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Viel Geld, keine Ahnung

David Wiederkehr am Donnerstag den 19. Februar 2015
Nachspielzeit

Da ist wenig zu holen: Vollblutfussballer und Teilzeitschmuggler Lewis Holtby.

Männer tragen das Hirn in der Hose, heisst es ja. Dazu eine Frage: Wo tragen eigentlich Fussballer ihr Hirn?

Lewis Holtby zum Beispiel. 24 ist der junge Mann, und gespielt hat er in seiner wechselreichen Karriere schon bei Alemannia Aachen, Schalke, Bochum, Mainz, Tottenham und Fulham, ehe er anfangs dieser Saison leihweise beim Hamburger SV anheuerte. Warum auch immer: Boulevardmedien wie die «Hamburger Morgenpost» nennen einen Fussballer wie ihn «Star».

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Oliver Kahn: 125’000 Euro Busse.

Dank der «Bild»-Zeitung wissen wir nun auch, wo Holtby sein Hirn trägt: am Armgelenk. Vor ein paar Monaten wurde er am Flughafen Frankfurt erwischt, wie er, aus Dubai kommend, mit einer neuen Rolex durch den Zoll schleichen wollte. Wert: 6500 Euro. Etwas gar viel zu viel für den Freibetrag von 430 Euro. Dafür fällt die Busse nun umso höher aus. 40’000 Euro soll sie betragen.

Die Bayern-Disziplin

Andererseits ist es Pipifax gegenüber dem, was sich Karl-Heinz Rummenigge geleistet hatte, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München. «Killerkalle» führte vor zwei Jahren zwei Rolex-Uhren im Wert von rund 100’000 Euro ein, ohne sie zu verzollen. Er wurde mit 250’000 Euro gebüsst. Sowieso schien es bislang eine vor allem bajuwarische Disziplin gewesen sein, Zoll (oder: Steuern) zu sparen. Oliver Kahn blieb genauso hängen (125’000 Euro Busse) wie Michael Ballack (70’000 Euro). Übervater auch in dieser Sparte bleibt Uli Hoeness.

FC Bayern Munich Champions Party

Karl-Heinz Rummenigge: 250’000 Euro Busse.

Lewis Holtby ist nicht nur sportlich, sondern auch schmuggeltechnisch ein kleinerer Fisch. Besser macht es das natürlich nicht. Stellt sich die Frage: Ist es für einen Fussballer so viel schwieriger, die Zollregeln zu kennen, als für Otto Normalverbraucher? Wahrscheinlich ist es ihnen einfach egal. Wie einigen von ihnen (zum Beispiel: Marco Reus) ja das Strassenverkehrsgesetz ganz grundsätzlich am Allerwerstesten vorbeigeht. Um es ihm einfach mal zu unterstellen: Angesichts seines neuen Millionenvertrags mit Borussia Dortmund, wird Reus über seine jahrelange Schwarzfahrt inzwischen herzhaft lachen.

Überschaubare 6500 Euro

Aber ist all das ein Wunder, wenn es Menschen wie Marcus Noak gibt? Der berät Lewis Holtby, und meistens ist das ein toller Job: Er garniert dann das Handgeld aus seinen Transfers. Manchmal ist er lästiger – wenn sein Schützling gerade eine Rolex geschmuggelt hat. Was also sagen? Nun, dies: «Lewis hat in Dubai eine Uhr gekauft. Der Betrag war so überschaubar, dass er nicht im Kopf hatte, dass er das verzollen muss.» 6500 Euro verdient der Durchschnittsbürger in Deutschland in zwei Monaten nicht. Bei Holtby ist das ganz öffentlich «überschaubar». Also nichts. Dazu fällt einem nichts mehr ein.

David Wiederkehr

David Wiederkehr

Ist eher ein Fan von Stadien als von Vereinen und zieht deswegen das Estadio Bernabéu dem Camp Nou vor, aber Barça dem Weissen Ballett. Und fast so geschickt wie mit den eigenen Füssen ist er beim Tippen von Fussballresultaten. Nämlich gar nicht. Irgendwer muss aber ja Letzter werden.

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4 Kommentare zu “Viel Geld, keine Ahnung”

  1. marsel sagt:

    Schon mal ein Interview mit einem Fussballer gesehen/gelesen? Versucht, mit einem von denen über etwas anderes als Fussball/Autos/Frisuren zu reden? Echt, die sind noch schlimmer als Miss Schweiz Kandidatinnen, äxgüsi.

    • Remo Nydegger sagt:

      In diesem Fall kann ich Ihnen nur mal z.B. das Interview von Beni Huggel mit der Tageswoche empfehlen (vom 02.03.2012 – online verfügbar) oder auch dasjenige von Teamkollege Marco Streller in der gleichen Zeitung (19.09.2013). Dann natürlich noch Ivan Ergic, der ebenfalls für den FCB gespielt hat und heute Philosophie studiert. Nicht alle Fussballer sind dumm – man muss ihnen nur die richtigen Fragen stellen.

      • cyan jaeger sagt:

        Es gibt sicherlich auch bei Fussballern Ausnahmen, die ihren Namen ohne fremde Hilfe buchstabieren können aber diese Lichtgestalten der Gegen-den-Ball-Tretenden-Zunft können nicht darüber hinweg täuschen, dass das Gros ihrer Arbeitskollegen einen IQ knapp über dem eines Ein-Zellers haben. Auch den Verweis auf etwaige Abis oder Gymnasialabschlüsse sind kein hinreichende Belege für das Vorhandensein möglicher Intelligenz – es gibt auch da Ghostwriter und solche, die für Geld fast alles abliefern.

        Kurzum: Es gilt die Faustregel, dass ein Profi-Kicker kaum intelligenter ist als der Ball gegen den er tritt…

      • Marcel Stierli sagt:

        Abgesehen davon, dass ich ihnen bezüglich ‘nicht alles Fussballer sind dumm’ natürlich Recht geben muss, verwundert mich der letzte Satz doch schon ein wenig. Jetzt müssend die Anderen die richtigen Fragen stellen damit man einigermassen was Vernünftiges antworten kann und nicht gleich jeden Satz mit ‘ja gut…’ beginnen muss? Verwirrt mich jetzt doch ein wenig. Es gibt löbliche Ausnahmen wie die von Ihnen erwähnten und noch einige mehr, da fällt mir zum Beispiel auch ein Figo ein, aber in der Mehrzahl sind schon Jungs zu finden wo man sich fragen muss, was nach der Primarschule mit denen passiert ist. Was soll, 6500 € sind überschaubar 🙂

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