Beiträge mit dem Schlagwort ‘Penalty’

Beim Foulpenalty ist zu vieles faul

Guido Tognoni am Montag den 22. Oktober 2018

Nach Konsultation des Video-Schiedsrichters: Craig Pawson gibt Liverpool einen Penalty gegen West Bromwich Albion – was dessen Grzegorz Krychowiak missfällt. Foto: Phil Noble (Reuters)

Es ist etwas faul mit dem Elfmeter. Elfmeterpfiffe, erfolgte oder ausgebliebene, sind die folgenschwersten Entscheide der Schiedsrichter, und entsprechend herrscht bei der Hälfte der Elfmeterszenen grosse, aber unnötige Konfusion. Mit der Auslegung der Elfmeterregel stimmt zu vieles nicht. Ob Frankreich gegen Deutschland oder Sion gegen die Grasshoppers – jede Woche geben rund um den Globus zahllose Strafraumentscheide zu reden. Und es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man die Hälfte der Entscheide als falsch einstuft.

Gemäss Regelbuch müsste ein Elfmeter gepfiffen werden, wenn ein verteidigender Spieler in seinem Strafraum ein Foul begeht, das ausserhalb des Strafraums mit einem direkten Freistoss bestraft würde. Das tönt sehr einfach, ist es aber offensichtlich nicht. Anders ist nicht zu erklären, dass selbst Spitzenschiedsrichter grösste Mühe haben, in den Strafräumen einwandfreie Entscheide zu fällen.

Diese Mühe ist erstens eine Folge des Spieltempos, dem das menschliche Auge in unübersichtlichen Situationen, oft mit Fallsucht von Spielern angereichert, kaum mehr folgen kann, zumal fast alle Strafraumszenen unübersichtlich sind. Zweitens lastet bei Strafraumszenen auf den Schiedsrichtern ein immenser Druck, da die Folgen eines Pfiffes ungleich krasser sind als bei irgendwelchen Entscheiden im Mittelkreis. Und drittens ist der Ermessensspielraum des Schiedsrichters beim Elfmeter viel zu gross.

Das subjektive Empfinden des Schiedsrichters

Wenn ein Schiedsrichter-Experte wie Urs Meier am Fernsehen die Elfmeterregel erklärt, tönt alles sehr plausibel. Theoretisch. Praktisch sieht das ganz anders aus. Wenn ein verteidigender Spieler bei einer Grätsche im Strafraum aus einem Meter Distanz einen Ball an den ausgebreiteten Oberarm geschossen erhält, pfeift die Hälfte der Schiedsrichter Elfmeter, die andere Hälfte aber nicht. Anzufügen ist, dass kein normaler Fussballer im Lauf mit den Armen am Körper eine Grätsche anbringen kann.

Ein Fan sieht rot: Schiedsrichter Herbert Fandel pfeift einen Penalty für Schweden in der Qualifikation für die Euro 2008 und wird darauf von einem Anhänger Dänemarks angegriffen. Das Spiel wird abgebrochen und als 3:0-Sieg für Schweden gewertet. Foto: Anders Wiklund (Keystone)

Es gäbe noch mehrere ähnliche Beispiele, bei denen allein das subjektive Empfinden des Schiedsrichters und nicht der objektive Sachverhalt entscheiden. Solches subjektive Empfinden mag in einer Amateurliga zu verschmerzen sein, im professionellen Spitzenfussball, wo einzelne Schiedsrichterpfiffe über Millionen haben oder nicht haben entscheiden, geht das nicht mehr. Natürlich gehören die Diskussionen um die Elfmeter zum Fussball, aber letztlich ist ein fairer Wettbewerb wichtiger als emotionale Aufwallungen, die den Fussball bereichern sollen.

Der Video-Assistent ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel. Umso erstaunlicher ist, wie zögerlich im Milliardenbusiness Fussball eine solche technische Selbstverständlichkeit eingeführt wird. Selbst mit Videobeweis gibt es noch zweifelhafte Entscheidungen. Diese können und müssen hingenommen werden, da es keine besseren Lösungen gibt. Aber die Zeiten, in denen ein einsamer Schiedsrichter als Folge fehlender technischer Unterstützung krasse Fehlentscheide trifft und damit den Spielausgang beeinflusst, müssten im professionellen Spitzenfussball vorbei sein. Den Verzicht auf den Video-Schiedsrichter mit fehlendem Geld zu begründen, ist kein Argument.

Ob er wirklich richtig liegt? Bastian Dankert lässt seinen Penaltypfiff für Bayern München vom Video-Assistenten bestätigen. Foto: Michael Dalder (Reuters)

Yann Sommers fragwürdige Bestrafung

Guido Tognoni am Freitag den 29. Juni 2018

Die Statistiker der WM-Endrunde in Russland freuen sich über eine neue Rekordzahl von acht Eigentoren, zu welchen Yann Sommer einen Treffer beigetragen haben soll. Abgesehen davon, dass die Definition eines Eigentores selbst nach endlosen Diskussionen kein sportlich befriedigendes Ergebnis ergibt, ist die Bezeichnung von Yann Sommer als Eigentorschütze absurd.

Sommer hat alles richtig gemacht und wurde dafür bestraft. Er wartete korrekt den Schuss ab und spekulierte mit einem Sprung in seine linke Ecke. Der Elfmeterschütze traf zwar nur die Querstange, aber weil Sommer die richtige linke Ecke seines Tores erkannt hatte, sprang der Abpraller von seinem Körper ins Netz. Für die Wertung der Fifa ist das ein Eigentor.

Yann Sommer ist einer von vielen Torhütern, die das Opfer einer richtigen Reaktion geworden sind. Häufiger sind jene Fälle, bei denen der Ball vom Pfosten an den hechtenden Torhüter und dann ins Netz prallt: Ein Torhüter reagiert (oder spekuliert) richtig und muss dafür büssen.

Sportlich korrekt?

Was die Frage aufwirft, ob die geltende Regelung bei der Ausführung eines Elfmeters sportlich korrekt ist. Dass ein Schuss, mit dem der Schütze aus elf Metern das Tor nicht getroffen hat und der ohne neuerliche Einwirkung eines Feldspielers beider Mannschaften, sei es als Nachschuss oder als Eigentor, als Treffer gewertet wird, ist fragwürdig.

Für die Wertung der Fifa ist das ein Eigentor. Foto: Keystone

Wäre Sommer stehengeblieben oder in seine rechte – in diesem Fall die falsche – Ecke gesprungen, hätte es nur nach einem Nachschuss ein Tor geben können. Damit hätte ein Feldspieler ins Spiel eingegriffen, was sportlich völlig korrekt wäre.

Die geltende Regelanwendung ist fragwürdig. Fair wäre, nach einem Elfmeterball an das Torgehäuse, der danach direkt via Torhüter die Linie überquert, das Spiel zu unterbrechen und mit Abstoss fortzusetzen. Der Torhüter sollte nicht dafür bestraft werden, dass er mit seinem Abwehrversuch den Fehler des gegnerischen Elfmeterschützen korrigiert.