An diesen Orten lernen sich Paare kennen

Anschluss gefunden: Auf langen Bahnfahrten kann man immer noch mit Mitreisenden plaudern. Foto: Veerasak Piyawatanakul (Pexels)

Im November berichtete ich hier über meine Freundin Samantha, die per C-Date einen Lover suchte. Sie lernte auf der Onlineplattform tatsächlich einen «kultivierten, intelligenten Herrn» kennen und verbrachte mit ihm nicht nur vergnügliche «gewisse Stunden», sondern auch einen Kurzurlaub in Italien.

Dumm nur, wurde der Herr kurz darauf beruflich nach Fernost beordert. Für länger. Samantha turnte noch ein bisschen auf C-Date herum und richtete dann ihren Fokus neu aus: Jetzt sucht sie auf Parship etwas Ernsthaftes.

Ich kenne genau ein Paar, dass sich auf Parship kennen gelernt hat. Der Sohn wird dieses Jahr eingeschult. Ein anderes Paar kam dank Tinder zusammen und lebt seit zwei Jahren unter einem Dach. Gemessen an der doch ziemlich grossen Anzahl Leute, die ich so kenne, finde ich diese Ausbeute etwas mager.

«Jubeln soll jede Brust!»

Gut, vielleicht bindet man es nicht grad jedem auf die Nase, wenn man sich digital verpartnert hat. Oder man findet es nicht besonders erwähnenswert. Dabei ist die Methode nicht neu. Früher blätterte man bei Bedarf durch die Tageszeitung bis zur Rubrik «Bekanntschaften».

Mein Onkel Berti selig schrieb dort, kaum war er Witwer: «Wanderlust, frisch und froh, jubeln soll jede Brust!» Der Text dünkte mich zwar etwas zweideutig, aber er fand binnen kurzem eine Dame, die auch Berti hiess und mit ihm bis zu seinem Tod die Freuden der Natur genoss.

Wo man sich kennen lernt

Für alle Skeptiker von Onlinedating habe ich hier eine Liste zusammengestellt, wo sich Paare in meinem Bekanntenkreis so kennen lernten.

Im Zug
Ernst lernte nicht nur seine Frau dank den SBB kennen, sondern auch seinen besten Freund sowie, als er darüber nachdachte, eigentlich alle seine Freunde. Früher, sagt er, sei einem auf langen Bahnfahrten auch nichts anderes übrig geblieben, als mit den Mitreisenden zu plaudern.

Im Coop
Vor der Kasse der Filiale Zürich-Seefeld lernte eine Freundin einen attraktiven Skandinavier kennen. Leider stellte sich nach ein paar Wochen heraus, dass er offenbar komplett geistesgestört war (ihre Worte). Jetzt hat sie wieder einen Skandinavier, diesmal von Facebook, und den gedenkt sie zu behalten.

An der Unfallstelle
Der Flugzeugabsturz in Überlingen war ein tragisches Ereignis. Und doch fanden sich dort zwei Herzen. Er recherchierte für ein deutsches Magazin, sie für eine Schweizer Zeitung. Der Verbindung entsprangen zwei wunderbare Kinder, die mittlerweile wunderbare Teenager sind.

Auch Brücken verbinden Menschen. Foto: Josh Willink (Pexels)

Im Tram
Witzig an dieser Geschichte ist nicht der Ort der Begegnung, sondern die zwei Versionen. Der eine Partner, Gino, ist ein stattlicher, umwerfend gut aussehender Orientale. Er erzählte nicht, er spielte nach, wie ihm im 6er-Tram ein hagerer Blonder aufgefallen sei. Sie hätten verstohlene Blicke getauscht, und als er am Paradeplatz ausstieg, habe er aus den Augenwinkeln genau gesehen, dass der Blonde ihm folgte. Die Story dauerte 30 Minuten, und mir liefen vor Lachen Tränen übers Gesicht. Dann ging ich zum hageren Blonden, er heisst Tobi, und fragte ihn. Der, ganz nüchterner Schweizer, sagte nur: «Ich sah Gino im Tram und habe ihn angesprochen.»

Auf der Brücke
Geni hatte sich an einem frühen Samstagmorgen heftig mit seiner Freundin gestritten und lief mit zerrissenem Hemd über die Seebrücke in Luzern. Dort kam ihm eine hübsche Unbekannte entgegen. «Die würde ich heiraten», habe er bei ihrem Anblick spontan gedacht. Sie blieb prompt auf seiner Höhe stehen und sagte: «Dein Hemd ist zerrissen.» Er antwortete: «Ja, ich weiss.» Dann gingen sie Hand in Hand ins nächste Café und assen dort alle Gipfeli.

Onlinedating mag effizient sein, aber ehrlich, analog ist viel unterhaltsamer.

Song zum Text: «Willst du mit mir geh’n» von Daliah Lavi (1971).