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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Rückennummern’

Eine Nummer – zu gross?

David Wiederkehr am Donnerstag den 23. Oktober 2014


War früher eigentlich alles besser? Wenn ja, wie viel besser? Und gilt das auch für den Fussball? Rudi Völler hat dazu eine Meinung. «Was die früher für einen Scheiss gespielt haben, da konntest du doch früher überhaupt nicht hingehen. Die haben doch früher Standfussball gespielt», haute er seinerzeit die verbale Faust ins Gesicht von Günter Netzer.

Was aber sicher ist: Früher war alles übersichtlicher. Zum Beispiel trug früher der Torhüter die 1, der Libero die 5, der Scheibenwischer die 6, der Mittelstürmer die 9 und Diego Maradona die 10. Heute spielt der Torhüter auch schon als Libero, sind die Stürmer die ersten Verteidiger, und die 10 wird für Spieler wie Alexander Merkel, Jakob Jantscher oder Ovidiu Herea geopfert. Nichts gegen Ovidiu Herea, aber besser machen das dann doch Teams wie Vaduz oder Thun: Sie vergeben die 10 gar nicht erst. Dafür trägt Thuns Jungspund Adrian Rawyler die 40.

Die Kommerzialisierung des Fussballs brachte die Idee von fixen, individuellen Rückennummern hervor. Und das allein war ja keine blöde Idee. So wird verhindert, dass Cristiano Ronaldo die 7, dann die 11 und schliesslich – da Ersatzspieler – die 14 bekommt. «Nummer 5 lebt nicht mehr», trauerten daraufhin die eher traditionalistisch veranlagten Kollegen von «11 Freunde» der Beckenbauer-Ära hinterher. Die 5, sie war für Spielübersicht und Ruhe gestanden. Die 4 für kernige Grätschen entlang der Seitenlinie. Die 9 für elegante Fallrückzieher. Heute steht die 45 für den Wahnsinn. Sie (oder er) ist das Markenzeichen von Mario Balotelli.

Die 5 also ist gestorben, dafür lebte irgendwann die 99 wieder auf. In der National Hockey League für sämtliche Clubs gesperrt zu Ehren von Wayne Gretzky, schnappte sich ausgerechnet Fussballrüpel Antonio Cassano bei Sampdoria Genua diese geradezu heilige Nummer. Später erhielt der Österreicher Andreas Herzog von der Fifa sogar die Erlaubnis, für sein 100. Länderspiel mit der 100 aufzulaufen. Darüber hinaus sind keine dreistelligen Rückennummern erlaubt. In der Super League ist zwischen 2 und 99 alles möglich. Vorgeschrieben ist nur, dass die 1 an einen Torhüter geht.

Veroljub Salatic war hierzulande lange ein Exot, weil er die 35 trug. Dann hat er zur 6 gewechselt, weil die seiner Position eher entspricht. Oder eher entspräche – würde Salatic denn spielen und nicht nur trainieren. Aber kaum hat Salatic auf der GC-Strafbank Platz genommen, läuft sowieso alles aus dem Ruder. Nisso Kapiloto wählte bei St. Gallen die 55, Frank Feltscher bei Aarau die 88, und als der Franzose Guillaume Hoarau vergangenen Sommer zu den Young Boys wechselte, war seine 9 nicht mehr frei, aber dafür die 99. Und wahrscheinlich sind solche Kompromisse der Hauptgrund für die zahlreichen Schnapszahlen auf den Fussballfeldern. Auch Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler führt bei Napoli jeweils eine solche auf den Platz, die 88.

Die humorloseste Kleiderordnung herrscht in der Bundesliga. Um dem Exzess vorzubeugen, wurde 2011 die 40 als Höchstzahl festgelegt. Keine 77 mehr wie einst bei Andreas Görlitz beim Karlsruher SC. Sondern Zucht und Ordnung. Fast wie früher.