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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Mode’

Der bunte Vogel und der Hörspieler

Guido Tognoni am Montag den 12. März 2018

Rainer Maria Salzgeber (l.) hält die Zuschauer mit seinem Modebewusstsein bei Laune, Sascha Ruefer mit seinen Sprüchen. Fotos: Keystone

Seit der Einreichung der No-Billag-Initiative ist es patriotische Pflicht, die SRG und das Schweizer Fernsehen zu lieben und damit zu verhindern, dass unser Land in Stücke zerfällt (zuvor war das Fernsehen vor allem Unterschicht-Unterhaltung). Nun, da die Schweiz nicht in Stücke zerfällt, können wir uns wieder den wirklich wichtigen Themen zuwenden. Zum Beispiel der Frage, was Rainer Maria Salzgeber bei seinem nächsten Auftritt trägt und was Sascha Ruefer bei seiner kommenden Reportage in den Aether schreit. Salzgeber und Ruefer sind die Aushängeschilder des Schweizer Sportfernsehens (das wir, nebenbei, mit oder ohne No-Billag-Initiative dank seinem breiten Angebot und seiner Kompetenz schätzen). Wenn es in einem Land wie der Schweiz überhaupt Bildschirm-Stars geben darf, so sind das Salzgeber und Ruefer.

Sein Schal bringt Farbe ins Spiel: Salzgeber (r.) mit Raphael Wicky und Gilbert Gress (l.) 2012 in Basel, vor dem Hinspiel gegen den FC Bayern München. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Beide verstehen ihr Handwerk, und beide zeichnen sich nicht nur durch die Besonderheit aus, dass sie nicht der unsäglichen Fünftagebart-Mode erlegen sind. Rainer Maria Salzgeber ist der Mann mit dem eigenwilligsten Modebewusstsein, schon fast ein bunter Papagei auf den SRF-Bildschirmen. Immer mehr oder weniger schrill, immer mit mindestens einer farblichen Geschmacksverstauchung, aber stets nur so weit im Risiko, dass es nicht in den Augen schmerzt und sich niemand richtig darüber aufregen kann und ihm zurufen möchte, er solle endlich den Stilberater wechseln. Der Walliser schafft es, dass man als Zuschauer jedes Mal auf seinen konfektionellen Auftritt gespannt ist. Das verdient ein Kompliment.

Polarisieren muss man können

Bei Sascha Ruefer ist es nicht die Farbe der Hose, die uns interessiert, sondern welche Sprüche er auf Lager hat. Wie sein Name voraussagt, ist Ruefer ein leidenschaftlicher, begnadeter Plauderi im besten Sinne, ein Reporter, der aus einem trostlosen Fussballspiel wenigstens ein gutes Hörspiel machen kann, und dem es zudem niemals einfallen würde, aus beruflicher Verpflichtung einen Horrorkick schönzureden oder sich über das Spielniveau gar nicht erst auszulassen. Ruefer ist umstritten, es gibt nebst seiner Fangemeinde auch Leute, die wünschen ihn in die Wüste. Der Grenchener versteht es eben, mit seiner Art der Reportage zu polarisieren. Zum Glück, denn das muss einer erst mal können. Gleichgültigkeit in der guten Stube schafft jeder.

Sascha Ruefer würde es niemals einfallen, aus beruflicher Verpflichtung einen Grottenkick schönzureden. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Beim Sport im Radio bleiben die Akteure naturgemäss unsichtbar. Gerne würde man einem Bernhard Schär, die Sportstimme des Radios schlechthin, beim Reden zuschauen. Und ebenso gerne würde man einigen Nachrichtensprechern etwas Nachhilfeunterricht erteilen, wenn man hört und spürt, dass sie null Ahnung von dem haben, was sie gerade ins Mikrofon ablesen. Wenn man beispielsweise vernehmen muss, Juventus habe «in Tottenham» gewonnen. Das tut richtig weh in den Ohren.

Auf den Bart gekommen

Guido Tognoni am Freitag den 14. April 2017


Nur wenige würden zugeben, dass auch Männer willens sind, sich seltsamen Modeströmungen auszuliefern, was bisher eher ein Privileg des weiblichen Geschlechts war. Dennoch: Die Drei-, Vier-, Fünf- und Sechstagebärte halten sich zäh und scheinen sogar weiterhin auf dem Vormarsch, denn selbst in der Männermode gibt es offensichtlich noch letzte Mohikaner.

So ist auch Vladimir Petkovic, weltweit der Nationalcoach mit den schönsten Zähnen, vor einigen Wochen dem Kurzbarttrend erlegen, Borussia-Dortmund-Coach Thomas Tuchel versucht sich mit einem Dünnbart, der seinem asketischen Aussehen entspricht, der gelernte Coiffeur Alain Suter, stilbildend für Kopfschmuck und schmerzfreie Analysen, doziert im Schweizer Fernsehen mit zweifarbigem Bart, wie auch Basels Neo-Sportchef Marco Streller das Bartmesser nur sehr dosiert einsetzt.

In den 70ern war es der Schnauz

Uli Forte, mit dem FC Zürich auf Erfolgskurs, darf immerhin für sich in Anspruch nehmen, dass er bereits auf einen rustikalen Gesichtsausdruck Wert legte, noch bevor weite Männermassen sich vom Bartzwang mitreissen liessen. Völlig antizyklisch verhält sich dagegen der neue GC-Coach Carlos Bernegger: Sein Kopf- und Gesichtsschmuck besteht aus einem radikalen Nichts. Auch Cristiano Ronaldo, der Spieler mit dem makellosen Körper, verzichtet auf Barthaar, während sein ewiger Rivale Lionel Messi die Gegner nun mit einem Vollstrupp ausdribbelt. Erstmals sieht Messi nicht mehr jünger aus als er ist, sondern älter, so richtig erwachsen. Mats Hummels, der schwarzhaarige deutsche Nationalverteidiger, lief vor kurzem gar mit einem blonden Bart auf. Jedenfalls gehören mittlerweile nicht nur die Frisuren, sondern auch die Bärte zu den besonderen Kennzeichen von Fussballprofis.

Eine ähnliche maskuline Massenbewegung wie heute gab es bereits einmal in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrtausends. Der Schnauz des amerikanischen Wunderschwimmers und mehrfachen Olympiasiegers von München 1972, Mark Spitz, animierte Millionen Männer, zwischen Oberlippe und Nasenspitze ein Gestrüpp wachsen zu lassen, so unpassend, um nicht zu sagen lächerlich, es bei vielen Trägern auch ausgesehen haben mag. Der Trend verschwand bald einmal schneller, als er gekommen war. So weit sind wir bei den Bärten noch nicht.