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Sitzordnung ist Hackordnung

Guido Tognoni am Donnerstag den 23. März 2017

Wer steht wo? Auf diesem Gruppenfoto aus dem Jahr 2008 entdeckt man zum Beispiel Sepp Blatter (vorne, Dritter von rechts). Foto: Alessandro della Valle (Keystone).

Das einzige sichtbare und bleibende Ergebnis der vielbeschriebenen Konferenzen der G-8- oder G-20-Staaten ist jeweils das Standbild aller Teilnehmer. Wer da nicht drauf ist, ist nichts und niemand. Umgekehrt: Auf dem gemeinsamen Bild mitlächeln reicht aus, um der Welt die eigene Bedeutung zu vermitteln. Was der gelangweilte Leser und Zuschauer nicht bemerkt: Wer wo und neben wem steht, ist für die Teilnehmer nicht nur sehr, sondern extrem wichtig. Die Position auf dem Bild wird sogar dann von grösster Bedeutung sein, wenn sich die Politiker dereinst um Donald Trump scharen werden.

Veritabler Kulturschock

Stehordnung beziehungsweise Sitzordnung ist Hackordnung. Das sieht man bei den Politikern, bei den Sitzungen von Verwaltungsräten, das sieht man auch auf den Tribünen von Fussballspielen, auf denen sich im Verlaufe der jüngsten Vergangenheit immer mehr Leute – Offizielle, Wirtschaftskapitäne, Politiker und einige andere Unvermeidliche – die Schultern reiben. Wer etwa einmal bei einem grossen Verband gearbeitet hat, der weiss, dass die falsche Sitzordnung auf der Ehrentribüne eines Endspiels gleich das ganze Turnier versauen kann. Zum Glück merkt der Fan nichts davon.

Deshalb verdient eine vermeintlich nebensächliche Bemerkung des neuen Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin grosse Beachtung. Der 49-jährige Jurist Ceferin, vor einem Jahr noch ein unbekannter Fusballfunktionär im tiefen Slowenien, inzwischen als Folge der internationalen Turbulenzen auf höchster Ebene als Nachfolger von Michel Platini Präsident des wichtigsten Kontinentalverbandes und in dieser Funktion vielleicht der mächtigste Mann im Weltfussball, hat in einem Interview mit der «New York Times» Grosses angekündigt: In Zukunft werden bei den Versammlungen der Uefa die Mitglieder des Exekutivkomitees im gleichen – also nicht mehr im besseren – Hotel schlafen und nicht mehr separat dinieren. Ab sofort wird bei den gemeinsam zelebrierten Nahrungsaufnahmen, sozial überaus wichtige Elemente eines Fussballkongresses, auch freie Sitzordnung herrschen. Das ist für einige altgestandene Funktionäre ein veritabler Kulturschock.

Der Protestkandidat

Damit handelt Ceferin so, wie er aussieht. Jugendlich, drahtig und schlank, das Haar etwa gleich lang wie der offenbar modisch erforderliche Fünftagebart, zudem Karatekämpfer wie Wladimir Putin. Er vermittelt alles andere als das Bild des verfettenden Sportfunktionärs. Ceferin wurde im vergangenen September als Protestkandidat überraschend klar gewählt und scheint dieses Protestpotenzial seiner Wähler richtig einzustufen. Es mag seltsam klingen, aber allein schon die freie Sitzordnung bei den lukullischen Fünfstern-Dinners müsste tatsächlich den Beginn einer neuen Uefa bedeuten. Warten wir gespannt auf weitere Überraschungen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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Ein Kommentar zu “Sitzordnung ist Hackordnung”

  1. Heinz Oberholzer sagt:

    Ist ja klar dass da nicht viel gutes berichtet wird von G.Tognoni.Er wurde ja von der FIFA Freigestellt und konnte sich nie mehr erholen von dieser Schmach. Er kritisierte nachher alles was in der FIFA verordnet wurde. Verfeindet mit Blatter war er am schluss.

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