Die grosse Reue in der Mitte des Lebens

Hab ich alles richtig gemacht, bin ich im Leben, wo ich immer sein wollte? Nein: Bill Murray in «Broken Flowers». Foto: PD

Vorgestern Abend traf ich einen alten Bekannten. Wir erzählten uns den Stand der Dinge, er sagte irgendwann, seine Ehe sei ein Fehler gewesen, und die Frau, deretwegen er die Ehe beendet habe, auch. Er bereue beide Beziehungen zutiefst.

«Was bereust du noch?», fragte ich. Und seine Antwort war: «Ach, eigentlich alles. Mein Studium, meinen Job, ich würde alles gerne noch mal, aber anders machen.» Ich war total schockiert und bin es irgendwie immer noch. Ich fragte etwas herum, und alle in meinem Alter bereuen eine Menge. Beziehungen, ein Studium, weil es die Eltern so wollten, etwas nicht getan zu haben, weil sie sich nicht getraut haben, oder etwas getan zu haben, weil sie auf Respekt hofften.

Schicksal oder Selbstvorwürfe

Ich persönlich bereue nichts, ausser mich nicht um meine Gesundheit und vor allem meine Zähne gesorgt zu haben. Das muss ich jetzt schmerzhaft büssen. Alles andere wäre anders nicht gegangen, selbst wenn ich gewollt hätte. Ich glaube zudem auch an Schicksal und an Aufgaben im Leben, die wir mithilfe unseres Wegs zu meistern haben. Wenn jemand in seinem Leben besonders geldgierig ist und nur den materiellen Wert der Dinge sieht und es in der Mitte oder am Ende seines Lebens bereut, dann hat er doch eine grosse Erfahrung gemacht, und wird es in seinem nächsten Leben anders machen.

Das sagte ich auch dem Bekannten vorgestern. Ist doch gut, wenn du das alles jetzt weisst, dann kannst du es das nächste Mal besser machen. «Welches nächste Mal? Ich heirate nie wieder!» – «Im nächsten Leben…» Er lachte, als hätte ich einen besonders guten Witz gemacht.

Aber Reue in der Mitte des Lebens scheint generell ein grosses Thema zu sein. Wenn die Hälfte der Zeit um ist und man merkt, dass man sich im Leben nicht dort befindet, wo man sein wollte, nicht glücklich ist, beginnt man nachzudenken. Was habe ich eigentlich so gemacht? Und warum?

Psychologischen Studien zufolge sind das die Top 5 der Gründe für eine Midlife-Krise:

1. Ich wünschte, ich hätte bei der Studiums- und Berufswahl nicht auf das gehört, was andere sagen und denken.

2. Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet und dadurch nicht so viel in jungen Jahren verpasst.

3. Ich wünschte, ich hätte nicht zu viel Angst vor Veränderung gehabt.

4. Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie man mit negativen Situationen und giftigen Mitmenschen umzugehen hat.

5. Ich wünschte, ich wäre nicht so sehr dem Geld hinterhergerannt.

Bereuen Sie auch eines dieser 5 Dinge? Oder etwas ganz anderes?