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Bringt endlich den Videobeweis!

Christian Andiel am Dienstag den 10. November 2015

Jetzt ist schon wieder was passiert. In Basel schenkte der Schiedsrichter den Grasshoppers ein Offsidetor und verwehrte dem FCB zwei Penaltys. Tags zuvor durfte der FC Bayern gleich zweimal aus Offsideposition ein Tor erzielen, und als dann der VfB Stuttgart traf, wurde der Spieler zurückgepfiffen – wegen Offside, das es in diesem Fall gerade nicht war.

Der Basler Breel Embolo, vorne, wird vom Zuercher Alban Pnishi, hinten, im Strafraum gefoult im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem Grasshopper Club Zuerich, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 8. November 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Alban Pnishi (GC) foult Breel Embolo, der Schiedsrichter sieht es nicht. Soll hier der Videobeweis Hilfe bringen? Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Der Herbst 2015 ist nicht der Herbst der Schiedsrichter, namentlich nicht derjenigen in der Schweiz und Deutschland. Erinnert sei an das groteske Handstor, das der Hannoveraner Andreasen gegen Köln erzielte. Jenes Köln, das zwei Wochen später einen klaren Handspenalty gegen Hoffenheim nicht zugesprochen bekam.

Deshalb wird es nun wirklich Zeit, dass der Videobeweis auch im Fussball Einzug hält. Dass sogar Heribert Fandel, oberster Schiedsrichter in Deutschland, darum bittet, zeigt, um wie viel weiter Schiedsrichter sind als all die Romantiker, die behaupten, mit diesem Hilfsmittel würden die heftigen, herrlichen Diskussionen beendet, die den Fussball doch ausmachen. Dann kriegen sie feuchte Augen und kommen mit dem Wembley-Tor 1966 (das natürlich auch keins war).

Andreasen

Grotesker geht es kaum: Leon Andreasen «baggert» den Ball für Hannover ins Tor, Hannover gewinnt 1:0 gegen Köln. Screenshot: Sky

Das ist allerdings Unfug. Denn den Fussball machen nicht Fehler überforderter Schiedsrichter aus. Sondern einigermassen korrekte, nachvollziehbare Resultate. Zudem müsste der Videobeweis sinnvoll angewendet werden, also nur in Fällen, in denen es tatsächlich um ein Tor geht, das auch erzielt wurde. Wie am Samstag in München, wie am Sonntag in Basel, wie vor ein paar Wochen in Köln und nun in Leverkusen. Es würde also noch haufenweise Diskussionsgründe geben, damit auch unsere Romantiker bedient sind. Wie der Handspenalty, der Köln verwehrt wurde gegen Hoffenheim – solche Szenen bleiben weiterhin allein der spotanen Entscheidung des Schiedsrichters überlassen. Der FCB hätte also auch die beiden Penaltys nicht bekommen, obwohl der Schiedsrichter hinterher nur kurz die TV-Bilder sehen musste, um seinen Fehler einzugestehen. Aber der FCB wäre da möglicherweise nicht schon 0:2 bzw. 2:3 zurückgelegen.

Der Videobeweis muss auf möglichst wenige Szenen beschränkt bleiben. Deshalb gilt: Nur wenn wirklich ein Tor erzielt wird und es Diskussionsbedarf gibt, wird das Spiel kurz unterbrochen. Oder wenn der Schiedsrichter – und nur er! – darum bittet. Technisch ist es kein Thema, das geht in ein paar Sekunden, bis ein Offizieller die TV-Zeitlupen gecheckt hat. Es dauert also wesentlich weniger lang als so manche Auswechslung oder wenn sich Spieler nach einem «Foul» minutenlang am Boden wälzen.

Und es darf auch keine Rolle spielen, dass damit ein klassischer Fifa-Grundsatz wegfällt: eine Regel muss auf jedem Platz auf der ganzen Welt anwendbar sein, bis hinunter in die untersten Ligen. Für ein Milliardengeschäft ist das absolut lächerlich, es muss nur gewährleistet sein, dass innerhalb der gleichen Liga die gleichen Möglichkeiten bestehen.

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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14 Kommentare zu “Bringt endlich den Videobeweis!”

  1. David sagt:

    Die FIFA will keinen Videoneweis, warum wohl? Die FIFA ist ein kommerzielles Unternehmen und handelt grösstenteils nach kommerziellen Kriterien. Fehlentscheidungen bringen Emotionen, Schlagzeilen, Publicity und damit einhergehend schlussendlich eben auch mehr Geld. So einfach ist das.

  2. David sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel! Das undifferenzierte Geschwafel von wegen “der Fussball lebt von Fehlern” geht mir seit langem auf den Zeiger. Fussball ist dann am besten, wenn die Teams (mit ihren gelungenen Aktionen und auch Fehlern) das Spiel entscheiden, und nicht externe Faktoren wie schlechte Schiedsrichterleistungen oder randalierende Fans. Auch wenn das eigene Lieblingsteam von Fehlentscheiden profitiert, macht es keinen Spass, es liegt ja nicht an Sieg oder Niederlage, sondern an der Verfälschung. Bei einem Spiel mit derart wenigen Toren machen Fehlentscheide leider viel zu oft den Unterschied aus.

  3. Thomas Plüss sagt:

    Viele, die nach dem Video-Beweis schreien, denken die Sache schlicht nicht zu Ende.

    1. Offside. Der Video-Beweis bedeutet, dass kein Offside mehr abgepfiffen werden darf. Beispiel: der Stürmer wird kurz nach der Mittellinie angespielt und kann alleine aufs Tor rennen. Der Linienrichter sieht ein knappes Offside, hebt die Fahne, Schiri pfeifft, Spieler bremsen natürlich den Lauf ab. Per Video-Beweis wird dann festgestellt, dass es gleiche Höhe war. Wie geht es nun weiter? Freistoss angreifendes Team nahe der Mittellinie? Penalty?

    2. Hands/Offside: Die Expterten sind sich hier oft auch nach zig Wiederholungen aus diversen Perspektiven nicht einig. Diskussionen werden also weitergehen.

    • Markus sagt:

      Lesen Sie den Artikel bitte richtig! Der Videobeweis soll z.B. nur bei einem (umstrittenen) Tor möglich sein und nicht einfach aus dem Spiel heraus. Stand der Spieler z.B. im Offisde, wird es nachträglich geahndet und das Tor zählt nicht, ansonsten zählt es.So wird es z.B. auch im Eishockey gemacht und es funktioniert.

      • Remo Keller sagt:

        Also kann der Video-Beweis nur ein nicht gesehenes Offside korrigieren. Nicht aber ein fälschlicherweise gepfiffenes Offside. Also noch weniger Tore, schade. Und weshalb wird denn in der Einleitung des Artikels das aberkannte Tor des VfB Stuttgart erwähnt?

        Im übrigen bezog sich mein Kommentar nicht explizit auf diesen Blog, sondern war allgemein an die Leute gerichtet, die im Video-Beweis das Allerheilmittel sehen. Klar ist, dass die Einführung des Video-Beweises mit erheblichen praktischen Schwierigkeiten verbunden wäre und das Spiel radikal verändern würde.

  4. Markus sagt:

    …..und wenn wir schon dabei sind, noch ein Regelvorschlag: Sobald ein Spieler auf dem Platz gepflegt werden muss, muss er danach für mind. 5 Minuten vom Platz (besser wären 10!), ausser er wird ausgewechselt. Mal sehen wie schnell die sich dann jeweils erholen.

  5. Markus sagt:

    Schliesse mich dem Votum von Peter (08:16) an. Es ist auch nicht Sache des Schiedsrichters auf Offside zu entscheiden (jedenfalls nicht in den oberen Ligen), sondern die des Linienrichters. Der Schiedsrichter pfifft dann halt nur oder neben nicht. Es ist schon fragwürdig, wenn der schlechtbezahlteste Akteur und einzige Amateur auf dem Platz keine Fehler machen darf, der miliionenschwere Stürmer aber Chance um Chance versieben kann und dann am Schiri die Schuld für die Niederlage gibt, weil er einen Penalty nicht gepfiffen hat.
    Übrigens: Im Rugby gibt es den Videobeweis schon lange und rumgemotzt am Schiedsrichter hat eine gelbe Karte (=10 Minuten Strafe) zur Folge. Wäre auch Interessant!

  6. sutter sagt:

    was im Rubgy schon lange angewendet wird, muss auch für den Fussball möglich sein!!!
    Schiri Entscheidungen werden dort ohne Kommentare akzeptiert und nur der Captain kann / darf mit dem Schiedsrichter sprechen.
    Bei einem Foul muss der Spieler 10 Min. das Feld verlassen.
    Weshalb dies von der UEFA /FIFA nicht übernommen wird, ist einfach unverständlich. Die Begründung, dass darunter die Attraktivität verloren geht, ist einfach gesagt ein Blödsinn!!

  7. Stefan sagt:

    und am Ende der Saison gewinnt zu 99,99% die sportlich beste Mannschaft die Meisterschaft, Fehlentscheide hin oder her.
    und ehrlich, es geht ja meistens um Penalty-Diskussionen, die leider Spielentscheidend sein können, je länger, je mehr aber aus eher harmlosen und nicht zwingenden Tor-Situationen entstehen. Penaltys werden gesucht, es ist zum heulen. Hands-Diskussionen bei 150 kmh-Schüssen, bei den man sich lieber abdreht und nicht gleichzeitig die Arme amputieren kann, von der im Reglement geforderten “Absicht” keine Spur… Es braucht mehr Gelassenheit bei nicht zwingenden Torsituationen. Hut ab vor den Schiedsrichtern und Linienrichtern – sie machen aus meiner Sicht einen guten Job!

  8. Michael sagt:

    man könnte ja wie im Tennis mit Hawkeye für beide Teams 3x Videobeweis einführen. Dann kann der Trainer jeweils selbst entscheiden wann es wert wäre

  9. Peter sagt:

    Vielleicht reicht es einfach schon wenn wir uns eingestehen, dass die Schiedsrichter nicht unfehlbar sind. Alle dürfen auf dem Platz fehler machen, nur beim Schiri wird noch tage- ja wochenlang darüber diskutiert. Als FCB Fan war ich natürlich auch nicht begeistert, dass der FCB verlor, aber die 1. Halbzeit war miserabel. Da ist doch nicht der Schiri schuld.

    • sandro sagt:

      Natürlich war die erste Halbzeit schlecht, dennoch hat der Schiri mit seiner Leistung die Parite so gut wie entschieden. Natürlich kann auch der Penalty verschossen werden, aber die Eintscheidungen des Unparteiischen haben die Partie in diese negativen Bahnen gebracht.

    • Thomas Plüss sagt:

      Hier sind vor allem die Trainer in die Pflicht zu nehmen. Das ewige Lamentieren über Schiri-Entscheide, das Toben an der Linie und danach in den Interviews, geht einfach mal gar nicht. Hier muss viel stärker sanktioniert werden. Besonders in der Bundesliga ist es ganz schlimm, was sich die Trainer jedes Wochenende erlauben. Und sie werden durch die Medien leider noch unterstützt.

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