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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Verbände’

Sepp Blatter zahlt immer

Guido Tognoni am Donnerstag den 8. Januar 2015
FIFA, FUSSBALLWELTVERBAND, FIFA PRAESIDENT,  EXEKUTIVKOMITEE

Wenn er in die prallvolle Fifa-Kasse greift, reiben sich auch die Präsidenten der nationalen Fussballverbände die Hände: Sepp Blatter. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Es war eine überaus frohe Weihnachtsbotschaft: jeweils 1,3 Millionen Dollar lässt Präsident Sepp Blatter nach der WM-Endrunde 2014 und im Wahljahr 2015 aus der prallen Fifa-Kasse an die Verbände überweisen, wobei weitere kleine Gefälligkeiten kurz vor der Wahl im Mai nicht auszuschliessen sind, wie die Geschichte zeigt. Es hätte auch doppelt so viel sein können: finanziell strotzt die Fifa vor Gesundheit, wie übrigens die Uefa ebenso. Die beiden Dachverbände sind wahre Geldmaschinen. Es gibt kein Gut auf der Welt, das in den vergangenen 30 Jahren eine derart grosse Wertsteigerung erfahren hat wie der internationale Fussball. Besondere Anstrengungen waren keine nötig, die Marktlage brachte das einfach mit sich. Für die Erfinder des Fernsehens müssten als Dank in den Hauptquartieren in Zürich und Nyon längst einige grosse Kerzen brennen.

Was macht nun der Präsident des Verbandes von, sagen wir, Montserrat mit 1,3 Millionen Dollar? Verteilt er sie unter die 5000 Einwohner, oder baut er ein für internationale Spiele taugliches Fussballfeld, falls es auf der kleinen Karibikinsel dafür noch Platz hat? Auch die Vorsitzenden von Sierra Leone, Osttimor und Kiribati geraten vielleicht ins Grübeln: Drängt sich ein neuer Verbands-Mercedes für den Präsidenten auf, geschmückt mit einigen Tornetzen, oder soll das ganze Geld doch lieber für ein Nachwuchsprogramm verwendet werden?

Vor Sepp Blatters Geldsegen sind sie alle gleich: die Kleinen und die Grossen, ein Verband gleich eine Stimme, Liechtenstein hat im Kongress und bei der Geldverteilung dasselbe Gewicht wie die Fussball-Lokomotive Deutschland, Hongkong ist gleich schwer wie China, Andorra so bedeutungsvoll wie Brasilien, Martinique wie Frankreich. Man kann das demokratisch finden oder auch nicht. Tatsache ist, dass sich kein Fifa-Präsident je gegen dieses System auflehnen wird, denn so lange einer nicht gerade in krimineller Absicht mit der Verbandskasse auf den Mond fliegt, sichert ihm dieses Wahlsystem und der ständig steigende Geldfluss im Kongress der 209 Landesverbände jede Wiederwahl. Und so lange das Geld derart üppig fliesst, ist es den Verbandsvertretern letztlich auch egal, ob Franz Beckenbauer, Michel Platini, Sepp Blatter oder ein anderer auf der Fifa-Bühne jeweils die Festansprache hält.

Nun wird es ein weiteres Mal Sepp Blatter sein, dessen Mission bekanntlich nie zu Ende geht. Kein Herausforderer kann je mehr Geld versprechen, als es der Amtsinhaber tut. Und im Gegensatz zu den Politikern fallen die finanziellen Versprechen nicht ins Leere. Sepp Blatter kann immer zahlen.