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Nations League mit Delikatesse

Guido Tognoni am Montag den 15. Oktober 2018

Der deutsche Fussball ist seit der WM in Russland in Aufruhr: Nationalcoach Joachim Löw vor der 0:3-Niederlage im Nations-League-Spiel gegen die Niederlande. Foto: Peter Dejong (Keystone)

Wie das so richtig funktioniert mit der Uefa Nations League, müssen eigentlich nur die Beteiligten verstehen, darunter Nationalcoach Vladimir Petkovic. Irgendwann sind irgendwelche Nationalteams für irgendetwas qualifiziert. Aber das genügt bereits, um mehr Freude an jenen Fussball-Länderspielen zu haben, die bisher entweder unbedeutend waren oder deren Wichtigkeit hochgeschrieben werden musste. Wenn etwa die Schweiz gegen Andorra antritt und der Coach pflichtschuldigst Spielern und Journalisten in Erinnerung rufen muss, man dürfe keine Mannschaft unterschätzen, hat das schon fast groteske Züge.

Mit der Einführung dieser Nations League erleben wir wieder einmal die grundsätzliche Faszination eines sportlichen Wettbewerbs mit Spielkalender, Ranglisten, Tordifferenz und was immer dazu gehört. Es mag Stimmen geben, welche die Nations League als überflüssig bezeichnen, aber jeder noch so unbedeutende Wettbewerb ist besser als Freundschaftsspiele, bei denen in beiden Mannschaften insgesamt 34 Spieler eingesetzt werden können, deren Einfluss höchstens der Coach halbwegs einschätzen kann. Die Einteilung in Stärkeklassen freut uns vor allem, so lange die Schweiz bei den Besten der Division A mitspielen kann. Es ist zudem sportlich weitaus sinnvoller, dass sich Liechtenstein mit Gibraltar misst anstatt Teams wie Spanien die Gelegenheit zu einem bezahlten Training zu bieten.

Löws mögliches Endspiel

Und noch etwas: Ohne die Nations League hätten wir Schweizer nicht die Möglichkeit, genüsslich zu verfolgen, wie es in der deutschen Mannschaft knirscht. Eine DFB-Auswahl, die nicht nur gegen das Ausscheiden kämpft, sondern gleich gegen den Abstieg in Europas zweite Stärkeklasse, gibt es nicht alle Tage und ist für uns Schweizer eine besonders pikante Delikatesse. Der deutsche Fussball ist seit dem Ausscheiden in den Gruppenspielen der WM-Endrunde in Russland in Aufruhr, und Nationalcoach Joachim Löw wird mittlerweile noch mehr infrage gestellt als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Partie vom Dienstag gegen Frankreich könnte für ihn, den lange Jahre unantastbaren, bereits das Endspiel sein. Siegt die Schweiz in Island, ist zumindest für uns der Abstieg kein Thema mehr.

Wir oben, Deutschland unten – die Schweiz würde das System der Uefa Nations League mit einem Schlag erkennen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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14 Kommentare zu “Nations League mit Delikatesse”

  1. Richard Löwenherz sagt:

    Wie oft war die Schweiz Welt- oder Europameister?
    Häme und Neid sind immerhin die ehrlichste Form der Anerkennung.
    Und für Euch Schweizer reicht es bei Deutschland immer noch ;-)))

  2. Peter Müller sagt:

    Ein Abstieg in die Liga B hat nur Vorteile:
    schwächere Gegner und der Sieger qualifiziert sich trotzdem für die nächste EM!
    Soviel zu diesem schwachsinnigen UEFA Nations League Modus!

  3. Michael sagt:

    Als ob die Häme der Schweizer einen 4-fachen Weltmeister auch nur im mindesten kümmert. Klar, das man in der Schweiz diesen neuen Wettbewerb toll findet, weil dann grosse Mannschaften gegen die Schweiz spielen müssen – was sie sonst wohl eher abgewinkt hätten. Und scheinbar liegt es den Schweizern auch im Blut alles toll zu finden, was mit Geldverdienen zusammen hängt, auch wenn es noch so hirnrissig ist.
    Dieser neue Wettbewerb dient vermehrt der FIFA, um ihre Kassen weiter zu füllen, und geht zu Lasten der Spieler. Deswegen steigt Jogi hier auch aus. Und, was hätte man in der Schweiz wohl gesagt, wenn die Deutschen hier alles abgeräumt hätten ? Wäre auch nicht richtig gewesen.

    • Alberto sagt:

      Hier gehts aber um die UEFA. Den Präsidenten kennt fast keiner, er heisst nicht Blatter und auch nicht Infantino, dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Slowenen. Ja, immer diese Kleinstaaten, das ist natürlich ein Problem für die Grossen.

      • Michael sagt:

        Nun, laut den Statuten ist der UEFA-Präsident zugleich automatisch der Vizepräsident der FIFA. So einen grossen Unterschied in den finanziellen und sportlichen Interessen sehe ich da nicht wirklich.

        • Alberto sagt:

          Schon wieder falsch, lieber Michael. Es gibt nicht DEN FIFA-Vize. Es sind 8 FIFA-Vizepräsidenten, einer davon ist von der UEFA. Die andern 7 kommen von den übrigen Verbänden (Afrika, CONCACAF etc.).

  4. Sauvain Gaston sagt:

    Frau Merkel hat einen Partner erhalten, unfähig, stur und überheblich!! …weiter so!

  5. Danny sagt:

    Ich glaube ein neuer Trainer täte der DFB Auswahl gut. Ich wäre offen gesagt nach der WM zurück getreten weil es von da praktisch ja nur noch bergab gehen kann. Aber es ist schon verrückt wenn man sieht was dieses Land, das einen immensen Pool an sehr gutem Spielermaterial zur verfügung hat daraus gemacht hat. Im übrigen hat gerade Holland, die Mannschaft die wieder ganz unten anfangen musste weil man Jahrelang keine Jungen weiter entwickelt hat. Italien kann auch ein Lied davon singen.

  6. Ivan de Grisogono sagt:

    War Löw je ein ausgesuchter, gestandener Trainer oder ist er nur durch Umstände in diese Position gerutscht? Konsequenzen zu tragen und schnell zu reagieren scheint nicht so eine Deutsche Sache zu sein. Lieber unter „verdienter“ Führung untergehen als Probleme beim Namen nennen und kämpfen!

  7. Hans Klein sagt:

    Dieser Ihre suffisante aber gut begründete Bericht über diese irre Liga tat so richtig gut. Danke.

    • Bruno Froehlich sagt:

      Stimmt. Man weiss zwar nicht, was am Ende welcher Titel vergeben wird, doch Wettbewserb ist Wettbewerb und da will sich kein trainer, keine Nation blamieren. Ganz anders bei “Freundschaftsspielen”, da vergisst man sofort Niederlagen und feiert riesig die geglueckte Ueberraschung gegen einen hochdotierten Gegner gesiegt zu haben, verschweigt schamhaft, falls dieser mit der B oder C Mannschaft antrat. Diese Ueberschaetzung haben die Schweizer verinnerlicht und dann gibt es Leute die sich ueber Niederlagen wundern wenn Siege erforderlich waren um bedeutender zu sein als die Konkurrenz im Kampf um die Wurst 😉

  8. Jörg René sagt:

    Ich finde auch dem Bundestrainer Jugi Löw seine Zeit ist gekommen, dass er den Hut nimmt. Mann kann nicht immer alles
    unter den Tisch wischen. Es hat sicher genügend jüngere sehr gute Spieler die genau so gut sind, Oder vielleicht sogar
    noch besser. Löw müsste den jüngeren einfach mehr zutrauen!!! die alten Hasen ausrwechseln und dann wird das ganz
    sicher besser laufen. Ich wünsche Löw eine gute Zukunft, aber er soll einmal sein Ruder einem jüngeren überlassen.

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