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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Dario Lezcano’

Finger weg! Anstand her!

David Wiederkehr am Dienstag den 15. September 2015
Nachspielzeit

Respektlos: Dario Lezcanos Schiedsrichter-Attacke. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Sehr wahrscheinlich hat Dario Lezcano Glück und am nächsten Wochenende frei. Es bliebe ihm der Ausflug nach Neuenburg erspart, wo sein FC Luzern im Cup auf Xamax trifft und eine eher unangenehme Aufgabe zu lösen hat.

Die Chancen auf ein paar freie Tage (oder Wochen oder Monate) sind gross. Nach seinem Platzverweis gegen GC, der Tätlichkeit gegen Schiedsrichter Fedayi San, könnte ihn die Disziplinarkommission der Swiss Football League (DK) bereits heute provisorisch sperren und anschliessend über weitere Sanktionen befinden. Der Disziplinarrichter leitete den Fall gestern zügig weiter und ebnete so den Weg für eine angemessene Bestrafung des rabiaten Paraguayers: Im Gegensatz zum Einzelrichter kann die DK mehr als vier Spielsperren aussprechen.

Dass Lezcano bereits Pläne für ein allfälliges freies Wochenende hat, ist unwahrscheinlich, aber man möchte ihm dringend raten, in den nächsten Wochen nach England zu reisen. Dort könnte er sich ein Spiel der Rugby-WM ansehen, die am Freitag beginnt, und vielleicht fiele ihm etwas auf. Ihm, der es für angebracht hielt, den Schiedsrichter anzugreifen und ihn, Stirn an Stirn, mit einem Stoss gegen die Brust wegzuschubsen. Ihm, dem ganz offensichtlich der Respekt vor der Arbeit der Unparteiischen fehlt. Und – Emotionen hin oder her – der Anstand.

Rugby-Spieler sind Kleiderschränke in Sportleruniform und mit grösseren Kragenweiten als der filigrane Luzern-Stürmer. In doppeltem Sinn: Rugby-Spielern käme es nicht in den Sinn, gegen den Schiedsrichter tätlich zu werden – obschon sie ihn körperlich überragen. Rugby mag gewaltreich sein, eine Schlacht, in der kein Spieler die Konfrontation scheut. Aber: nur die Konfrontation mit dem Gegenspieler. In Artikel 6.A.5 der Spielregeln heisst es: «Alle Spieler müssen die Autorität des Schiedsrichters respektieren. Sie dürfen seine Entscheidungen nicht anzweifeln.» Das ungeschriebene Gesetz dazu lautet: «Don’t touch the ref», Finger weg vom Schiedsrichter.

«Halb so schlimm» war die Aktion für Markus Babbel, Lezcanos Trainer. So zitierte ihn der «Blick». Zwar sagte der Deutsche auch, dass er die Tat nicht gutheisse, aber er zeigte doch Verständnis: Schliesslich «kriegt Dario Woche für Woche auf die Hölzer». Gerade so, als passiere das weltweit nur ihm.

Aber bei Babbel genügt ja ohnehin, zu zitieren, wie er selber von Schiedsrichtern denkt: «Kleine Würstchen», nannte er sie am Sonntag und wurde dafür auf die Tribüne geschickt. Babbel, der gerne den Gelassenen in einem überhitzten Fussballgeschäft gibt, ist genauso eine Enttäuschung wie sein Spieler.