Archiv für die Kategorie ‘FC Zürich’

Eine grosse Kerze für Anliker, eine kleine für Canepa – und eine für Vincenz

Guido Tognoni am Montag den 4. März 2019

Sie bezahlen selber für ihre Fehler, und das ziemlich teuer: FCZ-Präsident Ancillo Canepa (l.) und GC-Präsident Stephan Anliker. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die Grasshoppers liegen im Elend. Dem FC Zürich könnte es auch besser gehen. Dass sich GC-Präsident Stephan Anliker nach einer weiteren Niederlage am Samstag im Letzigrund einer empörten Fan-Gruppe zum primitiven Disput gestellt hat, ist einerseits ein Tiefpunkt in der Abwärtsspirale des ehemaligen Nobelclubs, aber andererseits doch sehr bemerkenswert. Da steht einer hin und lässt sich mit Hohn und Spott übergiessen. Er ist jener Mann, der zurzeit dafür sorgt, dass beim Rekordmeister noch immer die Löhne gezahlt werden, auch wenn die wichtigsten Angestellten seit Monaten kaum mehr einen Ball richtig treffen.

Eine grosse Kerze für Stephan Anliker, und eine etwas kleinere für das Ehepaar Canepa, dessen FCZ auch Millionen kostet, aber wenigstens nicht in Abstiegsgefahr schwebt. Es kann ja durchaus sein, dass Stephan Anliker zu wenig von Fussball versteht und dass Heliane und Ancillo Canepa immer wieder Fehler machen. Aber falls man die sportlichen Fehlentwicklungen an diesen Personen festmachen will, so bleibt doch immer noch das Fazit, dass sie für ihre Fehler selber bezahlen, und das ziemlich teuer.

Millionen aus dem eigenen Sack

Wenn Politiker etwa für Olympische Winterspiele Milliarden an Steuergeldern freigeben wollen und dabei den unbewiesenen volkswirtschaftlichen Nutzen einer solchen masslos überteuerten Kurzveranstaltung simulieren, ist keiner von ihnen bereit, auch nur einen Tausender in ein solch wunderbares Projekt zu investieren. Fussballpräsidenten in Zürich hingegen müssen jedes Jahr von Neuem Millionen aus den eigenen Brieftaschen graben, um den Vereinsbetrieb am Leben zu erhalten. Und sie müssen sich dafür auch noch rechtfertigen – ein geradezu perverses Hobby, die Führung eines Schweizer Fussballclubs.

Dank Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz fliessen der Super League Millionen zu. Foto: Keystone

Raiffeisen Super League heisst das Gebilde, in dem die Anlikers und Canepas und viele andere Privatpersonen viel Geld verlieren. Jener Mann, welcher der Liga mit einem grossen Sponsor-Betrag aus seinem Unternehmen den Namen gab und ermöglicht, dass die Defizite der Clubs etwas geringer ausfallen, hat seinen persönlichen Abstieg bereits vollzogen. Dank dem gefallenen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz fliessen der Super League Millionen zu, auch wenn der Fussball nicht super ist, wie die jüngsten Vergleiche auf internationaler Ebene gezeigt haben.

Gesellschaftlich ist Vincenz tief gefallen, das moralische Fallbeil hat den zuvor weitherum gefeierten Banker erledigt. Doch ob es der Zürcher Staatsanwaltschaft bei allem lang andauernden Eifer gelingt, ihn mit einer handfesten Anklage auch juristisch zur Strecke zu bringen, ist immer noch offen. Bis es so weit ist, sollten die Fussballer auch für ihn eine Kerze anzünden, zumindest eine kleine.

Die ständigen Hoffnungen aus der Ferne

Guido Tognoni am Donnerstag den 31. Januar 2019

Es ist noch kein Meister auf den Rasen gefallen: Letzikids-Camp des FC Blue Stars und des FC Zürich. (Foto: Keystone/Gaetan Bally)

Das Zürcher Fussballpublikum sollte sich – so ist zu hoffen – in der Rückrunde an neue und junge Spieler gewöhnen: Aly Mallé (Grasshopper), Salah Aziz Binous, Leven Kharaladze und Nicolàs Andereggen (alle FCZ) heissen die Hoffnungsträger, von denen nur Nicolás Andereggen vom Namen her an Nachfahren der Schlacht am Morgarten erinnert. Aber auch er kommt aus fernen Landen, nämlich aus Argentinien. Alle diese Spieler sind 18, 19 oder 20 Jahre alt. Die beiden Zürcher Clubs machen nur das, was von Bayern München bis Liverpool alle Vereine tun: Sie schürfen im Ausland nach Rohdiamanten. Solche sind bekanntlich selten, und ob ein Spieler vom Rohzustand zum Schmuckstück geschliffen werden kann, bleibt offen. Die Ausfallquote, gleichbedeutend mit zerstörten Hoffnungen von jugendlichen Spielern, die Nachfolge Messis und Ronaldos antreten zu können, ist sehr gross.

Wenn man sich die Namen der neuen Spieler von GC und des FCZ vor Augen hält, drängen sich zwei Fragen auf: Ist das Reservoir an förderungswürdigen Nachwuchstalenten, die aus dem Balkan stammen, in der Schweiz zu Fussballern ausgebildet worden sind und unseren Fussball immer noch prägen, am Versiegen? Wenn ja, würde das heissen, dass der Heisshunger auf Fussball bei der neuen, in der Schweiz aufgewachsenen Generation bereits gestillt ist? Anders gefragt: Hat unser Wohlstand die jungen Sportler aus dem Balkan bereits ebenso geprägt wie die ursprünglichen Schweizer?

Zu wenig Geduld mit dem eigenen Nachwuchs?

Es ist ein seltsames und bemerkenswertes Phänomen, wie sehr im Clubfussball die Mannschaften von ausländischen Spielern geprägt werden. Wenn etwa die Grasshopper keinen Schweizer Namen in der Startelf aufführen, stehen sie und andere Schweizer Clubs beileibe nicht allein da. Legendär sind die Aufstellungen von Arsène Wenger bei Arsenal, in denen sich oft kein britischer Spieler befand. Aber auch etwa bei Borussia Dortmund sind die Schulzes und Kunzes mittlerweile fast seltener als die Schweizer Namen. Und wie viele eigene Spieler bringt Bayern München aus der aufwendigen und als vorbildlich bezeichneten Nachwuchsbewegung in die erste Mannschaft hervor? Sie sind über Jahre hinweg an einer Hand abzuzählen. Stattdessen kaufen auch die Bayern für Millionen Jugendliche aus dem Ausland.

Die Debatte, ob sich eine Nachwuchsabteilung lohnt (sie lohnt sich rein kaufmännisch nicht), ist nutzlos. Allein als Fabrik der Träume für die Jugend hat die Nachwuchsarbeit eines jeden noch so kleinen Clubs eine wichtige soziale Aufgabe, ganz abgesehen von den sportlichen Ergebnissen. Der Unterschied zwischen Nachwuchsspielern aus den eigenen Reihen und zugekauften vermeintlichen oder echten Talenten besteht vor allem in der Geduld. Wenn die Jungen aus dem eigenen Nachwuchs auf gleich viel Geduld und Nachsicht zählen könnten, wie die Clubs mit eingekauften Spielern üben, wäre die Erfolgsquote grösser. Nicolás Andereggen ist Mittelstürmer, 19 Jahre alt und bringt statistische Werte mit vielen Nullen in die Schweiz mit. In einigen Monaten werden wir die Frage beantworten können, ob Willi Huber aus Schwamendingen, Benjamin Meier aus Wiedikon oder Peter Rüdisühli aus Affoltern die gleiche Chance wie der zugekaufte Hoffnungsträger aus San Jeronimo Norte verdient hätten.

Rodriguez fliegt: Der Betrug als Option

David Wiederkehr am Mittwoch den 7. Februar 2018

Roberto Rodriguez vom FCZ (Mitte) versuchte es am Sonntag gegen den FC Thun mit einer Schwalbe (siehe Video unten) – und reklamierte sogar noch, als ihn der Schiedsrichter dafür bestrafte. Foto: Keystone, Walter Bieri

Was ist schlimmer als eine Schwalbe? Ein Fussballer, der nach einer Schwalbe auch noch reklamiert.

Zum Beispiel: Roberto Rodriguez. Der Mittelfeldspieler des FC Zürich legte sich im Heimspiel am letzten Sonntag gegen den FC Thun auf besonders perfide Art und Weise hin, ohne jede gegnerische Berührung, einfach so – statt ein Tor zu erzielen, wollte er den Penalty schinden. Ging zum Glück schief: Schiedsrichter Urs Schnyder bestrafte ihn mit einer Verwarnung. Noch unverständlicher, dass Rodriguez diesen Entscheid kaum begreifen mochte.


Die Schwalbe von Roberto Rodriguez im Heimspiel gegen Thun. Video: SRF

Nicht immer sind die Unparteiischen so aufmerksam wie der junge Schnyder. Am gleichen Wochenende spürte in der Premier League Tottenhams Starstürmer Harry Kane in der Schlussphase der Partie gegen Liverpool das Flugwetter – und wurde mit einem Penaltypfiff belohnt. Die Quittung für das unsportliche Verhalten stellte sich Kane dann jedoch gleich selbst aus: Er verschoss den Elfmeter (okay, später avancierte er mit einem zum 2:2 verwandelten weiteren Penalty doch noch zum späten Tottenham-Helden). Liverpools Verteidiger Virgil Van Dijk schäumte nach dem Spiel: «Er ist ein Schwalbenkönig.»

Schwalben entscheiden Spiele

Schwalben sind ein Übel im Fussball und ein Phänomen, das es in dieser Häufigkeit in keiner anderen Sportart gibt. Warum sie nicht auszurotten sind? Weil Schwalben noch immer als Kavaliersdelikt gelten. Eine Gelbe Karte, maximal – mehr haben die Sünder nicht zu befürchten –, und das auch erst seit 1999. Zu gewinnen dafür umso mehr: einen Penalty, vielleicht sogar eine Rote Karte für den Gegner, Schwalben entscheiden Spiele. «Ich habe mich für die Schwalbe entschieden», sagte einst Albion Avdijaj, der GC-Stürmer, nachdem ihn 2015 als Spieler des FC Vaduz die Fernsehbilder enttarnt hatten. Betrug ist unter Fussballern eine Option.


Als sich Albion Avdijaj für eine Schwalbe entschied. Video: SRF

Schwalbenkönige müssen also mehr geächtet werden. Und genau darauf arbeitet die Fan-Initiative «Stop Diving» hin. Das Projekt aus England hat ein Manifest erstellt und will damit nicht nur Fans erreichen, sondern auch aktive Spieler. Die Kernbotschaft: «Wie Athleten in jeder anderen Sportart gehen Fussballer an ihre Leistungsgrenze, um erfolgreich zu sein. Sie trainieren, sie opfern sich auf. Aber nur im Fussball wird auch unehrlich gespielt. Fussball ist der einzige Sport, in dem Unehrlichkeit akzeptiert ist, manchmal sogar belohnt wird.»

Mit ihrer Petition hat sich «Stop Diving» zum Ziel gesetzt, dass schon «die WM 2018 in Russland ganz ohne Schwalben auskommt». Ganz im Gegensatz zur Endrunde 2014 in Brasilien, bei der Arjen Robben im Achtelfinal der Holländer gegen Mexiko eine der spektakulärsten Schwalben in jüngerer Vergangenheit aufführte. Ach, überhaupt: Robben.

Auf der Webseite von «Stop Diving» kann jeder unterschreiben, der solche Unsportlichkeiten vom Fussballplatz verbannt sehen will. Ausserdem werden Interessierte animiert, ihre Lieblingsfussballer mit dem Ansinnen in den sozialen Medien zu kontaktieren und ebenfalls mitzumachen. Der Hashtag: #stopdiving.


Die unsportliche Aktion von Harry Kane gegen Liverpool. Video: Youtube

Längerfristig regt «Stop Diving» an, eine Datenbank mit Schwalben zu initiieren. So liesse sich dokumentieren, welche Ligen besonders anfällig sind, welche Nationalitäten, welche Spieler auf welchen Positionen. Ist dieser Datensatz erst gross genug, sei die Fussballgemeinde sensibilisiert – und sind es auch die Schiedsrichter. «Und dann können die Verantwortlichen konkrete Massnahmen einleiten», hofft die Fan-Initiative.

Bereits aktiv geworden ist die Premier League: Seit dieser Saison können Schwalben nachträglich mit Spielsperren sanktioniert werden, wenn sie einen Penalty oder Platzverweis zur Folge hatten. Müssen aber nicht: Der englische Fussballverband FA sah davon ab, gegen den Nationalspieler ein Verfahren einzuleiten.

Noch schlimmer: Kanes Trainer bei Tottenham, Mauricio Pochettino, rechtfertigte die Schwalbe seines Torjägers auch noch. Der Argentinier sagte, dem Vernehmen nach bei vollem Bewusstsein: «Im Fussball geht es nun einmal darum, den Gegner auszutricksen. Vor 20 oder 30 Jahren hätten wir alle einem Spieler gratuliert, wenn er den Schiedsrichter so übertölpelt.»

Achtung, Fremdprämienverbot!

Florian Raz am Montag den 23. Mai 2016
Uli Forte verspricht St. Gallen einen Lastwagen Bier. (Keystone)

Uli Forte verspricht St. Gallen einen Lastwagen Bier. (Keystone)

Liebe Fans des FC Zürich, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Wahrscheinlich kann euch der Uli Forte im letzten Spiel gegen den FC Vaduz nicht mehr helfen. Und das, nachdem er die Mannschaft im nur vielleicht zu spätesten Moment so richtig aufgeweckt hat. 2:2 in Sitten und so.

Aber dann  hat der Uli einen entscheidenden Fehler gemacht: Er hat dem FC St. Gallen Bier versprochen für den Fall, dass sich der tatsächlich noch einmal dazu aufraffen sollte, in Lugano eine vernünftige Leistung abzurufen. Und nein, er hat nicht ein oder zwei Bierchen versprochen. Sondern gleich «einen Lastwagen» voll davon.

Homer Simpsons Bier-Tagtraum. (via GIPHY)

Klingt harmlos? Ist es keineswegs. Wir haben da mal nachrecherchiert. Zum Beispiel: Wie viel Bier passt in einen Lastwagen? Die sympathische Familienbrauerei Feldschlösschen hat kürzlich den Auftrag erhalten, 30’000 Hektoliter Bier nach Frankreich zu verschicken. Dazu benötigt sie 300 Lastwagen, macht also 100 Hektoliter Bier pro LKW.

Wir nehmen jetzt mal an, der Herr Forte erhält das Bier zum Einkaufspreis, den Gastronomen bezahlen. Das kommt offenbar auf rund 300 Franken pro Hektoliter. Macht summa summarum 30’000 Franken, die der FCZ-Temporär-Trainer aus seinem Portokässeli bezahlen müsste. Die Lieferung lassen wir mal aufs Haus der Brauerei gehen.

30’000 Franken also. Das sind immerhin 10’000 Franken mehr, als die Luganesi Igor Djuric und Patrick Rossini 2015 den Spielern des FC Schaffhausen in einem Couvert zukommen liessen. Damals ging es um den Aufstieg in die Super League, und die Schaffhauser siegten gegen Servette, den einzigen verbliebenen Konkurrenten Luganos, 2:1.

Djuric und Rossini wurden damals von der Liga erst für zwölf Spiele gesperrt. Das wurde danach zwar auf zwei Spiele reduziert, aber da war es für Rossini bereits zu spät: Er war von FCZ-Präsident-Eigentümer-Sportchef Ancillo Canepa fristlos entlassen worden. Die zwei werden das Ganze irgendwann vor Gericht miteinander aufarbeiten.

Wir halten also fest:

  1. Demnächst wird Uli Forte von der Liga für zwölf Spiele gesperrt.
  2. Ancillo Canepa löst seinen Vertrag zwei Spiele vor dessen Beendigung auf.
  3. Danach senkt die Liga die Sperre auf zwei Partien.
  4. Forte verklagt den FCZ auf die Cupfinalprämie.
  5. Cupsieger wird entweder Canepa oder Djuric.
  6. Absteiger auch.

Psst … der FC Basel ist gar nicht gut

Florian Raz am Dienstag den 3. November 2015
Meister der Täuschung: Der FC Basel mag die Tabelle mit grossem Vorsprung anführen. Experten sind sich aber einig: Die Basler sind diese Saison gar nicht gut.

Meister der Täuschung: Der FC Basel mag die Tabelle mit grossem Vorsprung anführen. Experten sind sich aber einig: Gut sind diese Basler wirklich nicht.

Irgendeiner muss diese unangenehme Wahrheit mal an die Öffentlichkeit bringen. Bislang ist sie nur gewispert worden – in den Presseräumen und in den Interviewzonen der Schweizer Stadien. Fussballreporter, da nehme ich mich auf keinen Fall aus, sind so etwas wie die moderne Version der vielzitierten Waschweiber. Wer rechtzeitig vor dem Spiel da ist, um die vom Heimclub gesponserte Pasta zu futtern, erfährt so manches, was es danach nicht unbedingt bis in die Zeitungsspalten schafft.


Fussballreporter am Pasta-Büffet (Abbildung ähnlich).

Wer all die Informationen, Gerüchte und Meinungen gewissenhaft sammelt, der kann zu Erkenntnissen kommen, die anderen verborgen bleiben. Und dies hier ist so eine: Der FC Basel ist in dieser Saison gar nicht gut. Doch, doch, glauben Sie mir. Basel in Vaduz? Nicht gut. Basel gegen die Young Boys? Gar nicht gut. Basel in Zürich? Nicht so gut. Basel in Bern? Vielleicht halb gut, aber doch Verlierer.

So wird das geraunt vor den etwas angetrockneten Tortellini al pomodoro oder den leicht lampigen Spaghetti bolognese, beim Gang zu den Spielerinterviews und vor den Pressekonferenzen mit den Trainern. Und weil so viele Fachleute unmöglich falsch liegen können, hier der Blick auf eine durchschnittliche Super-League-Tabelle einer Saison, in der der FC Basel nicht gut spielt:

Tab SL

Was zur Frage führt: Wenn ein nicht gut spielender FCB vier Runden vor der Winterpause bereits weiss, dass er das neue Jahr als Leader beginnen wird, was sagt das dann über die Konkurrenz aus?

Wir könnten jetzt das lustige Lied von der Schweizer, Zitat Murat Yakin, «Gurkenliga» anstimmen. Aber wenn der aktuell Fünfte der Super League im Europacup gegen Rubin Kasan, Bordeaux und den grossartigen FC Liverpool (okay, jenen der Vor-Klopp-Ära) bestehen kann, darf das schon als Indiz für die eigentlich vorhandene Qualität in der Schweizer Liga gelten.

Wenn derselbe FC Sion danach aber spielt, als sei er ein komplett anderer und in Lugano 0:3 untergeht, dann sind wir aber schon mittendrin in der Antwort darauf, warum der FCB die Liga derart dominiert: Er ist ein Meister der Konstanz. Die Konkurrenz mag mal hier ganz grundsätzlich ein gutes Spiel zeigen und dort sogar eine starke Halbzeit gegen die Basler. Basel aber unterschreitet praktisch nie ein gewisses Niveau. Brillant mag das Team von Trainer Urs Fischer derzeit vielleicht nicht auftreten. Aber wer den FCB in einem Spiel schlagen will, der muss 90, 93 oder halt 95 Minuten lang besser sein. Und wer tatsächlich auch mal Meister werden möchte, muss 36 Runden lang durchhalten.

Diesen langen Atem hat in dieser Saison offenbar niemand. Die Grasshoppers können ihn gar nicht haben, so dünn ist ihr Kader aus finanziellen Gründen. Und jene Gegner, die sich vor der Saison als Herausforderer gebärdet haben? Kaum hatte die Saison begonnen, waren auch schon ihre Trainer entlassen. Und jetzt sind beim FC Zürich und den Young Boys Männer am Ruder, die für sich in Anspruch nehmen, mindestens bis zur Winterpause einfach mal eine Bestandesaufnahme zu machen und nebenbei noch etwas Aufbauarbeit für künftige Grosstaten zu leisten.

YB und der FCZ haben die Meisterschaft verloren, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Weil sie Ende letzter Saison nicht den Mut hatten, reinen Tisch zu machen und einen Neuanfang zu wagen. Stattdessen hofften sie nach durchzogenen Saisons darauf, dass sich alles irgendwie einrenken würde. Tat es aber nicht. Und mit dem Trainerwechsel warfen die beiden Clubs zugleich ihre ganze Sommervorbereitung auf den Misthaufen der Fussballgeschichte.


Ein hoffnungsfroher FCB-Konkurrent peilt hohe Ziele an (Abbildung sehr ähnlich).

Was jetzt noch bleibt im laaaangen Warten bis zum Saisonende, ist einerseits die Hoffnung auf einen plötzlichen, monatelangen Systemausfall in Basel, der noch etwas Spannung zurückbringen könnte. Und andererseits darauf, dass wenigstens die Young Boys die schon wieder eingeläutete Zwischensaison so nutzen, dass sie wenigstens 2016/17 endlich bereit sind, die Basler anzugreifen. Allen anderen Clubs traut man den Part des ernsthaften FCB-Konkurrenten ja schon gar nicht mehr zu.

Der FCZ sucht richtige Männer

Christian Zürcher am Dienstag den 6. Oktober 2015
Hannu Tihinen, rechts, Captain des FC Zuerich, laesst nach einem Zusammenstoss seine Nase behandeln, im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups zwischen dem FC Zuerich und dem FC Locarno, am Samstag, 17. Oktober 2009 im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Typen wie Hannu Tihinen fehlen nicht nur dem FCZ. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Im Romanklassiker «Der Baron auf den Bäumen» knüpft der auf Bäumen lebende ligurische Adelsjunge Cosimo ein unbeschriebenes Heft mit einer langen Schnur an einen Baum.

Nun, das Heftlein war aufgeknüpft, und Cosimo teilte den Dorfbewohnern mit, das Buch sei da für die guten Dinge, schreibt auf eure Wünsche! Also kritzelten diese in das Heft allerhand Zeugs. Einer schrieb von einem Kuchen, ein anderer von einer Gemüsesuppe, einer sehnte sich nach einer Blonden, ein anderer nach zwei Brünetten, einer wollte das ganze Jahr Pilze sammeln, ein anderer hätte sich liebend gern mit einer Ziege vergnügt. Kurzum, alles Gute, was es auf der Welt gibt, wurde in diesem Büchlein niedergeschrieben.

Nun stelle man sich vor, am Schanzengraben aus dem Büro von FCZ-Präsident Canepa würde ein ähnliches Heftchen hängen, alle Anhänger des FC Zürich könnten ihre Wünsche vorbringen. Einer würde schreiben, er plange nach einem vollen Letzigrund, ein anderer nach weniger, dafür treffsicheren Stürmern, einer will einen Linksverteidiger, ein anderer wiederum einen fehlerresistenten Innenverteidiger, einer blättert durch das Heftlein und kommt zum Schluss, die Wünsche drehten sich um Personalien, ein Sportchef müsse also her. Das Büchlein würde populär, so populär, dass gar Spieler ihre Gedanken niederschrieben: Am vergangenen Wochenende wäre es etwa FCZ-Captain Chiumiento gewesen, er sagte, er vermisse beim FCZ «die Typen», «die richtigen Männer auf dem Platz».

Wie früher Teixeira und da Costa. Oder noch etwas früher Tihinen, vielleicht auch Magnin und Filipescu. Bei anderen Schweizer Vereinen waren das van Eck, Streller, Zuberbühler, Yakin oder Lehmann – um ein paar zu nennen. Und heute? Sie fehlen. Es gibt in der Super League vielleicht mit Salatic einen Dreiviertel-Typen, mit Nef einen Zweidrittel-Typen, mit Källström ein Vorbild, mit Steffen einen Heiss­sporn. Aber echte Typen? Wo sind sie nur geblieben?

Natürlich. Früher war vieles per se viel besser. Doch das heutige System ist mitunter verantwortlich für den Verfall der Charaktere. Hier das strengere Bestrafungswesen der Clubs. Dort die Medien, die Wörter von Teenagern auf Goldwaagen legen. Clubs stellen Medientrainer an, in Internaten werden die Fussballer auf Angepasstheit getrimmt. Den Profis wird vieles abgenommen, sie werden mehr kontrolliert, sie werden brav – wie wollen sie da «richtige Männer» werden?

italo

Das Cover des Büchleins.

Und so wird aus der Typenfrage wieder eine Personalfrage. Vermag man sie nicht mehr auszubilden, muss man sie halt suchen und verpflichten. Und so blättert wieder ein FCZ-Anhänger durch das Buch am Schanzengraben und kommt zum Schluss, ja, der eine Vorschreiber hat recht: Es braucht einen Sportchef.

Aber da fällt uns wieder ein, was am Ende aus Cosimos Wunschbüchlein wurde. Es ist vermodert.

Der Cup ist nicht tot

Florian Raz am Donnerstag den 24. September 2015
Die Koenizer Spieler jubeln nach ihrem 3:1 Sieg im 1/16 Final Fussball Cup Spiel zwischen dem FC Koeniz und dem Grasshopper Club Zuerich, am Freitag, 18. September 2015, auf dem Sportplatz Liebefeld Hessgut in Koeniz bei Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ungebändigte Freude: Die Könizer Spieler jubeln nach ihrem 3:1-Sieg im 1/16-Final gegen den Grasshopper-Club Zürich. Foto: Alessandro della Valle/Keystone

Ich gebe es zu: Ich habe auch schon Artikel geschrieben, in denen es um das Serbeln des Schweizer Cups ging. Steigende Sicherheitskosten für Amateurclubs, die von den Anhängern der grossen Vereine überfordert scheinen. Finalspiele, die nicht ausverkauft sind. Eine Hauptstadt, die es lieber hat, wenn das Endspiel in Basel stattfindet. Und wenn dann YF Juventus sein Heimspiel lieber nach Basel verschiebt, um den ganzen organisatorischen Problemen aus dem Weg zu gehen, ist die Schlussfolgerung schnell gemacht: Der Cup ist tot.

Nun hat es der Zufall so gewollt (oder waren es die reiseunlustigen Arbeitskollegen?), dass ich seit circa 15 Jahren immer auf einem Fussballplatz war, wenn die Teams aus der höchsten Liga in den Wettbewerb eingestiegen sind. Also habe ich mir noch einmal vor Augen geführt, was ich in der Zeit alles erlebt habe:

Ich war im südlichsten Tessin, knapp vor der Landesgrenze, wo die Zuschauer auf einem Erdhang unter der Dorfkirche gestanden sind. Ich war auf einer Matte im Luzernischen, wo das Dach einer Scheune der einzige Unterstand war; und der liebe Mensch, der den Internetanschluss herbeigezaubert hatte, leider nicht mehr wusste, wie das Passwort lautet. Ich bin in der Ostschweiz in einem Lastwagenanhänger gesessen, der uns Journalisten vor Schneeregen geschützt hat und nur einen Nachteil hatte: dass der Wind die Blache immer wieder mal vom Dach geblasen hat, sodass uns einige Spielszenen leider komplett verborgen blieben.

Ich habe gesehen, wie wackere Basler Old Boys den übergrossen Stadtrivalen FC Basel in die Nachspielzeit gezwungen haben. Und wie ein paar Jahre zuvor der Stern von Eren Derdiyok in ebendiesem Stadtderby aufgegangen ist, als ihm der Ehrentreffer für OB gelang. Ich habe erlebt, dass sich Reto Zanni nach einem Assist gegen den FC Liestal Fäuste ballend zur Bank der Gastgeber umgedreht hat, weil sich die Amateure zuvor über seine Flanken lustig gemacht hatten. Ich habe gehört, wie damals noch FCZ-Trainer Urs Meier den Fehler beim Schiedsrichter gesucht und gefunden hat, nachdem seine Mannschaft gegen die Black Stars erst in der Verlängerung gewonnen hatte.

Ich habe Präsidenten erlebt, die strahlend erklärten, dass sie mit den Einnahmen des Spiels gegen einen Super-Ligisten eine neue Garderobe bauen könnten. Und solche, die fast vor Stolz platzten, weil sie im VIP-Talk vor dem Spiel mit FCB-Amtskollege Bernhard Heusler ein paar Worte wechseln durften. Ich sah einen tollen Cup-Fight des FC Wil gegen einen Champions-League-Achtelfinalisten und wie der FC Biel den Schweizer Meister bezwang. Ich hörte den Jubel über das eine Tor des FC Tavannes-Tramelan gegen den FCZ und die Freude aus den Worten all jener Goalies, die mal gegen einen Nationalspieler einen Schuss halten konnten.

Und wie ich mich noch einmal an all das erinnere, bleibt für mich nur eine Schlussfolgerung: Der Cup ist nicht tot. Er lebt. Zumindest in den ersten Runden, in denen Klein auf Gross trifft. Die Endspiele dagegen, ich gebe es zu: Die habe ich meist ausgelassen. Der Zauber des Cupfinals – er schien mir wirklich abhandengekommen. Bis ich in diesem Frühsommer das Glück hatte, mitzuerleben, wie laut geschätzte 20’000 Walliser und Walliserinnen sein können.

Gut, ich spüre, dass ich Sie noch nicht überzeugen konnte. Sind ja auch alles nur subjektive Erzählungen. Also habe ich ein paar Fakten zusammengetragen, die meine zugegebenermassen leicht wacklige Argumentation stützen könnten. Zum Beispiel der Cupfinal Servette – Grasshoppers am 4. Juni 1978: 18’000 Zuschauer waren im Wankdorf. Ausverkauft waren die Finalspiele also auch schon früher nicht.

Und dann noch dies: Die Kleinen scheinen so stark wie kaum einmal! Seit 2012 ist noch jedes Jahr mindestens ein Super-Ligist gegen einen Amateurclub ausgeschieden, der mindestens drei Ligen unter ihm gespielt hat.

Gut, Zahlen überzeugen Sie auch nicht. Dann schauen Sie sich an, wie die Spieler des SV Muttenz reagieren, als sie erfahren, dass sie gegen den FC Basel spielen dürfen:

Emotionale Reaktion auf die Auslosung SV Muttenz – FC Basel. Quelle: Youtube

Der Cup lebt.

Hardturm, du fehlst!

Ueli Kägi am Donnerstag den 10. September 2015

Der Schweizer Fussballfan hat nicht den besten Ruf. Es wird über ihn fast ausschliesslich dann berichtet und gerichtet, wenn er bösartig aufgefallen ist. Er pinkelt in Vorgärten, schlitzt Polster in Zügen auf. Er wirft gezündete Pyro auf: den Rasen, die Tartanbahn, das gegnerische Publikum. Er trinkt zu viel. Er sucht Puff.

Wir müssen uns nichts vormachen. Es gibt den Matchbesucher in diesen hässlichsten Formen, den Krawallmacher und Chaoten, 400 davon sind im Schnitt bei einem Super-League-Spiel. Das sind nicht wenige. Die Zahl hilft aber auch, bei den Fakten zu bleiben: Fast 97 Prozent aller Matchbesucher haben mit dem Mob nichts zu tun.

Wer zum Fussball geht, ist im Normalfall ziemlich normal. Trinkt mit Freunden ein Bier. Isst mit den Kindern eine Wurst und danach noch Pommes, Glace und/oder eine Magnum-Packung M&M’s. Leidet mit der Mannschaft. Und geht dann wieder nach Hause. Glücklich oder halt weniger glücklich.

Und manchmal ist der Fussballfan auch ziemlich kreativ. Das ist in der Kurve zu sehen, wenn quer durch die Schweiz wieder Hundertschaften in der Turnhalle oder Garage an der nächsten Choreografie gebastelt haben. Oder an Tagen wie diesen.

Am vergangenen Samstag haben GC-Anhänger in einer schönen Aktion den Fussball zurück in den Hardturm gebracht. Der Hardturm? Die Älteren unter uns erinnern sich noch. Der Hardturm, geboren 1929, war einmal das vielleicht beste Fussballstadion der Schweiz. Eine Bastelei zwar mit alter Haupttribüne und einem Dreiviertelring um den Rest des Rasens. Da und dort auch etwas abgehalftert. Aber sympathisch. Mit Tribünen gleich am Rasen. Der Hardturm war als Fussballstadion so gut, dass selbst FCZ-Fans zugeben mussten, dass der Letzigrund eigentlich Käse war.

2007 starb der Hardturm 78-jährig. Tod durch Abrissbirne. Seither erlebte Fussball-Zürich Abstimmungen, Einsprachen, Architekturwettbewerbe, Abstimmungen, Ausschreibungen, aber kein richtiges Stadion mehr. Wo einst der Hardturm war, ist noch eine Brache. Bis eben Nostalgiker ein paar Quadratmeter Kunstrasen verlegten, ein paar Tribünen aufbauten, zwei Tore aufstellten, Altstars einluden, 2.20 Franken Eintritt verlangten und das alte Stadion in neuer Form wieder aufleben liessen.

Es kamen fast 3000 Zuschauer. Die noch standfeste Betonrampe der früheren Osttribüne sah aus wie ausverkauft. Der Anhang liess blauen Rauch in die Luft steigen und zündete auch Fackeln. Der Nachmittag machte trotzdem Lust auf mehr. Und führte schnell zur Frage, wieso es eigentlich nicht möglich sein soll, recht unkompliziert und zügig ein Stadion zu haben? Es braucht doch kein futuristisches Fünfeck, keine Mantelnutzung und keine 25’000 Plätze. Es braucht nur vier Tribünen, am besten altenglisch eckig. Es braucht einen gepflegten Rasen, ein paar Verpflegungsstände, vielleicht ein Restaurant, ordentliche Toiletten. Von mir aus noch ein schönes VIP-Zelt für alle, die Spitzenfussball in Zürich mitfinanzieren wollen und sollen. Kann doch nicht so schwer sein.

Bitte mit dem Trainer nicht über Fussball sprechen!

Florian Raz am Mittwoch den 2. September 2015
Sami Hyypiae, neuer Trainer des FC Zuerich, waehrend seiner 1. Trainingseinheit mit der Mannschaft des FCZ in der Sportanlage Allmend-Brunau in Zuerich, am Montag, 31. August 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Fussball? Wer spricht hier von Fussball? Sami Hyypiä bei seiner ersten Trainingseinheit mit dem FCZ. Foto: Dominic Steinmann (Keystone)

Kennen Sie den schon? Fährt ein Schweizer während des Zweiten Weltkriegs nach Berlin, um Adolf Hitler von einem Kriegsende zu überzeugen. Doch als er schon in Berlin in der Strassenbahn ist, kommt er von seinem Vorkommen ab und reist unverrichteter Dinge wieder ab. Warum? Weil über dem Tramfahrer ein Schild angebracht ist: «Bitte nicht mit dem Führer sprechen!» Ha, ha! Hat mir mein Grossvater (ein Kommunist) immer wieder gerne erzählt.

Was das mit Fussball zu tun hat? Natürlich nichts. Und irgendwie doch etwas. In den Sinn gekommen ist mir der alte Witz, als ich die Texte über den ersten Auftritt von Sami Hyypiä gelesen habe. Da ist mir wieder einmal ein Muster aufgefallen, das sich recht häufig in Gesprächen mit Trainern zeigt. Es haben also Reporter den neuen Trainer des FC Zürich tatsächlich gefragt, wie er seine Mannschaft künftig spielen lassen will. Aber da hat der Finne natürlich sofort abgewunken: «Die Konkurrenz soll meine Pläne nicht aus der Zeitung erfahren.»

FCZ-Cheftrainer Sami Hyypiae spricht anlaesslich einer Medienkonferenz und zu seiner Praesentation als neuer FCZ-Cheftrainer, im Medienraum des Stadion Letzigrund, in Zuerich,  am Freitag, 21. August 2015. (KEYSTONE/Anthony Anex)..Sami Hyypiae is presented as the new head coach of the soccer club FC Zurich, FCZ, during a press conference at the media center in the Letzigrund Stadium in Zurich on Friday August 21 2015. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Fragen zum Thema Fussball können leider nicht beantwortet werden: Sami Hyypiä an der Pressekonferenz zu seiner Nomination. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Wir Sportjournalisten werden oft (und oft zu Recht) für unsere reichlich bescheuerten Fragen gegeisselt. «Wie fühlen Sie sich?» «Wie haben Sie sich gefühlt?» Und natürlich, ganz wichtig: «Wie werden Sie sich fühlen?» Aber versuchen Sie mal, mit einem Fussballtrainer über seine Ideen zu reden! Es scheint so, als sei da ein Schild angebracht: «Bitte mit dem Trainer nicht über Fussball sprechen!»

Es folgen hier die am häufigsten genannten Gründe, weswegen der Trainer auf eine fussballspezifische Frage leider nicht antworten kann. Und – Respekt, Herr Hyypiä! – der neue FCZ-Mann hat am ersten Tag immerhin schon fünfzig Prozent verwendet.

  1. Der Gegner soll nicht zu viele Informationen erhalten! Ja, klar. Weil die Konkurrenz natürlich bloss Zeitung liest – und nicht einfach eine Video-Analyse macht.
  2. Hach, es fehlt einfach die Zeit, ist ja alles so komplex! «Wir könnten hier über eine halbe Stunde lang das Spiel analysieren», sagt also Hyypiä zum 1:3 seines FCZ in Basel. «Ja, bitte!», möchte der Journalist rufen. Aber wirklich eine halbe Stunde mit der Presse ein Spiel analysieren? Also bitte!
  3. Da müsste man ja über alle anderen auch reden! Es ist der Klassiker von Ex-FCB-Trainer Paulo Sousa (und ich vermute, Hyypiä hat den auch drauf). Wurde der Portugiese in Basel auf einen Spieler angesprochen, brummte er in seinem sonoren Bass: «Dann müsste ich ja zu jedem anderen Spieler auch etwas sagen.» «Ja, bitte!», habe ich tatsächlich einmal gerufen. Die Analyse des gesamten Kaders hat sich dann doch nicht ergeben.
  4. Ich muss mich doch nicht rechtfertigen! Als Urs Fischer nach dem 1:1 seines FCB in Tel Aviv gefragt wurde, was ihn dazu bewogen habe, Innenverteidiger Daniel Hoegh durch Walter Samuel zu ersetzen, befand er, das sei eine «unberechtigte Frage».

Ein Thema gibt es, über das viele Fussballtrainer gerne sprechen – wenn auch meist bloss im Vertrauten: den Hang der Medien, sich auf komplette Nebensächlichkeiten zu stürzen und Unruhe zu schüren, wo keine ist. Anstatt einfach mal über Fussball zu berichten!

Was Hyypiä und Crouch verbindet

Florian Raz am Dienstag den 1. September 2015
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Links: Ancillo Canepa und sein neuer Trainer Sami Hyypiä. Rechts: Peter Crouch und Jockey Nathan Alison.

Aus gegebenem Anlass. «Vielleicht sollte ich nicht neben Jockeys stehen», witzelte Stoke-Stürmer Peter Crouch, als er das Bild mit Jockey Nathan Alison twitterte (r.). Vom neuen FCZ-Trainer Sami Hyypiä ist noch keine ähnliche Aussage betreffend seines Präsidenten Ancillo Canepa überliefert.