Fitness hat kein Alter

Bewegung ist das A und O: Fahren Sie, ausser bei Glatteis, mit dem Velo. Foto: Adrian Moser

Die Festtage sind längst überstanden. Die Kleider sitzen immer noch knapp, und man kommt zum Schluss: Diese Kilos müssen weg. Fragt sich bloss wie. Mit einem Turn- und Sportkurs für Senioren vielleicht? Aber was machen Senioren, die sich nicht zum Sporttreiben motivieren können? Die sich nicht getrauen, ein Fitnessstudio zu betreten? Oder schlichtweg nicht wissen, für welche Art von Bewegung sie sich entscheiden sollen – und dann nicht unbedingt das Richtige wählen.

Falsch ist, gleich nach den Festtagen ein Fitnessabonnement zu kaufen. Ich beobachte bei Kollegen, dass sie kurz nach dem Kauf äusserst motiviert trainieren. Während 14 Tagen quälen sie sich fast täglich an den Maschinen. Dann sind es plötzlich nur noch dreimal, bald noch zweimal die Woche. Im besten Fall pendelt sich die Trainingsfrequenz bei wöchentlich einem Mal ein, die Kilos bleiben mehr oder weniger dort, wo sie sind, trotz des teuren Fitnessabos.

Falsch ist auch, wenn sich ältere, unsportliche Abnehmwillige für ein E-Bike entscheiden, denn das Gefährt ist nicht einfach zu handhaben. Wegen seines Gewichts ist es schwerfällig zu lenken, der Bremsweg ist lang. Zudem müsste man/frau täglich mehrere Stunden mit dem E-Bike fahren, um auch nur ein oder zwei Kilo loszuwerden.

Besser ist, das alte Velo aus dem Keller zu nehmen und damit loszufahren. Ich garantiere: Auch wenn es anfänglich mühsam ist, plötzlich macht das Velofahren Spass, und der Kalorienverbrauch beträgt je nach Körpergewicht und Tempo rund 200 Kalorien pro Stunde. Zudem friert man auf einem motorlosen Velo kaum.

Falsch ist es ebenfalls, in einem Anfall von Panik mit einer Hungerdiät zu beginnen. Denn der Körper wird Fettreserven anlegen, und nach der Diät ist man gleich weit wie vorher. Kleiner Tipp: Alkohol meiden. Das verlangsamt den Stoffwechsel und man nimmt so ganz nebenbei etwas ab.

Richtig und gesund ist Schwimmen, vorausgesetzt man krault zügig während mindestens 30 Minuten. Bis vier Wochen nach den Festtagen sind die Hallenbäder allerdings überfüllt, und das Längenschwimmen ist noch mühsamer als sonst, aber gelenkschonend und gut für die Bauch- und Rückenmuskeln. Zudem werden Langeweile und Anstrengung belohnt: In einer halben Stunde verbraucht zügiges Kraulen rund 300 Kalorien, so viel wie eine halbe Tafel Schokolade. Für den gleichen Kalorienverbrauch müsste man mehr als eine Stunde schnell gehen.

Zum Schluss noch vier Alltagstipps für Senioren und andere, die sich nur schlecht zum Sporttreiben motivieren können und/oder kein Geld ausgeben wollen.

  1. Fahren Sie nie, nie, nie Lift. Treppensteigen verbraucht bis 190 kcal pro Viertelstunde.
  2. Gehen Sie bei jeder Gelegenheit zu Fuss, oder fahren Sie, ausser bei Glatteis, mit dem Velo statt an den Bushaltestellen zu frieren. Mit dem Velo schafft man locker 20 km in einer Stunde und spart erst noch das Geld für den Bus.
  3. Wer lieber drinnen Sport treibt, kann mit dem Stubenvelo radeln. In ein oder in zwei Stunden verbraucht radelnd TV gucken ohne weiteres ein paar hundert Kalorien, vorausgesetzt, man scheut das Hügelprogramm nicht.
  4. Ohne mit Sport vergleichen zu wollen – der Sexualakt steigert nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sondern auch den Energieverbrauch: Gemäss einer Studie verbrennen Frauen während eines Liebesspiels von 24,7 Minuten 69 Kalorien, Männer sogar 104. Fragt sich nur, welche Aktivitäten bei dieser Studie berücksichtigt wurden.

Fazit: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Lieber täglich 30 Minuten intensiv bewegen als stundenlang am Wochenende. Und: Es ist in jedem Fall besser, schon heute Sport zu treiben als erst morgen. Denn schon bald locken in den Läden die Schokoladeosterhasen und -eier.

32 Kommentare zu «Fitness hat kein Alter»

  • Leo Schmidli sagt:

    „Zudem friert man auf einem motorlosen Velo kaum.“
    Schon einmal bei diesen Temperaturen auf einem Velo gesessen?

    • Coco sagt:

      Doch, doch, nach 10min sogar ohne Jacke, aber nie ohne meine Fäustlinge und wintertaugliches Schuhwerk!
      Ich finde die Überlegungen der Autorin pragmatisch und praktikabel. Ihre Beobachtungen kann ich bestätigen.

    • Niklas Meier sagt:

      Ich musste beim Lesen auch schmunzeln.
      Natürlich kann man sich in einen Skidress zwängen, aber wenn man einkaufen oder arbeiten gehen will, dann wird das etwas umständlich. Deswegen friere ich und taue dann am Ankunftsort wieder auf.

    • Nadine sagt:

      Dachte ich auch beim Lesen dieses Bogs. Zudem geht beim zügigen Velofahren ob mit oder ohne Helm IMMER die Frisur kaputt und wenn man mit geröteter und triefender Nase am Ziel ankommt, muss man sich zuerst wieder aufwändig herrichten, am besten duschen und frische Kleidung anziehen. Da nehme ich doch lieber das Postauto!

    • Laura Fehlmann sagt:

      Bis -2 Grad kein Problem.

  • Sportpapi sagt:

    Hm. So lange Sport für so wenig Kalorienverbrauch? Wenn es nur um das ginge, wäre das nicht wirklich motivierend.

  • tina sagt:

    hihi gibt es IRGENDEINEN MENSCHEN der mal eben so eine stunde lang treppen steigt? oder gar 2? also normalerweise macht man das doch so etwa 27 sekunden am stück. in der zeit kommt man 4 stockwerke hoch. das wären dann knappe 1.5kalorien

    • Roger Lampert sagt:

      Nein. Eine Viertelstunde!

      • tina sagt:

        ja, ich habe es gesehen, dass ich mich verlesen habe, peinlich. allerdings verbessert es die rechnung auch nicht wahnsinnig wenn man realistisch bleibt. wir hier in der schweiz haben selten die gelegenheit, mehr als 5 stockwerke aufsmal rauflaufen zu ähm dürfen. das wären dann eben diese 27 sekunden oder so ähnlich. macht keine 6,5 kalorien ;-).
        bist du jemals im leben eine viertelstunde treppen gelaufen? meine güte wo denn? 20mal den eiffelturm rauf und runter?

  • tina sagt:

    und wer hat die zeit beim liebesspiel gestoppt? 24,7 minuten 😀 ich schmeiss mich weg. 69kalorien! das ist etwa ein drittel joghurt, nicht? 😀
    ich dachte, der allgemeine tipp lautet: mehrmals täglich schuben, so dass man richtig heftig aus der puste kommt. also: nicht treppen gehen sondern RENNEN. 3 stufen aufs mal!

    • Astrid Meier sagt:

      Senioren, die die Treppe hinauf rennen? Sieht man selten.

      • Doris sagt:

        Doch, ich! wohne im 5. Stock, ein Weg hoch 80 Stufen und runter ebenso. Sie glauben gar nicht, wie mit ü 60 fit ich bin. Lifts meide ich, warten, zusammengepfercht, schlechte Luft.
        Mein absoluter Renner im wörtlichen Sinn: Nach dem ersten Morgenkafi/Morgentee bei jedem Wetter nach draussen, zügig gehen, auch sanft joggen. Sauerstoff ins Blut, Freude ins Herz, Kraft in die Muskeln. Das wohlverdiente Zmorge danach schmeckt himmlisch.

  • Walter Wammer sagt:

    Schaffen Sie sich einen Hund an, dann ist für zwei Stunden laufen am Tag gesorgt.

  • werner boss sagt:

    Im Alter und in diesem dichten und hektischen Verkehr noch Velofahren ? Das kann nur jemand empfehlen, der etwas gegen alte Leute hat! Frau Fehlbach empfehle ich etwas besser die Unfallstatistiken zu beachten.

    • Laura Fehlmann sagt:

      Fehlmann, nicht Fehlbach 😊 ich bin 64 und fahre 7000 km Velo pro Jahr, bis jetzt unfallfrei.

    • Olivier Fuchs sagt:

      Schauen Sie sich die Todesanzeigen an. Sesshaftigkeit ist gefährlicher als Rauchen. Aber diese frühen Abberufungen sind nicht spektakulär, deswegen gehen sie unbemerkt. Teilnehmer der Tour de France lebten geschlagene 8 Jahre länger als die bequeme Vergleichskohorte.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Das gezeigte Modell ist typisch 60 er-Jahre mit ‚Gesundheitslenker‘. Heutzutage meint man, die Balangs müsse möglichst weit auseinanderstehen, was zu Problemen beim Parkieren führt. Dazu unphysiologischem Winkel beim Handgelenk. Die Position beim älteren Herrn ist aber ungünstig, zu aufrecht, mit falscher Belastung des Rückens. Dazu grössere Gefahr eines Sturzes oder stärkere Auswirkungen bei solchem. Sturzwahrscheinlichkeit auf Eis kann man vermindern durch schnelleres Fahren.

    • Vierauge sagt:

      das ist nicht der Kern der Sache. Ich bin sicher, wenn Sie anfangen wollen, Velo zu fahren, verhilft Ihnen der örtliche Velo-Fachhändler zu dem für Sie genau passenden Velo.
      Ausserdem gibt es bald die Velobörsen, und auch dort hat es Fachleute, die Ihnen helfen.

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Die Tipps sind insgesamt sehr gut. Und ja, man kann Sport treiben bis zum Tod.

  • Marie sagt:

    Mir scheint es ist nun ein richtiger zwang dass ältere Leute unbedingt sport machen müssen ? Das Stubenvelo scheint mir weit weniger gefährlich als den Papi auf seinem Velo auf dem Schnee ! Eine halbe Stunde pro Tag Stubenvelo ist für mich ok, und ein wenig laufen mit dem Hund, aber nicht bei jeder Kälte ! Warum sollte man sich bestrafen und sachen tun die einem gar keine Freude machen ! Lieber ein Fondue wenn’s kalt ist !

    • Olivier Fuchs sagt:

      Das scheint mir eine komplett falsche Ansicht, weil man es noch nie probiert hat. Draussen zu sein ist einfach natürlich und immer gut für die körperliche und seelische Gesundheit. Auch Kälte ist gesund, ich erspare mir aber den Versuch, es zu erklären. Es braucht schon eine bestimmte Angewöhnung. Viele kommen gar nicht da hinein. Ich fahre längere Touren ab 2 Graden ohne besondere Kleidung. Fahre kurz ohne Handschuhe ab -3. Noch am wärmsten ausser dem Tessin ist die Oberrheinische Tiefebene auf der Deutschen Seite. Bei Mülhausen zieht es stark und kalt.

  • Marie sagt:

    1) ich fahre immer, immer, immer Lift !!! Einmal bin ich eine ganz kleine Treppe heruntergefallen und ich habe mir den Ellbogen gebrochen. Seither, immer Lift, und das ist schon lange her. Oder es müsste eine gute solide Handlaufe haben.

  • Marie sagt:

    Also velo geht gar nicht zum arbeiten gehen. Da kommen die Leute entweder verfriert oder schwitzend zur Arbeit und das ist wirklich unmöglich für die Kollegen. Und eben, keine Frisur mehr.

    • Maike sagt:

      Herrlich – sind echte Problme. Man bzw. Frau opfert ihre Sportlichkeit, hauptsache die Frisur sitzt ! Nur worauf mag ein äöterer Herr wohl eher anspringen ? Auf die stetes gepflegte Frisur oder die sportliche Erscheinung ??

  • david m sagt:

    @frau fehlmann, ich kann ihnen nur zustimmen, ich fahre täglich velo, bin zwar noch unter 60, aber denke ich mach das noch ziemlich lange weil der spass und die freude an dieser art fortbewegung gross ist. freue mich schon diesen sommer wieder ins tessin zum fallschirmspringen (über den gotthard) mit dem renner zu radeln. das gejammer einiger kommentarschreiber hier… . es ist immer dasselbe. ihnen viel spass auf dem velo.

  • Herbert sagt:

    Nun werde ich in einigen Tagen 69Jahre alt und lese diese Geschichten. 30 Jahre bin ich gelaufen oder gewandert. Seit ca.10Jahren fahre ich nun viel mit dem Rennrad oder MTB. Jedes Jahr im Sommer mache ich eine Alpenüberquerung mit anderen Rennradfahrern oder auch zu Fuß von Hütte zu Hütte. Mir geht es richtig gut. Ich habe mit fast 69 Jahren eine sehr hohe Lebensqualität. Das soll auch so bleiben.
    Eine meiner Sprüche: Bewege Dich, bis Du in die Kiste kommst. Dann hast Du ein schönes Leben.
    Radfahren kann ich hoffentlich noch viele Jahre. Stolz bin ich allerdings, daß das alles noch ohne Akku geht.
    Viele Grüße an alle, die das hier lesen.

  • Sonusfaber sagt:

    Ja, auch deshalb halte ich E-Bikes für eine Schnapsidee sondergleichen, nichts für Puristen und schon gar nicht für die, die zu wenig Zeit haben für Bewegung. Dann lieber ein richtiges Velo UND ein richtiges Motorrad, will man sich von Zeit zu Zeit auch unangestrengte Fahrten gönnen. Aber E-Velos? Nie im Leben …

  • Gerhard Strunk sagt:

    Hallo Herbert , ich mache es nach deinem Muster.
    Ich werde bald 79 und fühle mich richtig gut.
    Wir machen beide unserem Törn weiter.

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