Vier Dinge, die man mit vierzig wissen muss

Selten prickelnd - aber wichtig: Zeit mit der Familie verbringen. Szene aus «Immer Ärger mit 40». (Universal Pictures)

Selten prickelnd – aber wichtig: Zeit mit der Familie verbringen, Szene aus «Immer Ärger mit 40». (Foto: Universal Pictures)

1. Falsch entscheiden ist besser als gar nicht entscheiden

Es gibt keinen schlimmeren Zustand als den der Unentschlossenheit. Ich brauchte viele, viele Jahre, bis ich das begriffen hatte. Als Heranwachsende meinte ich zwar, genau zu wissen, was ich will, gleichzeitig war ich unsicher und unentschlossen. Lange bildete ich mir ein, komplizierte Situationen durch gründliches Nachdenken lösen zu können. Aber je gründlicher man nachdenkt, desto verworrener werden die Optionen. Aber wer sich vor Entscheidungen drückt, ist letztlich gelähmt. 

Man kann nicht immer alles richtig machen. Manchmal ist eine falsche Entscheidung die richtige – in jedem Fall ist sie besser als gar keine Entscheidung. Wer an eine Weggabelung gelangt und nicht weiss, welcher Weg einen weiterführt und auch nicht Google Maps fragen kann, der muss sich entscheiden. Und selbst wenn man sich für den falschen Weg entscheidet, war es letztlich die richtige Entscheidung – weil wir nun wissen, welches der richtige Weg ist. Und besser als Stillstand ist es allemal.

2. Verbringe mehr Zeit mit deiner Familie

Das Leben ist kurz. Mein Vater war 59 Jahre, als er auf eine seiner geliebten Reisen aufbrach. Im fernen Indien erlitt er einen Herzinfarkt und starb sofort. Ich hatte mich vor der Reise von ihm verabschiedet, aber ich hätte gern mehr Zeit mit ihm verbracht. Ich hätte ihm gern noch viele Fragen gestellt, mehr gewusst über sein Leben vor den Kindern, ihn gern auch als Mann kennen gelernt – und nicht nur als Vater. Sein Tod schweisste uns als Familie zusammen. Ich versöhnte mich mit meiner Mutter, meine Schwestern bereinigten ihre Konflikte. Seither streiten wir nicht mehr, oder wenn, versöhnen wir uns schnell. Und wir treffen uns samt den Kindern alle regelmmässig und oft.

Viele Familien kommen nie über ungelöste Konflikte hinweg, tragen sich längst vergangene Begebenheiten nach. Das ist unreif und bedeutet Stillstand. War je ein Mensch auf seinem Sterbebett froh, seinen Groll bewahrt zu haben? Irgendwann sollte man einen Weg finden, mit den Menschen in seiner Familie auszukommen und die Verantwortung für die eigenen Unzulänglichkeiten selber zu übernehmen. 

Dies gilt auch für die Frage, ob man eine eigene Familie gründen soll. Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt, genügend Geld, genügend Sicherheit. Man hat sich nie genug ausgetobt und wirklich bereit, sich jahrelang kompromisslos für andere Menschen aufzuopfern, ist man auch nie. Auch wenn die Bedingungen selten ideal sind: Es gibt kaum jemanden, der diese Entscheidung bereut.

3. Man sollte sich selbst nur begrenzt wichtig nehmen

Wir nehmen uns und alles, was uns betrifft, so furchtbar wichtig – was wir natürlich müssen, um zu überleben. Wir wollen alle alles und machen uns fertig, wenn uns Dinge nicht gelingen. Wir sind neidisch und üben uns in Selbsthass, wenn anderen gelingt, was wir auch möchten. Aber wir sollten uns immer vor Augen führen, dass wir eigentlich keine Ahnung haben.

Wären unsere Probleme gelöst, wenn wir hätten, worum wir andere beneiden? Niemand weiss, ob das, was ihm heute so eminent wichtig scheint, in fünf Jahren noch eine Bedeutung hat. Das Leben ändert sich schnell, in einer Sekunde kann alles anders sein. Das heisst nicht, dass wir uns nicht mit vollem Herzblut engagieren und für das einstehen sollen, was uns wichtig erscheint. Aber im Zweifelsfalle sollte man sich vor Augen führen, wie gross das Universum und wie lächerlich unbedeutend man selbst ist. 

4. Es hört nie auf

In der Jugend hat man die Vorstellung, irgendwann anzukommen. Wir haben eine vage Vorstellung vom Leben: Partner, Beruf, Kinder, Selbstverwirklichung, Glück, Erfüllung. Nur wie wir dahin gelangen sollen, das hat natürlich keiner gesagt. Es bleibt nur Trial und Error und die vage Hoffnung, dass die eigene Ahnungslosigkeit nicht auffällt. Mit dreissig hat man vielleicht einige Ziele erreicht, aber man begreift: Angekommen ist man deshalb nicht. Und mit vierzig realisiert man, dass es nie aufhört. Dass man nie ankommt, es immer nur Stationen sind.

Jedes Problem, das du löst, führt zu einem neuen Problem, das es zu lösen gilt. Das bedeutet Glück: fähig zu sein, die Aufgaben, die man sich wählt, zu meistern. Und eigentlich zählt nur das: Sich immer weiter zu entwickeln, aus Fehlern zu lernen, nicht aufzugeben und weiterzumachen, besser zu scheitern.

Ich lade Sie ein, diese Liste in den Kommentaren beliebig zu erweitern.

81 Kommentare zu «Vier Dinge, die man mit vierzig wissen muss»

  • Simon Affentranger sagt:

    5. Sich selber kennen: Ziemlich genau wissen und spüren, was man will oder zumindest schnell feststellen können, was man nicht will. Sich selber gelöst haben von unrealistischen früheren Vorstellungen, ohne dabei Ziele und Träume zu zerstören. Wissen, was zu einem selber gehört, was daran veränderbar ist und was eher akzeptiert werden muss als Teil des Körpers oder des Charakters.

    Dies ermöglicht einen viel befriedigenderen Einsatz der eigenen Energie in Dinge, die es wert sind verändert zu werden.

    • Rosanna Carbone sagt:

      Wie Recht Sie haben: Selbstkenntnis – ein sehr, sehr wichtiger Punkt.

      • Nico Lechner sagt:

        5a. Akzeptieren, dass sich auch das, was man will oder nicht will, sowie auch der Körper und Charakter weiterhin ändern.

        • Simon Affentranger sagt:

          @Nico Lechner: Das stimmt! Das Akzeptieren dieser Unbeständigkeit, ohne dabei aber das Wollen aufzugeben :). Aber vielleicht sind unsere Punkte ja eher die Grundlage von 1.

    • Hans Jung sagt:

      Klar, aber sich so richtig kennen zu lernen ist unmöglich, wir sind so geprägt einerseits durch unsere Vorfahren, andererseits durch unsere Erfahrungen, spezifisch die ersten Jahre der Kindheit, Elternhaus, Schule usw..
      Ich glaube, Selbstakzeptanz ist viel wichtiger. Nicht dauernd mit sich selbst zu hadern, sich dauernd verbessern zu wollen, sich selbst zu tadeln. Das was mir wirklich wichtig ist, in den Vordergrund zu stellen und nicht „anderen zuliebe“ zu agieren. Ich bin 64, seitdem ich mich so sehe und so handle, ohne dabei egoistisch zu werden, geht es mir viel besser, es war eigentlich eine Befreiung.

  • Florian sagt:

    Schöne geschrieben! Danke!

  • mcpinkpoet sagt:

    Ich würde es viel eher Themen nennen, anstatt Probleme…problemorientiert wird man gerne zum Magneten für Probleme…und der mind-set lässt die Energie ans falsche Ort fliessen.

  • Ante sagt:

    Ja, die 40 sind harter Tabak. Die Endlichkeit wird dann einem knallhart langsam bewusst. Spürbar am Aussehen, an der nachlassender Kraft oder Kurz der beginnender Verfall.Mit 40 wird vielen bewusst wie endlich, wie kurz doch das Leben eigentlich ist. Eigentlich schade 😉

    • Walter Boshalter sagt:

      40 war das Lebensjahr, als ich eines Morgens nach gewöhnlichem Schlaf aufwachte und ein lästiges Zwicken im rechten Knie spührte. Irgendwann zum Doc und der verpasste mir einen Stützstrumpf für vier Wochen sowie ein paar Physioübungen. „Ihre Kniescheibe hat sich spontan etwas verschoben“, war die Diagnose. „Aber Sie sind 40, in ihrem Alter ist das normal…“. Das erste mal im Leben diesen Satz zu hören – das war harter Tabak.

    • Mina Peter sagt:

      Stimmt. Mit 44 wurde mir das auch klar. Und ich fand das auch knallhart. Die Endlichkeit von mir, die Zeit mit den Eltern, den eigenen Kindern. Ein Bschiss finde ich, einfach ein Bschiss.

  • Massimo sagt:

    Windmühlen gewinnen immer. Es muss also nicht jede erkannte Möglichkeit zum Streit durchgezogen werden: let’s agree to disagree!
    Allerdings haben 40 Jahre nicht gereicht, um das zu erkennen – ich musste 60 werden.

    • Maru sagt:

      Es ist noch gar nicht so lange her, da sagte ein Arzt so etwas einem/r 80-Jährigen. Aber heute sind eben schon halb so Alte – damals schon durch ihre Erziehung zu Weicheiern – und ihrer oft jahrelangen ultrafalschen Lebensweise inkl. Drogenkonsum physisch und psychisch dermassen gebeutelt, dass Sie oft schon im diesem Alter und nicht selten sogar vorher gelenkgeschädigt, glatzköpfig (ausser die Damen, bei denen gibt es dafür umso mehr anderes), dickbäuchig und burnoutgeplagt, wenn nicht gar depressiv, jammernd ihr Dasein fristen. Mich nimmt nur Wunder, was Ihr macht, wenn Ihr erst mal 50, 60 und mehr seid. Selbstmord?

      • Dani sagt:

        Hat was ! Ich war nie ein grosser Party Clubgänger Stets gesund gelebt, nie Drogen, nie Tabak und kaum Alkohol. Meine ehemalige Kollegen die 20 Jahren Dauerparty machten, sehen 20 Jahren älter als ich aus, ausgelaugt sowohl innerlich wie äusserlich und das im gleichen Alter. Es gibt Lebensarten die rächen sich, spätestens ab 40. Dabei kann man bei einigermassen gesunden Lebensart auch mit 40,50 oder 60 sehr fit bleiben.

        • Lichtblau sagt:

          Wirklich? Da liest frau seit Jahren von der berüchtigten „Unsichtbarkeit“ schon ab 40. Und da wird man überaus positiv vom Gegenteil überrascht – und das trotz Party ohne Ende. Oder vielleicht gerade deshalb? Klar, gute Gene sind viel wert. Aber vielleicht kommen halt auch Lebensfreude und Stil einfach besser an als Verzicht und Gesundheitsschuhe.

          • Maru sagt:

            @Lichtblau: Kommt drauf an, was jemand unter Lebensfreude versteht. Dieser Begriff beinhaltet nämlich nicht für alle dasselbe. Ich zum Beispiel empfand das sogenannte Partymachen bis in die Puppen schon beim ersten Mal absolut abtörnend und nach dem zweiten Mal war die Sache abgehakt, ganz einfach, weil für meinen Geschmack Oberflächlichkeit, Angeberei und Einfalt dominierten. Dafür erfreute und erfreue ich mich an vielem andern. Es ist ja nicht so, dass jemand, der sich nicht jahrzehntelang die Nächte um die Ohren schlägt, sich die Birne füllt und seine Nasenschleimhäute plverisiert… nicht trotzdem äusserst freud- und stilvoll durchs Leben gehen könnte – und das erst noch in eleganten High-Heels… …

          • Carolina sagt:

            Lichtblau, das unterschreibe ich! Lebensfreude im Sinne von Neugier, Lernbereitschaft, Nicht-Verbitterung, einer gewissen Exzentrizität und Stil – den ich auch nicht in Worte fassen kann – wirken auf mich extrem faszinierend und manchmal auch sexy. Von mir aus kann jemand auch in seiner ‚Jugend‘ voll auf die Tonne gehauen haben und man darf ihm/ihr das auch ansehen: ich finde es unwiderstehlich, wenn Menschen sich ein ganzes Leben lang verändern, Fehler machen, die wieder ausbügeln und noch im Alter neue Horizonte finden – anstatt das Altwerden zu bewirtschaften mit immer neuen Verzichten, Vorsorgeplänen und sportlichen und ernährungspolitischen Missionierungen unterwegs sind.

  • Robert Hasler sagt:

    Lernen, dass die Welt tatsächlich nicht schwarz-weiss ist und dass somit die Suche nach Wahrheiten ganz zuletzt immer enttäuscht werden wird.
    Aber schön, wenn man mit 40 wenigstens halbwegs erwachsen geworden ist.

    • Michèle Binswanger sagt:

      Sehr schön, danke!

    • Maike sagt:

      Das ist die Schwabbeldefinition schlecht hin – erwachsen sein ! Frage 10 Leute zu dieser Definition und Du bekommst 20 Antworten. Ich hab das Gefühl, das definiert jeder so für sich, das es für ihn zum Vorteil gereicht. Kommt mir jetzt nicht mit dem immer gern genutzten Punkt – Verantwortung übernehmen. Das mache ich seit Kindesbeinen an. Ich übernehme Verantwortung für mich wenn ich vom 10m Turm springe, für meinen Bruder wenn wir zusammen auf dem Moped fahren etc…

  • Carolina sagt:

    Wenn alle so erwachsen wären, wie hier geschildert, wäre ja (m)eine ganze Industrie arbeitslos;-)).
    Vieles kommt mir bekannt vor, aber vieles sehe ich auch anders oder habe es anders erfahren und/oder verarbeitet als die Autorin. In meinem Fall hiess Erwachsenwerden (auch) die Einsicht, Entscheidungen nochmals zu überdenken, sie eben nicht einfach zu treffen, sondern vorher ein wenig zu analysieren. Ich neige dazu, aus Ungeduld, aus Uebereifer, aus Temperamentsgründen Entscheidungen zu treffen, die ich später zutiefst bereue, weil sie mir und leider manchmal auch Menschen aus meinem Umfeld geschadet haben.
    Aus heutiger Sicht (kann sich auch wieder ändern) würde ich Einsicht in die eigenen Unzulänglichkeiten und Kritikfähigkeit als die wichtigsten Parameter sehen…..

    • Michèle Binswanger sagt:

      Danke für den Hinweis. Ja, der Tipp mit den Entscheidungen ist eher für Overthinkers gedacht..

    • Robert F. Reichmuth sagt:

      Unbekannte „Carolina“ – Ihre Worte, endend im letzten Satz mit: „Einsicht in die eigenen Unzulänglichkeiten und Kritikfähigkeit“ – decken sich mit meinen arg
      verspäteten EINSICHTen – Danke schön!

      • Julia King sagt:

        Ehrlich sein, allen anderen und vor allem sich selbst gegenüber.

        Weniger, oder gar nicht wertend sein, Dinge ohne Vorurteile nehmen wie sie sind, spart viel Nerven 🙂

        Immer für neue Erkenntnisse offen sein, weil ‚If you can’t change your mind, you’re not using it‘!

      • Carolina sagt:

        RFR: Meine (auch in vielerlei Beziehung oft sehr) verspäteten Einsichten haben einen Vorteil: ich musste lernen, mich zu entschuldigen, mich zu erklären und mehr auf andere, die meine Entschlussfreudigkeit nicht haben, einzugehen – das war und ist hilfreich. Aber etwas frustriert stelle ich immer wieder fest, dass Einsicht nicht unbedingt bedeutet, dass man dann die Dinge besser macht. Ich verzeihe mir selber heutzutage aber eher für das, was ich (immer noch) falsch mache…….

    • tina sagt:

      die meisten entscheidungen kann man später auch wieder anpassen, habe ich dann mal so im laufe des erwachsenwerdens gelernt :). bevor ich kinder hatte, habe ich so lange überlegt, bis ich mir genau im klaren war über die möglichkeiten, pro, kontra und konsquenzen.
      mit kindern hatte ich die kapazität zum so viel denken nicht mehr 😉 und machte halt mal. dann merkt man: ou, nicht gut. und dann ändert man es eben wieder. geht ja auch, merkte ich 🙂

      • Carolina sagt:

        Alles geht, aber alles hat auch seinen Preis. Jede persönliche Eigenschaft hat Vorteile und Nachteile. Mir als Schnellschiesserin gehen Menschen, die mit allem hadern, die über der noch so kleinsten Entscheidung brüten, wahnsinnig schnell auf die Nerven. Aber ich habe gelernt/musste lernen, dass die Dinge eben nicht schwarz/weiss sind, sondern dass Menschen ganz unterschiedlich sind und dass die Kunst wohl ist, mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten zu leben und die Verantwortung zu übernehmen. Das finde ich manchmal heute noch sehr herausfordernd, vor allem, wenn ich merke, wie weh es mir nahestehenden Menschen tun kann, wenn ich wieder mal aus der Hüfte schiesse…….

  • Dominique Becht sagt:

    Sehr gut geschrieben, danke!

    Ich würde noch ergänzen: Wenn du etwas tun willst, tue es lieber schon heute. Wenn du etwas ändern willst, ändere es jetzt! Ob du Morgen dafür Zeit haben wirst, weisst du nicht.

  • Silvia Tschui sagt:

    Sehr schöner, klarer Text, merci Michèle!

  • Gerrit Gerritsen sagt:

    Ein hoch interessanter Artikel. Mein Dank dafür. Mich hat das Leben gezeigt wie sehr das sich erinnern aller Vorteile, Geschenke, Hilfe, Herausforderungen und Abenteuer einem hilft glücklicher zu werden. NB: nützt nicht immer, aber immer öfters.

  • Christoph sagt:

    Danke für diese hilfreichen Sätze. Mit bald 60ig bin ich immer noch am üben. Wichtig für mich: offen sein für neue fremde Lebensaspekte ausserhalb der liebgewonnen und andererseits teils sehr öden Alltagsgeschichten und Routinen.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Als ich auf der Tagi-Homepage den Link zu diesem Artikel gesehen habe, habe ich sofort gedacht: Es muss ein Text von Frau Binswanger sein. Keine Ahnung warum, zumal ich relativ wenige ihrer Texte gelesen habe – gelegen habe ich aber richtig.

  • Dario Lopez sagt:

    Bin mit allen Punkten einverstanden, wobei ich bei Punkt Familie doch eine Frage habe und es mich interessiert, wie andere damit umgehen würden: was macht man, wenn man einen Vater hat, der rassistisch und faschistisch ist, die restliche Familie auch mehr oder weniger reaktionär ist und man damit partout nicht damit umgehen kann? Gibt es nicht einen Punkt, wo man sich nicht grundsätzlich fragen darf, mit welchen Menschen man seine wertvolle und eher knappe freie Zeit verbringen möchte und mit welchen nicht? Familie hin oder her? Eure Meinungen würden mich interessieren.

    • Roland K. Moser sagt:

      Wenn Sie ein Problem mit anderen Meinungen haben, sind das Problem nicht diejenigen mit der anderen Meinung, sondern Sie.

      • Dario Lopez sagt:

        Herr Moser, ich habe kein Problem mit anderen Meinungen. Ich habe Freunde und gute Kolleg/innen von Grün bis SVP und von Atheist bis Gläubig (egal welche Religion). Aber wenn jemand Hitler, Mussolini etc. super Kerle findet, die Gutes geleistet hätten, dann finde ich das einfach nur noch schlimm und unerträglich! Unerträglicher wirds noch, wenns der eigene Vater ist der so denkt und man selber homosexuell ist und somit zu einer Minderheit gehört, die von solchen faschistischen Regimes verfolgt wurde. Dies zur Präzisierung meiner Situation.

        • Roland K. Moser sagt:

          „…Gibt es nicht einen Punkt, wo man sich nicht grundsätzlich fragen darf, mit welchen Menschen man seine wertvolle und eher knappe freie Zeit verbringen möchte und mit welchen nicht? Familie hin oder her?…“
          Dann machen Sie einen Schnitt und trennen sich von denen. Man ist dort zu Hause, wo man so aufgenommen wird, und sich zu Hause fühlt. Bei ihrer leiblichen Familie fühlen Sie sich nicht zu Hause, also trennen Sie sich von denen, noch dieses Jahr.

    • Simone Steph sagt:

      Absolut einverstanden. Manchmal ist einfach Hopfen und Malz verloren.
      Höfliche aber oberflächliche Kontakte, wenns denn gar nicht anders geht.

    • Sam Fuller sagt:

      Blut ist zwar tatsächlich dicker als Wasser. Aber wenn ihr Vater so vergiftet ist, dann empfehle ich Distanz zu wahren.

      Sie können ihn nicht ändern und für sie selber ist so ein Kontakt ungesund.
      Jedesmal sind sie betroffen, wütend, traurig o.ä.

      Als ich mich von meinem Vater abwendete- ich brauchte Jahrzehnte- da ging es mir anfangs nicht gut: Schlechtes Gewissen, Scham- ein schlechter Sohn zu sein, etc.

      Dann aber spürte ich: aufrecht und aufrichtig zu leben, das blutet nicht sondern ist Lebensquell- Wasser eben!

    • Colisa sagt:

      Auf jeden Fall! Es gibt nicht immer ein Happyend!
      Man kann auch einen Schlussstrich ziehen, auch mit der Familie, sich damit aber versöhnen. Wenn man dadurch leidet, ist die Sache leider noch nicht gegessen. Dann auch ehrlich mit sich sein und evtl einen andern Weg suchen.

    • Röschu sagt:

      Selbstverständlich darf man auch mit seiner Familie brechen. Bewusst auf den Umgang mit gewissen Menschen zu verzichten, zeugt mMn von weit mehr Reife, als wenn die wertvolle Zeit mit Menschen verbracht wird, aus dem einzigen Grund, weil „man das halt so machten sollte“.

    • Maike sagt:

      Kein Kind ist gezwungen, seine Eltern oder seine Geschwister gern zu haben. Rein biologisch betrachtet, sind die Eltern diejenigen, die aktiv dazu beigetragen haben, das ein Kind entsteht. Das Kind wurde nicht gefragt – wie auch immer – ob es auf die Welt und zu diesen Eltern kommen wollte.
      Und wenn, wie in dem beschriebenen Fall, die Eltern eine so komische Lebenseinstellung haben, kann das Kind sobald als möglich die Koffer packen und verschwinden. Wie gesagt, man kann, muss aber nicht seine Eltern lieben.

    • Armin sagt:

      Lieber Dario,
      mein Vater war nicht so extrem aufgestellt.
      Wir beide waren nur politisch getrennt, er SPD ich CDU. Wir ließen beide dieses Thema aus unseren Gesprächen heraus. Es gibt die Familie und ihre Probleme und das ist wichtiger als alles andere.
      Das sehe ich auch heute noch so. Für mich sind alle Themen meiner Söhne und meiner Frau das Wichtigste. Da ist mir ein z. B. Trump vollkommen egal.
      Das wäre vielleicht auch für Sie und ihren Vater wichtiger?

    • Dario Lopez sagt:

      Vielen Dank für eure Antworten. Tatsächlich ist es so, dass ich mich seit Jahren jedes Mal schlecht fühle, wenn die Familie zu Besuch war oder ich bei der Familie zu Besuch war. Jedes Mal fühle ich mich danach total aufgewühlt, energielos, verärgert, angewidert, ratlos, verletzt, alles gleichzeitig. Musste auch schon weinen, und das mit über 30. Ich frage mich schon lange, wozu das alles, wozu meine kostbare Zeit mit Menschen verbringen, die mir einfach nicht gut tun, nur weil sie „zur Familie“ gehören. Insofern komme ich immer mehr zum selben Schluss wie einige eurer Antworten. Es ist ehrlicher, gesünder und reifer, wenn man zu sich selber ehrlich und treu ist, und den Kontakt nicht Aufrecht hält. Danke nochmals für eure Zeit!

      • Carolina sagt:

        DL, um die Sache noch etwas komplizierter zu machen: ich hatte über Jahrzehnte ein, um es höflich zu sagen, schwieriges Verhältnis mit meiner Mutter. Und nie habe ich es geschafft, mich aus den Verstrickungen aktiv zu lösen. Was mir aber im Laufe der Jahre gelungen ist: ich habe gelernt, dass ich mir selber in die Augen schauen muss und vor mir selber bestehen muss – mich von meiner Mutter zu trennen, hätte ich nicht ertragen. Als ich mir das mal eingestanden habe, wurde vieles langsam besser, denn ich hatte eine Haltung ihr gegenüber, habe ihr deutlich gezeigt, wie weit sie gehen durfte, wie weit nicht mehr. Bei uns hat das geklappt, sie ist heute sehr alt und es geht uns gut miteinander, aber auf einer oberflächlichen Grundlage.
        Es gibt eben auch diese Möglichkeit…….

      • Marion Schmid sagt:

        Für mich ist das sogar ein eigener Punkt:
        Sich festlegen, Verbindlichkeiten eingehen (nicht nur im Sinne der Familiengründung, sondern auch sonst in Beziehungen), sich entscheiden, mit wem man verbindlich und nah unterwegs sein will und mit wem eben nicht.
        Ich habe mich mit engen Freunden auf eine nahe, verbindliche Lebensgemeinschaft eingelassen, die mir sehr viel bedeutet.
        Umgekehrt habe ich mich bewusst entschieden, weniger Zeit mit meiner Herkunftsfamilie zu verbringen . Seither ist auch der Umgang mit der Familie entspannter, wenn ich dort nicht etwas suche, was ich nicht finden werde.

        • Doris Aerne sagt:

          Frau Schmid: Genau das ist der Punkt: Immer wieder vergeblich in der Herkunftsfamilie suchen, was die leider gar nicht geben können, d.h. auch Wunsch nach Anerkennung durch die Familie, mancherorts ein unmögliches Unterfangen. Sie haben dies ohne Gram erkannt und daraus das Beste gemacht. Gratuliere.. . Wünsche Herrn Lopez, dass er dies auch immer besser verinnerlichen kann, die eigene Verwandtschaft ist ist etwas anderes als die Wahlverwandtschaft mit im Geiste nahestehenden, lieben Menschen.

  • Paolo Martinoni sagt:

    „Irgendwann sollte man einen Weg finden, mit den Menschen in seiner Familie auszukommen und die Verantwortung für die eigenen Unzulänglichkeiten selber zu übernehmen“ – es gibt allerdings Familien, mit denen man nicht auskommen kann, nicht beim besten Willen. Denn das „Auskommen“ setzt Gegenseitigkeit voraus, jedenfalls ein bisschen. Ist nur einer entgegenkommend, nur einer versöhnlich gestimmt, nur einer bereit, Verantwortung zu übernehmen für seine Unzulänglichkeiten, nur einer des Grollens müde, kann es kein „Auskommen“ geben. Ich meine: Alle Beteiligten müssen ein bisschen guten Willens sein insofern, und so was kann nicht erzwungen werden.

  • Balthasar Baltensperger sagt:

    Meine Rede! Präzisierend noch: Viel wichtiger als zu wissen, was man will, ist zu wissen, was man NICHT will. Das ganze Gelabber von Ziele setzen und erreichen einfach über Bord werfen; Das führt nur zur Selbstüberforderung. Und keine (vermeintlichen?) Ansprüche von aussen zu den eigenen machen. Am wichtigsten aber: Immer versuchen, ein bisschen Kind(lich) zu bleiben. Neugier, Fantasie, Kreativität sind schliesslich die Essenz des Lebens.

    • Anh Toàn sagt:

      Wenn man sich orientiert an was man nicht will, wird man genau das bekommen. Denn dann schaut man, auf was man nicht will, und man „fährt“ immer dahin, wo man hinschaut.

      Ziele sind schon wichtig, sogar das Ziel haben, möglichst oft stoned vor der Glotze zu sitzen, wie Bridget Fonda in Tarantinos Jackie Brown ist besser, als sich auf das zu konzentrieren, was man nicht will.

      • Paolo Martinoni sagt:

        „Wissen“ (Balthasar Baltensperger) und „sich orientieren“ (Anh Toàn) ist nicht dasselbe, jedenfalls nicht in meinen Augen. Ich halte es also mit Balthasar Baltensperger, denn meiner Erfahrung nach ist es schon ein ganz guter Schritt in die richtige Richtung zu wissen, was man NICHT will. Und ich „fahre“ nicht dahin – nicht, dass ich wüsste …

  • Sissi sagt:

    „Selten prickelnd…“ diese „Binsweisheiten“, da hält niemand die zweite „Wanger“ hin.

    F.G. S.

  • Anh Toàn sagt:

    Mit vierzig ist man alt genug, vieles besser zu wissen, aber vielleicht noch jung genug, es dennoch zu tun.

    Eigentlich weiss man vieles besser als man handelt, ausser die ersten rund drei Jahre nach der Geburt und vor dem Tod, erkennbar daran, dass man da nicht mal weiss, wie seine elementaren Körperfunktionen kontrollieren. Aber dazwischen wissen die Meisten ziemlich viel, eher fehlt die Fähigkeit, entsprechend dieser Einsicht zu handeln. Weil gegen die Einsicht handeln, ist häufig spannender, und damit letztlich vielleicht vernünftiger.

    Wäre Ihr Vater nicht nach Indien gegangen, brav dageblieben, vernünftig gewesen, hätten Sie ihn als langweiligen Spiesser gesehen, und wenig Interesse gehabt, mehr über ihn zu erfahren. Kann sein, muss nicht.

  • Nick sagt:

    Wenn du Zweifel hast, ob du etwas tun sollst, tu es. Eine günstigere Gelegenheit kommt vermutlich nicht mehr. Es gibt wenige Dinge, bei denen ich bereue sie getan zu haben. Und viel viel mehr bei dem ich die verpasste Gelegenheit bereue. Es gibt natürlich Ausnahmen: sich oder anderen etwas antun, zum Beispiel. Und ein paar wenige andere Dummheiten.

  • Hanna Bolika sagt:

    auch nach 40 dreht sich die Welt weiter – Wichtiges wird unwichtig und umgekehrt. Was aber immer wichtig bleibt: pflege persönliche Freundschaften, die begleiten dich im besten Fall durchs ganze Leben

  • Pad sagt:

    Sehr schöne Worte, vielen Dank!

  • Markus Reichmuth sagt:

    Tönt weise.
    Mit dem Grundtenor wär ich einverstanden, aber meine wilden Entscheide würd ich meinen Jungen jedenfalls nicht empfehlen (da schliess ich mich Carolina an). Ein Caveat muss ich anbringen: bei der heutigen Rechtsprechung Hände weg vom Heiraten! Tut Euch zusammen, liebt Euch, fristet das Leben gemeinsam – sovie als möglich (dann erhält man – hoffentlich – den Spiegel vorgehalten), und wenn ihr Kinder wollt, regelt es auf 20 Jahre vertraglich unter Euch. Dafür muss man sich nicht in die Heiratszwangsjacke begeben – namentlich Männer haben in der CH eine deutlich höhere als 50% Chance, sich damit das Leben zu vermiesen. Und wenn unbedingt geheiratet sein muss, dann bitte nur aufgrund eines expliziten Ehevertrags!

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    mit 40 hat man noch vieles vor sich was man mit 50 am liebsten hinter sich hätte und einem bis 65 umbringt.

  • maike sagt:

    Es hört nie auf – genau ! Man kommt nie an, weil immer irgendwas ist. Es hilft, wenn man flexibel bleibt, so es einem möglich ist.

  • Falimus sagt:

    Empfehlenswertes Buch zu diesem sehr lesenswerten Artikel: Die 5 Einladungen von Frank Ostaseski.

    Erst wenn wir akzeptieren, dass wir endlich sind, fangen wir an, jeden Moment des Lebens zu leben, nicht zu warten auf morgen, und vieles Unwichtiges im Leben zu entrümpeln, uns um Beziehungen zu kümmern und nicht mehr nur irgendwelchen Träumen nachzujagen.

  • Hans Sägesser sagt:

    Die 40 schon weit weit überschritten weiss ich eins, es geht immer irgendwie weiter!
    Mit 50 hatte ich die grosse Lebenskrise, heute mit 65 geht es mir so gut wie noch nie!
    Das Leben geht einfach immer weiter und es kommt gut!

  • Othmar Riesen sagt:

    Ab 40 sich zwischen diesen zwei Polen bewegen:
    – Alles verstehen heisst alles verzeihen
    – Alles verzeihen heisst nichts verstehen.
    Beste Grüsse
    O.R.

  • tina sagt:

    ich habe in diesen ferien in nur 5 tagen am strand herumfläzen bemerkt, dass ich tatsächlich meinen eltern nachschlage. und zwar in den punkten, die mich an ihnen nerven. und weiter dachte ich mir, werde ich garantiert meine kinder auch mit eigenschaften nerven, die sie in 30 jahren an sich selber wiederfinden, die ärmsten ;-). ja, die einsicht hätte man auch früher haben können, ich weiss

  • Hans Peter Roth sagt:

    Warum erst mit vierzig?

  • Ramiro Gonzales sagt:

    Ein seltsamer Text von Michele Binswanger. Sie postuliert eine These, um sie dann im Sinne eines guten Ratschlags zu widerlegen. Zum Beispiel: „In der Jugend hat man die Vorstellung, irgendwann anzukommen. “ Und weiter, dass man gar nie ankommen werde. Alle Lebensabschnitte seien nur Stationen. Das ist doch gerade das, was Leben ausmacht. In den Stationen kommt man doch auch an und bricht wieder auf. Die einen mehr, die andern weniger. In meiner Jugend hatte ich nie die Vorstellung definitiv anzukommen. Jetzt mit 70 allerdings ist mir bewusst, dass die definitive Ankunft bevorsteht. Ich werde sterben und dadurch habe ich gelebt.

    • Carolina sagt:

      Wenn Sie ‘seltsam’ im Sinne von anregend, herausfordernd, widersprüchlich meinen, stimme ich Ihnen zu. MMn zeichnet genau das den Text aus: dass Menschen mit einem Thema, das jeden einzelnen angeht, auch unterschiedlich umgehen; dass man unter den fast durchwegs interessanten Beiträgen auch neue Gedanken und Anregungen finden kann; dass Wertungen keinen Platz haben; dass ein wirklicher Austausch stattfindet! Diese Gelegenheiten sind selten, dafür danke ich Frau B!

  • Boris Laplace sagt:

    5. Wissen, wie man sich auch selber Freund sein kann; denn in der personalen Autonomie liegt der Schlüssel zur inneren Zufriedenheit.
    6. Wissen, worauf man im Leben auch ganz gut verzichten kann, um dennoch ein vollwertiges Leben haben zu können. Reife besteht in der Kunst des Weglassenkönnens.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Schlauster Kommentar, ganz meine Meinung. Wobei 1-4 mit diesem Wissen keine Relevanz mehr haben.

  • marsel sagt:

    Man sollte sich selbst nur begrenzt wichtig nehmen? Ganz falsch. Man muss sich selber unbedingt wichtig nehmen, sonst wird man unglücklich und macht alle anderen auch unglücklich. Wenn man sich selber nicht wichtig nimmt, kann man sich ja auch nicht aus einer unglücklichen Beziehung lösen.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Bis jetzt habe ich diesen Satz, sich selber nicht zu wichtig zu nehmen, nur von Leuten gehört, die sich selbst wahnsinnig wichtig nehmen.

  • sophie sagt:

    Schöner Text. Es braucht viel Reife um dann immer besser zu wissen was man für dies oder das entscheiden sollte. Was die Familie betrifft, es ist wahr dass toxische Situation sich irgendwie „vererben“ und dies ist so schade. Es gibt einfach Menschen die wissen gar nicht mehr warum sie so hässig sind und eifersüchtig. Die sollten eine Analyse machen. Ich war schon immer versöhnlich und konstruktiv aber wenn das andere nicht will ? Eine fröhliche Familie ist doch so schön. Ueber Verletzungen sollte man sprechen und sich einander vergeben.

  • sophie sagt:

    @Marsel : man kann selbstsicher sein aber ohne Arroganz im Stil „ich habe ja recht“. Man kan selbstsicher sein aber mit einer gewissen Bescheidenheit.

  • Christian Baum sagt:

    Ach Frau Binswanger, hören Sie doch endlich auf, solche exzellenten Artikel zu schreiben. Dann könnte ich Sie wieder in aller Ruhe nicht mögen, und meine kleine Welt wäre in Ordnung. Sie machen es mir wirklich nicht einfach!

    • Jacques sagt:

      Ja verdammt gut geschrieben. Man wird ja älter, und muss durch dieses Leben durch. Wenn möglichst auf gute und angenehme Art und Weise. Weise wird man sowieso nie. Vielleicht dann im Jenseits.

  • Ralf Schrader sagt:

    40 ist das Alter, in welchem man erkennen sollte, dass der Tag nicht das Wichtigste ist. Mit 60 weiss man, dass der Tag überhaupt nicht wichtig ist. Mit 60 weiss man auch, dass man sich nicht nicht entscheiden kann. Jede Nichtentscheidung ist auch eine Entscheidung.

    2-3 mal im Leben sollte man sich beherzt entscheiden. Aber nicht öfter. Meist ist es besser, Entscheide solange aufzuschieben, bis sie nicht mehr zu vermeiden sind. Es hat schon einen Grund, warum konservative Politik – wir wollen eine Zukunft, die eine Kopie der Gegenwart ist – erfolgreicher ist und besser ankommt.

  • Jacques sagt:

    Zu 1) – Entscheidungen, also wie eine Weggabel. Rot oder blau. Dann nimmt man intuitiv mal den einten Weg. Erweist der sich als ungünstig (unpassend), käme noch die Kunst des „Backtracking“ hinzu. Damit man beim Rückstieg nicht gleich noch abstürzt (also wie an der langen Leine; ev. mit Pickel und Steigeisen). Dieser Weg kann auch wieder neue Erkenntnisse bringen.
    p.s.: Ich mag Fahren ins Blaue sehr, bei einem guten Roten.

  • Andreita sagt:

    Also aaaallerallerspätestens mit 40…!

  • Zufferey Marcel sagt:

    Mit Vierzig ist das Leben vor allem die Summe aller Entscheidungen, die man getroffen hat und man ist (plötzlich) nicht mehr so frei, weil sich die Zahl der Möglichkeiten parallell zum steigenden Alter spürbar reduziert. Das kann sehr befreiend sein!

    • Ralf Schrader sagt:

      Wenn man die Biografie mit Hausbau vergleicht, ist der 40. Geburtstag der späteste Tag des Einzugs. Man wohnt nun nicht mehr in der Welt, sondern auf recht kleiner Fläche beschränkt.

      Nur fertig ist das Haus noch nicht. Der Innenausbau ist noch nicht abgeschlossen. Das ist erst ab ca. 60 der Fall. Danach verlässt man das Haus immer seltener. Diese Verengung des Horizonts kann in der Tat sehr befreiend sein.

      40 und 60 sind nach der Pubertät die beiden grossen Wendepunkte der Biografie. Die Türen, welche an der ersten Wende aufgingen, schliessen sich sukzessive an den beiden anderen.

      Wenn man statistisch bewandert ist, ersetzt man 40 durch 38 Jahre und 3 Monate, 60 durch 61 Jahre und 9 Monate.

  • Lukas sagt:

    Gute Gedanken – aus meiner Sicht sind diese nicht altersabhängig.

  • Andreas K. Heyne sagt:

    „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ – das wahrste aller Sprichwörter und vielleicht am schwersten zu beherzigen. Die eigenen Talente erkennen, ist selten ein Problem. Aber erkennen, wo man nicht gut ist, was andere wirklich besser können – und sich dann danach zu richten: Sich auf das beschränken, was man wirklich kann und andere neidlos ihren Teil machen lassen. Das braucht Zeit und Bescheidenheit. Ist aber im Berufsleben ebenso hilfreich wie im privaten Bereich.

    Und was das Älterwerden angeht: Ich bin 74 und habe schon längst beschlossen, mich so lange für unsterblich zu halten, bis mir einer das Gegenteil beweist.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.