Liebe Leserinnen und Leser,
an dieser Stelle erscheinen keine weiteren Beiträge. Auf alle bereits erschienenen Artikel können Sie nach wie vor zugreifen.
Herzliche Grüsse, die Redaktion
Logo

Basler Meistermaler

Florian Raz am Donnerstag den 23. April 2015

Seit 1487 kennt die Kunstgeschichte den namentlich unbekannten «Basler Meister». Seit Ende April kennt das Internet die Basler Meister 2015. Wir danken an dieser Stelle Shkelzen Gashi für die Verbreitung obigen Beweisbildes, das uns den Tag versüsst hat.

Beim Basler Topskorer wollen wir deswegen auch gleich unsere Kunstbetrachtung beginnen. Auffällig erscheint zunächst einmal die Pinselhaltung, die einen ähnlich filigranen Umgang mit dem Malwerkzeug vermuten lässt #wie #ihn #Gashi #auch #mit #den #Hashtags #beweist.

Gashi bleibt mit seinen kräftigen Punkten scheinbar ganz auf der abstrakten Ebene. Das könnte aber auch eine Täuschung sein. Hat er gar schlicht die Stellen im Tor markiert, an denen in dieser Saison seine Bälle an den Goalies vorbei geflogen sind? Ein vielschichtes Werk, das noch viel zu reden geben wird.

Ziemlich simpel dagegen wirkt das Werk ganz im Vordergrund, das wir Philipp Degen (im Bild links mit Malstempel in der Hand) zuordnen. Er stellt in seinem Werk die Ursprungstrennung von seinem Zwillingsbruder David noch im Mutterbauch dar. Es ist das ewige Thema des Zwillings, das hier auf anschauliche, wenn auch ästhetisch durchaus anspruchsvolle Art und Weise dargestellt wird.

Bei Marco Streller (rechts) fragen wir uns, ob die Flecken auf der Hose bereits beim Kauf vorhanden waren. Sein Bild folgt in Anlehnung an den Anthroposophen Rudolf Steiner der Farbenlehre Goethes, was bei Strellers Herkunft nicht erstaunen kann. Schliesslich spielte er bei Aesch und Arlesheim, also bloss in Kirschsteinspuckdistanz zum Steiner-Zentrum in Dornach entfernt. Einziger Bruch ist die klare weisse Linie. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass er demnächst einen Strich unter seine aktive Karriere setzen wird.

Fabian Schär (Dritter von links) hält sich ganz an Robert Ryman, der seit 40 Jahren weisse Bilder malt.

Robert Ryman.

Robert Ryman.

Schär spielt mit dem Vorwissen, beziehungsweise Nicht-Wissen des Betrachters. Wo wird der Verteidiger nächste Saison spielen, erzwingt er den Abgang ins Ausland, bleibt er in Basel? «Spekuliert bloss weiter!», scheint uns Schär mit seinem Werk zuzurufen, «die Zukunft ist ein weisses Stück Papier – und wenn die richtigen Zahlen draufgeschrieben werden, dann unterschreibe ich.»

Ein Pragmatiker ist Fabian Frei (mit SPR-Aufschrift). Ein Blatt, ein Ziel, lautet seine Losung. Den Roller hat er fest gepackt, das Papier ist flächig, mit einem leichten Verlauf, bemalt. «Auftrag erfüllt!», scheint sein Blick zu sagen. Ein Werbevertrag mit dem Ostschweizer Flachmalerverband ist denkbar.

Eher der Performance zugeneigt sind hinten Behrang Safari und Davide Calla, die das Filmplakat von Susi und Strolch nachspielen.

Susi (r.) uns Strolch.

Susi (r.) und Strolch.

Calla beweist ausserdem mit seiner Fingerhaltung, dass er weiss, dass Raiders jetzt Twix heisst (ältere Semester erinnern sich). Ob das nun schon als gesellschaftskritisch durchgeht? Wir sind noch nicht ganz überzeugt.

Und damit zum letzten Bild, vorne rechts, das wir Matias Delgado zurechnen. Ganz hübsch, sicher, aber vielleicht etwas zu lieblich für die grosse, weite Kunstwelt. Wir sehen grosse Chancen, das Bild bei Ikea® massentauglich zu vermarkten.

Alles in allem: ein starker Jahrgang, diese Basler Meister 2015. Irgendwie sogar noch besser als der Bundesrat 2010:

Der Bundesrat des Jahres 2010 präsentiert stolz seine Gruppenarbeit.

Der Bundesrat des Jahres 2010 präsentiert stolz seine Gruppenarbeit.

Florian Raz

Florian Raz

Hat einst als Junior den FC Basel eigenhändig mit dem Verkauf von Klebern vor dem Konkurs gerettet («Y stand zem FCB»). Erhielt danach (Undank ist der Welt Lohn) dennoch keinen Profivertrag – und verdient sein Geld heute trotzdem irgendwie mit Fussball. Zum Beispiel hier.

Weitere Artikel

« Zur Übersicht

Ein Kommentar zu “Basler Meistermaler”

  1. Oberlehrer sagt:

    Witziger Artikel. Soweit ich mich erinnern kann, stand auf dem Kleber aber gut Baslerisch “Y stand zem FCB” (mit “zem” statt “zum”). Ich hatte eben so einen auf dem Schuletui und während der Mathestunden viel Zeit, ihn zu bewundern …

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.