mark Dittli; Kommt das angedachte Barzahlungsverbot, sind wir gezwungen unser Geld „auf eine Bank zu tragen“ da es sonst wertlos ist (wenn wir damit nicht bezahlen dürfen, ist es sonst wertlos): Dann ist auch keine Staatsgarantie mehr nötig und die Banken profitieren dennoch von tiefen Fremdkapitalzinsen auf die EINLAGEN, sie müssen dann gar nichts mehr bezahlen, und brauchen auch keine solide Bilanz, sie erhalten das Geld der Einleger dennoch.

          • Anh Toan sagt:

            Explizite Staatsgarantie gibts für Einlagen, je nach Ländern unbegrent oder begrenzt.

            Impliziert wird eine Staatsgarantie auf Einlagen über der explizit gesicherten Einlagenobergrenze und allenfalls auf das Gegenparteirisiko aus Optionsgeschäften und Ähnliches:

            Ich behaupte, gäbe es diese expliziten und allenfalls implizierten Staatsgarantien nicht, hätten wir angesichts marginaler Guthabenzinsen auf Bankeinlagen und allgemeiner Verunsicherung schon längstens einen Bankrun.

            Impliziert wird jedoch keine Staatsgarantie auf Investitionen in das Eigenkapital von Banken, wie zurecht gesagt wird, jedoch allenfalls eine begrenzte, in Umfang und höhe sehr unbestimmte Staatsgarantie auf Investitionen ins Fremdkapital von Banken (Bankenanleihen): Die Renditen von Bankanleihen liegen deutlich höher als die Renditen von Staatsanleihen, dies widerspricht einer Staatsgarantie auf das Fremdkapital von Banken. Die Renditen von Bankanleihen sind aber sogar höher als die Renditen anderer Unternehmensanleihen und unterschiedlich je nach Bank, woraus ich schliesse, dass der Markt keine, oder zumindest nur eine eventuelle Staatsgarantie auf Investitionen ins Fremdkapital (Anleihen) von Banken einpreist (Die Zinsdifferenz von Bankanleihen zu anderen Unternehmensanleihen könnte noch höher sein.

            In obigem beitrag geht es jedoch nicht um den Teil des Fremdkapitals von Banken, der aus Einlagen oder Verpflichtungen aus Optionsgeschäften, Garantien etc. besteht, quasi das „Nettoumlaufvermögen“ von Banken, es geht um das Verhältnis von am Kapitalmarkt von Investoren zur Finanzierung aufgenommenen Kapitals als Eigen- oder Fremdkapital (Aktien oder Obligationen), und betreffend dieses Fremdkapital gibt es allenfalls eine äussert schwierig quantifizierbare und daher vom Kapitalmarkt auch nur sehr beschränkt berücksichtigte (der Kapitalmarkt hasst Unkalkulierbarkeit, und Impliziertes ist unkalkulierbar) Staatsgarantie.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Eine kuerzlich veroeffentliche Studie kam zum Resultat, dass in den USA die TBTF Banken durch die implizierte Staatsgarantie in etwa 80 plus Mia. im Jahr Vorteile erzielen (soweit ich mich richtig erinnere). Wenn Sie sich im Detail damit beschaeftigen wollen, googlen Sie ein wenig.

          • Anh Toan sagt:

            @Mark Dittli: „Die Ereignisse der vergangenen fünf Jahre haben ja genau gezeigt, dass die Bondholder in jeden Fall (ausser bei Lehman Brothers und Washington Mutual) zu 100% geschützt wurden. “

            Das entscheidende steht im „ausser“ und gilt nicht nur für Lehman und Washington, sondern galt für hunderte von kleineren Banken, welche nicht gerettet wurden; Ohne das „ausser“ wäre es so einfach!

            Gäbe es eine absolute staatliche Garantie auf Bankanleihen, müssten die Anleihen sämtlicher Banken doch genau gleich, und zwar auf dem Niveau der Staatsanleihen rentieren. Wieso sollte jemand dem Bund CHF 10’000 leihen bis 2027 zu rund 1% Rendite (Valor 3183556), oder der Basler Kantonalbank bis 2027 zu rund 1.5% (Valor 11915366), wenn er von der Credit Suisse (Valor) 11953327 bis 2030 rund 2.76% erhält, wenn er doch letztlich die gleiche Haftung der Eidgenossenschaft hätte? (tut mir leid für nicht ganz passende Laufzeit, der Obligationen die ich gefunden habe, die Aussage passt dennoch)

            Bei allem Respekt, aber ich halte die Berechnung über den Risikoaufschlag durch die Ratingagenturen für eine Gleichung mit 2 Unbekannten: Der Markt bestimmt eine Bewertung, mit einer irgendwie berücksichtigten Staatsgarantie. Es gibt jedoch keine Bewertung ohne diese Staatsgarantie, also kann doch nicht gesagt werden, wie sehr der Markt diese implizite Garantie bewertet.

            Grundsätzlich danke ich Ihnen für den ergänzenden Input, ich glaube auch nicht, dass Sie dies vorsätzlich polemisch gemeint haben, es kam so an bei mir. Als Anleger weiss soviel: Ich bin versucht, wenn schon Anleihen, dann Bankanleihen zu kaufen, aber nicht, weil mich VIELLEICHT der Staat rettet, denn auf vielleicht will ich mich nicht verlassen, sondern weil ich denke, veglichen mit anderen Anleihen für das Risiko angemessen entschädigt zu werden. Das „Vielleicht“ ist ein Joker, Zusatzspiel, nie mehr!

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Bei Studien interessiert mich primär, wer diese finanziert hat, dann die èberlegungen darin. Das resultat von Studien ist periphär.

          • Anh Toan sagt:

            Und nochmals @Mark Dittli:

            Wenn Sie glauben, was Sie schreiben, müssten Sie long Bankanleihen (TBTF Banken mit schlechtem Rating) und short die entsprechende Staatsanleihen (Land / Währung) sein, Sie werden dann in jedem Fall geschützt und erhalten dennoch eine positive Zinssdifferenz ausbezahlt, ausser……

          • Mark Dittli sagt:

            @Anh Toan: Durchaus. Das war ein Moral Hazard-Trade, der in den vergangenen vier Jahren hervorragend funktioniert hat.

          • Anh Toan sagt:

            @Mark Dittli: Und warum hat dieser Trade funktioniert: Die von Ihnen behauptete implizierte Staatsgarantie gabs doch im gleichem Umfang über die Ganze Zeit, hätte also bereits vor vier Jahren eingepreist sein müssen. Sind die Gewinne auf den Trade entstanden, weil a) die Staatsgarantie in dieser Zeit ausgebaut wurde, oder b) der Markt erst nach und nach und mehr und mehr die Staatsgarantie implizierte (warum nicht sofort) oder vielleicht gar c) welch ketzerische Möglichkeit, weil sich die Bilanzsituation der Banken verbessert hat (In den letzten Jahren war es deutlich vorteilhafter in Bankoblis als in Bankaktien investiert zu sein, die Erhöhung des Eigenkapitals reduziert den Gewinn pro Aktie und das Risiko der Fremdkapitalgeber),

            Gewinn ist das Ergebnis des Risikos der Vergangenheit, der Trade hat Gewinne gebracht, das Risiko war, dass Sie mehr Staatsgarantie in Ihre Bankanleihen impliziert haben, als der Markt.

            Sie glauben daran, es gäbe eine 100 Pro Staatsgarantie für Bankanleihen, der Markt ist davon weniger überzeugt als Sie, und darum rentieren Bankoblis besser als Staatsoblis und Sie konnten und können noch immer Gewinne erzielen, wenn Sie recht behalten.

            Der Markt hast also eine andere Meinung betreffend der implizierten 100 pro Staatsgarantie, Sie verkünden Ihre Meinung jedoch als Tatsache int mit der Vorwurf der Polemik

  • ignaz ignacio sagt:

    Sofern ich mich nicht irre, muss wer von Banken einen grösseren Betrag, z.B. erst zweit und dritt Hypotheken, haben will, mindestens 20% Eigenkapital vorweisen. (Bitte um Berichtigung.)
    Wieso sollen für Banken andere Regeln gelten, als sie selbst vorschreiben?

    • Damit das Risiko im Falle eines Immocrashs so schnell wie möglich auf den Steuerzahler abgewälzt werden kann; bei einem zusätzlichen EK Puffer müsste dieses zuerst hinhalten und genau das wollen die Banken verhindern.

  • John Peer sagt:

    Gemäss der Free Banking-Theorie von Larry White und George Selgin müssten die Banken in einem völlig freien Markt mathematisch sogar Eigenkapitalquoten von mindestens 60 – 70 % halten. Sehr interessant. Ich finde, der breiten Öffentlichkeit, die sich an die Leier des „freien Markts/Neoliberalismus/Deregulierung“ als Grund für die Probleme im Finanzsektor orientiert, ist viel zu wenig bewusst, dass die ganze Too-Big-To-Fail eigentlich Konsequenz von zuviel staatlicher Regulierung ist.

    • Darum sind Banker nichts anderes als überbezahlte Staatsbeamte mit Beschäftigungs- und Bonusgarantie auch im Pleitefall. Wie wir gesehen haben steigt bei drohender Pleite zur Abwendung des Konkurses sogar die Notenbank ein und lagert bei sich die Schrottpapiere ein.

    • sepp z. sagt:

      john peer, staatlich heisst aber im fall der ubs nicht ‚demokratisch‘.
      staatlich heisst in dem fall: akteure aus der finanzwelt und gekauft lobbyisten in der politik bilden zusammen den filz.
      man sollte nicht ein demokratisches staatswesen schlechtreden, wenn es von der finanzwelt missbraucht wird.

      • John Peer sagt:

        Das ist wirklich eine Huhn oder Ei-Frage, Sepp. Der Staat (also die Politiker) hat auch Interesse am Fiat-Geld-System, da es mehr Ausgaben ermöglicht, ohne dass man entsprechend Steuern erheben muss. Beide Seiten profitieren. Nur wir nicht.
        Ich glaube, dass eine schleichende Vereinnahmung des Staates durch private Interessen in einer Demokratie fast unvermeidlich ist, solange die Bevölkerung nicht klar liberale Grundsätze vertritt (was in der CH lange der Fall war, mittlerweile aber nicht mehr so klar ist). Meine Begründung dafür: Je mehr der Staat machen darf (also je grösser der Honigtopf ist), desto grösser der Anreiz für mächtige Interessengruppen, sich dieser Möglichkeiten zur eigenen Bereicherung zu bedienen. Beispiel: Wenn in der Verfassung klar stehen würde, dass keine Berufsgruppe Anspruch auf Subventionen hat, wäre das ganze Lobbying der Bauern, Banken, etc. hinfällig. Je mehr der Staat darf und kann, desto mehr können diese Instrumente“missbraucht“ werden. Wo Honig ist, kommen die Bären.

      • reto guterman sagt:

        „man sollte nicht ein demokratisches staatswesen schlechtreden, wenn es von der finanzwelt missbraucht wird.“

        Ist es denn in diesme Fall noch demokratisch?

        • Linus Huber sagt:

          @ Reto

          Es ist eine schrittweise Zerstoerung rechtsstaatlicher sowie demokratischer Werte, welche durch die inflationaere Geldpolitik Einzug nimmt. Dieser Prozess ist seit Jahrzehnten im Gange und fuehrte zu dieser Krise. Stueck um Stueck naehern wir uns einer Planwirtschaft, welche sich dadurch kennzeichnet, dass eine Elite ueber die Masse regiert.

          @ John

          Sie erkennen gut, dass es nicht Deregulierung ist, welches uns in diese Position fuehrte sondern falsche und komplexe Regulierung, welche zu einer immer duenneren Kapitaldecke bei den Banken fuehrte. Dies ist einer meiner Hauptkritikpunkte an die Zentralbanken, welche damit die inflationaere Phase unterstuetzten anstatt dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Die Basel-Regeln sind viel zu komplex und ermoeglichen, dass Banken systemrelevant wurden und dies faellt und fiel in den Verantwortungsbereich der Zentralbanken.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.