Wutbrüder im Geiste

Ein Bad Boy, der sich als Opfer fühlt: Michael Douglas in «Falling Down». (Foto: Getty Images)

Als «Falling Down» vor 25 Jahren in die Kinos kam, war ich knapp zwanzig Jahre alt und begeistert vom Film. Michael Douglas spielt darin seine Paraderolle. Wie immer ein eigentlicher Widerling, zerrissen von inneren Konflikten – dem man trotzdem gern zusieht. Vielleicht deswegen: Man kennt die Gefühlslage, leidet mit. In der Eröffnungsszene sehen wir Douglas im Stau sitzen, ein Mann mit Aktentasche, Bürstenhaarschnitt und weissem Hemd. Es ist heiss, der Verkehr bewegt sich nicht, überall Baustellen, Chaos, Polizei, alles prasselt auf ihn ein, der Stress verdichtet sich zu einer fast physischen Präsenz. Kurz vor der Panikattacke stösst der Mann die Autotür auf und lässt sein Auto zurück. «Nach Hause» wolle er, sagt er, auf seinem Nummernschild steht «D-Fens». Der einzige Name, den die Figur bekommt. 

Zu Fuss zieht er los, quer durch Los Angeles, ein nicht ungefährlicher Trip. Auf seinem Weg zu Frau und Kind, die sich von ihm getrennt haben, kommt es zu Konfrontationen mit einer Latino-Gang, Angestellten einer Fast-Food-Kette, die ihm kein Frühstück mehr servieren wollen, einem koreanischen Ladenbesitzer und einem Neonazi. Es ist eine Geschichte von Ausbruch, aber auch Selbstjustiz; von jemandem, der ein für allemal genug hat und sich nichts mehr gefallen lassen will.


Eröffnungs-Szene von «Falling Down». (Quelle: Youtube)

Heute bin ich selber im Alter von D-Fens und höre vermehrt Leute in meinem Umfeld sagen: Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich diese Figur. Was sie damit meinen, ist die universelle Erfahrung von Machtlosigkeit, der Kastration individueller Hoffnungen und Wünsche durch die Gesellschaft, Angehörige oder eine simple Midlife-Crisis  

Es geht um das Gefühl, diese Welt und die Gesellschaft nicht mehr zu verstehen, wertlos und überflüssig zu sein. Das kennen wir natürlich alle, zumindest im Ansatz. Nur dass D-Fens nicht zum Helden taugt, im Gegenteil. «Also ich bin der Bad Guy?», dämmert es ihm während des Showdowns mit dem Polizeibeamten, der ihn zu stoppen versucht. Und ja, das ist er – aber wieso ist seine Gefühlslage trotzdem so nachvollziehbar?


Fast-Food-Restaurant-Szene in «Falling Down». (Quelle: Youtube)

Tatsächlich gilt «Falling Down» heute als perfekte Darstellung eines Wutbürgers, der sich trotz seiner Privilegien als Opfer fühlt. In «LA Weekly» analysiert eine Kritikerin den Film zu seinem 25-Jahr-Jubiläum denn auch als Abhandlung über die Angst der weissen Mittelschicht vor dem Verlust ihrer Privilegien. Also jene Gefühlslage, die im Westen den Erfolg disruptiver Parteien und Personen von AfD bis Donald Trump befeuert. Das mag stimmig sein, ist aber vielleicht auch zu kurz gegriffen. 

Tatsächlich identifizierte ich mich 1993 als Zwanzigjährige mit Douglas Figur viel mehr als heute, obschon ich von Alter und Lebenssituation her der Figur heute näher bin. Damals faszinierte mich vor allem D-Fens’ Radikalität, mit der er sich gegen seine Ohnmacht wehrt, die mir nur allzu bekannt vorkam. Etwa die Szene im Fast-Food-Restaurant. Er möchte frühstücken, doch Frühstück wird nur bis elf Uhr serviert und es ist bereits eine Minute nach elf. Er fragt höflich erst die Mitarbeiterin, dann den Manager, ob er nicht doch Frühstück bekommen könnte. Beide lehnen scheissfreundlich ab: Man könne leider nichts tun. Schliesslich zieht D-Fens seelenruhig seine halb automatische Waffe und siehe da, er bekommt sein Frühstück prompt.

Radikalität versus Verständnis

Wie gut kannte ich ähnliche Situationen: Buschauffeure, die einen wegen ein paar Sekunden stehen lassen, um ihre kleine Macht zu demonstrieren, Beamte, die schulterzuckend behaupten, sie könnten «nichts tun», Lehrer, die einen ungerecht behandeln. Ich fühlte mich ohnmächtig und wünschte mir, ihnen meinen Willen aufzwingen zu können.

Heute ist es ganz anders. Vielleicht bin ich geduldiger geworden oder habe einfach gelernt, mich ins Unvermeidliche zu fügen. Vielleicht weiss ich einfach besser, wie komplex Probleme sein können und wie beschränkt oft die eigene Perspektive. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück und gehöre zu den Privilegierten.

Doch Figuren wie D-Fens scheint es mehr denn je zu geben. Statt in einem Auto im Stau zu sitzen, hocken sie vor ihren Computern und hacken ihre Wut, ihre White Rage in die Tastatur – es sind D-Fens’ Wutbrüder im Geist und ihre Wut ist real. Doch selbst wenn sie dafür nachvollziehbare Gründe haben und die Vorstellung, mal richtig auszurasten, reizvoll erscheint: Wir Erwachsenen sollten gelernt haben, dass das letztlich in die Katastrophe führt. 

39 Kommentare zu «Wutbrüder im Geiste»

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    wichtig wäre doch, auch bei diesem thema – dass „die waage im gleichgewicht bleibt.“ das ist eine weltpolitische angelegenheit. und ja. zusehends komplexer.
    sich immer nur zu fügen und verständnis zu zeigen mag zwar vor „wut“ schützen, ist aber tatsächlich das „desinteresse der privilegierten.“ aber hilft es, die gesellschaft voran zu bringen? ich glaube nicht. kanalisierte wut, ist gute wut. wenn man den fokus nicht verliert, immer reflektiert und nicht amok läuft-; bzw. sich nicht radikalisieren lässt. und letzteres ist eine frage der intelligenz und des verstandes. und des augenmasses.

  • Steven Hopkins sagt:

    Das war eine vollautomatische Waffe, nur so als nitpick

  • Zufferey Marcel sagt:

    D-Fens ist ein Scheidungsvater, das ist der Ursprung seiner Wut: Er verliert seine Familie, seine Tochter, hat keine Rechte und muss ganz genau machen, was seine Ex will. Ein kleines, aber pikantes Detail. No Space, No Choice, No Jobs (Naomi Klein) ist etwas, was übrigens bei Weitem nicht nur die weisse (heterosexuelle) Mittelschicht betrifft. Also ist die Problematik tatsächlich wesentlich komplexer, als sie erscheint! Eine Buchempfehlung zu diesem Thema: „Zorn“ von Peter Sloterdijk. Zorn ist keine Normabweichung, sondern eine ganz natürliche, menschliche Reaktion.

    • tina sagt:

      er ist allerdings nicht einfach ein scheidungsvater, wenn ich mich nicht täusche, sondern er hat rayonverbot, seine ex hat angst vor ihm. kann man so oder so interpretieren, klar

      • Zufferey Marcel sagt:

        Ja, so genau weiss ich das jetzt nicht mehr, Tina. Aber eines weiss ich: Das Buch von Sloterdijk heisst „Zorn und Zeit“. Man sollte sich einmal näher mit dem Zorn in unserer Zeit auseinander setzen, anstatt ihn soziologisch irgendwo in der weissen Mittelschicht (oder beim offenbar von niederen Instinkten und Trieben gesteuerten, ach so gefährlichen Unterschichtsmann) anzusiedeln. Wie gesagt: Zorn ist eine ganz natürliche, menschliche Reaktion, die durchaus pathologische Züge tragen kann- in Einzelfällen allerdings nur. Auch empfehlenswert: Hans Magnus Enzensberger’s „Aussichten auf den Bürgerkrieg“. Darin ist u. a. die Rede vom radikalen Verlierer als Produkt unserer Zeit. „Schreckens Männer“ von ihm ist auch noch lesenswert.

        • tina sagt:

          es ja keiner am zorn ansich herumgemäkelt und auch nicht unterschichtmänner als triebgesteuert hingestellt.
          die filmfigur ist es auch nicht. im gegenteil. ich fand gerade durch anzug+aktenkoffer sieht man „jedermann“ (seltsamerweise, zugegeben)

      • Tom sagt:

        Rayonverbote werden gerne ausgesprochen wenn die Ex Angst angibt. Wohl viel zu oft als einfaches Diffamier-, Schikane- und Machtinstrument missbraucht. Dies fordert die geforderte „Gelassenheit“ ohnmächtiger Väter in höchstem Mass heraus.

  • Michael Hofmann sagt:

    Danke für die Filmerinnerung.
    Das wir nun Erwachsen seien und über diesem Seelenkolaps stehen ist mir zu selbstgerecht. Oft sind wir einfach Memmen oder unfähig um soziale Korrekturen sofort vorzunehmen. Das weil wir fast fundamental religös seit Kind indoktriniert werden, Selbstkontrolle zu üben und über die Erschöpfung hinweg, diese maximalen Loyaliät gegenüber einer auch suspekten Masse an Leuten einem Bedürfnis nach besserer Gerechtigkeit vorzuschieben. Michael Douglas spielt kein Wutbürger! Das ist ein Heckenschützenangriff auf die falsche Seite und ist polemisch wie falsch. Resignation der inneren Selbstliebe von Douglas und Anhäufung von Pech das diese Selbstliebe anschwärzt formten seinen tierischen Ausbruch aus sich selber. Das könnte wie im Film falsch gesteuert jedem passieren.

    • R. A. Green sagt:

      Da gehe ich mit Ihnen völlig einig. Danke! Wollte den Artikel ähnlich kommentieren; das erübrigt sich nun.

  • Toni Petz sagt:

    Im westlichen öffentlichen Diskurs zählen heute vor allem die Meinungen der angeblich Unterdrückten, also Frauen, LGBTxxxx, und People of Color. Ausdrücke wie White Rage oder eben Wutbürger werden dazu benutzt, Meinungen von weissen Männern von vornherein als nicht legitim abzutun. Weil sie weiss sind, männlich, angeblich privilegiert und zur Kaste der Unterdrücker gehören. Nur, das Patriarchat gibt es schon lange nicht mehr und weisse Frauen in der westlichen Welt zählen zu den privilegiertesten Wesen von allen. Das ist auch gut so, nur wäre es vielleicht mal an der Zeit die eigenen Privilegien anzuerkennen, so wie Frau Binswanger dies hier auch andeutet.

    • Niklas Meier sagt:

      Ich denke nicht, dass Frau Binswanger hier ihre eigenen Privilegien erkennt. Es scheint ihr vielmehr darum zu gehen, die sog. „Wutbürger“ als unreif, unreflektiert und unvernünftig darzustellen.
      Da aber bereits der Begriff „Wutbürger“, analog der Nazikeule, als Totschlagargument verwendet wird, wertet sie hier diese Leute zusätzlich ab. Nicht nur akzeptiert sie die Ignoranz, Andersdenkende einfach als nicht beachtenswert (darauf zielt die Bezeichnung „Wutbürger“ ja ab), nein, sie erhebt sich auch noch über eben diese Menschen.

      Was das über einen Autoren aussagt ist eine andere Frage.

      • Michèle Binswanger sagt:

        Herr Meier, ich weise ihre unbegründeten Unterstellungen zurück und fordere Sie auf, ihre Interpretationen zu belegen: „Es scheint darum zu gehen, die Wutbürger als xy darzustellen“. Wo genau lesen Sie denn das heraus? Ich schreibe „Tatsächlich gilt «Falling Down» heute als perfekte Darstellung eines Wutbürgers, der sich trotz seiner Privilegien als Opfer fühlt.“ Damit berichte von einer Interpretation dieser D-Fens Figur, die sich heute von damals unterscheidet. Aussagen darüber, wie Wutbürger allgemein sind, mache ich nicht. Aber ich ziehe Parallelen zu den Wutbürgern vor dem Computer.

        • tina sagt:

          der vergleich dieser filmfigur, der man beim durchknallen zusehen kann und die zum amokläufer wird, mit wutbürgern und anonymen-auf-den-putz-hau-online-kommentarschreibenden schon nicht nur hinkend sondern eher komplett beinamputiert

      • tigercat sagt:

        Wutbürger SIND unreif, unreflektiert, unvernünftig und nicht beachtenswert, sind einfach nur Pack!

  • Michael sagt:

    Bedingt durch die schöne neue Welt fühle ich mich machtloser den je. Es wird immer mehr über meinen Kopf hinweg entschieden und ich kann keinen Einfluss darauf nehmen. Ich will kein neues AKW, ich möchte gesündere Waren und kein Glyphosat, ich möchte den Zugang zu Waffen einschränken, ich möchte keine genveränderten Lebensmittel, ich möchte, das man sich intensiv um alternative Energien kümmert, ich möchte die Einheitskrankenkasse und das bedingungslose Grundeinkommen – aber sobald es wirtschaftliche Interessen beschränkt, wird es bleiben wie es ist.

    • Michael2 sagt:

      Nicht verzweifeln.. man kann als „kleiner Mann“ auch was verändern. Vielleicht nur was kleines aber wie man so schön sagt: Kleinvieh macht auch Mist.
      Wenn man’s im grossen Stil haben möchte, muss man nur seine Prinzipien aufgeben, ein paar Millionen scheffeln, Fernsehsender (oder andere Medien) zusammenkaufen und so seine Meinung andern „einflössen“. Oder sich gleich als Diktator aufstellen lassen. In der Situation kann man dann endlich die unterdessen aufgegebenen Ziele verfolgen.
      Vermutlich ist der Mensch zu dumm, um mit der ihm gegebenen Intelligenz richtig umzugehen…

    • Roman Günter sagt:

      @Michael
      Sie versuchen vor allem zuviel kontrollieren zu wollen. Sie haben mehr Wahlmöglichkeiten als Sie denken, müssen aber auch die damit verbundenen persönlichen Konsequenzen auf sich nehmen.

  • Martin Frey sagt:

    Der Film sucht in der Tat seinesgleichen. Ich würde aber D-Fens nicht auf einen Wutbürger reduzieren wollen, zumindest nicht unter dem, was man gemeinhin darunter versteht (AfD, Pegida, Internettroll). Denn D-Fens möchte eigentlich seine Sache gut machen. Er versucht es höflich (im Ggs. eben zu Wutbürgern) und wieder höflich, obwohl die aus seiner Sicht anmassenden Leute ihm ins Gesicht lachen. Nach aussen versucht er die Fassade aufrecht zu erhalten, obwohl es in seinem Innern brodelt. Und je mehr er sich Mühe gibt (wieder aus seiner Perspektive) umso mehr wird auf ihm rumgetrampelt, spielt ihm das Schicksal mit. Ein Umstand, den wir auch aus anderen Filmen (Dogville) kennen. Bis er (aus seiner Sicht) den Leuten mit der Münze heimzahlt die sie verdienen in der Sprache, die sie verstehen.

    • Martin Frey sagt:

      /Und oh Wunder, plötzlich staunt er selber wohl am meisten dass er (aus seiner Sicht) zu dem kommt, was er für sein Recht hält.
      Wir alle kennen solche Gefühle: Leute die anmassend sind, ihren Job nicht richtig machen, ihre Probleme zu unseren machen usw. D-Fens hat nicht gelernt, einerseits seine Gefühle auf gesunde Art zu kanalisieren, und andererseits sich derart zu verhalten, dass ihm (aus seiner Sicht) nicht so übel mitgespielt wird. Dies wiederum ist eine Kunst im heutigen Zusammenleben die nicht allen gelingt, gleich gut gelingen kann. Wenn die Autorin heute so kompensiert ist, dass ihr die Gefühlswelt von D-Fens fremd geworden ist, wunderbar. Derart zu glauben, darüber zu stehen, ist aber nicht menschlicher, normaler als die unterdrückten Wutwallungen von D-Fens.

  • Dani sagt:

    Für mich kommt ein Thema hier eindeutig zu kurz: „Selbstkompetenz“. Es tut mir leid, aber viele der Dinge die uns heute wütend machen, haben wir uns selber zu zuschreiben.
    Buschauffeure, die einen wegen ein paar Sekunden stehen lassen: Sei pünktlich.

    Beamte, die schulterzuckend behaupten, sie könnten «nichts tun»: Lass es eskalieren bis der Druck wächst solange du dich im Recht siehst und dir Unrecht getan wurde.

    Lehrer, die einen ungerecht behandeln.: Warum tun sie das? Was haben wir vorher getan dass sie so reagieren? Niemand behandelt uns einfach so ungerecht.

    Die Selbstreflexion leidet schon seit JAHREN und sehen uns immer als Opfer und Geschädigte, obwohl wir bei vielen Dingen der Auslöser sind.

    • Martin Frey sagt:

      Selbstkompetenz ist wichtig, keine Frage. Aber zu behaupten, dass niemand uns einfach so ungerecht behandelt, ist definitiv falsch. Denn ansonsten würde es ja gar keine übergriffigen Menschen geben, und etwaige Opfer wären grundsätzlich immer selber schuld. Natürlich ist nicht immer der andere per se schuld. Aber genau eine solche Annahme wäre per se schon wieder ein Stück weit übergriffig.
      Selbstkompetenz kann dann zum Tragen kommen, wenn es um gesunde Abgrenzung geht. Das kann man lernen.
      Wir alle haben die Möglichkeiten, in unserem Leben in solchen Situationen auch auf andere zuzugehen. Damit wäre vieles entschärft. Sehr viele Menschen sehen dies aber grundsätzlich nicht als ihre Aufgabe, und daher kommen die Spannungen zumeist.

  • Luca Bellini sagt:

    Warum ist Trump als weisser Mann kein Wutbürger? Weil er auf einem Arsenal von A-Waffen sitzt und das dauernd betont. Ironie Ende.
    Der/die Wutbürger/in gehört zum Typus „wenn ich könnte, dann würde ich dir…“ und besitzt ein Gefühl von Ohnmacht ggü. einer subjektiv empfundenen Macht (Staat, Medien, TelcoAnbieter, Kirche etc.). Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, dann kippt es. Auch im Positiven. Meinem Sohn habe ich daher geraten, Judo & BJJ zu lernen, sich in Rhetorik und Allgemeinbildung zu üben und zu meditieren. Erstere lehren einem Demut, Disziplin und mit „Macht“ umgehen zu können, das Zweite lehrt ihm, Konflikte reflektiert und mit Logik & Sprache zu lösen (eingehen oder vermeiden), drittes übt Resilienz, aber immer konsequent und selbstverantwortlich. Frei nach Sunzi.

  • Anh Toàn sagt:

    Ich schreibe oft aggressive Kommentare, aber deswegen muss ich nicht wütend sein. Der Punk, der schwarze Block, Fussballhooligans unterhalten sich an ihrer Aggressivität, ich behaupte, die sind gar nicht wütend, denen ist fad. The Clash sangen auch darüber, wie sich das Spiessbürgertum von der Aggressivität der Polizei, die auch oft nicht Wut, sondern kalkuliert ist, unterhalten: „What have we got for entertainment / Cops Kicking gipsies on the pavement. Die Wutbürger sind vor allem gelangweilt, wollen auf den Putz hauen. „‚cause summer’s here and the time is right, for fighting in the streets.“

    Bei d-fens überladete der chip im Kopf, als er mitten auf dem Highway aus dem Auto steigt: Das macht man nicht. Ab da ist er auf einem Amoklauf, halt in seiner spiessigen Art.

    • Anh Toàn sagt:

      Warum dreht jemand so durch? Fragen wir uns immer wieder bei Amokläufen, Massentötungen und auch sogenannten „Familiendramen“. (Ich mag Montage nicht hat eine davon als Grund genannt.
      Ich mag den Züri West Song, „Henry“ kann jeder sein. Er steht auf am Morgen und sieht im Spiegel auf dem ganzen Körper und im Gesicht, blaue Punkte und grüne Streifen, sonst fühlt er sich gut. Er rubbelt und wäscht, das Zeugs geht nicht weg. Nichts im Internet oder Radio über eine komische Sache. Ruft den Arzt an, der sagt, er soll zum Psychiater. So bleibt er eine Woche allein zu Hause, verstört, holt das Gewehr um sich zu erschiessen, will einen letzten Blick auf die Welt, ein Kind sieht hoch zu ihm und ruft: „Seht mal den Papagei!“ und dann schiesst er, auf die Kinder und alles, was sich bewegt.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Da haben Züri West aber ganz tüchtig bei Henry Bukowski abgekupfert: Genau so eine Story hat nämlich auch er einst geschrieben, nur dass er sich dann bei einem Highway verschanzt- und von da aus das Feuer eröffnet hat. Hätte nicht gedacht, dass man als Künstler dermassen unverschämt abkupfern darf. Bei Buk ist der Typ nämlich plötzlich grün mit goldenen Punkten drauf.

        Auch ich bin bisweilen zornig. Aber ich mache mir deswegen kein Gewissen.

  • Andreas sagt:

    Buschauffeure haben gegenüber den häufig dutzenden im Gefährt sitzenden Passagieren und denjenigen Leuten, die an den folgenden Stationen auf das Verkehrsmittel warten, eine Verantwortung und können (und sollten) nicht wegen jedem, „der es noch schaffen könnte“, ein paar Sekunden zusätzlich warten.

    Aber Sie müssen das aus welchem Grund auch immer für Ihren Kommentar als Machtspiel interpretieren und verkaufen, auch wenn es unbegründet ist.

    • Michèle Binswanger sagt:

      Oje, Andreas! Ich war damals ein Teenager, ich empfand es so und vermutlich gibt es auch unter Buschauffeuren Menschen, die das tun. Genau darum geht es ja. Dass ich das jetzt auch so sehen kann, wie Sie, weil ich mehr Erfahrung habe.

  • Karl-Heinz sagt:

    Grundsätzlich halte ich es besser, die Tastatur zu benutzen, als mit einer Waffe auf Mitmenschen loszugehen oder mit dem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Und dann ist die Frage, wo der kritische Kommentar aufhört und der Wutbürger beginnt. Wenn der kritische Kommentar immer wieder unterdrückt wird, reift der Wutbürger heran. Die Lösung wäre doch eine Plattform für kritische Kommentare zu erhalten, in konstruktiver Art und Dialog.

  • Peter Hartmann sagt:

    Politisch korrekt wie gewohnt – man will einfach nicht sachlich dieses oder ein anderes Problem ehrlich anschauen und sachlich von Fall zu Fall, die eine oder andere Sicht als die subjektiv richtige respektieren und auch akzeptieren, dass eben sehr wohl Situationen existieren, in denen eben nicht der wohldressierte gleichgeschaltete Bürger im Recht ist sondern der bielgeschmähte „Wutbürger“. Der Mainstream ist nicht immer im Recht entgegen allen Appellen. Deshalb sollte jeweils mehr Anstrengung auf Kompromissuche anstatt schlicht Unterdrückung gelegt werden.

  • jean-pierre neidhart sagt:

    Wenn die Wut mal ausbricht hat Intelligenz und Ausgeglichenheit keine Chance mehr.

  • Paul Real sagt:

    Niemand kann etwas für irgendwas – alle machen nur ihren Job.

    • Frank Baum sagt:

      Dann ist ja alles in Ordnung. Dann spielt es offenbar auch keine Rolle, wie jemand etwas tut….man fragt sich, wieso überhaupt irgendwer noch etwas tut…

  • Wildberger sagt:

    Ist D-Fense Ein Wutbürger? Nein, höchstens ein unbeherrster Psychopath, auch wenn man die filmische Überzeichnung abzieht. Er löst seine persönlichen Probleme auf typische Holiwoodmanier mit um sich ballern. Unkontollierte Wutausbrüche werden im gängiger TV- und Filmverständnis als autentisch dargestellt. Im Film haben nur gefühlskalte Bösewichte ihre Wut unter Kontrolle. Wut kontrollieren heiss nicht einfach unterdrücken sondern ihr nur Raum geben, wo sie sinnvoll ist. Das ist das Ziel, gelingt aber auch mir nicht immer.
    Im Übrigen habe ich die Chauffeure in Zürich nur als zuvorkommend erlebt wie öffnen die Tür, wenn man angerannt kommt. Einen verpassten Bus als Machtdemonstation des Fahrers aufzufassen ist infantile Ichbezogenheit.

  • markus kohler sagt:

    Ich liebe diesen Film noch heute, da erzeigt wie der ganz durchschnittliche Frust sich so summieren kann, dass er fast nicht mehr ausgehalten werden kann. Frau Binswanger macht aus ihrer Filmkritik einen Rundschlag gegen den Lieblingsprügelknaben aller Feministinnen, den weissen, heterosexuellen, nicht mehr jungen Mann. Sie erwartet, dass alle Männer geduldig wie Schafe sämtliche Kritik, die heute auf sie niederprasselt schlucken und auch akzeptieren, dass ihre Rolle das Erledigen unliebsamer Aufgaben und das Bezahlen, jedoch niemals das Mitbestimmen umfasst.
    Frauen haben eine riesige Lobby, Männer werden heute isoliert „gehalten“, ich kann den Filmprotagonisten gut verstehen, auch wenn ich die Methoden nicht kopieren würde.

  • Feldman irene sagt:

    wie damals so auch heute verstehe ich diese Szene ausgezeichnet. Sei es im Stau oder auch im Restaurant. Die Ignoranz für Bedürfnisse anderer, das egoistische NUR ICH EXISTIERE, smorgen gibts nur bis 11.30…..das sind genau die trigger für menschliche Ausbrüche und in diesem Sinn, versagen. Oft nach einem solchen Ausbruch und zwar Sekunden danach fühlt man das es ein Fehler war weil diese Gewalt ist kein Weg. Wenn man die Gnade hat sich einfach auszuklicken, wegzulaufen, da lernt man persönliche Stärke. Nach diesen Wut-Ohnmachtsanfällen kommt man immer runter, dann funktioniert das Gehirn auch wieder.

  • Frank Baum sagt:

    Ich denke, Der Charakter D-Fens zeigt schon ein paar Punkte auf, die sich bei Trump-Wählern und AfD-Wählern wieder finden. Die Erklärung der „LA Weekly“ liegt daneben. Ich denke nicht, dass diese Wähler Angst vor einem Verlust ihrer Privilegien haben. Ich glaube eher, dass der Frust mitschwingt, dass man sich zwar an die Regeln hält, aber trotzdem nur den kürzeren zieht – sei das jetzt bei einer Scheidung oder wenn man in einem Restaurant nicht bedient wird oder wenn man mit Gangstern in Kontakt kommt, die gar nicht verstehen, dass es überhaupt Regeln geben soll.

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