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Geldgeil ohne Ende

Christian Andiel am Donnerstag den 22. September 2016
Barcelona's Lionel Messi, right, scores his second goal past Bayern's goalkeeper Manuel Neuer during the Champions League semifinal first leg soccer match between Barcelona and Bayern Munich at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Wednesday, May 6, 2015. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Neuer gegen Messi – das lockt Fans, Sponsoren und das Geld. Aber immer nur Neuer gegen Messi… Foto: Keystone

«Der Teufel scheisst auf den grössten Haufen.» Gewohnt prägnant brachten es die Autoren des Dortmunder Fanzines «Schwatzgelb» wieder mal auf den Punkt. Dabei gings nun für einmal sogar nicht um das im Ruhrpott besonders ungeliebte Bayern München, zumindest nicht explizit. Es ging um nichts weniger als «ein Gespenst, das im europäischen Fussball umgeht», wie die Kollegen von «11 Freunde» schreiben. Es geht um eine europäische Superliga, die schon seit längerer Zeit droht, die der Champions League das Wasser abgraben soll und den reichsten Clubs ihren Status auf immer und ewig zusichern soll.

Bei der Uefa macht man sich grosse Sorgen, für den neuen Präsidenten Aleksander Ceferin wäre eine Superliga ein «Krieg gegen die Uefa» – und meint damit ihre wichtigste Einnahmequelle Champions League. Die grossen spanischen, italienischen und deutschen Clubs hingegen sehen ihre Chancen schwinden gegenüber den zunehmend zahlungskräftigeren Clubs in England. In der Bundesliga kommt erschwerend die «50+1»-Regel hinzu, kein Besitzer darf mehr als 50 Prozent der Anteile eines Vereins besitzen. Das ist zwar inoffiziell längst hinfällig (siehe Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig, Hamburg), dennoch hält es hochpotente Investoren aus Asien, Saudiarabien und Russland bislang ab.

Die perfekte Drohkulisse

Eine Superliga also soll es richten. Real und Bayern, Barcelona und Chelsea, Juventus und Manchester City fortan nur noch unter sich. Das soll für Spektakel sorgen, für TV- und Werbeeinnahmen. Funktioniert das auf Dauer? Bleibt es wirklich ein Spektakel ohne die heimische Liga, ohne die frechen «Kleinen», ohne zumindest mögliche Sensationen?

Vermutlich nicht. Und das wissen die Abramowitschs und Rummenigges, und sie werden dieses Risiko nicht ohne Not eingehen. Denn eines sind sie alle: geldgeil ohne Ende. Und sie wissen mit Macht umzugehen. Die Diskussionen um die Superliga sind deshalb in erster Linie als Drohung zu verstehen. Gegenüber der Champions League. Es wirkt. Gerade eben wurde der Modus wieder den Wünschen der Reichen angepasst: Ab 2018 gehören den vier Verbänden Spanien, Italien, Deutschland und England 16 der insgesamt 32 Startplätze fix. Das heisst unter anderem, dass zum Beispiel der Schweizer Meister keinen festen Startplatz mehr hat. Zudem wurde der Verteilschlüssel der TV-Einnahmen in der Champions League weiter zugunsten der Grossen verändert.

Grenzenloser Zynismus

Und wenn damit der Fussball – auch ohne europäische Superliga – irgendwann kaputt geht, weil kein System überlebt, das derart aus dem Gleichgewicht ist? Was bitte soll das die Mächtigen und Reichen kümmern, die haben ihre Millionen und Milliarden längst gesichert. Dass Rummenigge beim Lob über die neuen Vereinbarungen von «Solidarität mit den Kleinen» sprach, ist schon zu frech und zynisch, als dass man es noch kommentieren könnte.

President of the Football Association of Slovenia and candidate for the UEFA presidency Aleksander Ceferin speaks during an interview with Reuters in Athens, Greece September 13, 2016. REUTERS/Alkis Konstantinidis - RTSNI92

Uefa-Präsident von Mutkos Gnaden: der Slowene Aleksander Ceferin. Foto: Reuters

Denn es wird immer weitergehen. Irgendwann fragen sich die Reichen zum Beispiel: Ja, warum sind wir eigentlich nicht immer für die Achtelfinals gesetzt? Prompt bauen sie die Drohkulisse Superliga wieder auf. Schwupps, schon wirds von der Uefa umgesetzt. Dass sich deren neuer Präsident Ceferin auf ein Netzwerk des nun wirklich mehrfach schwer diskreditierten russischen Sportministers Witali Mutko stützt, sagt eigentlich auch schon alles über die moralische Integrität des europäischen Fussballverbandes der «Nach-Platini-Ära». Einer wie Ceferin weiss, wies geht im Milliardengeschäft, Sätze wie der mit dem Krieg gegen die Champions League darf man getrost als Funktionärs-Gewäsch abtun. Mit ihm an der Uefa-Spitze müssen sich Abramowitsch, Rummenigge & Co. keine Sorgen um die Umsetzung ihrer Gier und Machtgelüste machen.

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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8 Kommentare zu “Geldgeil ohne Ende”

  1. Jürg Kummer sagt:

    Für viele Spieler in allen Ligen sind die internationalen Plätze Motivation für eine lange Saison,in der sie dem Sport alles unterordnen. Bei den Plänen der UEFA von WinWin zu sprechen ist geradezu eine Verhöhnung ihrer Arbeit. Es braucht die Kleinen,denn im Ernst : wer -ausser die wettenden Asiaten- interessiert sich für ein Duell PSG gegen Leverkusen ?

  2. Reto Tobler sagt:

    Oder, einfach – das Prinzip des Kapitalismus funktioniert. In den USA wurde das erkannt, es gibt künstliche Grenzen. Wen interessiert denn noch die deutsche Bundesliga? Die letzten drei Spieltage vielleicht, um zu sehen, wer absteigt. Den einen Exploit gegen den Meister, der eh schon feststeht, den nimmt man zur Kenntnis, mehr nicht. Die Vorwürfe der kriminellen Machenschaften liessen sich auch gegen dt. Vereine, nicht nur gegen die UEFA erheben. Nur wird es genauso wenig verfolgt, der deutsche FCB zeigt das wunderbar. In England funktioniert die Konkurrenz noch, weil der internationale Kapitalismus mitspielt, in Deutschland ist es nur der nationale. Für mich ist diese Sportart abgehakt.

  3. Stevens sagt:

    Diese Superliga wäre das einzig richtige. Denn der Fussball, wie er jetzt organisiert ist, wird komplett zerrissen. Es spielen zwei Stärkeklassen in derselben Liga (nationale Meisterschaft UND Champions League). Das macht keinen Sinn.
    Resultate wie 5:0, 6:1 etc… kommen immer öfter vor (siehe CL: 3 von 16 Spielen gingen 5:0 oder höher aus). Die Kleinen sind nicht Underdog, sondern Kanonenfutter.
    Deshalb: Sollen die Topteams, die eine Weltmarke sind (Bayern, Real, BVB, Juve, et…) ihre europäische Superliga spielen, die sie unbeschränkt geldgeil vermarkten können. Es funktioniert, siehe: NBA, NFL, NHL
    Dahinter gibt es Raum für vernünftige und spannende nationale Meisterschaften.

  4. HSV Fan sagt:

    Sollte es durchkommen, wird es vielleicht ein zwei Saisons klappen, aber will schon andauernd die Kämpfe von Real und Bayern, Barcelona und Chelsea, Juventus und Manchester City sehen ? Viel interessanter ist es doch, wenn es ein Match gibt, wo der vermeintlich Grosse von einem vermeintlich Kleinem rausgeworfen wird !

    • Stevens sagt:

      Sehr, sehr viele werden das sehen wollen. Siehe Champions League.
      Kommen die ganzen asiatischen und amerikanischen Märkte dazu, die jetzt infolge der Spielzeit um 20:45 Uhr von der CL abgehängt sind.
      Da ist ein quasi unendlich grosses Potential vorhanden.

      Sei ehrlich, die meisten wollen doch Manu, Real oder PSG sehen.

      Und nicht Alaves, Caen, Bastia oder Darmstadt (oder HSV)

      Aber für zweitere gäbe es ja immer noch die nationalen Meisterschaften hinter dieser Superliga, in der sie auch wieder Chancen hätten, mitzuhalten. Win-win für alle also.

  5. Marco Ranzani sagt:

    Angebot und Nachfrage….. Ich bin der Meinung der Markt, respektive der Kunde/Fan wird dafür Sorgen, wenn ihm diese Konstellation nicht passt. Ausserdem, gibt es beim Tennis keine Wildcards für “spezielle Spiler”? Gibt es keine Turniere auf Einladung wie die Champions Hockey League oder den Spengler Cup? Da schreit auch niemand nach mehr Wettbewerb.

    • Manuela Baumann sagt:

      Der Fan in Europa tickt anders als der Ami oder der Asiate. Und von dort kommt zunehmend die Kohle für den europäischen Fussball. Da zählen nur die Grossklubs mit ihren Weltstars, man sieht es bei den Tourneen vor dem Meisterschaftsbeginn. Das Potenzial ist riesig. Für uns Europäer hat es auch Vorteile, wenn jeweils nur die zweite Garnitur von Bayern und Barça die Meisterschaft bestreitet.

  6. loulou55 sagt:

    99% einverstanden!
    Ausser:
    “Was bitte soll das die Mächtigen und Reichen kümmern, die haben ihre Millionen und Milliarden längst gesichert.”
    Die Mächtigen und Reichen würde es schon kümmern, wenn der Goldesel stirbt.
    Nicht nur das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich, die neuzeitliche Geldgier gehört jetzt ebenfalls dazu.

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