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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Korruption’

Die höchste Busse im Weltsport

Guido Tognoni am Mittwoch den 15. August 2018

151’713’807 Dollar und 43 Cents: So viel betrug die Busse, die José Hawilla bezahlen musste. Foto: Reuters

Man spürt schon fast Begeisterung: nur 98,5 Millionen Dollar Busse muss die Zürcher Kantonalbank dem amerikanischen Justizdepartement zahlen, vorsorglich zur Seite gelegt hatte die Bank offenbar gleich eine Milliarde. 98 Millionen sind für eine Grossbank ein Klacks, zumal die Verantwortlichen
nicht selber in die Tasche greifen müssen und für solche Fälle Reptilienfonds angezapft werden können. Die ZKB gehört dem Kanton und dessen Steuerzahlern. Diese nehmen die Busse mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Was anderes bleibt ihnen übrig?

Weniger glimpflich als die ZKB kam bei den Amerikanern ein Unternehmer aus dem Korruptionssumpf des Fussballs davon: Der Brasilianer José Hawilla zahlte der US-Justiz die imposante Summe von 151’713’807 Dollar und 43 Cents, um einer möglichen Gefängnisstrafe zu entgehen. Nach jahrzehntelangem Korruptionsgeschäften 151 Kisten zur Vermeidung der Kiste, gewissermassen. Das war im Dezember 2014 im Nachgang der Razzia vom 22. Juli 2013 in Zürich. Beachtlich war dabei nicht nur das Tempo der US-Justiz bei der Erledigung vieler Fälle, beachtlich war ebenso die Tatsache, dass der Korruptionsspezialist Hawilla die Rekordbusse des Weltsports kommerziell überstanden hat. Er starb im Mai dieses Jahres im Alter von 74 Jahren.

Weitere Enthüllungen versprechen Spektakel

Es ist ruhiger geworden um die Aufarbeitung von Fifa-Gate. Einige Akteure haben, wie José Hawilla, Busse geleistet, ein paar andere sind verstorben, während der Ganove und suspendierte Fifa-Ausbeuter Jack Warner sich in Trinidad weiterhin erfolgreich gegen seine Auslieferung in die USA wehrt. Aber die Ruhe täuscht. Es sind noch einige Verfahren innerhalb und ausserhalb der Fifa im Gange, und weitere Enthüllungen, etwa um die Stimmvergaben bei der Wahl der WM-Endrunde 2022 in Katar, versprechen Spektakel.

Zwischendurch hat die Fifa einen Routinefall abgewickelt: Der ehemalige Spitzenprofi Kalusha Bwalya, 1988 Afrikas Spieler des Jahres und danach ein Aufsteiger in der Funktionärskarriere bis in höchste Gremien, wurde für zwei Jahre für alle Tätigkeiten im Fussball suspendiert. Falls er die dazugehörige Busse bezahlt, wären das 100’000 Schweizer Franken. Kalusha hat Glück, dass er aus Sambia kommt und im afrikanischen statt im nord- und südamerikanischen Korruptionsgelände Karriere gemacht hat. Die harten Daumenschrauben, mit denen die US-Justiz die Angeklagten mürbe macht, sind ihm erspart geblieben.

Ein Job für Mörgeli

Christian Andiel am Mittwoch den 28. Oktober 2015

Wer kann einem solchen Redner widerstehen? Christoph Mörgeli wird die Fifa-Granden locker überzeugen. Foto: Keystone

Jetzt ist also klar, aus welch erlauchtem Personenkreis der neue Fifa-Präsident stammen soll. Aber mal ehrlich: Würden Sie einem dieser Herren einen Gebrauchtwagen abkaufen? Aber so wie jeder Club die Fans hat, die er verdient, so auch jeder Verband die Kandidaten fürs Präsidentenamt.

Es hat das trostlose Nachspiel des «Sommermärchens» 2006 in Deutschland nicht wirklich gebraucht, um zu sehen, wie verrottet der internationale Fussballverband mit all seinen Milliarden ist. Aber vielleicht ahnen nun tatsächlich alle, wie verseucht Sepp Blatters Korruptionskonstrukt bis in die letzten Verästelungen ist. Wer sich nochmals vergewissern will, schaue sich die Pressekonferenz von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor ein paar Tagen an. Man weiss nicht, was schlimmer wäre: wenn all seine Beteuerungen, er wisse eigentlich gar nichts, gelogen sind. Oder wenn er als jahrelanger Mitwirker in zentralen Positionen wirklich nichts gewusst hat.


Die Höhepunkte von Wolfgang Niersbachs Pressekonferenz. Quelle: Youtube/Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs

Aber es gab ja noch andere Momente, in denen klar wurde, wie erbärmlich es um die Fifa steht. Als etwa Ramon Vega – einst eher mittelmässiger Fussballer, mittlerweile wohlhabender Finanzmakler – erklärte, er könne sich durchaus vorstellen, Nachfolger von Blatter zu werden. War der fehlende öffentliche Aufschrei darob ein Zeichen dafür, dass das Image von Fussballfunktionären sogar noch unter demjenigen von Bankern liegt? Oder was soll es uns sagen, dass der einstige Mediendirektor Walter de Gregorio auch immer wieder ins Gespräch kam? Jener Journalist, der sich einst (zusammen mit Roger Köppel) dank eines mehr als peinlichen Gefälligkeitsinterviews mit Sepp Blatter für die «Weltwoche» im Dezember 2010 exakt die Schleimspur auf den Sonnenberg legte, auf der er prompt neun Monate später hinaufglitt, um sein hoch bezahltes Amt anzutreten.

Ach, es ist alles so traurig. Und dabei gäbe es doch nur einen wirklich valablen Kandidaten als künftigen Fifa-Präsidenten: Christoph Mörgeli. Der SVP-Hooligan hat nach dem Rausschmiss aus Universität und Nationalrat nicht nur genügend Zeit. Er hat als Medizinhistoriker auch exakt das Wissen, das es im Fifa-Gebäude braucht: Mörgeli kann all die Leichen wunderbar einbalsamieren, die auf den diversen Etagen noch herumliegen. Das sind zwar sehr, sehr viele, aber eben, Mörgeli hat Zeit. Er muss sie nur genau so einmotten, dass sie zu gegebenem Anlass wieder aktiviert werden können.

Also alle für Mörgeli! Was sagen Sie? Er steht nicht auf der Kandidatenliste und darf deshalb gar nicht zur Wahl antreten? Sehr witzig. Als ob solche Regeln oder Vorgaben bei der Fifa jemals irgendjemanden interessiert hätten.