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ER lebt!

Christian Andiel am Donnerstag den 13. August 2015

Wie das schmerzt: Der HSV mit Trainer Bruno Labbadia (rechts) und Sportchef Peter Knäbel (links) begann die neue Saison, wie er die alte hätte aufhören müssen – mit einer Niederlage. Foto: Getty Images

Exakt war es die 106. Minute im Pokalspiel zwischen Jena und dem Hamburger SV, als wir jauchzten und frohlockten, weil ER sich da endlich wieder zeigte, der Fussballgott. Johannes Pieles erzielte das 3:2, der Viertligist war weiter, der HSV draussen. Jener HSV, der – wir erinnern uns höchst ungern – nur dank einer grotesk-skandalösen Entscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe in der Relegation gegen Karlsruhe in der Bundesliga verblieb. Da war ER wohl grade entschlummert oder der irrigen Meinung, die Saison sei bereits vorbei. Kann passieren.

Aber wie der Fussballgott die Hamburger jetzt im Pokal bestrafte, wie ER sie foppte, das war, na ja, göttlich. Wieder tat der Schiedsrichter alles, um den HSV zu retten: Er gab das zwischenzeitliche 1:1, obwohl der Ball vor der entscheidenden Flanke der Tribüne näher war als der Grundlinie; er pfiff die reguläre Spielzeit erst ab, als dem HSV tatsächlich der Treffer zum 2:2 gelungen war. Sollte der «Dino» wieder davonkommen, dieses Ärgernis mit Raute, diese Ansammlung von überforderten Rucksackträgern, charakterschwachen Fussballern und überheblichen Fans? Nein, natürlich nicht, es gab ja die 106. Minute. Wie, Fussballgott, hatten wir nur vom Glauben abfallen können?

Und noch beschämter waren wir, als wir an den Pokaltag davor dachten. Trostlose Fans des MSV Duisburg hatten auf einem Transparent den ehemaligen Schalke-Manager Rudi Assauer beleidigt. Auf einer Ebene, die selbst für die selbstgefälligsten und ignorantesten Vertreter der Ultras schwierig zu erreichen ist. Sie spielten auf Assauers Demenzerkrankung an und auf ein früheres Pokalspiel: Damals hatte Schalke gegen Duisburg 5:0 gewonnen, und die Fans kriegten sich nicht mehr ein, als sie schrieben, «nicht mal Rudi kann sich erinnern».

Da lacht der Fan: Duisburger Zuschauer beleidigen Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer. Foto Keystone

Doch was tut der Fussballgott, der alte Schelm? ER gibt den Duisburgern wieder genau ein 0:5 mit. «Oh, wie gemein», schreien jetzt wieder all die eigentlich doch so guten und gewaltlosen Fans, «das sind doch bloss ein paar wenige, die…» Schnauze! Guckt euch das Bild an: Sieht das so aus, als ob «die paar wenigen» mit Müh und Not ihr Plakat gegen die Dutzenden von umstehenden Kollegen verteidigen müssen? Oder herrscht da nicht rundherum beste Laune und grosse Zufriedenheit?

Eben, deshalb ist es schon herrlich, wie der Fussballgott wirkt. Was wird ER wohl noch so auf Lager haben in der kommenden Saison? Dass der HSV zum Bundesligaauftakt bei den Bayern spielen muss, ist schon so ein Highlight. Wenn ER bloss nicht wieder Gräfe das entscheidende Relegationsspiel der Hamburger pfeifen lässt. Denn Gräfe kriegt das hin für den HSV, egal wie. Aber wenn ER doch jetzt endlich mal den HSV in der Hölle der 2. Liga schmoren lassen würde für all die Fehler und Peinlichkeiten der vergangenen Jahre… und Duisburg in der 3. Liga… tschuldigung, verehrter Fussballgott, will dir um Himmels willen nix vorschreiben und schon gar nicht in den Job dreinreden. Aber man wird doch noch mal wünschen dürfen…

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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3 Kommentare zu “ER lebt!”

  1. Eric sagt:

    Es gibt nur einen ER – Matias Emilio Delgado. Alles klar?

  2. Niklaus Vogler sagt:

    Der HSV hätte ja direkt absteigen müssen. Die Freiburger wurden um zwei Punkte geprellt. Beim Tor das der HSV macht drückt ein Spieler dem Torhüter Bürki die Hand runter und der Ball fliegt darüber in das Tor. Dies wurde weder vom Schiedsrichter geahndet noch von den Medien entsprechend kritisiert. Das Ganze war einfach unfair.

  3. Basler Bebbi sagt:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Der Skandal von Karlsruhe ärgert mich noch heute. Schon im Hinspiel in Hamburg waren die Karlsruher klar besser, trafen glaube ich noch 2x Alluminium und hätten mit einem Sieg heimreisen müssen. Im Rückspiel dann dieser schwarze Mann, ein HSV-Fan, der sich eine Ehrenmitgliedschaft auf Lebzeiten verdient hat, ein Schiri, der ALLES, was einen Unparteiischen ausmacht, mit Füssen trat – und den Hamburgern den irrwitzigsten Freistoss der gesamten Saison schenkte. Was ich ihrem Fussballgott da wünschte möchte ich nicht weiter ausführen. Nun – er kann seinen schlimmen Fehler ja korrigieren und die Hamburger endlich in die 2. Liga schicken. Dort können die Nordlichter dann ja wieder einen Thorsten Fink abwerben aus einem laufenden Vertrag. Der kann den HSV dann getrost direkt in die 3. Liga coachen. Dies, lieber Fussballgott, wäre eine angemessene Wiedergutmachung.

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