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Maurer und Infantino: Verliebt in Saudiarabien

Guido Tognoni am Donnerstag den 24. Januar 2019

Ueli Maurer begrüsst Saudiarabiens Botschafter Hisham Alqahtani beim Neujahrsempfang. (Foto: Keystone/Alessandro della Valle)

Weiss unser Bundespräsident Ueli Maurer eigentlich, was in Saudiarabien abgeht? Ist ihm bewusst, dass im November 2017 ein wichtiger Teil der saudischen Wirtschaftselite im Hotel Ritz in Riad eingesperrt wurde, dass es in diesem vornehmen Hotel Folterungen gab und dass den Eingesperrten die Freiheit mit Enteignungen und Geldzahlungen abgepresst wurde? Will Ueli Maurer das alles überhaupt wissen? Für den Auftragsmord am oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi in der saudischen Botschaft in Ankara hat Maurer, prominentes Mitglied der SVP, die sonst ihre freiheitlichen Werte überall und lautstark propagiert, jedenfalls die Absolution erteilt. Und für die Unterzeichnung des Vertrags über den gegenseitigen Informationsaustausch in Steuerfragen konnte es Ueli Maurer nicht schnell genug gehen, um nach Riad zu pilgern, obwohl der Austausch nicht gegenseitig, sondern nur einseitig vonstattengehen wird – von Bern nach Riad.

Fussballpiraterie mit lahmen Konsequenzen

Infantino und Saudiarabiens Kronprinz Muhammad an der WM 2018. (Fotos: Keystone)

Aber lassen wir die hohe Politik. Saudiarabien gebärdet sich nicht nur gegenüber Oppositionellen höchst unkonventionell. Seit Monaten stiehlt der TV-Sender mit dem demonstrativ provokativen Namen beoutQ (halte dich von Qatar fern) der Konkurrenz aus Katar, BeIn (sei dabei), das elektronische Satellitensignal und sendet Fussball (und auch Unterhaltungssendungen von anderen Rechtehaltern), ohne dafür zu bezahlen. Die Fifa hat untätig zugeschaut, wie die Saudis den von Saudiarabien neidvoll gehassten Katarern die hoch bezahlten Rechte für die WM-Endrunde in Moskau gestohlen haben.

Hat die Piraterie lange geduldet: Fifa-Präsident Infantino.

Erst dieser Tage konnte sich die Fifa dazu aufraffen, zusammen mit der Uefa, der englischen Premier League und der Bundesliga offen gegen diese Piraterie Stellung zu beziehen. Ob das damit zusammenhängt, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino – zurzeit genauso verliebt in die Saudis wie Ueli Maurer – seinen kühnen Plan des Rechteverkaufs der Fifa an eine Investorengruppe mit saudischer Beteiligung ohne Kollateralschaden nicht realisieren können wird, bleibe dahingestellt.

Wo bleibt die Macht des Fussballs?

Die rein verbalen Verurteilungen dürften die Saudis nicht beeindrucken. Sie fühlen sich stark und sicher. Dabei hätte es die Fifa längst in der Hand gehabt, dem Rechtediebstahl ein Ende zu setzen. Eine simple Massnahme, die bei weniger einflussreichen Verbänden reichlich angewandt wird, hätte ausgereicht: die Androhung eines Ausschlusses aus der Fifa.

Dieser Schritt wäre einfach und für alle ohne juristische Akrobatik verständlich. Und er wäre wirksam. Das wäre ein sinnvoller Einsatz der viel zitierten Macht des Fussballs. Bis heute sind Faszination und Einfluss des saudischen Geldes wichtiger als der Schutz der Rechteerwerber, welche die Fussballfunktionäre reich machen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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9 Kommentare zu “Maurer und Infantino: Verliebt in Saudiarabien”

  1. paolinelli sagt:

    Hallo,

    vor Jahren wurde Südafrika vom Sport, Handel und Politik boykotiert. Heute kassieren Politiker,Sportler,Juve, Inter,
    Staatliche Waffenverkäufer Blut und ölgefleckte Dollars vom nicht überführten Auftragsmörder und Warlord .
    Schön sportlich diese Sportskanonen.Der Bundespräsident gibt dann noch sein bene stare dazu als ob er ein Beichtvater wäre.
    Das ist nicht mehr Politik, sondern schwachsinnige Geldgier.
    Harro

  2. Ruedi sagt:

    Qatar, nicht Katar…

    • Claudio sagt:

      Laut Duden heißt das Land: Katar.
      Die Deutsche Presseagentur nennt es ebenfalls eingedeutscht Katar, während etwa die englischsprachige Agentur Bloomberg „Qatar“ schreibt.

  3. Michael sagt:

    Ab einer gewissen Grösse und Position kann man offensichtlich machen was man will. Und das solche Leute nicht ihres amtes enthoben werden zeigt deutlich, das es eine Ebene tiefer wohl auch nicht besser gestellt ist.

  4. freddy huber sagt:

    Die SVP hat immer den Mächtigen und Reichen gehuldigt und schliesslich wollen wir unsere Milch loswerden die wir Steuerzahler teuer subventionieren, daraus wird dann Milchpulver und geht zum Schleuderpreis zu den Saudis…..

  5. Claudio sagt:

    Zusammengefasst: Sowohl Bundespräsident Maurer als auch FIFA Präsident Infantino sind eine einzige Schande für die Schweiz!

  6. Roland Benz sagt:

    Aber wir können als kleines friedliebendes Volk doch nicht jedem unsere Regeln aufzwingen. Wir haben schon genug Arbeit damit unseren eigenen Laden und den unserer Nachbarländer in Ordnung zu halten. Was nützen uns Schweizer Regierungsmitglieder, welche es provozieren, dass solche Mordaufträge irgendwann auch bei uns ausgeführt werden? Herr Maurer ist in diesem Fall ein Realist auch wenn er als Opportunist dargestellt wird. Wir denken uns unseren Teil und wenn die Menschen in Saudi Arabien das so akzeptieren, dann ist es eben so. Was Herr Infantino betrifft: Hr. Blatter wurde weggemobbt, weil er diese Dinge nicht verhindern konnte, nun haben sie eben einen neuen Chef.

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