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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Frauenfussball’

Gleicher Lohn trotz fehlendem Interesse?

Guido Tognoni am Freitag den 15. März 2019

Sie wollen mehr Geld: Das Frauen-Nationalteam der USA vor einem Testspiel gegen Portugal im November 2018. Foto: Gualter Fatia (Getty)

Pünktlich zum Weltfrauentag vom 8. März haben die Spielerinnen der Nationalmannschaft der USA in Los Angeles eine Lohnklage eingereicht. Die Frauen wollen gerichtlich die gleichen Trainings-, Reise- und Lohnbedingungen erzwingen, die für die männlichen Kollegen gelten. Da man in den USA selbst Waschmaschinenhersteller einklagen kann, die nicht davor warnen, dass Waschmaschinen nicht für Hunde oder Katzen geeignet sind, stehen die Chancen gut, dass die Fussballerinnen recht erhalten.

Ein Richterspruch zugunsten der weiblichen Fussballer würde aber ein Grundproblem nicht lösen. Im Sport sind für die Bezahlung der männlichen und weiblichen Athleten zwei Kriterien für Löhne und Bonusprämien massgebend: das öffentliche Interesse und die Leistung. Während beispielsweise Banker ihre Bonuszahlungen auch abholen, wenn sie den Aktienwert ihres Unternehmens jahrelang in den Keller fahren, nimmt bei Cristiano Ronaldo der Marktwert massiv ab, wenn er über längere Zeit den Ball nicht mehr trifft. Und wenn, wie beim Frauenfussball, das öffentliche Interesse mit der Leistung nicht in Einklang steht, helfen auch Weltmeistertitel nicht weiter.

Die Amerikanerinnen gehören mit der Nationalmannschaft zu den Besten der Welt, aber auf Vereinsebene fristen sie ein kümmerliches Dasein. In den vergangenen Jahren sind zwei professionelle Ligen pleitegegangen, ein dritter Versuch muss erst noch beweisen, dass eine Frauenliga überleben kann. Frauenfussball interessiert nur – aber immerhin – auf Ebene Nationalmannschaft. Selbst im fussballverrückten Deutschland sind Meisterschaftsspiele der Frauen familiäre Ereignisse.

Im Tennis werden Frauen mittlerweile bevorteilt

Der Sport eignet sich nicht für Gleichberechtigungsdebatten. Männer sind grösser, schneller und stärker als Frauen. Und im Sport interessieren meistens die Schnellsten und Stärksten. Das hat nicht das Geringste mit Diskriminierung der Frauen zu tun. Ob ein Richterspruch den amerikanischen Fussballerinnen wirklich helfen kann, ist offen. Gleiche Bezahlung können Richter vielleicht erzwingen, gleiches Interesse hingegen sicher nicht.

Bei den vier Grand-Slam-Turnieren im Tennis erhalten die Frauen die gleichen Preisgelder wie die Männer. Wer gleichen Lohn für gleiche Leistung fordert, kann darüber nicht glücklich sein. Die Männer spielen auf drei Gewinnsätze, die Frauen auf zwei. Roger Federer muss also für das gleiche Geld mindestens 50 Prozent mehr leisten als Belinda Bencic. Das ist gleicher Lohn für ungleiche Leistung. Wenn sich jemand diskriminiert fühlen darf, so sind das zumindest im Tennis die Männer.

Schattenseiten des Fussballs

Guido Tognoni am Montag den 23. Oktober 2017

Erfolgreich, aber unterbezahlt: Die US-Nationalspielerinnen Mallory Pugh und Lindsey Horan (rechts) nach einem Treffer im Spiel gegen Neuseeland. Foto: Aaron Doster (Reuters)

Englands Fussball hat wieder einen Rassismusskandal, Brasilien ebenfalls. In Frankreich steht der katarische Präsident von Paris Saint-Germain, Nasser al-Khelaifi, unter Korruptionsverdacht. In New York bereitet die Justiz einen weiteren Verfahrensschritt gegen korrupte Fussballfunktionäre aus dem «Fifa Gate» vor. Der russische Präsident der AS Monaco musste wegen einer privaten Geschichte zum Kadi. In Dänemark bestreiken die besten Spielerinnen die Nationalmannschaft, weil sie mehr Geld wollen. In Uruguay streiken alle Spieler des bezahlten Fussballs, weil sie überhaupt Geld wollen. In ganz Grossbritannien sind nicht weniger als 331 Clubs in Verfahren wegen sexueller Missbrauch-Tatbestände verwickelt.

In den USA wird festgehalten, dass die gemäss eigener Einschätzung grösste und beste Nation der Welt seit 1930 an Weltmeisterschaften der Männer nur 6 Spiele gewinnen konnte,  während die viel schlechter bezahlten Frauen weitaus mehr Erfolge hatten als ihre leistungsschwachen Kollegen, was zu Rücktrittsforderungen an den amtierenden Präsidenten geführt hat. Nordirlands Nationalcoach wird der Fahrausweis entzogen, weil er im Suff herumfuhr. In Kosovo verprügeln Fans einige Spieler gleich auf dem Feld. Der amtierende Präsident des südafrikanischen Verbandes wird von einem Opfer öffentlich der Vergewaltigung bezichtigt. In Guinea macht sich ein früherer Verbandspräsident aus dem Staub und ausser Landes, weil ihm die massive Veruntreuung von Fifa-Geldern vorgeworfen wird.

Auch die Schweiz kann mithalten

Das ist ein kleiner Querschnitt aus dem täglichen Irrsinn aus der Umwelt des Fussballs. Die Schweiz kann da übrigens auch mithalten: Christian Constantins Ohrfeigen und Fusstritte, gezielt appliziert gegen seinen Kritiker Rolf Fringer, sind in diesem Getümmel ein ganz besonderer Leckerbissen. In Zürich spielen wieder einmal gewaltbereite Krawallanten am Samstag mit der Polizei Fangis, sie werden bei ihrem Wochenendvergnügen sofort wieder freigelassen. Zudem bemüht sich die Schweizer Bundesanwaltschaft in Bern unverdrossen, etwas Licht in die düsteren Geschäfte der früheren Fifa-Granden zu bringen. So viel in Kürze zu den Schattenseiten des Fussballs.

Aber auch die Sonne scheint: Chelsea und Roma lieferten sich in der Champions League ein mitreissendes 3:3, Trainer-Oldie Jupp Heynckes haucht im Alter von 72 Jahren seinen Bayern aus München frisches Leben ein, der FC Basel nutzt seine Chance gegen schwache Russen von ZSKA Moskau und liegt im Königswettbewerb an zweiter Stelle, die Young Boys bleiben im gleichen Wettbewerb ungeschlagen, selbst der gebeutelte FC Lugano zeigt, dass er noch gewinnen kann, und dies sogar in der Europa League. Murat Yakin bestätigt sich als Zauberer an der Seitenlinie. Das alles tröstet uns locker über die Fehlkicks und Missgriffe von Roman Bürki und Yann Sommer in der Bundesliga hinweg.

Frauenfussball zieht nicht. Findet euch damit ab!

Guido Tognoni am Samstag den 22. Juli 2017
Nachspielzeit

Nur verhältnismässig wenige Fans wollten das Spiel Schweiz – Österreich an der Europameisterschaft der Frauen am 18. Juli sehen. Ist das ungerecht? Foto: Hans Punz (Keystone)

Im Schweizer Radio wurde dieser Tage darüber geklagt, dass der Frauenfussball gegenüber dem Männerfussball diskriminiert werde. Das beginne damit, dass man bei den Frauen nicht schlicht von Fussball, sondern von Frauenfussball rede, sagte die Interviewpartnerin aus Deutschland auf unserem Landessender. Es muss sich um eine Soziologin gehandelt haben, denn darüber zu jammern, dass man Frauenfussball als Frauenfussball bezeichnet (und nicht etwa als Pferdefussball), können nur Leute, die sich in unserer Luxusgesellschaft professionell mit der Suche nach eingebildeten oder echten Benachteiligungen befassen. Soziologen (und Soziologinnen, um politisch korrekt zu bleiben) machen das. Immerhin hat die Dame noch nicht gefordert, dass die Fussballerinnen gleich viel verdienen müssten wie die männlichen Kollegen.

Der Frauenfussball hat tatsächlich ein Problem. Das besteht darin, dass sich im Vergleich zum Männerfussball viel weniger – sehr viel weniger, klar gesagt – Leute dafür interessieren. Die Fussballfans füllen die Stadien nicht für den Fussball der Frauen, sondern für den Fussball der Männer, und zwar freiwillig. Im Fussball kaufen die Fans Leibchen von Cristiano Ronaldo und nicht von der Brasilianerin Marta Viera da Silva. Auch im Fernsehen ziehen die Fussballfans den Männerfussball vor.

Müssige Geschlechterdiskussion

Schlimm! Grausam! Zwar spielen die Frauen nach den gleichen Regeln, mit dem gleich grossen Ball und den gleich grossen Toren wie die Männer (was man sieht, wenn ein Ball, den jeder Junioren-Torhüter gehalten hätte, über den Händen der Torhüterin ins Netz segelt), aber diese offenbar soziologisch irregeleiteten und von der Geschlechterdiskussion längst gesättigten Fans wollen einfach lieber die Männer sehen.

Politisch korrekt und aus soziologischer Sicht betrachtet ist das eine Katastrophe, vernunftmässig betrachtet aber völlig normal. Auch im Tennis beispielsweise bewegt Roger Federer – nicht nur in der Schweiz – mehr Zuschauer (und, politisch korrekt, Zuschauerinnen) als Serena Williams. Im Boxen zieht Vladimir Klitschko gegen jeden Sandsack mehr Zuschauer an als Regina Halmich gegen Stefan Raab. Ist das für das Wohl der Menschheit ein Problem? Müssen sich politisch korrekte Fans dazu verpflichten, Männer- und Frauensport gleich interessant zu finden? Und was ist mit den benachteiligten Männern, wenn im Eiskunstlauf wie üblich die Pirouetten-Prinzessinnen den männlichen Kraftläufern die Show stehlen?

Man darf nicht laut sagen, dass die Geschlechterdiskussion einem längst zum Halse raushängt, und man sollte, politisch korrekt, so etwas auch nicht schreiben. Aber wenn dieses Thema zumindest an einem Ort völlig überflüssig ist, dann beim Fussball. Denn die Fans, ob männlich oder weiblich, werden auf immer politisch unkorrekt bleiben und als Zuschauer den Männerfussball bevorzugen. Der Frauenfussball wird das genauso überleben wie die vielen Sportarten, die noch weit weniger Zuspruch erfahren als die kickenden Frauen.