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Vom dem Schiedsrichter sind nicht alle gleich

Guido Tognoni am Donnerstag den 22. Februar 2018
Nachspielzeit

Jeder weiss, wie schnell Arjen Robben zu Boden geht: Der Bayern-Spieler wird am 17. Februar von Wolfsburg-Verteidiger Gian-Luca Itter am Ärmel gezupft. Foto: Swen Pförtner (Keystone)

«Too big to fail» – zu gross zum Scheitern. Dieser Begriff wurde in der Öffentlichkeit vor allem in der Zeit der Finanzkrise mit den wankenden Banken bekannt und sollte erklären, dass Grossbanken auch trotz des Versagens der hoch bezahlten Manager für das Wirtschaftssystem derart wichtig sind, dass man sie nicht in den Konkurs schlittern lassen darf. Hierzulande erinnern wir uns an die UBS, die mit einem kühnen staatlichen Eingriff gerettet worden ist.

Wer sich regelmässig Fussballspiele anschaut, kommt immer wieder nicht um den Eindruck herum, dass es das «Too big to fail» auch im Sport gibt. Zwei Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Im Champions-League-Spiel FC Basel – Manchester City wird der Basler Dimitri Oberlin mit dem Ball am Fuss vom Argentinier Nicolàs Otamendi im Strafraum der Engländer rüde gerammt. Im Mittelfeld wäre dieser Bodycheck zweifellos gepfiffen worden, und die Spekulation ist erlaubt, dass das gleiche Foul eines Baslers mit einem Elfmeter bestraft worden wäre. Aber der Pfiff gegen Manchester blieb aus. Statt Elfmeter für Basel, der das Spiel vielleicht in eine andere Richtung gelenkt hätte, folgt der Torreigen der Weltauswahl aus Manchester.

Oder am Wochenende bei Wolfsburg – Bayern München: In der letzten Spielminute dringt der renommierte Bayern-Spieler Arjen Robben in den Strafraum der Wolfsburger ein und wird dort vom unbekannten Verteidiger Gian-Luca Itter am Arm gezupft. Im Mittelfeld hätte Robben diese Berührung kaum gespürt und wäre mit dem Ball am Fuss weitergelaufen. Im Strafraum hingegen bricht der Holländer gleich zusammen, und der Schiedsrichter fällt darauf rein. Nicht zum ersten Mal hat auch der renommierte Franck Ribéry einem Gegner einen Schlag ins Gesicht versetzt, diesmal traf es den wenig bekannten Renato Steffen. Und nicht zum ersten Mal kam Ribéry vom renommierten FC Bayern mit einer Gelben Karte davon.

Der Videobeweis hat nichts geändert

Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich Strafraumszenen von den Schiedsrichtern nach wie vor bewertet werden. Das Hilfsmittel Video hat da nicht viel verändert. Und es ist ebenso erstaunlich, wie unterschiedlich die Schiedsrichter einzelne Spieler behandeln. Jeder weiss, wie leicht Arjen Robben in den Strafräumen zu Boden geht, und jeder kennt mittlerweile die unbeherrschten Reaktionen Franck Ribérys. Da wird ein Bodycheck durchgelassen und ein Schlag ins Gesicht ebenso, dort ein Zupfer mit Elfmeter bestraft. Aber Basel ist eben nicht Manchester City, und Wolfsburg ist auch nicht Bayern.

«Too big to fail» gibt es – leider – auch im Fussball. Man könnte darüber Bücher schreiben.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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3 Kommentare zu “Vom dem Schiedsrichter sind nicht alle gleich”

  1. Peter Jäggi sagt:

    Tognoni hat völlig recht.
    Robben ist ein begnadeter Schwalbenkönig und steht wie Ribéry bei den Schiris unter Denkmalschutz wie seinerzeit Marco Streller beim FCB…
    Beide Clubs werden seit Jahren von den Schiedsrichtern bevorteilt, aber zum Glück hat sich dies in der Schweiz geändert, denn niemand, ausser eingebildeter, überheblicher, arroganter Basler Fans wünscht sich jede Saison einen Titel für den erfreulicherweise endlich wieder kriselnden FC Basel!

  2. Thomas sagt:

    Und z.B. St.Gallen ist nicht Basel. Dasselbe Spiel könnte man auch in der Super League führen.

    • Hans S. sagt:

      Ach ja, jetzt wissen wir alle warum der FCB 8 mal in Folge Meister geworden ist und auch in der CL immer wieder tolle Resultate erzielt hat!
      Oder vielleicht doch weil sie ein Bisschen besser sind als die Anderen?

      So wie Man City eben besser ist, die hätten auch gewonnen wenn es für den FCB einen Penalty gegeben hätte ( was meiner Meinung nach durchaus berechtigt gewesen wäre ).

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