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Frauenfussball zieht nicht. Findet euch damit ab!

Guido Tognoni am Samstag den 22. Juli 2017
Nachspielzeit

Nur verhältnismässig wenige Fans wollten das Spiel Schweiz – Österreich an der Europameisterschaft der Frauen am 18. Juli sehen. Ist das ungerecht? Foto: Hans Punz (Keystone)

Im Schweizer Radio wurde dieser Tage darüber geklagt, dass der Frauenfussball gegenüber dem Männerfussball diskriminiert werde. Das beginne damit, dass man bei den Frauen nicht schlicht von Fussball, sondern von Frauenfussball rede, sagte die Interviewpartnerin aus Deutschland auf unserem Landessender. Es muss sich um eine Soziologin gehandelt haben, denn darüber zu jammern, dass man Frauenfussball als Frauenfussball bezeichnet (und nicht etwa als Pferdefussball), können nur Leute, die sich in unserer Luxusgesellschaft professionell mit der Suche nach eingebildeten oder echten Benachteiligungen befassen. Soziologen (und Soziologinnen, um politisch korrekt zu bleiben) machen das. Immerhin hat die Dame noch nicht gefordert, dass die Fussballerinnen gleich viel verdienen müssten wie die männlichen Kollegen.

Der Frauenfussball hat tatsächlich ein Problem. Das besteht darin, dass sich im Vergleich zum Männerfussball viel weniger – sehr viel weniger, klar gesagt – Leute dafür interessieren. Die Fussballfans füllen die Stadien nicht für den Fussball der Frauen, sondern für den Fussball der Männer, und zwar freiwillig. Im Fussball kaufen die Fans Leibchen von Cristiano Ronaldo und nicht von der Brasilianerin Marta Viera da Silva. Auch im Fernsehen ziehen die Fussballfans den Männerfussball vor.

Müssige Geschlechterdiskussion

Schlimm! Grausam! Zwar spielen die Frauen nach den gleichen Regeln, mit dem gleich grossen Ball und den gleich grossen Toren wie die Männer (was man sieht, wenn ein Ball, den jeder Junioren-Torhüter gehalten hätte, über den Händen der Torhüterin ins Netz segelt), aber diese offenbar soziologisch irregeleiteten und von der Geschlechterdiskussion längst gesättigten Fans wollen einfach lieber die Männer sehen.

Politisch korrekt und aus soziologischer Sicht betrachtet ist das eine Katastrophe, vernunftmässig betrachtet aber völlig normal. Auch im Tennis beispielsweise bewegt Roger Federer – nicht nur in der Schweiz – mehr Zuschauer (und, politisch korrekt, Zuschauerinnen) als Serena Williams. Im Boxen zieht Vladimir Klitschko gegen jeden Sandsack mehr Zuschauer an als Regina Halmich gegen Stefan Raab. Ist das für das Wohl der Menschheit ein Problem? Müssen sich politisch korrekte Fans dazu verpflichten, Männer- und Frauensport gleich interessant zu finden? Und was ist mit den benachteiligten Männern, wenn im Eiskunstlauf wie üblich die Pirouetten-Prinzessinnen den männlichen Kraftläufern die Show stehlen?

Man darf nicht laut sagen, dass die Geschlechterdiskussion einem längst zum Halse raushängt, und man sollte, politisch korrekt, so etwas auch nicht schreiben. Aber wenn dieses Thema zumindest an einem Ort völlig überflüssig ist, dann beim Fussball. Denn die Fans, ob männlich oder weiblich, werden auf immer politisch unkorrekt bleiben und als Zuschauer den Männerfussball bevorzugen. Der Frauenfussball wird das genauso überleben wie die vielen Sportarten, die noch weit weniger Zuspruch erfahren als die kickenden Frauen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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22 Kommentare zu “Frauenfussball zieht nicht. Findet euch damit ab!”

  1. Sina sagt:

    Dieser unnötige und herabwürdigende Kommentar macht mich richtig wütend. Natürlich hat er in einer Hinsicht recht: Frauenfussball zieht tatsächlich (noch) nicht gleich wie Männerfussball. Hat sich der Autor aber auch nur einen Moment überlegt, dass dies vielleicht auch an den Umständen liegen könnte? Während Männerfussball seit Jahrzehnten höchstes Ansehen hat und unglaublich gefördert wurde, ist Frauenfussball noch ein sehr junger Sport. Erst seit den 90er Jahren gibt es in grösserem Ausmass Mädchen- und Frauenteams und Frauen können erst seit kurzem überhaupt Profifussballerinnen sein. Das Sponsoring ist immer noch deutlich kleiner als bei den Männern.

  2. Mario sagt:

    Frauenfussball ist schlicht unatraktiv. Vor allem ist der Körperbau von Frauen ist anders als beim Männer und in der schnelligkeit lönnen sie mit Männer nich mithalten. Irgendwo geht da die Weiblichkeit verloren. Da schaue ich mir lieber Volleyball, Synchronschwimmen, oder Beachvolley.

  3. Tanja Kraus sagt:

    Das Interview im “Echo der Zeit” vom Donnerstang (im Internet) war furchtbar; die Antworten entstammen alle einer altfeministischen Perspektive (sinngemäss: attraktive Frauen sind ein Problem). Ihr Text, Herr Tognoni, ist es allerdings aus der entgegengesetzten Richtung auch “wir sind halt Männer, also ist politisch inkorrektes Verhalten OK (lies: Rassismus, Sexisimus, Homophobie, usw.)”.

  4. reto leuppi sagt:

    Ein Dinosaurier. Er kommt aus einer Zeit, in der Flexibilität und Dynamik noch Fremdwörter waren. Das einzige was klar ist, ist das nichts für immer ist. Da der Männerfussball wegen dem vielen Geld immer perverser wird, hat Frauenfussball grosse Chancen immer mehr in den Fokus zu bekommen. Die Spielerinnen werden auch immer besser, es ist eine ziemlich rasante Entwicklung zu beobachten. Und es gibt unzählige Fussballfans, die keine Dinosaurier Mentalität haben. Zum Glück.

  5. Arthur Maag sagt:

    Frauenfussball zieht nicht! Warum? Weil es niveaumässig etwa 2.- 3.-Liga Männerfussball entspricht. Und solches kommt auch nicht live am Fernsehen.

  6. Max Blatter sagt:

    Auf die Gefahr hin, dass das Wort als Beleidigung eingestuft und mein Kommentar gelöscht wird – ich kann auf diesen Blog nur antworten: Frauenhasser!

  7. sepp z. sagt:

    Danke für diesen überfälligen und notwendigen Kommentar.

  8. Hans S. sagt:

    Ich habe dieses Interview gehört, grauenhaft! Was diese gute Dame über den Männerfussball gewettert ist eine Unverschämtheit!
    Frauenfussball ist ok, sollen die das schauen die das gerne sehen. Es wird aber in den Medien so unglaublich hochgespielt und auf den Rängen feiert sich das Publikum mehr selbst, als dass was das Spiel hergibt.
    Eine riesengrosse Selbstdartstellung von etwas das einfach nicht so ist wie es eben dargstellt wird.

  9. christine weiss sagt:

    “Frauenfussball zieht nicht” – mag ja für die Schweiz stimmen, so lange die Schweizer Fussballfrauen an grossen Turnieren (noch) nicht erfolgreich sind. In Deutschland dagegen hat am 21. Juli 2017 (also gestern) die Frauen-Fussball-WM mit dem Spiel Deutschland – Italien die besten Einschaltquoten des ganzen ARD-Abends gebracht: 23.2% Marktanteil – an zweiter Stelle standen die Tagestjemen (18,9%). Sooo absolut stimmt die Aussage vom Frauenfussball, der “nicht zieht” also wohl nicht. Aber auch bei einer Männer Fussball-WM: Wie hoch sind die Einschaltquoten wenn weder die “eigene” Nationalmannschaft, noch ein Titel-Favorit auf dem Platz steht? Na?

  10. Franklin Myr sagt:

    Langsam wird’s psychotisch. Neulich bei einer Tennisübertragung (R.Federer, Wimbledon) hat mich SRF zu Beginn des 3.Satzes genötigt, Slow Motion – Tennis von T. Bacsinsky zu ertragen. Mitten im Spiel von R. Federer wurde einfach auf einen anderen Court umgeschaltet. Vor allem bei Ball(Puck)-Sportarten fehlt das Tempo. Auch hat sich in Wimbledon noch niemand gestört, das der Stundenlohn der Damen wesentlich höher ist, als der der Männer. G. Muguruza hat für 77 Minuten dasselbe erhalten, wie F. Federer für 101 Minuten. Nämlich den Pokal in Wimbledon. Wenn man die “Arbeitszeit” für das ganze Turnier betrachtet, wird es noch brutaler.

  11. Willi Felder sagt:

    Da können “Frauenfussballversteher” schreien wie sie wollen. Mit Spielen wie z.B. das EM Spiel der Schweizerinnen gegen Österreich wird der Frauenfussball definitiv ein Randsportart bleiben. Das gesehene Grottengekicke mit Fehlpässen und technischen Mängeln a gogo ist vielleicht 5 Liga Niveau (vielleicht) ………….mal ehrlich, gehen sie freiwillig an einen 5. Liga Match?? Wohl höchsten wenn dort ein Verwandter oder Bekannter mitspielt.

  12. Daniela sagt:

    Ich sehe das ganze ein bisschen als Huhn-Ei-Problem. Viele der aufgezählten “Probleme” entstehen unter anderem auch gerade dadurch, dass Frauenfussball nicht auf der gleichen Ebene steht wie der Männerfussball.

    Klar schaut man sich der Männerfussball im Fernsehen an – der Frauenfussball wird erst gar nicht übertragen. Und klar, kauft man sich als Mädchen halt ein Ronaldo-Shirt und kein Marta-Shirt – oder schon mal ein Shirt von Marta im Verkauf gesehen? Klar, ist der Frauenfussball weniger bekannt, aber wie soll er bekannter werden, wenn man ihm keine Chance gibt? Schlechte Spiele gibt es überall, weshalb soll man das gleich für das gesamte Frauenfussball generalisieren?

    • John sagt:

      Das Huhn (= der Sport) ist ja da, aber die Akteurinnen bieten dem Zuschauer einfach zu wenig attraktiven Sport, um Massen anzuziehen. Der Niveauunterschied zwischen den Geschlechterkategorien, zumindest aus technischer Sicht, ist im Fussball interessanterweise deutlich ausgeprägter als dies in anderen Sportarten der Fall ist, z.B. im Tennis, Volleyball, in der Leichtathletik, beim Schwimmen, Fechten, usw.

  13. Charly sagt:

    Sportarten wie Fussball, Hockey, Rugby, Boxen sind die letzten Bastionen der Männer, die nicht von den Frauen gestürmt werden können. Deswegen auch die freudige Häme des Autors, der sichtlich Spass daran findet die Frauen wenigstens auf diesem Gebiet noch in die Schranken weisen zu dürfen.
    Ansonsten – oh Graus – sind sie fast überall! Als Lastwagenfahrerin, als Bauherrin, als Ärztin, als Anwältin, als Managerin.
    Viele Männer (vor allem 50+) befinden sich in einer handfesten Identitätskrise, da sie Angst haben nicht mehr mithalten zu können und andererseits noch ganz andere Rollenbilder im Kopf haben. Da tut es einfach wohl wenn wenigstens im Fussball noch die alten Regeln gelten.

  14. Kurt Weisskopf sagt:

    FRAUEN Boxen, spielen Eishockey, Fechten, Volleyball, Basketball, Handball, Tischtennis, Gewichtheben, Leichtathletik alle Disziplinen, viele asiatische Sportarten,Schwimmen, Ringen, SCHWINGEN, Radrennen. Bobfahren, Reiten Schlitteln, Sackgumpen Fechten. Und viele andere Sportarten. Der bekannte FC Basel mehrfacher Schweizermeister. versucht den Frauenfussball pobulärer zu machen. WARUM NICHT??? Ich wünsche ihm dabei viel Erfolg
    glaube keine Frauen beim Hornussen???

  15. Soziologe sagt:

    Dir hängt die Geschlechterdebatte zum Hals heraus, weil du davon offensichtlich nichts verstanden hast. Es ist durchaus ein Problem, dass man den Männerfussball als normal darstellt und den Frauenfussball als das Spezielle. Dieses Phänomen gibt es zu Hauf in unserer Gesellschaft, nicht nur im Sport.Im Ski-Alpin klappt es jedoch mit der korrekten und fairen Bezeichnung, warum nicht im Fussball?

    Btw. schaue ich die EM nicht. Nicht weil es Frauen sind, sondern weil ich mich nicht für Fussball auf tiefem Niveau interessiere. Einschaltquoten waren übrigens 200’000 bei den Frauen, das erste EM-Spiel bei den Männern 2016 schauten 1,6 Millionen. Das hätte man noch erwähnen können…

    • Florian Senn sagt:

      Sorry, nein, es ist kein Problem wenn man den bedeutend grösseren Teil als den Normalen betrachtet, es vereinfacht den Sprachgebrauch – in anderen Sportarten ist es das gleiche Verhältnis aber die Damen in der Mehrheit (Bsp Synchronschwimmen), da werden die Herren explizit erwähnt. Erst wo sich die Verteilung ähnlich verhält, wird die allgemeine Namensgebung undifferenziert. Somit: bei eindeutiger Mehrheit (was im Fussball und Boxen gegeben ist), wird die dominierende Mehrheit als das Normale betrachtet und dies gibt sich im Sprachgebrauch wieder.

  16. Leo Schmidli sagt:

    Das Problem ist, dass eine Randsportart als grosses Event dargestellt wird. Man erstellt ein Angebot, obwohl die Nachfrage gar nicht vorhanden sind. Und das wird dann ignoriert oder beschönigt.
    In Deutschland kam man vor einigen Jahren auf die Idee, die Cupfinals jeweils nacheinander im Olympiastadion anzusetzen. Als Ergebnis wurde das tatsächliche Interesse sichtbar gemacht: Leere Ränge bei den Damen. Als Konsequenz wurde nicht etwa die mediale Aufmerksamkeit angepasst, sondern der Damenfinal kurzerhand nach Köln verlegt.
    Mich würden noch Vergleiche der effektiven Einschaltquoten interessieren.

  17. andy sagt:

    Bin nicht oft der gleichen Meinung wie der Schreiber aber hier sagt er es so wie es eben ist. Auch wenn’s politisch wohl nicht
    ganz korrekt ist…

  18. Roland K. Moser sagt:

    Hat der Experte mit Spielerinnen und Verantwortlichen des Frauenfussball geredet?
    Wird der Cup-Final der Frauen auch am Fernsehen übertragen?
    Kommt der Frauenfussball wöchentlich im Sport-Panorama?
    usw. usw.

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