Liebe Leserinnen und Leser,
an dieser Stelle erscheinen keine weiteren Beiträge. Auf alle bereits erschienenen Artikel können Sie nach wie vor zugreifen.
Herzliche Grüsse, die Redaktion
Logo

Das Problem des Fussballs mit dem Kopf

Guido Tognoni am Donnerstag den 9. März 2017

Schon ein übliches Kopfballtraining kann Gehirnfunktionen beeinträchtigen: Kopfballduell in der mexikanischen Liga. Fotos: Keystone

Fussballer haben ein Problem mit dem Kopf. Es geht dabei nicht darum, wie viel Intelligenz es braucht, um als Spieler zu erkennen, dass es beispielsweise für das Ausziehen des Leibchens beim Jubel nach einem Torerfolg zwangsläufig eine Verwarnung gibt. Das Problem sitzt tiefer: Kopfbälle können das Hirn schädigen. Oder noch schlimmer: Kopfbälle schädigen das Gehirn.

Bereits in den Achtzigerjahren warnten Ärzte in den USA die Fifa vor Hirnschäden, die von Kopfbällen verursacht worden sind. Nur nahm in Europa niemand von solchen Warnungen Notiz, zumal diese aus einer Weltgegend stammten, die nicht gerade zu den Pionieren des Fussballs gezählt werden kann. Das Stichwort Fussballerdemenz wurde schlicht ausgeblendet.

Kopfschlagbilanzen geben immer mehr Medizinern zu denken

Mittlerweile wird das Thema etwas ernster genommen, wobei das Schweizer Eishockey dem Fussball weit vorangeht und in jüngster Zeit Kopfverletzungen grosses Gewicht beimisst. So müssen Spieler allein schon bei begründetem Verdacht auf Hirnerschütterungen pausieren. Aber auch im Fussball werden die Bedenken lauter. Eine Untersuchung der Universität Stirling in Schottland ergab, dass allein schon ein übliches Kopfballtraining kleine, aber bedeutsame Beeinträchtigungen der Gehirnfunktionen, namentlich des Gedächtnisses, hervorrufen kann.

Das Stichwort Fussballerdemenz wurde schlicht ausgeblendet: Begegnung in der 2. Bundesliga.

Es ist in der Tat nicht einzusehen, dass beispielsweise Abstösse von Torhütern, die von gegnerischen Verteidigern mit dem Kopf zurückgeschlagen werden, sonderlich gesund sein sollen. Ein Fussballprofi spielt während einer Karriere Tausende von Kopfbällen, einige ganz sanft, andere hart, nicht wenige sehr hart, von Zusammenstössen mit gegnerischen Köpfen nicht zu reden. Solche Kopfschlagbilanzen, die nur mit jener von Boxern vergleichbar sind, geben immer mehr Medizinern zu denken.

Schottland diskutiert eine pragmatische Lösung

Gleichwohl ist Fussball ohne Kopfbälle nicht vorstellbar. Der Verzicht auf Kopfbälle, der vielleicht im Jugendfussball durchsetzbar wäre, würde dem Erwachsenenfussball fast den ganzen Reiz nehmen. Kopfbälle gehören zu diesem Sport. Eine pragmatische Lösung wurde dieser Tage in Schottland diskutiert, nachdem die langjährige Demenz des früheren Celtic-Captains Billy McNeill publik gemacht worden war: Profispieler sollen sich vertraglich dazu verpflichten, im Falle von Hirnschädigungen keinen Anspruch auf Entschädigung geltend zu machen. Damit wäre bei Fussballerdemenz, welche Ursache sie auch immer hätte, wenigstens das Haftungsproblem geregelt.

Ein anderer Ausweg aus dem Dilemma zwischen Sport und mentaler Gesundheit – die körperliche Unversehrtheit ist bei den meisten Sportarten ohnehin kein Thema – ist leider für den Weltsport Nummer 1 nicht in Sicht.

Die Kopfschlagbilanzen sind mit jenen von Boxern vergleichbar: Luftkampf in der Super League 2009.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

Weitere Artikel

« Zur Übersicht

Ein Kommentar zu “Das Problem des Fussballs mit dem Kopf”

  1. Rudolf Baumann sagt:

    Na ja. Der Sport hat einen klaren Namen. Was der Kopf dann im Spiel zu schaffen hat, seh ich nicht. Und den Einwurf könnte man auch gleich noch abschaffen, und in ausführen wie im Futsal. Wo ist das Problem?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.