Der nützliche «Währungskrieg»

Shinzo Abe im japanischen Parlament. (Keystone)

Versucht die japanische Konjunktur mit allen Mitteln zu stimulieren («Abenomics»): Der japanische Premierminister Shinzo Abe im japanischen Parlament, 28. Januar 2013. (Keystone)

Japan feuert aus allen fiskalischen und geldpolitischen Rohren, die Unabhängigkeit der Zentralbank wackelt und andere Länder werfen dem Land vor, einen Währungskrieg zu entfachen. Die Vorwürfe sind unbegründet. Japans Aktionen können der ganzen Weltwirtschaft nützen.

In einem äusserst spannenden Interview mit dem bekannten Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen, das mein Kollege Mark Dittli geführt hat, macht dieser eine verblüffende Aussage zum Thema:

Wenn das, was wir heute sehen, ein Währungskrieg ist, dann kann ich nur sagen: Gut so, wir brauchen mehr davon. Die Zentralbanken müssen alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die schwache Erholung der Wirtschaft zu unterstützen.

Gehen wir dieser Aussage etwas auf den Grund und wenden uns zuerst Japan zu:

Der Grund für den Währungskriegs-Vorwurf sind Pläne für massive Konjunkturstimulierungsmassnahmen der neuen japanischen Regierung unter dem seit Dezember regierenden Premier Shinzo Abe.

Ein Element der Massnahme besteht aus weiteren massiven Ausgaben der bereits hoch verschuldeten Regierung (gemessen am Bruttoinlandprodukt beläuft sich die Staatsschuld auf rund 237 Prozent). Ein zweites Element besteht darin, die Notenbank (Bank of Japan bzw. BoJ) dazu zu bringen, der Wirtschaft weitere Geldspritzen zu verabreichen – etwa durch Käufe von Staatsanleihen – und die angestrebte Inflation von 1 auf 2 Prozent anzuheben. Da die Notenbank hier zögerlich reagiert, will Abe deren Unabhängigkeit beschneiden und demnächst auch einen neuen Chef dort portieren. Das Vorgehen wird daher unter dem Begriff «Abenomics» als Mix aus dem Namen des Premiers und Economics in Ökonomenkreisen bereits intensiv debattiert.

Vor allem in Deutschland aber auch in China sind die Ankündigungen schlecht aufgenommen worden. Vertreter dieser Länder – wie unter anderem der Chef der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, sehen hier den Versuch der japanischen Regierung, über die Geldpresse die eigene Währung zu schwächen und so anderen Ländern, die nicht minder vom Export abhängen, Schaden zuzuführen. Ein Währungskrieg würde bedeuten, dass in Reaktion auch andere Länder ihre Währungen abwerten.

Japan ist vor der jüngsten Finanzkrise das Paradebeispiel eines Volkswirtschaft gewesen, die mit einer Liquiditätsfalle bzw. einer «Balance Sheet Recession» fertig werden musste und daraus bis heute nicht wirklich heraus gekommen ist. Daraus erklärt sich auch, weshalb das nominale Zinsniveau  Japans trotz der hohen Verschuldung noch immer sehr tief liegt, warum die Geldpolitik alleine wenig bewirkt, die Fiskalpolitik trotz der hohen Verschuldung eine grosse Rolle spielt und die Unabhängigkeit der Notenbank zum Problem werden kann – mehr dazu auch hier.

Im aktuellen Zusammenhang interessiert nur die Geldpolitik. Tatsächlich ist es ihr trotz aller bisherigen Geldspritzen kaum gelungen, die Deflationsgefahr nachhaltig zu vertreiben. Hier ein Blick auf die Entwicklung des japanischen Preisniveaus seit 200o gezeigt als prozentuale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr (und damit als Deflations- bzw. Inflationsrate). Quelle ist die FRED-Datenbank:

Der einzige deutliche Ausschlag nach oben ist nicht in der Geldpolitik Japans, sondern in den 2008 massiv angestiegenen Rohstoffpreisen begründet. Schauen wir uns daher die aussagekräftigere Kerninflations-(bzw. -deflations-)Rate an, die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigt ist:

Und hier auch noch ein Blick auf die massive Zunahme der Geldmenge, die die Inflation wie oben gezeigt kaum zu erzeugen vermochte. (Technisches Detail: Weil bei FRED die Basisgeldmenge nicht verfügbar ist, habe ich hier M1 als Annäherung an die von der Notenbank selbst geschaffene Geldmenge verwendet):

Mit einem höheren Inflationsziel will Japan der Deflation und dem weiter drohenden Abwärtskreislauf entkommen. Was hat das nun mit der Währung zu tun? Nun, wenn die Geldmengenausweistung tatsächlich zu einer höheren Inflation führt – was der Fall wäre, wenn das Geld auch tatsächlich im Wirtschaftskreislauf ankommen würde – bedeutet das eine Entwertung der Währung gegenüber allem, auch gegenüber anderen Währungen. Doch ist es in einer Liquiditätsfalle alles andere als einfach, Inflation überhaupt zu erzeugen und damit auch die Währung abzuwerten. Dazu wieder Barry Eichengreen im Interview:

Während Jahren ist es der BoJ nicht gelungen, etwas Inflation zu schaffen. Wenn sie sich jetzt ein festes Inflationsziel von 2% setzt, sollte sie dafür gelobt werden. Allerdings war die Ankündigung zu zahm, stellte die BoJ doch bloss in Aussicht, das Programm irgendwann im nächsten Jahr zu starten. Glaubwürdiger wäre es, eine Strategie anzukündigen und gleich mit der Umsetzung zu beginnen. In Japan ist die Deflationsgefahr immer noch gross.

Dass mit den bisherigen Geldspritzen auch keine Trend zur Yen-Schwächung einhergegangen ist, zeigt der Verlauf des Yen-Preises pro Dollar seit dem Jahr 2000:

Der Wert des Yens hat sich tatsächlich sogar noch erhöht! Erst seit kurzem schwächt sich der Yen gegenüber dem Dollar wieder ab.

Kommt dazu, dass der Yen auch nach der jüngsten Abschwächung nicht unterbewertet ist. Handelsgewichtet und um die unterschiedlichen Preisniveaus korrigiert (Real Effective Exchange Rate REER) ist der Yen sogar noch immer deutlich teurer als vor der Finanzkrise. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Bank of America («Why is Germany concerned about a currency war»). Verglichen mit der so genannten Taylor-Regel (ein Leitzins, der angesichts der wirtschaftlichen Lage angemessen wäre) verzeichnet Japan gemäss dieser Studie ausserdem nach Griechenland die Geldpolitik mit der grössten Bremswirkung. Der Leitzins Japans müsste in dieser Betrachtung rund 4 Prozent tiefer liegen (jener Griechenlands übrigens mehr als 8 Prozent tiefer). In beiden Ländern ist das allerdings nicht möglich: In Japan, weil sich der Satz praktisch bereits bei Null Prozent befindet. In Griechenland, weil das Land gar keine eigene Geldpolitik machen kann.

Gegen eine gezielte Yen-Abwertung durch die Bank of Japan zu Gunsten der eigenen Wirtschaft – und zu Lasten anderer – spricht ausserdem, dass der Nettoeffekt eines billigeren Yens für die japanische Wirtschaft gar nicht so eindeutig ist: Den besseren Absatzchancen für die grossen japanischen Exportunternehmen stehen höhere Kosten für Energie gegenüber, die Japan wegen dem Ausfall eines Grossteils seiner Atomkraftwerke nach der Fukushima-Katastrophe zu einem grossen Teil importieren muss. Nur zwei der 50 japanischen Atomkraftwerke produzieren laut einem Bericht der «Financial Times» noch Strom.

Dennoch: Wenn auch der Vorwurf des absichtlichen Währungskriegs an Japan der Grundlage entbehrt, so hat Deutschland durchaus Grund zur Sorge, wenn denn der Yen sich infolge der Versuche Japans, die eigene Inflation zu erhöhen, doch nachhaltig abschwächt. Wie jene von Japan ist auch die Volkswirtschaft Deutschlands stark vom Export abhängig. Der Euro war für dieses Land bisher – dank der Ängste vor einem raschen Eurokollaps – zu günstig. Die Beruhigung auf den Kapitalmärkten allein hat nun zu einer Aufwertung des Euro gegenüber anderen Währungen geführt. Aber nicht nur diese Ursache: Dazu nochmals Barry Eichengreen:

Die einzige unter den wichtigen Notenbanken, die zu wenig unternimmt, ist die EZB. Das wird die europäische Wirtschaft zu spüren bekommen, den der Euro hat sich in den letzten sechs Monaten handelsgewichtet um 7% aufgewertet. Die Rezession in Europa wird sich verschärfen.

Der Euro wertet sich – jetzt wo die Panik vorderhand weg ist – vor allem deshalb auf, weil die EZB im Vergleich zu anderen grossen Notenbanken auf der Bremse steht (neben Japan ist da noch die USA und sogar die Schweiz mit der Euro-Franken-Untergrenze). Ein teurer Euro und ein wirtschaftlich ausgebremstes Deutschland ist etwa das letzte, was die von einer Konjunkturkrise geschüttelte Eurozone jetzt gebrauchen kann. Japans Pläne könnten für die EZB ein Weckruf sein. Viel zu erwarten ist hier allerdings nicht.

Doch wäre das denn nicht verantwortungslos, wenn da alle Notenbanken die Geldmenge weiter ausdehnen. Nein, nicht in der aktuellen Lage, wenn man sich den Zustand der Weltwirtschaft vor Augen hält und die ablehnende Haltung gegenüber staatlichen Anschubmassnahmen. Barry Eichengreen lädt zu einem Kurzexkurs in die Geschichte ein:

Die heutige Situation ist vergleichbar mit den frühen Dreissigerjahren, als ein Land nach dem anderen den Goldstandard verliess und seine Währung abwertete. Das war in der Summe nützlich, denn die Abwertungen kamen auf globaler Basis einem massiven geldpolitischen Stimulus gleich – und dieser trug massgeblich dazu bei, die Weltwirtschaft endlich aus der Depression zu hieven… Heute wird die Fiskalpolitik in vielen Ländern wieder restriktiv, genau deshalb muss die Geldpolitik so expansiv wie möglich bleiben. Sonst misslingt die Reflationierung der Wirtschaft.

Eine künftige Inflationsgefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Im Moment ist die Aussicht auf eine geringfügig höhere Inflation angesichts der hohen Verschuldung von Privaten und Staat aber genau das, was Linderung bringen kann. Zum letzten Mal Eichengreen:

Wer sagt, dass nach 4% die Teuerungsrate ausser Kontrolle gerät und die nächste Station 40 oder 400% Inflation heisst? Die Notenbanken haben sich über die Jahre in harter Arbeit Glaubwürdigkeit aufgebaut: Die Märkte vertrauen ihnen, dass sie die Preisstabilität wahren werden. Dieses Glaubwürdigkeitsguthaben müssen sie jetzt anzapfen. Sobald die Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat und die Schulden in Relation zum BIP auf ein verträgliches Mass gesunken sind, können die Notenbanken wieder bremsen.

Einige stellen in Frage, ob die Schubumkehr den Zentralbanken so einfach gelingen kann, wenn sie denn nötig wird. Diese Zweifel scheinen mir berechtigt. Doch die perfekte Alternative steht leider nicht zur Verfügung und ein anahltendes Schwelen der Krisenherde oder sogar eine weitere Verschärfung der Lage ist keine Option.

31 Kommentare zu «Der nützliche «Währungskrieg»»

  • Martin Holzherr sagt:

    Wir beurteilen hier in der Mehrheit die Abenomics negativ vor allem deshalb weil sie langfristig nicht nachhaltig ist. Doch vielleicht müsste man Abenomics mehr als Notfallmassnahme sehen. Tatsache ist doch, dass Japan seine gigantischen Schulden auf normalen Weg nicht mehr abbauen kann. Es bleiben nur noch zwei Wege: Massive Erhöhung der Steuern (beispielsweise Erhöhung der Mehrwertsteuer, was aber unter Premier Noda misslang) oder aber Inflationierung. Etwas anders steht nicht zur Verfügung, denn ein Wachstum über 2% Jahr ist im hochindustrialisierten, gesättigten Japan mit seiner schrumpfenden und alternden Bevölkerung nicht möglich. Was von einigen also als mutiger Schritt gefeiert wird – expansive Geldpolitik und Inflationsziel als Deflations- und Wachstumsmassnahem – ist in Wirklichkeit der einzig noch verbleibende Weg für Japan. Selbst wenn dieser Weg Erfolg hat und damit die Inflation erhöht und die Schulden reduziert werden, wird es Opfer geben: Das sind die Sparer und diejenigen, die auf Pensionen angewiesen sind., also die grosse Masse der Japaner, die alt oder schon im Pensionsalter sind. So gesehen ist es wohl gar kein Zufall, dass Taro Aso von alten, nur noch über lebenserhaltende Massnahmen am Leben erhaltenen Menschen als „Tube People“ gesprochen hat, was im ArtikelTaro Aso: the Japanese politician who wants older people to ‚hurry up and die‘ aufgegriffen wird. Die Abenomics wird genau auf Kosten der Alten und Sparer Erfolg haben – wenn sie überhaupt Erfolg hat.

  • Felix Gauch sagt:

    Ein Vergleich mit den 30er Jahren ist gefährlich: Damals stand die westliche Welt vor gewaltigen Innovationsschüben in rascher reihenfolge!
    Noch etwas: Falls die Zinsen tief bleiben, wer will denn noch investieren, wenn nur wenig zurückkommt bei erhöhtem Risiko (siehe allg. Schuldenstand)? Da konsumiert man lieber etwas, wer noch was übrig hat!

    • Linus Huber sagt:

      @ Felix

      Sie erkennen das Dilema auf der Ebene des nicht nachhaltigen Verhalten, welche Ausdruck in z.B. der Konsum- und Wegwerfgesellschaft findet. Die Manipulation des Geldes (unehrliches Geld) wirkt langfristig auf unsere Verhaltensweise und veraendert dadurch die qualitativen Werte einer Gesellschaft. Diese sind nicht messbar und anscheinend auch nicht erkennbar fuer Oekonomen. Jedoch bei jedem staatlichen Eingriff (ich zaehle hier Zentralbanken zum Staat) sollte ueber die langfristigen Konsequenzen nachgedacht werden, ob dieser Eingriff das Verhalten langfristig das individuelle Verhalten gegenueber der Gesellschaft im positiven Sinne beeinflusst. Es gilt nicht nur das vom Auge erkennbare zu erwaegen, sondern die Wirkung auf das Verhalten.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Felix

      Der moderne Sozialstaat verleitet die Leute auch zum Konsum statt Sparen, nicht nur die Angst vor der Geldentwertung:

      Wenn ich Geld habe, und arbeitslos werde, muss ich zuerst meine Ersparnisse aufbrauchen. Wenn ich mein Geld vorher verprasst habe, bekomme ich sofort Sozialhilfe. Blöd ist, wer spart.

  • ast sagt:

    Nun, man kann mit einer erhöhten Geldmenge bei gleichzeitigem Sozialabbau und runterfahren der Löhne kaum Inflation generieren, aber schliesslich dann doch eine besondere Form davon -die Hyperinflation auslösen. Letztere steht möglichwerweise kurz bevor, man blicke auf den extrem hohen S&P Aktienindex bei stagnierendem US-Wachstum. Wenn die Aktienmärkte zusammenbrechen (wovon ich ausgehe), dann wird eine Flucht in Rohstoffe erfolgen, Staatsanleihen haben wie Aktien den Zenit überschritten. Wenn also dann die gesamte Liquidität in die Rohstoffe abliesst -dann werden wir die Inflation wohl doch noch erhalten -aber eben eine Hyperinfaltion.

    • Linus Huber sagt:

      @ ast

      Im Grunde leben wir schon in einer Zeit der Hyperinflation, indem sich das Vertrauen in Waehrungen zunehmend reduziert und jeder sich nach realen Werten umsieht, um die Kaufkraft seiner Ersparnisse abzusichern. Die Blasenbildungen sind eigentlich nichts anderes als ein Ausdruck des Vertrauensschwundes in die manipulierten Waehrungen.

      Ohne die inflationaere Geldpolitik der Zentralbanken waeren die Konsumentenpreise (gemessen im Konsumentenpreisindex) aufgrund der hohen Produktivitaetssteigerungen der letzten Jahrzehnte massiv tiefer, die Kaufkraft des Geldes haette sich nicht verringert, die Banken waeren weniger profitable und weniger einflussreich, da das Kreditvolumen bedeutend schwaecher gewachsen waere, eine Umverteilung an die Elite waere nicht vollzogen worden und weiche, nicht messbare Werte, welche eine Gesellschaft staerken, waeren nicht schrittweise durch gesellschaftsschaedigende Werte ersetzt worden.

    • Thomas ernst sagt:

      @ ast

      In einem anderen Blog wurde soweit ich mich erinnere die These aufgestellt, dass wir zur Zeit eine durch Inflation (Geldschwemme) maskierte Deflation haben. Deflation ist normal in schrumpfenden Märkten. Sollte, so die These, die Wirtschaft doch wieder anspringen, wäre die Deflation rasch weg und nur die Inflation bliebe übrig.

      Schwierig scheinen mir Indikatoren wie die Gold- oder Rohstoffpreise zu sein, da diese heute in erheblichem Masse manipuliert sind. Nur etwa 8% aller Erdölkontrakte werden tatsächlich physisch ausgeführt. Der Grosse Rest ist nur spekulativ – beeinflusst aber die real bezahlten Preise.
      (@ Linus: da hätten wir wieder den Fall von Virtuell manipuliert Real)

      • Linus Huber sagt:

        @ Thomas ernst

        Gold- und Rohstoffpreise werden verwendet um einem moeglichem Verlust der Kaufkraft auszuweichen und verzeichnen dadurch die Qualitaet von Blasen.

        Danke fuer diesen und obigen Kommentar zu meinen Ueberlegungen. Ich bin am Erarbeiten eines laengeren Aufsatzes zu diesem Thema und waere froh, wenn ich in im Ping-Pong Verfahren verbessern koennte. Wenn Du, lieber Thomas (der Zweifelnde), daran Interesse haben solltest, waere ich dankbar, wenn Du Dich meldest. linushuber@hotmail.com

      • ast sagt:

        Herr Ernst, vielleicht sollten Sie sich auch mal diesen Artikel ansehen. http://www.zerohedge.com/news/2013-01-31/bill-gross-credit-supernova

        Daraus gehen die Mechanismen recht gut hervor, auch ich verwendete hier bereits den Vergleich zwischen dem Urknall und der Schaffung von Fiat Money. Die Analogien bei diesem Vergleich haben mich immer wieder zum staunen gebracht.

        • Thomas ernst sagt:

          …zerohedge ist immer eine spannende Quelle. Für die, die etwas Alarmismus vertragen empfehle ich zusätzlich Gärtners Blog ( blog.markusgaertner.com )

          • ast sagt:

            Ein interessanter Blog Herr Ernst, und auch noch witzig geschrieben …““die letzten Euro-Bären gestorben.” – Ein wirtschaftskundiger Grizzlie würde in seine Winterhöhle kotzen, wenn er so einen Unsinn mitbekäme.“

            Ich habe mich köstlich amüsiert.

  • Hans Schlauri sagt:

    Geht Japan in den Fussstapfen der Schweiz? Die SNB hat schon vor 13 Jahren das Inflationsziel auf japanisches Niveau 2% verdoppelt. Um den Anschein der Preisstabilität zu wahren, rechnet die SNB durch Weglassen die Inflation einfach klein. Sie lässt die Vermögensgüter, wie z. B. Immobilien, Aktien einfach weg, und wenn es passt, auch gewisse Lebensmittel und die Energieträger. Der zurechtgestutzte Wert trägt den harmlosen Namen Kerninflation. Von 1990 bis 2010 wuchs die Güterproduktion nur um 32%, die Geldmenge aber um volle 274%, ein Indiz für starke Inflation. Viel überflüssiges Geld fliesst in die spekulative statt in die produktive Wirtschaft. Die tatsächliche Gesamtinflation ist wesentlich höher als die offiziell gemessene.
    Warum verschenkt die SNB Geld noch billiger als die BoJ.? Die Schweiz hat vermutlich die höchste Pro-Kopf-Verschuldung der privaten Haushalte, dank exzessiver Hypothekarverschuldung. J.P. Roth sagte schon 2002 als Präsident der SNB: „Für die Geldgeber bedeutet dies ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Daraus lässt sich erahnen, wie wichtig das vergleichsweise tiefe Zinsniveau für die Schweiz ist.“ Der verklausulierte Satz heisst im Klartext: Die SNB muss mit billigem Geld unser Schuldenbabylon stützen. Die Geldschwemme führt zu einer gigantischen Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern durch Inflationierung der Immobilien. Die Umverteilung geht von unten nach oben, weil nur die Reichen genug Eigenkapital haben, um sich mit grossen Krediten zu verschulden. K. Schiltknecht, früher Chefökonom der SNB:„Zudem schafft die Nullzinspolitik der Notenbanken in anderen Bereichen neue Probleme… Wenn die Bankeinlagen oder Wertschriften keine oder fast keine Zinsen mehr abwerfen, gerät …das ganze Vorsorgesystem ins Wanken.“ Gerade Japan hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, statt eine generelle Geldschwemme auszulösen, den Kreditstrom in die produktive statt in die spekulative Wirtschaft zu lenken.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Hans

      „in die produktive statt in die spekulative Wirtschaft“

      Sehr einverstanden. Ich würde noch ergänzen: und auch nicht in die Konsumkredite. Konsumkredite sind vorgezogener Umsatz, da wird irgendwann unweigerlich das Loch folgen. Produktive Investitionen sind hingegen (potentielle) Umsatzmultiplikatoren, die die Wirtschaft ankurbeln. SOFERN die Produktion keine materiellen Ressourcen verbraucht und auch keine Abfälle produziert, ist dieses Wachstum wünschenswert.

    • Linus Huber sagt:

      Ja

      • Hans Schlauri sagt:

        Danke für den Hinweis. Die Konsum finanziernde Kreditschöpfung kann ebenfalls inflationär wirken.

  • Eric Schmid sagt:

    es scheint mir, dass die Verantwortlichen für die Krise nun die Lösung für die Krise präsentieren. Schizophrener geht es wohl nicht mehr! Wieso glauben wir diesen Experten eigentlich. Das sich daraus resultierende Ziel ist ja immer eine Verarmung der Mittelschicht, definitiv nicht einen zunehmenden Wohlstand, sonst könnten wir ja alles über die auf Hochtouren laufenden Notenpressen lösen und alle Menschen wie im Paradies leben.

    • Thomas ernst sagt:

      @Eric

      Welche Experten, bitteschön?

      Das breite Publikum verwechselt ständig banale Politiker mit echten Ökonomen, bloss weil die Pappnasen etwas zu einem wirtschaftlich geprägten Thema absondern. Glauben Sie wirklich, Mutti Merkel halte den Euro für alternativlos, weil sie etwas von optimalen Währungsräumen versteht?!

      Mutti versteht was davon, das Volk zu belügen um wiedergewählt zu werden und weiterhin wie die Made im Speck shmarotzen zu können.

      Falls Sie es noch nicht gemerkt haben: Macht ist eine extrem starke Droge mit grauenhaften Entzugserscheinungen. Auch und gerade für Frauen.

  • Martin Holzherr sagt:

    Inflation generieren ist tatsächlich ein äußerst wirksames Mittel um Schulden zu reduzieren, das zeigt der Schuldenabbau der USA nach dem 2. Weltkrieg, wo zwischen 1945 und 1950 die Schulden auf die Gälfte reduziert wurden, was nur dank einer Inflation von 10% zwischen 1946 und 1949 möglich war. Allerdings war in dieser Zeit auch das Wirtschaftswachstum äußerst stark. Ein guter Artikel zur finanziellen Repression und zu Schuldenkrisen ist Wege aus der Schuldenkrisen
    Allerdings ist es in der heutigen Situation gar nicht einfach Inflation zu generieren. Dass abenomics zur Gesundung der japanischen Finanzen und Wirtschaft führen wird ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Es ist eher wie ein Ritt auf der Kanonenkugel.

    • Martin Holzherr sagt:

      Hier der Link zu Wege aus der Schuldenkrise: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36769/1.html

    • ast sagt:

      Herr Holzherr, kurz zuvor hatte Roosevelt einen Pakt zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern durchgebracht, was ohne WKII vermutlich nicht zustande gekommen wäre. Man erinnere sich an die berühmte Ansprache mit dem Titel „Mit den Waffen der Demokratie“.

      Gemäss der Definition Roosevelts waren wir Ende 2007 wiederum in eine solche Privatisierungsphase eingetreten bei welcher „die Märkte“ (synonym für private Mächte) die Macht des Staates übetroffen haben, -nun aber direkt aus der ehemaligen Demokratiezentrale USA gefördert.

      „Die Freiheit einer Demokratie ist gefährdet, wenn die Menschen die Zunahme privater Macht bis zu einem Punkt tolierieren, an dem diese die Möglichkeiten des demokratischen Staates übersteigt. Das ist der Kern des Faschismus“ (F.D. Roosevelt 1938)

    • Linus Huber sagt:

      Inflation, im Sinne der Kaufkraftreduktion aufgrund von steigenden Preisen, mag helfen Schulden zu reduzieren. Es handelt sich um einen rein oekonomischen Ansatz und vernachlaessigt die laengerfristigen gesellschaftlichen Konsequenzen nicht nur zu erkennen, geschweige denn, sie zu beruecksichtigen bei der Anwendung solcher Manipulation. Die Entwertung von Geld beinhaltet auch einen damit vollzogenen legalisierten Diebstahl an jenem, welcher die Waehrung besitzt und unterminiert damit die Rechtsstaatlichkeit, indem eine erzwungene Umverteilung zugunsten des in Waehrung verschuldeten ablaeuft. Es ist kein neues Verfahren, sondern der Mensch wurde diesbezueglich konditioniert und hat sich daran gewoehnt. Die dadurch in Gang gesetzten angesprochene Veraenderung gesellschaftlicher Werte, welche qualitativer Art sind und von Oekonomen dadurch nicht gemessen werden koennen, laufen sehr schleichend und kaum erkennbar ab. Es handelt sich um eine schrittweise Unterhoehlung saemtlicher fuer die Gesellschaft essentiell wichtigen Werte und veraendert diese im negativen Sinne, wie z.B. Respekt gegenueber sich selber und Dritten, Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt, Mitgefuehl, Nachhaltigkeit, Scham, Freiheit, Selbstbestimmung, wirkliche und nicht formale Rechtsstaatlichkeit, Ehrbarkeit und Wuerde etc.

      Leider sind wurden wir ueber Jahrzehnte schon so konditioniert, dass wir den Grund der Veraenderungen gesellschaftlicher Werte nicht einmal mehr hinterfragen sondern diese Entwicklung als normal empfinden. Menschlichkeit wird schrittweise durch die charakterischen Eigenschaften einer Labor-Ratte ersetzt (an Manipulation gewoehnt), indem jene Leute, welche den Wert des Bargeldes aufgrund der schicksalshaften Erfahrungen der 30iger Jahre hochhielten, schrittweise aussterben. An dessen Stelle treten Oekonomen mit abstrusen Theorien und ohne die Faehigkeit, die nicht messbaren gesellschaftlichen Veraenderungen qualitativer Art auch nur im Ansatz zu erkennen.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Linus

        Ich möchte hier nochmals Ihren Beitrag im letzten Thema aufgreifen, weil ich glaube, dass dort wesentliches drinsteckt.

        Vorab: Ich denke, es gibt zwei sich überlagernde Entwicklungen: Das eine ist die von Ihnen hier oben angesprochene Konditionierung der Menschen und die damit verbundene Verschiebung von Werten. Sehr wichtig, weil damit die kulturelle Basis verändert wird. „Kultur“ ist ja alles, was eine Gruppe von Leuten für normal hält. Und die Kultur bestimmt, wie sich ein Land/Volk auch wirtschaftlich entwickelt.

        Das andere ist der von Ihnen vorgelegte Gedankengang, den ich mit eigenen Worten wie folgt zusammenfasse (soweit ich ihn verstanden habe): Geld ist zunächst ein Abbild der Realwirtschaft. Im Prinzip repräsentiert (spiegelt) die CHF-Geldmenge die Leistungsfähigkeit der CH-Wirtschaft. Mit der Zeit löst sich aber das Abbild (Geld) vom Realen (Wirtschaft). Am Ende (heute) wird durch Manipulation des Abbildes die Realität gesteuert.
        Weil wir die Wirtschaft durch das Geld wahrnehmen, wird also unsere Wahrnehmung durch Geldmanipulation manipuliert. Da nicht die echten, realen Fakten, sondern unsere Wahrnehmung davon unsere Handlungen leiten, wird also die reale Wirtschaft durch die virtuelle Geldwirtschaft manipuliert.

        Ich finde beide Überlegungen hoch interessant. Das Thema Kultur, weil bekannt ist, wie sehr die Umwelt das eigene Verhalten beeinflusst. Stichwort Laborratte.

        Das Thema Manipulation der Realität durch Manipulation virtueller Grössen (hier: Geld) ist interessant, weil sich in der Medizin, der Neurobiologie und der Quantenphysik zunehmend genau dieses Phänomen in den Vordergrund schiebt. ZB in der Medizin in der Epigenetik, im Placebo-Effekt, in der Neurobiologie in Near-Death und Out-of-Body Erfahrungen, und in der Physik mit der Quantenverschränkung und Schrödingers Katze. In allen diesen Bereichen musste die Wissenschaft eingestehen, dass das rein mechanisch-materielle Weltbild nicht zu halten.

        Sollten wir weiterverfolgen!

  • Max Meister sagt:

    Wenn das Ziel sein soll alle Papierwährungen zu Konfetti zu machen, dann sind fast alle Notenbanken auf dem besten Weg dazu ihr Ziel zu erreichen. Dass sie damit aber nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen ist eine Mär, die vernünftige Menschen heute nicht mehr glauben. Einen Blick auf die Arbeitslosenquoten, Anzahl Sozialhilfeempfänger, den Häusermarkt in der USA und der EU reichen aus um dies zu bestätigen.

  • Anh Toan sagt:

    „Der Wert des Yens hat sich tatsächlich sogar noch erhöht! Erst seit kurzem schwächt sich der Yen gegenüber dem Dollar wieder ab.“

    Also sind die Amis deutlich erfolgreicher im Abwertungswettkampf.

    Am erfolgreichsten ihre Währung kaputt machen die Engländer.

    „Sobald die Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat und die Schulden in Relation zum BIP auf ein verträgliches Mass gesunken sind, können die Notenbanken wieder bremsen.“

    Tiefe Zinsen, insbesondere negative Realzinsen fördern doch den Schuldenaufbau? Wie sollen die Schulden im Verhältnis zum BIP sinken, wenn die Marktteilnehmer mit tiefen Zinsen animiert werden, mehr Schulden zu machen?

    Wire geben zuerst Gas, damit wir nachher besser bremsen können?

    • Martin Holzherr sagt:

      Negative Realzinsen bedeuten eine finanzielle Repression entwerten also Vermögen, Spar- und Altersguthaben. Staatsschulden dagegen können so reduziert werden. Der kleine Mann dagegen geht als verarmter Mann in die Pension. Wege aus der Schuldenkrise zeigt die Zusammenhänge auf: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36769/1.html

      • Anh Toan sagt:

        @Martin Holzherr: Tiefe Zinsen bedeuten einen tiefen Preis für Kredit, also mehr Nachfrage, oder nicht.

        Tiefe Zinsen bedeuten, die Budgetdefizite verkraften höhere Schulden, wer erwartet, dass Plotiker dies nutzen, um Staatsschulden abzubauen träumt.

        Negative Realzinsen führen dazu, dass sich Vermögende Habeln müssen, um die Realwertverlusten auf das Eigenkapital durch entsprechende Gewinne auf das eingestzte Fremdkapital wettzumachen….

        Also wer macht weniger Schulden bei tiefen Zinsen?

        Tiefe Zinsen = billiges Kapital, also relativ zum Kapital teurere Arbeit bräuchten wir nicht Arbeitsplätze?

        Ich weiss, die Idee ist, eine absolute Steigerung der Schulden führt dank Investition und daraus resultierendem Wachstum zu deren relativen (zum BSP) Abnahme. , aber doch nicht, wenn bereits zuviele Schulden vorhanden sind?

        Brauchen wir nicht mehr Konsum (den man aber tunlichst nichts mit neuen Schulden finanziert) um Wachstum zu generieren als Investition (welche man mit Schulden finanzieren kann) in der jetzigen Zeit? Haben wir zuwenig Investition?

        • Martin Holzherr sagt:

          Japan strebt ja auch eine deutliche Inflation an. 2% vorest, hätte wohl aber auch nichts gegen mehr Inflation. Inflation vernichtet (statisches) Vermögen und reduziert Schulden.

          • Linus Huber sagt:

            @ Martin

            Korrekt, dies sind die dem Auge ersichtlichen Veraenderungen. Jedoch nicht sichtbar sind die damit verbundenen Veraenderungen der gesellschaftlichen Werte, welche nicht mit mathematischen Mitteln der Oekonomen messbar sind. Der leise Diebstahl der Kaufkraft untergraebt saemtliche fuer die Gesellschaft wichtigen positiven Werte, wie z.B. Nachhaltigkeit, Verantwortung, Ehre, Mitgefuehl, Ehrlichkeit, echte und nicht formelle Rechtsstaatlichkeit etc. etc.

            Diese Veraenderungen machen sich sehr langsam bemerkbar, da sie den Menschen inhaerenten Eigenschaften im Grunde widersprechen, jedoch durch die unnachgiebige Politik der Geldentwertung sich schrittweise formatiert.

            Kurzum: Monetary Politik der Geldentwertung, entwertet die Menschlichkeit der Gesellschaft.

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