Beiträge mit dem Schlagwort ‘Regeln’

Yann Sommers fragwürdige Bestrafung

Guido Tognoni am Freitag den 29. Juni 2018

Die Statistiker der WM-Endrunde in Russland freuen sich über eine neue Rekordzahl von acht Eigentoren, zu welchen Yann Sommer einen Treffer beigetragen haben soll. Abgesehen davon, dass die Definition eines Eigentores selbst nach endlosen Diskussionen kein sportlich befriedigendes Ergebnis ergibt, ist die Bezeichnung von Yann Sommer als Eigentorschütze absurd.

Sommer hat alles richtig gemacht und wurde dafür bestraft. Er wartete korrekt den Schuss ab und spekulierte mit einem Sprung in seine linke Ecke. Der Elfmeterschütze traf zwar nur die Querstange, aber weil Sommer die richtige linke Ecke seines Tores erkannt hatte, sprang der Abpraller von seinem Körper ins Netz. Für die Wertung der Fifa ist das ein Eigentor.

Yann Sommer ist einer von vielen Torhütern, die das Opfer einer richtigen Reaktion geworden sind. Häufiger sind jene Fälle, bei denen der Ball vom Pfosten an den hechtenden Torhüter und dann ins Netz prallt: Ein Torhüter reagiert (oder spekuliert) richtig und muss dafür büssen.

Sportlich korrekt?

Was die Frage aufwirft, ob die geltende Regelung bei der Ausführung eines Elfmeters sportlich korrekt ist. Dass ein Schuss, mit dem der Schütze aus elf Metern das Tor nicht getroffen hat und der ohne neuerliche Einwirkung eines Feldspielers beider Mannschaften, sei es als Nachschuss oder als Eigentor, als Treffer gewertet wird, ist fragwürdig.

Für die Wertung der Fifa ist das ein Eigentor. Foto: Keystone

Wäre Sommer stehengeblieben oder in seine rechte – in diesem Fall die falsche – Ecke gesprungen, hätte es nur nach einem Nachschuss ein Tor geben können. Damit hätte ein Feldspieler ins Spiel eingegriffen, was sportlich völlig korrekt wäre.

Die geltende Regelanwendung ist fragwürdig. Fair wäre, nach einem Elfmeterball an das Torgehäuse, der danach direkt via Torhüter die Linie überquert, das Spiel zu unterbrechen und mit Abstoss fortzusetzen. Der Torhüter sollte nicht dafür bestraft werden, dass er mit seinem Abwehrversuch den Fehler des gegnerischen Elfmeterschützen korrigiert.

Eine Nummer – zu gross?

David Wiederkehr am Donnerstag den 23. Oktober 2014


War früher eigentlich alles besser? Wenn ja, wie viel besser? Und gilt das auch für den Fussball? Rudi Völler hat dazu eine Meinung. «Was die früher für einen Scheiss gespielt haben, da konntest du doch früher überhaupt nicht hingehen. Die haben doch früher Standfussball gespielt», haute er seinerzeit die verbale Faust ins Gesicht von Günter Netzer.

Was aber sicher ist: Früher war alles übersichtlicher. Zum Beispiel trug früher der Torhüter die 1, der Libero die 5, der Scheibenwischer die 6, der Mittelstürmer die 9 und Diego Maradona die 10. Heute spielt der Torhüter auch schon als Libero, sind die Stürmer die ersten Verteidiger, und die 10 wird für Spieler wie Alexander Merkel, Jakob Jantscher oder Ovidiu Herea geopfert. Nichts gegen Ovidiu Herea, aber besser machen das dann doch Teams wie Vaduz oder Thun: Sie vergeben die 10 gar nicht erst. Dafür trägt Thuns Jungspund Adrian Rawyler die 40.

Die Kommerzialisierung des Fussballs brachte die Idee von fixen, individuellen Rückennummern hervor. Und das allein war ja keine blöde Idee. So wird verhindert, dass Cristiano Ronaldo die 7, dann die 11 und schliesslich – da Ersatzspieler – die 14 bekommt. «Nummer 5 lebt nicht mehr», trauerten daraufhin die eher traditionalistisch veranlagten Kollegen von «11 Freunde» der Beckenbauer-Ära hinterher. Die 5, sie war für Spielübersicht und Ruhe gestanden. Die 4 für kernige Grätschen entlang der Seitenlinie. Die 9 für elegante Fallrückzieher. Heute steht die 45 für den Wahnsinn. Sie (oder er) ist das Markenzeichen von Mario Balotelli.

Die 5 also ist gestorben, dafür lebte irgendwann die 99 wieder auf. In der National Hockey League für sämtliche Clubs gesperrt zu Ehren von Wayne Gretzky, schnappte sich ausgerechnet Fussballrüpel Antonio Cassano bei Sampdoria Genua diese geradezu heilige Nummer. Später erhielt der Österreicher Andreas Herzog von der Fifa sogar die Erlaubnis, für sein 100. Länderspiel mit der 100 aufzulaufen. Darüber hinaus sind keine dreistelligen Rückennummern erlaubt. In der Super League ist zwischen 2 und 99 alles möglich. Vorgeschrieben ist nur, dass die 1 an einen Torhüter geht.

Veroljub Salatic war hierzulande lange ein Exot, weil er die 35 trug. Dann hat er zur 6 gewechselt, weil die seiner Position eher entspricht. Oder eher entspräche – würde Salatic denn spielen und nicht nur trainieren. Aber kaum hat Salatic auf der GC-Strafbank Platz genommen, läuft sowieso alles aus dem Ruder. Nisso Kapiloto wählte bei St. Gallen die 55, Frank Feltscher bei Aarau die 88, und als der Franzose Guillaume Hoarau vergangenen Sommer zu den Young Boys wechselte, war seine 9 nicht mehr frei, aber dafür die 99. Und wahrscheinlich sind solche Kompromisse der Hauptgrund für die zahlreichen Schnapszahlen auf den Fussballfeldern. Auch Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler führt bei Napoli jeweils eine solche auf den Platz, die 88.

Die humorloseste Kleiderordnung herrscht in der Bundesliga. Um dem Exzess vorzubeugen, wurde 2011 die 40 als Höchstzahl festgelegt. Keine 77 mehr wie einst bei Andreas Görlitz beim Karlsruher SC. Sondern Zucht und Ordnung. Fast wie früher.