Was Männer sexy macht

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Kommt das falsche Thema zur Sprache, ist die Stimmung schnell dahin: Marion Cotillard und Owen Wilson in der Filmkomödie «Midnight in Paris». Foto: PD

Letztes Wochenende war ich so viel aus, dass ich bis Weihnachten gut allein sein kann. Die Party am Samstag hat mir aber zufällig die allgemeingültige Antwort auf die Frage gebracht, die hier schon vor- und rückwärts von meinen geschätzten Kommentatoren diskutiert wurde. Voraus ging meine Empörung über die obligatorische Sexfrage von neuen männlichen Bekanntschaften. Das Todesthema, das, sobald es ausgesprochen wird, nicht nur alle Blumen welken lässt, sondern auch den Leichenwagen um die Ecke kommen lässt, um den armen Trottel, der gerade mit einer einzigen Frage auf den Selbstvernichtungsknopf gedrückt und sich auf den dunklen «Planet Unsexy» gebeamt hat, in einen Sarg zu legen und abzutransportieren. Aber was einige meiner männlichen Leser wissen wollen: Warum ist es unsexy, über Sex zu sprechen?

Letzten Samstag waren zehn Männer in der Wohnung eines Bekannten und wir waren nur drei Frauen. Drei Frauen auf zehn Männer, von denen vier Single waren, zwei in Trennung von ihren Ehefrauen lebten und der Rest zumindest keine Frauen dabei hatte. Alle Männer waren attraktiv, wohlerzogen, charmant und befanden sich in einem Zustand, dass man durchaus Lust hatte, sich mit ihnen zu unterhalten. Die beiden anderen Ladys waren mit den Herren schon länger bekannt und befreundet, ich war der Neuzugang. Aus irgendeinem für mich ungewöhnlichen Grund fand ich die Jungs alle einwandfrei und sexy, einige mehr, andere weniger, aber immer noch sexy genug. Wie kann das sein, fragte ich mich, als ich weit nach Mitternacht benebelt in einem Uber-Taxi sass, das mich nach Hause brachte. Aber ich hatte für meine Verhältnisse mehr als genug getrunken und verschob diese komplizierten Gedanken auf Sonntag.

Kein peinliches Balzverhalten

Und wer weiss, vielleicht war meine sexy Brille nur auf den Ruinart zurückzuführen? Aber am Sonntag blieb der Eindruck bestehen, ich hatte zehn sexy Männer kennen gelernt. Und ich wusste jetzt auch warum: Es hatte sich keiner angebiedert, niemand hatte mich ausgefragt, um irgendwann «zum Thema zu kommen», keiner hat mir ungefragt alles über sein Leben erzählt, was ich nicht wissen wollte. Dennoch waren alle aufgeschlossen und kommunikativ. Aber sie waren nicht gekommen, um aufzureissen, und sie schlossen die Frauen auch überhaupt nicht aus. In manchen Männerrunden passiert es oft (sehr unsexy!), dass man als Frau danebensitzt wie ein bestellter Escort, mit dem keiner spricht, ihm aber immer Feuer gibt. Sie waren herrlich normal, obwohl sie im besten Alter und gutaussehend waren, das ganze blöde Getue fand nicht statt und ich glaube, ich weiss auch, woran es lag.

Sie hatten es nicht nötig, sich mit peinlichem Balzverhalten zu beweisen, sie wussten, dass sie cool sind, und sie konnten auch etwas flirty sein, ohne dass man sich angemacht fühlte, weil es unverbindlich war und kein Druck ausgeübt wurde. Sie verübten keinen Druck, so wie es Männer immer machen, wenn sie Absichten hegen, und einen mit dieser egoistischen Attention killen. Die relaxte Samstags-Truppe wusste: Sich betont sexuell zu benehmen, ist das Gegenteil von sexy und total abstossend. Das hat mir sehr gefallen.