Weshalb das langfristige Wachstum schwach bleibt

Stahlwerk in den USA. (Keystone)

Die Wachstumsraten in den Industrienationen flacht ab: Stahlwerk in den USA. (Keystone)

3 Prozent Trendwachstum in den USA, 2 Prozent Trendwachstum in Europa und 5 Prozent oder mehr in den Schwellenländern. Das ist die simple Formel, die an den Finanzmärkten seit Jahrzehnten als Faustregel gilt.

Damit ist es wohl vorbei. Schon in der kurzen Frist der vergangenen vier Jahre mussten wir erfahren, wie zaghaft – und im Vergleich zu anderen Rezessionen der Nachkriegszeit abnormal langsam – sich die meisten Länder von der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 erholt haben. Diese Grafik aus einem Report des US-Finanzministeriums veranschaulicht dies eindrücklich:

Gewichtige Volkswirtschaften wie Italien, Grossbritannien, Frankreich und Japan haben punkto Wirtschaftsleistung ihr Vorkrisenniveau bei weitem noch nicht erreicht. Auch die USA und Deutschland liegen erst knapp darüber.

Aber von der kurzen Frist mal abgesehen: Gehören Trend-Wirtschaftswachstumsraten von 2 bis 3 Prozent für die entwickelten Industrienationen der Vergangenheit an? Einiges deutet darauf hin.

Jeremy Grantham, Gründer des Bostoner Vermögensverwalters GMO, stellt in seinem aktuellen Quartalsbrief einige anregende Gedanken an.

Zunächst einmal stellt er fest, dass sich die Trendlinie des realen US-Wirtschaftswachstums in den vergangenen dreissig Jahren abgeflacht hat (Quelle: GMO):

Von 1880 bis 1981 waren es im Durchschnitt 3,4 Prozent, von 1981 bis 2000 noch 2,8 Prozent und zwischen 2000 und 2009 nur noch 1,9 Prozent.

Das reale Trendwachstum wiederum lässt sich in zwei Komponenten aufspalten: Die Zunahme der Arbeitskräfte und die Zunahme der Produktivität (genau genommen sind es drei Faktoren: die Arbeitskräfte, der Kapitalstock und die totale Faktorproduktivität, TFP. Der Einfachheit halber packen wir in dieser Betrachtung die beiden letzteren Faktoren zusammen).

Was den ersten Faktor betrifft, machen sich die demografischen Effekte in der westlichen Welt immer deutlicher bemerkbar, wie die folgende Grafik zeigt (Quelle: GMO):

Die Grafik zeigt das jährliche Wachstum der arbeitstätigen Bevölkerung in den USA (blaue Kurve) und in den OECD-Staaten (rote Kurve). In den USA wächst die arbeitstätige Bevölkerung aktuell noch mit 0,5 Prozent pro Jahr, in den OECD-Staaten schrumpft sie bereits. Japan ist von den wichtigen Industrienationen hier am weitesten fortgeschritten: Dort schrumpft die arbeitstätige Bevölkerung bereits seit Mitte der Neunzigerjahre.

Noch relevanter ist die Betrachtung, wenn man die Anzahl Arbeitsstunden betrachtet, die die arbeitstätige Bevölkerung leistet (Quelle: GMO):

Obenstehende Grafik zeigt den seit Jahrzehnten sinkenden Trend in den geleisteten Arbeitsstunden. Waren in den Fünfzigerjahren in den OECD-Staaten noch rund 2070 Arbeitsstunden pro Person und Jahr die Norm, sind es heute noch 1700 – Tendenz weiter fallend.

Zum allgemeinen Wachstum der arbeitstätigen Bevölkerung beigetragen hat in den Siebziger- und Achtzigerjahren die Tatsache, dass immer mehr Frauen ins bezahlte Arbeitsleben einstiegen. Dieser Effekt liefert aber seit 1995 kein zusätzliches Grenzwachstum mehr, wie folgende Grafik zeigt (Quelle: GMO):

Nun kann freilich eine Wirtschaft weiter wachsen, auch wenn die Anzahl Arbeitskräfte stagniert respektive sogar abnimmt: Die Arbeitskräfte müssen einfach produktiver werden. Die folgende Grafik, ebenfalls von Grantham, in Anlehnung an eine Studie von Robert Gordon von der Northwestern University, zeigt die jährlichen Produktivitätsfortschritte, die die westliche Welt in den vergangenen 700 Jahren erlebt hat (Grossbritannien steht für die Werte von 1300 bis 1906, die USA repräsentieren die westliche Welt von 1907 bis 2010):

Von 1300 bis 1700 tat sich weitgehend nichts. Dann setzten in Grossbritannien die Agrar- und später die Industrielle Revolution ein, und im Lauf des 19. Jahrhunderts kletterte die Rate der jährlichen Produktivitätssteigerungen auf gegen 1 Prozent. Mitte des 20. Jahrhunderts erreichten sie mit 2,5 Prozent ihren Höhepunkt, seither sinken die Raten der jährlichen Produktivitätssteigerung wieder stetig.

Einer der Gründe, die dafür sprechen dürften, ist die Tatsache, dass sich die westlichen Volkswirtschaften immer mehr zu Dienstleistungsgesellschaften wandeln und immer weniger Kapital in produktive Anlagen investiert wird, wie folgende Grafik zeigt (Quelle: GMO):

Am Beispiel der USA ist eindeutig die fallende Trendlinie in den Anlagen-Investitionen (netto, d. h. nach Abschreibungen) zu erkennen. Mit der Finanzkrise von 2008 sind die Investitionen regelrecht zusammengebrochen: Die meisten Unternehmen horten ihr Kapital und trauen sich nicht mehr, grössere Investitionsvorhaben zu beschliessen. Allein im laufenden Jahr werden US-Konzerne gemäss Schätzungen von Grantham rund 500 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien investieren.

Das ist Geld, das sie andernfalls für zukunftsgerichtete Investitionen ausgegeben hätten.

Aber macht es denn einen Unterschied, ob eine Volkswirtschaft im Industrie-, oder im Dienstleistungssektor ihre Produktivität steigert? Theoretisch natürlich nicht, aber praktisch möglicherweise schon. Die Produktivitätsfortschritte im amerikanischen Dienstleistungssektor sind nämlich deutlich geringer als im Industriesektor, wie folgende Grafik von Grantham zeigt:

Zwischen 1950 und 1981 lieferte der Dienstleistungssektor zwar noch eine jährliche Produktivitätssteigerung von knapp 2 Prozent (schwarzer Balken links), in den letzten dreissig Jahren ist sie jedoch auf noch gut 1 Prozent gesunken, während der Industriesektor (roter Balken Mitte) kräftig zulegte. Bloss, der Industriesektor stellt gegenwärtig nur noch 9 Prozent der US-Volkswirtschaft dar, das heisst, seine Produktivitätssteigerung fällt immer weniger ins Gewicht.

Grantham schätzt, dass sich in der US-Wirtschaft die jährlichen Steigerungen in der Produktivität in den kommenden dreissig Jahren auf rund 1 Prozent einpendeln werden. Wachstum in den geleisteten Arbeitsstunden sei bestenfalls noch 0,2 Prozent pro Jahr zu erwarten, schreibt er. Wodurch er zum Schluss kommt, dass sich die Trendwachstumsrate der US-Wirtschaft auf bestenfalls noch 1 bis 1,2 Prozent abflachen wird. That’s it.

All die oben gezeigten Grafiken beziehen sich auf die US-Wirtschaft. Für die europäischen Länder sehen die meisten Eckwerte noch schlechter aus, vor allem in der Entwicklung der arbeitstätigen Bevölkerung. Europa, meint Grantham, müsse sich auf Trendwachstumsraten zwischen null und 0,5 Prozent einstellen.

Wenn da bloss nicht all die politischen Versprechen für Altersvorsorge und medizinische Versorgung wären, deren langfristige Finanzierung auf der Annahme robuster Wirtschaftswachstumsraten basiert…

55 Kommentare zu «Weshalb das langfristige Wachstum schwach bleibt»

  • MoebiusAL sagt:

    Wieder ein sehr lesenswerter Artikel, dessen letzter Absatz für mich aber eine Frage aufwirft: Wenn wir über Alterssicherung reden, geht es da wirklich ums BIP? Alte Menschen brauchen Nahrung (-> Agrar, extrem hohe Produktivität), hergestellte Güter (-> Industrie, hohe und weiter steigende Produktivität), mit Verteilung und Zubereitung bzw. Aufbereitung verbundene Dienstleistungen, zusätzlich noch Pflege. Dieser Bedarf lässt sich problemlos decken, Produktion und Arbeitskraft sind in ausreichendem Umfang vorhanden. Was fehlt, ist meist der wirtschaftliche Anreiz, also das Tauschmittel Geld, d.h. die Geldströme in der Wirtschaft laufen nicht so, dass Angebot und Nachfrage (z.B. an Pflege) zusammenkommen können. Damit aus zueinander passendem Angebot und Nachfrage tatsächlich bezahlte Arbeit wird, müssen sich die Geldströme also so weit ändern, dass die Nachfragenden die Anbieter bezahlen können. Um diese Tatsache abzubilden, ist das BIP als Messwerkzeug zu grob und ungenau.
    Wir können genügend Nahrung für alle und genügend Güter für alle produzieren. Wir brauchen nur noch eine Allokationsmethode, um Nahrung und Güter denjenigen zukommen zu lassen, deren Dienstleistung nicht mit der Produktion verknüpft ist, sondern mit dem Steigern von Lebensqualität – wie das z.B. bei Altenpflegern der Fall ist.

  • Albrecht sagt:

    Ihr Artikel erklärt leider nicht, wozu Wirtschaftswachstum gut ist oder warum es notwendig ist. Viele Artikel mit ökonomischen Themen sind geschrieben, als wären die Menschen für die Wirtschaft da, wenn es doch eigentlich umgekehrt sein sollte.

    Wirtschaftswachstum ist nötig, um eine wachsende Bevölkerung zu ernähren, zu kleiden und unterzubringen. Wenn die Bevölkerung nicht wächst, kann man den Lebensstandard halten ohne Wachstum. Allerdings ist in den letzten 30 Jahren das zusätzliche Wachstum fast ausschliesslich von den Reichen kassiert wurde und die fühlen sich nun berechtigt zu einem persönlichen „Wachstum“, das für die meisten Mitte er 70er Jahre nicht mehr erhältlich war. (Daher das Gejammer , dass die AHV zu viel koste.) Ein Nullwachstum muss unter diesen Umständen zu Verteilungskonflikten führen. Die Unterschicht, die mit einem konstanten Lebensstandard einigermassen zufrieden war, wird einen sinkenden nicht hinnehmen wollen, wenn er nur dazu dienen muss, den Reichen das Noch-reicher-werden zu ermöglichen…

    Falls es zu viele Pensionierte gibt, kann man immer noch das Pensionierungsalter anheben; gegenwärtig ist es aber immer noch so, dass über 50 jährige auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt sind

    • Linus Huber sagt:

      @ Albrecht

      Das gesamte Finanzsystem ist leider nicht nachhaltig konstruiert und funktioniert nur mit staendigem Wachstum. Das ist das eigentliche Problem der Situation. Richtige Nachhaltigkeit wuerde bestehen, wenn alles gut funktioniert bei positivem wie negativem Wachstum. Die gegenwaertige Situation gleicht daher eher einer Ponzi Scheme.

      • Thomas ernst sagt:

        @Linus

        Sie haben natuerlich recht mit dem Ponzi.

        Fairerweise sollte man aber darauf hinweisen, dass dies im Wesentlichen den natürlichen Prozessen auf diesem Planeten entspricht. Die Evolution produziert sei Jahrmilliarden dieses „Boom-and-Bust“-Spielchen. Die Dinos hatten über 120 Millionen Jahre Aufschwung, beherrschten den Planeten – und dann? Ein popeliger Vulkanausbruch, etwas globale Finsternis, und alles, was groesser war als 15cm Schulterhöhe verhungerte. Als die Restdinos wieder klar denken konnten, hatten die Säugetiere die Herrschaft übernommen und Dinos waren uncool und out. Die Armen Kerle mussten auf die Bäume klettern, und Vögel werden, um überhaupt noch einen Return on Investment zu sehen. Sonst wären sie völlig Bankrott gegangen.

        Die Natur kennt keine echten Gleichgewichtszustände. Stabile Systeme sind nicht vorgesehen. In diesem Sinne ist natuerlich die Förderung nach einem „langfristig stabilen“ Währungssystem völlig unnatürlich.

        • Linus Huber sagt:

          @ Thomas ernst

          Sie erwaehnen einen interessanten Aspekt. Worin sich unsere 2 „Modelle“ unterscheiden, liegt in der verwendeten Dauer der angewendeten Zeitperiode. Sie reden hier von Zehntausenden oder vielleicht Millionen von Jahren, waehrend ich von der Dauer von menschlichen Generationen spreche. Meine Idee beruht eher auf den Jahreszeiten, welche eine natuerliche Erneuerung durchlaeuft, ohne substanziell viel zu veraendern.

          Das Problem liegt darin, dass man uns quasi zwingen will, im Winter in Badehose und Bikini zu spazieren, nur um zu beweisen, dass der Winter nicht eingetreten ist.

          • Thomas ernst sagt:

            Womit wir bei der interessanten Frage angekommen sind: „Ist die Weltwirtschaft eher ein zyklischer Prozess (wie die Jahreszeiten) oder eher nicht?“

            Da es mW Jahreszeiten nur in den Gemässigten Zonen gibt, nicht aber zB in den Tropen zweifle ich etwas am zyklischen Modell. Die Sache scheint mir mehr Ähnlichkeiten mit einem sturmgepeitschten Meer zu haben. Jeder Wassertropfen strebt für sich nach dem Gleichgewicht (tiefstmoegliche ruhige Lage), doch die Umwelteinflüsse und die uebrigen Wassertropfen verhindern das. Ergebnis: Extreme Turbulenzen und Instabilitaeten.

          • Linus Huber sagt:

            Ein zyklischer Prozess ist schon durch den langfristigen Generationenwechsel und den damit verbundenen Vergessen von Kriegen und grossen Katastrophen gegeben. Warum sollen wir nicht einer dauernden langfristigen Bewusstseinveraenderung unterworfen sein, welche je nach geschichtlicher Phase sich nicht genau wiederholt aber trotzdem einem Rhythmus unterworfen sein duerfte. Die anscheinende Unfaehigkeit von Entscheidungstraegern, wirklich nachhaltige Regeln, welche sich auch selber immer wieder erneuern und ueberholte Regeln sich wie eine Schlange seiner Haut entledigen kann, scheint aufgrund der menschlichen Natur ein Ding der Unmoeglichkeit zu sein.

  • Andreas Dombek sagt:

    Das Wachstums-Problem wird sich schlussendlich bei unserer westlichen ausgelutschten Ökonomien höchstwahrscheinlich von selbst lösen.
    Betrachtet man die Ökonomie in einer vereinfachten Sinusfunktion, kann man eine interessante und altbekannte Beobachtung machen. Beim Wachstum wird aus dem Nullpunkt ein für die Ökonomisten erfreulicher Vorgang stattfinden: Der anfängliche Tangenten-Anstieg ist tatsächlich recht groß.

    Leider übersehen einige Ökonomisten, dass beim weiteren Zuwachs zwar der (Wert-)Inhalt zunimmt, was den Normalbürger erfreuen kann. Jedoch einige Ökonomisten kommen ins höchstes Schaudern. Man hat dann z. B. nicht mehr die 8 % Zuwachs, sondern nur noch kümmerliche 0,8 %. Am Scheitelpunkt liegt die Wachstums-Tangende flach. Nichts als 0 (in Worten: NULL) % an Zuwachs! Das man dabei am Maximum der gemeinten ökonomischen Entwicklung steht, wird nicht wahrgenommen oder vortrefflich verdrängt. Die ökonomische Entwicklung generiert also zu einer immer mehr abflachenden Tangenten bis hin zu Null.

    Da bleibt hoffentlich diese Frage von Ökonomie-Experten nicht unbeantwortet: Was bedeutet das für uns und unsere Zukunft und was für Rezepte haben sie? Denn danach kommt womöglich das abgleiten der Wachstums-Kurve nach unten?

    Und somit bleibt die allerletzte Frage: Gibt’s ein Minus-Wachstum?

    • Thomas sagt:

      @ Andreas

      Könnnen Sie Held dem Normalverbrauch erklären was ein Ökonomist ist, bzw. was diesen von einem Ökonomen unterscheidet? Abgesehen davon, dass er definitiv keiner der missratenen Phil I-er ist, welche die Universitäten verpesten.

      PS
      Selbstverständlich ist Minus-Wachstum möglich, genauso wie Minus-Intelligenz bei Philosophen.

      • Andreas Dombek sagt:

        @Thomas

        ((1)) Ihnen als versierten Rhetoriker bracht man eine Antwort nicht zu geben, da Sie bereits bei dieser Frage natürlich die Antwort kannten.

        Zu Ihrem PS: Das Minus-Wachstum, welches Sie für möglich halten, möchte ich von Ihnen beschrieben bekommen!

        Da die Ökonomen anscheinend etwas besser ausgebildeten Landwirte sind, kann man sich dieses Minus-Wachstum nur solcherart vorstellen, dass man ausgewachsene Pflanzen auf das Feld legt und zuschauen kann, wie diese sich dann zum Setzling oder Samenkorn zurückentwickeln.

        Habe immer gedacht, dass solch ein Euphemismus nur beim GröFaZ vorherrschte. Der Rückzug / Niedergang / Reduktion kann wirklich nette Umschreibungen, wie z. B. Frontverkürzung, Frontbegradigung, dynamischer und strategischer Rückzug oder eben diesen Minus-Wachstum haben.

        PS: Philosophisten sind mir lieber, da deren Schadenspotential letztendlich etwa bei Null liegt. Da sind versierte Ökonomisten inzwischen, leider, bei annähernd 100 %.

        ((2)) ff

      • Andreas Dombek sagt:

        @Thomas

        Hier muss man tief in die historische Trickkiste greifen. Folgend wird ein agrar-forstwirtschaftliches Gleichnis gewählt, da die Ökonomie augenscheinlich noch immer eine Hilfwissenschaft der Agrarier / Silvaner ist.

        Über die Herkunft der Begriffe „Wachstum und Wucher“, die einen gleichen Ursprung haben, kann man leicht erkennen, dass ein „natürliches Wachstum“ aus einer Nachhaltigkeit der Naturnutzung herkommt, die den selbstregenerierenden, selbstheilenden Gebrauch auf seine naturgegebene Art ausgleicht. Über „krankhaftes Wuchern“ durch falsche wirtschaftliche Nutzung bracht man nicht zu diskutieren.

        Die Eichen hat z. B. eine Wachstumszeit von 500 Jahren. Möchte man hier nachhaltig den entsprechenden Boden (das mittelalterliche Kapital) nutzen, kann man eigentlich nur einen Erntefaktor von 0,002, also 0,2 % erreichen. Bei einer Tanne mit 75 Jahren hätte man einen Faktor 0,013, also 1,3 %. Würde man aber Sträucher, Büsche oder Jungbäume schnellstens nutzen, kann man bei einer Wachstumszeit von 4 Jahren hat man den Faktor von 0,25, also 25 %.
        Ob dabei eine stabile und gesunde Ökonomienutzung langfristig möglich sein wird? Wohl nicht, weil das Aufstrebende wortwörtlich verheizt wird. Und so landet man bei den „Strauchnutzern bzw. Strauchdieben“. Jedwelche Exkulpation erhalten diese von den gemeinten Ökonomisten.

        Betrachten man z. B. das größte dt. Reichsgut „Deutscher Boden, vulgo DB“ und stellt fest, dass als ehem. Gutsverwalter ein „Ackermann“ fungierte, kann man dabei nur noch ins Fäustchen lachen, denn die Ironie hat viele dunkle Ecken. Folgt man der Diktion seines „Schlachtrufes von 25 %“ kann man sich des Grauens nicht entledigen, hier würden Parolen von „Strauchdieben“ rausposaunt. Und dann noch von den Ökonomisten als gottesherrliche Weisheiten beweihräuchert.

        Da der Begriff „ökonomischer Terrorost“ aus juridischen Gründen nicht opportun ist, scheint m. E. die Bezeichnung Ökonomist, also ökonomischer Radikalist, treffend zu sein.

  • Thomas ernst sagt:

    @ Linus

    Ich begrüsse den Ansatz. Im obigen Text scheint aber eine Vermischung zwischen BSP und BIP (Bruttosozialprodukt versus Bruttoinlandsprodukt) vorzukommen. Soweit ich mich vage erinnere, ist das nicht dasselbe.

    • Linus Huber sagt:

      @ Thomas

      Ja, es ist nicht dasselbe. Soweit ich dies richtig interpretiere, duerfte gdp dem bsp entsprechen, wobei wir in ch das bip verwenden. Es sind in meinen Augen verhaeltnismaessig kleine Unterschiede und nicht wirklich entscheidend fuer diese Diskussion.

  • Linus Huber sagt:

    Ein guter Artikel und viele sehr interessante Kommentare. Aus meiner Sicht ist ein umfassender Kommentar zu viele Worte haben, um hier wirklich zusaetzlich Licht in die Angelegenheit zu bringen. Jedoch moechte ich nur einen kleinen Punkt ansprechen, welcher mich seit geraumer Zeit beschaeftigt.

    Zum Messen des Wachstum verwenden wir im Allgemeinen den Begriff Bruttosozialprodukt (bsp) oder gross national product (gnp). Es ist eigentlich kein Problem, dieses Wachstum hoch zu halten, wenn sich ein Staat dazu entschliesst. Warum?

    Wenn ein Staat einfach seine Verschuldung um sagen wir 20% des gdp’s hochfaehrt, zaehlt auch dies als Teil des Wachstums. Natuerlich ist solch ein Verfahren nicht nachhaltig, da irgendwann diese Art von Finanzpolitik erhebliche negative Folgen erwirken duerfte. Wenn wir jedoch die letzten 30 Jahre betrachten, haben wir genau diese Politik verfolgt, einfach mit viel kleineren Raten in der Erhoehung von Staatsschulden (ich rede hier vom durchschnittlichen westlichen Staat und nicht von der Schweiz).

    Um auf meinen angestrebten Punkt sprechen zu kommen, ist die Messung des Wachstums unter Anwendung des gdp ein Fehler, sondern Wachstum sollte nach meiner Ueberzeugung als gdp minus Erhoehung der staatlichen Verschuldung zu verstehen sein. Unter solch einer Betrachtungsweise wuerden wir erkennen, dass wir seit geraumer Zeit einem wirklichen Problem ausgesetzt sind.

    • ast sagt:

      Herr Huber, Sie wollen sozusagen das Unsozial-Produkt vom Sozialprodukt abziehen -dann bliebe aber wirklich nicht mehr viel übrig 😉

      • Linus Huber sagt:

        @ Ast

        Ich denke, dass Ihre Aussage nicht genau zutrifft.

        Was ich versuche zu erklaeren, dass man neue zukuenftige Verpflichtungen (erhoehte Staatsverschuldung) doch nicht wirklich als Leistung anerkennen sollte. Als Gegenstueck wuerde ich jedoch auch beim Abbau von Staatsverschuldung dies dem bip oder bsp zurechnen.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Huber:

      Interessanter Vorschlag, aber in Wirklichkeit nicht umsetzbar. Der Grund liegt beim Motiv der Schuldung des Staates. Der Staat versucht durch vermehrte Ausgaben vomLeverage zu profitieren, weil der Zunahme der staatlichen Ausgaben zu vermehrter Ausgaben in anderen Bereichen führt.

      Der GDP reflektiert nicht den Wohlstand einer Gesellschaft, er zeigt lediglich die Produktivität eines Landes, ob die Menschen glück und zufrieden sind, sagt der GDP nicht aus. Die zunehmende Produktivität führt zu vermehrter Erkrankung und Depression. Dies führt wiederum zu steigenden Gesundheitskosten, nämlich die vermehrte Ausgabe in der Gesund fürht wiederum zum Anstieg des GDP usw. deshalb mein Vorschlag ist: Abzug der Gesundskosten in GDP vorzunehmen.

  • Felix Gauch sagt:

    Aber damit nicht genug: Je innovativer man heute sein muss, um als ‚Global Player‘ wahrgenommen zu werden, desto weiter ist der Weg, desto mehr muss in die Zukunft investiert werden, desto unsicherer ist dieser Weg für Investoren, zumal Grossinvestoren. Das ist der entscheidende Punkt. Ob dannzumal auch zentrale Bedürfnisse abgedeckt sein werden, ist auch nicht sicher: Denn je länger der Weg von einer Epoche zur anderen wird, desto länger wird die Hängebrücke, durch die eine Volkswirtschaft geht, desto tiefer sinkt darin das allgemeine Lohnniveau ab. Wie dann die Bedürfnisse aussehen, ob sich Menschen dannzumal nicht an völlig verschiedenen Wertvorstellungen orientieren, kann aus heutiger Sicht in keiner Weise beurteilt werden. Sicher ist: Staaten haben gute Entwicklungsmöglichkeiten oder sind gut aufgestellt, wenn sie sich an den täglichen Bedürfnissen der Menschen orientieren; da zeigt sich ein hohes Mass an Invarianz, das ist die Chance, die eine soziale Marktwirtschaft zu nutzen hat, hier liegt die Legitimität des Kapitalismus. Oder etwas ins Oekonomische abgewandelt, aber immer noch im Sinne Konrad Adenauers: Die Menschen sind so, und weitere Bedürfnisse gibt es nicht!

  • Felix Gauch sagt:

    … die Politik wollte es so, um die Reichen bei der Stange zu halten. In den Ausführungen zu Steinbrücks Buch „Unterm Strich“ hatte ich geschrieben: „…letztendlich zur Widerlegung des Trickle-down-Effekts geführt..“.Die Betonung heute liegt auf letztendlich, da ich ja nie davon überzeugt war. Heute sehen wir im Uebrigen immer noch die Auswirkungen davon: Eine Nachfrage an der Basis, die sich kaum erholt, auch darum nicht, weil alle günstige Einflussfaktoren wie staatliche oder monetäre Interventionen längst ausgereizt sind.

    Wer hier nach Keynes ruft, übersieht den komplexeren Rahmen, in dem wir heute stehen. Nicht dass er damals nicht richtig lag, er lag eben nur damals richtig, weil die Finanzsysteme noch kontrollierbar waren, die Bankenwelt noch Intermediäre und nicht ein in absurder Weise abgeschlossenes, intransparentes System, auch „Finanzindustrie“ genannt, war, weil der Dienstleistungssektor noch nicht die heutige Bedeutung hatte – in diesem Sektor ist das Geld viel flüchtiger und kann schneller umgelagert werden, sobald der Nachfrage-Peak erreicht ist; die Nachhaltigkeit leidet, staatlich gelenkte Stimulation verpufft schnell und schafft somit anderweitig gefährliche Blasen; weil damals die Interdependenz einer globalisierten Welt noch nicht die Komplexität aufwies und deshalb heute eine viel differenziertere Vorgehensweise nach Branchen, Regionen, dynamischen Aspekten der Wirtschaftsentwicklung usw. verlangt.
    Ein spezieller Faktor für eine breit angelegte wirtschaftliche Entwicklung sehe ich im Innovationsschub, zu allen Zeiten. Hier ist in unserer Zeit das eigentliche Problem angesiedelt: Lagen die Innovationsschübe nach dem 2. Weltkrieg in Bezug auf Haushalts-, Unterhaltungs-und Materialtechnologie (später kam die IT-Technik hinzu) – alles Entwicklungen, die nahe bei allg. Bedürfnissen lagen und entsprechend Investitionen anzogen – nahe beieinander, so sehe ich heute eine Verschleppung der Kadenz.

  • Christian Imhof sagt:

    Im Diagramm „Annual Growth in Real GDP per Capita“ ist dargestellt, dass das gegenwärtige Wirtschaftswachstum, gemessen in Prozent, zurückgefallen ist auf den Wert von ca. 1920. Die Wirtschaftsleistung, in absoluten Zahlen gesehen, ist aber heute wesentlich grösser als damals. Das heisst, dass das Reale Wachstum, also in absoluten Zahlen dargestellt, heute grösser ist als damals. Wir Menschen nehmen eigentlich immer nur die erste Ableitung einer Funktion war, d.h., wenn die Produktion linear steigt, nehmen wir diese Zunahme immer nur als konstanten, also gleichbleibenden Zuwachs war. Die Darstellung der absoluten Verläufe, neben den relativen, wäre meiner Ansicht nach hilfreich für das Verständnis.

  • Felix Gauch sagt:

    In der zentralen Tendenz bin ich mit Ihnen einig, Herr Dittli, auch wenn wir nicht wissen können, was die Zukunft bringt. Nur, warum bleiben Sie abermals auf halbem Wege stehen? Weil einflussreiche Faktoren, die auf die Oekonomie wirken, gänzlich unökonomisch sind: Physikalische, biologische, psychologische, soziologische, politische Parameter beeinflussen die oekon. Szenerie unablässig, und man wundert sich, warum Oekonomen mehrheitlich nur Oekonomie studiert haben.

    Aber kehren wir zuerst in Ihr Gärtchen zurück und fügen eine weitere Grafik, erstellt von der Konjunkturforschungsstelle ETH (KOF), hinzu: Sie handelt von der Sparquote in den USA im Zeitraum von 1985 bis zur Finanzkrise. Zu Beginn war nichts Auffälliges zu bemerken im Vergleich zu anderen westl. Industriestaaten, jene Quote bewegte sich um die 10-12%, sackte danach aber dergestalt kontinuierlich ab, dass man bereits zu Beginn der 90-er Jahren mit einer Extrapolation auf das Jahr 2008 als jenen Punkt auf der x-Achse gestossen wäre, wo die Sparquote negativ wird. Dabei hatte ich bereits in der zweiten Hälfte der 80-er Jahren die Schuldenpolitik Reagans hartnäckig kritisiert, Anleger gewarnt, langfristig könne eine solche Politik in ein Desaster münden, das kurzfristige Renditedenken als nicht nachhaltig denunziert, und etwas später das US-Wirtschaftspropogandamärchen namens Trickle-down-Effekt (Gruss an den hirntoten Larry Summers! Schräubelt er immer noch an einer math. Leerformel herum, die die Welt der Oekomie erklärt?) komplett in Frage gestellt, da natürliche Faktoren wie Nachfragesättigung, erweiterte Konkurrenz in einem globalen Umfeld, Ressourcenknappheit, oekologische Leitlinien, fehlender Innovationsschub usw. Investoren zurückschrecken lassen, oder jene bestenfalls bereit sind, ihre Geschäftstätigkeiten soweit auf Sparflamme zu halten, wie noch Rendite herausgepresst werden kann. In diese Zeit fällt auch das Aufkommen des Kreditkarten- und Rabattsystems – kein Zufall…

  • ast sagt:

    Herr Dittli, das sind scharfsinnige Beobachtungen, die gute Zusammenstellung wird vielleicht einigen Lesern helfen sich mehr Gedanken um unsere ökonomische Zukunft zu machen. Sie haben es hier vorgezogen vorwiegend den IST -Zustand und die Entwicklung dazu festzuhalten, die Gründe für diese Stagnation hier aber auszuklammern -wohl wissend dass über die Ursachen mehr gestritten wird als über die statistischen Daten selbst.

    Interessant im Zusammenhang mit der Ursachenanalyse sind aus meiner Sicht einige Autoren, welche diese Entwicklung bereits seit Jahrzehnten voraus gesagt haben, so zum Beispiel der Norwegische Mathematiker, Soziologe und Friedensforscher Johan Galtung. Bezeichnender Weise gehört dieser Mann zu einer Gruppe von Wissenschaftlern die man seit Jahren versucht mit raffinierten Methoden kalt zu stellen. Um die gegenwärtige Krise zu bewältigen spricht sich Galtung für die Demokratisierung der UN aus, was ihn in den Fokus von Ländern gebracht hat die mit allen Mitteln versuchen dies zu verhindern, so etwa die USA und Israel.

    Aus meiner Sicht sind die Ursachen dieser Entwicklung negative Rückschritte bei der sozialen Globalisierung, die gegenüber der wirtschaftlichen Globalisierung in Rücklage geraten ist. Während sich der Westen zwischen 1945 und 1970 aus sozialer Perspektive gut entwickelt hat, kam es danach zu dramatischen Rückschritten. Diese Rückschritte verursachen nun eine zu grosse Ungleichverteilung bei Löhnen, Vermögen und vor allem bei der Wertschöpfung der unterschiedlichen Wirtschaftszweige. In den USA liegt deshalb die Lebenserwartung von Landwirtschaftsarbeitern inzwischen wieder auf dem Niveau von 1935, Tendenz weiter fallend. Der Miteinbezug der Frauen in die Erwerbstätigkeit hat das Ungleichgewicht weiter erhöht, da die Politik die unterschiedliche Lohnentwicklung zwischen Mann und Frau zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit gnadenlos aufrecht erhält.

    • Thomas sagt:

      @ ast

      Galtung ist offensichtlich bestrebt, eine rationale weltweite Gemeinschaft zu entwickeln, während die EU, USA, Israel, China, Russland etc. ihr herrschendes Clansystem aufrecht erhalten wollen. Jedes (auf Mythen, Märchen und Lügen beruhende) Pyramidensystem (Grossunternehmen, Staaten, die Katholische Kirche etc.) wird durch echt rationale Entwicklungen im Kern bedroht. Warum wohl hat die (mythische) Katholische Kirche so allergisch auf den (rationalen) Galileo reagiert? Ihre Macht wurde bedroht.

      Kein Wunder wird Galtung von diesen Kreisen als unerwünscht kaltgestellt. Im Mittelalter hätte man ihn kurzerhand als Ketzer verbrannt.

      • ast sagt:

        “ Im Mittelalter hätte man ihn kurzerhand als Ketzer verbrannt.“

        Ich schätze wir sind gerade auf dem Weg in das Mittelalter. Immer öfters hört man auch Stimmen von Wissenschaftlern welche die Freiheit der Forschung durch Lobbys aus Wirtschaft und Politik bedroht sehen. Wer diesen Machtkampf gewinnen wird ist mir noch unklar. Wenn ich sehe wie schnell sich Demokratien heute durch eine Finanztechnokratie ablösen lässt schwant mir nichts Gutes.

        • Thomas sagt:

          @ ast

          Ja, hier muss ich Ihnen leider vorbehaltslos zustimmen. Selbst die Wissenschaft, früher ein Hort rationalen Denkens, ist zu einer Sammlung von Clans und Sippschaften verkommen, die lediglich ihre Klientel durchfüttert. Leider, muss man erwähnen, ausgelöst durch die Sozis, welche die Unis als Versorgungsinstitut für ihre gescheiterten Kollegen verstanden und missbraucht haben. ETH Zürich, Waldau Klinik, Kinderspital, Unispital Zürich – wohin man schaut. Schade.

  • reno scherrer sagt:

    Wenn man die Arbeitslosenzahlen in den USA und EU anschaut könnte man doch meinen dass das Potential der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nicht ausgeschöpft wird und somit eine Reduktion deren nicht zur Reduktion des Wirtschaftswachstum sondern jediglich einer Reduktion der Arbeitslosigkeit führen müsste. Oder misst dieser Parameter jediglich indirekt wieviele Konsumenten die Wirtschaft befeuern?

  • Martin Kalt sagt:

    Wichtige Faktoren werden hier m.E. ignoriert: 1) Tendenziell steigende Faktorpreise der Rohstoffe durch Bevölkerungszunahme weltweit 2) Einfluss der Verschuldung der Staaten, welche in den letzten 60 Jahren stetig gestiegen ist und jetzt wohl nicht mehr, sind mehrere BIP-Prozente jährlich welche künftig fehlen 3) Einfluss der Politik mit immer mehr Gesetzen, welche wie Blei an den Füssen der Firmen hängt 4) Tendenzielle Verdummung der Bevölkerung durch Ende der natürlichen Selektion

    • Thomas sagt:

      @ Martin

      Wo war denn bisher die „natürliche Selektion“ der Bevölkerung, welche jetzt weggefallen ist? Schon immer haben auch die Dümmsten Kinder gekriegt, meist mehr, als die Intelligenteren. Selektion wo??

      • ast sagt:

        Soviel ich gehört habe vielen der Spanischen Grippe nicht nur Dumme zum Opfer.

        • Thomas sagt:

          Die Spanische Grippe ist so selektiv wie ein Haircut bei Schulden: Es trifft alle gleichmässig.

          Die Idee des Darwinismus ist ja der „Survival of the Fittest“ (präziser: Elimination of the Weakest). Eine Sense, die unterschiedslos fitte, unfitte, alte, jung, reiche, arme, Frauen, Männer, Blöde und Intelligente abserviert ist kein Selektionsmechanismus, sondern einfach Pech.

          Bitte prüfen Sie Ihre Kenntnisse der Evolutionstheorie nochmals sorgfältig auf Konsistenz.

  • H.Trickler sagt:

    Dieser Blog ist nicht wirklich geeignet, die Entwicklung zu verstehen, weil die neuerdings wichtigste Produktionsregion FarEast mit keinem Wort erwähnt wird. Ein Grossteil der Massenproduktion auch von Hightech-Gütern wie Iphone erfolgt dort, das Wirtschaftswachstum ist nicht durchwegs kleiner geworden sondern hat sich in die Niedriglohnländer verlagert.

    Es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis die westlichen Regierung eingestehen müssen, dass die bisherige Handelspolitik möglichst freier Märkte eine untragbare Verminderung des Wohlstands bewirkt und nicht mehr länger erträglich ist. Besser wäre es, schon heute die Weichen anders zu stellen!!

  • Michael Schwarz sagt:

    Die aggressive Geldpolitik der Fed ist der Grund warum die US Unternehmen mit Investion in eigem Land zurück halten. Die Evidenz sind reichlich vorhanden, umzu beweisen, dass die aggressive Geldpolitik keine Stabilität bringt. Im Gegenteil, solche Massnahme verunsichert den Investoren im In- und Ausland. Von markoökonomischem Standpunkt ist die agressive Geldpolitik der Fed durchaus erklärbar, aber von mikroökonomischem Standpunkt ist solche Geldpolitik vernichtend. Die Realwirtschaft kann nicht durch die Geldpolitik ersetzt werden, bzw. die muss ohne Geldpolitik selbst tragend sein.

    Heutige ökonomischen Modelle sind nicht in der Lage zuverlässige Prognose zu stellen, obwohl die Makroökonomen alle Mühe gegeben haben, um die genauer vorauszusagen, sind die Prognose zur Mehrheit falsch.

    • Michael Schwarz sagt:

      Die besten Wirtschaftsunis befinden sich in den USA, aber die geldpolitischen und wirtschaftspolitischen Entscheidungen der elitären Unis-Absolventen sind erschreckend. Deshalb sollte man sich die Fragen stellen, wie gut die elitären Unis in den USA wirklich sind, ob das Geld wert ist.

      • ast sagt:

        Herr Schwarz, diese Unis sind Ausbildner für die Eliten -und in deren Sinn haben diese Ökonomen gegenwärtig extrem Erfolg. Es ist ihnen gelungen im Jahr 2012 den Reichtum der Milliardäre um 20% zu steigern und die Vermögens -Pyramide noch spitzer zu machen. Von denen wird keine Ökonomie der Volkswirtschaft betrieben sondern eine Wirtschaftspolitik die zu 100% auf die Bedürfnisse von Milliardären zugeschnitten ist.

        • Michael Schwarz sagt:

          Da muss man die entscheidende Fragen stellen, warum man Ökonomie studieren will. Ist die Motivation des Reichwerdens die richtige für das Wirtschaftsstudium oder die Absolventen missbrauchen das Wissen um das Gleichgewicht und Gesellschaft zu unterwandeln? Langsam sollte man diese Fragen stellen.

          • Thomas ernst sagt:

            …es sind die Manager und Politiker, nicht die Ökonomen, welche die Entscheide treffen. Wer Ökonomie studiert, um reich zu werden, hat sich einen steinigen Weg ausgesucht. In den USA ist man als Jurist besser dran. Aber am wichtigsten ist es, die richtigen Beziehungen zu haben. In CH zB weil man in Zuoz (Lyceum Alpinum) war, in den USA zB als Mitglied von Skulls&Bones.

  • Peter Colberg sagt:

    Rasante Produktionssteigerung seit der industriellen Revolution war hauptsächlich Dank billiger Energie wie etwa Steinkohle und Erdöl möglich, ein relativ kurzes Zeitalter das mit der immer teureren Erschliessung von neuen Oel und Gas Vorkommen, sowie exponentiel steigender globaler Nachfrage, vor allem die der aufsteigenden BRICS Länder, allmählich zu Ende geht. Obwohl demografische Tendenzen einen direkten Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung haben, haben die Auswirkungen der vom Westen verlorenen Industriellen globalen Hegemonie durch das Wirtschaftliche aufholen der BRICS Länder erst begonnen.

    Hinzu kommt auch der markante Effekt der Automatisiering der Produktion, sowie die seit Jahrzehnten andauernde Verlagerung einer grossen Anzahl von industriellen Arbeitsplätzen vom Westen nach Standorten mit billigen Arbeitskosten – vom Transfer des „know-how'“ , einer der grossen Stärken des Westens, ganz zu schweigen.

    Gesättigte Märkte, fallendes Niveau punkto Schul-und Berufsausbildung, und eine an exzessive Sozialzulagen gewohnte Bevölkerung sind für Europa zu einer stark bremsenden Last geworden (Wie z.B. die Franzosen dies jetzt krass erleben). Das mangelnde Gleichgewicht der demografischen Pyramide mag in der Tat eine der Ursachen fallender Produktivität sein, aber die anderen hier erwähnten Aspekte haben auch grosse Auswirkungen auf eine ziemlich Besorgniseregende Gleichung im Sinne unserer Wirtschaflichen Entwicklung, und des Potenziels zukünftig eine angemessene Anzahl Arbeitsplätze zu erzeugen – etwas was angeblich bei Wachstumsraten von unter 3% sehr schwierig ist. Es stehen einige harte Entscheidungen vor uns um einen wirtschaftlichen Niedergang zu verhindern.

    Das goldene Zeitalter billiger Energie und das damit verbundene, aus Wirtschaflicher Theorie unbegrenzte Wirtschaftswachstum wird unausweichlich so oder so zu einem abrupten Ende gelangen. Zukünftige Generationen einer kommenden „low energy society“ werden mehr lokal als global denken müssen.

    • Richard Oaten sagt:

      Sie führen genauer und ausführlicher aus, was auch ich oben meinte. Nur in einem Punkt haben Sie etwas übersehen: was die billige Enercie betrifft wird es genau umgekehrt kommen. Schon in weniger als 3 Jahren wird die blitzschnelle Herstellung von Top-Qualität Rohoel (Light Sweet Crude) in der eigenen Badewanne möglich sein. (Photochemisch aus jedwelchen Algen, Süss- und Salzwassertypen) Dieses Rohoel kann durch die bestehenden Raffinerien prozesst werden ! Somit wird weltweit und überall genügend billigst Energie zur Verfügung stehen. Zudem wird durch die Verbrennung desselben dann auch endlich der CO2-Wert steigen, was dem Menschen die Erreichung des biologisch vorgesehenen Alters von ~120 Jahren ermöglicht !

      • Anh Toan sagt:

        Wird der Mensch das Alter von 120 Jahren erreichen, werden dadurch unsere ganzen Gesellschaftsstrukturen zerstört: Es gibt dann Kinder, Junge, Mittelalte und Alte und sehr Alte und sehr sehr Alte. Ich sehe gerade diesen durchaus möglichen „Erfolg“ als grösste Gefahr für die Menschheit.

        • ast sagt:

          Für den Zeitraum von 1987 bis 2007 wurde die Lebenserwartung in 3.147 Landkreisen der USA untersucht. Danach hat sich die regionale Ungleichheit nicht nur bei den Einkommen, sondern auch im Hinblick auf die Lebenserwartung deutlich vergrössert. Die Unterschiede zwischen den Counties betragen bereits über 10 Jahre. Insgesamt ist die Lebenserwartung in den USA leicht rückläufig, was eine Folge der zunehmenden Ungleichverteilung sein dürfte. Falls die Befürchtung von Herrn Dittli zutrifft, dann dürfte sich die Lebenserwartung nun auch in Europa abflachen. Die Angst vor massenhaft Menschen die eine Alter von 120 Jahren erreichen ist wohl infolge der Umverteilung von Arm nach Reich völlig unberechtigt und aus meiner Sicht das Ergebnis einer Art religiösen Furcht die dem um sich greifenden Sozialdarwinismus und bürokratischer Antidemokratie weiter Vorschub leistet.

      • Urs Luescher sagt:

        … ein erhöhter CO2 Wert führt also zur Steigerung der Lebenserwartung? Spannend!

  • Richard Oaten sagt:

    Durch die politisch gewollte und gesteuerte Auslagerung des grössten Teils der Produktion der „Westlichen Welt“ nach China,Indien,Asien und so weiter, soll es niemanden verwundern, wenn hier die „Dienstleistungsgesellschaft“ auf dem Abstieg ist. Nur wer produziert und dann verkauft (WERTSCHÖPFUNG) kann langfristig reich und gesund bleiben. Callcenter, Berater, Steuerbeamte und sonstige Upsurbanten haben eine Gesellschaft noch bie weiter gebracht…… Aber wie bereits erwähnt: das Ganze ist von den „Internationalisten“ langfristig geplant und gewollt – aber hier kommt dann immer der anerzogene Abwehrreflex zur Geltung: Nei, nei das sind Verschwöhrungstheorien…………

    • Thomas sagt:

      @ Richard

      „Durch die politisch gewollte und gesteuerte Auslagerung…“

      Es ist nicht die Politik, welche der Wirtschaft sagt, was sie zu tun hat, sondern umgekehrt. Die Dienstleistungsgesellschaft ist nicht ein Abstieg gegenüber einer Industriegesellschaft, sondern ihre Weiterentwicklung. Wertschöpfung passiert nicht nur bei der Verwandlung von Aluminium in ein iPhone, sondern auch bei der Verwandlung von Buchstaben in eine App. Auch Software, Frisuren, schöne Gärten und geheilte Beinbrüche sind Wertschöpfung, fernab von der Industrie.

      Steuerbeamte sind wie alle Bürokraten immer unproduktiv. Sie zählen nicht zur Wirtschaft und erbringen keine Wertschöpfung.

      „haben eine Gesellschaft noch nie weiter gebracht…“ Die Zukunft lässt sich nicht aus der Vergangenheit ableiten.
      Wie sich aufgrund einfacher Analysen zeigen lässt, sind wir (zum ersten Mal seit Erfindung der sesshaften Zivilisation vor ca. 12’000 Jahren) an der Grenze von einer Knappheitsgesteuerten Wirtschaft (= Marktwirtschaft) zu einer Überflusswirtschaft. Das wird zwangsläufig zu enormen Umbrüchen in der Gesellschaft führen. Wir erleben jetzt die ersten Zitterbewegungen des kommenden Erdbebens.

      Dass die New World Order von „Internationalisten“ angestrebt (wenn auch nicht im eigentlichen Wortsinne „geplant“) wird, erklären diese Leute öffentlich. Man muss die Aussagen nur zu finden wissen. Nur Dummköpfe, welche ihre Augen vor dem Offensichtlichen verschliessen, bezeichnen die NWO als Verschwörungstheorie. Aber zugegeben, es gibt immer sehr viele Dummköpfe.

  • lucius mayer sagt:

    Weil leider nicht damit zu rechnen ist, dass sich die Weltpandemie Menschheit aus Einsicht zum Schrumpfen entschließt und es auch durchzieht, kommt das Schrumpfen zwingend, von «äußeren Ursachen» bestimmt. Jedem Wachsen, auch dem Wuchern der Menschheit, folgt ein entsprechendes Schrumpfen.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Lucius

      Sie sind nicht auf dem laufenden. Die Menschheit hat ihr Wachstum bereits gedeckelt. Wir haben gegenwärtig „Peak Child“, d.h. Die Spitze der Nachwuchsproduktion ist bereis überschritten. Insgesamt beträgt die Reproduktionsquote heute (2012) nur noch rund 2.0, während die Selbsterhaltungsquote bei 2.1 liegt.

      Wie man leicht berechnen kann, wird die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren noch auf 10 Milliarden wachsen, und anschliessend langsam wieder schrumpfen.

      Die lineare Extrapolation einer historischen Kurve in die Zukunft führt meist in die Irre. Das sehen wir auch gerade in diesem Beitrag. Als ich 1995 in der damaligen SBG (heute UBS) war, hielt jedermann 4% Zins für „Risk-Free“, d.h. Für den langfristigen Mindestzins, den man jederzeit ohne Anstrengungen erwirtschaften kann. Werch ein Illtum.

      • lukas sagt:

        lucius: wenn sie sich als krankheit bezeichnen, ziehen sie sich doch zurück

      • lucius mayer sagt:

        Sehr geehrter Herr Thomas, hoffentlich haben Sie recht. Selbst dann ist die langsame Glättung ungleichmäßig verteilt. Und vor allem leider ZU SPÄT wegen der Unumkehrbarkeit bestimmter ökologischer Vorgänge. Trotz ihrer Fehler bezüglich «risikofreier» Verzinsung verlangen Bankster nach wie vor Eigenkapitalrenditen von 25 %. Wucher.

        • Thomas sagt:

          @ Lucius
          Ich habe die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung von Hans Rosling, einem der brilliantesten Statistiker weltweit. Er hat dieses Jahr eine Untersuchung veröffentilicht, die er eben abgeschlossen hat. Er suchte die Abhängigkeit der Reproduktionsquote von der Religion – weltweit. Er ist zu diesen Ergebnissen gekommen. Die Zahlen sind sehr robust, der Trend unumkehrbar. (Video: Googeln: hans rosling babies and religion)

          Natürlich sind viele natürliche Prozesse nichtlinear und irreversibel. Die Natur hat aber ein weit grösseres Selbstheilungspotential, als wir uns vorstellen können. Chernobyl hat z.B. (unfreiwillig) gezeigt, dass das Genom von Tieren Mechanismen zur Reparatur von Strahlenschäden enthält. Die hatte man vorher einfach nie gesehen, weil man solche Schäden vermieden hat. In Chernobyl hat sich eine reichhaltige Fauna entwickelt, seit der Mensch aufgehört hat, dort rumzudödeln und die Natur wieder den Tieren (und dem Sarkophag) überlassen ist.

          Über die Banker etc. brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Aus meiner Sicht sind die narzistischen Abzocker eine aussterbende Spezies. Die Zukunft gehört der Community.

        • Anh Toan sagt:

          @lucius: Wenn Sie einen Banker, der 25% Eigenkapitalrendite anstrebt, als Wucherer bezeichnen, was ist dann ein Lottospieler?

  • Remo Gubler sagt:

    Könnten Sie noch was zur Sättigung sagen, Herr Straumann? In einer Welt mit lauter gesättigten Volkswirtschaften wie Westeuropa oder USA wären die Wachstumsraten vermutlich noch tiefer. Solange ungesättigte Märkte wie China, Brasilien und dann, weil alle schon satt sind, Afrika noch aufholen, dürfte das die Wachstumsraten erhöhen. Wie sähe es z.B. für die Exportnation Schweiz aus, wenn man nur die gesätttigten D, I, F, USA etc. anschauen würde? Die Wirtschaftswachstumsgesellschaft stosst an die Grenzen, und wir stellen uns besser jetzt schon darauf ein. Suffizienz wird das Schlagwort des 21. Jhr. werden.

  • Urs Luescher sagt:

    Huch, werden da die Wachstumsraten von der Endlichkeit der real-existierenden Welt eingeholt? Man ist überrascht…..

  • Michael Berger sagt:

    Ein interessanter Artikel. Hier wird durch Empirie bestätigt wird, was einem die Intuition sagt: Es gibt offenbar Grenzen des Wirtschaftswachstums. Die Daten zeigen, dass das Wachstum der arbeitstätigen Bevölkerung für das Wirtschaftswachstum sehr wichtig ist. Der Faktor ist annähernd für die Hälfte des Wachstums verantwortlich. Fällt der Faktor künftig weg, ist auch das Wachstum entsprechend geringer. Es könnte aber noch schlimmer kommen. Der Rest des Wachstums wird hier einfach mit der Produktionssteigerung erklärt, scheint also allein dem Menschen und seiner Erfindungsgabe zu verdanken. Es wäre jedoch interessant zu wissen, welchen Anteil der Produktionssteigerung der steigende Verbrauch natürlicher, nicht erneuerbarer Ressourcen wie Land, Erdöl usw. ausmacht. Es könnte gut sein, dass von der echten Produktionssteigerung nur wenig übrig bleibt, wenn dieser Anteil abgezogen wird. Was wiederum bedeuten würde, dass das Wachstum noch schwächer wird, wenn künftig diese Ressourcen verbraucht sind.

  • Hans Nauser sagt:

    „Wenn da bloss nicht all die politischen Versprechen für Altersvorsorge und medizinische Versorgung wären, deren langfristige Finanzierung auf der Annahme robuster Wirtschaftswachstumsraten basiert…“
    Eigentlich ist Wachstum in unserer Situation überhaupt nicht nötig. Und ewiges Wachstum gibt es letztendlich gar nicht – es geht immer auf Kosten anderer, der Natur oder der eigenen Gesundheit. Aber genau das ist das Problem, dass dennoch bei vielen politischen Entscheidungen immer ein Wachstum notwendig ist, damit das System hält. Beginnt endlich realistisch zu planen, anstatt schöne Versprechungen zu machen, welche auf falschen Annahmen basieren.

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