Japan weist Europa den Weg

Ein Frau beim Altersturnen. (Keystone)

Die Bevölkerung in Japan wird im Schnitt älter: Ein Japenerin beim Altersturnen. (Keystone)

Ein Satz sagt alles: Seit diesem Jahr werden in Japan mehr Windeln für Rentner verkauft als für Babys.

Zugegeben: Ich habe meine journalistischen Pflichten sträflich vernachlässigt und bin dieser Anekdote nicht auf den Grund gegangen. Aber Sebastian Mallaby hat sie am Mittwoch in der «Financial Times» geschrieben, und ich halte viel von Mallaby. E se non è vero, è ben trovato…

Aber um Japan soll’s gehen in diesem Beitrag. Am kommenden Sonntag nämlich, am 16. Dezember, wählen die Japaner ihre neue Regierung respektive die neue Zusammensetzung des Unterhauses. Gemäss Umfragen deutet alles darauf hin, dass die Liberal Democratic Party (LDP) die Macht in Tokio nach dreijähriger Opposition zurückerobern und der künftige Premier Shinzo Abe heissen wird.

Ist das wichtig? Zumal Japan alle paar Jahre eine neue Regierung hat und Shinzo Abe bereits von 2006 bis 2007 Premier war?

Ja. Denns falls Abe gewinnt, wird Japan einen neuen Pfad einschlagen. Und dabei möglicherweise zeigen, was Europa dereinst blühen wird. Abe hat nämlich angekündigt, dass er die Wirtschaft mit neuen Stimulusprogrammen ankurbeln und er – noch wichtiger – eine weit expansivere Geldpolitik der Bank of Japan sehen will. Um dies zu erreichen, würde er den abtretenden bisherigen Notenbankchef Masaaki Shirakawa im Frühjahr 2013 mit einer geldpolitischen Taube ersetzen. Die BoJ unter Shirakawa habe im Kampf gegen die hartnäckige Deflation (in diesem und in diesem Blogbeitrag mehr zum Thema, weshalb Deflation eigentlich gefährlich ist) zu zögerlich agiert, glaubt Abe (mehr Details zu Abes Forderungen in diesem Artikel des FuW-T0kio-Korrespondenten Martin Fritz).

So weit, so gut. Das scheint auch alles kein Problem darzustellen, denn die Zinsen in Japan liegen auf einem rekordniedrigen Niveau; der Staat muss für Schulden mit zehnjähriger Laufzeit aktuell weniger als 1 Prozent bezahlen.

Was aber, wenn die Zeit, als Japan seine horrenden Staatsschulden – mehr als 200 Prozent des BIP – zu derart günstigen Konditionen finanzieren konnte, bald vorbei ist? Einige Indizien lassen Bedrohliches Erahnen.

Erstens ist die Leistungsbilanz Japans im September zum ersten Mal seit 28 Jahren ins Defizit gerutscht, wie diese Grafik der Ökonomen von Lombard Odier zeigt:

Eine Begründung dafür sind die Importe von Erdgas, die nach dem Fukushima-Unfall im März 2011 kräftig gestiegen sind. Wenn dieses Leistungsbilanzdefizit kein einmaliger Ausrutscher bleibt, dann wird Japan künftig auf Kapitalimporte aus dem Ausland angewiesen sein, um einen Teil seiner neuen Schulden zu finanzieren.

Die Bank of Japan ist derweil schon kräftig dabei, japanische Staatsschulden aufzukaufen. Gemäss Berechnungen von Lombard Odier hat die BoJ in der ersten Jahreshälfte 2012 netto nicht weniger als 78 Prozent der neu ausgegebenen Schulden des Staates finanziert, wie diese Grafik eindrücklich zeigt:

(Anmerkung: die BoJ darf dem Finanzministerium neu ausgegebene Staatsschulden nicht direkt abkaufen, sondern erwirbt sie nach mindestens drei Monaten Laufzeit am Sekundärmarkt.)

«Einspruch», werden Japan-Kenner jetzt rufen, «das ist alles nicht relevant!» Die hohen Staatsschulden seien kein Problem, denn a) könne Tokio jederzeit die Steuern erhöhen, und b) lägen die japanischen Staatsanleihen – ganz im Gegensatz zu jenen der USA – grösstenteils in der Hand inländischer Investoren.

Das stimmt im Prinzip, doch ist fraglich, ob diese beiden Faktoren auch in Zukunft Schutz vor einem finanziellen Desaster in Japan garantieren.

Zum ersten Punkt: Natürlich könnte Tokio jederzeit die Steuern erhöhen. Das japanische Äquivalent der Mehrwertsteuer beispielsweise ist auf einem in internationalen Vergleich sehr niedrigen Stand. Bloss: Steuererhöhungen werden tendenziell das Wirtschaftswachstum wieder dämpfen, und genau das wird die neue Regierung von Shinzo Abe nicht wollen. Zudem sinken die Steuereinnahmen des japanischen Staates seit mehr als zehn Jahren, unter anderem als Folge der Konjunkturschwäche, wie diese Grafik von Société Générale zeigt:

Im geglätteten Zehnjahresschnitt (schwarze Kurve) liegt die Veränderungsrate der Steuereinnahmen des Staates seit 1998 im Minus. Wenn Steuererhöhungen also so einfach zu höheren Einnahmen führen würden, hätte das Tokio längst tun können.

Das grösste Pièce de Résistance ist aber für die Japan-Verteidiger freilich die Tatsache, dass die Staatsschulden vorwiegend inländisch – zu rund 93 Prozent – finanziert sind. Es stimmt, die Japaner, respektive ihre Spardepositen bei der gigantischen Post Bank, waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten grosse Käufer von Staatsanleihen ihres Landes. Sie hatten sich in den Achtzigerjahren mit Spekulationen in Aktien und Immobilien dermassen die Finger verbrannt, dass sie zu Abermillionen in den Bondmarkt strömten.

Nun beginnt aber allmählich der demografische Effekt zu beissen – womit wir wieder bei den Windeln für die Alten wären. Die Zahl der im arbeitsfähigen Alter stehenden Japaner hat im Jahr 1995 mit 87,3 Millionen ihren Zenit überschritten und ist seither auf 81,3 Millionen gesunken. Das entspricht noch einem Anteil von 63,6 Przent an der gesamten Bevölkerung, wie Chris Wood, Stratege beim asiatischen Brokerhaus CLSA Asia-Pacific Markets, vorrechnet. Gemäss Hochrechnungen des National Institute of Population and Social Security Research soll die Zahl bis 2040 auf unter 50 Millionen sinken.

Hier eine Grafik von Société Générale, die die demografische Entwicklung Japans (schwarze Kurve) zeigt: (Achtung: Die Skala ist indexiert im Jahr 1950, sie ist nicht mit den oben genannten effektiven Bevölkerungszahlen zu verwechseln.)

Wenn die Menschen pensioniert werden, bauen sie in der Regel kein Vermögen mehr auf, sondern beginnen mit dem Prozess des Entsparens. Auch das scheint in Japan jetzt zu geschehen: Der Betrag an japanischen Staatsanleihen, die im Besitz von japanischen Privathaushalten stehen, hat ein Plateau erreicht und steigt seit rund fünf Jahren nicht mehr weiter, wie diese Grafik von Société Générale zeigt:

Ebenfalls sichtbar ist der nahende Beginn des Entsparens an der Sparquote der Privathaushalte: Sie ist von über 12 Prozent in den frühen Neunzigerjahren auf derzeit noch knapp 2 Prozent gesunken. Hier die entsprechende Grafik (die hellrote Kurve steht für Japan. Quelle: OECD):

Der Government Pension Investment Fund, mit einer Anlagesumme von 1,2 Billionen Dollar der Koloss unter den Pensionskassen in Japan, hat bereits gewarnt, er müsse jetzt beginnen, seine Anlagen in Staatsanleihen zu verkaufen, um die Auszahlungen an die Rentenbezüger finanzieren zu können. Die Auszahlungen an Pensionierte sind höher als die Einzahlungen der Sparer.

Wenn die japanische Bevölkerung immer älter wird und in der Summe nicht mehr Sparvermögen auf-, sondern abbaut: Woher soll denn künftig die Grenznachfrage nach all den japanischen Staatsanleihen kommen, die die Regierung ausgeben muss, um sich zu finanzieren?

Das wird spannend. Und wir Europäer sollten das Spektakel sehr genau verfolgen, denn dem Alten Kontinent blüht mit zehn bis fünfzehn Jahren Verzögerung eine mit Japan vergleichbare demografische Entwicklung.

Anmerkung: Mein Redaktionskollege Gregor Mast arbeitet gegenwärtig an einer grösseren Analyse, wie dieser drohende finanzielle Kollaps Japans ablaufen und was er für die Finanzmärkte bedeuten wird. Dauert nur noch wenige Tage (die Analyse, nicht der Kollaps).

53 Kommentare zu «Japan weist Europa den Weg»

  • Bob Baumeister sagt:

    …das ging jetzt aber ganz zügig:
    FuW 99.15.12.2012, Seite 23 – „Japanisches Endspiel in vier Akten“ von Gregor Mast
    ….flottes Drehbuch (Volk wählt „Don’t-worry-be-happy-Alles-wird-besser-Politiker“….QE1…2….Aktienhausse…Bondscrach…Devisencrash…Schulden…QE3…4…x…Aktiencrash…Hyperinflation…da-ist-wirklich-nochmal-alles-dabei! 😉 …da wird es aber allen Finanzakrobaten noch ganz schön schwindlig!

    Apropos *Endspiele* – der gute Andreas Höfert, Chefökonom der UBS, hat das vor ein paar Monaten auch so wunderbar in Worte gefasst:
    Ab min. 22.47 bis min. 26.47 *Endspiel* Finanzkrise – “Tragödie in 3 Akten”

    http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/tagesgespraech/2782.sh10213558.html

  • Reto Zürcher sagt:

    @Stephan, Ich glaube auch nicht das den Japanern der Yen ausgeht, aber vielleicht dürften sie mehr Mühe haben jemanden zu finden der ihnen diese Yen zu einem für sie akzeptablen Kurs in Zahlung nimmt um die Rohstoffe und Energieresourcen zu kaufen die sie benötigen. Eine älter werdende Bevölkerung dürfte auch weniger produzieren das sich im Ausland verkaufen lässt, ausser natürlich die Produktivität wird weiterhin durch modernste Maschinen und Roboter weiterhin erhöht.

    • Stephan sagt:

      Da bin ich ganz bei ihnen. Die Frage ist eben nicht „Hat Japan noch genug Geld?“ sondern was kann Japan für sein Geld an realen Gütern und Dienstleistungen kaufen?

      • Beat Müller sagt:

        Auch das ist im Moment kein Problem für Japan. Sie haben eher wie wir damit zu kämpfen, dass ihre Währung nicht zu hoch wird. Natürlich kann sich das ändern. Aber dann kann ja die BoJ erstmal die Massnahmen zur Drückung des Yen zurücknehmen. Und danach könnte sie sicher auch erst noch gewisse Massnahmen zur Stützung des Yen machen, natürlich nicht unbeschränkt, aber in einen gewissen Umfang. Da ist einfach sehr viel Reserve vorhanden, bis der Yen wirklich problematisch sinkt, ohne dass die BoJ weiter was dagegen tun kann.

        Ausserdem werden Rohstoffe in Dollar gehandelt. Und was machen die USA? Drucken bis die Presse glüht. Gibt eigentlich keinen Grund, weshalb der Yen da plötzlich so viel schwächer werden sollte. Und selbst wenn der Dollar mal nicht mehr Leitwährung sein sollte: Die Chinesen halten ihren Renminbi eh künstilich tief, und in EUropa glühn die Notenpressen nicht weniger als in den USA. Was anderes kommt aber als Ablösung des Dollar als Währung für Rohstoffe eh kaum in Frage.

  • Stephan sagt:

    @Oliver hat völlig recht. Die wirklichen Probleme der japanischen Volkswirtschaft sind realer und nicht nomineller Natur. Wer und wie produziert die Güter und Dienstleistungen in einer Gesellschaft damit es etwas zu kaufen gibt für die nominallen Ersparnisse der japanischen Rentner. Woher kommt die Energie und wie wird sie verwendet und/oder verschwendet usw. usf.

    Japan ist wie @Oliver schreibt ein monetär souveräner Staat mit einer FIAT Währung mit flexiblen Wechselkursen. Es ist per definitionem unmöglich, dass der japanischen Regierung die Yen ausgehen. Ausser die BoJ findet ihre Tastatur nicht mehr um die entsprechenden Tasten zu drücken. Ein Vergleich mit dem Fremdwährungs-Club Euro ist völlig daneben.

    Aber ich habe mich daran gewöhnt, dass Finanzjournalisten gerne irgendwelche möglichst großen Zahlen an die Wand malen und dann rufen: Oh, horrible, oh, horrible, most horrible! Bei dem Schuldenstand ist der finanzielle Kollaps vorprogrammiert. Und wenn Armageddon dann nicht passiert schreiben sie halt dieselbe Geschichte ein Jahr später wieder. Irgendwann einmal wird in Japan die Sonne ganz sicher nicht mehr aufgehen.

  • Oliver sagt:

    …Gemäss Berechnungen von Lombard Odier hat die BoJ in der ersten Jahreshälfte 2012 netto nicht weniger als 78 Prozent der neu ausgegebenen Schulden des Staates finanziert,…

    Gemäss standard Theorie sollte dies doch massiv inflationär sein. Unmündigen Bürgern wird gegen ihren Willen Liquidität untergejubelt, mit der sie nicht mehr anzufangen wissen, als es, trotz Überalterung, der Mutter aller Immobilienblasen, mangelnder Vorsorgeinfrastruktur und serbelnder Weltwirtschft, durch den Kauf von teuren Ferienreisen, spekulativen Immobilieninvestitionen und sinnlosen Luxusgütern zu verpulvern und dabei Inflation zu verursachen.

    In Wahrheit benutzt die BoJ ihre unlimitierte firepower, um den Rentnern und Sparern so lange die Staatsanleihen abzukaufen, bis deren Zinseen mit denen von Giroguthaben gleich sind. Die Politik der BoJ ist nicht zu wenig inflationär, sie ist schlicht und einfach deflationär. Und angesichts der Tatsache, dass es sich um eine selbst auferlegte 0-Zins Politik handelt, kann man auch schwerlich von einer Liquiditätsfalle sprechen. Zinsen auf Staatsanleihen sind keine exogene Variable! Und nicht Schirakawa ist dumm, die Theorie ist es.

    • Linus Huber sagt:

      @ Oliver

      Sie unterschlagen die Bedeutung der sich anbahnenden moeglichen und dauerhaften negativen Leistungsbilanz.

      Es ist offensichtlich, dass die Situation in Japan nicht nachhaltig ist. Einzig die Frage des Zeitpunktes, wann sich das Problem wirklich und in welcher Form bemerkbar macht, ist offen.

  • Oliver sagt:

    Hmm

    Unter Händlern ist der Trade gegen den Japan bonds gemeinhin als ‚widowmaker‘ bekannt. Herr Dittli möchte sich wohl auch in diese illustre Ahnengalerie der Yen Wittwer einreihen. Viel Glück!

    …Wenn die Menschen pensioniert werden, bauen sie in der Regel kein Vermögen mehr auf, sondern beginnen mit dem Prozess des Entsparens. Auch das scheint in Japan jetzt zu geschehen: Der Betrag an japanischen Staatsanleihen, die im Besitz von japanischen Privathaushalten stehen, hat ein Plateau erreicht und steigt seit rund fünf Jahren nicht mehr weiter, wie diese Grafik von Société Générale zeigt:…

    entsparen = Geld ausgeben = höheres BIP/BSP = höhere Steuereinkommen = weniger benötigte Defizite = weniger Bedarf neue Japan bonds auszustellen.

    Ausserdem besitzt die BOJ, wie die meisten anderen Zentralbanken, ein Mandat für Zinsstabilität, welches Sie über den Sekundärmarkt jederzeit, wie bis anhin, wahrnehmen kann. Die Frage, ob sie direkt Staatsanleihen kaufen kann, ist hier, zumindest rein ökonomisch betrachtet, immateriell. Meines Erachtens ist die Schauermär, dass sich ein fiskales Disaster via Zins- und damit Schuldenspiralen anbahnt, für einen monetär souveränen Staat wie Japan nicht angebracht. Anders als bspw. in der Eurozone.

    Wenn, dann wird sich die Anpassung via dem Wechselkurs, d.h. via einer Verschlechterung der terms of trade aus Japanischer Sicht, bemerkbar machen. Angesichts der Tatsache, dass die Japaner schon lange erfolglos probieren, ihren Wechselkurs mit kreativer Geldpolitik hinzubiegen, kann ihnen das nur willkommen sein. Ein echtes Problem sehe ich nur in Bezug auf die Energieabhängigkeit. Meine Prognose ist nicht ein fiskales Disaster sondern ein Wiedereinstieg in die Atomkraft.

    Topp, die Wette gilt! 🙂

    • Mark Dittli sagt:

      Short JGB ist der Widowmaker. Ist nicht noetig, diesen Trade einzugehen. Aber, lieber Oliver, verkaufen Sie mir einen Call mit zehn Jahren Laufzeit auf den Stand des Nikkei 225?

      • Oliver sagt:

        Testen Sie meine Jargon Kenntnisse? Ich nehme an, das habe ich verdient…

        Wenn ich Sie richtig verstehe, meinen Sie ein grösserer Kursverlust an der Börse könnte zu einem drohendem Abfluss ausländischer Mittel führen, dem die BoJ mit höheren Zinsen entgegenwirken müsste. Was dann in einem Zweitrundeneffekt wegen der hohen Staatsverschuldung zu einer fiskalen Abwärtsspirale führen könnte?

        Ich nehme an, auszuschliessen ist nichts, aber dem widersprechen aus meiner Sicht mehrere Faktoren:

        Das Leistungsbilanzdefizit entspricht, im Fall einer so grossen Wirtschaftsmacht wie Japan, auf der anderen Seite höchstwahrscheinlich einer Porfoliostrategie, die auf diesem Fluss aufbaut. Z.B. einer aggressiven Exportpolitik der Chinesen, die Japan Bonds aufkauft, ihre eigene Währung abschwächen und nun die an den USA lang erprobte Strategie des Export gestützen Wachstums auf Kosten japanischer Produktion verfolgen. Ich behaupte nicht, dass dies aus Japanischer Sicht eine gutartige Entwicklung ist, aber sie führt wohl eher zu einer langsamen Angleichung der beiden Mächte, als zu einem plötzlichen Absturz irgendeiner Form. Dafür ist Japan den Chinesen (und anderen) viel zu wichtig.

        Anders ausgedrückt, die Trendwende in der Japanischen Leistungsbilanz ist ein langfristiges und normales Symptom der weltwirtschaftlichen Angleichung, in dem die fortgeschrittenen Nationen kollektiv die Rolle der ‚consumer of last resort‘ einnehmen und damit ein unentbehrliches Glied im Welthandel bilden, das man nicht einfach so fallen lassen kann.

        Damit die Japaner aber nicht zu Lakaien der Russen oder Saudis werden, müsste ein möglichst hoher Grad an energetischer Unabhängigkeit ein primäres strategisches Ziel sein.

        • Mark Dittli sagt:

          Nein, für mich sieht das plausibelste Szenario so aus: Die BoJ wird unter politischem Druck ein grosses QE-Programm lancieren, um den Yen zu schwächen. Das wird an der Börse zunächst positiv aufgenommen werden. Allmählich wird die Inflation anziehen, die Zinsen werden leicht steigen. Auch das wird zunächst positiv aufgenommen, denn es wäre das Zeichen, dass Japan endlich die Deflation besiegt hat. Irgendwann wird jedoch der Punkt kommen, an dem sich die Finanzmärkte an die Schuldenlast Japans erinnern; und plötzlich werden die Zweifel über die Rückzahlungsfähigkeit des Staates sprunghaft steigen. Die Inländer können die Grenznachfrage für neu emittierte JGB nicht stellen, und die Ausländer werden deutlich höhere Zinsen verlangen. Die Zinsen steigen sprunghaft an, was eine schwere Rezession auslösen wird. In deren Verlauf wird die BoJ vollends politisiert und beginnt, JGB direkt vom Finanzministerium zu kaufen, die Staatsschulden also zu monetisieren. Das ist dann der Startschuss für das Endspiel, mit heftigen Inflationsschüben und dem Absturz des Yen. Das wird den Indexstand des Nikkei in die Stratosphäre katapultieren. Daher meine Einladung, ob Sie mir einen out-of-the-money Call (in CHF) mit langer Laufzeit auf den Indexstand des Nikkei verkaufen möchten. Nur ein Szenario unter vielen, gewiss, aber so könnte es verlaufen. Aber glauben Sie nicht, dass wir dieses Resultat schon bald sehen werden – das wird Jahre dauern…

          • Oliver sagt:

            Japan ist doch der Erfinder de QE und bisher leiden sie höchstens unter einem zu starken Yen? Und selbst wenn QE zu einer andauernden Schwächung führen sollte, sehe ich nicht, wie dies zu mehr als einem kurz anhaltendem Preisanstieg führt, à la Grossbritannien vor 2 Jahren. Der Mechanismus für eine andauernde Erhöhung des Preisniveaus ist mir nicht ganz klar. Und selbst eine permanente Inflation von sagen wir 10-20% ist doch kein Garant für irgendeine Katastrophe. Ich erinnere mich an die ’80er Jahre in Hong Kong. Dies waren die goldenen Zeiten des Wachstums und gleichzeitig die Zeit mit Inflation von ca. 10%.

            Irgendwann wird jedoch der Punkt kommen, an dem sich die Finanzmärkte an die Schuldenlast Japans erinnern

            Hier scheint mir, Sie halten die Märkte für dümmer als sie sind. Die wissen doch dann auch nicht mehr, als sie heute wissen. Und daher behaupte ich, es wird dann auch nicht mehr passieren als heute.

            das wird Jahre dauern

            Von wie vielen Jahren ist hier die Rede? Grössenordnung 2, 10, 100?

          • Oliver sagt:

            Je nachdem, welche ‚Geld‘-menge man anschaut, hat sich diese in Japan über die letzten 25 übrigens nicht über dem Wachstum entwickelt. Ich behaupte, Monetaristen messen das falsche Aggregat und brauchen deshalb die ‚confidence fairy‘ als magischen Faktor , um ihre gewünschte Vorhersage zu untermauern.

      • Oliver sagt:

        Ausserdem kann man dem Abfluss von Mitteln auch anders als mit höheren Zinsen entgegenwirken. Es gibt z.B. Kapitalverkehrskontrollen, auch wenn diese unter den Cheerleadern der freien Wirtschaft verpönt sind.

        Zudem stellen höhere Zinsen, wie in meinem zweiten Kommentar unten dargestellt, auch erhöhtes Einkommen für die Wirtschaft dar, was wiederum stimulierend wirkt und somit den Kursverlusten entgegenwirken kann.

        Jedenfalls gibt es im Verlauf solcher Veränderungen immer ein Gewirr aus Strömungen aller Art und aus allen Richtungen, die meines Erachtens gegen eine eindeutige Doomsday Prognose sprechen. Und Zinsbewegungen sind keine Naturkonstante.

        Aber ich weiss, dass in letzter Zeit viel über Japan gemunkelt wurde. Richard Koo hat sich z.B. auch mit den Endzeitlern eingereiht. Ich nehme an, wir werden bald sehen, welche Prognosen besser waren.

        • Linus Huber sagt:

          @ Oliver und Mark

          Vorerst moechte ich dem Autor meine Anerkennung aussprechen, dass er sich innerhalb der Kommentare meldet.

          Grundsaetzlich kann jede der offerierten Moeglichkeiten eintreffen. Was jedoch von wohl den meisten Oekonomen zu wenig beruecksichtigt wird, liegt in einem Bereich, welcher wohl nicht wirklich mit mathematischen Formeln zu erklaeren ist und darum oft unter dem Ausdruck „unintended consequences“ figuriert.

          Eine Waehrung nimmt heute nicht einzig die Funktion eines Zahlungsmittels ein, sondern stellt quasi den Kit fuer ein erfolgreiches Gesellschaftsmodell dar. Das Ausmass geldpolitischer Manipulationen wirkt sich laengerfristig auf das Verhalten der verschiedenen Akteure untereinander aus. Ich wuerde sogar die These aufstellen, dass eine fragwuerdige Geldpolitik sich schrittweise negativ auf das gegenseitige Vertrauen der verschiedenen Mitglieder einer Gesellschaft auswirken duerfte. Das Verkommen einer Waehrung um einzig als Funktion der Manipulation der Zentralbanker zu dienen, wie dies zur Zeit in einem noch nie dagewesenen Ausmasse ablaeuft, oeffnet eine Pandora-Box mit noch nicht erkennbaren Konsequenzen auf verschiedenen Ebenen. Ich kenne die Konsequenzen selbstverstaendlich auch nicht alle, aber ich denke, dass eine davon wohl ein tendenziell sinkender Konsum sein duerfte. Ein anderer zu wenig anerkannter Aspekt liegt wohl in der zunehmenden Instabilitaet des gesamten Waehrungssystems. Ebenfalls wird z.B. immer staerker erkannt, dass sich (ich kenne die Situation in Japan nicht in dieser Beziehung) eine Umverteilung von der Mittelklasse an die Elite festsetzt, welche langfristig ebenfalls das Potential bedenklicher gesellschaftlicher Veraenderungen beinhaltet.

          Kurzum gesagt, hat der immer staerker zunehmende Drang der Zentralbanker ein System in dieser Art und Weise und in dieser Tiefe zu manipulieren gesellschaftliche und wirtschaftliche Konsequenzen, welche heute erst im Ansatz ein wenig erkannt werden koennen.

          • Thomas sagt:

            Das scheint mir auch ein ganz essentieller Aspekt in diesem Bereich:

            Gerade weil heute das Geld selbst (fast) überhaupt keinen realen Gegenwert darstellt (das bisschen bedruckte Baumwolle ist nicht der Rede wert, und das meiste Geld existiert nur als ein paar Bits auf einer Festplatte in einer Bank) basiert es ausschliesslich auf dem Vertrauen aller beteiligter, dass sich ALLE an das implizite Versprechen – im Tausch gegen so ein Stück bedruckter Baumwolle erhältst Du echte frische Lebensmittel, Kleider, ggf. ein Auto etc. – das stillschweigend mit der Geldnote verknüpft ist, halten. Vertrauen ist ein scheues Reh, neues Vertrauen wächst nur langsam. Hier werden gerade von den Notenbanken gewaltige Mengen Vertrauenskapital vernichtet.

        • Linus Huber sagt:

          @ Oliver

          Consider a thought experiment, where a man stands dominoes on end, on a hardwood floor close enough to each other that if one falls a „domino effect“ impacting other dominoes will occur.

          Day after day, we see this man come into this room and stand on end more and more dominoes. But soon we notice an open window with wind entering the room, some of the gusts appear strong enough to knock down a domino if it hits one just right. But day after day, the man comes in and stands even more dominoes on end, with the howling wind continuing. Now, we notice something else, young children are playing in the room, running around and oblivious to the dominoes. It is a big room and they are in another part of the room, but they are running, jumping, chasing each other, it is only a matter of time before they step on a domino that will start the others to fall.

          Yet, day after day, the man comes in adding dominoes, some now closer to the open window, some now closer to the playing children. Is it not reasonable to warn that some, if not all, of those dominoes will come tumbling down? We can’t say which day, because it is too complex to understand exactly when the children will play near enough or which day the gust will hit a domino just right with a enough force to start the chain reaction, but we see the dangers developing in front of our eyes.

          To warn about such, if we are concerned about the dominoes falling, is an important warning. To dismiss the warning because the dominoes haven’t fallen yet, or because we can’t provide a certain time when they will fall or an exact number as to how many will fall, is absurd.

  • Stephan sagt:

    Der drohende finanzielle Kollaps Japans? Auf den warte ich nun schon seit 20 Jahren. Wann kommt der endlich? Aber Herr Mark Dittli kann ja schon mal wagemutig vorangehen und ein paar Short Trades auf JP Government Bonds plazieren. Viel Glück damit. Nur zur Info vorab: in Fachkreisen nennt man diese Anlage „The Widow Maker Trade“.

    • Linus Huber sagt:

      @ Stephan

      Ich gehe mit Ihnen einig, dass ein Short auf JP Gov. Bonds sehr gefaehrlich ist und schon vielen grosse Verluste brachte.

      Aber verfallen Sie deswegen nicht der Idee, dass, weil etwas lange gut ging, dies auch in der Zukunft so sein muss.

      Ich stimme der Analyse des Autors zu und bin ebenfalls gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird.

  • Stadelman Reto sagt:

    Ich bleibe dabei und bin mir ganz sicher: Ohne Technologieschub wird das Problem der Weltwirtschaft nicht zu lösen sein. Wir haben zu wenige Rohstoffe/Energie/Platz um noch weiter wachsen zu können. Das Ergebnis wir eine Verelendung grosser Bevölkerungsschichten sein…
    Nur neue günstige Energie ist meiner Meinung nach die Lösung dieses Problems. Stichwort Fusionsreaktor oder hochentwickelte Solarzellen. Das ist natürlich noch Fiktion. Aber WENN ein Fusionsreaktor Tatsache würde, wäre Energie so günstig das neuer Wachstum durch recycling von Rohstoffen etc. möglich ist. Zumindest für die nächsten 100 Jahre…
    Es wäre auch möglich das wir Afrika erschliessen. Dort gibt es noch Platz, günstige Arbeitskräfte und Rohstoffe. Aber naja, was das für den Kontinent bedeutet weis wohl niemand so genau…

    • Markus Schellenberg sagt:

      Genau, lasst uns weiter wie die Heuschrecken über die Erde ziehen, im Glauben, dass unsere Lebensqualität etwas mit Technologie und Konsum zu tun hat! War nicht noch was mit dem Ast auf dem man sitzt. . . . .

      • Stadelman Reto sagt:

        @Schellenberg
        Unsere Lebensqualität HAT etwas mit der Technologie zu tun! Es ist Ironie vom Feinsten das Sie etwas dagegen schreiben während Sie in einem warmen Zimmer hocken und einen Computer benutzen…
        Es ist darüber hinaus realitätsfremd zu glauben, der Mensch werde einfach mit dem Wachstum aufhören weil die westliche Elite sagt der Planet habe nicht genug Rohstoffe…
        Der einzige Ausweg sind also neue Technologien die den Energiehunger stillen können. Oder geschlossene Grenzen und den Tod von Millionen in Kauf nehmen…
        Was auch immer wir tun, dass unkontrollierte Wachstum wird erst dann aufhören wenn die meisten lebenden Menschen einen Bildungs- und Entwicklungsstand erreicht haben der MINDESTENS auf dem Niveau der Schweiz liegt. (unsere Geburtenrate ist ja bekanntlich sehr tief) Und da unser Planet das nicht ertragen kann, müssen wir hoffen das neue Technologien das in Zukunft doch erlauben. Sonst sehe ich keinen Ausweg.
        Ihre Moralpredigt von „Heuschrecken“ ist jedenfalls nutzlos, dass garantiere ich Ihnen. Oder wollen Sie einem armen Chinesen erklären warum er nicht so leben darf wie Sie? Wollen Sie so Leben wie der arme Chinese? (ich nicht…)
        Technologie und Bildung ist der EINZIGE Ausweg aus der Bevölkerungsexplosion! Davon bin ich überzeugt. Bringen Sie mir eine bessere Lösung. Und kommen Sie mir bloss nicht mit „tieferen Lebensstandard akzeptieren“. Es liegt in unserer Natur genau dass nicht zu tun!

    • Beat Müller sagt:

      Hochentwickelte Solarzellen? Das hat keine Zukunft. Die Zukunft sind billigste Dünnschichtsolarmodule, die pro m2 vielleicht nur die Hälfte eines Topmoduls bringen, aber auch nur 1/10 oder 1/20 kosten. Dann nimmt man eben was mehr Fläche, CHF/kwh ist der Trumpf, nicht kwh/m2. Die Dinger könnten sogar aufrollbar sein wie eine Markise, dann müssen sie nicht mal so doll wetterfest sein, weil sie sich bei schlechtem Wetter selber schnell in die Schutzhülle zurückziehen. Ich seh die Zeit kommen, wo es sowas in 50m2 Fläche für’s EFH Dach für maximal 5000 Fr. zu kaufen gibt. Wer interessiert sich dann noch dafür, ob man mit 50’000 Fr. auf der gleichen Fläche den doppelten Strom produzieren könnte? Ein paar Freaks.

      • Stadelman Reto sagt:

        Höher entwickelte Technologie oder günstigere Technologie, dass ist meiner Meinun nach praktisch das selbe: Fortschritt. Und genau das brauchen wir. Fortschritt durch neue/andere weiterentwickelte Technologie.
        Ob dies durch bessere oder günstigere Solarzellen passier ist nebensächlich, hauptsäche es passiert.

  • Lennart Kirill sagt:

    Wenn die japanischen Rentner weniger Staatsanleihen kaufen, weil sie das Geld für sich selber benötigen, dann muss halt der japanische Staat lernen mit weniger auszukommen. Die Ausgaben müssen den Einnahmen folgen, es muss nicht alles ums verrecken in Betrieb gehalten werden, nur weil es mal gebaut wurde als noch eine Nachfrage bestand. Bei uns ist es dasselbe, wenn in einem Alpental durch die Abwanderung fast keine Menschen mehr wohnen, dann braucht es auch keine Schule, keine Poststelle und keinen stündlichen Regionalbus mehr, so einfach ist das. Den kommenden Schrumpfungsprozess unserer Volkswirtschaften haben wir alle selber schon vor Jahrzehnten mit unseren Entscheidungen gefällt ob und wieviele Kinder wir in die Welt setzen wollen. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob wir auch bereit sind die logischen Konsequenzen dieser damaligen Entscheidungen zu tragen. Das bedeutet: Ja, ich wollte nie Kinder haben und werde deshalb selber im Alter schauen wie ich zurecht komme und wer meine Rente bezahlen wird. Populär ist momentan die 5er und das Weggli Lösung, Ja, ich wollte nie Kinder haben aber ich verlange, dass wir pro pensionierten Einheimischen 3-4 Zuwanderer reinholen, die nicht für sich und ihre Nachkommen rackern sollen, sondern gefälligst für meine Rente. Solange ich nicht von all diesen Zuwanderern ein klares JA zu diesem impliziten Gesellschaftsvertrag höre, habe ich grosse Zweifel ob diese Zuwander dannzumal wenn sie die Mehrheit bilden werden, immer noch bereit sind ihren Teil vom Deal einzuhalten. Weshalb sollten sie auch? Ich würde das selber ja auch nicht für wildfremde exotische alte Leute machen.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Lennart

      Die Bevölkerung in der Schweiz wächst dank der völlig ungebremsten Einwanderung immer noch. Unser Problem sind nicht primär die entvölkerten Alpentäler.

      Übrigens: Da könnte man gut die Asylbewerber ansiedeln, da würden sie auch weniger stören, als in Uster oder Muenchenbuchsee, wo sie den Ansässigen den Platz wegnehmen und die Gemeinden alte Leute aus ihren Wohnungen wirft, um ein Asylantenheim einzurichten.

      • Lennart Kirill sagt:

        Absolut einverstanden, ich sehe keinen Grund dafür Menschen die wir nicht eingeladen haben an den Orten wohnen zu lassen wo all die Menschen wohnen möchten die wir oder unsere Wirtschaft in der Tat eingeladen haben.

        • Marius Lohri sagt:

          @Lennart : Ich habe den Eindruck, Thomas hat es nicht ernst gemeint..

          • Lennart Kirill sagt:

            Kann schon sein, aber ich schon…

          • Thomas ernst sagt:

            @ Marius

            Oh doch, habe ich sehr wohl. Statt in einem Alpentäler könnte man auch zB den Marokkanern ein Stück Land ausserhalb einer mittelgrossen Stadt abkaufen, einen Fligplatz und ein Asylantenzentrum daraufstellen, und alle Asylbewerber umgehend dort unterbringen, bis zum abschliessenden Entscheid.

            Verpflegung etc kauft man lokal, Befragungen etc. Kann man per Videokonferenz machen. Das würde in Marokko einige Arbeitsplätze schaffen und dafür hier in der Schweiz die Asylantenindustrie austrocknen. Die Unterbringungskosten wären ein Bruchteil dessen, was die Steuerzahler hier berappen müssen. Die Asylantenkriminalität würde schlagartig verschwinden. Wer sich der Rückschaffung widersetzt, kann auch in der Wüste bleiben, bis er genug hat.

            Juristisch würde man das Gelände wie eine Botschaft als extraterritorial definieren, damit man nicht mit den marokkanischen Gesetzen hantieren muss.

          • Linus Huber sagt:

            @ Thomas ernst

            Gut, haette mich ziemlich gewundert, wenn Sie es nicht ernst gemeint haetten.

    • Reto Zürcher sagt:

      Wie lange wird es wohl dauern bis diese 3-4 zugewanderten Asylbewerber aus Eritrea oder Somalia in der Lage sein werden durch ihre Arbeit genügend Steueraufkommen zu erwirtschaften um die AHV eines pensionierten Schweizer Mittelstandsrentner zu finanzieren? Ich bin da eher skeptisch, entweder wir erhöhen die Zahl der Zuwanderer, oder wir setzen alle daran diese 3-4 besser auszubilden, sodass sie mehr verdienen können, oder wir senken die Rente des Rentners.
      Die 4 wahrscheinlichste Variante, wir erhöhen die Staatsschulden und stellen sicher das sie erst nach unseren eigenen Ableben fällig sind und dann von den reingelegten Zuwanderern beglichen werden müssen.

  • Leo Klaus sagt:

    Es wird nicht gut kommen fuer Japan und auch nicht fuer den Westen. Japan verarmt seit 2 Jahrzehnten, langsam aber sicher. Europa ist da noch unflexibler, da es in Japan bis vor kurzem die Stelle fuers Leben galt. Was werden wir tun? Bei uns kann man ja nach dem 50. Lebensjahr ja kaum eine neue Stelle finden, oder hat jemand was anderes gehoert? Man redet zwar gut und gerne und lang aber etwas konkretes tut man nicht. Man verlagert munter die Jobs aus oder holt sich Leute aus dem nahen Ausland, aber auch dort werden irgendwannmal die Arbeitskraefte ausgehen. Ein Umdenken hat aber nicht stattgefunden. Die Japaner haben ihr Leben lang sehr hart gearbeitet (wenig Lohn, fast keine Ferien, keine grosse Auslandsreisen jeden Sommer) und sehr viel gespart und muessen im Alter trotzdem bescheiden leben. Wir konsumieren, geben alles aus, geniessen das Leben und unsere Ferien, wollen kein Rentenreform und auch keine Steuern fuer die Reichen und glauben, dass wir weiter uns Leben im Saus und Braus geniessen koennen.

    Man steckt lieber den Kopf in Sand und wartet. „Nach mir die Sintflut“ ist wohl das Mantra.

  • Gion Saram sagt:

    Ein Land mit einer schrumpfenden Bevölkerung wie Japan muss zwangsläufig seine Ausgaben und seine Importe dieser Entwicklung anpassen. Weniger Einwohner bedeutet auch weniger Energie und Lebensmittelimporte, tiefere Mietkosten etc. Es war idiotisch die ausgebaute Infrastruktur für eine 110 Mio Bevölkerung beizubehalten, wenn Bevölkerung auf 90 Mio geschrumpft ist. Wenn Japan es schafft das Pro Kopf Einkommen zu halten, auch wenn die Wirtschaft schrumpft ist das schon ein voller Erfolg. Die angebliche ach so schlimme „Deflation“ der Immobilienpreise hat ja auch den Vorteil das junge Familien sich für dasselbe Geld mehr Wohnraum als früher leisten können.

  • markus gerat sagt:

    was ich sympatisch finde ist, dass der autor auf worthülsen wie reformstau oder umbau des arbeitsmarkt oder sowas ablässt. eine frau merkel oder irgendwelche troika vertreter würden das japan sicher als allheilmittel raten.

  • Da bin ich mal auf die weitere Analyse gespannt. Japan hat immer noch etwas Zeit, die Probleme anzugehen. Ernsthafte Probleme sind doch wohl erst in 10-15 Jahren zu erwarten?

  • Andreas Christen sagt:

    Die Japaner sind einfach zu obrigkeitsgläubig (das ist der freundliche Ausdruck) um die Dinge endlich zu ändern. Das Land ist am Rand des Ruins, das Leben in weiten Teilen des Landes von einer Freude zur Gefahr geworden. Wenn man nun wenigsten eine anti AKW Regierung wählen würde. Ich bin völlig sprachlos ob der Unfähigkeit dieses Volkes. Die Sowjetunion hat damals viel dynamischer reagiert und das will was heissen.

    • Jiru sagt:

      Atom-Hysterie? Nur zur Info beim Atomunfall in Fukushima wurden 40 Menschen verletzt. Beim Tsunami und Erdbeben starben 16’000 Menschen. Sie schreiben das das Leben „in weiten Teilen des Landes“ zur Gefahr geworden ist, dass ist jetzt aber wirklich Schwachsinn. Japan ist etwa 3’000 Kilometer lang… Übrigens war die Wahlbeteiligung mit 56% sehr tief. Ob DPJ oder LDP ist eigentlich egal.

  • Manuel Wymann sagt:

    Diese Story vom drohenden Kollasps ist ziemlich alt und wird durch stetes Wiederholen nicht besser. Ein wichtiger Grund für die hohen Staatsausgaben ist die hohe Sparquote der Privaten. Selbst wenn die Haushalte eine geringere Sparquote haben als zuvor, die Unternehmen haben eine sehr hohe Sparquote, d.h. die Investitionen sind niedrig. Es gibt nicht viele Unternehmen, deren Capex den OPCF überschreiten. Es sind die Unternehmen, welche letztlich diese Staatsanleihen kaufen, auch indirekt über die Banken. Hätte der Staat nicht die mangelnde Nachfrage kompensiert, dann wären die Probleme so gross wie heute in Europa, wo ein Teufelkreis alles kaputt zu machen scheint.
    Trotzdem wird es spannend sein, das Endgame zu beobachten. Ich glaube es wird nicht über einen Kollaps gehen, sondern über die wirtschaftliche Erholung, mit höheren Steuereinnahmen und Konsum (=entsparen). Und geben Sie mir doch nur ein Beispiel, wo sie einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Demographie beobachten, das ist ein Mythos.

  • Walter Bossert sagt:

    Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass unzählige Wirtschaftsfachleute uns mit allen nur erdenklichen Mittel, von einem zwingenden Wachstum zu überzeugen versuchen. Schliesslich hat man das auf allen Hochschulen so eingetrichtert bekommen und wer würde dermassen wertvolles Wissen schon anzweifeln oder gar als Falsch verwerfen? Nur die ganz cleveren werden rechtzeitig einsehen, dass weniger sogar mehr sein kann wenn man die die GESAMMTKOSTEN in die Rechnung einbezieht.Die jetzigen Profiteure der geteilten Wirtschaft müssen in Zukunft massiv zur Kasse gebeten werden sonst droht auch uns eine gnadenlose Ueberschuldung. Insofern könnte Hr. Dittli tatsächlich Recht bekommen wenn er Japan so zu sagen eine Vorwarnung für Europa sein könnte.

    • Karin Gut sagt:

      @Walter Bossert: Da bin ich auf jeden Fall einverstanden, dass man Wachstum nicht als Allerheilmittel ansehen darf. Japan ist nur ein Warnsignal unter mehreren. Es gibt bereits viele Staaten, in denen sich eine reiche Oberschicht aufgrund günstiger politischer Situation (Lobbyismus natürlich) vom Staatswesen entsolidarisiert hat. In Griechenland hatten die Spuperreichen lange Zeit steuergünstigste Bedingungen, jetzt wo der Wind dreht wandert das Vermögen ins Ausland. Der US-Staat hat sowenig Geld für Infrastrukturausgaben zur Verfügung wie kaum eine andere Industrienation, wegen mangelnden Steuereinnahmen speziell von der reichen Oberschicht.

  • Beat Müller sagt:

    In einem Land, das relativ reich ist und relativ tiefe Arbeitslosenquoten hat, ist die Lösung des Problems mit zu wenig Leuten im arbeitsfähigen Alter doch denkbar trivial: Mehr AUsländer rein lassen aus ärmeren Ländern. Grundsätzlich kann es sich Japan wohl sogar aussuchen, wer kommt, z.B. nur bis 30 oder 40 jährige. Probleme wie hier in Europa, dass dann auch Leute kommen, die weniger am arbeiten als am Sozialsystem interessiert sind, sind bei der hart arbeitenden Bevölkerung auch in den ärmeren Ländern Japans kaum zu befürchten. Und diesen Ländern steihtl man damit eigentlich auch nichts, dann sie haben oft ein recht hohes Wachstum der bevölkerung und Probleme, für alle einen Job zu finden.

    • Karin Gut sagt:

      @Beat Müller: Bis zu einem gewissen Grad könnte Japan die personellen Engpässe mit Zuwanderung von (ausgesuchten jüngeren) ArbeitnehmerInnen entschärfen. Infrastruktur von Transport bis Energie ist in Japan aber schon enorm ausgelastet, die Zuwanderung dürfte also nicht zu einem Netto-Anstieg der Bevölkerungszahl führen, sonst zieht das wieder teuer Investitionen nach sich.

      Auf jeden Fall müsste der Weg über Steuererhöhungen beschritten werden, jedoch vor allem über die Vermögenssteuern. Japan insgesamt ist vermögend, denn das Geld von 28 Jahren Leistungsbilanzüberschuss hat sich nicht in Luft aufgelöst. Das Segment vom oberen Mittelstand an muss deutlich stärker an der Staatsfinanzierung beteiligt werden. Je länger man mit der Erhöhung der Vermögenssteuer zuwartet, umso grösser wird aber die Gefahr dass die Vermögenden den Wohnsitz ins günstigere Ausland verlegen.

  • Markus Schellenberg sagt:

    Das Ende der unsichtbaren Hand
    Unsere Wirtschaftordnung und damit der soziale Frieden ist auf Wachstum aufgebaut: Nämlich ohne Wachstum kein „trickle down“. Wachstum jedoch basiert auf billigen Rohstoffen, billiger Energie und billigen Arbeitskräften (letztere können jeweils auch im Ausland eingesetzt werden).
    Alternativ kann auch ein „pseudo-Wachstum“ generiert werden indem der Staat (die Kollektivität) mit dem Einsatz von massiven Fremdmitteln den Verbrauch ankurbelt.
    Inzwischen wird es immer klarer: Rohstoffe und Energie werden immer teurer, und inzwischen werden auch die billigsten Arbeitskräfte immer besser bezahlt. Echtes Wachstum stösst damit an seine physische Grenzen.
    Das „pseudo-Wachstum“ führt über den Umweg der Kosten für Zinsen und Zinses-Zinsen zu einer massiven Umverteilung von unten nach oben. Mit letzten Kräften wird nun der Zins so tief wie möglich gehalten, um diesen Effekt zu verlangsamen.
    Es wird alles nichts nützen: Die Grenzen des ökonomischen Wachstums in unseren entwickelten Gesellschaften sind erreicht oder werden bald erreicht sein. Ein neues Modell muss her, und nur wenn dieses als klares Ziel den sozialen Frieden beinhaltet, werden wir diesen auch erhalten.
    Und ein bisschen Trickle-down dürfte diesmal nicht mehr reichen!

    • Thomas ernst sagt:

      @ Markus

      Ich sehe da einen kleinen Denkfehler: Die Lohnkostenvorteil pro produzierter Einheit sinken laufend, da der Einsatz von Informatik und Robotik laufend teure Menschen durch billigere Technik ersetzt.

      Das Problem ist dabei zunächst, dass wir Einkommen immer mit Arbeit verbinden. Nur wer etwas arbeitet verdient Geld. Wenn die Arbeit ausgeht, hat dieses Modell ein Problem. Das Problem der Grenzen des Ressourcenverbrauchs kommt dann auch noch.

      • Thomas ernst sagt:

        … Muss heissen: Die Lohnkosten… Da war mein iPad mal wieder hilfreich…

        • Stadelman Reto sagt:

          @Thomas
          Mein Grossvater hat vor Jahrzehnten einmal vorgeschlagen das jede Maschine die die Arbeit von Menschen verrichtet deren Anteil der Gelder für die AHV einzahlen muss. (wenn also eine Maschine 10 Menschen ersetzt muss sie für 10 Menschen in die AHV einzahlen) Natürlich hatte er mit dem Vorschlag keine Chance. Aber Sie sehen, ihre Überlegung ist nicht falsch und wurde schon früher gemacht.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Reto

            Das ist sicher eine ehrenwerte Idee, sie zementiert aber nur die Vorstellung, dass Einkommen (oder Altersvorsorge) etwas mit Produktion oder produktiver Arbeit zu tun haben müsse.

            Wenn man sich für einen kurzen Moment eine Welt vorstellt, in der alle materiellen Güter (Essen, Kleider, Autos, Elektron.Geräte, etc) in ausreichender Menge für jedermann von Robofabriken produziert werden und gratis verteilt werden, dann sieht man sofort, dass ein anderes Steuerungsinstrument als die Knappheit (=Marktwirtschaft) gefunden werden muss.

            Es fällt aber naturgemäss schwer, sich eine Welt des Überflusses (inkl. Weltweitem Frieden etc) vorzustellen, wenn grad wieder Meldungen über ein Massaker, Aufstaende und Armut über die Medien verbreitet werden.

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