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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sponsoring’

Schweizer Steuergelder für Arsenals Millionen-Truppe?

Guido Tognoni am Freitag den 25. Mai 2018

Arsenal-Spieler Alex Iwobi feiert ein Tor mit Granit Xhaka (l.) und Henrikh Mkhitaryan. Foto: Phil Noble (Reuters)

Über den Sinn von Sportsponsoring lässt sich streiten, über die Wirkung erst recht. Die Ökonomie ist ohnehin mehr Glaubenssache als Wissenschaft, und der Effekt von Werbung ist eine Frage der Auslegung. Wenn ein Firmenchef einen Sport liebt, würde kein Marketingleiter es wagen, die Wirkung des betreffenden Sponsorings infrage zu stellen.

Dieser Tage ist im internationalen Fussball ein neuer Marketingleiter aufgetaucht. Er heisst Paul Kagame und ist Präsident des afrikanischen Kleinstaats Ruanda. Das ist er seit 18 Jahren, und von Amtsmüdigkeit ist bei ihm nichts zu spüren. Der 60-Jährige hält sein Land eisern im Griff, wobei ihm der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung diese selbst gestellte Aufgabe erleichtert.

Schwerpunkt in der Entwicklungshilfe

Zudem ist Paul Kagame ein grosser Fan des FC Arsenal, und deshalb wird ab der kommenden Meisterschaft Ruanda drei Jahre lang als Sponsor des Londoner Clubs auftreten. Nicht gerade auf breiter Brust wie die globale Fluggesellschaft Emirates, aber doch auf einem Ärmel (dem linken), was auch einige Millionen pro Jahr kostet. Millionen sind die wichtigsten Einheiten des Marketings: Arsenal sagt über sich, dass der Dress des Clubs täglich von 35 Millionen gesehen wird – eine der vielen Zahlen, die nie überprüft werden können.

Millionen für Arsenal: Ruandas Präsident Paul Kagame am WEF 2016 in Davos. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Ruanda will mit diesem Engagement als sicheres und attraktives Land sowohl für Touristen als auch für Investoren werben. Der ostafrikanische Staat wirbt damit, dass er nicht nur Berggorillas bietet, sondern auch die «Grossen Fünf» der afrikanischen Wildnis: Löwen, Elefanten, Flusspferde, Büffel und Leoparden. Gemäss Vertragsabschluss sollen die Spieler Arsenals Ruanda besuchen und die Trainer dem lokalen Fussball mit Kursen weiterhelfen.

Milliarden für Ruanda

So viel zu den Absichten von Monsieur Kagame. Man kann diese absurd finden – oder auch modern. Bedenklich ist ein ganz anderer Aspekt: Die Schweiz leistet in Ruanda, dem Land, das Millionen für Werbung mit Arsenal lockermacht, schwerpunktmässig Entwicklungshilfe. Gemäss Swissinfo.ch sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr als eine halbe Milliarde Franken in dieses Land geflossen. Ohne auf den Nutzeffekt dieser halben Milliarde Schweizer Spenden eingehen zu wollen: Die Vorstellung, dass mit Schweizer Steuergeldern bei Arsenal das Millionensalär von Granit Xhaka bezahlt wird, ist unschön. Aber sie ist realistisch.

Mit der Entwicklungshilfe ist es wie mit dem Marketing: Man kann daran glauben oder auch nicht. Im Falle Ruandas fällt es schwer, einen tieferen Sinn zu erkennen. Offiziell wird die Schweizer Entwicklungshilfe unter anderem mit den «komplexen Herausforderungen der Region» gerechtfertigt. Dass zu diesen komplexen Herausforderungen auch das Sponsoring eines der reichsten Fussballclubs der Welt gehören soll, ist schwer zu erfassen.

Von Kopf bis Fuss auf Profit eingestellt

Guido Tognoni am Dienstag den 28. November 2017
Nachspielzeit

Sensible Füsse: Marouane Fellaini von Manchester United. Foto: Getty Images

Marouane Fellaini, der Mittelfeldspieler von Manchester United, fällt äusserlich vor allem durch seine Schaf-Frisur auf. Aber seine Probleme liegen offensichtlich am anderen Ende des Körpers. Der 30-jährige Belgier hat sensible Füsse. Diese Füsse sind offenbar derart empfindlich, dass er in England seinen früheren Ausrüster New Balance auf die Schadenersatzsumme von zwei Millionen Pfund (2,6 Millionen Schweizer Franken) einklagt, wie die Zeitung «The Guardian» berichtet. Fellaini beklagt sich darüber, dass die Schuhe seine Füsse beschädigt hätten, dass er deswegen schlecht geschlafen habe, und dass er unter anderem zur Pediküre musste. Der Ausrüster seinerseits hält dagegen, dass Fellaini die Schuhe ohne das Firmenlogo benutzte, was der Fussballer wiederum mit der Behauptung beantwortete, die Schuhe seien vor derart schlechter Qualität, dass das Logo abgefallen sei.

Der Schuhmarkt gehört zu den Auswüchsen des Milliardengeschäfts Fussball. Während ein Junior der gehobenen Klasse schon zufrieden ist, wenn er pro Saison zwei paar Schuhe kostenlos erhält, liefern sich vor allem Adidas und Nike gnadenlose Anbieterschlachten, um die Werbegunst der prominenten Spieler zu gewinnen. Der Bestbezahlte dürfte Superstar Ronaldo sein, der von Nike für einen lebenslangen Vertrag über eine Milliarde Schweizer Franken kassieren soll. Die Jagd nach den Stars ist derart teuer und aufwendig geworden, dass sich der japanische Hersteller Asics vom Fussball völlig zurückgezogen hat und sich auf die Leichtathletik konzentriert. Auch dort erhalten die besten Läufer und Springer von den Ausrüstern Geld, aber nicht jeder ist ein Usain Bolt, und die Beträge, die die Ausrüster den besten Leichtathleten zahlen, wären für die Ronaldos, Messis – und Fellainis – nicht mehr als Trinkgelder.

Eskalation ist absehbar

Ein Prozess wie Fellaini gegen New Balance würde eigentlich eher in die USA als nach Europa passen. Dort kann man auch die absurdesten Schadenersatzklagen mit einigen Erfolgsaussichten anbringen. In den USA gibt es sogar jährlich einen Preis für die unverschämteste erfolgreiche Schadenersatzforderung. Der Stella-Liebeck-Preis wurde nach jener Frau benannt, die erfolgreich gegen McDonald’s klagte und 2,7 Millionen Dollar kassierte, weil sie sich an ausgeschüttetem Kaffee verbrannte und McDonald’s sie nicht in aller Form darauf hingewiesen hatte, dass heisser Kaffee heiss ist.

Warten wir ab, ob Marouane Fellaini mit seiner Fussklage Erfolg haben wird. Eine Eskalation solcher Forderungen ist abzusehen: Bis ein Fussballer klagt, weil er wegen allzu vieler Kopfbälle einen Hirnschaden erlitten hat, ist es nur eine Frage der Zeit. Medizinisch sind solche Sachverhalte bereits erwiesen. Unklar ist bisher einzig, gegen wen zu klagen wäre.